Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 9. Sitzung (9. Juni 1971), Übersetzung

Ed­vard Munch, Der Tod des Ma­rat I, 1907, 200 x 150 cm, Öl auf Lein­wand, Munch-Mu­se­um in Oslo

Se­mi­nar XVIII (1971): Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre
9. Sit­zung, 9. Juni 1971
Über­setzt von Rolf Nemitz

Voll­stän­di­ge Über­set­zung von Se­mi­nar 18 auf der Grund­la­ge der Ver­si­on Sta­fer­la, der Ver­si­on Es­paces La­can und ei­ner Ton­auf­nah­me

In Mil­lers Ver­si­on des Se­mi­nars ist dies Ka­pi­tel IX, „Une hom­me et une femme et la psy­chana­ly­se“ („Ein Mann und eine Frau und die Psy­cho­ana­ly­se“), S. 145–161.

Die Über­set­zung wird zwei­mal ge­bracht, ein­mal nur deutsch, ein­mal in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf grö­ße­re Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links und Bil­der, in den An­mer­kun­gen zum deut­schen Text Li­te­ra­tur­an­ga­ben und Er­läu­te­run­gen.

Se­mi­nar 18 wird in die­sem Blog bis zum Früh­jahr 2017 voll­stän­dig über­setzt wer­den, etwa je­den Mo­nat er­scheint die Über­set­zung ei­ner wei­te­ren Sit­zung.

Ei­nen Über­blick über die ver­schie­de­nen Aus­ga­ben von Se­mi­nar 18 fin­det man hier, Links zu Über­set­zun­gen wei­te­rer Sit­zun­gen des Se­mi­nars hier.

Herz­li­chen Dank an Ger­hard Herr­gott für groß­zü­gi­ge Hil­fe beim Über­set­zen auch die­ser Sit­zung!

Textgrundlage

Grund­la­ge der Über­set­zung die­ser Sit­zung ist:

Ver­si­on Es­paces La­can von Se­mi­nar 18.
Tran­skrip­ti­on ei­ner Ton­auf­nah­me auf der Sei­te „Es­paces La­can“
(space.freud.pagesperso-orange.fr), HTML-For­mat

Die Tran­skrip­ti­on wur­de von mir mit ei­ner Ton­auf­nah­me der Sit­zung und mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler er­stell­ten (re­dak­tio­nell be­ar­bei­te­ten) Ver­si­on ver­gli­chen und nur an we­ni­gen Stel­len ge­än­dert. Wort­wie­der­ho­lun­gen, bei de­nen of­fen­kun­dig ist, dass La­can nach ei­ner For­mu­lie­rung sucht, habe ich ge­stri­chen. Der Schnitt der Sät­ze (Punkt oder Se­mi­ko­lon oder Kom­ma) so­wie die Or­tho­gra­fie wur­den bis­wei­len ge­än­dert. Die Glie­de­rung in Ab­sät­ze ist von mir.

Die Ton­auf­nah­me fin­det man auf der Web­site von Pa­trick Va­las, valas.fr, hier. Mil­lers Ver­si­on ist: J. La­can: Le sé­mi­nai­re, li­v­re XVIII. D’un dis­cours qui ne se­rait pas du sem­blant. 1971. Tex­t­her­stel­lung Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2007.

Wör­ter mit Stern­chen: im Ori­gi­nal deutsch.

Der Schrägs­strich / ver­bin­det Über­set­zungs­va­ri­an­ten.

Ein­fü­gun­gen in run­den Klam­mern ent­hal­ten For­mu­lie­run­gen des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern die­nen der Er­läu­te­rung und sind nicht von La­can.

Ein­fü­gun­gen in spit­zen Klam­mern: Er­satz für ver­mut­lich aus­ge­fal­le­nen Text.

¿Gelb mar­kier­te und von um­ge­kehr­ten Fra­ge­zei­chen ein­ge­klam­mer­te Pas­sa­gen der Über­set­zung¿ wei­sen dar­auf hin, dass die Über­set­zung hier sehr un­si­cher ist.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift, z.B. [10], ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be des Se­mi­nars.

Sitzung vom 9. Juni 1971

Tonaufnahme

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Deutsch

[145] Ich wer­de mich heu­te auf et­was stüt­zen, bei dem ich Sor­ge ge­tra­gen habe, es zu schrei­ben. Ich sage das nicht ein­fach so ins Blaue hin­ein, das ist nicht über­flüs­sig.

Ich wer­de mir ge­stat­ten, ein­fach so, über den ei­nen oder an­de­ren Ter­mi­nus des Ge­schrie­be­nen ge­le­gent­lich et­was zu schnur­ren. Aber wenn Sie hin­rei­chend ver­stan­den ha­ben, was ich in die­sem Jahr zur Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen an­ge­ris­sen habe, nun, dann wer­de ich das nicht wei­ter recht­fer­ti­gen müs­sen, au­ßer durch die Tat, im Voll­zug. Es ist wirk­lich nicht gleich­gül­tig, dass das, was ich jetzt sa­gen wer­de, ge­schrie­ben ist. Es hat kei­nes­wegs die­sel­be Trag­wei­te, ob ich das Fol­gen­de ein­fach sage oder ob ich Ih­nen sage, dass ich ge­schrie­ben habe: [Lärm im Hör­saal]

Ein Mann und eine Frau kön­nen sich ver­ste­hen / sich hö­ren (s’entendre) [Ge­läch­ter], ich sage nicht nein. Sie kön­nen sich als sol­che schrei­en hö­ren.

Das wäre ein Scherz, wenn ich es nicht ge­schrie­ben hät­te. „Ge­schrie­ben“ („écrit“) un­ter­stellt – wie von Ih­nen zu­min­dest ver­mu­tet wird, das heißt von ei­ni­gen un­ter Ih­nen –, was ich ein­mal über den Schrei (cri) ge­sagt habe. Dar­auf kann ich nicht zu­rück­kom­men.

Es kommt vor, dass sie schrei­en, näm­lich dann, wenn es ih­nen nicht ge­lingt, sich auf an­de­re Wei­se ver­ständ­lich zu ma­chen – auf an­de­re Wei­se, das heißt über eine Af­fä­re, die das Un­ter­pfand ih­rer Ver­stän­di­gung ist. Die­se Af­fä­ren feh­len nicht; in­be­grif­fen ist hier ge­le­gent­lich, das ist die bes­te, das Ein­ver­ständ­nis im Bett. Die­se Af­fä­ren feh­len nicht, ge­wiss nicht, aber dar­in ver­feh­len sie et­was, näm­lich sich als Mann, als Frau zu ver­ste­hen, was hei­ßen wür­de: se­xu­ell.

Der Mann und die Frau wür­den sich also nur dann ver­ste­hen, wenn sie schwie­gen? Das ist hier über­haupt nicht die Fra­ge. Denn der Mann und die Frau müs­sen kei­nes­wegs spre­chen, um von ei­nem Dis­kurs er­fasst zu sein. Als sol­che, vom sel­ben Ter­mi­nus her wie dem, den ich eben ge­sagt habe, als sol­che sind sie Dis­kurstat­sa­chen.

Ein Lä­cheln wür­de hier ge­nü­gen, so scheint es, um vor­zu­brin­gen, dass sie nicht nur das sind. Ohne Zwei­fel, wer stimmt dem nicht zu? Aber dass sie es auch sind, Dis­kurstat­sa­chen, lässt das Lä­cheln er­star­ren. Und nur so, durch die­se Be­mer­kung er­starrt, | [146] hat das Lä­cheln auf den ar­chai­schen Sta­tu­en sei­nen Sinn. Die Selbst­ge­fäl­lig­keit ki­chert.

Es ist also ein Dis­kurs, wor­in die „Sei­en­den“, na­tür­li­che Män­ner und Frau­en, wenn man so sa­gen kann, sich als sol­che zur Gel­tung brin­gen müs­sen.

Dis­kurs gibt es nur vom Schein. Für den Fall, dass sich das nicht von selbst ein­ge­stün­de, habe ich die Sa­che ver­kün­det, ich er­in­ne­re an de­ren Ar­ti­ku­la­ti­on: Der Schein äu­ßert sich nur aus­ge­hend von der Wahr­heit.

Si­cher­lich be­schwört man die Wahr­heit nie­mals in der Wis­sen­schaft. Das ist kein Grund, uns hier grö­ße­re Sor­gen um sie zu ma­chen, sie kommt gut ohne uns aus. Um sich zu Ge­hör zu brin­gen, ge­nügt es ihr, „Ich spre­che“ zu sa­gen, und man glaubt es, da es wahr ist – wer spricht, der spricht. Ei­nen Ein­satz – ich er­in­ne­re an das, was ich über die Wet­te ge­sagt und mit Pas­cal il­lus­triert habe –, ei­nen Ein­satz gibt es nur von dem her, was sie sagt.

Als Wahr­heit kann sie über das Ge­nie­ßen (jouis­sance) nur den Schein sa­gen, und ge­gen das se­xu­el­le Ge­nie­ßen ge­winnt sie je­des Mal.

Ich möch­te Ih­nen hier an der Ta­fel, für den et­wai­gen Ge­brauch der­je­ni­gen, die die letz­ten Male nicht ge­kom­men sind, die al­ge­brai­schen Fi­gu­ren no­tie­ren, mit de­nen ich ge­glaubt habe, das in­ter­punk­tie­ren zu kön­nen, wor­um bei es bei der Klem­me geht, in die man ge­führt wird, wenn man das, was das se­xu­el­le Ver­hält­nis an­geht, schrei­ben will. [La­can schreibt an die Ta­fel.]

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}
For­mel der Frau

 

\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}
For­mel des Man­nes

Die bei­den Stri­che, die über die Sym­bo­le ge­setzt sind, die links sind und von de­nen her sich je­weils – hin­sicht­lich des­sen, wor­um es geht – all das ver­or­tet, was in der Lage ist, auf den Schein des se­xu­el­len Ge­nie­ßens zu ant­wor­ten, die bei­den so­ge­nann­ten Ne­ga­ti­ons­stri­che sind hier so, dass sie ge­ra­de nicht zu schrei­ben sind, da man von dem, was nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ganz ein­fach nicht schreibt.

Man kann sa­gen, dass sie nicht zu schrei­ben sind, dass nicht für alle x die Funk­ti­on „Φ von x“ be­haup­tet wer­den kann, und dass sich die Frau von die­sem „nicht für alle x gilt“ her po­si­tio­niert [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Es exis­tiert kein x, für das gilt, dass es die Funk­ti­on er­füllt, von der her die Va­ria­ble so de­fi­niert ist, dass sie Funk­ti­on „Φ von x“ ist [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ]. Es exis­tiert nicht: von da­her wird for­mu­liert, wor­um es beim Mann geht.

Aber ge-| [147] nau hier hat die Ne­ga­ti­on nur die so­ge­nann­te Funk­ti­on der Ver­nei­nung*, das heißt, dass sie nur von da­her be­haup­tet wird, dass zu­nächst vor­ge­bracht wur­de, dass „ir­gend­ein Mann exis­tiert“, und dass sich eine Frau im Ver­hält­nis zu „je­der Frau“ ver­or­tet.

Das ist eine Er­in­ne­rung, das ist nicht Teil des Ge­schrie­be­nen, das ich wie­der­auf­neh­me; das ich wie­der­auf­neh­me, was be­deu­tet, dass Sie – da ich sehe, dass es ziem­lich ver­brei­tet ist –, dass Sie wirk­lich gut dar­an tun, No­ti­zen zu ma­chen. Das ist der ein­zi­ge Nut­zen des Ge­schrie­be­nen: dass Sie sich da­nach im Ver­hält­nis dazu ver­or­ten müs­sen.

Nun also, man wird gut dar­an tun, mir in mei­ner Dis­zi­plin des Na­mens zu fol­gen. Ich wer­de dar­auf zu­rück­kom­men müs­sen, vor al­lem das nächs­te Mal; das wird die Sit­zung sein, mit der wir die­ses Jahr ab­schlie­ßen. Das Ei­ge­ne des Na­mens be­steht dar­in, Ei­gen­na­me zu sein. Selbst bei ei­nem Na­men, der, wie an­de­re auch, der Ver­wen­dung als Ge­mein­na­me an­heim­ge­fal­len ist, ist es kei­ne Zeit­ver­geu­dung, ei­nen ei­ge­nen Ge­brauch für ihn wie­der­zu­fin­den. Wenn ein Name je­doch hin­rei­chend ei­gen ge­blie­ben ist, zö­gern Sie nicht, neh­men Sie sich ein Bei­spiel und nen­nen Sie die Sa­che mit ih­rem Na­men, die Freud’sche Sa­che bei­spiels­wei­se, wie ich’s ge­tan habe; Sie wis­sen das – zu­min­dest stel­le ich mir das gern vor. Das nächs­te Mal wer­de ich dar­auf zu­rück­kom­men.

Et­was zu be­nen­nen ist eine Auf­for­de­rung. So also, dass, als ich ge­schrie­ben habe, die be­tref­fen­de Sa­che, die Freud’sche, sich er­hebt und ihre Num­mer ab­zieht. Das bin nicht ich, der ihr das dik­tiert. Es wür­de so­gar Ruhe herr­schen, die­se letz­te Ruhe, in de­ren Schein (sem­blant) so vie­le Le­ben sich ab­mü­hen, wenn ich als Mann da nicht dem Wind der Kas­tra­ti­on aus­ge­setzt wäre; le­sen Sie mei­nen Text wie­der.

Sie, die Wahr­heit, mei­ne un­fick­ba­re Part­ne­rin, ist si­cher­lich dem­sel­ben Wind aus­ge­setzt, sie trägt ihn so­gar; im Wind sein / in Mode sein (être dans le vent), das ist es, aber die­ser Wind macht die Wahr­heit we­der heiß noch kalt, aus dem Grun­de, weil das Ge­nie­ßen für sie sehr we­nig ist, denn mit der Wahr­heit ist es so, dass sie das Ge­nie­ßen dem Schein über­lässt.

Die­ser Schein, auch er hat ei­nen Na­men, aus der mys­te­riö­sen Zeit über­nom­men, als hier die Mys­te­ri­en auf­ge­führt wur­den, nichts mehr, wo er das der Frucht­bar­keit un­ter­stell­te Wis­sen be­nann­te, als sol­ches der An­be­tung dar­ge­bo­ten in Ge­stalt ei­nes Scheins des Or­gans.

Der Schein, der von der rei­nen Wahr­heit an­ge­pran­gert wird, ist, das muss man er­ken­nen, as­sez-phal­le, hin­rei­chend phal­lisch / ake­phal, hin­rei­chend an dem be­tei­ligt, was ver­mö­ge des Ko­itus bei uns in Gang kommt, näm­lich die Se­lek­ti­on der Ge­no­ty­pen mit der an­schlie­ßen­den Re­pro­duk­ti­on des Phä­no­typs, hin­rei­chend dar­an be­tei­ligt also, um den an­ti­ken Na­men des Phal­lus zu ver­die­nen, ob­wohl klar ist, dass das Erbe, das er be­klei­det, sich heut­zu­ta­ge auf die Ake­pha­lie die­ser Se­lek­ti­on re­du­ziert, näm­lich auf die Un­mög­lich­keit, das so­ge­nann­te se­xu­el­le Ge­nie–| [148] ßen dem un­ter­zu­ord­nen, was sub rosa die Wahl des Man­nes und der Frau spe­zi­fi­zie­ren wür­de, bei­de als Trä­ger ei­nes prä­zi­sen Sat­zes von Ge­no­ty­pen ge­nom­men, da es bes­ten­falls der Phä­no­typ ist, der die­se Wahl an­lei­tet.

In Wahr­heit, so muss man wohl sa­gen, ist ein Ei­gen­na­me – denn auch er ist ei­ner, der Phal­lus – nur auf der Kar­te sta­bil, auf der er eine Wüs­te be­zeich­net; das sind die ein­zi­gen Sa­chen, die auf ei­ner Kar­te den Na­men nicht wech­seln. Es ist be­mer­kens­wert, dass selbst die Wüs­ten, die im Na­men ei­ner Re­li­gi­on er­zeugt wur­den, was nicht sel­ten ist, nie­mals mit dem Na­men be­zeich­net wer­den, der für sie ver­hee­rend war. Eine Wüs­te wird nur dann um­ge­tauft, wenn sie frucht­bar ge­macht wor­den ist.

