"Das Sinthom" entziffern

Kommentar zu Jacques Lacans Vorlesung vom 17. Februar 1976

Bernhard Strigel, Verkündigung an die Hl. Anna (Jacques Lacan, Das Sinthom Joyce)Bern­hard Strigel: Die Ver­kün­di­gung der Ma­ria an die Hei­li­ge Anna, Öl auf Holz, 58 x 30 cm, ca. 1505–1510. Ma­drid, Mu­seo Thyssen-Bornemisza(Ausschnitt, voll­stän­di­ges Bild hier)

Kom­men­tar zu La­cans Se­mi­nar 23 von 1975/76, „Das Sin­t­hom“

Jac­ques La­can: Se­mi­nar 23 von 1975/76: Le sin­thome / Das Sin­t­hom

Kom­men­tar von Rolf Nemitz
ge­stützt auf die Tref­fen der Le­se­gruppe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin
ab März 2013

Ei­nen Über­blick über die Kom­men­tare zu den ein­zel­nen Sit­zun­gen fin­det man hier, über den ge­sam­ten Kom­men­tar hier.

Eine Über­sicht über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben des Sin­t­hom-Se­mi­nars gibt es hier.

Vorlesung vom 17. Februar 1976

17. und 18. Tref­fen der Le­se­gruppe des Psy­cho­ana­ly­ti­schen Sa­lons Ber­lin
am 25. No­vem­ber und 16. De­zem­ber 2014
in der Psy­cho­ana­ly­ti­schen Bi­blio­thek Ber­lin

Psychoanalytische-Bibliothek-Berlin-Eingang-Hardenbergstraße

Psy­cho­ana­ly­ti­sche Bi­blio­thek Ber­lin, Har­den­berg­stra­ße 9, 10623 Ber­lin

 

TONAUFNAHME

Die Sei­ten­zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sta­fer­la-Ver­si­on.

Ers­tes Drit­tel, bis  „ … dire être la­ca­ni­en­ne.“ (bis 29:58 Mi­nu­ten, bis S. 61):

Zwei­tes Drit­tel, von „Com­ment est-ce que …“ bis  „ … deux au­tres points.“ (bis 59:58 Mi­nu­ten, bis S. 63):

Drit­tes Drit­tel, von „Car en cor­ri­ge­ant … “ bis Schluss:

 

FRANZÖSISCH/DEUTSCH

Quel­len der La­can-Zi­ta­te

Fran­zö­si­scher Text
Ver­sion Sta­ferla = Le sin­thome. 1975 – 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­geben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Va­ri­an­te vom 28.6.2013, PDF-Da­tei hier. Die Tran­skrip­ti­on wur­de mit der Au­dio­auf­nah­me ver­gli­chen und ge­ring­fü­gig über­ar­bei­tet.

Deut­scher Text
Die Über­set­zung stützt sich auf die Über­set­zung von Se­mi­nar 23 durch Max Klei­ner, her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007, lin­ke Spal­te die­ser Dop­pel­über­set­zung. Klei­ners Über­set­zung wur­de von Rolf Nemitz stark über­ar­bei­tet.

Sei­ten­zah­len

Fran­zö­si­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Ver­si­on Sta­fer­la vom 28.6.2013.

– Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­ga­be von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005) „[83]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­si­on von 2005 die Sei­te 83“. Da Mil­ler die Tran­skrip­ti­on re­dak­tio­nell be­ar­bei­tet hat, un­ter­schei­det sich die hier ge­brach­te Tran­skrip­ti­on häu­fig von Mil­lers Aus­ga­be.

Deut­scher Text
Die Zah­len nach ei­nem Satz in run­den Klam­mern ver­wei­sen auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner.

An­mer­kun­gen
Die An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text be­zie­hen sich auf Fra­gen der Tran­skrip­ti­on.

– Die An­mer­kun­gen zur Über­set­zung lie­fern In­for­ma­tio­nen zum Text ohne Be­zug auf La­cans Theo­rie so­wie Quer­ver­wei­se.

 

 

[91] J’avais un es­poir… et ne vous fai­tes pas l’idée qu’il s’agit de co­quet­te­rie, de ti­til­la­ge, com­me ça …j’avais un es­poir, j’avais mis un es­poir dans le fait des va­can­ces. (59)

Ich hat­te eine Hoff­nung – und den­ken Sie nicht, dass es sich um Ko­ket­te­rie, um ein Ge­kit­zel han­delt –, ich hat­te eine Hoff­nung, ich hat­te Hoff­nung in die Tat­sa­che ge­setzt, dass Fe­ri­en sind. (99)

Il y a beau­coup de mon­de qui s’en va, c’est vrai. (59)

Es gibt vie­le, die weg­fah­ren, das ist wahr. (99)

Dans ma cli­en­tè­le c’est frap­pant, mais ici ça ne l’est pas. (59)

In mei­ner Kli­en­tel sind das er­staun­lich vie­le, aber hier ist das nicht so. (99)

Je veux dire que je vois tou­jours les por­tes aus­si en­com­brées, et pour tout dire, j’espérais que la salle se­rait al­lé­gée. (59)

Ich will sa­gen, dass ich die Tü­ren im­mer noch ge­nau­so ver­stopft sehe; und um es klar zu sa­gen, ich hat­te ge­hofft, der Raum habe sich ge­lich­tet. (99)

Mo­y­ennant quoi, je… et puis en plus, tout ça, tout ça m’exaspère, par­ce que c’est pas de très bon ton, en­fin …mo­y­ennant quoi j’espérais pas­ser aux con­fi­den­ces, m’installer au mi­lieu de  je sais pas  s’il y avait seu­le­ment la moi­tié de la salle, ça se­rait mieux. (59)

Wo­durch – und dann regt mich das Gan­ze auch auf, weil es kein sehr gu­ter Ton ist –, wo­durch ich also ge­hofft hat­te, zu ei­nem ver­trau­te­ren Um­gang über­ge­hen zu kön­nen, mich ein­zu­rich­ten in­mit­ten von –, ich weiß nicht, wenn nur die Hälf­te des Raums da wäre, das wäre bes­ser. (99)

Il va fal­loir que je re­tourne à un am­phi­t­héât­re qui était l’amphithéâtre 3 si je me sou­vi­ens bien, com­me ça je pour­rai par­ler d’une fa­çon un pe­tit peu plus in­ti­me. (59)

Es wird nö­tig sein, dass ich in ei­nen Hör­saal zu­rück­keh­re, in Hör­saal 3, wenn ich mich recht ent­sin­ne, so wer­de ich wie­der auf eine Wei­se spre­chen kön­nen, die ein biss­chen in­ti­mer ist. (99)

Ce se­rait quand même sympat­­hique si je pou­vais ob­tenir qu’on me répon­de, qu’on col­la­bo­re, qu’on s’intéresse. (59)

Es wäre trotz­dem sehr nett, wenn ich er­rei­chen könn­te, dass man mir ant­wor­tet, dass man mit­ar­bei­tet, dass man An­teil zeigt. (99)

Ça me sem­ble dif­fi­ci­le de s’intéresser à ce qui est en som­me, à ce qui de­vi­ent une re­cher­che. (59)

Es scheint mir schwie­rig zu sein, An­teil an dem zu zei­gen, was letzt­lich, was eine Su­che wird, eine Re­cher­che. (99)

Je veux dire que je com­mence à fai­re ce qu’implique le mot re­cher­che : à tour­ner en rond. (59)

Ich will sa­gen, dass ich an­fan­ge, das zu tun, was das Wort re­cher­che be­inhal­tet: sich im Kreis dre­hen.1 (99)

Il y avait un temps où j’étais un peu cla­i­ron­nant com­me ça, je di­sais com­me Pi­cas­so : … par­ce que c’est pas de moi … « je ne cher­che pas, je trouve », mais j’ai plus de pei­ne main­ten­ant à fray­er mon che­min. (59)

Es gab eine Zeit, in der ich so ein biss­chen her­um­po­saun­te, ich sag­te, wie Pi­cas­so – denn das ist nicht von mir –: „ich su­che nicht, ich fin­de“, aber jetzt habe ich mehr Mühe, mei­nen Weg zu bah­nen.2 (99)

Bon, alors je vais quand même ren­trer dans ce que je sup­po­se… c’est une pure sup­po­si­ti­on, j’en suis ré­du­it à sup­po­ser …à ce que je sup­po­se que vous avez en­ten­du la der­niè­re fois, et pour entrer dans le vif, je l’illustre. (59)

Gut, also ich wer­de jetzt doch auf das zu­rück­kom­men, was Sie, wie ich an­neh­me – es ist eine blo­ße An­nah­me, ich bin dar­auf zu­rück­ge­wor­fen, es an­zu­neh­men –, was Sie, wie ich an­neh­me, letz­tes Mal ver­stan­den ha­ben, und um zum Kern der Sa­che zu kom­men, il­lus­trie­re ich es. (99)

Voi­là un nœud. (59)

Kleeblattknoten gelb (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Klee­blatt­kno­ten

Das ist ein Kno­ten. (99)

[92] Alors, c’est le nœud qui se dé­du­it de ce qui n’est pas un nœud, car le nœud bor­ro­méen, con­trai­re­ment à son nom qui com­me tous les noms re­flè­te un sens, il a le sens qui per­met dans la chaî­ne, dans la chaî­ne bor­ro­méen­ne, de si­tu­er quel­que part le sens. (59)

Borromäischer Knoten mit eingetragenem Kleeblattknoten (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen mit ein­ge­tra­ge­nem Klee­blatt­kno­ten

Das ist der Kno­ten, der sich von et­was her­lei­tet, was kein Kno­ten ist, denn der bor­ro­mäi­sche Kno­ten hat, im Ge­gen­satz zu sei­nem Na­men, der wie alle Na­men ei­nen Sinn re­flek­tiert, er hat den Sinn, der es ge­stat­tet, in der Ver­schlin­gung, in der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung, ir­gend­wo den Sinn zu ver­or­ten.3 (99 f.)

Umwandlung eines borromäishen Knotens in einen Kleeblattknoten (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Um­wand­lung ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen in ei­nen Kleeblattknoten[note]Quelle: Ver­si­on Sta­fer­la, bearbeitet.[/note]

Il est cer­tain que si nous ap­pe­lons cet élé­ment de la chaî­ne l’Imaginaire, cet aut­re le Réel et ce­lui-là, le Sym­bo­li­que, le sens sera là. (59)

(Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

R = Rea­les, S = Sym­bo­li­sches, I = Ima­gi­nä­res

Es ist si­cher, dass, wenn wir die­ses Ele­ment der Ver­schlin­gung das Ima­gi­nä­re nen­nen, die­ses an­de­re das Rea­le und je­nes dort das Sym­bo­li­sche, der Sinn hier sein wird. (100)

Nous ne pou­vons pas es­pé­rer mieux, es­pé­rer de le pla­cer ail­leurs, par­ce que tout ce que nous pen­sons, nous en som­mes ré­du­its à l’imaginer. (59)

Bes­se­res kön­nen wir nicht er­hof­fen, nicht hof­fen, ihm an­ders­wo ei­nen Platz zu ge­ben, weil wir in al­lem, was wir den­ken, dar­auf zu­rück­ver­wie­sen sind, es zu ima­gi­nie­ren. (100)

Seu­le­ment nous ne pen­sons pas sans mots, con­trai­re­ment à ce que des psy­cho­lo­gues – ceux de l’école de Würz­burg – ont avan­cé. (59)

Al­lein, wir den­ken nicht ohne Wor­te, im Ge­gen­satz zu dem, was Psy­cho­lo­gen, die der Würz­bur­ger Schu­le, vor­ge­bracht ha­ben.4 (100)

Bon, com­me vous le voy­ez, je suis un peu déçu, et j’ai de la pei­ne à démar­rer. (59)

Gut, wie Sie se­hen, bin ich et­was ent­täuscht und habe Mühe, los­zu­le­gen. (100)

Alors, je vais entrer dans le vif, et dire ce qui peut ar­ri­ver à ce qui fait nœud. (59)

Also, ich wer­de zum Kern der Sa­che kom­men und sa­gen, was dem, was Kno­ten macht, ge­sche­hen kann. (100)

Pour ce qui fait nœud, c’est-à-dire, au mi­ni­mum, le nœud à trois, ce­lui dont je me con­tente puis­que c’est le nœud qui se dé­du­it de ceci que les trois ronds, les ronds de ficel­le  com­me aut­re­fois j’avais avan­cé cet­te image  les ronds de ficel­le de l’Imaginaire et du Réel et du Sym­bo­li­que, ben il est clair qu’ils font nœud. (59)

Für das, was Kno­ten bil­det, das heißt als Mi­ni­mum den Drei­er­kno­ten, der, mit dem ich mich be­gnü­ge, da das der Kno­ten ist, der sich dar­aus ab­lei­tet, dass die drei Rin­ge, die Schnur­rin­ge – da ich frü­her die­ses Bild vor­ge­bracht hat­te –, die Schnur­rin­ge des Ima­gi­nä­ren und des Rea­len und des Sym­bo­li­schen, nun, es ist klar, dass sie Kno­ten bil­den.5 (100)

Qu’ils font nœud, c’est à sa­voir que : ils ne se con­ten­tent pas de pou­voir iso­ler, dé­ter­mi­ner un cer­tain nom­bre de champs de co­in­ce­ment, d’endroits où si on met le doigt, on se pin­ce. (59)

Dass sie Kno­ten bil­den, das heißt, dass sie sich nicht da­mit be­gnü­gen, eine ge­wis­se An­zahl von ein­ge­keil­ten Fel­dern iso­lie­ren, de­ter­mi­nie­ren zu kön­nen, von Or­ten, wo man sich, wenn man den Fin­ger hin­ein­steckt, ein­klemmt. (100)

On se pin­ce aus­si dans un nœud, seu­le­ment le nœud est d’une na­tu­re dif­fé­ren­te. (59)

Auch in ei­nem Kno­ten klemmt man sich ein, nur ist der Kno­ten von an­de­rer Na­tur. (100)

Alors, si vous vous sou­ve­nez bien  na­tu­rel­le­ment je n’en es­pè­re pas au­tant  si vous vous sou­ve­nez bien, j’ai avan­cé la der­niè­re fois cet­te re­mar­que  cet­te re­mar­que qui ne va pas de soi  qu’il suf­fit qu’il y ait une err­eur quel­que part dans le nœud à trois, sup­po­sez par ex­emp­le, qu’au lieu de pas­ser au-des­sous ici, ça pas­se au-des­sus :

2 Kleeblattknoten davon 1 falsch (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

links: rich­ti­ger Klee­blatt­kno­ten, rechts: fal­scher Klee­blatt­kno­ten

 …ben, ça suf­fit à fai­re bien sûr – ça va de soi par­ce que [93] cha­cun sait qu’il n’y a pas de nœud à deux – il suf­fit donc qu’il y ait une err­eur quel­que part, pour que ceci – je pen­se que ça vous sau­te aux yeux – se ré­dui­se à un seul rond. (60)

3 falsche Kleeblatt (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Ent­fal­tung des fal­schen Klee­blatt­kno­tens

Also, wenn Sie sich recht er­in­nern, na­tür­lich er­hof­fe ich mir nicht so viel, wenn sie sich recht er­in­nern, habe ich letz­tes Mal die fol­gen­de Be­mer­kung vor­ge­bracht, eine Be­mer­kung, die sich nicht von selbst ver­steht: Es ge­nügt, dass es ir­gend­wo im Drei­er­kno­ten ei­nen Irr­tum gibt, neh­men Sie bei­spiels­wei­se an, dass dies an­statt un­ten durch zu lau­fen hier dar­über läuft,2 Kleeblattknoten davon 1 falsch (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)gut, es ge­nügt, das zu tun – si­cher­lich ver­steht sich das von selbst, da je­der weiß, dass es kei­nen Zwei­er­kno­ten gibt –, es ge­nügt also, dass es ir­gend­wo ei­nen Irr­tum gibt, da­mit sich dies hier – ich den­ke, das springt Ih­nen in die Au­gen – auf ei­nen ein­zi­gen Ring re­du­ziert. (100 f.)

Ça ne va pas de soi, par­ce que si, par ex­emp­le, vous pre­nez le nœud à cinq, ce­lui-là… com­me il y a un nœud à quat­re qui est bien con­nu, qui s’appelle le nœud de Lis­ting …j’ai ap­pelé ce­lui-là, com­me ça – idée lou­fo­que – le nœud de La­can. (60)

Listing Lacan (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)Das ver­steht sich nicht von selbst, denn wenn Sie zum Bei­spiel den Fün­fer­kno­ten neh­men, den da, da es ei­nen Vie­rer­kno­ten gibt, der be­kannt ist und der Lis­ting-Kno­ten heißt, habe ich den da, ver­rück­te Idee, den La­can-Kno­ten ge­nannt.6 (101)

C’est en ef­fet ce­lui qui con­vi­ent le mieux  mais je vous dirai ça une aut­re fois  c’est en ef­fet ce­lui qui con­vi­ent le mieux. (60)

Das ist tat­säch­lich der an­ge­mes­sens­te – aber ich wer­de Ih­nen das ein an­de­res Mal sa­gen –, das ist tat­säch­lich der an­ge­mes­sens­te. (101)

Ouais… c’est ab­so­lu­ment sub­li­me, com­me chaque fois qu’on des­si­ne un nœud, on ris­que de se trom­per, tout à l’heure au mo­ment où je des­si­nais ces cho­ses pour vous les pré­sen­ter, j’ai eu af­fai­re à quel­que cho­se d’analogue, qui a for­cé Glo­ria à re­mett­re ici une piè­ce, quel­que cho­se d’analogue, par­ce que, en des­si­nant com­me ça, on se trom­pe. (60)

Ja, es ist ab­so­lut er­ha­ben, wie man je­des­mal, wenn man ei­nen Kno­ten zeich­net, Ge­fahr läuft, sich zu täu­schen; vor­hin, als ich die­se Sa­chen zeich­ne­te, um sie Ih­nen zu vor­zu­stel­len, hat­te ich mit et­was Ana­lo­gem zu tun, was Glo­ria dazu ge­nö­tigt hat, hier ein Stück ein­zu­set­zen, mit et­was Ana­lo­gem, denn wenn man so zeich­net, täuscht man sich. (101)

Donc, ce nœud-là, si vous vous trom­pez en un de ces deux points c’est la même cho­se que pour le nœud à trois : le tout se li­bè­re. (60)

Lacan-Knoten mit Irrtumspunkten (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Kno­ten mit fünf Über­kreu­zun­gen (La­can-Kno­ten)

Also, wenn Sie sich bei die­sem Kno­ten da in ei­nem die­ser bei­den Punk­te ir­ren, ist es das­sel­be wie für den Drei­er­kno­ten: das Gan­ze wird frei­ge­setzt. (101 f.)

Il est ma­ni­fes­te ici que ça ne fait qu’un rond. (60)

Hier ist ma­ni­fest, dass das nur ei­nen Ring bil­det. (102)

Si par cont­re vous vous trom­pez en un de ces trois points-là vous pou­vez con­sta­ter que ça se main­ti­ent com­me nœud, c’est-à-dire que ça res­te un nœud à trois. (60)

Wenn Sie sich hin­ge­gen in ei­nem die­ser drei Punk­te da ir­ren, so kön­nen Sie fest­stel­len, dass sich das als Kno­ten auf­recht­erhält, das heißt, dass es ein Drei­er­kno­ten bleibt. (102)

Ceci pour vous dire que ça ne va pas de soi qu’en se trom­pant en un point d’un nœud, tout le nœud s’évapore, si je puis m’exprimer ain­si. (60)

Dies, um Ih­nen zu sa­gen, dass es sich nicht von selbst ver­steht, dass der gan­ze Kno­ten sich ver­flüch­tigt, wenn ich mich so aus­drü­cken darf, wenn man sich in ei­nem Punkt ei­nes Kno­tens irrt. (102)

Bon, alors, ce que j’ai dit la der­niè­re fois est ceci : faisant al­lu­si­on au fait que le sym­ptô­me  ce que j’ai ap­pelé cet­te an­née le sin­t­home  que le sin­t­home est ce qui, dans le bor­ro­méen, la chaî­ne bor­ro­méen­ne, est ce qui per­met dans cet­te chaî­ne bor­ro­méen­ne, si nous n’en fai­sons plus chaî­ne, c’est à sa­voir si ici nous fai­sons ce que j’ai ap­pelé une err­eur : ici et aus­si ici, c’est-à-dire [94] du même coup si le Sym­bo­li­que se li­bè­re, com­me je l’ai aut­re­fois bien mar­qué, nous avons un mo­y­en de répa­rer ça, c’est de fai­re ce que, pour la pre­miè­re fois j’ai dé­fi­ni com­me le sin­t­home [Σ], à sa­voir le quel­que cho­se qui per­met au Sym­bo­li­que, à l’Imaginaire et au Réel, de con­ti­nu­er de tenir en­sem­ble, quoi­que là au­cun ne ti­ent plus avec l’autre, ceci grâce à deux err­eurs. (60)

Borro richtig und falsch mit Korrektur (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Rich­ti­ge (links) und fal­sche bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen

Gut, also was ich letz­tes Mal ge­sagt habe, ist Fol­gen­des: als An­spie­lung dar­auf, dass das Sym­ptom – was ich die­ses Jahr das Sin­t­hom ge­nannt habe –, dass das Sin­t­hom das ist, was im Bor­ro­mä­er, in der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung das ist, was es in die­ser bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung er­mög­licht, wenn wir kei­ne Ver­schlin­gung mehr dar­aus ma­chen, das heißt, wenn wir hier das ma­chen, was ich ei­nen Irr­tum ge­nannt habe, hier und auch hier, das heißt zu­gleich, wenn das Sym­bo­li­sche sich frei­setzt, wie ich das letz­te Mal ja an­ge­merkt habe, dann ha­ben wir ein Mit­tel, um das zu reparie­ren, näm­lich das zu ma­chen, was ich zum ers­ten Mal als das Sin­t­hom de­fi­niert habe, näm­lich die­ses Et­was, was es dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len er­mög­licht, wei­ter­hin zu­sam­men­zu­hal­ten, ob­wohl da kei­ner mehr am an­de­ren hängt, und zwar auf­grund von zwei Irr­tü­mern. (102)

Je me suis per­mis de dé­fi­nir com­me sin­t­home ce qui, non pas per­met au nœud à trois, de fai­re en­core nœud à trois, mais ce qu’il con­ser­ve dans une po­si­ti­on tel­le qu’il ait l’air de fai­re nœud à trois. (61)

Borromäische Verschlingng aus vier Ringen (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen, Σ: Ring des Sin­t­homs

Ich habe mir ge­stat­tet, als Sin­t­hom zu de­fi­nie­ren, nicht was dem Drei­er­kno­ten er­laubt, noch ei­nen Drei­er­kno­ten zu bil­den, son­dern was ihn in ei­ner Po­si­ti­on be­wahrt, in der er so aus­sieht, als ob er ei­nen Drei­er­kno­ten bil­den wür­de. (102)

Voi­là ce que j’ai avan­cé tout douce­ment la der­niè­re fois. (61)

Das ist das, was ich letz­tes Mal ganz be­hut­sam vor­ge­bracht habe. (102)

Et je vous le réé­vo­que in­ci­dem­ment, j’ai pen­sé… fai­tes-en ce que vous voud­rez de ma pen­sée …j’ai pen­sé que c’était là la clé de ce qui était ar­ri­vé à Joy­ce. (61)

Und ich rufe es Ih­nen bei die­ser Ge­le­gen­heit ins Ge­dächt­nis zu­rück, ich habe ge­dacht – ma­chen Sie da­mit, was Sie wol­len, mit mei­nem Den­ken –, ich habe ge­dacht, dies sei der Schlüs­sel für das, was Joy­ce pas­siert war. (102)

Que Joy­ce a un sym­ptô­me qui part de ceci : que son père était ca­rent, ra­di­ca­le­ment ca­rent, il ne par­le que de ça. (61)

Dass Joy­ce ein Sym­ptom hat, das von Fol­gen­dem aus­geht: dass sein Va­ter un­zu­läng­lich war, ra­di­kal un­zu­läng­lich, er spricht nur da­von.7 (102 f.)

J’ai cen­tré la cho­se au­tour du nom, du nom prop­re, et j’ai pen­sé que… fai­tes-en ce que vous vou­lez de cet­te pen­sée …et j’ai pen­sé que c’est de se vou­loir un nom, que Joy­ce a fait la com­pen­sa­ti­on de la ca­rence pa­ter­nel­le. (61)

Ich habe die Sa­che um den Na­men zen­triert, um den Ei­gen­na­men, und ich habe ge­dacht – ma­chen Sie da­mit, was Sie wol­len, mit die­sem Den­ken –, und ich habe ge­dacht, dass Joy­ce, in­dem er ei­nen Na­men für sich woll­te, die Kom­pen­sa­ti­on für das Aus­fal­len des Va­ters ge­bil­det hat. (103)

C’est tout au mo­ins ce que j’ai dit, par­ce que je pou­vais pas dire mieux. (61)

Das ist zu­min­dest das, was ich ge­sagt habe, weil ich’s nicht bes­ser sa­gen konn­te. (103)

J’essaierai d’articuler ça d’une fa­çon plus pré­cise, mais il est clair que l’art de Joy­ce est quel­que cho­se de tel­le­ment par­ti­cu­lier, que le ter­me sin­t­home est bien ce qui lui con­vi­ent. (61)

Ich wer­de ver­su­chen, das auf prä­zi­se­re Wei­se zu ar­ti­ku­lie­ren, aber es ist klar, dass Joy­ces Kunst et­was so Be­son­de­res ist, dass der Aus­druck Sin­t­hom wirk­lich das ist, was ihr an­ge­mes­sen ist. (103)

[95] Il se trouve que vend­re­di, à ma pré­sen­ta­ti­on de quel­que cho­se qu’on con­s­idè­re gé­né­ra­le­ment com­me un cas, un cas de fo­lie as­su­ré­ment, un cas de fo­lie qui a com­men­cé par le sin­t­home : « pa­ro­les im­po­sées ». (61)

Es trifft sich, dass am Frei­tag bei mei­ner Vor­stel­lung von et­was, das man im All­ge­mei­nen als Fall be­trach­tet, als Fall von Wahn­sinn si­cher­lich, als Fall von Wahn­sinn, der mit dem Sin­t­hom „auf­ge­zwun­ge­ne Wor­te“ be­gon­nen hat.8 (104)

C’est tout au mo­ins ain­si que le pa­ti­ent ar­ti­cu­le lui-même ce quel­que cho­se qui pa­raît tout ce qu’il y a de plus cen­sé dans l’ordre d’une ar­ti­cu­la­ti­on que je peux dire être la­ca­ni­en­ne. (61)

So zu­min­dest ar­ti­ku­liert der Pa­ti­ent selbst je­nes Et­was, das mir das Al­ler­ver­nünf­tigs­te in der Ord­nung ei­ner Ar­ti­ku­la­ti­on zu sein scheint, die ich la­ca­nia­nisch nen­nen kann. (104)

Com­ment est-ce que nous ne sen­tons pas tous, que des pa­ro­les dont nous dé­pen­dons, nous sont en quel­que sor­te im­po­sées ? (61)

Wes­halb spü­ren wir nicht alle, dass Wor­te, von de­nen wir ab­hän­gen, uns in ge­wis­ser Wei­se auf­ge­zwun­gen sind? (104)

C’est bien en quoi ce qu’on ap­pel­le un ma­la­de va quel­que­fois plus loin que ce qu’on ap­pel­le un hom­me nor­mal. (61)

Eben in­so­fern geht ei­ner, den man ei­nen Kran­ken nennt, manch­mal wei­ter als ei­ner, den man ei­nen nor­ma­len Men­schen nennt. (104)

La ques­ti­on est plu­tôt de sa­voir pour­quoi est-ce qu’un hom­me nor­mal  dit nor­mal  ne s’aperçoit pas :  que la pa­ro­le est un pa­ra­si­te, que la pa­ro­le est un pla­ca­ge, que la pa­ro­le est la for­me de can­cer dont l’être hu­main est aff­li­gé. (61)

Die Fra­ge ist viel­mehr, war­um ein nor­ma­ler Mensch, ein so­ge­nann­ter Norma­ler, nicht merkt, dass das Wort ein Pa­ra­sit ist, dass das Wort ein Fur­nier ist, dass das Wort die Form von Krebs ist, von dem das Men­schen­we­sen be­fal­len ist. (104)

Com­ment est-ce qu’il y en a qui vont jusqu’à le sen­tir ? (61)

Wie kommt es, dass es wel­che gibt, bei de­nen das so­weit geht, dass sie es spü­ren? (104)

Il est cer­tain que là-des­sus, Joy­ce nous don­ne un pe­tit soupçon. (61)

Es ist si­cher, dass Joy­ce hier­zu ei­nen klei­nen Ver­dacht in uns er­weckt. (104)

Je veux dire que je n’ai pas par­lé la der­niè­re fois de sa fil­le Lu­cia – puisqu’il a don­né à ses en­fants des noms ita­li­ens – je n’ai pas par­lé de la fil­le Lu­cia par un des­sein de ne pas don­ner dans ce qu’on peut ap­pe­ler la pe­ti­te his­toire. (61)

Ich will sa­gen, dass ich letz­tes Mal nicht über sei­ne Toch­ter ge­spro­chen habe, Lu­cia – da er sei­nen Kin­dern ita­lie­ni­sche Na­men ge­ge­ben hat –, ich habe nicht über die Toch­ter Lu­cia ge­spro­chen, in der Ab­sicht, nicht in et­was zu ver­fal­len, was man His­tör­chen nen­nen kann.9 (104)

La fil­le Lu­cia vit en­core. (61)

Die Toch­ter Lu­cia lebt noch. (104)

Elle est dans une mai­son de san­té, en An­gle­terre, elle est ce qu’on ap­pel­le, com­me ça, couram­ment, une schi­zo­phrè­ne. (61)

Sie be­fin­det sich in ei­ner psych­ia­tri­schen Ein­rich­tung, in Eng­land, sie ist das, was man für ge­wöhn­lich eine Schi­zo­phre­ne nennt. (104)

Mais la cho­se m’a été, lors de ma der­niè­re pré­sen­ta­ti­on de cas, rap­pelée, en ceci que le cas que je pré­sen­ta­is avait subi une ag­gra­va­ti­on. (61)

Aber die Sa­che kam mir bei mei­ner letz­ten Fall­vor­stel­lung da­durch wie­der in den Sinn, dass der Fall, den ich vor­stell­te, eine Ver­schlech­te­rung er­fah­ren hat­te. (104)

Après avoir eu le sen­ti­ment  sen­ti­ment que je con­s­idè­re quant à moi com­me sen­sé  le sen­ti­ment de pa­ro­les qui lui étai­ent im­po­sées, les cho­ses se sont ag­gra­vées. (61)

Nach­dem er das Ge­fühl ge­habt hat­te – ein Ge­fühl, das ich meiner­seits als ver­nünf­tig be­trach­te –, das Ge­fühl von Wor­ten, die ihm auf­ge­zwun­gen wur­den, hat­ten die Din­ge sich ver­schlech­tert. (104 f.)

Et qu’il a eu le sen­ti­ment, non seu­le­ment que des pa­ro­les lui étai­ent im­po­sées, mais qu’il était af­fec­té de ce qu’il ap­pel­ait lui-même té­lé­pa­thie… qui n’était pas ce qu’on ap­pel­le couram­ment de ce mot …à sa­voir d’être aver­ti de cho­ses qui ar­riv­ent aux au­tres, mais que par cont­re tout le mon­de était aver­ti de ce qu’il se for­mu­lait lui-même, à part lui, à sa­voir ses réfle­xi­ons les plus in­ti­mes, et tout à fait spé­cia­le­ment les réfle­xi­ons qui lui ve­nai­ent en mar­ge des fa­meu­ses pa­ro­les im­po­sées. (61)

Und er hat­te nicht nur das Ge­fühl, dass ihm Wor­te auf­ge­zwun­gen wur­den, son­dern dass er von et­was be­trof­fen sei, was er selbst als Te­le­pa­thie be­zeich­ne­te, die aber nicht das war, was man üb­li­cher­wei­se mit die­sem Wort be­zeichnet, näm­lich von Din­gen Kennt­nis zu er­hal­ten, die an­de­ren zu­sto­ßen, son­dern dass im Ge­gen­teil alle Kennt­nis von dem hat­ten, was er selbst ganz für sich for­mu­lier­te, näm­lich sei­ne in­tims­ten Über­le­gun­gen, und ganz be­son­ders von den Überlegun­gen, die sich bei ihm an­läss­lich die­ser be­rühm­ten auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te ein­stell­ten. (105)

Car il en­ten­dait quel­que cho­se : « sale as­sas­si­nat po­li­tique » par ex­emp­le, ce qu’il fai­sait équi­va­lent à « sale as­si­sta­nat po­li­tique ». (61)

Denn er hör­te et­was, sale as­sas­si­nat po­li­tique bei­spiels­wei­se, „schmut­zi­ger po­li­ti­scher Mord“, und er mach­te das äqui­va­lent mit sale as­si­sta­nat po­li­tique, „schmut­zi­ges po­li­ti­sches (Hochschul-)Assistentenamt“. (105)

On voit bien que là le si­gni­fi­ant se ré­du­it à ce qu’il est, à l’équivoque, à une tor­si­on de voix. (61)

Man sieht gut, dass der Si­gni­fi­kant sich hier auf das re­du­ziert, was er ist: auf die Äqui­vo­ka­ti­on, auf eine Stimm­ver­zer­rung. (105)

Mais à « sale as­si­sta­nat » ou à « sale as­sas­si­nat  » dit po­li­tique, il se di­sait à lui–| [96] même  en ré­pon­se  quel­que cho­se, à sa­voir quel­que cho­se qui com­mençait par un « mais », et qui était sa réfle­xi­on à ce su­jet. (61)

Aber auf das „po­li­tisch“ ge­nann­te sale as­si­sta­nat oder sale as­sas­si­nat sag­te er sich selbst et­was als Ant­wort, näm­lich et­was, das mit ei­nem „aber“ be­gann und sei­ne Über­le­gung zu die­sem The­ma war. (105)

Et ce qui le ren­dait tout à fait af­fo­lé, c’était la pen­sée que ce qu’il se fai­sait com­me réfle­xi­on en plus, en plus de ce qu’il con­s­idé­rait com­me des pa­ro­les qui lui étai­ent im­po­sées, c’était cela qui était aus­si con­nu de tous les au­tres. (62)

Und was ihn ganz när­risch mach­te, war der Ge­dan­ke, dass das, was er an Über­le­gun­gen dar­über hin­aus an­stell­te – über das hin­aus, was er als Wor­te betrach­tete, die ihm auf­ge­zwun­gen wur­den –, et­was war, was auch al­len an­de­ren be­kannt war. (105)

Il était donc  com­me il s’exprime  té­lé­pa­the émet­teur, au­tre­ment dit, il n’avait plus de se­cret. (62)

Er war also, wie er sich aus­drückt, „Sen­der-Te­le­path“, an­ders ge­sagt: er hat­te kein Ge­heim­nis mehr. (105)

Et, cela-même, c’est cela qui lui a fait com­mett­re une ten­ta­ti­ve d’en fi­nir… la vie lui étant de ce fait, de ce fait de n’avoir plus de se­cret, de n’avoir plus rien de ré­ser­vé …qui lui a fait com­mett­re ce qu’on ap­pel­le « une ten­ta­ti­ve de sui­ci­de », qui était aus­si bien ce pour­quoi il était là, et ce pour­quoi j’avais, en som­me, à m’intéresser à lui. (62)

Und eben dies, das hat ihn dazu ge­bracht, ei­nen Ver­such zu ma­chen, dem ein Ende zu set­zen, da ihm das Le­ben auf­grund die­ser Tat­sa­che, der Tat­sache, kein Ge­heim­nis mehr zu ha­ben, nichts mehr, was ihm vor­be­hal­ten war, was ihn dazu ge­bracht hat, ei­nen, wie man es nennt, Selbst­mord­ver­such zu ma­chen, was dann auch der Grund da­für war, dass er da war und dass ich mich schließ­lich mit ihm zu be­fas­sen hat­te. (105)

Ce qui me pous­se aujourd’hui à vous par­ler de la fil­le Lu­cia, est très ex­ac­te­ment ceci… je m’en éta­is bien gar­dé la der­niè­re fois, pour ne pas tom­ber dans la pe­ti­te his­toire …c’est que Joy­ce… Joy­ce qui a dé­fen­du fa­rou­che­ment sa fil­le, sa fil­le la schi­zo­phrè­ne, ce qu’on ap­pel­le schi­zo­phrè­ne, cont­re la pri­se des mé­de­cins …Joy­ce n’articulait qu’une cho­se, c’est que sa fil­le était une té­lé­pa­the. (62)

Was mich heu­te dazu drängt, von der Toch­ter Lu­cia zu spre­chen, ist ganz ge­nau dies – ich hat­te mich letz­tes Mal ja da­vor ge­hü­tet, um nicht in His­tör­chen zu ver­fal­len –, dass näm­lich Joy­ce – Joy­ce, der sei­ne Toch­ter, sei­ne Toch­ter die Schi­zo­phre­ne, das, was man eine Schizo­phrene nennt, ge­gen den Zu­griff der Ärz­te wild ver­tei­digt hat –, dass Joy­ce nur eine Sa­che ar­ti­ku­lier­te, näm­lich dass sei­ne Toch­ter eine Te­le­path­in sei. (105)

Je veux dire que dans les lettres qu’il écrit à son pro­pos, il for­mu­le : qu’elle est beau­coup plus in­tel­li­gen­te que tout le mon­de, qu’elle l’informe  mi­ra­cu­leu­se­ment est le mot sous-en­ten­du  de tout ce qui ar­ri­ve à un cer­tain nom­bre de gens, que pour elle ces gens n’ont pas de se­crets. (62)

Ich will sa­gen, dass er in den Brie­fen, die er in ih­rer An­ge­le­gen­heit schreibt, formu­liert, dass sie viel in­tel­li­gen­ter ist als alle an­de­ren, dass sie ihn über al­les in­for­miert – wun­der­sa­mer­wei­se, ist das Wort, das her­aus­zu­hö­ren ist –, was ei­ner Rei­he von Leu­ten pas­siert, dass die­se Leu­te für sie kei­ne Ge­heim­nis­se ha­ben.10 (106)

Est-ce qu’il n’y a pas là quel­que cho­se de sai­sis­sant ? (62)

Gibt es da nicht et­was Er­grei­fen­des? (106)

Non pas du tout que je pen­se que Lu­cia fût ef­fec­tive­ment une té­lé­pa­the, qu’elle sût ce qui ar­ri­vait à des gens sur les­quels elle n’avait pas plus d’informations qu’une aut­re. (62)

Nicht dass ich etwa den­ke, Lu­cia sei tat­säch­lich eine Te­le­path­in ge­we­sen, dass sie ge­wusst habe, was Leu­ten ge­sche­hen ist, über die sie nicht mehr In­for­ma­tio­nen hat­te als an­de­re auch. (106)

Mais que Joy­ce lui at­tri­bue cet­te ver­tu sur un cer­tain nom­bre de si­gnes, de dé­cla­ra­ti­ons que lui il en­ten­dait d’une cer­tai­ne fa­çon, c’est bien le quel­que cho­se où je vois que pour dé­fend­re  si on peut dire  sa fil­le, il lui at­tri­bue quel­que cho­se qui est dans le pro­lon­ge­ment de ce que j’appellerai mo­men­ta­né­ment son prop­re sym­ptô­me. (62)

Aber dass Joy­ce ihr die­se Fä­hig­keit zu­schreibt, auf eine Rei­he von Zei­chen hin, von Er­klä­run­gen, die er dann auf be­stimm­te Wei­se ver­stan­den hat, eben das ist je­nes Et­was, wor­an ich sehe, dass er, um, wenn man so sa­gen kann, sei­ne Toch­ter zu „ver­tei­di­gen“, dass er ihr et­was zu­schreibt, was in der Ver­län­ge­rung des­sen liegt, was ich für den Mo­ment sein eige­nes Sym­ptom nen­nen wer­de.11 (106)

C’est à sa­voir… il est dif­fi­ci­le dans son cas de ne pas évo­quer mon prop­re pa­ti­ent tel que chez lui ça avait com­men­cé …c’est à sa­voir qu’à l’endroit de la pa­ro­le, on ne peut pas dire que quel­que cho­se n’était pas à Joy­ce im­po­sé. (62)

Das heißt – in sei­nem Fall ist es schwie­rig, nicht mei­nen ei­ge­nen Pa­ti­en­ten zu er­wäh­nen, wie es bei ihm an­ge­fan­gen hat­te –, das heißt, dass man nicht sa­gen kann, dass Joy­ce hin­sicht­lich des Wor­tes nicht et­was auf­gezwungen wur­de. (106)