Nicht so ist es beim se­xu­el­len Ge­nie­ßen, das der Fort­schritt der Wis­sen­schaft für das Wis­sen nicht zu er­obern scheint. Viel­mehr bil­det die­ses Ge­nie­ßen ein Hin­der­nis für die An­kunft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses im Dis­kurs, wes­halb hier sein Platz ge­leert (évi­dée) wor­den ist, bis da­hin, in der Psy­cho­ana­ly­se evi­dent zu wer­den (évi­den­te).

Sol­cher­art ist – in dem Sinn, den die­ses Wort bei dem Schritt hat, den Fre­ge in der Lo­gik ge­gan­gen ist – *Die Be­deu­tung des Phal­lus*.

Und eben des­halb– ich habe auch mei­ne Tricks, nicht wahr? – war es Deutsch­land, eben auf deutsch, wo­hin ich die Bot­schaft ge­tra­gen habe, auf die in mei­nen Schrif­ten die­ser Ti­tel ant­wor­tet, und das im Na­men der Hun­dert­jahr­fei­er von Freuds Ge­burt. Es war schön, in die­sem Land, dazu aus­er­wählt, dass die­se Bot­schaft hier Re­so­nanz fän­de, die Er­star­rung zu spü­ren, die sie her­vor­rief. Jetzt kann man sich kei­ne Vor­stel­lung da­von ma­chen, da Sie alle mit Sa­chen wie der da un­ter dem Arm her­um­lau­fen; in je­nem Mo­ment hat­te das eine Wir­kung, *Die Be­deu­tung des Phal­lus*. Zu sa­gen, dass ich das er­war­tet hat­te, hie­ße, nichts zu sa­gen, zu­min­dest in mei­nem Mun­de; mei­ne Stär­ke be­steht dar­in, zu wis­sen, was er­war­ten be­deu­tet. Was die er­wähn­te Er­star­rung an­geht, be­zie­he ich hier die fünf­und­zwan­zig Jah­re ge­schei­ter­ter Kre­ti­ni­sie­rung nicht mit ein, denn das hie­ße zu be­sie­geln, dass die­se fünf­und­zwan­zig Jah­re über­all tri­um­phie­ren. Viel­mehr wer­de ich dar­auf be­stehen, dass *Die Be­deu­tung des Phal­lus* in Wirk­lich­keit ein Pleo­nas­mus ist – in der Spra­che gibt es kei­ne an­de­re Be­deu­tung* als den Phal­lus. In ih­rer Funk­ti­on als Exis­tie­ren­de kon­no­tiert die Spra­che letzt­lich (en der­niè­re ana­ly­se) – ich habe „kon­no­tiert“ ge­sagt, aha! –, letzt­lich nur die Un­mög­lich­keit, das se­xu­el­le Ver­hält­nis bei den We­sen zu sym­bo­li­sie­ren, die sie be­woh­nen, die die Spra­che be­woh­nen, ja, auf­grund des­sen, dass sie von die­ser Woh­nung aus das Wort er­grei­fen.

Und man ver­ges­se nicht, was ich dar­über ge­sagt habe, dass das Spre­chen von da­her nicht ihr Vor­recht ist, dass es nicht das Vor­recht der We­sen ist, die sie be­woh­nen, sie, die | [149] in al­lem, was sie durch die Wir­kung des Dis­kur­ses be­herr­schen, das Spre­chen her­vor­ru­fen. Das fängt bei­spiels­wei­se bei mei­ner Hün­din an, von der ich lan­ge ge­spro­chen habe, und das geht sehr, sehr weit. „Das ewi­ge Schwei­gen“, wie mal je­mand ge­sagt hat, „un­end­li­cher Räu­me“ – es wird, wie vie­le an­de­re Ewig­kei­ten, nicht län­ger als ei­nen Au­gen­blick ge­dau­ert ha­ben. Die­ses Spre­chen macht mäch­tig was her in der Zone der neu­en As­tro­no­mie, der­je­ni­gen, die sich so­fort nach Pas­cals klei­ner Be­mer­kung auf­ge­tan hat.

Von da­her, dass die Spra­che nur von ei­ner ein­zi­gen Be­deu­tung* her ge­bil­det wird, be­zieht sie ihre Struk­tur, die dar­in be­steht, dass man das, was man be­wohnt, nur für die Me­ta­pher ver­wen­den kann, wor­aus all die my­thi­schen Un­sin­nig­kei­ten her­vor­ge­hen, von de­nen ihre Be­woh­ner le­ben, so­wie für die Me­t­ony­mie, von der sie das biss­chen Rea­li­tät neh­men, das ih­nen in Ge­stalt der Mehr­lust bleibt.

Dies aber, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, wird nur in der Ge­schich­te un­ter­schrie­ben und aus­ge­hend vom Er­schei­nen der Schrift (éc­ri­tu­re), die nie­mals ein­fa­ches Auf­schrei­ben ist, auch nicht in den Er­schei­nun­gen des­sen, was sich an Au­dio­vi­su­el­lem ent­wi­ckelt. Von ih­ren Ur­sprün­gen bis zu ih­ren letz­ten tech­ni­schen Pro­teis­men ist die Schrift im­mer nur et­was, das sich als der Kno­chen ar­ti­ku­liert, von dem die Spra­che (lan­ga­ge) das Fleisch wäre.

Eben dar­in de­mons­triert sie, die Schrift, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen kei­nen Kno­chen hat, was zu ah­nen war, auf­grund des Ge­ba­rens des Or­gans, das beim spre­chen­den Männ­chen da­für eine ko­mi­sche Fi­gur ab­gibt.

Aber die Schrift, nicht die Spra­che, die Schrift gibt Kno­chen all den Ge­nüs­sen, die sich dem spre­chen­den We­sen durch den Dis­kurs er­öff­nen. In­dem sie ih­nen Kno­chen gibt, hebt sie et­was her­vor, was hier si­cher­lich zu­gäng­lich war, je­doch mas­kiert, näm­lich dass im Fel­de der Wahr­heit das se­xu­el­le Ver­hält­nis fehlt, in­so­fern der Dis­kurs, der das Feld der Wahr­heit ein­setzt, nur vom Schein aus­geht, um nur sol­chen Ge­nüs­sen den Weg zu bah­nen, die das Ge­nie­ßen par­odie­ren – das ist das rich­ti­ge Wort –, das hier wirk­sam ist, ihm aber fremd bleibt.

Sol­cher­art ist das An­de­re des Ge­nie­ßens, auf im­mer un­ter-sagt, das­je­ni­ge Ge­nie­ßen, das zu be­woh­nen die Spra­che nur er­laubt, in­dem sie es – war­um soll­te ich die­ses Bild nicht ver­wen­den? – mit Ska­phan­dern ver­sieht. Viel­leicht sagt Ih­nen die­ses Bild et­was, nicht wahr – im­mer­hin gibt es un­ter Ih­nen ei­ni­ge, die von ih­ren Ge­werk­schafts­auf­ga­ben nicht so stark in An­spruch ge­nom­men sind, dass un­se­re Hel­den­ta­ten auf dem Mond sie nicht be­we­gen wür­den. Seit lan­gem schon träumt der Mensch vom Mond, jetzt hat er den Fuß dar­auf ge­setzt.

[150] Um sich klar dar­über zu wer­den, was das be­deu­tet, muss man’s ma­chen wie ich’s ge­macht habe: aus Ja­pan zu­rück­keh­ren. Dort hat man be­grif­fen, dass über den Mond nach­zu­sin­nen wirk­lich eine Auf­ga­be war. Es gibt eine Per­son, de­ren Na­men ich nicht nen­ne wer­de – ich möch­te hier nicht in Ge­lehr­sam­keit ma­chen –, die noch dort ist, ein­ge­schlos­sen; das ist ge­nau sie, man hat wirk­lich be­grif­fen, was das be­deu­tet, per­so­na, das ist die Per­son selbst, das ist ihre Mas­ke, die dort in ei­nen klei­nen ja­pa­ni­schen Schrank ein­ge­schlos­sen ist, man zeigt sie den Tou­ris­ten. Man weiß, dass er es ist, nun ja, der von dem zehn Me­ter ho­hen Ort aus, wo er sich zeigt – man fin­det das an ei­nem Ort, der „Sil­ber­pa­vil­lon“ ge­nannt wird, in Kyo­to –, der von dort über den Mond nach­sann. Wir glau­ben gern, dass er über ihn ake­phal / hin­rei­chend phal­lisch nach­sann. Wir glau­ben das ja gern, aber das bringt uns gleich­wohl in Ver­le­gen­heit, man kann sich das nicht mehr recht klar­ma­chen.

Ist der durch­lau­fe­ne Weg nicht dazu da, um es auf­zu­schrei­ben, um sich aus die­ser Ver­le­gen­heit zu zie­hen?

Graph des Be­geh­rens

 

Man muss be­grei­fen, dass dies die Leis­tung des Si­gni­fi­kan­ten des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren mei­nes Gra­phen ist [S(Ⱥ)].1

Gut, all das ist ein Scherz, ich bit­te Sie um Ver­zei­hung, das ist ein Scherz­si­gnal, ein Si­gnal für mich na­tür­lich, das mich warnt, dass ich den Struk­tu­ra­lis­mus strei­fe. [Ge­läch­ter] Wenn ich ge­zwun­gen bin, ihn in die­ser Wei­se zu strei­fen, ist das na­tür­lich nicht mein Feh­ler. Ich wer­de das von mir ab­schie­ben – Ihre Sa­che wird es sein, das zu be­ur­tei­len –, auf die Si­tua­ti­on, der ich aus­ge­setzt bin. 

Die Zeit ver­geht, und na­tür­lich muss ich mich ein we­nig spu­ten, der­art, dass ich ge­zwun­gen bin, ein we­nig ab­zu­kür­zen, zu­mal es schwie­ri­ger sein wird, mei­nem Ge­schrie­be­nen zu fol­gen.

Aber die­se Si­tua­ti­on, der ich aus­ge­setzt bin, ich will sie fest­ma­chen, ich will sie an et­was fest­ma­chen, was Ih­nen nicht so­fort of­fen­kun­dig er­schei­nen wird, was ich aber wer­de sa­gen müs­sen, von hier bis man sich in acht Ta­gen trennt, näm­lich dass ich es an der Ab­leh­nung der Per­form­anz fest­ma­chen will. Das ist eine Krank­heit, eine Krank­heit der Epo­che, un­ter de­ren Joch man wirk­lich hin­durch­ge­hen muss, denn die­se Ver­wei­ge­rung kon­sti­tu­iert den Kult der Kom­pe­tenz, das heißt die­ser be­stimm­ten Idea­li­tät, auf die ich, um mich vor Ih­nen zu au­to­ri­sie­ren, re­du­ziert bin, üb­ri­gens zu­sam­men mit vie­len Wis­sen­schafts­be­rei­chen.

Das Er­geb­nis, das sind An­ek­do­ten. Mei­ne Schrif­ten bei­spiels­wei­se, man über­setzt eine da­von ins Eng­li­sche, Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che, man über­setzt das mit The lan­gua­ge of the self. [Ge­läch­ter] Ge­ra­de habe ich er­fah­ren, dass man auf Spa­nisch eben­falls et­was in die­ser Art ge­macht hat; eine Über­set­zung ei­ner ge­wis­sen An­zahl <mei­ner Schrif­ten>, das hat den Ti­tel Struk­tu­ra­lis­ti­sche As­pek­te von Freud, also et­was von die­ser Art, also las­sen wir das. [Ge­läch­ter]

Die Kom­pe­tenz exis­tiert nur von da­her, dass sie sich in der In­kom­pe­tenz ein­rich­tet, um sich in Ge­stalt der Idea­li­tät der Ver­eh­rung an­zu­bie­ten. Auf die­se Wei­se führt sie zu Kon­zes­sio­nen, und ich wer­de Ih­nen ein Bei­spiel da­für ge­ben: Der Satz, mit dem ich be­gon­nen habe, „Der Mann und die Frau kön­nen sich hören/verstehen, ich sage nicht nein“, nun ja, das war, um Ih­nen die Pil­le zu ver­gol­den. Und die Pil­le, das bringt nichts in Ord­nung, nicht wahr. [Ge­läch­ter]

Der mit dem Ter­mi­nus „Struk­tu­ra­lis­mus“ ge­präg­te Be­griff ver­sucht, die De­le­gie­rung | [151] zu ver­län­gern, die ein­mal mit ge­wis­sen Spe­zia­lis­ten vor­ge­nom­men wur­de, mit den Spe­zia­lis­ten der Wahr­heit, die De­le­gie­rung ei­ner be­stimm­ten Lee­re, die in der Ver­knap­pung des Ge­nie­ßens wahr­ge­nom­men wird. Die­se Lee­re ist es, die der Exis­ten­zia­lis­mus un­miss­ver­ständ­lich auf­ge­grif­fen hat, nach­dem die Phä­no­me­no­lo­gie – die Phä­no­me­no­lo­gie, na ja, noch mehr Falsch­geld – den Feh­de­hand­schuh ih­rer Atem­übun­gen ge­wor­fen hat­te. [Ge­läch­ter] Sie be­setz­te die Orte, die die Phi­lo­so­phie leer zu­rück­ge­las­sen hat­te, da es kei­ne an­ge­mes­se­nen Orte wa­ren. Ge­gen­wär­tig sind sie nur noch dazu gut, sei­nes Bei­trags zur Phi­lo­so­phie zu ge­den­ken, der nicht ge­ring ist, zum Dis­kurs des Herrn, den sie sie durch die Stüt­ze der Wis­sen­schaft de­fi­ni­tiv sta­bi­li­siert hat. Marx oder nicht, und ob er sie nun auf die Füße oder auf den Kopf ge­stellt hat, es ist si­cher, dass je­den­falls die Phi­lo­so­phie nicht hin­rei­chend phal­lisch / nicht ake­phal war.

Man möge nicht mit mir rech­nen, um die Sa­che des un­mög­li­chen Le­bens zu struk­tu­ra­li­sie­ren, als hät­te das Le­ben nicht von da­her die Chan­ce, den Be­weis für sein Rea­les zu er­brin­gen.

Mei­ne er­götz­li­che Pro­so­popöie des „Ich spre­che“ in der eben zi­tier­ten Schrift Die Freud’sche Sa­che lässt mich, auch wenn sie rhe­to­risch ei­ner „Wahr­heit in Per­son“ zu­ge­schrie­ben wird, nicht dort stür­zen, wo ich sie her­aus­zie­he: aus Brun­nen.

Nichts ist dort ge­sagt über das, was Spre­chen be­deu­tet: die un­ab­än­der­li­che Spal­tung von Ge­nie­ßen und Schein. Die Wahr­heit be­steht dar­in, es zu ge­nie­ßen, ei­nen Schein zu ma­chen / et­was vor­zu­täu­schen, und auf kei­nen Fall zu­zu­ge­ben, dass die Rea­li­tät je­der die­ser bei­den Hälf­ten nur von da­her do­mi­niert, dass sie von sich be­haup­tet, von der an­de­ren Hälf­te zu sein, also ab­wech­selnd zu lü­gen. Sol­cher­art ist das Halb­ge­sag­te der Wahr­heit.

Ihre As­tro­no­mie ist äqua­to­ri­al, das heißt, be­reits gänz­lich über­holt, als sie vom Paar Tag-Nacht ge­bo­ren wur­de. Eine As­tro­no­mie wird zum arä­sona­blen Ge­stell, wenn sie sich der Sai­son un­ter­wirft, wenn sie sai­sona­bel wird. Das ist eine An­spie­lung auf die chi­ne­si­sche As­tro­no­mie, die äqua­to­ri­al war, aber nichts ge­bracht hat.

Die Sa­che, um die es sich han­delt – bei Freud war es nicht sei­ne Kom­pe­tenz als Lin­gu­ist, und das mit Grund, die ihm die Wege dort­hin ge­bahnt hat. Wor­an ich mei­ner­seits er­in­ne­re, ist dies, dass er die­sen We­gen nur hat fol­gen kön­nen, in­dem er hier den Be­weis von Per­form­an­zen der Spra­che er­brach­te, bis hin zur Akro­ba­tik, und dass  nur die Lin­gu­is­tik es hier ge­stat­tet, sie in ei­ner Struk­tur zu ver­or­ten, in­dem sie sich an eine Kom­pe­tenz bin­det, die man Sprach­ge­fühl (con­sci­ence lin­gu­is­tique) nennt, das im­mer­hin ge­nau von da­her be­mer­kens­wert ist, sich sei­ner Er­kun­dung nie­mals zu ent­zie­hen.