Je veux dire que dans le pro­grès en quel­que sor­te con­ti­nu qu’a con­sti­tué son art, à sa­voir cet­te pa­ro­le… pa­ro­le qui vi­ent à être écri­te …de la bri­ser, de la dé­man­ti­bu­ler, de fai­re qu’à la fin ce qui  à le lire  pa­raît un pro­grès con­ti­nu… de­puis l’effort qu’il fai­sait dans ses pre­miers es­sais cri­ti­ques, puis en­sui­te, dans le Por­trait de l’Artiste, et en­fin dans Ulys­se pour ter­mi­ner par Fin­ne­gans Wake …il est dif­fi­ci­le de ne pas voir qu’un cer­tain rap­port à la pa­ro­le lui est de plus en plus im­po­sé, im­po­sé au point qu’il fi­nit par dis­soud­re le lan­ga­ge même, com­me l’a noté fort bien Phil­ip­pe Sollers – je vous ai dit ça au dé­but de l’année  im­po­ser au lan­ga­ge même une sor­te de bri­su­re, de dé­com­po­si­ti­on qui fait que il n’y a plus d’identité pho­na­toire. (62)

Ich will sa­gen, dass es in dem ge­wis­ser­ma­ßen kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schritt, den sei­ne Kunst dar­stell­te, die­se Wor­te also, bei de­nen es dazu kommt, dass sie ge­schrie­ben wer­den, sie zu zer­bre­chen, sie zu zerschla­gen, zu be­wir­ken, dass es schließ­lich beim Le­sen als kon­ti­nu­ier­li­cher Fort­schritt er­scheint, an­ge­fan­gen mit den Be­mü­hun­gen in sei­nen ers­ten kri­ti­schen Es­says, dann im Por­trät des Künst­lers und schließ­lich in Ulys­ses, um mit Fin­ne­gans Wake zu en­den, es ist schwie­rig zu über­se­hen, dass ihm ein be­stimm­tes Ver­hält­nis zu den Wor­ten mehr und mehr auf­ge­zwun­gen wird, bis zu dem Punkt, dass er da­mit en­det, die Spra­che selbst auf­zu­lö­sen, wie Phil­ip­pe Sollers sehr gut be­merkt hat – ich habe Ih­nen das zu Be­ginn des Jah­res ge­sagt –, der Spra­che selbst eine Art Bruch, Zer­set­zung auf­zu­zwin­gen, die be­wirkt, dass es kei­ne pho­na­to­ri­sche Iden­ti­tät mehr gibt.12 (106)

[97] Sans dou­te y a-t-il là une réfle­xi­on au ni­veau de l’écriture, je veux dire que c’est par l’intermédiaire de l’écriture que la pa­ro­le se dé­com­po­se en s’imposant, en s’imposant com­me tel­le, à sa­voir dans une dé­for­ma­ti­on dont res­te am­bi­gu de sa­voir si c’est de se li­bé­rer du pa­ra­si­te… du pa­ra­si­te pa­ro­lier dont je par­lais tout à l’heure …qu’il s’agit, ou au con­trai­re de quel­que cho­se qui se lais­se en­va­hir par les pro­prié­tés d’ordre es­sen­ti­el­le­ment pho­né­mi­ques de la pa­ro­le, par la po­ly­pho­nie de la pa­ro­le. (62)

Ohne Zwei­fel re­flek­tiert sich das auf der Ebe­ne der Schrift, ich will sa­gen, dass die Wor­te sich durch Ver­mitt­lung der Schrift zer­set­zen, in­dem sie sich auf­zwin­gen, in­dem sie sich als sol­che auf­zwin­gen, und zwar in ei­ner De­for­ma­ti­on, bei der un­be­stimmt bleibt, ob es Joy­ce dar­um geht, sich vom Pa­ra­si­ten zu be­frei­en – von dem Pa­ra­si­ten der Wor­te, von dem ich eben ge­spro­chen habe –, oder ob es im Ge­gen­teil um et­was geht, das sich von den we­sent­lich pho­nemischen Ei­gen­schaf­ten der Wor­te, von der Po­ly­pho­nie der Wor­te, über­flu­ten lässt. (107)

Quoiqu’il en soit, que Joy­ce ar­ti­cu­le à pro­pos de Lu­cia  pour la dé­fend­re  qu’elle est une té­lé­pa­the, me pa­raît… en rai­son de ce ma­la­de dont je con­s­idé­rais le cas la der­niè­re fois que j’ai fait ce qu’on ap­pel­le ma « pré­sen­ta­ti­on à Ste-Anne » …me pa­raît cer­tai­ne­ment in­di­ca­tif, in­di­ca­tif de quel­que cho­se dont je dirai que Joy­ce, que Joy­ce té­moi­g­ne en ce point même : qui est le point que j’ai dé­si­gné com­me étant ce­lui de la ca­rence du père. (62)

Wie dem auch sei, dass Joy­ce zu Lu­cia ar­ti­ku­liert, um sie zu ver­tei­di­gen, sie sei eine Te­le­path­in, das scheint mir auf­grund die­ses Kran­ken, des­sen Fall ich letz­tes Mal bei mei­ner soge­nannten Vor­stel­lung in Sain­te Anne be­trachtet habe, das scheint mir si­cher­lich auf­schluss­reich zu sein, auf­schluss­reich für et­was, von dem, wie ich sa­gen möch­te, Joy­ce in eben die­sem Punkt Zeug­nis gibt, dem Punkt näm­lich, den ich als je­nen des Aus­fal­lens des Va­ters bezeich­net habe. (107)

Ce que je vou­d­rais mar­quer, c’est que ce que j’appelle, ce que je dé­si­gne, ce que je sup­por­te du sin­t­home qui est ici mar­qué d’un rond, d’un rond de ficel­le, ce qui est cen­sé – par moi – se pro­du­i­re à la place même où, di­sons le tra­cé du nœud fait err­eur. (62)

Kleeblatt mit Ring oben rechts (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)Was ich an­mer­ken möch­te, ist, dass das, was ich mit Sin­t­hom be­zeich­ne, was ich so nen­ne, was ich so stüt­ze, und was hier durch ei­nen Ring mar­kiert ist, ei­nen Schnur­ring, das wird von mir so ver­stan­den, dass es sich an eben der Stel­le her­stellt, an der, sa­gen wir, die Bahn des Kno­tens ei­nen Feh­ler macht. (107)

Il nous est dif­fi­ci­le de ne pas voir que le lap­sus est ce sur quoi, en par­tie, se fon­de la no­ti­on de l’Inconscient. (63)

Wir kön­nen schwer­lich über­se­hen, dass der Lap­sus das ist, wor­auf sich teil­wei­se der Be­griff des Un­be­wuss­ten grün­det. (107)

Que le mot d’esprit en soit aus­si, est à ver­ser au même comp­te si je puis dire, car après tout, le mot d’esprit, il n’est pas im­pensable qu’il ré­sul­te d’un lap­sus. (63)

Dass es sich mit dem Witz eben­so ver­hält, ist auf dem­sel­ben Kon­to zu ver­bu­chen, wenn ich so sa­gen darf, denn beim Witz ist schließ­lich nicht un­denk­bar, dass er aus ei­nem Lap­sus ent­steht.13 (107)

C’est tout au mo­ins ain­si que Freud lui-même l’articule, c’est à sa­voir que c’est un court-cir­cuit, que  com­me il l’avance  c’est une éco­no­mie au re­gard d’un plai­sir, d’une sa­tis­fac­tion. (63)

So ar­ti­ku­liert das zu­min­dest Freud selbst, näm­lich dass das ei­nen Kurz­schluss ist, dass das, wie er be­haup­tet, eine Er­spar­nis ist hin­sicht­lich ei­ner Lust, ei­ner Be­frie­di­gung. (107)

Que ce soit à la place où le nœud rate… où il y a une sor­te de lap­sus du nœud lui-même …est quel­que cho­se qui est bien fait pour nous re­tenir. (63)

Dass dies an eben der Stel­le ist, an der der Kno­ten da­ne­ben­geht, an der es eine Art Lap­sus des Kno­tens gibt, ist dazu an­ge­tan, dass wir uns da­bei auf­hal­ten.14 (107)

Que moi-même | [98], il m’arrive com­me je l’ai mon­tré ici, de ra­ter à l’occasion, c’est bien ce qui, en quel­que sor­te, con­fir­me qu’un nœud ça se rate. (63)

Dass es mir selbst pas­siert, wie ich hier ge­zeigt habe, dass es mir mal miss­lingt, ist eben das, was ge­wis­ser­ma­ßen be­stä­tigt, dass ein Kno­ten et­was ist, was miss­lingt. (107)

Ça se rate, tout aus­si bien que l’Inconscient est là pour nous mon­trer, que c’est à par­tir de sa con­si­s­tan­ce à lui – à l’Inconscient – qu’il y a des tas de ra­tés. (63)

Das geht schief, umso mehr, als das Un­bewusste da ist, um uns zu zei­gen, dass es we­gen sei­ner Kon­sis­tenz, der des Un­be­wuss­ten, gan­ze Hau­fen von Irr­läu­fern gibt. (107 f.)

Mais, si ici se re­nou­vel­le la no­ti­on de fau­te, est-ce que la fau­te  ce dont la con­sci­ence fait le pé­ché  est de l’ordre du lap­sus ? (63)

Wenn aber hier der Be­griff des Ver­fehlens er­neu­ert wird, ge­hört dann das Verfeh­len – aus dem das Bewusstsein/Gewissen die Sün­de macht – zur Ord­nung des Lap­sus?15 ( (108)

L’équivoque du mot est aus­si bien ce qui per­met de le pen­ser, de pas­ser d’un sens à l’autre. (63)

Die Mehr­deu­tig­keit des Wor­tes ist auch das, was es er­mög­licht, es zu den­ken, von ei­nem Sinn zum an­de­ren über­zu­ge­hen. (108)

Est-ce qu’il y a dans la fau­te… cet­te fau­te pre­miè­re dont Joy­ce nous fait tel­le­ment état …est-ce qu’il y a quel­que cho­se de l’ordre du lap­sus ? (63)

Gibt es im Ver­feh­len, die­sem ers­ten Ver­feh­len, von dem Joy­ce so viel Auf­he­bens macht, gibt es da et­was von der Ord­nung des Lap­sus?16 (108)

 

Ceci bien sûr, n’est pas sans évo­quer tout un im­bro­glio. (63)

Dies ist si­cher­lich dazu an­ge­tan, ein rech­tes Im­bro­glio zu evo­zie­ren.17 (108)

Mais nous en som­mes là, nous som­mes dans le nœud, et du même coup dans l’embrouille. (63)

Aber da­mit sind wir da, wir sind im Kno­ten und zu­gleich in der Ver­wir­rung. (108)

Ce qu’il y a de re­mar­quable, c’est qu’à vou­loir cor­ri­ger le lap­sus au point [1] même où il se pro­du­it… qu’est-ce que ça veut dire qu’il se pro­dui­se là ? …il y a équi­vo­que puis­que en deux au­tres points [2 et 3], nous avons la con­séquence du lap­sus qui s’est pro­du­it ail­leurs. (63)

Falscher Kleeblattknoten mit Zahlen (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Fal­scher Klee­blatt­kno­ten mit Re­pa­ra­tur­ring und Be­zif­fe­rung der Über­kreu­zungs­stel­len

Be­mer­kens­wert ist, dass es, wenn wir den Lap­sus an eben dem Punkt [1] kor­ri­gie­ren wol­len, an dem er sich her­stellt – was heißt das, er stellt sich dort her? – , es eine Mehr­deu­tig­keit gibt, da wir an zwei an­de­ren Punk­ten [2 und 3] die Konse­quenz des Lap­sus ha­ben, der sich woan­ders her­ge­stellt hat. (108)

Le frap­pant est que, ail­leurs ça n’a pas les mê­mes con­séquen­ces. (63)

Das Ver­blüf­fen­de ist, dass das wo­an­ders nicht die­sel­ben Konsequen­zen hat. (108)

C’est ce que j’illustre de la fa­çon qu’ici j’ai es­sayé de des­si­ner. (63)

Das ist es, was ich auf die Wei­se il­lus­trie­re, die ich hier zu zeich­nen ver­sucht habe. (108)

Vous pou­vez, si vous fai­tes at­ten­ti­on, vous pou­vez voir – d’une fa­çon dont le nœud répond –, vous pou­vez voir qu’à répa­rer par un sin­t­home au point même où le lap­sus s’est pro­du­it [1]… vous n’obtenez pas le même nœud en met­tant le sin­t­home à la place même où s’est pro­du­i­te la fau­te, ou bien en cor­ri­ge­ant de même par un sin­t­home la cho­se en les deux au­tres points [2 et 3]. (63)

3 Kleeblattknoten mit 3 verschiedenen Repraturringen (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Fal­scher Klee­blatt­kno­ten mit Re­pa­ra­tur­ring an den drei Über­kreu­zungs­stel­len

Sie kön­nen, wenn Sie acht­ge­ben, Sie kön­nen se­hen, auf eine Wei­se, für die der Kno­ten ver­ant­wort­lich ist, Sie kön­nen se­hen, dass Sie, wenn Sie mit ei­nem Sin­t­hom an eben dem Punkt re­pa­rie­ren, an dem sich der Lap­sus her­ge­stellt hat [1], nicht den­sel­ben Kno­ten er­hal­ten, wenn Sie das Sin­t­hom an eben die Stel­le set­zen, an der sich der Feh­ler herge­stellt hat, oder wenn Sie, eben­falls durch ein Sin­t­hom, die Sa­che an den an­de­ren bei­den Punk­ten [2 und 3] kor­ri­gie­ren. (108 f.)

Car en cor­ri­ge­ant la cho­se  le lap­sus  dans les deux au­tres points… ce qui est aus­si con­cev­a­ble, puis­que ce dont il s’agit, c’est de fai­re que quel­que cho­se sub­sis­te de la pri­mi­ti­ve struc­tu­re du nœud à trois …le quel­que cho­se qui sub­sis­te du fait de l’intervention du sin­t­home est dif­fé­rent quand ça se pro­du­it au point même du lap­sus, est dif­fé­rent de ce qui se pro­du­it si, de la même fa­çon, cor­ri­gée, dans les deux au­tres points du nœud à trois par un sin­t­home. (63)

Denn in­dem Sie die Sa­che, den Lap­sus, an den bei­den an­de­ren Punk­ten kor­ri­gie­ren – was eben­falls denk­bar ist, da es dar­um geht, dass et­was von der ur­sprüng­li­chen Struk­tur des Drei­er­kno­tens be­stehen bleibt –, ist das Et­was, das auf­grund des Ein­grei­fens des Sin­t­homs be­stehen bleibt, an­ders, wenn das an eben dem Punkt des Lap­sus her­ge­stellt wird, ist an­ders als das, was sich her­ge­stellt, wenn es auf die glei­che Wei­se, an den an­de­ren bei­den Punk­ten des Drei­er­kno­tens, durch ein Sin­t­hom kor­ri­giert ist. (109)

Cho­se frap­pan­te, il y a quel­que cho­se de com­mun dans la fa­çon dont se nou­ent les cho­ses, il y a quel­que cho­se qui se mar­que à une cer­tai­ne di­rec–| [99]tion, à une cer­tai­ne ori­en­ta­ti­on, à une cer­tai­ne, di­sons dex­tro­gy­rie, de la com­pen­sa­ti­on. (63)

Das ist ver­blüf­fend, es gibt et­was Ge­mein­sa­mes in der Art und Wei­se, wie sich die Din­ge ver­knüp­fen, es gibt et­was, das durch eine be­stimm­te Aus­rich­tung gekennzeich­net ist, eine be­stimm­te Ori­en­tie­rung, eine be­stimm­te, sa­gen wir, Rechts­dre­hung der Kom­pen­sa­ti­on. (109)

Mais il n’en res­te pas mo­ins clair qu’ici : ce qui ré­sul­te de la com­pen­sa­ti­on nouée, de la com­pen­sa­ti­on par le sin­t­home, est dif­fé­rent de ce qui se pro­du­it ici et là. (64)

Falscher Kleeblattknoten mit Zahlen (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)Aber da­bei bleibt nicht min­der klar, dass hier das, was sich aus der ge­kno­te­ten Kompensati­on er­gibt, aus der Kom­pen­sa­ti­on durch das Sin­t­hom, sich von dem un­ter­schei­det, was sich hier und dort er­gibt. (109)

La na­tu­re de cet­te dif­fé­rence est ceci, c’est que ent­re ceci et ceci, à sa­voir le sin­t­home et la bou­cle qui se fait ici, si je puis dire spon­ta­né­ment, est in­ver­si­ble : que ceci à cela  à sa­voir le huit, di­sons rouge et le rond vert  est stric­te­ment équi­va­lent. (64)

Achterknoten (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Äqui­va­lenz von acht­för­mi­gem Ring und Re­pa­ra­tur­ring

Die­ser Un­ter­schied ist fol­gen­der­ma­ßen be­schaf­fen: zwi­schen die­sem und die­sem, also dem Sin­t­hom und der Schlei­fe, die sich hier, wenn ich so sa­gen darf, spon­tan bil­det, ist ein Aus­tausch mög­lich, die­ses ist mit je­nem strikt äqui­va­lent, also die, sa­gen wir, rote Acht und der grü­ne Kreis. (109)

À l’inverse, vous n’avez qu’à prend­re un nœud de huit, fait ain­si vous ob­ti­end­rez très aisé­ment l’autre for­me. (64)

Um­ge­kehrt müs­sen Sie nur ei­nen so ge­mach­ten Ach­ter­kno­ten neh­men, und Sie wer­den sehr leicht die an­de­re Ge­stalt er­hal­ten. (109)

Il n’y a rien de plus simp­le. (64)

Es gibt nichts Einfache­res. (109)

C’est même ima­gin­ab­le. (64)

Das ist so­gar vor­stell­bar. (109)

[100] Il vous suf­fit de con­ce­voir que vous ti­rez les cho­ses de tel­le sor­te – je par­le : sur le rouge – de sor­te à fai­re que le rouge fas­se ici un rond. (64)

Es reicht, wenn Sie sich den­ken, dass Sie die Sa­chen auf die Wei­se zie­hen – ich spre­che über den ro­ten –, auf die Wei­se, dass der rote hier ei­nen Ring bil­det. (109)

Rien de plus fa­ci­le que de voir, de sen­tir, qu’il y a tou­tes les chan­ces que ce qui est alors d’abord rond vert de­vi­en­dra un huit vert. (64)

Nichts ist leich­ter zu se­hen, zu spü­ren, als dass die bes­ten Chan­cen be­stehen, dass das, was zu­nächst ein grü­ner Kreis ist, zu ei­ner grü­nen Acht wird. (109 f.)