[152] Mei­ne For­mel, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, im­pli­ziert also, dass eine Mi­ni­mal­be­din­gung des Un­be­wuss­ten die Spra­che ist.

Aber das nimmt dem Rät­sel nichts von sei­ner Trag­wei­te, dem Rät­sel, wel­ches dar­in be­steht, dass das Un­be­wuss­te weit mehr da­von weiß, als es den An­schein hat, da man von die­ser Über­ra­schung aus­ge­gan­gen war, um es so zu be­nen­nen, wie man es ge­tan hat. Es weiß al­ler­hand!

Na­tür­lich lief das so­fort ins Lee­re, als man das klei­ne Un­be­wuss­te mit sämt­li­chen In­stink­ten aus­stat­te­te, die als Flam­men­tö­ter üb­ri­gens im­mer zur Ver­fü­gung ste­hen – le­sen Sie ir­gend­et­was, was au­ßer­halb mei­ner Schu­le ver­öf­fent­licht wird. Die Sa­che war ge­re­gelt, es ging nur noch dar­um, das Eti­kett an­zu­brin­gen, an die Adres­se der Wahr­heit ge­nau, wo­bei die­se das Eti­kett heut­zu­ta­ge ge­nü­gend über­springt, wenn ich so sa­gen kann, um den Schwarz­markt nicht zu ver­ach­ten.

In die Wa­gen­spur ih­rer Ver­bor­gen­heit habe ich Stä­be ge­setzt, um ein­zu­häm­mern, dass das frag­li­che Wis­sen nur von da­her ana­ly­siert wird, dass es als eine Spra­che (lan­ga­ge) for­mu­liert wird, das heißt in ei­ner be­son­de­ren Spra­che (lan­gue par­ti­cu­liè­re), und sei es, um sich mit ihr zu kreu­zen, wo­mit es üb­ri­gens nicht mehr tut als das, was be­sag­te Spra­chen (lan­gues) sich üb­li­cher­wei­se aus ei­ge­ner Be­fug­nis ge­stat­ten.

Nie­mand hat mich mit der Fra­ge be­drängt, was die Spra­che (lan­ga­ge) weiß, näm­lich *Die Be­deu­tung des Phal­lus*. Ich habe es ge­sagt, si­cher­lich, aber da es die Wahr­heit war, hat nie­mand es mit­be­kom­men.

Nun, wer in­ter­es­siert sich für die Wahr­heit? Na ja, Leu­te, de­ren Struk­tur ich mit dem gro­ben Bild ge­zeich­net habe, das man in der To­po­lo­gie für je­der­mann fin­det. [La­can zeich­net an der Ta­fel.] [153] So wird das ge­zeich­net, in der To­po­lo­gie für je­der­mann wird so die Klein­sche Fla­sche ge­zeich­net. Es gibt – ich kom­me dar­auf zu­rück – kei­nen Punkt ih­rer Flä­che, der nicht ein to­po­lo­gi­scher Teil des Wen­de­be­reichs wäre, der hier durch den Kreis, der hier ge­zeich­net ist, dar­ge­stellt wird, duch den Kreis, der als ein­zi­ger ge­eig­net ist, die­ser Fla­sche den Bo­den zu ge­ben, auf den die an­de­ren zu Un­recht stolz sind, die an­de­re Fla­schen; sie ha­ben ei­nen Boden/Arsch (cul), Gott weiß war­um. [Ge­läch­ter]

Auf die­se Wei­se ver­bin­det die Hys­te­ri­ke­rin – ich kom­me da­mit zu ei­nem Teil der Leu­te, die ich eben be­zeich­net habe – nicht dort, wo man an­nimmt, son­dern in ih­rer Sub­jekt­struk­tur die Wahr­heit ih­res Ge­nie­ßens mit dem un­er­bitt­li­chen Wis­sen, das sie hat, dass der an­de­re, der ge­eig­net ist, es her­vor­zu­ru­fen, der Phal­lus ist, das heißt ein Schein.

Wer ver­stün­de nicht Freuds Ent­täu­schung, als ihm klar wur­de, dass der Schritt der Hei­lung, zu dem er mit der Hys­te­ri­ke­rin ge­langt war, nicht wei­ter führ­te als da­hin, sie dazu zu brin­gen, be­sag­ten Schein ein­zu­for­dern, der plötz­lich mit rea­len Tu­gen­den aus­ge­stat­tet war, von da­her, dass er an die­sem Wen­de­punkt auf­ge­hängt wor­den war, der auf dem Kör­per zwar nicht un­auf­find­bar ist, das ist of­fen­sicht­lich, der bei ei­ner Frau aber den­noch eine to­po­lo­gisch ganz un­kor­rek­te Fi­gu­ra­ti­on des Ge­nie­ßens ist. Aber wuss­te Freud das? das kann man sich fra­gen.

Bei der un­mög­li­chen Lö­sung ih­res Pro­blems, näm­lich um des­sen Ur­sa­che ge­nau­es­tens (au plus jus­te) zu er­mes­sen, das heißt, um eine ge­rech­te (jus­te) Sa­che dar­aus zu ma­chen, ist die Hys­te­ri­ke­rin da­mit ein­ver­stan­den, dass sie vor­täuscht, Be­sit­ze­rin die­ses Scheins zu sein: „zu­min­dest ei­ner“ (au moins un), was ich so ge­schrie­ben habe – muss ich es noch ein­mal schrei­ben?: , „hom­moi­n­zin“, in Über­ein­stim­mung mit dem Kno­chen / dem Pro­blem, den es für ihr Ge­nie­ßen braucht, da­mit sie dar­an na­gen kann.

Die­ser An­satz mit dem „hom­moi­n­zin“, mit dem zu­min­dest-ei­ner – es gibt drei Ar­ten, das zu schrei­ben, nicht wahr.

An der Ta­fel:

au moins un

hom­moi­n­zin

a ∪ moi­n­zin

Es gibt die üb­li­che or­tho­gra­phi­sche Schreib­wei­se, da ich Ih­nen ja schließ­lich das „au moins un“, das „zu­min­dest ei­ner“, er­läu­tern muss. Dann gibt es dies hier [hom­moi­n­zin], was den ex­pres­si­ven Wert hat, den ich den struk­tu­rel­len Spie­len im­mer zu ge­ben weiß, nicht wahr. Und dann kön­nen Sie es ge­le­gent­lich durch­aus ne­ben­ein­an­der­set­zen und es „a ∪ moi­n­zin“ schrei­ben, so, um nicht zu ver­ges­sen, dass es ge­le­gent­lich als Ob­jekt a fun­gie­ren kann.

Da die­se An­nä­he­run­gen des „hom­moi­n­zin“ nur von da­her voll­zo­gen wer­den kön­nen, dass an be­sag­tem Mess­punkt, den er ab­hän­gig von sei­nen Nei­gun­gen nimmt, die ab­sicht­li­che Kas­tra­ti­on, die sie ihm vor­be­hält, ein­ge­stan­den wird, sind sei­ne Chan­cen be­grenzt.

Man muss nicht glau­ben, dass ihr Er­folg durch ei­nen der Män­ner zu­stan­de kommt, die der Schein eher in Ver­le­gen­heit bringt oder die ihn of­fe­ner be­vor­zu­gen. Die­je­ni­gen, die ich so be­zeich­ne, sind die Wei­sen: die Ma­so­chis­ten. Das gibt den Wei­sen ei­nen Platz, man muss sie auf die rich­ti­ge Ebe­ne zu­rück­füh­ren. So vom Er­geb­nis her zu ur­tei­len, heißt zu ver­ken­nen, was man von der Hys­te­ri­ke­rin er­war­ten kann, wenn sie sich denn in ei­nen Dis­kurs ein­schrei­ben will, | [154] denn sie ist dazu be­stimmt, den Herrn matt­zu­set­zen und dass er sich ih­ret­we­gen mit dem Wis­sen be­gnügt.

Also, ich brin­ge hier nichts an­de­res ein, nicht wahr – das ist der Nut­zen die­ses Schriebs, dass er näm­lich ei­nen Hau­fen Din­ge nach sich zieht, man soll­te je­doch wis­sen, wo die Punk­te sind, die fest­zu­hal­ten sind –, nichts an­de­res als dies, her­vor­zu­he­ben, dass an die­ser Kreu­zung die Ge­fahr die­sel­be ist wie die, die ich vor­hin fest­ge­hal­ten habe, als ich da­vor ge­warnt wur­de, denn von dort bin ich vor­hin aus­ge­gan­gen. Da­mit kom­me ich auf den­sel­ben Punkt zu­rück, na ja, ich dre­he mich im Kreis.

Die Wahr­heit zu lie­ben – selbst die­je­ni­ge, die, wenn man so sa­gen kann, von der Hys­te­ri­ke­rin ver­kör­pert wird, nicht wahr –, ihr also zu ge­ben, was man nicht hat, un­ter dem Vor­wand, dass sie es be­gehrt, das heißt eben dies, sich ei­nem Thea­ter zu wid­men, bei dem klar ist, dass es nicht mehr sein kann als ein Wohl­tä­tig­keits­fest. Ich spre­che nicht nur von der Hys­te­ri­ke­rin, ich spre­che von dem – ich sage es Ih­nen wie Freud –, was sich im „Un­be­ha­gen im Thea­ter“ aus­drückt. Da­mit es sich wei­ter­hin auf­recht hält, braucht es Brecht, der be­grif­fen hat, dass es nicht ohne eine ge­wis­se Dis­tanz fort­be­stehen konn­te, eine ge­wis­se Ab­küh­lung. Die­ses „es ist klar“, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, „dass es nicht mehr sein kann“, ist streng ge­sagt ge­nau eine Wir­kung der Auf­klä­rung*, die – kaum glaub­lich, nicht wahr – ver­bun­den ist mit dem Büh­nen­auf­tritt des Dis­kur­ses des Ana­ly­ti­kers, so hin­kend er sich voll­zo­gen ha­ben mag. Das war aus­rei­chend da­für, dass die Hys­te­ri­ke­rin, die qua­li­fi­zier­te Hys­te­ri­ke­rin, de­ren Funk­ti­on ich, wie Sie ja spü­ren, Ih­nen ge­ra­de nah­brin­ge, das war aus­rei­chend da­für, dass die Hys­te­ri­ke­rin die üp­pi­ge Kli­nik zu­rück­weist, mit der sie die Kluft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses aus­staf­fiert hat­te. Das ist als das Zei­chen zu neh­men [Mur­meln im Hör­saal, dann Ge­läch­ter] – das ist ein Bei­spiel! [Ge­läch­ter] –, das ist viel­leicht als das Zei­chen zu neh­men, das je­man­dem ge­ge­ben wird – ich spre­che von der Hys­te­ri­ke­rin –, dass sie et­was Bes­se­res zu­stan­de brin­gen wird als die­se Kli­nik. [Ge­läch­ter]

Das ein­zig Wich­ti­ge ist hier das, was un­be­ach­tet durch­geht, näm­lich dass ich von der Hys­te­ri­ke­rin als von et­was spre­che, wo­durch die Quan­ti­fi­zie­rung ge­stützt wird. Et­was, was – wenn man auf mich hört – mit ei­nem um­ge­kehr­te A von x ge­schrie­ben wür­de [∀x], so habe ich das an die Ta­fel ge­schrie­ben; in ih­rer Un­be­kann­ten im­mer be­reit, als Va­ria­ble in Φ von x zu fun­gie­ren [∀xx].

Das ist ja tat­säch­lich das, was ich schrei­be, und wo­bei es leicht wäre, wenn man Aris­to­te­les wie­der­liest, auf­zu­de­cken, wel­ches Ver­hält­nis ge­ra­de zur Frau, die von ihm mit der Hys­te­ri­ke­rin gleich­ge­setzt wird – wo­mit den Frau­en sei­ner Epo­che eher eine sehr gute Stel­lung zu­ge­wie­sen wird, zu­min­dest wa­ren sie für die Män­ner sti­mu­lie­rend –, also auf­zu­de­cken, wel­ches Ver­hält­nis zu der mit der Hys­te­ri­ke­rin gleich­ge­setz­ten Frau es ihm er­mög­licht hat – das ist ein Sprung –, sei­ne Lo­gik in Ge­stalt des pan zu eta­blie­ren. Die Wahl von pas, | [155] pan­ta, pan, die Wahl die­ser Vo­ka­bel statt der von ekas­tos, um die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge zu be­zeich­nen wie üb­ri­gens auch die ver­nei­nen­de, nun die­ses gan­ze Pan-ora­ma der ers­ten gro­ßen for­ma­len Lo­gik ist ab­so­lut we­sent­lich mit der Vor­stel­lung ver­bun­den, die Aris­to­te­les sich von der Frau macht. Was nicht ver­hin­dert, dass die ein­zi­ge all­ge­mei­ne For­mel, die er sich nicht zu ar­ti­ku­lie­ren ge­stat­tet, eben „alle Frau­en“ ist – da­von gibt es kei­ne Spur, öff­nen Sie die Ers­te Ana­ly­tik.

Auch nicht da­von, dass er es sich ge­stat­tet hät­te – wäh­rend sei­ne Nach­fol­ger sich Hals über Kopf dar­auf ge­stürzt ha­ben –, die­se un­glaub­li­che Un­ge­heu­er­lich­keit zu schrei­ben, von der die for­ma­le Lo­gik seit­her lebt, „Alle Men­schen sind sterb­lich“, wo­mit tat­säch­lich das zu­künf­ti­ge Schick­sal der Mensch­heit vor­weg­ge­nom­men wird. „Alle Men­schen sind sterb­lich“, das be­deu­tet, dass alle Men­schen – da es hier um et­was geht, was hin­sicht­lich sei­ner Ex­ten­si­on ge­äu­ßert wird –, dass alle Men­schen qua „alle“ zum Tode ver­ur­teilt sind, das heißt, die Men­schen­gat­tung dazu, aus­zu­ster­ben, was zu­min­dest ge­wagt ist.

Dass das „∀ von x“ den Schritt hin zu ei­nem We­sen (être) auf­nö­tigt, zu ei­nem „jede Frau“, den ein so sen­si­bles We­sen wie Aris­to­te­les, nun ja, tat­säch­lich nie­mals voll­zo­gen hat, ge­nau das ist es, was es mir ge­stat­tet, zu be­haup­ten, dass das „jede Frau“ die Äu­ße­rung ist, von der her sich die Hys­te­ri­ke­rin als Sub­jekt ent­schei­det. Des­halb ist es so, dass eine Frau eng mit ei­nem pap­lu­dun [pas plus d’un] ver­bun­den ist, mit ei­nem „nicht mehr als ei­ner“, durch das sie an­ge­mes­sen in der Lo­gik des Nach­fol­gers ver­or­tet wird, die Pea­no uns als Mo­dell ge­ge­ben hat.

Aber die Hys­te­ri­ke­rin ist nicht „eine Frau“.

Es geht dar­um zu wis­sen, ob die Psy­cho­ana­ly­se, wie ich sie de­fi­nie­re, Zu­gang zu „ei­ner Frau“ lie­fert, oder ob dies, dass „eine Frau“ sich er­eig­net, eine Sa­che der doxa ist, das heißt, ob es da­mit so ist, wie es den Leu­ten zu­fol­ge, die im Me­non dia­lo­gi­siert ha­ben, mit der Tu­gend ist – Sie er­in­nern sich an den Me­non?, aber nein, aber nein –, wie es mit die­ser Tu­gend ist, das macht den Wert, den Sinn die­ses Dia­logs aus: die­se Tu­gend war das, was nicht ge­lehrt wer­den kann.

Um es zu über­set­zen: das, was von ihr – von „ei­ner Frau“, so wie ich da­von hier den Schritt de­fi­niert habe – im Un­be­wuss­ten nicht ge­wusst wer­den kann, das heißt auf ar­ti­ku­lier­te Wei­se.