Et à l’usage, vous ver­rez que c’est un huit ex­ac­te­ment de la même for­me, de la même dex­tro­gy­rie. (64)

Und bei der Durch­füh­rung wer­den Sie se­hen, dass es eine Acht von ge­nau der­sel­ben Ge­stalt ist, von der­sel­ben Rechts­dre­hung. (110)

Il y a donc stric­te­ment équi­v­a­lence et il n’est  après ce que j’ai frayé au­tour du rap­port se­xu­el  il n’est pas dif­fi­ci­le de sug­gé­rer que quand il y a équi­v­a­lence, c’est bien en cela qu’il n’y a pas de rap­port. (64)

Es gibt also strik­te Äqui­va­lenz, und es ist, nach dem, was ich um das se­xu­el­le Ver­hält­nis her­um schon ge­bahnt habe, es ist nicht schwer zu be­haup­ten, dass es, wenn es Äqui­va­lenz gibt, es in­so­fern kein Ver­hält­nis gibt. (110)

Si pour un in­stant, nous sup­po­sons que ce qu’il en est de ce qui dès lors est un ra­ta­ge du nœud, du nœud à trois, ce ra­ta­ge est stric­te­ment équi­va­lent  il n’y a pas be­soin de le dire  dans les deux se­xes. (64)

Wenn wir für ei­nen Au­gen­blick an­neh­men, dass, was es mit dem auf sich hat, was von da­her ein Miss­lin­gen des Kno­tens ist, des Drei­er­kno­tens, so ist die­ses Miss­lin­gen strikt äqui­va­lent – es ist nicht nö­tig, das zu sa­gen – bei bei­den Ge­schlechtern. (110)

Et si ce que nous vo­y­ons ici com­me équi­va­lent, est sup­por­té du fait que, aus­si bien dans un sexe que dans l’autre, il y a eu ra­ta­ge, ra­ta­ge du nœud, il est clair que le ré­sul­tat est ceci : que les deux se­xes sont équi­va­lents. (64)

Und wenn das, was wir hier als äqui­va­lent be­trach­ten, durch die Tat­sache ge­tra­gen ist, dass es so­wohl bei dem ei­nen wie bei dem an­de­ren Ge­schlecht ein Miss­lin­gen ge­ge­ben hat, ein Miss­lin­gen des Kno­tens, so ist klar, dass das Er­geb­nis dar­in be­steht, dass bei­de Ge­schlech­ter äqui­va­lent sind. (110)

À ceci près, pour­tant, que si la fau­te est ré­pa­rée à la place même : les deux se­xes  ici sym­bo­li­sés par les deux cou­leurs  les deux se­xes ne le sont plus, équi­va­lents. (64)

Falscher Kleeblattknoten mit Zahlen (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)Ab­ge­se­hen da­von je­doch, dass wenn der Feh­ler an der Stel­le selbst re­pa­riert wird, die bei­den Ge­schlech­ter, die hier durch die bei­den Far­ben sym­bo­li­siert wer­den, die bei­den Ge­schlech­ter es nicht mehr sind, näm­lich äqui­va­lent. (110)

Car ici vous voy­ez ce qui cor­re­spond à ce que j’ai ap­pelé tout à l’heure l’équivalence, ce qui y cor­re­spond est ceci qui est loin d’être équi­va­lent. (64)

Denn hier se­hen Sie, was dem ent­spricht, was ich eben Äqui­va­lenz ge­nannt habe; das, was dem hier ent­spricht, ist das, das weit da­von ent­fernt ist, äqui­va­lent zu sein. (110)

Si ici, une cou­leur peut être rem­pla­cée par l’autre, in­ver­se­ment ici,

Zwei Konfigurationen der Verschlingung von Knoten mit Innenacht und Reparaturring (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Nicht-Äqui­va­lenz von Ring mit In­ne­n­acht und Re­pa­ra­tur­ring

 

vous voy­ez que le rond vert est, si je puis dire, in­ter­ne à l’ensemble de ce qui est ici sup­por­té par le dou­ble huit rouge et qui ici, se re­trouve dans le dou­ble huit vert. (64)

Wäh­rend hier eine Far­be durch die an­de­re er­setzt wer­den kann, se­hen Sie um­ge­kehrt hier, dass der grü­ne Kreis in­ner­halb, wenn ich so sa­gen darf, der Ge­samt­heit des­sen ist, was hier von der ro­ten Dop­pel­acht ge­tra­gen wird und was sich hier in der grü­nen Dop­pel­acht wie­der­fin­det. (110)

Ceux-là… et c’est in­ten­ti­on­nel­le­ment que je l’ai in­scrit de cet­te fa­çon, c’est pour que vous les re­con­nais­siez com­me tels, ici le vert à ce dou­ble huit, est in­ter­ne, ici le rouge est ex­ter­ne. (64)

Die­se da – und ich habe sie ab­sicht­lich auf die­se Wei­se auf­ge­schrie­ben, da­mit Sie sie näm­lich als sol­che er­ken­nen –, das Grü­ne ist hier in­ner­halb die­ser Dop­pel­acht, hier ist das Rote au­ßer­halb. (110 f.)

[101] C’est même là-des­sus que j’ai fait tra­vail­ler not­re cher Jac­ques-Alain Mil­ler qui était à ma mai­son de cam­pa­gne, en même temps que je co­gi­ta­is ceci. (64)

Dazu habe ich so­gar un­se­ren lie­ben Jac­ques-Alain Mil­ler ar­bei­ten las­sen, der in mei­nem Land­haus war, zur glei­chen Zeit, als ich das hier aus­ge­heckt habe. (111)

Je lui ai – à jus­te tit­re, con­trai­re­ment à ce que je lui ai dit  je lui ai avan­cé cet­te for­me, en le pri­ant de dé­cou­vrir l’équivalence qui au­rait pu se pro­du­i­re. (65)

Ich habe ihm – zu Recht, im Ge­gen­satz zu dem, was ich ihm ge­sagt habe –, ich habe ihm die­se Ge­stalt vor­ge­legt und ihn gebe­ten, die Äqui­va­lenz auf­zu­de­cken, die sich her­ge­stellt ha­ben soll­te. (111)

Mais il est clair que l’équivalence ne peut pas se pro­du­i­re com­me il ap­pa­raît de ceci, c’est que le vert, au re­gard du dou­ble huit et du huit rouge, est quel­que cho­se qui ne sau­rait fran­chir, si je puis dire, la ban­de ex­ter­ne de ce dou­ble huit rouge. (65)

Aber es ist klar, dass die Äqui­va­lenz sich nicht her­stel­len kann, wie dar­aus her­vor­geht, dass das Grü­ne ge­gen­über der Dop­pel­acht, der ro­ten Acht et­was ist, was das Au­ßen­band die­ser ro­ten Dop­pel­acht nicht über­schreiten kann, wenn ich so sa­gen darf. (111)

Il n’y a donc pas – au ni­veau du sin­t­home – il n’y a pas équi­v­a­lence du rap­port du vert et du rouge, pour nous con­ten­ter de cet­te dé­si­gna­ti­on simp­le. (65)

Es gibt also, auf der Ebe­ne des Sin­t­homs, es gibt kei­ne Äqui­va­lenz in den Ver­hält­nis­sen zwi­schen dem Grü­nen und dem Ro­ten, um uns mit die­ser ein­fa­chen Be­zeichnung zu be­gnü­gen. (111)

C’est dans la me­s­u­re où il y a sin­t­home qu’il n’y a pas équi­v­a­lence se­xu­el­le, c’est-à-dire qu’il y a rap­port. (65)

In dem Maße, da es Sin­t­hom gibt, gibt es kei­ne se­xu­el­le Äqui­va­lenz, das heißt, es gibt Ver­hält­nis. (111)

Car il est bien sûr que si nous di­sons que le non-rap­port relè­ve de l’équivalence, c’est dans la me­s­u­re où il n’y a pas d‘équivalence que se struc­tu­re le rap­port. (65)

Denn es ist ganz si­cher, dass, wenn wir sa­gen, dass das Nicht­ver­hält­nis von der Äqui­va­lenz her­rührt, sich in dem Maße, da es kei­ne Ä­quivalenz gibt, das Ver­hält­nis struk­tu­riert. (111)

Il y a donc à la fois rap­port se­xu­el et pas rap­port. (65)

Es gibt also zu­gleich se­xu­el­les Ver­hält­nis und kein Ver­hält­nis. (111)

À ceci près que là où il y a rap­port, c’est dans la me­s­u­re où il y a sin­t­home, c’est-à-dire où – com­me je l’ai dit – c’est du sin­t­home qu’est sup­por­té l’autre sexe. (65)

Abgese­hen da­von, dass da, wo es Ver­hält­nis gibt, es in dem Maße so ist, in dem es Sin­t­hom gibt, das heißt, in dem, wie ich ge­sagt habe, das an­de­re Ge­schlecht durch das Sin­t­hom ge­tra­gen wird. (111)

Je me suis per­mis de dire que le sin­t­home, c’est très pré­cis­é­ment le sexe au­quel je n’appartiens pas, c’est-à-dire une femme. (65)

Ich habe mir er­laubt zu sa­gen, dass das Sin­t­hom ganz prä­zi­se das Ge­schlecht ist, dem ich nicht an­ge­hö­re, das heißt eine Frau. (111)

Si une femme est un sin­t­home pour tout hom­me, il est tout à fait clair qu’il y a be­soin de trou­ver un aut­re nom pour ce qu’il en est de l’homme pour une femme, puis­que jus­tement le sin­t­home se ca­rac­té­ri­se de la non-équi­v­a­lence. (65)

Wenn für je­den Mann eine Frau ein Sin­t­hom ist, dann ist es völ­lig klar, dass es nö­tig ist, ei­nen an­de­ren Na­men für das zu fin­den, was es für eine Frau mit dem Mann auf sich hat, da das Sin­t­hom ja eben durch die Nicht­äqui­va­lenz gekenn­zeichnet ist. (111)

On peut dire que l’homme est pour une femme tout ce qui vous plai­ra, à sa­voir une aff­lic­tion pire qu’un sin­t­home, vous pou­vez bien l’articuler com­me il vous con­vi­ent, un ra­va­ge même. (65)

Man kann sa­gen, dass der Mann für eine Frau al­les ist, was Sie wol­len, näm­lich ein Kum­mer, är­ger als ein Sin­t­hom; Sie kön­nen es ger­ne so ar­ti­ku­lie­ren, wie es Ih­nen recht ist, eine Ver­hee­rung gar. (111)

Mais s’il n’y a pas d’équivalence, vous êtes for­cés de spé­ci­fier ce qu’il en est du sin­t­home. (65)

Wenn es aber kei­ne Äquiva­lenz gibt, sind Sie ge­zwun­gen zu spezifi­zieren, was es mit dem Sin­t­hom auf sich hat. (111)

Il n’y a pas d’équivalence, c’est la seu­le cho­se, c’est le seul ré­du­it où se sup­por­te ce qu’on ap­pel­le chez le par­lêt­re, chez l’être hu­main, le rap­port se­xu­el. (65)

Es gibt kei­ne Äqui­va­lenz, das ist die ein­zi­ge Sa­che, das ein­zi­ge Re­du­it18, auf das sich das stützt, was man beim Sprech­we­sen, beim Men­schenwesen, das se­xu­el­le Verhält­nis nennt. (111 f.)

Est-ce que ce n’est pas ce que nous dé­mont­re ce qu’on ap­pel­le – c’est un aut­re usa­ge du ter­me – la cli­ni­que – c’est le cas de le dire – le lit ? (65)

Kline - Relief (Lacan, Sinthom Seminar Joyce)

Kli­ne

Wird uns das nicht durch das ge­zeigt, was man – in ei­nem ande­ren Wort­ge­brauch – die Kli­nik nennt, im Sin­ne des Wor­tes: das Bett?19 (112)

Quand nous vo­y­ons les êtres au lit, c’est quand même là – pas seu­le­ment dans les lits d’hôpital – c’est tout de même là que nous pou­vons nous fai­re une idée de ce qu’il en est de ce fa­meux rap­port. (65)

Wenn wir die We­sen im Bett (lit) se­hen, dann kön­nen wir uns da durch­aus, nicht nur in den Kran­ken­haus­bet­ten, dann könn­ten wir uns da im­mer­hin eine Vor­stel­lung von dem ma­chen, was es mit die­sem fa­mo­sen Ver­hält­nis auf sich hat. (112)

Ce rap­port se lie – c’est le cas de le dire : l,i,e, cet­te fois-ci – ce rap­port se lie à quel­que cho­se dont je ne sau­rais avan­cer… et c’est bien ce qui ré­sul­te – mon Dieu – de tout ce que j’entends sur un aut­re lit, sur le fa­meux di­van où on m’en ra­con­te à la longue …c’est que le lien, le lien étroit du sin­t­home, c’est ce quel­que cho­se dont il s’agit de si­tu­er ce qu’il a à fai­re avec le Réel, avec le Réel de l’Inconscient, si tant est que l’Inconscient soit réel. (65)

Die­ses Ver­hält­nis knüpft sich – jetzt lie, l, i, e – an et­was, von dem ich nur zu be­haup­ten wüss­te – und ge­ra­de das ist es, was sich, mein Gott, aus al­lem er­gibt, was ich auf ei­nem an­de­ren Bett ver­neh­me, auf der be­rühm­ten Couch, wo mir lang und breit da­von er­zählt wird –, dass die Ver­bin­dung, die enge Ver­bin­dung des Sin­t­homs je­nes Et­was ist, bei dem es dar­um geht, das zu ver­or­ten, was es mit dem Rea­len zu tun hat, mit dem Rea­len des Un­be­wuss­ten, wenn denn das Unbe­wusste real ist. (112)

Com­ment sa­voir si | [102] l’inconscient est réel ou ima­gin­aire ? (65)

Wie kann man wis­sen, ob das Un­be­wuss­te real ist oder ima­gi­när? (112)

C’est bien là la ques­ti­on. (65)

Eben das ist die Fra­ge. (112)

Il par­ti­ci­pe d’une équi­vo­que ent­re les deux, mais de quel­que cho­se dans quoi, grâce à Freud, nous som­mes dès lors en­ga­gés, et en­ga­gés à tit­re de sin­t­home. (65)

Es hat teil an ei­ner Äqui­vo­ka­ti­on zwi­schen den bei­den, je­doch an et­was, dem wir dank Freud seit­her ver­pflich­tet sind, ver­pflich­tet sind als Sin­t­hom. (112)

Je veux dire que dé­sor­mais, c’est au sin­t­home que nous avons af­fai­re dans le rap­port lui-même – tenu par Freud pour na­tu­rel, ce qui ne veut rien dire – le rap­port se­xu­el. (65)

Ich will sa­gen, dass wir es seit­her mit dem Sin­t­hom zu tun ha­ben, wenn es um das Ver­hält­nis geht, das als sol­ches von Freud für natür­lich ge­hal­ten wur­de – was nichts be­sa­gen will –, das se­xu­el­le Ver­hält­nis. (112)

C’est là-des­sus que je vous lais­se­rai aujourd’hui, puisqu’aussi bien il faut que je mar­que d’une fa­çon quel­con­que ma dé­cep­ti­on de ne pas vous avoir ici ren­con­trés plus ra­res. (65)

Dar­über ver­las­se ich sie heu­te, weil ich ja doch ir­gend­wie mei­ner Ent­täu­schung dar­über Aus­druck ge­ben muss, Sie hier nicht we­niger zahl­reich an­ge­trof­fen zu ha­ben. (112)

KLEINES LACAN-LEXIKON

Das Le­xi­kon ist nicht al­pha­be­tisch ge­ord­net, son­dern nach der Rei­hen­folge des Auf­tre­tens der Be­griffe und The­sen in La­cans Vor­trag.

Die Zah­len in Klam­mern nach den Über­schrif­ten und nach den La­can-Zi­ta­ten zu Be­ginn der Ein­träge be­zie­hen sich auf die Sei­ten von Max Klei­ners Über­set­zung von Se­mi­nar 23; oben in der Über­set­zung sind sie im deut­schen Text nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Eine Frau ist ein Symptom des Mannes (111)

Zu: „Ich habe mir er­laubt zu sa­gen, dass das Sin­t­hom ganz prä­zi­se das Ge­schlecht ist, dem ich nicht an­ge­hö­re, das heißt eine Frau.“ (111)

Für den Mann ist eine Frau in­so­fern ein Sym­ptom, als er an sie glaubt; vgl. den Blog­ar­ti­kel „Eine Frau ist ein Sym­ptom des Man­nes“.

PARAPHRASE MIT ERGÄNZUNGEN

Die Zah­len in ecki­gen Klam­mern in grau­er Schrift ver­wei­sen auf die ent­spre­chen­den Sei­ten der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen of­fi­zi­el­len Aus­gabe von Se­mi­nar 23 (Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Édi­ti­ons du Seuil, Pa­ris 2005). „[28]“ meint: „hier etwa be­ginnt in Mil­lers Ver­sion von 2005 die Sei­te 28“.

Pas­sa­gen in schwar­zer Schrift sind Zu­sam­men­fas­sun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern in grü­ner Schrift sind mei­ne Er­gän­zun­gen, Pas­sa­gen in ecki­gen Klam­mern, die mit zwei Fra­ge­zei­chen be­gin­nen und hell­grün un­ter­legt sind, ent­hal­ten mei­ne Fra­gen zum Text­ver­ständ­nis.

[91] La­can be­ginnt da­mit, dass er be­klagt, dass zu vie­le Zu­hö­rer da sind; er möch­te auf eine Wei­se spre­chen, die in­ti­mer ist. [Er kämpft noch im­mer mit den Fol­gen sei­ner Ent­las­sung als Leh­ren­der aus dem Sain­te-Anne-Kran­ken­haus im Jahr 1964, die dazu führ­te, dass er vie­le Hö­rer be­kam.]Er be­zeich­net sein Vor­ge­hen im Se­mi­nar als re­cher­che, als Su­che, For­schung. Wört­lich heißt re­cher­cher „wie­der su­chen“, es gibt Wie­der­ho­lun­gen, er dreht sich im Kreis. An­ders als frü­her hat er Mühe, sich ei­nen Weg zu bah­nen.

Zusammenfassung der vorangegangenen Sitzung

Reparatur eines falschen Knotens durch ein Sinthom

La­can fasst zu­nächst zu­sam­men, was er das letz­te Mal vor­ge­tra­gen hat.Ausgangspunkt ist ein be­stimm­ter Kno­ten, der so­ge­nann­te | [92] Klee­blatt­kno­ten (auch „Drei­er­kno­ten“ ge­nannt) [der ein­fachs­te Kno­ten mit ei­ner Selbst­ver­schlin­gung, die sich ohne Zer­schnei­den des Kno­tens nicht auf­lö­sen lässt].

Kleeblattknoten gelb

Klee­blatt­kno­ten

Der Klee­blatt­kno­ten kann aus ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung [von drei Rin­gen] ab­ge­lei­tet wer­den [durch ein Ver­fah­ren, das in den Zeich­nun­gen un­ten an­ge­deu­tet wird].

Borromäischer Knoten mit eingetragenem Kleeblattknoten

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen mit ein­ge­tra­ge­nem Klee­blatt­kno­ten

Umwandlung von Borromäischen Ringen in einen Kleeblattknoten

Um­wand­lung ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung in ei­nen Klee­blatt­kno­ten

La­can weist dar­auf hin, dass das Ge­bil­de, das er meist als „bor­ro­mäi­scher Kno­ten“ be­zeich­net hat­te, in der To­po­lo­gie nicht „Kno­ten“ ge­nannt wird, son­dern chaî­ne, „Ver­schlin­gung“, „Ver­ket­tung“, „Link“. [Der so­ge­nann­te „bor­ro­mäi­sche Kno­ten“ ist, in der Ter­mi­no­lo­gie der To­po­lo­gen, eine Ver­schlin­gung von drei tri­via­len Kno­ten (drei Rin­gen ohne Selbst­ver­schlin­gung), wo­bei die­se Ver­schlin­gung die Brunn­sche Ei­gen­schaft hat – alle Kno­ten fal­len aus­ein­an­der, wenn ein be­lie­bi­ger auf­ge­trennt wird].In der Zeich­nung der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen mit Zu­ord­nung des Rea­len (R), des Sym­bo­li­schen (S) und des Ima­gi­nä­ren (I) kann der Sinn an ei­ner be­stimm­ten Stel­le ver­or­tet wer­den. [Der Sinn hat hier sei­nen Platz im Über­schnei­dungs­be­reich des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren, ab­züg­lich des Rea­len.]Borro mit Sinn 2Der Sinn kann von der Be­zie­hung auf das Ima­gi­nä­re nicht ab­ge­löst wer­den, da wir in al­lem, was wir den­ken, dar­auf ver­wie­sen sind, es zu ima­gi­nie­ren. [Auch vom Sym­bo­li­schen kann der Sinn nicht ge­trennt wer­den:] Im Ge­gen­satz zur Auf­fas­sung der Würz­bur­ger Schu­le den­ken wir nicht ohne Wor­te. [Mit der Leh­re vom „Den­ken ohne Bil­der“ löst die­se Strö­mung der Psy­cho­lo­gie das Den­ken nicht nur von den Bil­dern ab, son­dern zu­gleich von der Spra­che, und das auf be­son­ders ra­di­ka­le Wei­se, wie Wy­got­ski ar­gu­men­tiert hat­te.]Klee­blatt­kno­ten sind [nicht-tri­via­le] Kno­ten [sie ent­hal­ten, im Un­ter­schied zu ei­nem tri­via­len Kno­ten, eine Selbst­ver­schlin­gung, die sich durch Fa­den­zie­hen nicht auf­lö­sen lässt]. Das heißt, dass sie sich nicht da­mit be­gnü­gen, eine be­stimm­te An­zahl von ein­ge­keil­ten Fel­dern zu iso­lie­ren, von Or­ten, wo man sich den Fin­ger ein­klem­men kann. [Ge­meint sind die Fel­der, die durch Selbst­über­kreu­zung des Fa­dens ent­ste­hen. Wenn man bei­spiels­wei­se ei­nen Ring (ei­nen tri­via­len Kno­ten) in die Form ei­ner Acht bringt, ent­ste­hen zwei Fel­der, durch die man die Fin­ger ste­cken kann.] Auch in [nicht-tri­via­len] Kno­ten gibt es Fel­der, in de­nen man ei­nen Fin­ger ein­klem­men kann, aber dies sind Kno­ten von an­de­rer Na­tur [in­so­fern sie un­auf­lös­ba­re Selbst­ver­schlin­gun­gen ent­hal­ten].Bei ei­nem Klee­blatt­kno­ten kann es an be­stimm­ten Stel­len ei­nen Irr­tum ge­ben, eine fal­sche Fa­den­füh­rung.