Denn schließ­lich, da­mit höre ich auf, je­mand, der eben auf das Thea­ter zu­rück­kommt, als ob dies die Fra­ge wäre, die es wert ist, tat­säch­lich eine be­trächt­li­che Ak­ti­vi­tät in An­spruch zu neh­men – das ist ein sehr gut ge­mach­tes Buch –, eine be­trächt­li­che Ak­ti­vi­tät des Ana­ly­ti­kers, als ob es wirk­lich das wäre, wor­auf ein Ana­ly­ti­ker sich spe­zia­li­sie­ren müss­te, die­ser Je­mand schreibt mir in ei­ner An­mer­kung das Ver­dienst zu, die Un­ter­schei­dung zwi­schen Wahr­heit und Wis­sen ein­ge­führt zu ha­ben. Al­ler­hand, al­ler­hand! Ich habe ge­ra­de zu Ih­nen über den Me­non ge­spro­chen, na­tür­lich hat er ihn nicht ge­le­sen, er liest nur über das Thea­ter, aber schließ­lich war es der Me­non, mit dem ich an­ge­fan­gen habe, die ers­ten Sät­ze der Kri­se zu über­win­den, die mich zu ei­nem be­stimm­ten ana­ly­ti­schen Ap­pa­rat in Ge­gen­satz ge­bracht hat. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen der Wahr­heit und dem Wis­sen, | [156] der Ge­gen­satz zwi­schen der epis­tēmē und der wah­ren doxa, der­je­ni­gen, durch wel­che die Tu­gend fun­diert wer­den kann, fin­den Sie di­rekt, ganz un­um­wun­den im Me­non ge­schrie­ben. Was ich zur Gel­tung ge­bracht habe, ist ge­nau das Ge­gen­teil, näm­lich ihre Ver­bin­dung, das heißt, dass der Akt, dass schließ­lich da, wo sich das dem An­schein nach in ei­nem Bo­den­kreis ver­kno­tet, dass das Wis­sen, um das es im Un­be­wuss­ten geht, et­was ist, das glei­tet, das sich aus­dehnt, das sich in je­dem Mo­ment als Wis­sen von der Wahr­heit er­weist.

Und hier stel­le ich nun die fol­gen­de Fra­ge: Ge­stat­tet uns die­ses Wis­sen tat­säch­lich, über den Me­non hin­aus­zu­ge­hen, das heißt zu sa­gen, ob die­se Wahr­heit, in­so­fern sie sich in der Hys­te­ri­ke­rin ver­kör­pert, tat­säch­lich zu ei­nem Glei­ten in der Lage ist, das hin­rei­chend ge­schmei­dig ist, um die Ein­füh­rung in „eine Frau“ zu sein?

Ich weiß, die Fra­ge ist auf eine hö­he­re Ebe­ne ge­bracht wor­den, seit ich auf­ge­zeigt habe, dass es sprach­lich Ar­ti­ku­lier­tes gibt, das nicht in Wor­ten (en pa­ro­les) ar­ti­ku­liert wer­den kann. Das ist hier ganz ein­fach das, von wo­her das Be­geh­ren sei­ne Stel­lung hat. Es ist je­doch ein­fach, das zu ent­schei­den. Ge­nau des­halb, weil es um das Be­geh­ren in­so­fern geht, als es den Ak­zent auf die Un­ver­än­der­lich­keit der Un­be­kann­ten setzt – der Un­be­kann­ten, die links <in der For­mel> steht, der­je­ni­gen, die sich nur un­ter der Über­schrift ei­ner Ver­nei­nung* her­stellt –, ge­nau des­halb, weil es den Ak­zent auf die Un­ver­än­der­lich­keit der Un­be­kann­ten setzt, kann die Aus­höh­lung des Be­geh­rens durch die Ana­ly­se sie in kei­ner Funk­ti­on der Va­ria­blen an­schrei­ben. Eben dies ist das Hemm­nis, von dem aus sich das Be­geh­ren der Hys­te­ri­ke­rin als sol­ches von dem trennt, was sich gleich­wohl her­stellt, und was es zahl­lo­sen Frau­en ge­stat­tet, als sol­che zu fun­gie­ren, das heißt, in­dem sie für all ihre si­tua­ti­ven Ver­än­de­run­gen ihr Sein zu ei­ner Funk­ti­on des pap­lu­dun ma­chen, des nicht-mehr-als-ei­ner. Die Hys­te­ri­ke­rin spielt hier die Rol­le ei­nes Block­sche­mas (sché­ma fonc­tio­nel), falls Sie wis­sen, was das ist – das ist die Trag­wei­te mei­ner For­mel über das so­ge­nann­te un­be­frie­dig­te Be­geh­ren.

Dar­aus folgt, dass die Hys­te­ri­ke­rin den Platz ein­nimmt, das pap­lu­dun ein­zu­füh­ren, das nicht-mehr-als-ei­ner, von dem her jede der Frau­en ein­ge­setzt wird, auf dem Weg des „Nicht von je­der Frau kann ge­sagt wer­den, dass sie Funk­ti­on des Phal­lus ist“. Dass es von „je­der Frau“ sei, ist hier das, was ihr Be­geh­ren aus­macht, und des­halb stützt sich die­ses Be­geh­ren da­durch, un­be­frie­digt zu sein, näm­lich dass „eine Frau“ dar­aus her­vor­geht, die aber nicht die Hys­te­ri­ke­rin in Per­son sein könn­te.

Das ist eben das, wor­in sie mei­ne Wahr­heit von vor­hin ver­kör­pert, die­je­ni­ge, die ich, nach­dem ich sie zum Spre­chen ge­bracht habe, ih­rer struk­tu­ra­lis­ti­sche Funk­ti­on zu­rück­ge­ge­ben habe. Der ana­ly­ti­sche Dis­kurs wird aus­ge­hend von die­ser Rück­ga­be der Wahr­heit an die Hys­te­ri­ke­rin ein­ge­führt.

Das hat ge­nügt, um in der Hys­te­rie das Thea­ter zu ver­trei­ben. Dar­auf be­zieht sich mei­ne Be­mer­kung, dass das Thea­ter nicht ohne Ver­hält­nis zu et­was ist, wo­durch sich in un­se­rer Zeit das Ge­sicht der Din­ge ver­än­dert. | [157] Ich könn­te dar­auf in­sis­tie­ren, dass, als ich an­ge­fan­gen habe, Din­ge zu äu­ßern, die all das po­ten­zier­ten, ich als Echo un­mit­tel­bar den splash ei­nes Ar­ti­kels hat­te, der sich auf das Thea­ter bei der Hys­te­ri­ke­rin be­zog.

Die Psy­cho­ana­ly­se von heu­te hat als Stüt­ze nur die Hys­te­ri­ke­rin, die nicht mit der Zeit geht / „die nicht auf dem Blatt ist“ (pas à la page). Wenn die Hys­te­ri­ke­rin be­weist, dass sie dann, wenn das Blatt sich ge­wen­det hat, fort­fährt, in­dem sie auf der Rück­sei­te schreibt und so­gar auf der fol­gen­den, wird das nicht ver­stan­den. Das ist je­doch leicht – sie ist Lo­gi­ke­rin.

Das wirft die Fra­ge auf, wel­chen Be­zug die Freud’sche Theo­rie zum Thea­ter her­stellt – der Ödi­pus, nicht we­ni­ger. Es ist an der Zeit, das an­zu­grei­fen, was vom Thea­ter auf­recht­zu­er­hal­ten nö­tig er­schien, um den „an­de­ren Schau­platz“ zu stüt­zen, den­je­ni­gen, von dem ich spre­che, von dem ich als ers­ter ge­spro­chen habe. Letzt­lich ge­nügt hier viel­leicht der Schlaf. Dass die­ser Schlaf bei Ge­le­gen­heit der Ent­bin­dung der Fuchs’schen Funk­tio­nen Schutz ge­währt, wie es be­kannt­lich ge­sche­hen ist, kann er­klä­ren, dass das Be­geh­ren ent­steht, dass Schlaf sich ver­län­gert.

Es kann ge­sche­hen, dass die Si­gni­fi­kan­ten-Re­prä­sen­tan­ten des Sub­jekts sich im­mer leich­ter er­eig­nen, wenn sie der ima­gi­nä­ren Re­prä­sen­ta­ti­on ent­lehnt sind, da­für gibt es An­zei­chen heut­zu­ta­ge.

Es ist si­cher, dass das Ge­nie­ßen, das man da­her hat, sich kas­trie­ren zu las­sen, zur Repräsentation/Vorstellung nur Be­zie­hun­gen wie zu ei­nem Ap­pa­rat hat.

Das ist das, wor­in der Ödi­pus des So­pho­kles – der die­sen Vor­rang für uns nur des­halb hat, weil die an­de­ren Ödi­pus-Ver­sio­nen un­voll­stän­dig oder al­ler­meist ver­lo­ren sind – für un­se­re Ar­ti­ku­la­ti­ons­be­dürf­nis­se noch viel zu reich und dif­fus ist. Die Ge­nea­lo­gie des Be­geh­rens – in­so­fern es dar­um geht, wie es ver­ur­sacht wird – be­ruht auf ei­ner Kom­bi­na­to­rik, die kom­ple­xer ist als die des My­thos. Des­halb müs­sen wir nicht über das träu­men, wozu der My­thos „in al­ten Zei­ten“, wie man sagt, ge­dient hat. Wenn man sich auf die­sen Weg be­gibt, geht es um Me­taspra­che, und un­ter die­sem As­pekt sind die My­tho­lo­gi­en von Lévi-Strauss ein ent­schei­den­der Bei­trag. Sie ma­ni­fes­tie­ren, dass sich die Kom­bi­na­ti­on be­nenn­ba­rer For­men des My­thems, von de­nen vie­le ver­schwun­den sind, nach prä­zi­sen Trans­for­ma­ti­ons­ge­set­zen voll­zieht, je­doch ge­mäß ei­ner sehr schlich­ten Lo­gik, oder über die man zu­min­dest sa­gen muss, dass das Min­des­te, was man sa­gen kann, dies ist, dass un­se­re Ma­the­ma­tik die­se Kom­bi­na­to­rik be­rei­chert.

Viel­leicht soll­te man die Fra­ge auf­wer­fen, ob der psy­cho­ana­ly­ti­sche Dis­kurs nicht et­was Bes­se­res zu tun hat, als sich dem zu wid­men, die­se My­then auf eine Wei­se zu deu­ten, die über den üb­li­chen Kom­men­tar nicht hin­aus­geht, zu­mal | [158] dies voll­kom­men über­flüs­sig ist, da das, was den Eth­no­lo­gen in­ter­es­siert, das Sam­meln der My­then ist, ihre Zu­sam­men­stel­lung und ihre Neu­ver­bin­dung mit an­de­ren Funk­tio­nen, de­nen des Ri­tu­als oder der Pro­duk­ti­on, die glei­cher­ma­ßen mit ei­ner Schrift (éc­ri­tu­re) er­fasst wer­den, de­ren ar­ti­ku­lier­te Iso­mor­phis­men hier aus­rei­chend sind.

Kei­ne Spur, wie ich ge­sagt habe, ei­ner An­nah­me über das Ge­nie­ßen, dem hier ge­dient wird. Das ist völ­lig wahr, selbst wenn man die Be­mü­hun­gen be­rück­sich­tigt, die ge­macht wer­den, um uns die mög­li­che Wirk­sam­keit dunk­ler Wis­sens­ar­ten zu sug­ge­rie­ren, die hier lie­gen sol­len.

Die An­mer­kung, die Lévi-Strauss in den Ele­men­ta­ren Struk­tu­ren dar­über macht, dass die­se Struk­tu­ren der Lie­be in die Pa­ra­de fah­ren, ent­schei­det hier glück­li­cher­wei­se. Das än­dert nichts dar­an, dass dies, we­gen der Ana­ly­ti­ker, die da­mals in Gunst stan­den, über die Köp­fe hin­weg­ge­gan­gen ist.

Ins­ge­samt hat der Ödipus<mythos> den Vor­teil, dass er zeigt, wie der Mann auf die For­de­rung des pap­lu­dun ant­wor­ten kann, des nicht-mehr-als-ei­ner, die im Sein ei­ner Frau ist. Er selbst soll nicht-mehr-als-eine da­von lie­ben. Un­glück­li­cher­wei­se ist es nicht die­sel­be. Es ist im­mer das­sel­be Ren­dez-vous, das­je­ni­ge, bei dem, als die Mas­ken fie­len, es we­der er war noch sie.

Die­se Fa­bel wird je­doch nur da­durch ge­stützt, dass der Mann im­mer nur ein klei­ner Jun­ge ist. Und dass die Hys­te­ri­ke­rin sich nicht da­von ab­brin­gen lässt, ist ge­eig­net, Zwei­fel auf­zu­wer­fen über die Funk­ti­on ih­rer Wahr­heit als letz­tem Wort.

Ein Schritt in Rich­tung Ernst­haf­tig­keit könn­te sich, so scheint mir, hier über den Mann an­schlie­ßen las­sen, von dem man be­mer­ken wird, dass ich ihm bis zu die­sem Punkt mei­ner Aus­füh­run­gen den an­spruchs­lo­sen Teil zu­ge­wie­sen habe, ob­gleich es ei­ner von ih­nen ist, mei­ne We­nig­keit, der hier die­se gan­ze schö­ne Welt zum Spre­chen bringt.

Es scheint mir un­mög­lich zu sein – nicht um­sonst stol­pe­re ich seit Be­ginn über die­ses Wort –, nicht die schi­ze zu er­fas­sen, durch die der Ödi­pus­my­thos und To­tem und Tabu ge­trennt sind.

Ich de­cke so­fort mei­ne Kar­ten auf: Der ers­te My­thos wird Freud durch das Un­be­frie­digt­sein der Hys­te­ri­ke­rin dik­tiert, der zwei­te durch Freuds ei­ge­ne Sack­gas­sen. We­der vom klei­nen Jun­gen, noch von der Mut­ter, noch von der Tra­gik des Über­gangs vom Va­ter auf den Sohn, nicht wahr, des Über­gangs von was, wenn nicht des Phal­lus – von all dem, was den Stoff des ers­ten My­thos bil­den konn­te, kei­ne Spur im zwei­ten.

Hier, in To­tem und Tabu, ist es so, dass der Va­ter ge­nießt – ein Ter­mi­nus, der im ers­ten My­thos durch die Macht ver­schlei­ert wird –, der Va­ter ge­nießt alle Frau­en, so lan­ge, bis sei­ne Söh­ne ihn er­schla­gen, was ih­nen nicht ohne eine vor­aus­ge­hen­de Über­ein­kunft ge­lingt, und wo­nach | [159] kei­ner ihm in der Ge­frä­ßig­keit sei­nes Ge­nie­ßens nach­folgt. Das Ende drängt sich von dem her auf, was sich da­nach er­eig­net: dass die Söh­ne ihn ver­schlin­gen, wo­bei je­der not­wen­di­ger­wei­se nur ei­nen Teil hat und eben des­halb das Gan­ze eine Kom­mu­ni­on dar­stellt. Von hier aus stellt sich der So­zi­al­ver­trag her: Nie­mand soll die­je­ni­ge an­rüh­ren, die hier je­doch nicht die Mut­ter ist – in Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on wird ja prä­zi­siert, aus der Fe­der von Freud selbst, dass un­ter den Söh­nen ein­zig die jüngs­ten noch zum Ha­rem ge­zählt wer­den. Es sind also nicht mehr die Müt­ter, son­dern die Frau­en des Va­ters als sol­che, die vom Ver­bot be­trof­fen sind. Die Mut­ter kommt nur ins Spiel we­gen ih­rer Ba­bys, aus de­nen ein­mal Hel­den wer­den.

Wenn der Ur­sprung des Ge­set­zes aber, Freud zu­fol­ge, auf die­se Wei­se ge­bil­det wird, dann be­ruht er nicht auf dem Ge­setz des so­ge­nann­ten Mut­te­rin­zests, das in der Psy­cho­ana­ly­se je­doch als stif­tend an­ge­ge­ben wird. Wäh­rend tat­säch­lich – das ist eine An­mer­kung, nicht wahr, bis auf ein ge­wis­ses „Ge­setz des Manu“, das hier mit rea­ler Kas­tra­ti­on be­straft, „er wird nach Wes­ten ge­hen mit sei­nen Ei­ern in der Hand“ und so wei­ter, gut –, wäh­rend die­ses Ge­setz des müt­ter­li­chen In­zests viel­mehr über­all ge­tilgt ist. Ich be­strei­te kei­nes­wegs die pro­phy­lak­ti­sche Wohl­be­grün­det­heit des ana­ly­ti­schen Ver­bots, ich hebe her­vor, dass Freud auf der Ebe­ne, auf der er et­was von sich ar­ti­ku­liert, To­tem und Tabu – und Gott weiß, wie sehr er dar­an fest­hielt, nicht wahr –, dass er hier die­ses Ver­bot nicht my­thisch recht­fer­tigt. Das Son­der­ba­re be­ginnt da­mit, dass Freud, und üb­ri­gens auch sonst nie­mand, das of­fen­bar nicht wahr­ge­nom­men hat.