2 Kleeblattknoten davon 1 falsch

Rich­ti­ger (links) und fal­scher Klee­blatt­kno­ten

An ei­ner der drei Kreu­zungs­stel­len [an ei­nem der der „Dop­pel­punk­te“, wie die To­po­lo­gen sa­gen] läuft ein Fa­den nicht oben son­dern un­ten (oder um­ge­kehrt) und dies führt dazu, dass es kei­ne Selbst­ver­schlin­gung gibt und der Kno­ten ein ein­fa­cher Ring ist, ein tri­via­ler Kno­ten [der ei­nem Klee­blatt­kno­ten äh­nelt, da er drei Über­kreu­zun­gen hat, der aber kei­ner ist, da es kei­ne ir­re­du­zi­ble Selbst­ver­schlin­gung gibt].

3 falsche Kleeblatt

Ent­fal­tung ei­nes fal­schen Klee­blatt­kno­tens

Es ge­nügt ein sol­cher Feh­ler, | [93] denn für ei­nen Kno­ten mit Selbst­ver­schlin­gung ist es nicht mög­lich, dass er nur zwei ir­re­du­zi­ble Über­kreu­zun­gen hat, das weiß jeder.Die Mög­lich­keit der fal­schen Fa­den­füh­rung gibt es nicht nur beim Klee­blatt­kno­ten, son­dern auch, bei­spiels­wei­se, bei ei­nem Kno­ten, der da­durch ge­kenn­zeich­net ist, dass er fünf ir­re­du­zi­ble Über­kreu­zun­gen hat; La­can be­zeich­net die­ses Ge­bil­de als „La­can-Kno­ten“, weil er ihn, wie er sagt, für den an­ge­mes­sens­ten hält; er ver­spricht, die Be­grün­dung für die­se Be­haup­tung ein an­der­mal nach­zu­lie­fern. [La­can ist also nicht nur auf der Su­che nach ei­ner für die Psy­cho­ana­ly­se ge­eig­ne­ten Ver­schlin­gung, son­dern auch auf der Su­che nach ei­nen ge­eig­ne­ten Kno­ten.]Listing LacanBei die­ser Na­mens­ge­bung ori­en­tiert er sich am so­ge­nann­ten Lis­ting-Kno­ten, ei­nem Kno­ten mit vier ir­re­du­zi­blen Überkreuzungen.Am Ran­de weist La­can dar­auf hin, dass er sich beim Zeich­nen ei­nes Kno­tens im­mer wie­der ver­zeich­net, was [sei­ne Se­kre­tä­rin] Glo­ria [Gon­zá­lez] dazu ge­nö­tigt hat­te, eine sei­ner Zeich­nun­gen durch Ein­set­zen ei­nes Stücks [Pa­pier] auszubessern.Bei ei­nem Kno­ten mit min­des­tens fünf Über­schnei­dun­gen – also beim „La­can-Kno­ten“ – gibt es zwei Über­kreu­zungs­stel­len, bei de­nen der Aus­tausch von Un­ter­füh­rung und Über­füh­rung zur Fol­ge hat, dass die Selbst­ver­schlin­gung sich auf­löst und der Kno­ten sich in ei­nen Ring [ohne Selbst­ver­schlin­gung] ver­wan­delt [also in ei­nen tri­via­len Kno­ten].

Lacan-Knoten mit Irrtumspunkten

La­can-Kno­ten

Ver­än­dert man Über- und Un­ter­füh­run­gen an den an­de­ren drei Kreu­zungs­punk­ten, ver­wan­delt sich der Kno­ten mit fünf ir­re­du­zi­blen Über­kreu­zun­gen in ei­nen Kno­ten mit drei ir­re­du­zi­blen Über­kreu­zun­gen, d.h. in ei­nen Klee­blatt­kno­ten. Also gilt: Wenn man in ei­nem Kno­ten mit Selbst­ver­schlin­gung an ei­ner Über­kreu­zungs­stel­le die Über­füh­rung und die Über­füh­rung ge­gen­ein­an­der aus­tauscht, führt dies nicht im­mer dazu, dass die­ser Kno­ten sich in ei­nen ein­fa­chen Ring ver­wan­delt, in ei­nen tri­via­len Knoten.Lacan wech­selt nun zur bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen. Auch hier ist es mög­lich, dass an ei­ner Über­kreu­zungs­stel­le ein Fa­den falsch liegt, oben statt un­ten oder um­ge­kehrt, mit der Fol­ge, dass die Rin­ge aus­ein­an­der­fal­len und das Sym­bo­li­sche frei­ge­setzt wird. [Auch die an­de­ren Rin­ge wer­den frei­ge­setzt, aber La­can be­tont die Frei­set­zung des Sym­bo­li­schen.]Borro richtig und falsch mit KorrekturDie­ser Feh­ler kann je­doch re­pa­riert wer­den, und zwar da­durch, dass ein vier­ter Ring hin­zu­ge­fügt wird, wo­bei die­ser Ring so ein­ge­fä­delt wird [in ei­nen be­stimm­ten Wech­sel von Un­ter­füh­rung und Über­füh­rung], dass die vier Rin­ge auf bor­ro­mäi­sche Wei­se mit­ein­an­der ver­schlun­gen sind. | [94] Der vier­te Ring, d.h. der Re­pa­ra­tur­ring, sorgt da­für, dass das Sym­bo­li­sche, das Ima­gi­nä­re und das Rea­le zu­sam­men­hal­ten. [Die­se zu­sam­men­hal­ten­de Funk­ti­on hat je­der der vier Rin­ge, La­can be­trach­tet die Ver­schlin­gung je­doch zeit­lich – es gibt zu­nächst drei ge­trenn­te Rin­ge, dann kommt ein vier­ter hin­zu, der sie mit­ein­an­der ver­schlin­gung – und da­durch be­kommt der vier­te Ring eine Son­der­stel­lung.] Borro 4 RingeLa­can nennt die­sen vier­ten, re­pa­rie­ren­den Ring das Sym­ptom, und er er­in­nert dar­an, dass er in der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars das Sym­ptom als „Sin­t­hom“ be­zeich­net hat­te. [In der Zeich­nung ist das Sym­ptom bzw. das Sin­t­hom der mit Sig­ma, Σ, be­zeich­ne­te tri­via­le Kno­ten.]Das Ent­spre­chen­de gilt für ei­nen fal­schen Klee­blatt­kno­ten. Auch hier ist eine Re­pa­ra­tur durch Hin­zu­fü­gung ei­nes Rin­ges mög­lich – wenn eine der Über­kreu­zun­gen falsch ver­läuft, kann ein zwei­ter Ring so hin­zu­ge­fügt wer­den, dass die Über­kreu­zung sta­bil ist, dass sie nicht durch Zie­hen zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den kann. Auch in die­sem Fal­le be­zeich­net La­can den Re­pa­ra­tur­ring als „Sin­t­hom“.

Joyce: Reparatur durch den Eigennamen

La­can fährt mit der Zu­sam­men­fas­sung der letz­ten Sit­zung fort und ruft in Er­in­ne­rung, dass er ge­sagt hat­te, ein sol­cher Re­pa­ra­tur­vor­gang sei der Schlüs­sel für das, was mit Joy­ce ge­sche­hen sei.Ausgangspunkt ist, dass der Va­ter von Joy­ce un­zu­läng­lich war, Joy­ce spricht nur da­von. [Das Aus­fal­len des Va­ters ist also ge­wis­ser­ma­ßen der Feh­ler im Kno­ten.]Joy­ce woll­te das Aus­fal­len des Va­ters kom­pen­sie­ren, und zwar da­durch, dass er sich ei­nen Na­men mach­te. Auf die­se Wei­se kommt der Ei­gen­na­me ins Spiel. [Also hat der Ei­gen­na­me die Funk­ti­on ei­nes Re­pa­ra­tur­rings, ei­nes Sin­t­homs, er ist ein Er­satz für den nicht rich­tig in­stal­lier­ten Na­men-des-Va­ters.]Joy­ces Kunst ist et­was so Be­son­de­res, dass der Aus­druck „Sin­t­hom“ für sie tat­säch­lich an­ge­mes­sen ist. [?? Was ist da­mit ge­meint?]

Das Sinthom der aufgezwungenen Worte

[95] La­can er­gänzt nun die das letz­te Mal vor­ge­tra­ge­nen Über­le­gun­gen zu Joy­ce, in­dem er ei­nen Ver­gleichs­fall her­an­zieht. Da­bei geht es um ei­nen Pa­ti­en­ten, den er in der vor­an­ge­gan­ge­nen Wo­che bei ei­ner sei­ner Fall­dar­stel­lun­gen im Sain­te-Anne-Kran­ken­haus vor­ge­stellt hatte.Es han­delt sich um ei­nen Fall von Wahn­sinn, spe­zi­el­ler ging es um das Sin­t­hom der „auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te“ (pa­ro­les im­po­sées), wie das vom Pa­ti­en­ten selbst ge­nannt wur­de; La­can merkt dazu an, dass er die­se For­mu­lie­rung für äu­ßerst ver­nünf­tig hält, un­ter la­ca­nia­ni­schem As­pekt (wie La­can selbst es nennt). [Auch be­zo­gen auf die­sen Pa­ti­en­ten spricht La­can also vom „Sin­t­hom“.]  Man müs­se sich fra­gen, war­um wir nicht alle spü­ren, dass die Wor­te, von de­nen wir ab­hän­gen, uns in ge­wis­sem Sin­ne auf­ge­zwun­gen sind, dass sie ein Par­sit sind, ein Fur­nier [also et­was von au­ßen Auf­ge­zwun­ge­nes und kei­ne Tie­fe]. Ein so­ge­nann­ter Kran­ker sieht manch­mal mehr als ein so­ge­nann­ter Nor­ma­ler – war­um gibt es ei­ni­ge, die das Auf­ge­zwun­gen­sein der Wor­te spüren?Bei die­sem Pa­ti­en­ten hat­te das Be­fin­den sich ver­schlech­tert, er hat­te nicht mehr nur das Ge­fühl, dass ihm Wor­te auf­ge­zwun­gen wur­den, son­dern den Ein­druck, dass er von et­was be­trof­fen war, was er, der Pa­ti­ent, selbst Te­le­pa­thie nann­te, al­ler­dings nicht im üb­li­chen Sin­ne des Wor­tes. Er be­zeich­ne­te sich als „Sen­der-Te­le­path“, d.h. er war da­von über­zeugt, dass die an­de­ren Kennt­nis von sei­nen Über­le­gun­gen hät­ten. Da­bei be­zog er sich vor al­lem auf die Re­fle­xio­nen, die er als Ant­wort auf die auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te for­mu­lier­te. Auf­ge­zwun­ge­ne Wor­te wa­ren bei­spiels­wei­se sale as­sas­si­nat po­li­tique („dre­cki­ger po­li­ti­scher Mord“), was für ihn äqui­va­lent war mit sale as­si­sta­nat po­li­tique („dre­cki­ges po­li­ti­sches (Hochschul-)Assistentenamt“) – der Si­gni­fi­kant re­du­zier­te sich für ihn auf das, was er tat­säch­lich ist: auf eine Äqui­vo­ka­ti­on, also auf Lau­te mit meh­re­ren Be­deu­tun­gen, so­wie auf eine Laut­ähn­lich­keit. Als Re­ak­ti­on auf die­se mehr­deu­ti­gen auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te sag­te er sich | [96] et­was als Ant­wort, wo­bei die­se Ant­wort mit „aber“ be­gann und sei­ne Über­le­gung zu die­sem The­ma dar­stell­te. Was ihn nun irre mach­te, war die Vor­stel­lung, dass alle an­de­ren von die­sen Über­le­gun­gen Kennt­nis hat­ten. Er hat­te kei­ne Ge­heim­nis­se mehr, nichts Pri­va­tes. Des­halb hat­te er ver­sucht, sich um­zu­brin­gen, des­halb war er in der Kli­nik, des­halb kam es dazu, dass La­can ihn bei ei­ner sei­ner Kran­ken­prä­sen­ta­tio­nen vor­stell­te. [Die Kla­ge des Pa­ti­en­ten, dass er kei­ne Ge­heim­nis­se mehr hat, er­in­nert an die Ein­gangs­be­mer­kun­gen von La­can, dass der Saal zu voll ist.]Von hier aus lässt sich, La­can zu­fol­ge, eine Ver­bin­dung zu Joy­ce her­stel­len. Joy­ce hat­te eine Toch­ter, Lu­cia, die von den Ärz­ten als schi­zo­phren dia­gnos­ti­ziert wur­de (Lu­cia Joy­ce, 1907–1982). Zum Zeit­punkt von La­cans Se­mi­nar, 1976, leb­te sie noch, und zwar in ei­ner psych­ia­tri­schen Ein­rich­tung in Eng­land. Joy­ce hat­te sie ge­gen den Zu­griff der Ärz­te wild ver­tei­digt. Da­bei war sein Haupt­ar­gu­ment, sie sei eine Te­le­path­in. In den Brie­fen, die er in ih­rer An­ge­le­gen­heit schrieb, heißt es, sie sei in­tel­li­gen­ter als an­de­re, was man dar­an sehe, dass an­de­re Leu­te für sie kein Ge­heim­nis hät­ten – Lu­cia in­for­mie­re ihn dar­über, was mit die­sen Leu­ten ge­sche­he. Es ist na­tür­lich klar, sagt La­can, dass sie kei­ne Te­le­path­in war, dass sie nicht mehr über an­de­re wuss­te als üb­lich. Das In­ter­es­san­te ist, dass Joy­ce sei­ner Toch­ter die­se Fä­hig­keit zu­schreibt, um sie ge­gen die Ärz­te zu ver­tei­di­gen. La­cans The­se lau­tet: Die Zu­schrei­bung von te­le­pa­thi­schen Fä­hig­kei­ten an Lu­cia ist eine Ver­län­ge­rung des ei­ge­nen Sym­ptoms von Ja­mes Joy­ce.[Wor­in be­steht Joy­ces ei­ge­nes Sym­ptom?] Auch Joy­ce wur­de et­was auf­ge­zwun­gen, be­zo­gen auf Wor­te. Wenn man die Fol­ge sei­ner Wer­ke be­trach­tet, von den frü­hen Es­says bis zu Fin­ne­gans Wake, gibt es hier ei­nen kon­ti­nu­ier­li­chen Fort­schritt. Das Wort, ge­nau­er: das ge­schrie­be­ne Wort, wird von ihm zer­bro­chen, und das Zer­schla­gen der Wor­te nimmt be­stän­dig zu. Die­ses Ver­hält­nis zum Wort wur­de Joy­ce mehr und mehr auf­ge­zwun­gen. Bis zu dem Punkt, dass er die Spra­che schließ­lich auf­lös­te, wie Phil­ip­pe So­lers [in ei­nem Auf­satz] rich­tig be­merkt hat; Joy­ce zwingt der Spra­che eine Zer­set­zung auf, mit der Fol­ge, dass es kei­ne „pho­na­to­ri­sche Iden­ti­tät“ mehr gibt [wo­mit wohl ge­meint ist: kei­ne auf den Laut ge­stütz­te Sta­bi­li­tät der Be­deu­tung]. | [97] Die Zer­set­zung des Wor­tes er­folgt durch Ver­mitt­lung der Schrift. Bei die­ser De­for­ma­ti­on bleibt un­klar, ob es dar­um geht, sich vom Wort­pa­ra­si­ten zu be­frei­en, oder dar­um, sich von der we­sent­li­chen pho­n­e­mi­schen Ei­gen­schaft des Wor­tes über­flu­ten zu las­sen, von der Polyphonie.Dass Joy­ce sei­ne Toch­ter Lu­cia als Te­le­path­in ver­tei­digt, ist auf das Aus­fal­len des Va­ters zu be­zie­hen.

Der Lapsus, in jedem Sinne

[Das Aus­fal­len des Va­ters wird in der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung durch eine fal­sche Fa­den­füh­rung dar­ge­stellt. Des­halb kommt La­can auf den „fal­schen Klee­blatt­kno­ten“ zu­rück.] Die­ser Kno­ten ist so an­ge­ord­net, dass er drei Über­kreu­zun­gen hat und da­mit ei­nem Klee­blatt­kno­ten äh­nelt. Die Schein der Selbst­ver­schlin­gung kann je­doch durch ein­fa­ches Um­klap­pen auf­ge­deckt wer­den, die „Dop­pel­punk­te“ ver­schwin­den und man sieht, dass der Klee­blatt­kno­ten in Wirk­lich­keit ein ge­wöhn­li­cher Schnur­ring ist. Der fal­sche Klee­blatt­kno­ten lässt sich je­doch re­pa­rie­ren, und zwar da­durch, dass man an der Über­kreu­zungs­stel­le, an der der Fa­den falsch ver­läuft, ei­nen zwei­ten Ring hin­zu­fügt, den man so führt, dass die Über­kreu­zung des ers­ten Rings durch Fa­den­zie­hen nicht be­sei­tigt wer­den kann. Die­ser zwei­te Ring hat die Funk­ti­on ei­nes Sin­t­homs. [„Sin­t­hom“ meint hier also: „Ring mit Re­pa­ra­tur­funk­ti­on.]

Kleeblatt mit Ring oben rechts

Fal­scher Klee­blatt­kno­ten mit Re­pa­ra­tur­ring

[Es ist mög­lich, dass der Feh­ler im Klee­blatt­kno­ten – die fal­sche Fa­den­füh­rung an ei­ner Über­kreu­zungs­stel­le – durch ei­nen Lap­sus zu­stan­de kommt, durch eine Fehl­hand­lung. Des­halb schließt La­can an die­ser Stel­le Über­le­gun­gen zum Lap­sus an.]Der Be­griff des Un­be­wuss­ten be­ruht teil­wei­se auf dem Lap­sus (la­tei­nisch für „Fall“), d.h. auf dem Ver­spre­cher (lap­sus lin­guae) [den Freud in Zur Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens (1904) be­han­delt hat] so­wie auf dem Witz [den Freud in Der Witz und sei­ne Be­zie­hung zum Un­be­wuss­ten (1905) un­ter­sucht hat]. Zwi­schen Ver­spre­cher und Witz gibt es ei­nen Zu­sam­men­hang: der Witz kann aus ei­nem Ver­spre­cher ent­ste­hen. Freud zu­fol­ge be­ruht der Witz auf ei­nem Kurz­schluss, die­ser führt dazu, dass En­er­gie ge­spart wird – die­je­ni­ge, die für die Ver­drän­gung not­wen­dig ist –, und das Er­spa­ren von Hem­mungs­auf­wand ruft Lust hervor.Vom Ver­spre­cher, dem Lap­sus lin­guae, wech­selt La­can zum Lap­sus ei­nes Kno­tens, also zum falsch ge­bil­de­ten Kno­ten. Dar­un­ter ver­steht er nicht nur den Kno­ten mit fal­scher Über­kreu­zung, son­dern auch den Vor­gang, dass es ei­nem miss­lingt, | [98] Kno­ten rich­tig zu zeich­nen [der „fal­sche“ Kno­ten be­ruht dann auf ei­ner Fehl­hand­lung]. [Man kann den Feh­ler beim Zeich­nen ei­nes Kno­tens also den von Freud in der Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens un­ter­such­ten Fehl­hand­lun­gen hin­zu­fü­gen: Ver­ges­sen, Ver­spre­chen, Ver­le­sen, Ver­schrei­ben, Ver­grei­fen – die­se Lis­te wäre durch „Ver­zeich­nen“ zu er­gän­zen.] Die­se Irr­läu­fer [die­se Fehl­hand­lun­gen] ent­ste­hen durch die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten. [La­can be­zieht sich hier auf die in Se­mi­nar 22 ent­wi­ckel­te Tri­as zur Be­schrei­bung von Ver­schlin­gun­gen: Kon­sis­tenz, Ex-sis­tenz und Loch der Kno­ten.] [?? Wor­in be­steht die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten? In­wie­fern ist es die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten, die die Fehl­hand­lun­gen er­zeugt?][Der Sün­den­fall heißt auf la­tei­nisch lap­sus, „Fall“.] Vom Lap­sus im Sin­ne ei­ner Fehl­hand­lung wech­selt La­can zum Lap­sus im Sin­ne ei­ner Sün­de. Über den Sün­den­fall spricht Joy­ce [in Finngans Wake] be­stän­dig. Die Mehr­deu­tig­keit des Wor­tes [näm­lich des Wor­tes „Lap­sus“] er­mög­licht es, von ei­nem Sinn zum an­de­ren über­zu­ge­hen [von der Fehl­hand­lung zur Sün­de] und auf die­se Wei­se über die Be­zie­hung nach­zu­den­ken. Durch Freuds Theo­rie des Lap­sus, der Fehl­hand­lung, er­neu­ert sich der Be­griff des Lap­sus, des Sün­den­falls und der Sün­de. Ist das, was vom Be­wusst­sein bzw. vom Ge­wis­sen zur Sün­de und zum Sün­den­fall ge­macht wird, eine Art Fehl­hand­lung? Mit die­ser Fra­ge sind wir bei ei­nem Im­bro­glio [wie es in der Mu­sik heißt], bei ei­ner Ver­wir­rung, und da­mit wie­der beim Kno­ten [viel­leicht im Sin­ne von: bei der Ver­wir­rung ei­nes Kno­tens, beim „fal­schen Kno­ten“].