Ich ver­fol­ge mei­ne Spur wei­ter. Das Ge­nie­ßen wird von Freud in den Rang ei­nes Ab­so­lu­ten er­ho­ben, was zu den Sor­gen des Ur­men­schen zu­rück­führt, ich spre­che von To­tem und Tabu; all das wird ein­ge­stan­den; ich spre­che über den Va­ter, über den Va­ter der Ur­hor­de. Es ist ein­fach, hier den Phal­lus zu er­ken­nen: die To­ta­li­tät des­sen, was weib­li­cher­seits dem Ge­nie­ßen un­ter­wor­fen wer­den kann. Die­ses Ge­nie­ßen, ich habe es ge­ra­de an­ge­merkt, bleibt beim kö­nig­li­chen Paar des Ödi­pus ver­schlei­ert, es ist je­doch nicht so, dass es in die­sem ers­ten My­thos ab­we­send wäre. Das kö­nig­li­che Paar wird so­gar nur von da­her in Fra­ge ge­stellt – was im Dra­ma ge­äu­ßert wird –, dass es der Ga­rant des Ge­nie­ßens des Vol­kes ist, was im Üb­ri­gen zu dem passt, was wir über sämt­li­che Kö­nig­tü­mer wis­sen, ob ar­cha­isch oder mo­dern. Die Kas­tra­ti­on von Ödi­pus hat je­doch kei­nen an­de­ren Zweck als den, die Pest in The­ben zu be­en­den, das heißt, dem Volk das Ge­nie­ßen wie­der­zu­ge­ben, des­sen Ga­ran­ten dann an­de­re sein wer­den, was na­tür­lich, an­ge­sichts des­sen, wo­von man aus­geht, nicht ohne ei­ni­ge Um­schwün­ge ge­hen wird, die für alle bit­ter sind.

[160] Muss ich un­ter­strei­chen, dass die Schlüs­sel­funk­tio­nen des My­thos in den bei­den My­then in strik­tem Ge­gen­satz zu­ein­an­der ste­hen? Im ers­ten: zu­nächst das Ge­setz, der­art ur­sprüng­lich, dass es selbst dann Ver­gel­tung übt, wenn die Schul­di­gen es nur un­schul­dig über­tre­ten ha­ben, und es ist das Ge­setz, aus dem die Fül­le des Ge­nie­ßens her­vor­geht. Im zwei­ten: am An­fang Ge­nie­ßen, dann Ge­setz, wo­bei man es mir er­spa­ren wird, die Per­ver­si­ons­kor­re­la­te her­vor­he­ben zu müs­sen, da es letzt­lich – mit der Be­för­de­rung des hei­li­gen Kan­ni­ba­lis­mus, auf der man hin­rei­chend in­sis­tiert – eben alle Frau­en sind, die der Ge­mein­schaft der Männ­chen im Prin­zip ver­bo­ten sind, ei­ner Ge­mein­schaft, die sich als sol­che in die­ser Kom­mu­ni­on tran­szen­diert hat.

Das eben ist der Sinn die­ses an­de­ren Ur­ge­set­zes – wenn dies fehlt, wo­durch wird es dann be­grün­det? Eteo­kles und Po­lyn­ei­kes sind da, so den­ke ich, um zu zei­gen, dass es wei­te­re Res­sour­cen gibt. Es stimmt, dass sie aus der Ge­nea­lo­gie des Be­geh­rens her­vor­ge­hen.

Au­ßer­dem muss es so sein, dass der Va­ter­mord – auf wen? auf Freud, auf sei­ne Le­ser – die größ­te Fas­zi­na­ti­on aus­ge­übt hat, so­dass nie­mand auch nur dar­an ge­dacht hat, her­aus­zu­stel­len, dass sich der Mord im ers­ten My­thos ohne Wis­sen des Mör­ders er­eig­net, der nicht nur nicht er­kennt, dass er den Va­ter er­schlägt, son­dern der ihn nicht er­ken­nen kann, da er ei­nen an­de­ren hat, der seit je sein Va­ter ist, da er von ihm ad­op­tiert wor­den ist. Er ist so­gar aus­drück­lich des­we­gen ins Exil ge­gan­gen, um nicht Ge­fahr zu lau­fen, sei­nen wah­ren Va­ter zu er­schla­gen.

Die­ser My­thos ist dar­in sug­ges­tiv, dass er den Platz be­kun­det, den der Zeu­gungs­va­ter ein­nimmt, zu ei­ner Zeit, bei der Freud her­vor­hebt, dass in ihr, ganz wie in der uns­ri­gen, der Va­ter pro­ble­ma­tisch ist.

Und auch er wäre es und Ödi­pus wäre ver­ge­ben wor­den, wenn er nicht von kö­nig­li­chem Blu­te wäre, das heißt, wenn Ödi­pus nicht als der Phal­lus zu funk­tio­nie­ren hät­te – als der Phal­lus sei­nes Vol­kes, nicht sei­ner Mut­ter –, und das Er­staun­lichs­te ist, dass das eine Zeit­lang ge­klappt hat, das heißt, dass die The­ba­ner sehr glück­lich wa­ren.

Ich habe oft dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Wen­de von Jo­kas­te kom­men muss­te. Kommt sie von dem her, was sie ge­wusst hat, oder von dem, was sie ver­ges­sen hat?

Was hat das je­den­falls mit dem Mord des zwei­ten My­thos ge­mein­sam, bei dem zu ver­ste­hen ge­ge­ben wird, dass er auf ei­nem Auf­stand be­ruht – oder auf ei­nem Be­dürf­nis? was tat­säch­lich un­denk­bar, ja so­gar un­ge­dacht ist, es sei denn als et­was, das aus ei­ner Ver­schwö­rung her­vor­geht.

Es ist of­fen­sicht­lich, dass ich hier nicht mehr ge­tan habe, als mich dem Ter­rain zu nä­hern, auf dem mich schließ­lich, sa­gen wir, eben­falls eine Ver­schwö­rung dar­an ge­hin­dert hat, das Pro­blem wirk­lich an­zu­ge­hen, das heißt auf der Ebe­ne von Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on, das heißt von dem | [161] Punkt aus, bei dem al­les, was Freud ar­ti­ku­liert hat, wirk­lich be­deut­sam wird. Ich kann hier nicht ein­mal an­deu­ten, was es braucht, um Sie zu Freud zu­rück­zu­füh­ren, ich kann je­doch sa­gen, dass er, in­dem er uns hier sei­nen Bei­trag zum ana­ly­ti­schen Dis­kurs ent­hüllt, nicht we­ni­ger von der Neu­ro­se aus­geht als bei dem, was er bei der Hys­te­ri­ke­rin in Ge­stalt des Ödi­pus auf­ge­le­sen hat.

Es ist ei­gen­ar­tig, dass ich die­sen Zeit­punkt ab­war­ten muss­te, da­mit ich eine sol­che Be­haup­tung, näm­lich dass To­tem und Tabu das Pro­dukt ei­ner Neu­ro­se ist – was völ­lig un­be­streit­bar ist –, da­mit ich sie vor­brin­gen kann, ohne dass ich da­für die Wahr­heit der Kon­struk­ti­on im Ge­rings­ten in Fra­ge stel­le. Eben dar­in ist sie Zeug­nis der Wahr­heit. Ein Werk psy­cho­ana­ly­siert man nicht, und das von Freud noch we­ni­ger als ein an­de­res, man kri­ti­siert es, und eine Neu­ro­se, weit da­von ent­fernt, die So­li­di­tät des Wer­kes ver­däch­tig zu ma­chen, ist in die­sem Fal­le viel­mehr eben das, wo­durch es ver­schweißt wird. Die­ses Zeug­nis, das der Zwangs­neu­ro­ti­ker von sei­ner Struk­tur lie­fert – für das, was vom se­xu­el­len Ver­hält­nis, wie sich her­aus­stellt, im Dis­kurs un­mög­lich zu for­mu­lie­ren ist –, die­ses Zeug­nis schul­den wir dem My­thos von Freud.

Da­mit möch­te ich es für heu­te be­wen­den las­sen. Die Zeit wird mir feh­len auf­grund der For­meln [Lärm, der fol­gen­de Satz ist kaum ver­ständ­lich] ich ent­schul­di­ge mich … um … sich zu be­mü­hen, ein we­nig wei­ter vor­an­zu­brin­gen, dass … Beim nächs­ten Mal wer­de ich dem sei­ne ge­naue Trag­wei­te ge­ben, denn ich möch­te nicht, dass es Miss­ver­ständ­nis­se gibt. Wenn auf eine be­stimm­te Wei­se das ar­ti­ku­liert wird, was der Bei­trag von Freud zum grund­le­gen­den My­thos der Psy­cho­ana­ly­se ist, ich be­to­ne das, dann wird der My­thos da­durch, dass sein Ur­sprung her­aus­ge­stellt wird, kei­nes­wegs su­spekt ge­macht, ganz im Ge­gen­teil.

Es geht nur dar­um zu wis­sen, wo­hin uns das füh­ren kann.

Französisch/deutsch

[145] Je vais me fon­der aujourd’hui sur quel­que cho­se que j’ai pris soin d’écrire. Voi­là.

Ich wer­de mich heu­te auf et­was stüt­zen, bei dem ich Sor­ge ge­tra­gen habe, es zu schrei­ben.2 Nun also.

Je ne dis pas ça sim­ple­ment com­me ça, à la can­to­na­de, ce n’est pas su­per­flu.

Ich sage das nicht ein­fach so ins Blaue hin­ein, das ist nicht über­flüs­sig.

Je me per­met­trai, com­me ça, éven­tu­el­le­ment de ron­ron­ner quel­que cho­se à pro­pos de tel ter­me de l’écrit.

Ich wer­de mir ge­stat­ten, ein­fach so, über den ei­nen oder an­de­ren Ter­mi­nus des Ge­schrie­be­nen ge­le­gent­lich et­was zu schnur­ren.

Mais si vous avez suf­fi­sam­ment en­t­en­du ce que j’ai ab­or­dé cet­te an­née de la fonc­tion de l’écrit, eh bien, je n’aurai pas be­so­in de ju­s­ti­fier plus, si ce n’est dans le fait, en acte.

Aber wenn Sie hin­rei­chend ver­stan­den ha­ben, was ich in die­sem Jahr zur Funk­ti­on des Ge­schrie­be­nen an­ge­ris­sen habe, nun, dann wer­de ich das nicht wei­ter recht­fer­ti­gen müs­sen, au­ßer durch die Tat, im Voll­zug.

C’est pas in­dif­fé­rent en ef­fet que ce que je vais dire main­tenant soit écrit.

Es ist wirk­lich nicht gleich­gül­tig, dass das, was ich jetzt sa­gen wer­de, ge­schrie­ben ist.

Ça n’a pas du tout la même por­tée si sim­ple­ment je dis ou si je vous dis que j’ai écrit :3 [Lärm im Hör­saal]

Es hat kei­nes­wegs die­sel­be Trag­wei­te, ob ich das Fol­gen­de ein­fach sage oder ob ich Ih­nen sage, dass ich ge­schrie­ben habe: [Lärm im Hör­saal]

Un hom­me et une femme peu­vent s’entendre [Ge­läch­ter], je ne dis pas non. 

Ein Mann und eine Frau kön­nen sich ver­ste­hen / sich hö­ren (s’entendre) [Ge­läch­ter], ich sage nicht nein.

Ils peu­vent com­me tels s’entendre cri­er. »

Sie kön­nen sich als sol­che schrei­en hö­ren.

Ça se­rait un ba­di­na­ge si je ne l’avais pas écrit.

Das wäre ein Scherz, wenn ich es nicht ge­schrie­ben hät­te.

« Écrit » sup­po­se, au moins soupçon­né de vous, en­fin de cer­ta­ins d’entre vous, ce qu’en un temps j’ai dit du cri.

Ge­schrie­ben“ („écrit“) un­ter­stellt– wie von Ih­nen zu­min­dest ver­mu­tet wird, das heißt von ei­ni­gen un­ter Ih­nen –, was ich ein­mal über den Schrei (cri) ge­sagt habe.4

Je ne peux pas y re­ve­nir.

Dar­auf kann ich nicht zu­rück­kom­men.

Ceci ar­ri­ve qu’ils cri­ent, dans le cas où ils ne réus­sis­sent pas à s’entendre au­tre­ment – au­tre­ment, c’est-à-dire sur une af­fai­re qui est le gage de leur en­tente.

Es kommt vor, dass sie schrei­en, näm­lich dann, wenn es ih­nen nicht ge­lingt, sich auf an­de­re Wei­se ver­ständ­lich zu ma­chen – auf an­de­re Wei­se, das heißt über eine Af­fä­re, die das Un­ter­pfand ih­rer Ver­stän­di­gung ist.

Ces af­fai­res ne man­quent pas ; y est com­pri­se à l’occasion, c’est la meilleu­re, l’entente au lit.

Die­se Af­fä­ren feh­len nicht; in­be­grif­fen ist hier ge­le­gent­lich, das ist die bes­te, das Ein­ver­ständ­nis im Bett.

Ces af­fai­res ne man­quent pas, cer­tes donc, mais c’est en cela qu’elles man­quent quel­que cho­se, à savoir de s’entendre com­me hom­me, com­me femme, ce qui vou­d­rait dire se­xu­el­le­ment.

Die­se Af­fä­ren feh­len nicht, ge­wiss nicht, aber dar­in ver­feh­len sie et­was, näm­lich sich als Mann, als Frau zu ver­ste­hen, was hei­ßen wür­de: se­xu­ell.

L’homme et la femme ne s’entendraient-ils ain­si qu’à se taire ?

Der Mann und die Frau wür­den sich also nur dann ver­ste­hen, wenn sie schwie­gen?

Il n’en est même pas ques­ti­on.

Das ist hier über­haupt nicht die Fra­ge.

Car l’homme, la femme, n’ont au­cun be­so­in de par­ler pour être pris dans un dis­cours : com­me tels, du même ter­me que ce­lui que j’ai dit tout à l’heure, com­me tels ils sont des faits de dis­cours.

Denn der Mann und die Frau müs­sen kei­nes­wegs spre­chen, um von ei­nem Dis­kurs er­fasst zu sein. Als sol­che, vom sel­ben Ter­mi­nus her wie dem, den ich eben ge­sagt habe, als sol­che sind sie Dis­kurstat­sa­chen.

Le sour­ire ici suf­fi­rait, sem­ble-t-il, à avan­cer qu’ils ne sont pas que ça.

Ein Lä­cheln wür­de hier ge­nü­gen, so scheint es, um vor­zu­brin­gen, dass sie nicht nur das sind.

Sans dou­te, qui ne l’accorde ?

Ohne Zwei­fel, wer stimmt dem nicht zu?

Mais qu’ils so­i­ent ça aus­si, des faits de dis­cours, fige le sour­ire.

Aber dass sie es auch sind, Dis­kurstat­sa­chen, lässt das Lä­cheln er­star­ren.

Et ce n’est qu’ainsi, figé par cet­te re­mar­que, | [146] qu’il a son sens, le sour­ire sur les sta­tu­es ar­chaïques.

Und nur so, durch die­se Be­mer­kung er­starrt, | [146] hat das Lä­cheln auf den ar­chai­schen Sta­tu­en sei­nen Sinn.

L’infatuation, elle ri­ca­ne.

Die Selbst­ge­fäl­lig­keit ki­chert.

C’est donc dans un dis­cours que les « étant » hom­mes et femmes na­tu­rels, si l’on peut dire, ont à se fai­re va­loir com­me tels.

Es ist also ein Dis­kurs, wor­in die „Sei­en­den“, na­tür­li­che Män­ner und Frau­en, wenn man so sa­gen kann, sich als sol­che zur Gel­tung brin­gen müs­sen.

Il n’est dis­cours que de sem­blant.

Dis­kurs gibt es nur vom Schein.

Si ça ne s’avouait pas de soi, j’ai dé­non­cé la cho­se, j’en rap­pel­le l’articulation : le sem­blant ne s’énonce qu’à par­tir de la vé­rité.