Äquivalenz zweier Ringe in einer Verschlingung

Wenn man bei ei­nem fal­schen Klee­blatt­kno­ten er­rei­chen will, das die Über­kreu­zung sta­bil bleibt, muss man ei­nen zwei­ten Ring um eine Über­kreu­zungs­stel­le her­um fä­deln. Da­bei gilt, dass die Re­pa­ra­tur nicht an al­len drei Über­kreu­zun­gen funk­tio­niert, nur an ei­ner der drei Stel­len führt sie zum Er­folg.Falscher Kleeblattknoten mit ZahlenBringt man den Re­pa­ra­tur­ring – das Sin­t­hom – an ei­ner der an­de­ren bei­den Über­kreu­zungs­stel­len an (an den Po­si­tio­nen 2 und 3), ist es trotz des Zu­satz­rings wei­ter­hin mög­lich, die Über­kreu­zun­gen durch Fa­den­zie­hen zu be­sei­ti­gen. [La­can ver­wen­det den Be­griff des Sin­t­homs also nicht nur für die­je­ni­gen Re­pa­ra­tu­ren, die zum Er­folg füh­ren, son­dern auch für die miss­lin­gen­den Re­pa­ra­tu­ren. „Sin­t­hom“ ist kein Re­sul­tat- und Er­folgs­be­griff, son­dern ein Funk­ti­ons­be­griff, wo­bei die Funk­ti­on auch dann in Kraft ist, wenn ihre Rea­li­sie­rung miss­lingt.]3 Kleeblattknoten mit 3 verschiedenen RepraturringenDie­sen Un­ter­schied gibt es, ob­wohl der Re­pa­ra­tur­ring in al­len drei Fäl­len die­sel­be | [99] Ori­en­tie­rung hat; man könn­te sie als Rechts­dre­hung be­zeich­nen. [?? Was ver­steht La­can un­ter der Ori­en­tie­rung des Re­pa­ra­tur­rings?][Die Kreu­zungs­punk­te oder Dop­pel­punk­te ei­nes fal­schen Kno­tens sind also un­ter­schied­lich struk­tu­riert. Das An­brin­gen ei­nes Re­pa­ra­tur­rings, ei­nes Sin­t­homs, hat des­halb ganz un­ter­schied­li­che Ef­fek­te.][La­can er­läu­tert das an ei­ner wei­te­ren Ver­schlin­gung.] Wie beim Klee­blatt­kno­ten mit Re­pa­ra­tur­ring geht es auch hier um die Ver­schlin­gung von zwei Fa­den­rin­gen ohne Selbst­ver­schlin­gung, also um die Ver­schlin­gung von zwei tri­via­len Kno­ten; der eine ist rot ge­färbt, der an­de­re grün. Der rote Ring wird in Ge­stalt ei­ner Acht an­ge­ord­net – eine Form, die sich qua­si spon­tan er­gibt –, wo­durch ein Über­kreu­zungs­punkt ent­steht. Der grü­ne Ring wird kreis­för­mig um die Über­kreu­zung her­um­ge­führt, im Wech­sel von Über­füh­rung und Un­ter­füh­rung. Der kreis­för­mi­ge grü­ne Ring, das Sin­t­hom, sorgt da­für, dass die Selbst­über­kreu­zung des ro­ten Rings beim Zie­hen an den Rin­gen er­hal­ten bleibt.AchterknotenDie bei­den Fa­den­rin­ge sind in die­sem Fal­le äqui­va­lent. Mit Äqui­va­lenz ist Fol­gen­des ge­meint. Durch Zie­hen – also ohne Zer­schnei­den und Versplei­ßen – kann der rote Ach­ter­ring so um­ge­formt wer­den, dass er die Form ei­nes kreis­för­mi­gen Rings an­nimmt, und der grü­ne kreis­för­mi­ge Ring kann so ar­ran­giert wer­den, dass er zu ei­nem Ach­ter­ring wird. [Man muss sich dar­an er­in­nern, dass in der To­po­lo­gie die Rin­ge als be­lie­big dehn­bar und schrumpf­bar gel­ten, ein gro­ßer Ring kann also ohne wei­te­res zu ei­nem klei­nen wer­den und um­ge­kehrt.] Im Er­geb­nis die­ser Zupf-Ope­ra­ti­on ver­hal­ten sich die bei­den Rin­ge so zu­ein­an­der, dass der jetzt kreis­för­mi­ge rote Ring als Sin­t­hom fun­giert, d.h. als ein Ring, der den fal­schen grü­nen Ach­ter­ring in­so­fern re­pa­riert, als er ver­hin­dert, dass des­sen Über­kreu­zungs­stel­le durch Zie­hen an den Rin­gen zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den kann. Da­bei hat der grü­ne Ach­ter­ring die­sel­be Fa­den­füh­rung wie zu­vor der rote: an der Über­kreu­zungs­stel­le ver­läuft in bei­den Kon­fi­gu­ra­tio­nen in der Zeich­nung der über­füh­ren­de Ring von rechts oben nach links un­ten, was man als „Rechts­dre­hung“ be­zeich­nen kann. [Die Äqui­va­lenz der Fa­den­rin­ge be­steht also dar­in, dass die Rin­ge durch Zie­hen dazu ge­bracht wer­den kön­nen, die Plät­ze zu wech­seln.] Die­se Trans­for­ma­ti­on ist so ein­fach, dass man sie, ohne die Ma­ni­pu­la­ti­on prak­tisch durch­zu­füh­ren, im Kopf durch­spie­len kann.

Sexuelles (Nicht-)Verhältnis und sexuelle (Nicht-)Äquivalenz

[100] La­can be­zieht den so ge­won­ne­nen Be­griff der Äqui­va­lenz nun auf das se­xu­el­le Ver­hält­nis. Sei­ne The­se lau­tet: Wenn es Äqui­va­lenz gibt, gibt es eben des­halb kein Ver­hält­nis.[Die The­se ist ir­ri­tie­rend for­mu­liert, da ja auch eine Äqui­va­lenz ein Ver­hält­nis ist, ein Ver­hält­nis der Gleich­wer­tig­keit. Un­ter „Ver­hält­nis“ wird hier eine spe­zi­el­le Art von Ver­hält­nis ver­stan­den, das „se­xu­el­le Ver­hält­nis“. Seit 1969 hat­te La­can im­mer wie­der die The­se vor­ge­bracht, „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“ bzw. „Es gibt kein Ge­schlechts­ver­hält­nis“ (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Ge­meint ist also: Wenn es Äqui­va­lenz gibt, gibt es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis.]La­can er­läu­tert sei­ne The­se zu­nächst an­hand des miss­glück­ten Klee­blatt­kno­tens, also ei­nes Kno­tens mit drei Über­schnei­dun­gen, die durch Zie­hen zum Ver­schwin­den ge­bracht wer­den kön­nen. Die­ses Miss­lin­gen ist bei bei­den Ge­schlech­tern äqui­va­lent.  [„Äqui­va­lenz“ meint hier also nicht: „zwei Rin­ge kön­nen ihre Plät­ze ver­tau­schen“, son­dern: „ein Ring hat in zwei Vor­komm­nis­sen die­sel­be Struk­tur, näm­lich den­sel­ben Feh­ler“.][Die psy­cho­ana­ly­ti­sche Ent­spre­chung zur Äqui­va­lenz der Ge­schlech­ter ist ver­mut­lich die Kas­tra­ti­on: bei­de Ge­schlech­ter, so hat­te La­can ein Jahr zu­vor im Se­mi­nar ge­sagt, un­ter­lie­gen der Kas­tra­ti­on, dar­in gibt es kei­nen Un­ter­schied.20]La­can wech­selt nun von zwei un­ver­bun­de­nen fal­schen Klee­blatt­kno­ten, die für die bei­den Ge­schlech­ter ste­hen, zu zwei mit­ein­an­der ver­schlun­ge­nen Kno­ten, in der spe­zi­el­len An­ord­nung ei­nes fal­schen Klee­blatt­kno­tens mit ei­nem Re­pa­ra­tur­ring [da­mit ist er bei der Kon­stel­la­ti­on, auf die er den Äqui­va­lenz­be­griff zu­vor be­zo­gen hat­te].Falscher Kleeblattknoten mit ZahlenDie bei­den Rin­ge sind un­ter­schied­lich ge­färbt, die Dif­fe­renz der Far­ben steht für die die Dif­fe­renz der Ge­schlech­ter. Der fal­sche Klee­blatt­kno­ten re­prä­sen­tiert das eine Ge­schlecht, der Re­pa­ra­tur­ring das an­de­re Ge­schlecht in sei­ner Funk­ti­on für das ers­te Ge­schlecht. [Wenn das weib­li­che Ge­schlecht dem fal­schen Klee­blatt­kno­ten ent­spricht, ent­spricht das männ­li­che Ge­schlecht dem Re­pa­ra­tur­ring; ord­net man das weib­li­che Ge­schlecht dem Re­pa­ra­tur­ring zu, ent­spricht das männ­li­che Ge­schlecht dem fal­schen Klee­blatt­kno­ten.] Wenn man die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on [ge­nau­er] be­trach­tet, wel­che die bei­de Ge­schlech­ter für­ein­an­der rea­li­sie­ren, sind sie nicht mehr äqui­va­lent. La­can er­läu­tert die Nicht-Äqui­va­lenz der Ge­schlech­ter, in­dem er zu ei­ner an­de­ren Kon­fi­gu­ra­ti­on der Ver­schlin­gung von zwei tri­via­len Kno­ten über­geht, zu ei­ner Ver­schlin­gung, die er in die­ser Sit­zung be­reits vor­ge­stellt hat­te. Der eine Kno­ten hat hier­bei die Ge­stalt ei­nes Krei­ses mit ei­ner in­ne­ren Acht, der an­de­re die ei­nes ein­fa­chen Krei­ses; der ein­fa­che Kreis über­nimmt für den Kreis mit In­ne­n­acht die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on. [?? Lässt sich die Ver­schlin­gung aus acht­för­mi­gem Ring und Re­pa­ra­tur­ring in eine Ver­schlin­gung des Rings mit In­ne­n­acht und Re­pa­ra­tur­ring über­füh­ren?]Zwei Konfigurationen des AchterknotensWie be­reits ge­zeigt, sind die­se bei­den Rin­ge nicht äqui­va­lent, sie kön­nen nicht die Plät­ze wech­seln. Der Re­pa­ra­tur­ring kann zwar durch Zie­hen in ei­nen Ach­ter­kno­ten ver­wan­delt wer­den und der Ach­ter­kno­ten in ei­nen Re­pa­ra­tur­ring. Vor und nach der Um­for­mung ha­ben die Re­pa­ra­tur­rin­ge je­doch un­ter­schied­li­che Ver­läu­fe, sie un­ter­schei­den sich in der Art, wie sie die Re­pa­ra­tur her­stel­len: ein­mal ver­läuft der Re­pa­ra­tur­ring ge­wis­ser­ma­ßen in­ner­halb des Ach­ter­kno­tens, das an­de­re Mal au­ßen. [An­ders ge­sagt: die bei­den Ge­schlech­ter ha­ben zwar für­ein­an­der die­sel­be Funk­ti­on, eine Re­pa­ra­tur­funk­ti­on, aber die­se Funk­ti­on wird durch un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren rea­li­siert. Sys­tem­theo­re­ti­ker wür­den sa­gen: die un­ter­schied­li­chen Struk­tu­ren der Re­pa­ra­tur­rin­ge sind funk­tio­nal äqui­va­lent.][101] La­can be­rich­tet, dass er Jac­ques-Alain Mil­ler hier­zu eine Auf­ga­be ge­stellt hat­te, er hat­te ihm eine Ver­schlin­gung ei­nes Krei­ses mit In­ne­n­acht und ei­nes Re­pa­ra­tur­rings vor­ge­legt und ihn auf­ge­for­dert, zu zei­gen, dass die bei­den Rin­ge äqui­va­lent sei­en, ob­wohl sie es nicht sind. Er sagt, dass er dies zu Recht ge­tan habe, im Ge­gen­satz zu dem, was er Mil­ler ge­gen­über be­haup­tet hat­te [der Sinn die­ses Hin­wei­ses ist mir nicht klar].„In dem Maße, da es Sin­t­hom gibt, gibt es kei­ne se­xu­el­le Äqui­va­lenz, das heißt, es gibt Ver­hält­nis.“ [In­so­fern die Ge­schlech­ter für­ein­an­der eine Sin­t­hom­funk­ti­on ha­ben, eine Re­pa­ra­tur­funk­ti­on, gibt es ein se­xu­el­les Ver­hält­nis. Die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on wird je­doch durch un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren rea­li­siert, in­so­fern gibt es kei­ne se­xu­el­le Äqui­va­lenz.] [Den Re­pa­ra­tur­ring be­zeich­net La­can auch hier als „Sin­t­hom“. Je­des Ge­schlecht ist also für das an­de­re ein Sin­t­hom, je­des hat für das an­de­re eine Re­pa­ra­tur­funk­ti­on. Das ist je­doch nur eine ers­te pro­ble­ma­ti­sche An­nä­he­rung, we­ni­ge Sät­ze spä­ter wird die­se im­pli­zi­te The­se mo­di­fi­ziert.]„Denn es ist ganz si­cher, dass, wenn wir sa­gen, dass das Nicht­ver­hält­nis von der Äqui­va­lenz her­rührt, sich in dem Maße, da es kei­ne Ä­quivalenz gibt, das Ver­hält­nis struk­tu­riert.“ [Dass es kein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt, be­ruht dar­auf, dass die Ge­schlech­ter für­ein­an­der eine äqui­va­len­te Funk­ti­on er­fül­len, näm­lich die ei­ner Re­pa­ra­tur, ei­nes Sin­t­homs. Es gibt in­so­fern kei­ne Äqui­va­lenz, als die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on auf un­ter­schied­li­che Wei­se rea­li­siert wird; hier­durch ist die Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schlech­tern struk­tu­riert.]Es gibt also zu­gleich ein se­xu­el­les Ver­hält­nis und kein se­xu­el­les Ver­hält­nis. Ein se­xu­el­les Ver­hält­nis gibt es in­so­fern, als bei­de Ge­schlech­ter für­ein­an­der eine Sin­t­hom-Funk­ti­on ha­ben.[An der bis­he­ri­gen Dar­stel­lung muss nun aber eine Kor­rek­tur an­ge­bracht wer­den.]La­can hat­te frü­her ge­sagt, für je­den Mann sei eine Frau ein Sin­t­hom. [Vgl. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1975, und den Blog­ar­ti­kel Eine Frau ist ein Sym­ptom des Man­nes.] Wenn aber gilt, dass die Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schlech­tern durch Nicht­äqui­va­lenz cha­rak­te­ri­siert ist [also da­durch, dass die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on durch un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren rea­li­siert wird], dann kann für eine Frau der Mann nicht ein Sin­t­hom sein. Also muss man ei­nen an­de­ren Na­men für die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on fin­den, die für eine Frau durch den Mann er­füllt wird.[Man muss also das Sin­t­hom als Funk­ti­on vom Sin­t­hom als Struk­tur un­ter­schei­den. Be­zieht man sich auf die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on, sind bei­de Ge­schlech­ter für­ein­an­der Sin­t­home. Be­zieht man sich mit dem Ter­mi­nus „Sin­t­hom“ auf die Struk­tur, durch die die­se Funk­ti­on ver­wirk­licht wird, soll­te man so nicht re­den. Die Sin­t­hom­funk­tio­nen sind ja nicht äqui­va­lent, d.h. die Struk­tu­ren, durch die sie rea­li­siert wer­den, un­ter­schei­den sich. Auf die­ser Ebe­ne der Be­trach­tung muss man den Aus­druck „Sin­t­hom“ da­für re­ser­vie­ren, wie für den Mann durch eine Frau die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on um­ge­setzt wird.]Wor­in be­steht um­ge­kehrt die Funk­ti­on des Man­nes für eine Frau? Das kann man nen­nen wie man will: er ist für sie ein Kum­mer, schlim­mer als ein Sin­t­hom, er ist für sie eine Verheerung.Wenn es also kei­ne Äqui­va­lenz gibt [wenn die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on durch un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren rea­li­siert wird], dann heißt das, man muss spe­zi­fi­zie­ren, in­wie­fern die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on, die eine Frau für den Mann hat – das Sin­t­hom – sich von der Re­pa­ra­tur­funk­ti­on un­ter­schei­det, die der Mann für eine Frau hat.Das se­xu­el­le Ver­hält­nis re­du­ziert sich beim Sprech­we­sen – bei dem Le­be­we­sen, dass sich da­durch aus­zeich­net, dass es spricht – dar­auf, dass es kei­ne Äqui­va­lenz gibt [dass die Re­pa­ra­tur­funk­ti­on durch un­ter­schied­li­che Struk­tu­ren be­dient wird].

Das Sinthom zwischen Realem und Imaginärem

Was hat es mit dem be­rühm­ten se­xu­el­len Ver­hält­nis auf sich? Da­von kann man sich eine Vor­stel­lung ma­chen, wenn man die Men­schen­we­sen im Bett sieht, nicht nur im Kran­ken­haus­bett. Man sieht dann die enge Ver­bin­dung des Sin­t­homs mit dem Rea­len, die zu ver­or­ten ist, des Sin­t­homs mit dem Rea­len des Un­be­wuss­ten, in­so­fern das Un­be­wuss­te real ist. Das er­gibt sich aus dem, was er, La­can, von ei­nem an­de­ren Bett her be­stän­dig ver­nimmt, von der be­rühm­ten Couch des Psy­cho­ana­ly­ti­kers.[Das Rea­le des Un­be­wuss­ten ist, so neh­me ich an, der Phal­lus, Φ. Der Phal­lus ist, La­can zu­fol­ge, das Ur­ver­dräng­te21 Als Ur­ver­dräng­tes ge­hört er zum Un­be­wuss­ten. In­so­fern er nicht er­in­nert wer­den kann, ge­hört er zum Rea­len, da das Rea­le ja das ist, was sich der Sym­bo­li­sie­rung und Ima­gi­nie­rung hart­nä­ckig wi­der­setzt (vgl. den Blog­ar­ti­kel Das Rea­le). Die Sin­t­hom­funk­ti­on des an­de­ren Ge­schlechts ist also eng mit dem Phal­lus ver­bun­den, mit Φ. Auf ge­nau die­se Wei­se hat­te La­can in Se­mi­nar 22 die The­se er­läu­tert, dass für den Mann eine Frau ein Sym­ptom ist: aus­ge­hend vom Be­zug auf den Phal­lus, Φ, ist eine Frau für den Mann ein Sym­ptom, d.h. et­was, wor­an er glaubt.]Wie kann man wis­sen, ob | [102] das Un­be­wuss­te real ist oder ima­gi­när? Das ist die Fra­ge. [Meist be­schränkt La­can den Be­griff des Un­be­wuss­ten auf das Sym­bo­li­sche; das Un­be­wuss­te ist ein Si­gni­fi­kan­ten­ap­pa­rat, ge­wis­ser­ma­ßen eine Un­ter­ab­tei­lung des Sym­bo­li­schen. Ich ver­mu­te, dass ge­meint ist: Real wäre das Un­be­wuss­te dann, wenn es „ex-sis­tent“ wäre, von au­ßen hin­zu­ge­fügt; ima­gi­när wäre es, wenn es kon­sis­tent wäre, wenn es Sys­tem­cha­rak­ter hät­te.]Das Un­be­wuss­te hat Teil an ei­ner Mehr­deu­tig­keit zwi­schen dem Rea­len und dem Ima­gi­nä­ren. Die­se Mehr­deu­tig­keit ist das Sin­t­hom, das seit Freud un­se­re Auf­ga­be ist [die Auf­ga­be der Psy­cho­ana­ly­ti­ker].[Die Mehr­deu­tig­keit des Un­be­wuss­ten zwi­schen dem Rea­len und dem Ima­gi­nä­ren ist also auf das Sin­t­hom zu be­zie­hen. Freud sagt: Das Sym­ptom steht zu­gleich im Diens­te des Es, des Ichs und des Über-Ichs, es ist eine „Gar­ni­son mit ge­misch­ter Be­set­zung„22] [Das Sin­t­hom ist ei­ner­seits auf das Rea­le zu be­zie­hen, auf das Loch im Rea­len, her­vor­ge­ru­fen durch das Sym­bo­li­sche, die Nicht-Exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses, so­wie auf den Phal­lus, Φ, und auf das Rea­le des Ge­nie­ßens, Freuds „Er­satz­be­frie­di­gung“ durch das Sym­ptom23 als Kom­pen­sa­ti­on für die Nicht-Exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses. Das Sin­t­hom ist an­de­rer­seits auf das Ima­gi­nä­re zu be­zie­hen, näm­lich auf den Sinn, in­so­fern die­ser durch die Über­la­ge­rung des Sym­bo­li­schen mit dem Ima­gi­nä­ren ent­steht.]  [In der Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975 hat­te La­can ge­sagt, die Mehr­deu­tig­keit sei die ein­zi­ge Waf­fe ge­gen das Sym­ptom.]Das Sin­t­hom be­zieht sich auf das se­xu­el­le Ver­hält­nis, das Freud [irr­tüm­lich] für na­tür­lich hält. [Das Sin­t­hom ist eine Kom­pen­sa­ti­on für die In­exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses.]