Für den Fall, dass sich das nicht von selbst ein­ge­stün­de, habe ich die Sa­che ver­kün­det, ich er­in­ne­re an de­ren Ar­ti­ku­la­ti­on: Der Schein äu­ßert sich nur aus­ge­hend von der Wahr­heit.

Sans dou­te n’évoque-t-on ja­mais cel­le-ci, la vé­rité, dans la sci­ence.

Si­cher­lich be­schwört man die Wahr­heit nie­mals in der Wis­sen­schaft.

Ça n’est pas là rai­son de nous en fai­re plus de sou­ci, elle se pas­se bien de nous.

Das ist kein Grund, uns hier grö­ße­re Sor­gen um sie zu ma­chen, sie kommt gut ohne uns aus.

Pour qu’elle se fas­se en­t­end­re, il lui suf­fit de dire : « je par­le », et on l’en croit, par­ce que c’est vrai – qui par­le, par­le.

Um sich zu Ge­hör zu brin­gen, ge­nügt es ihr, „Ich spre­che“ zu sa­gen, und man glaubt es, da es wahr ist – wer spricht, der spricht.5

Il n’y a d’enjeu – je rap­pel­le ce que j’ai dit du pari, en l’illustrant de Pas­cal – il n’y a d’enjeu que de ce qu’elle dit.

Ei­nen Ein­satz – ich er­in­ne­re an das, was ich über die Wet­te ge­sagt und mit Pas­cal il­lus­triert habe –, ei­nen Ein­satz gibt es nur von dem her, was sie sagt.6

Com­me vé­rité, elle ne peut dire que le sem­blant sur la jouis­sance et c’est sur la jouis­sance se­xu­el­le qu’elle ga­gne à tous les coups.

Als Wahr­heit kann sie über das Ge­nie­ßen (jouis­sance) nur den Schein sa­gen, und ge­gen das se­xu­el­le Ge­nie­ßen ge­winnt sie je­des Mal.

Je vais ici vous mett­re au ta­bleau, à l’usage éven­tu­el de ceux qui ne sont pas ve­nus les der­niè­res fois, les fi­gu­res al­gé­bri­ques dont j’ai cru pou­voir ponc­tu­er ce dont il s’agit con­cer­nant le co­inça­ge au­quel on est amené, d’écrire ce qui con­cer­ne le rap­port se­xu­el. [La­can schreibt an die Ta­fel.]

Ich möch­te Ih­nen hier an der Ta­fel, für den et­wai­gen Ge­brauch der­je­ni­gen, die die letz­ten Male nicht ge­kom­men sind, die al­ge­brai­schen Fi­gu­ren no­tie­ren, mit de­nen ich ge­glaubt habe, das in­ter­punk­tie­ren zu kön­nen, wor­um bei es bei der Klem­me geht, in die man ge­führt wird, wenn man das, was das se­xu­el­le Ver­hält­nis an­geht, schrei­ben will. [La­can schreibt an die Ta­fel.]

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}
For­mel der Frau

\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}
For­mel des Man­nes

Les deux bar­res mi­ses sur les sym­bo­les qui sont à gau­che, et dont se si­tu­ent re­spec­tive­ment, au re­gard de ce dont il s’agit, tout ce qui est ca­pa­ble de répond­re au sem­blant de la jouis­sance se­xu­el­le, les deux bar­res, di­tes de né­ga­ti­on, sont ici tel­les que jus­te­ment el­les ne sont pas à écri­re puis­que de ce qui ne peut pas s’écrire on n’écrit pas, tout sim­ple­ment.

Die bei­den Stri­che, die über die Sym­bo­le ge­setzt sind, die links sind und von de­nen her sich je­weils – hin­sicht­lich des­sen, wor­um es geht – all das ver­or­tet, was in der Lage ist, auf den Schein des se­xu­el­len Ge­nie­ßens zu ant­wor­ten, die bei­den so­ge­nann­ten Ne­ga­ti­ons­stri­che sind hier so, dass sie ge­ra­de nicht zu schrei­ben sind, da man von dem, was nicht ge­schrie­ben wer­den kann, ganz ein­fach nicht schreibt.

On peut dire qu’elles ne sont pas à écri­re, que ce n’est pas de tout x que puis­se être po­sée la fonc­tion Phi de x, et que c’est de ce « ce n’est pas de tout x » que se pose la femme [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Man kann sa­gen, dass sie nicht zu schrei­ben sind, dass nicht für alle x die Funk­ti­on „Φ von x“ be­haup­tet wer­den kann, und dass sich die Frau von die­sem „nicht für alle x gilt“ her po­si­tio­niert [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].7

Il n’existe pas de x tel qu’il sa­tis­fas­se à la fonc­tion dont se dé­fi­nit la va­ria­ble, d’être la fonc­tion « Φ de x » [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ] .

Es exis­tiert kein x, für das gilt, dass es die Funk­ti­on er­füllt, von der her die Va­ria­ble so de­fi­niert ist, dass sie Funk­ti­on „Φ von x“ ist [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Il n’en exis­te pas, c’est de cela que se for­mu­le ce qu’il en est de l’homme, mâle j’entends.

Es exis­tiert nicht: von da­her wird for­mu­liert, wor­um es beim Mann geht.

Mais jus­te–| [147] ment ici la né­ga­ti­on n’a que la fonc­tion dite de la Ver­nei­nung, c’est-à-dire qu’elle ne se pose qu’à avoir d’abord avan­cé qu’« il exis­te quelqu’homme » et que c’est par rap­port à « tou­te femme » qu’une femme se si­tue.

Aber ge­nau hier hat die Ne­ga­ti­on nur die so­ge­nann­te Funk­ti­on der Ver­nei­nung*, das heißt, dass sie nur von da­her be­haup­tet wird, dass zu­nächst vor­ge­bracht wur­de, dass „ir­gend­ein Mann exis­tiert“, und dass sich eine Frau im Ver­hält­nis zu „je­der Frau“ ver­or­tet.8

C’est un rap­pel, ça ne fait pas par­tie de l’écrit que je re­prends – que je re­prends, ce qui si­gni­fie que, puis­que je vois que c’est as­sez ré­pan­du, vous fai­tes bien en ef­fet de prend­re des no­tes ; c’est le seul in­té­rêt de l’écrit, c’est que par après vous ayez à vous si­tu­er par rap­port à lui.

Das ist eine Er­in­ne­rung, das ist nicht Teil des Ge­schrie­be­nen, das ich wie­der­auf­neh­me; das ich wie­der­auf­neh­me, was be­deu­tet, dass Sie – da ich sehe, dass es ziem­lich ver­brei­tet ist –, dass Sie wirk­lich gut dar­an tun, No­ti­zen zu ma­chen. Das ist der ein­zi­ge Nut­zen des Ge­schrie­be­nen: dass Sie sich da­nach im Ver­hält­nis dazu ver­or­ten müs­sen.

Eh bien, on fera bien de me sui­v­re dans ma di­sci­pli­ne du nom – n.o.m.

Nun also, man wird gut dar­an tun, mir in mei­ner Dis­zi­plin des Na­mens zu fol­gen.

J’aurai à y re­ve­nir, spé­cia­le­ment la pro­chai­ne fois, ça sera la séan­ce dont nous con­clu­rons cet­te an­née.

Ich wer­de dar­auf zu­rück­kom­men müs­sen, vor al­lem das nächs­te Mal; das wird die Sit­zung sein, mit der wir die­ses Jahr ab­schlie­ßen.

Le prop­re du nom, c’est d’être nom prop­re.

Das Ei­ge­ne des Na­mens be­steht dar­in, Ei­gen­na­me zu sein.

Même pour un tom­bé, ent­re au­tres, à l’usage de nom com­mun, ce n’est pas temps per­du que de lui re­trou­ver un em­ploi prop­re.

Selbst bei ei­nem Na­men, der, wie an­de­re auch, der Ver­wen­dung als Ge­mein­na­me an­heim­ge­fal­len ist, ist es kei­ne Zeit­ver­geu­dung, ei­nen ei­ge­nen Ge­brauch für ihn wie­der­zu­fin­den.

Et quand un nom est res­té as­sez prop­re, n’hésitez pas, pre­nez ex­emp­le et ap­pe­lez la cho­se par son nom : La cho­se freu­di­en­ne par ex­emp­le, com­me j’ai fait ; vous le sa­vez – j’aime à l’imaginer tout au moins.

Wenn ein Name je­doch hin­rei­chend ei­gen ge­blie­ben ist, zö­gern Sie nicht, neh­men Sie sich ein Bei­spiel und nen­nen Sie die Sa­che mit ih­rem Na­men, die Freud’sche Sa­che bei­spiels­wei­se, wie ich’s ge­tan habe; Sie wis­sen das – zu­min­dest stel­le ich mir das gern vor.9

J’y re­vi­en­d­rai la pro­chai­ne fois.

Das nächs­te Mal wer­de ich dar­auf zu­rück­kom­men.

Nom­mer quel­que cho­se, c’est un ap­pel.

Et­was zu be­nen­nen ist eine Auf­for­de­rung.

Si bien que lorsque j’ai écrit La Cho­se en ques­ti­on – freu­di­en­ne – se lève et fait son nu­mé­ro.

So also, dass, als ich ge­schrie­ben habe, die be­tref­fen­de Sa­che, die Freud’sche, sich er­hebt und ihre Num­mer ab­zieht.

Ce n’est pas moi qui le lui dic­te.

Das bin nicht ich, der ihr das dik­tiert.

Ce se­rait même de tout re­pos, de ce re­pos der­nier au sem­blant de quoi tant de vies s’astreignent, si je n’étais pas com­me hom­me, mas­cu­lin, ex­po­sé là sous le vent de la cas­tra­ti­on, re­li­sez mon tex­te.

Es wür­de so­gar Ruhe herr­schen, die­se letz­te Ruhe, in de­ren Schein (sem­blant) so vie­le Le­ben sich ab­mü­hen, wenn ich als Mann da nicht dem Wind der Kas­tra­ti­on aus­ge­setzt wäre; le­sen Sie mei­nen Text wie­der.

Elle, la vé­rité, mon im­baisa­ble par­ten­ai­re, elle est cer­tes dans le même vent elle le por­te même : « être dans le vent » c’est ça, mais ce vent ne lui fait ni chaud, ni fro­id, pour la rai­son que la jouis­sance, c’est très peu pour elle, puis­que la vé­rité, c’est qu’elle la lais­se au sem­blant.

Sie, die Wahr­heit, mei­ne un­fick­ba­re Part­ne­rin, ist si­cher­lich dem­sel­ben Wind aus­ge­setzt, sie trägt ihn so­gar; im Wind sein / in Mode sein (être dans le vent), das ist es, aber die­ser Wind macht die Wahr­heit we­der heiß noch kalt, aus dem Grun­de, weil das Ge­nie­ßen für sie sehr we­nig ist, denn mit der Wahr­heit ist es so, dass sie das Ge­nie­ßen dem Schein über­lässt.

Ce sem­blant a un nom, lui aus­si, re­pris du temps mys­té­rieux de ce que s’y jouas­sent les mys­tè­res, rien de plus, où il nom­mait le savoir sup­po­sé à la fé­con­dité et, com­me tel, of­fert à l’adoration sous la fi­gu­re d’un sem­blant d’organe.

Die­ser Schein, auch er hat ei­nen Na­men, aus der mys­te­riö­sen Zeit über­nom­men, als hier die Mys­te­ri­en auf­ge­führt wur­den, nichts mehr, wo er das der Frucht­bar­keit un­ter­stell­te Wis­sen be­nann­te, als sol­ches der An­be­tung dar­ge­bo­ten in Ge­stalt ei­nes Scheins des Or­gans.10

 

Le sem­blant, dé­non­cé par la vé­rité pure, est, il faut le re­con­naît­re, « as­sez-phal­le », as­sez in­téres­sé dans ce qui pour nous s’amorce par la ver­tu du coït, à savoir la sélec­tion des gé­no­ty­pes avec la re­pro­duc­tion du phé­no­ty­pe qui s’ensuit, as­sez in­téres­sé donc pour mé­ri­ter ce nom an­tique de phal­lus, bien qu’il soit clair que l’héritage qu’il cou­vre main­tenant se ré­du­it à l’acéphalie de cet­te sélec­tion, soit l’impossibilité de sub­or­don­ner la jou­is–| [148] sance dite se­xu­el­le à ce qui sub rosa spé­ci­fie­r­ait le choix de l’homme et de la femme, pris com­me por­teurs cha­cun d’un lot pré­cis de gé­no­ty­pes, puisqu’au meilleur cas c’est le phé­no­ty­pe qui gui­de ce choix.

Der Schein, der von der rei­nen Wahr­heit an­ge­pran­gert wird, ist, das muss man er­ken­nen, as­sez-phal­le, hin­rei­chend phal­lisch / ake­phal11, hin­rei­chend an dem be­tei­ligt, was ver­mö­ge des Ko­itus bei uns in Gang kommt, näm­lich die Se­lek­ti­on der Ge­no­ty­pen mit der an­schlie­ßen­den Re­pro­duk­ti­on des Phä­no­typs, hin­rei­chend dar­an be­tei­ligt also, um den an­ti­ken Na­men des Phal­lus zu ver­die­nen, ob­wohl klar ist, dass das Erbe, das er be­klei­det, sich heut­zu­ta­ge auf die Ake­pha­lie die­ser Se­lek­ti­on re­du­ziert, näm­lich auf die Un­mög­lich­keit, das so­ge­nann­te se­xu­el­le Ge­nie­ßen dem un­ter­zu­ord­nen, was sub rosa die Wahl des Man­nes und der Frau spe­zi­fi­zie­ren wür­de, bei­de als Trä­ger ei­nes prä­zi­sen Sat­zes von Ge­no­ty­pen ge­nom­men, da es bes­ten­falls der Phä­no­typ ist, der die­se Wahl an­lei­tet.

À la vé­rité, c’est le cas de le dire, un nom prop­re – car c’en est en­co­re un, le phal­lus – n’est tout à fait sta­ble que sur la car­te où il dé­si­gne un dé­sert : c’est les seu­les cho­ses qui sur la car­te ne chan­gent pas de nom.

In Wahr­heit, so muss man wohl sa­gen, ist ein Ei­gen­na­me – denn auch er ist ei­ner, der Phal­lus – nur auf der Kar­te sta­bil, auf der er eine Wüs­te be­zeich­net; das sind die ein­zi­gen Sa­chen, die auf ei­ner Kar­te den Na­men nicht wech­seln.

Il est re­mar­quable que même les dé­serts pro­du­its au nom d’une re­li­gi­on, ce qui n’est pas rare, ne so­i­ent ja­mais dé­si­gnés du nom qui fut pour eux dé­va­s­ta­teur.

Es ist be­mer­kens­wert, dass selbst die Wüs­ten, die im Na­men ei­ner Re­li­gi­on er­zeugt wur­den, was nicht sel­ten ist, nie­mals mit dem Na­men be­zeich­net wer­den, der für sie ver­hee­rend war.

Un dé­sert ne se reb­ap­ti­se qu’à être fé­con­dé.

Eine Wüs­te wird nur dann um­ge­tauft, wenn sie frucht­bar ge­macht wor­den ist.

Ce n’est pas le cas dans la jouis­sance se­xu­el­le, que le pro­grès de la sci­ence ne sem­ble pas con­quér­ir au savoir.

Nicht so ist es beim se­xu­el­len Ge­nie­ßen, das der Fort­schritt der Wis­sen­schaft für das Wis­sen nicht zu er­obern scheint.

C’est par cont­re du bar­ra­ge qu’elle con­sti­tue à l’avènement du rap­port se­xu­el dans le dis­cours que sa place s’y est évi­dée, jusqu’à de­ve­nir, dans la psy­chana­ly­se, évi­den­te.

Viel­mehr bil­det die­ses Ge­nie­ßen ein Hin­der­nis für die An­kunft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses im Dis­kurs, wes­halb hier sein Platz ge­leert (évi­dée) wor­den ist, bis da­hin, in der Psy­cho­ana­ly­se evi­dent zu wer­den (évi­den­te).

Tel­le est, au sens que ce mot a dans le pas lo­gi­que de Fre­ge, Die Be­deu­tung des Phal­lus.

Sol­cher­art ist – in dem Sinn, den die­ses Wort bei dem Schritt hat, den Fre­ge in der Lo­gik ge­gan­gen ist – *Die Be­deu­tung des Phal­lus*.12

C’est bien pour­quoi – j’ai mes ma­li­ces, hein ! – c’est en Al­le­ma­gne, par­ce qu’en al­le­mand, que j’ai por­té le mes­sa­ge à quoi répond dans mes Écrits ce tit­re, et ce au nom du cen­te­n­ai­re de la nais­sance de Freud.

Und eben des­halb– ich habe auch mei­ne Tricks, nicht wahr? – war es Deutsch­land, eben auf deutsch, wo­hin ich die Bot­schaft ge­tra­gen habe, auf die in mei­nen Schrif­ten die­ser Ti­tel ant­wor­tet, und das im Na­men der Hun­dert­jahr­fei­er von Freuds Ge­burt.

Il fut beau de tou­cher, en ce pays élu pour qu’y ré­son­nât ce mes­sa­ge, la si­dé­ra­ti­on qu’il pro­du­i­sit.

Es war schön, in die­sem Land, dazu aus­er­wählt, dass die­se Bot­schaft hier Re­so­nanz fän­de, die Er­star­rung zu spü­ren, die sie her­vor­rief.

On ne peut pas avoir l’idée main­tenant, par­ce que vous vous ba­la­dez tous avec des ma­ch­ins com­me ça sous le bras ; à ce mo­ment-là, ça fai­sait un ef­fet, Die Be­deu­tung des Phal­lus.

Jetzt kann man sich kei­ne Vor­stel­lung da­von ma­chen, da Sie alle mit Sa­chen wie der da un­ter dem Arm her­um­lau­fen13; in je­nem Mo­ment hat­te das eine Wir­kung, *Die Be­deu­tung des Phal­lus*.

Dire que je m’attendais à ça ne se­rait rien dire, du moins dans ma bou­che14 ; ma force est de savoir ce qu’attendre si­gni­fie.

Zu sa­gen, dass ich das er­war­tet hat­te, hie­ße, nichts zu sa­gen, zu­min­dest in mei­nem Mun­de; mei­ne Stär­ke be­steht dar­in, zu wis­sen, was er­war­ten be­deu­tet.

Pour la si­dé­ra­ti­on en ques­ti­on, je ne mets pas ici dans le coup les vint-cinq ans de cré­ti­ni­sa­ti­on ra­tée15, cela se­rait con­s­a­crer que ces vint-cinq ans triom­phent par­tout.

Was die er­wähn­te Er­star­rung an­geht, be­zie­he ich hier die fünf­und­zwan­zig Jah­re ge­schei­ter­ter Kre­ti­ni­sie­rung nicht mit ein, denn das hie­ße zu be­sie­geln, dass die­se fünf­und­zwan­zig Jah­re über­all tri­um­phie­ren.16

Plu­tôt in­sis­te­rai-je sur ce que Die Be­deu­tung des Phal­lus est en réa­lité un pléo­nas­me : il n’y a pas dans le lan­ga­ge d’autre Be­deu­tung que le phal­lus.

Viel­mehr wer­de ich dar­auf be­stehen, dass *Die Be­deu­tung des Phal­lus*in Wirk­lich­keit ein Pleo­nas­mus ist – in der Spra­che gibt es kei­ne an­de­re Be­deu­tung* als den Phal­lus.17

Le lan­ga­ge dans sa fonc­tion d’existant ne con­no­te en der­niè­re ana­ly­se – j’ai dit « con­no­te » hein ! – que l’impossibilité de sym­bo­li­ser le rap­port se­xu­el chez les êtres qui l’habitent, qui ha­bi­tent le lan­ga­ge, oui, en rai­son de ce que c’est de cet ha­bi­tat qu’ils ti­en­nent la pa­ro­le.

In ih­rer Funk­ti­on als Exis­tie­ren­de kon­no­tiert die Spra­che letzt­lich (en der­niè­re ana­ly­se) – ich habe „kon­no­tiert“ ge­sagt, aha! –, letzt­lich nur die Un­mög­lich­keit, das se­xu­el­le Ver­hält­nis bei den We­sen zu sym­bo­li­sie­ren, die sie be­woh­nen, die die Spra­che be­woh­nen, ja, auf­grund des­sen, dass sie von die­ser Woh­nung aus das Wort er­grei­fen.

Et qu’on n’oublie pas ce que j’ai dit de ce que la pa­ro­le dès lors n’est pas leur pri­vilè­ge, à ces êtres qui l’habitent, qui | [149] l’évoquent, la pa­ro­le, dans tout ce qu’ils do­mi­nent par l’effet du dis­cours.

Und man ver­ges­se nicht, was ich dar­über ge­sagt habe, dass das Spre­chen von da­her nicht ihr Vor­recht ist, dass es nicht das Vor­recht der We­sen ist, die sie be­woh­nen, sie, die in al­lem, was sie durch die Wir­kung des Dis­kur­ses be­herr­schen, das Spre­chen her­vor­ru­fen.

Cela com­mence par ma chi­en­ne par ex­emp­le, cel­le dont j’ai long­temps par­lé, et ça va très, très loin.

Das fängt bei­spiels­wei­se bei mei­ner Hün­din an, von der ich lan­ge ge­spro­chen habe, und das geht sehr, sehr weit.18

« Le si­lence éter­nel », com­me di­sait l’autre, « des es­paces in­fi­nis» n’aura pas, com­me beau­coup d’autres éter­nités, duré plus qu’un in­stant.

Das ewi­ge Schwei­gen“, wie mal je­mand ge­sagt hat, „un­end­li­cher Räu­me“ – es wird, wie vie­le an­de­re Ewig­kei­ten, nicht län­ger als ei­nen Au­gen­blick ge­dau­ert ha­ben.19

Ça par­le va­che­ment dans la zone de la nou­vel­le as­tro­no­mie, cel­le qui s’est ou­ver­te tout de sui­te après ce menu pro­pos de Pas­cal.

Die­ses Spre­chen macht mäch­tig was her in der Zone der neu­en As­tro­no­mie, der­je­ni­gen, die sich so­fort nach Pas­cals klei­ner Be­mer­kung auf­ge­tan hat.

C’est de ce que le lan­ga­ge n’est con­sti­tué que d’une seu­le Be­deu­tung, qu’il tire sa struc­tu­re, laquel­le con­sis­te en ce qu’on ne puis­se, de ce qu’on l’habite, en user que : pour la mé­ta­pho­re d’où ré­sul­tent tou­tes les in­sa­nités my­thi­ques dont viv­ent ses ha­bi­tants, pour la mé­tony­mie dont ils pren­nent le peu de réa­lité qui leur res­te sous la for­me du plus-de-jouir.

Von da­her, dass die Spra­che nur von ei­ner ein­zi­gen Be­deu­tung* her ge­bil­det wird, be­zieht sie ihre Struk­tur, die dar­in be­steht, dass man das, was man be­wohnt, nur für die Me­ta­pher ver­wen­den kann, wor­aus all die my­thi­schen Un­sin­nig­kei­ten her­vor­ge­hen, von de­nen ihre Be­woh­ner le­ben, so­wie für die Me­t­ony­mie, von der sie das biss­chen Rea­li­tät neh­men, das ih­nen in Ge­stalt der Mehr­lust bleibt.20

Or ceci que je vi­ens de dire, ne se si­gne que dans l’histoire et à par­tir de l’apparition de l’écriture, laquel­le n’est ja­mais simp­le in­scrip­ti­on, fût-ce dans les ap­pa­ren­ces de ce qui se pro­meut de l’audiovisuel.

Dies aber, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, wird nur in der Ge­schich­te un­ter­schrie­ben und aus­ge­hend vom Er­schei­nen der Schrift (éc­ri­tu­re), die nie­mals ein­fa­ches Auf­schrei­ben ist, auch nicht in den Er­schei­nun­gen des­sen, was sich an Au­dio­vi­su­el­lem ent­wi­ckelt.

L’écriture n’est ja­mais, de­pu­is ses ori­gi­nes jusqu’à ses der­niers pro­téis­mes tech­ni­ques, que quel­que cho­se qui s’articule com­me os dont le lan­ga­ge se­rait la chair.

Von ih­ren Ur­sprün­gen bis zu ih­ren letz­ten tech­ni­schen Pro­teis­men ist die Schrift im­mer nur et­was, das sich als der Kno­chen ar­ti­ku­liert, von dem die Spra­che (lan­ga­ge) das Fleisch wäre.

C’est bien en cela qu’elle dé­mont­re que la jouis­sance se­xu­el­le n’a pas d’os, ce dont on se dou­tait par les mœurs de l’organe qui en don­ne chez le mâle par­lant une fi­gu­re co­mi­que.

Eben dar­in de­mons­triert sie, die Schrift, dass das se­xu­el­le Ge­nie­ßen kei­nen Kno­chen hat, was zu ah­nen war, auf­grund des Ge­ba­rens des Or­gans, das beim spre­chen­den Männ­chen da­für eine ko­mi­sche Fi­gur ab­gibt.

Mais l’écriture, elle, pas le lan­ga­ge, l’écriture don­ne os à tou­tes les jouis­sances qui, de par le dis­cours, s’avèrent s’ouvrir à l’être par­lant.

Aber die Schrift, nicht die Spra­che, die Schrift gibt Kno­chen all den Ge­nüs­sen, die sich dem spre­chen­den We­sen durch den Dis­kurs er­öff­nen.

Leur don­nant os, elle sou­li­gne ce qui y était cer­tes ac­ces­si­ble, mais mas­qué, à savoir que le rap­port se­xu­el fait dé­faut au champ de la vé­rité en ce que le dis­cours qui l’instaure ne pro­cè­de que du sem­blant à ne fray­er la voie qu’à des jouis­sances qui par­odient – c’est le mot prop­re – cel­le qui y est ef­fec­tive mais qui lui de­meu­re étran­gè­re.

In­dem sie ih­nen Kno­chen gibt, hebt sie et­was her­vor, was hier si­cher­lich zu­gäng­lich war, je­doch mas­kiert, näm­lich dass im Fel­de der Wahr­heit das se­xu­el­le Ver­hält­nis fehlt, in­so­fern der Dis­kurs, der das Feld der Wahr­heit ein­setzt, nur vom Schein aus­geht, um nur sol­chen Ge­nüs­sen den Weg zu bah­nen, die das Ge­nie­ßen par­odie­ren – das ist das rich­ti­ge Wort –, das hier wirk­sam ist, ihm aber fremd bleibt.

Tel est l’Autre de la jouis­sance : à ja­mais in­ter-dit ce­lui dont le lan­ga­ge ne per­met l’habitation qu’à le four­nir – pour­quoi n’emploierais-je pas cet­te image ? – de sca­phand­res.

Sol­cher­art ist das An­de­re des Ge­nie­ßens, auf im­mer un­ter-sagt, das­je­ni­ge Ge­nie­ßen, das zu be­woh­nen die Spra­che nur er­laubt, in­dem sie es – war­um soll­te ich die­ses Bild nicht ver­wen­den? – mit Ska­phan­dern ver­sieht.21

Peut-être que ça vous dit quel­que cho­se, cet­te image – il y en a tout de même quel­ques-uns d’entre vous qui ne sont pas as­sez oc­cup­és par leurs fonc­tions de syn­di­cats pour être tout de même émus de nos ex­ploits lu­n­ai­res.

Viel­leicht sagt Ih­nen die­ses Bild et­was, nicht wahr – im­mer­hin gibt es un­ter Ih­nen ei­ni­ge, die von ih­ren Ge­werk­schafts­auf­ga­ben nicht so stark in An­spruch ge­nom­men sind, dass un­se­re Hel­den­ta­ten auf dem Mond sie nicht be­we­gen wür­den.22

Il y a long­temps que l’homme rêve à la lune, il y a mis le pied main­tenant.

Seit lan­gem schon träumt der Mensch vom Mond, jetzt hat er den Fuß dar­auf ge­setzt.23

[150] Pour bien se rend­re comp­te de ce que cela veut dire, il faut fai­re com­me j’ai fait : re­ve­nir du Ja­pon.24

Um sich klar dar­über zu wer­den, was das be­deu­tet, muss man’s ma­chen wie ich’s ge­macht habe: aus Ja­pan zu­rück­keh­ren.

C’est là qu’on se rend comp­te que rê­ver à la lune, c’était vrai­ment une fonc­tion.

Dort hat man be­grif­fen, dass über den Mond nach­zu­sin­nen wirk­lich eine Auf­ga­be war.25

Il y a un per­son­na­ge dont je ne di­rai pas le nom – je ne veux pas fai­re ici d’érudition – qui est en­co­re là, en­fer­mé, c’est ex­ac­te­ment lui – on se rend bien comp­te de ce que cela veut dire, per­so­na, c’est la per­son­ne même c’est son mas­que qui est là, en­fer­mé dans une pe­ti­te ar­moi­re ja­po­nai­se, on le mont­re aux tou­ris­tes.

Es gibt eine Per­son, de­ren Na­men ich nicht nen­ne wer­de – ich möch­te hier nicht in Ge­lehr­sam­keit ma­chen –, die noch dort ist, ein­ge­schlos­sen; das ist ge­nau sie, man hat wirk­lich be­grif­fen, was das be­deu­tet, per­so­na, das ist die Per­son selbst, das ist ihre Mas­ke, die dort in ei­nen klei­nen ja­pa­ni­schen Schrank ein­ge­schlos­sen ist, man zeigt sie den Tou­ris­ten.26

On sait que c’est lui, en­fin, de l’endroit, à dix mè­tres, où il se mont­re – cela se trouve dans un endroit qui s’appelle le Pa­vil­lon d’Argent, à Kyo­to – qui rêvait à la lune.

Man weiß, dass er es ist, nun ja, der von dem zehn Me­ter ho­hen Ort aus, wo er sich zeigt – man fin­det das an ei­nem Ort, der „Sil­ber­pa­vil­lon“ ge­nannt wird, in Kyo­to –, der von dort über den Mond nach­sann.

Nous ai­mons à cro­i­re qu’il la con­tem­plait as­sez phal­li­que.

Wir glau­ben gern, dass er über ihn ake­phal / hin­rei­chend phal­lisch nach­sann.

Nous ai­mons à le cro­i­re en­fin, cela nous lais­se tout de même dans l’embarras, on ne se rend plus bien comp­te.

Wir glau­ben das ja gern, aber das bringt uns gleich­wohl in Ver­le­gen­heit, man kann sich das nicht mehr recht klar­ma­chen.

Le che­min par­cou­ru n’est-ce pas pour l’inscrire, pour se ti­rer de cet em­bar­ras ?

Ist der durch­lau­fe­ne Weg nicht dazu da, um es auf­zu­schrei­ben, um sich aus die­ser Ver­le­gen­heit zu zie­hen?

Graph des Be­geh­rens

Il faut com­prend­re que c’est l’accomplissement du si­gni­fi­ant de A bar­ré de mon gra­phe [S(Ⱥ)].27

Man muss be­grei­fen, dass dies die Leis­tung des Si­gni­fi­kan­ten des aus­ge­stri­che­nen An­de­ren mei­nes Gra­phen ist [S(Ⱥ)].28

Bon, tout cela est un ba­di­na­ge, je vous de­man­de par­don, c’est un ba­di­na­ge-si­gnal, si­gnal pour moi bien sûr, qui m’avertit que je frô­le le struc­tu­ra­lis­me. [Ge­läch­ter]

Gut, all das ist ein Scherz, ich bit­te Sie um Ver­zei­hung, das ist ein Scherz­si­gnal, ein Si­gnal für mich na­tür­lich, das mich warnt, dass ich den Struk­tu­ra­lis­mus strei­fe. [Ge­läch­ter]

Si je suis for­cé de le frô­ler com­me cela, na­tu­rel­le­ment c’est pas de ma fau­te.

Wenn ich ge­zwun­gen bin, ihn in die­ser Wei­se zu strei­fen, ist das na­tür­lich nicht mein Feh­ler.                                      

Je m’en dé­char­ge­rai – ce sera à vous d’en ju­ger – sur la si­tua­ti­on que je su­bis.

Ich wer­de das von mir ab­schie­ben – Ihre Sa­che wird es sein, das zu be­ur­tei­len –, auf die Si­tua­ti­on, der ich aus­ge­setzt bin. 