ZUSAMMENSTELLUNG ZU SYMPTOM/SINTHOM­

Im Fol­gen­den wer­den alle Stel­len auf­ge­führt, an de­nen La­can die Aus­drü­cke „Sym­ptom“ oder „Sin­t­hom“ ver­wen­det. Die Zah­len in run­den Klam­mern sind Sei­ten­zah­len, sie ver­wei­sen auf die Über­set­zung von Max Klei­ner.

Ver­wen­dung von „Sym­ptom“ und „Sin­t­hom“

Wie in der Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1975 ver­wen­det La­can auch in der Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar die Aus­drü­cke „Sym­ptom“ und „Sin­t­hom“ syn­onym.

(a) Er ver­weist aus­drück­lich auf den syn­ony­men Cha­rak­ter der bei­den Aus­drü­cke

Gut, also was ich letz­tes Mal ge­sagt habe, ist Fol­gen­des: als An­spie­lung dar­auf, dass das Sym­ptom – was ich die­ses Jahr das Sin­t­hom ge­nannt habe –, dass das Sin­t­hom das ist (…).“ (102)

La­can sagt über sich, dass er in die­sem Jahr das Sym­ptom Sin­t­hom ge­nannt hat.

(b) Er ver­wen­det den Aus­druck „Sin­t­hom“ für eine simp­le kli­ni­sche Be­schrei­bung, bei der man sonst „Sym­ptom“ ver­wen­den wür­de:

… „Es trifft sich, dass am Frei­tag bei mei­ner Vor­stel­lung von et­was, das man im All­ge­mei­nen als Fall be­trach­tet, als Fall von Wahn­sinn si­cher­lich, als Fall von Wahn­sinn, der mit dem Sin­t­hom ‚auf­ge­zwun­ge­ne Wor­te‘ be­gon­nen hat.“ (104)

Die­se Art der Ver­wen­dung von „Sin­t­hom“ gab es be­reits in der Sit­zung vom 18. No­vem­ber, wo La­can die Ma­nie als „Sin­t­hom“ be­zeich­ne­te.

(c) Er spricht ab­wech­selnd von Joy­ces „Sym­ptom“ und von sei­nem „Sin­t­hom“:

Dass Joy­ce ein Sym­ptom hat, das von Fol­gen­dem aus­geht: dass sein Va­ter un­zu­läng­lich war, ra­di­kal un­zu­läng­lich, er spricht nur da­von. Ich habe die Sa­che um den Na­men zen­triert, um den Ei­gen­na­men, und ich habe ge­dacht – ma­chen Sie da­mit, was Sie wol­len, mit die­sem Den­ken –, und ich habe ge­dacht, dass Joy­ce, in­dem er ei­nen Na­men für sich woll­te, die Kom­pen­sa­ti­on für das Aus­fal­len des Va­ters ge­bil­det hat. Das ist zu­min­dest das, was ich ge­sagt habe, weil ich’s nicht bes­ser sa­gen konn­te. Ich wer­de ver­su­chen, das auf prä­zi­se­re Wei­se zu ar­ti­ku­lie­ren, aber es ist klar, dass Joy­ces Kunst et­was so Be­son­de­res ist, dass der Aus­druck Sin­t­hom wirk­lich das ist, was ihr an­ge­mes­sen ist.“ (102 f.)

Da­nach ist wie­der von Joy­ces „Sym­ptom“ die Rede:

Aber dass Joy­ce ihr die­se Fä­hig­keit zu­schreibt, auf eine Rei­he von Zei­chen hin, von Er­klä­run­gen, die er dann auf be­stimm­te Wei­se ver­stan­den hat, eben das ist je­nes Et­was, wor­an ich sehe, dass er, um, wenn man so sa­gen kann, sei­ne Toch­ter zu ‚ver­tei­di­gen‘, dass er ihr et­was zu­schreibt, was in der Ver­län­ge­rung des­sen liegt, was ich für den Mo­ment sein eige­nes Sym­ptom nen­nen wer­de. Das heißt – in sei­nem Fall ist es schwie­rig, nicht mei­nen ei­ge­nen Pa­ti­en­ten zu er­wäh­nen, wie es bei ihm an­ge­fan­gen hat­te –, das heißt, dass man nicht sa­gen kann, dass Joy­ce hin­sicht­lich des Wor­tes nicht et­was auf­gezwungen wur­de.“ (106)

(d) Über die Funk­ti­on ei­ner Frau für den Mann heißt es:

Ich habe mir er­laubt zu sa­gen, dass das Sin­t­hom ganz prä­zi­se das Ge­schlecht ist, dem ich nicht an­ge­hö­re, das heißt eine Frau.“ (111)

Das be­zieht sich auf Se­mi­nar 22, wo La­can ge­sagt hat­te, eine Frau sei ein „Sym­ptom“ des Man­nes. Dem­nach ist eine Frau ein Sym­ptom oder auch ein Sin­t­hom des Man­nes.

Bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung

Gut, also was ich letz­tes Mal ge­sagt habe, ist Fol­gen­des: als An­spie­lung dar­auf, dass das Sym­ptom – was ich die­ses Jahr das Sin­t­hom ge­nannt habe –, dass das Sin­t­hom das ist, was im Bor­ro­mä­er, in der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung das ist, was es in die­ser bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung er­mög­licht, wenn wir kei­ne Ver­schlin­gung mehr dar­aus ma­chen, das heißt, wenn wir hier das ma­chen, was ich ei­nen Irr­tum ge­nannt habe, hier und auch hier, das heißt zu­gleich, wenn das Sym­bo­li­sche sich frei­setzt, wie ich das letz­te Mal ja an­ge­merkt habe, dann ha­ben wir ein Mit­tel, um das zu reparie­ren, näm­lich das zu ma­chen, was ich zum ers­ten Mal als das Sin­t­hom de­fi­niert habe, näm­lich die­ses Et­was, was es dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len er­mög­licht, wei­ter­hin zu­sam­men­zu­hal­ten, ob­wohl da kei­ner mehr am an­de­ren hängt, und zwar auf­grund von zwei Irr­tü­mern. Ich habe mir ge­stat­tet, als Sin­t­hom zu de­fi­nie­ren, nicht was dem Drei­er­kno­ten er­laubt, noch ei­nen Drei­er­kno­ten zu bil­den, son­dern was ihn in ei­ner Po­si­ti­on be­wahrt, in der er so aus­sieht, als ob er ei­nen Drei­er­kno­ten bil­den wür­de. Das ist das, was ich letz­tes Mal ganz be­hut­sam vor­ge­bracht habe.“ (102)– prü­fen

Das Sym­ptom bzw. Sin­t­hom ist der vier­te Ring in ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung. Er re­pa­riert zwei Irr­tü­mer in der Ver­schlin­gung von drei Rin­gen, d.h. er er­mög­licht es dem Sym­bo­li­schen, dem Ima­gi­nä­ren und dem Rea­len, zu­sam­men­zu­hal­ten, wo­durch die Be­zie­hung der drei Rin­ge so aus­sieht, als sei­en sie auf bor­ro­mäi­sche Wei­se mit­ein­an­der ver­schlun­gen.

Re­pa­ra­tur ei­nes fal­schen Kno­tens durch ei­nen Sin­t­hom-Ring

Was ich an­mer­ken möch­te, ist, dass das, was ich mit Sin­t­hom be­zeich­ne, was ich so nen­ne, was ich so stüt­ze, und was hier durch ei­nen Ring mar­kiert ist, ei­nen Schnur­ring, das wird von mir so ver­stan­den, dass es sich an eben der Stel­le her­stellt, an der, sa­gen wir, die Bahn des Kno­tens ei­nen Feh­ler macht.“ (107)

In der Ver­schlin­gung von zwei tri­via­len Kno­ten kann ei­ner der bei­den Rin­ge ein Sin­t­hom sein, näm­lich dann, wenn er ei­nen Feh­ler im an­de­ren Ring re­pa­riert oder zu re­pa­rie­ren ver­sucht. Der Feh­ler im an­de­ren Ring be­steht dar­in, dass es an ei­ner Über­kreu­zungs­stel­le statt es ei­ner Über­füh­rung eine Un­ter­füh­rung gibt (oder um­ge­kehrt), mit der Fol­ge, dass der Ring kei­ne ir­re­du­zi­ble Selbst­ver­schlin­gung auf­weist. Der Sin­t­hom­ring ver­schlingt sich mit die­sem Ring an der Stel­le, wo es den Feh­ler gibt.

Sie kön­nen, wenn Sie acht­ge­ben, Sie kön­nen se­hen, auf eine Wei­se, für die der Kno­ten ver­ant­wort­lich ist, Sie kön­nen se­hen, dass Sie, wenn Sie mit ei­nem Sin­t­hom an eben dem Punkt re­pa­rie­ren, an dem sich der Lap­sus her­ge­stellt hat [1], nicht den­sel­ben Kno­ten er­hal­ten, wenn Sie das Sin­t­hom an eben die Stel­le set­zen, an der sich der Feh­ler herge­stellt hat, oder wenn Sie, eben­falls durch ein Sin­t­hom, die Sa­che an den an­de­ren bei­den Punk­ten [2 und 3] kor­ri­gie­ren. Denn in­dem Sie die Sa­che, den Lap­sus, an den bei­den an­de­ren Punk­ten kor­ri­gie­ren – was eben­falls denk­bar ist, da es dar­um geht, dass et­was von der ur­sprüng­li­chen Struk­tur des Drei­er­kno­tens be­stehen bleibt –, ist das Et­was, das auf­grund des Ein­grei­fens des Sin­t­homs be­stehen bleibt, an­ders, wenn das an eben dem Punkt des Lap­sus her­ge­stellt wird, ist an­ders als das, was sich her­ge­stellt, wenn es auf die glei­che Wei­se, an den an­de­ren bei­den Punk­ten des Drei­er­kno­tens, durch ein Sin­t­hom kor­ri­giert ist. Das ist ver­blüf­fend, es gibt et­was Ge­mein­sa­mes in der Art und Wei­se, wie sich die Din­ge ver­knüp­fen, es gibt et­was, das durch eine be­stimm­te Aus­rich­tung gekennzeich­net ist, eine be­stimm­te Ori­en­tie­rung, eine be­stimm­te, sa­gen wir, Rechts­dre­hung der Kom­pen­sa­ti­on.“ (108 f.)

In ei­nem fal­schen Kno­ten, in die­sem Fall in ei­nem schein­ba­ren Klee­blatt­kno­ten, kann ein re­pa­rie­ren­der Ring, d.h. ein Sin­t­hom, an den drei Über­kreu­zungs­stel­len an­ge­bracht wer­den. Aber nur an ei­ner der Über­kreu­zun­gen führt das Sin­t­hom zur Re­pa­ra­tur. Die Re­pa­ra­tur durch ein Sin­t­hom kann also miss­lin­gen, das Sin­t­hom muss nicht zum Er­folg füh­ren.

… „Aber da­bei bleibt nicht min­der klar, dass hier das, was sich aus der ge­kno­te­ten Kompensati­on er­gibt, aus der Kom­pen­sa­ti­on durch das Sin­t­hom, sich von dem un­ter­schei­det, was sich hier und dort er­gibt. Die­ser Un­ter­schied ist fol­gen­der­ma­ßen be­schaf­fen: zwi­schen die­sem und die­sem, also dem Sin­t­hom und der Schlei­fe, die sich hier, wenn ich so sa­gen darf, spon­tan bil­det, ist ein Aus­tausch mög­lich, die­ses ist mit je­nem strikt äqui­va­lent, also die, sa­gen wir, rote Acht und der grü­ne Kreis.“ (109)

Zwi­schen dem fal­schen Kno­ten und dem Sin­t­hom­kno­ten kann es Äqui­va­lenz ge­ben. Da­mit ist ge­meint, dass die bei­den Kno­ten durch Fa­den­zie­hen dazu ge­bracht wer­den kön­nen, die Plät­ze zu wech­seln und da­nach die­sel­be Struk­tur auf­zu­wei­sen.

Sin­t­hom und In­exis­tenz des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses

Es gibt also, auf der Ebe­ne des Sin­t­homs, es gibt kei­ne Äqui­va­lenz in den Ver­hält­nis­sen zwi­schen dem Grü­nen und dem Ro­ten, um uns mit die­ser ein­fa­chen Be­zeichnung zu be­gnü­gen. In dem Maße, da es Sin­t­hom gibt, gibt es kei­ne se­xu­el­le Äqui­va­lenz, das heißt, es gibt Ver­hält­nis. Denn es ist ganz si­cher, dass, wenn wir sa­gen, dass das Nicht­ver­hält­nis von der Äqui­va­lenz her­rührt, sich in dem Maße, da es kei­ne Ä­quivalenz gibt, das Ver­hält­nis struk­tu­riert. Es gibt also zu­gleich se­xu­el­les Ver­hält­nis und kein Ver­hält­nis. Abgese­hen da­von, dass da, wo es Ver­hält­nis gibt, es in dem Maße so ist, in dem es Sin­t­hom gibt, das heißt, in dem, wie ich ge­sagt habe, das an­de­re Ge­schlecht durch das Sin­t­hom ge­tra­gen wird. Ich habe mir er­laubt zu sa­gen, dass das Sin­t­hom ganz prä­zi­se das Ge­schlecht ist, dem ich nicht an­ge­hö­re, das heißt eine Frau. Ich habe mir er­laubt zu sa­gen, dass das Sin­t­hom ganz prä­zi­se das Ge­schlecht ist, dem ich nicht an­ge­hö­re, das heißt eine Frau. Wenn für je­den Mann eine Frau ein Sin­t­hom ist, dann ist es völ­lig klar, dass es nö­tig ist, ei­nen an­de­ren Na­men für das zu fin­den, was es für eine Frau mit dem Mann auf sich hat, da das Sin­t­hom ja eben durch die Nicht­äqui­va­lenz gekenn­zeichnet ist. Man kann sa­gen, dass der Mann für eine Frau al­les ist, was Sie wol­len, näm­lich ein Kum­mer, är­ger als ein Sin­t­hom; Sie kön­nen es ger­ne so ar­ti­ku­lie­ren, wie es Ih­nen recht ist, eine Ver­hee­rung gar. Wenn es aber kei­ne Äquiva­lenz gibt, sind Sie ge­zwun­gen zu spezifi­zieren, was es mit dem Sin­t­hom auf sich hat.“ (111)

Zwi­schen ei­nem fal­schen Kno­ten und ei­nem Sin­t­hom-Ring kann es auch Nicht-Äqui­va­lenz ge­ben. Da­mit ist ge­meint, sie kön­nen durch Fa­den­zie­hen zwar dazu ge­bracht wer­den, die Plät­ze in­so­fern zu wech­seln, als der vor­he­ri­ge fal­sche Kno­ten ein Re­pa­ra­tur­ring wird und um­ge­kehrt. Sie ha­ben dann aber nicht die­sel­be Struk­tur: der Sin­t­hom­ring, der durch das Fa­den­zie­hen ent­steht, hat eine an­de­ren Fa­den­ver­lauf als der Sin­t­hom­ring, den es vor­her gab.Diese Nicht-Äqui­va­lenz gilt für die Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schlech­tern. Sie ha­ben für­ein­an­der eine Sin­t­hom-Funk­ti­on, eine Re­pa­ra­tur­funk­ti­on. Die­se Funk­ti­on wird je­doch nicht auf äqui­va­len­te Wei­se wahr­ge­nom­men, d.h. nicht durch die­sel­be Struk­tur rea­li­siert. Das, was eine Frau für den Mann ist, hat­te La­can (in Se­mi­nar 22) als Sin­t­hom be­zeich­net (tat­säch­lich als „Sym­ptom“), des­halb muss er jetzt das, was der Mann für eine Frau ist, an­ders nen­nen, etwa „Kum­mer“ oder „Ver­hee­rung“.Ver­hält­nis von Sin­t­hom, Rea­lem und Un­be­wuss­tem

Die­ses Ver­hält­nis knüpft sich – jetzt lie, l, i, e – an et­was, von dem ich nur zu be­haup­ten wüss­te – und ge­ra­de das ist es, was sich, mein Gott, aus al­lem er­gibt, was ich auf ei­nem an­de­ren Bett ver­neh­me, auf der be­rühm­ten Couch, wo mir lang und breit da­von er­zählt wird –, dass die Ver­bin­dung, die enge Ver­bin­dung des Sin­t­homs je­nes Et­was ist, bei dem es dar­um geht, das zu ver­or­ten, was es mit dem Rea­len zu tun hat, mit dem Rea­len des Un­be­wuss­ten, wenn denn das Unbe­wusste real ist. Wie kann man wis­sen, ob das Un­be­wuss­te real ist oder ima­gi­när? Eben das ist die Fra­ge. Es hat teil an ei­ner Äqui­vo­ka­ti­on zwi­schen den bei­den, je­doch an et­was, dem wir dank Freud seit­her ver­pflich­tet sind, ver­pflich­tet sind als Sin­t­hom.“ (112)

Es gibt ein se­xu­el­les Ver­hält­nis und es gibt keins. Das Ver­hält­nis zwi­schen den Ge­schlech­tern knüpft sich an die Ver­bin­dung des Sin­t­homs mit dem Rea­len, mit dem Rea­len des Un­be­wuss­ten, wenn denn das Un­be­wuss­te real ist.Seit Freud sind wir (die Psy­cho­ana­ly­ti­ker) dem Sin­t­hom ver­pflich­tet.Joy­ce

… „Und ich rufe es Ih­nen bei die­ser Ge­le­gen­heit ins Ge­dächt­nis zu­rück, ich habe ge­dacht – ma­chen Sie da­mit, was Sie wol­len, mit mei­nem Den­ken –, ich habe ge­dacht, dies sei der Schlüs­sel für das, was Joy­ce pas­siert war. Dass Joy­ce ein Sym­ptom hat, das von Fol­gen­dem aus­geht: dass sein Va­ter un­zu­läng­lich war, ra­di­kal un­zu­läng­lich, er spricht nur da­von. Ich habe die Sa­che um den Na­men zen­triert, um den Ei­gen­na­men, und ich habe ge­dacht – ma­chen Sie da­mit, was Sie wol­len, mit die­sem Den­ken –, und ich habe ge­dacht, dass Joy­ce, in­dem er ei­nen Na­men für sich woll­te, die Kom­pen­sa­ti­on für das Aus­fal­len des Va­ters ge­bil­det hat. Das ist zu­min­dest das, was ich ge­sagt habe, weil ich’s nicht bes­ser sa­gen konn­te. Ich wer­de ver­su­chen, das auf prä­zi­se­re Wei­se zu ar­ti­ku­lie­ren, aber es ist klar, dass Joy­ces Kunst et­was so Be­son­de­res ist, dass der Aus­druck Sin­t­hom wirk­lich das ist, was ihr an­ge­mes­sen ist.“ (102 f.)

Das Sym­ptom bzw. Sin­t­hom von Joy­ce be­ruht auf der Un­zu­läng­lich­keit des Va­ters; als Kom­pen­sa­ti­on da­für will er ei­nen Na­men für sich, wo­mit der Ei­gen­na­me ins Spiel kommt. Dass Joy­ce sich ei­nen Na­men ma­chen will, ist also ei­nes sei­ner Sin­t­home oder Sym­pto­me.

Aber dass Joy­ce ihr die­se Fä­hig­keit zu­schreibt, auf eine Rei­he von Zei­chen hin, von Er­klä­run­gen, die er dann auf be­stimm­te Wei­se ver­stan­den hat, eben das ist je­nes Et­was, wor­an ich sehe, dass er, um, wenn man so sa­gen kann, sei­ne Toch­ter zu ‚ver­tei­di­gen‘, dass er ihr et­was zu­schreibt, was in der Ver­län­ge­rung des­sen liegt, was ich für den Mo­ment sein eige­nes Sym­ptom nen­nen wer­de. Das heißt – in sei­nem Fall ist es schwie­rig, nicht mei­nen ei­ge­nen Pa­ti­en­ten zu er­wäh­nen, wie es bei ihm an­ge­fan­gen hat­te –, das heißt, dass man nicht sa­gen kann, dass Joy­ce hin­sicht­lich des Wor­tes nicht et­was auf­gezwungen wur­de.“ (106)

Das ei­ge­ne Sym­ptom von Joy­ce ist ein Sym­ptom der auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te. Wenn er sei­ner Toch­ter Lu­cia die Fä­hig­keit der Te­le­pa­thie zu­schreibt, ver­län­gert er sein ei­ge­nes Sym­ptom.

OFFENE FRAGEN

Die Zah­len in Klam­mern be­zie­hen sich auf die Sei­ten der Über­set­zung von Max Klei­ner. Sie sind oben in der Über­set­zung nach je­dem Satz an­ge­ge­ben.

Joy­ces Kunst ist et­was so Be­son­de­res, dass der Aus­druck „Sin­t­hom“ für sie tat­säch­lich an­ge­mes­sen ist (103). Was ist da­mit ge­meint?

Die­se Irr­läu­fer des Kno­tens ent­ste­hen durch die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten (107 f.). Wor­in be­steht die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten? In­wie­fern ist es die Kon­sis­tenz des Un­be­wuss­ten, die die fal­schen Fa­den­ver­läu­fe her­vor­ruft?

Die Re­pa­ra­tur­rin­ge des fal­schen Klee­blatt­kno­tens ha­ben an den drei Kreu­zungs­punk­ten die­sel­be Ori­en­tie­rung, eine Rechts­dre­hung (109). Was ver­steht La­can un­ter der Ori­en­tie­rung des Re­pa­ra­tur­rings, was un­ter der Rechts­dre­hung?

Zum Ver­hält­nis von acht­för­mi­gem Ring mit Re­pa­ra­tur­ring und Ring mit In­ne­n­acht und Re­pa­ra­tur­ring (109 f.). Lässt sich die Ver­schlin­gung aus acht­för­mi­gem Ring und Re­pa­ra­tur­ring in eine Ver­schlin­gung des Rings mit In­ne­n­acht und Re­pa­ra­tur­ring über­füh­ren?

LITERATURVERZEICHNIS

La­can, Sin­t­hom-Se­mi­nar

Ver­sion NN
La­can: Le sin­thome. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers, ohne Ort, ohne Jahr. Schreib­ma­schine, durch Fo­to­ko­pien ver­brei­tet. Auf die­se Ver­sion be­zieht sich Max Klei­ners Über­set­zung, lin­ke Spal­te.

Ver­sion Sta­ferla
Jac­ques La­can: Le sin­thome. 1975 — 76. Wort-für-Wort-Tran­skrip­ti­on, her­aus­ge­ge­ben und ver­öf­fent­licht von der Web­site staferla.free.fr, ohne Ort. Die­se Tran­skrip­tion wird von Zeit zu Zeit über­ar­bei­tet, es gibt also meh­rere Va­ri­an­ten der Staferla-Ver­sion. Für die­sen Kom­men­tar wur­de die Va­ri­ante vom 28.6.2013 ver­wen­det; man fin­det sie hier.

Ver­sion NN/Kleiner und Ver­sion Mil­ler 1976–77/Kleiner
Le sin­thom. 1975 – 1976. Se­mi­nar XXIII von Jac­ques La­can. Über­setzt von Max Klei­ner. Her­aus­ge­ge­ben vom Lacan-Archiv/Psychoanalytische Bi­blio­thek Bre­genz, 2007

Der Text ent­hält zwei Über­set­zun­gen, das Lay­out ist drei­spal­tig. Ers­te Spal­te: Über­set­zung der Tran­skrip­tion ei­nes an­ony­men Her­aus­ge­bers (=Ver­sion NN/Kleiner), zwei­te Spal­te: Über­set­zung der Ver­sion Mil­ler 1976/77, drit­te Spal­te: An­mer­kun­gen des Über­set­zers. Zu be­stel­len beim La­can-Ar­chiv Bre­genz; für 20 Euro er­hält man eine PDF-Da­tei.

Die Über­set­zung in die­sem Bei­trag des Sin­t­hom-Kom­men­tars ist eine über­ar­bei­tete Fas­sung von Ver­sion NN/Kleiner; mit „Klei­ner-Über­set­zung“ ist die­se Ver­sion ge­meint.

Ver­sion Mil­ler 2005
Jac­ques La­can: Le sé­mi­n­aire, li­v­re XXIII. Le sin­thome. 1975–1976. Tex­ter­stel­lung durch Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2005

La­can, wei­te­re Tex­te

Die Be­deu­tung des Phal­lus (1958). Übers. v. Chan­tal Creu­sot, Nor­bert Haas und Sa­muel M. We­ber. In: Ders.: Schrif­ten II. Wal­ter, Ol­ten 1975, S. 119–132

Se­mi­na­re

Se­mi­nar 22 = Se­mi­nar XXII. RSI. 1974–75. Über­setzt von Max Klei­ner auf der Grund­lage ei­ner von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten vor­läu­fi­gen Ver­sion. Her­aus­ge­ge­ben vom La­can-Ar­chiv Bre­genz 2012

An­de­re Au­to­ren

Ell­mann, Ri­chard: Ja­mes Joy­ce. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979

Freud, Sig­mund: Der Witz und sei­ne Be­zie­hung zum Un­be­wuss­ten (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 4. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 9–219

—: Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens (1904). In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. 4. Ima­go, Lon­don 1941

Joy­ce, Ja­mes: Fin­ne­gans Wake. Hg. v. Klaus Rei­chert und Fritz Senn. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1989

Mil­ler, Jac­ques-Alain: Noti­ce de fil en ai­guil­le. In: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199–247

—: Piè­ces déta­chées. Cours 2004/05. Tran­skrip­ti­on auf der Website psiocoanalisisdigital.wordpress.com

Pi­cas­so, Pa­blo: Brief von 1926 in ders.: Pro­pos sur l’art. Gal­li­mard, Pa­ris 1998 (ei­nen Aus­zug fin­det man hier)

Sollers, Phil­ippe: Joy­ce et Cie. In: Tel Quel, Nr. 64, No­vem­ber 1975, S. 15–24 (eng­li­sche Teil­über­set­zung: Phil­ippe Sol­lers: Joy­ce & Co. In: D. Hay­man, E. An­der­son (Hg.): In the Wake of the Wake. Uni­ver­sity of Wis­con­sin Press, Ma­di­son u.a. 1978)

Wy­got­ski, Lew Sem­jo­no­witsch: Den­ken und Spre­chen (1934). Aus dem Rus­si­schen von Ger­hard Se­we­kow. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1977

Zum Bild zum Beginn des Artikels

Der Pa­ti­ent, der sein Sym­ptom als das der „auf­ge­zwun­ge­nen Wor­te“ be­zeich­ne­te, wur­de nach ei­nem Selbst­mord­ver­such ins Hôpi­tal Sain­te Anne in Pa­ris ein­ge­lie­fert, in die Sankt-Anna-Kli­nik. Anna ist, apo­kry­phen Schrif­ten zu­folg, die Mut­ter von Ma­ria, also eine Groß­mut­ter von Je­sus. Das Ge­mäl­de stellt dar, wie ihr die Ge­burt von Ma­ria ver­kün­det wird. Das Spruch­band in­sze­niert, dass ihr be­stimm­te Wor­te auf­ge­zwun­gen wer­den. Sie lau­ten: Ego sum an­ge­lus do­mi­ni ad te mis­sus, „Ich bin der zu dir ge­sand­te En­gel des Herrn“.

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Anmerkungen

  1. Das fran­zö­si­sche Wort re­cher­cher meint wört­lich „wie­der su­chen“; das Prä­fix re– („wie­der“) ver­weist auf die Wie­der­ho­lung. Viel­leicht spielt La­can hier auch auf das Zeich­nen von Kno­ten-Krei­sen an.
  2. Pi­cas­sos Dik­tum „Ich su­che nicht, ich fin­de“ ist aus ei­nem Brief, der zu­erst in der so­wje­ti­schen Zeit­schrift Ogo­ni­ok er­schien, Nr. 20, 1926, dann auf Fran­zö­sisch in For­mes, Nr. 2, 1930, nach­ge­druckt in Pa­blo Pi­cas­so: Pro­pos sur l’art. Gal­li­mard, Pa­ris 1998. Ei­nen Aus­zug fin­det man hier.Mil­ler be­rich­tet, dass er es war, der La­can dar­auf an­ge­spro­chen hat­te, dass er jetzt nicht mehr fin­de, son­dern su­che (vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: Piè­ces déta­chées. Cours 2004/05. Sit­zung vom 8. De­zem­ber 2004, Tran­skrip­ti­on S. 29). Of­fen­bar gibt La­can dar­auf hier eine Ant­wort.
  3. Der so­ge­nann­te bor­ro­mäi­sche Kno­ten ist kein Kno­ten, son­dern eine Ver­schlin­gung; und in die­ser Ver­schlin­gung lässt sich der Sinn ver­or­ten.
  4. Die Würz­ber­ger Schu­le hat, ge­gen Wundt, die Leh­re vom „Den­ken ohne Bil­der“ ent­wi­ckelt (Os­wald Kül­pe, 1862–1915, und sei­ne Schü­ler Au­gust May­er, 1874–1951, und Jo­han­nes Orth, 1872–1949). Wy­got­ski schreibt hier­zu: „In­dem die­se Psy­cho­lo­gen den Ge­dan­ken aus den Fes­seln jeg­li­cher An­schau­lich­keit be­frei­ten, lös­ten sie ihn von der Spra­che und über­lie­ßen die­se völ­lig den As­so­zia­ti­ons­ge­set­zen. Die Ver­bin­dung von Wort und Be­deu­tung wur­de nach der Würz­bur­ger Schu­le wei­ter­hin als ein­fa­che As­so­zia­ti­on be­trach­tet. Das Wort wur­de so zu ei­nem ein­fa­chen Aus­druck des Ge­dan­kens, zu sei­nem Ge­wand, das an sei­nem in­ne­ren Le­ben kei­nen An­teil hat­te. Noch nie­mals wur­den Den­ken und Spra­che so von­ein­an­der ge­trennt und iso­liert wie in der Würz­bur­ger Schu­le.“ (Lew Sem­jo­no­witsch Wy­got­ski: Den­ken und Spre­chen (1934). Aus dem Rus­si­schen von Ger­hard Se­we­kow. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 1977, S. 296.
  5. Mit „Drei­er­kno­ten“ ist hier der Klee­blatt­kno­ten ge­meint, nicht die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen. Der Aus­druck „Drei­er­kno­ten“ be­zieht sich dar­auf, dass die­ser Kno­ten drei ir­re­du­zi­ble Über­kreu­zun­gen hat. Der Klee­blatt­kno­ten ist in­so­fern das Mi­ni­mum, als er der ein­fachs­te Kno­ten mit Selbst­ver­schlin­gung ist, der ein­fachs­te Kno­ten, der kein Un­kno­ten oder tri­via­ler Kno­ten ist.Über die Um­wand­lung ei­ner bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung aus drei Rin­gen in ei­nen Klee­blatt­kno­ten hat­te La­can in Se­mi­nar 23 in den Sit­zun­gen vom 9. De­zem­ber 1975, 16. De­zem­ber 1975 und 13. Ja­nu­ar 1976 ge­spro­chen.
  6. Der Vie­rer­kno­ten oder Lis­ting-Kno­ten ist ein Kno­ten mit vier ir­re­du­zi­blen Über­kreu­zungs­stel­len, der „La­can-Kno­ten“ hat fünf ir­re­du­zi­ble Über­kreu­zun­gen.
  7. Vgl. die Be­mer­kun­gen über Joy­ces Va­ter in Se­mi­nar 22 in den Vor­le­sun­gen vom 18. No­vem­ber 1975, 13. Ja­nu­ar 1976 und 10. Fe­bru­ar 1976.
  8. La­can be­zieht sich hier auf sei­ne wö­chent­li­chen Fall­vor­stel­lun­gen im psych­ia­tri­schen Sain­te-Anne-Kran­ken­haus in Paris.Das fran­zö­si­sche Wort pa­ro­le meint das ge­spro­che­ne Wort und das Spre­chen.
  9. Lu­cia Anna Joy­ce (1907–1982), Toch­ter von Nora Bar­na­cle und Ja­mes Joy­ce.
  10. Zu Joy­ces Vor­stel­lun­gen von Lu­ci­as te­le­pa­thi­schen Fä­hig­kei­ten vgl. Ri­chard Ell­mann: Ja­mes Joy­ce. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1979, S. 1013–1015.
  11. Das Verb dé­fend­re, „ver­tei­di­gen“, ver­weist auf die Ab­wehr im Sin­ne der Psy­cho­ana­ly­se, im Fran­zö­si­schen heißt „Ab­wehr“ dé­fen­se.
  12. In der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars, der vom 18. No­vem­ber 1975, hat­te La­can hier­zu auf fol­gen­den Auf­satz ver­wie­sen: Phil­ippe Sollers: Joy­ce et Cie. In: Tel Quel, Nr. 64, No­vem­ber 1975, S. 15–24 (eng­li­sche Teil­über­set­zung: Phil­ippe Sol­lers: Joy­ce & Co. In: D. Hay­man, E. An­der­son (Hg.): In the Wake of the Wake. Uni­ver­sity of Wis­con­sin Press, Ma­di­son u.a. 1978).
  13. In der Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens zi­tiert Freud aus ei­nem Brief an ihn, in dem es über ei­nen Ver­spre­cher heißt: „Da­ge­gen wur­de der Lap­sus von der meist fran­zö­si­schen Zu­hö­rer­schaft mit wah­rer Ge­nug­tu­ung auf­ge­nom­men und wirk­te voll­kom­men wie ein be­ab­sich­tig­ter Wort­witz.“ Der Ver­spre­cher ist hier mo­che („häss­lich“) statt mot­te („Erd­schol­le“); der Aus­tausch be­ruht auf der Wirk­sam­keit des un­ter­drück­ten Wor­tes bo­che („Deut­scher“). (Vgl. S. Freud: Psy­cho­pa­tho­lo­gie des All­tags­le­bens. In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. 4. Ima­go, Lon­don 1941, S. 82)Von Lich­ten­berg stammt der Witz „Ein Mäd­chen, kaum zwölf Mo­den alt“. Freud schreibt hier­zu, er gehe viel­leicht auf ei­nen Schreib­feh­ler zu­rück. (Vgl. S. Freud: Der Witz und sei­ne Be­zie­hung zum Un­be­wuss­ten. In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 4. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, S. 9–219, hier: S. 74.
  14. In­struk­tiv zum „Lap­sus“ ei­nes Kno­tens sind die Er­läu­te­run­gen von Jac­ques-Alain Mil­ler in: J.-A. Mil­ler: Noti­ce de fil en ai­guil­le. In: J. La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XXIII. Le sin­t­home. 1975–1976. Seuil, Pa­ris 2005, S. 199–247, dar­in § 11, „Le lap­sus du nœud“, S. 217–220.
  15. Das fran­zö­si­sche Sub­stan­tiv fau­te meint (1) den tech­ni­schen Feh­ler, etwa den Druck­feh­ler, den Feh­ler beim Ten­nis, (2) die mo­ra­li­sche Ver­feh­lung, (3) die Schuld.Das la­tei­ni­sche Wort lap­sus, „Fall“, meint nicht nur den Ver­spre­cher (lap­sus lin­guae), son­dern auch den Sün­den­fall, von dem die Bi­bel er­zählt. Auf den Sün­den­fall hat­te La­can sich be­reits in der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars be­zo­gen, Lek­ti­on vom 18. No­vem­ber 1975.
  16. Der Sün­den­fall (la­tei­nisch lap­sus) ist ein durch­gän­gi­ges The­ma in Fin­ne­gans Wake.

    Auf der ers­ten Sei­te von Fin­ne­gans Wake heißt es über den fall, den Sün­den­fall:

    The fall (bab­aba­dalg­ha­raghta­kammi­nar­ronn­konn­bronn­ton­ner­ronn­tuonnt­hunn­tro­var­r­hounawns­kawn­too­hoo­ho­or­den­en­thur­nuk!) of a once walls­trait old­parr is re­ta­led ear­ly in bed and la­ter on life down through all chris­ti­an min­st­rel­sy. The gre­at fall of the off­wall ent­ail­ed at such short noti­ce the pftj­schu­te of Fin­ne­gan, erse so­lid man, that the hum­pty­hillhead of hum­s­elf prumpt­ly sends an un­qui­ring one well to the west in quest of his tum­ptyt­um­toes: and their up­turn­pike­poin­tand­place is at the knock out in the park whe­re oran­ges have been laid to rust upon the green sin­ce dev­lins­first loved liv­vy.“

    In der Über­set­zung von Ha­rald Beck:

    Der fall (bab­aba­dalg­ha­raghta­kammi­nar­ronn­konn­bronn­ton­ner­ronn­tuonnt­hunn­tro­var­r­hounawns­kawn­too­hoo­ho­or­den­en­thur­nuk!) ei­nes eh­mals walls­trai­ten oparrs wird auf und rum­ge­schwätzt früh im bett und spä­ter im le­ben quer durch die gan­ze christ­li­che min­st­rel­sän­ge­rei. Der gro­ße fall der stürt­zmau­er zog so flugs den pfflumps von Fin­ne­gan nach sich – irisch, stäm­mig, der mann! – daß sein hum­pty­hü­gel­haupt prumpt ei­nen nacht­for­schen­den qwell aus­schickt, sei­ne dum­pty­dam­zehn zu in­qwesti­gie­ren: und ihr auf­tauch­hal­te­punkt­und­platz ist die k.o.ppe dort im park wo oran­ge zur rost ge­bet­tet sind im grün seit deu­blin­s­erst mal liv­vy lieb­ten.“ (Ja­mes Joy­ce: Fin­ne­gans Wake. Hg. v. Klaus Rei­chert und Fritz Senn. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1989, S. 27)

  17. Ein Im­bro­glio (ita­lie­nisch für „Ver­wir­rung“, „Be­trug“) ist in der Mu­sik eine un­re­gel­mä­ßi­ge Art der Be­to­nung, etwa wenn die Ober­stim­me im 6/8-Takt und die Bass­stim­me im ¾-Takt ge­führt wird.
  18. Ein Re­du­it ist ein ver­stärk­ter Ver­tei­di­gungs­bau.
  19. Der Aus­druck „Kli­nik“ geht auf das grie­chi­sche Wort klínē zu­rück, „Bett“.
  20. Im Ge­gen­satz zu dem, was er­zählt wird, hat die Frau nicht mehr und nicht we­ni­ger an Kas­tra­tion zu er­lei­den als der Mann.“ (Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1975)
  21. Vgl. La­cans Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus (1958), Schrif­ten II, S. 126, 129.
  22. Hem­mung, Sym­ptom und Angst, a.a.O., S. 243.
  23. Vgl. etwa: S. Freud: Die „kul­tu­rel­le“ Se­xu­al­mo­ral und die mo­der­ne Ner­vo­si­tät (1908). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 9–32, hier:  S. 17; S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: 237.

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