Le temps pas­se, et na­tu­rel­le­ment je dois me pres­ser un peu, de sor­te que je suis for­cé d’abréger un peu, d’autant que cela va de­ve­nir plus dif­fi­ci­le à sui­v­re, mon écrit.

Die Zeit ver­geht, und na­tür­lich muss ich mich ein we­nig spu­ten, der­art, dass ich ge­zwun­gen bin, ein we­nig ab­zu­kür­zen, zu­mal es schwie­ri­ger sein wird, mei­nem Ge­schrie­be­nen zu fol­gen.

Mais cet­te si­tua­ti­on que je su­bis, je vais l’épingler, je vais l’épingler de quel­que cho­se qui ne va pas vous ap­pa­raît­re tout de sui­te, mais que j’aurai à dire d’ici qu’on se quit­te dans huit jours, c’est que je l’épinglerai du re­fus de la per­for­mance.

Aber die­se Si­tua­ti­on, der ich aus­ge­setzt bin, ich will sie fest­ma­chen, ich will sie an et­was fest­ma­chen, was Ih­nen nicht so­fort of­fen­kun­dig er­schei­nen wird, was ich aber wer­de sa­gen müs­sen, von hier bis man sich in acht Ta­gen trennt, näm­lich dass ich es an der Ab­leh­nung der Per­form­anz fest­ma­chen will.29

C’est une ma­la­die, une ma­la­die d’époque, sous les fourch­es de laquel­le il faut bien pas­ser, puis­que ce re­fus con­sti­tue le cul­te de la com­pé­tence, c’est-à-dire de la cer­tai­ne idéa­lité dont je suis ré­du­it, avec d’ailleurs beau­coup de champs de la sci­ence, à m’autoriser de­vant vous.

Das ist eine Krank­heit, eine Krank­heit der Epo­che, un­ter de­ren Joch man wirk­lich hin­durch­ge­hen muss, denn die­se Ver­wei­ge­rung kon­sti­tu­iert den Kult der Kom­pe­tenz, das heißt die­ser be­stimm­ten Idea­li­tät, auf die ich, um mich vor Ih­nen zu au­to­ri­sie­ren, re­du­ziert bin, üb­ri­gens zu­sam­men mit vie­len Wis­sen­schafts­be­rei­chen.30

Le ré­sul­tat, ça, c’est des an­ec­do­tes.

Das Er­geb­nis, das sind An­ek­do­ten.

Mes Écrits sont par ex­emp­le … on en tra­du­it un en anglais, Fonc­tion et champ de la pa­ro­le et du lan­ga­ge, on le tra­du­it par The lan­gua­ge of the self. [Ge­läch­ter]

Mei­ne Schrif­ten bei­spiels­wei­se, man über­setzt eine da­von ins Eng­li­sche, Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che, man über­setzt das mit The lan­gua­ge of the self.31 [Ge­läch­ter]

Je vi­ens d’apprendre qu’en es­pa­gnol on a fait aus­si quel­que cho­se dans ce gen­re-là ; une tra­duc­tion d’un cer­tain nom­bre <de mes écrits>, c’est in­ti­tu­lé As­pects struc­tu­ra­lis­tes de Freud, en­fin quel­que cho­se com­me ça, en­fin lais­sons. [Ge­läch­ter]

Ge­ra­de habe ich er­fah­ren, dass man auf Spa­nisch eben­falls et­was in die­ser Art ge­macht hat; eine Über­set­zung ei­ner ge­wis­sen An­zahl <mei­ner Schrif­ten>, das hat den Ti­tel Struk­tu­ra­lis­ti­sche As­pek­te von Freud, also et­was von die­ser Art, also las­sen wir das.32 [Ge­läch­ter]

La com­pé­tence n’existe que de ce que c’est dans l’incompétence qu’elle prend as­si­et­te à se pro­po­ser sous for­me d’idéalité à son cul­te.

Die Kom­pe­tenz exis­tiert nur von da­her, dass sie sich in der In­kom­pe­tenz ein­rich­tet, um sich in Ge­stalt der Idea­li­tät der Ver­eh­rung an­zu­bie­ten.

C’est com­me cela qu’elle va aux con­ces­si­ons, et je vais vous en don­ner un ex­emp­le : la phra­se par laquel­le j’ai com­men­cé : « L’homme et la femme peu­vent s’entendre, je ne dis pas non …», eh bien voi­là, c’était pour vous do­rer la pi­lu­le !

Auf die­se Wei­se führt sie zu Kon­zes­sio­nen, und ich wer­de Ih­nen ein Bei­spiel da­für ge­ben: Der Satz, mit dem ich be­gon­nen habe, „Der Mann und die Frau kön­nen sich hören/verstehen, ich sage nicht nein“, nun ja, das war, um Ih­nen die Pil­le zu ver­gol­den.

Et la pi­lu­le ça n’arrange rien, hein ! [Ge­läch­ter]

Und die Pil­le, das bringt nichts in Ord­nung, nicht wahr. [Ge­läch­ter]

La no­ti­on for­gée du ter­me de « struc­tu­ra­lis­me » ten­te de pro­lon­ger la | [151] dé­lé­ga­ti­on fai­te à un temps à cer­ta­ins spé­cia­lis­tes, les spé­cia­lis­tes de la vé­rité, la dé­lé­ga­ti­on d’un cer­tain vide qui s’aperçoit dans la ra­ré­fac­tion de la jouis­sance.

Der mit dem Ter­mi­nus „Struk­tu­ra­lis­mus“ ge­präg­te Be­griff ver­sucht, die De­le­gie­rung zu ver­län­gern, die ein­mal mit ge­wis­sen Spe­zia­lis­ten vor­ge­nom­men wur­de, mit den Spe­zia­lis­ten der Wahr­heit, die De­le­gie­rung ei­ner be­stimm­ten Lee­re, die in der Ver­knap­pung des Ge­nie­ßens wahr­ge­nom­men wird.

C’est ce vide qu’avait re­le­vé, sans fard33, l’existentialisme après que la phé­no­mé­no­lo­gie – la phé­no­mé­no­lo­gie, hein : bien plus faux-je­ton – eût jeté le gant de34 ses ex­er­ci­ces re­spi­ra­toires. [Ge­läch­ter]

Die­se Lee­re ist es, die der Exis­ten­zia­lis­mus un­miss­ver­ständ­lich auf­ge­grif­fen hat, nach­dem die Phä­no­me­no­lo­gie – die Phä­no­me­no­lo­gie, na ja, noch mehr Falsch­geld – den Feh­de­hand­schuh ih­rer Atem­übun­gen ge­wor­fen hat­te. [Ge­läch­ter]

Elle oc­cup­ait les lieux lais­sés dé­serts par la phi­lo­so­phie, par­ce que ce n’était pas des lieux ap­pro­priés.

Sie be­setz­te die Orte, die die Phi­lo­so­phie leer zu­rück­ge­las­sen hat­te, da es kei­ne an­ge­mes­se­nen Orte wa­ren.

Ac­tu­el­le­ment, ils sont tout jus­te bons au mé­mo­ri­al de sa cont­ri­bu­ti­on, qui n’est pas min­ce, à la phi­lo­so­phie, au dis­cours du maît­re qu’elle a dé­fi­ni­ti­ve­ment sta­bi­li­sé de l’appui de la sci­ence.

Ge­gen­wär­tig sind sie nur noch dazu gut, sei­nes Bei­trags zur Phi­lo­so­phie zu ge­den­ken, der nicht ge­ring ist, zum Dis­kurs des Herrn, den sie sie durch die Stüt­ze der Wis­sen­schaft de­fi­ni­tiv sta­bi­li­siert hat.

Marx ou pas, et qu’il l’ait ba­lan­cée sur les pieds ou sur la tête, la phi­lo­so­phie, il est cer­tain que la phi­lo­so­phie en tout cas, elle, n’était pas « as­sez … phal­le ».

Marx oder nicht, und ob er sie nun auf die Füße oder auf den Kopf ge­stellt hat, es ist si­cher, dass je­den­falls die Phi­lo­so­phie nicht ake­phal / nicht hin­rei­chend phal­lisch war.35

Qu’on ne comp­te pas sur moi pour struc­tu­ra­li­ser l’affaire de la vie im­pos­si­ble, com­me si ce n’était pas de là qu’elle avait chan­ce, la vie, de fai­re la preuve de son réel.

Man möge nicht mit mir rech­nen, um die Sa­che des un­mög­li­chen Le­bens zu struk­tu­ra­li­sie­ren, als hät­te das Le­ben nicht von da­her die Chan­ce, den Be­weis für sein Rea­les zu er­brin­gen.

Ma pro­so­po­pée es­bau­dis­san­te du « Je par­le… » dans l’écrit cité tout à l’heure, La cho­se freu­di­en­ne, pour être mise au comp­te rhé­to­ri­que d’une « vé­rité en per­son­ne », ne me fait pas choir là d’où je la tire : du puits36.

Mei­ne er­götz­li­che Pro­so­popöie des „Ich spre­che“ in der eben zi­tier­ten Schrift Die Freud’sche Sa­che lässt mich, auch wenn sie rhe­to­risch ei­ner „Wahr­heit in Per­son“ zu­ge­schrie­ben wird, nicht dort stür­zen, wo ich sie her­aus­zie­he: aus Brun­nen.

Rien n’est dit là de ce que par­ler veut dire : la di­vi­si­on sans re­mè­de de la jouis­sance et du sem­blant.

Nichts ist dort ge­sagt über das, was Spre­chen be­deu­tet: die un­ab­än­der­li­che Spal­tung von Ge­nie­ßen und Schein.

La vé­rité, c’est de jouir à fai­re sem­blant et de n’avouer en au­cun cas que la réa­lité de cha­cu­ne de ces deux moi­tiés ne prédo­mi­ne qu’à s’affirmer d’être de l’autre, soit à men­tir à jets al­ter­nés.

Die Wahr­heit be­steht dar­in, es zu ge­nie­ßen, ei­nen Schein zu ma­chen / et­was vor­zu­täu­schen, und auf kei­nen Fall zu­zu­ge­ben, dass die Rea­li­tät je­der die­ser bei­den Hälf­ten nur von da­her do­mi­niert, dass sie von sich be­haup­tet, von der an­de­ren Hälf­te zu sein, also ab­wech­selnd zu lü­gen.

Tel est le mi-dit de la vé­rité.

Sol­cher­art ist das Halb­ge­sag­te der Wahr­heit.37

Son as­tro­no­mie est équa­to­ria­le, soit déjà tout à fait pé­ri­mée quand elle naquit du coup­le nuit-jour.

Ihre As­tro­no­mie ist äqua­to­ri­al, das heißt, be­reits gänz­lich über­holt, als sie vom Paar Tag-Nacht ge­bo­ren wur­de.

Une as­tro­no­mie ça s’arraisonne de se so­u­mett­re aux sai­sons, s’assaisonner.

Eine As­tro­no­mie wird zum arä­sona­blen Ge­stell, wenn sie sich der Sai­son un­ter­wirft, wenn sie sai­sona­bel wird.38

Ceci est une al­lu­si­on à l’astronomie chi­noi­se qui, elle, était équa­to­ria­le, mais qui n’a rien don­né.

Das ist eine An­spie­lung auf die chi­ne­si­sche As­tro­no­mie, die äqua­to­ri­al war, aber nichts ge­bracht hat.39

La cho­se dont il s’agit, ce n’est pas sa com­pé­tence de lin­gu­is­te – et pour cau­se – qui, à Freud, en a tra­cé les vo­ies.

Die Sa­che, um die es sich han­delt – bei Freud war es nicht sei­ne Kom­pe­tenz als Lin­gu­ist, und das mit Grund, die ihm die Wege dort­hin ge­bahnt hat.

Ce que je rap­pel­le, moi, c’est que ces vo­ies il n’a pu les sui­v­re qu’à y fai­re preuve, et jusqu’à l’acrobatie, de per­for­man­ces de lan­ga­ge, et que là, seu­le la lin­gu­is­tique per­met de les si­tu­er dans une struc­tu­re en tant qu’elle s’attache, elle, à une com­pé­tence qu’on ap­pel­le une con­sci­ence lin­gu­is­tique qui est tout de même bien re­mar­quable jus­te­ment de ne ja­mais se dé­ro­ber à son en­quête.

Wor­an ich mei­ner­seits er­in­ne­re, ist dies, dass er die­sen We­gen nur hat fol­gen kön­nen, in­dem er hier den Be­weis von Per­form­an­zen der Spra­che er­brach­te, bis hin zur Akro­ba­tik, und dass nur die Lin­gu­is­tik es hier ge­stat­tet, sie in ei­ner Struk­tur zu ver­or­ten, in­dem sie sich an eine Kom­pe­tenz bin­det, die man Sprach­ge­fühl (con­sci­ence lin­gu­is­tique) nennt, das im­mer­hin ge­nau von da­her be­mer­kens­wert ist, sich sei­ner Er­kun­dung nie­mals zu ent­zie­hen.40

[152] Donc ma for­mu­le, que l’inconscient est struc­tu­ré com­me un lan­ga­ge, im­pli­que qu’a mi­ni­ma la con­di­ti­on de l’inconscient, c’est le lan­ga­ge.

Mei­ne For­mel, dass das Un­be­wuss­te wie eine Spra­che (lan­ga­ge) struk­tu­riert ist, im­pli­ziert also, dass eine Mi­ni­mal­be­din­gung des Un­be­wuss­ten die Spra­che ist.

Mais ça n’ôte rien à la por­tée de l’énigme qui con­sis­te en ce que l’inconscient en sa­che plus long qu’il n’en a l’air, puis­que c’est de cet­te sur­pri­se qu’on était par­ti pour le nom­mer com­me on l’a fait.

Aber das nimmt dem Rät­sel nichts von sei­ner Trag­wei­te, dem Rät­sel, wel­ches dar­in be­steht, dass das Un­be­wuss­te weit mehr da­von weiß, als es den An­schein hat, da man von die­ser Über­ra­schung aus­ge­gan­gen war, um es so zu be­nen­nen, wie man es ge­tan hat.

Il en sait, des cho­ses !

Es weiß al­ler­hand!41

Na­tu­rel­le­ment tout de sui­te ça tour­nait court, si on le coif­fait, le pe­tit in­con­sci­ent, de tous les in­stincts qui sont d’ailleurs tou­jours là com­me étei­gnoirs – li­sez n’importe quoi qui se pu­blie hors de mon éco­le.

Na­tür­lich lief das so­fort ins Lee­re, als man das klei­ne Un­be­wuss­te mit sämt­li­chen In­stink­ten aus­stat­te­te, die als Flam­men­tö­ter üb­ri­gens im­mer zur Ver­fü­gung ste­hen – le­sen Sie ir­gend­et­was, was au­ßer­halb mei­ner Schu­le ver­öf­fent­licht wird.

L’affaire était dans le sac, il ne s’agissait plus que d’y mett­re l’étiquette, à l’adresse de la vé­rité pré­cisé­ment, laquel­le la sau­te as­sez, de not­re temps, si je puis dire, pour ne pas dé­dai­gner le mar­ché noir.

Die Sa­che war ge­re­gelt, es ging nur noch dar­um, das Eti­kett an­zu­brin­gen, an die Adres­se der Wahr­heit ge­nau, wo­bei die­se das Eti­kett heut­zu­ta­ge ge­nü­gend über­springt, wenn ich so sa­gen kann, um den Schwarz­markt nicht zu ver­ach­ten.42

J’ai mis des bâ­tons dans l’ornière de sa clan­des­t­in­ité, à mar­te­ler que le savoir en ques­ti­on ne s’analyse que de se for­mu­ler com­me un lan­ga­ge, soit dans une lan­gue par­ti­cu­liè­re, fût-ce à mé­tis­ser cel­le-ci, en quoi d’ailleurs il ne fait rien de plus que ce que les di­tes lan­gues se per­met­tent cour­am­ment, de leur prop­re au­to­rité.

In die Wa­gen­spur ih­rer Ver­bor­gen­heit habe ich Stä­be ge­setzt, um ein­zu­häm­mern, dass das frag­li­che Wis­sen nur von da­her ana­ly­siert wird, dass es als eine Spra­che (lan­ga­ge) for­mu­liert wird, das heißt in ei­ner be­son­de­ren Spra­che (lan­gue par­ti­cu­liè­re), und sei es, um sich mit ihr zu kreu­zen, wo­mit es üb­ri­gens nicht mehr tut als das, was be­sag­te Spra­chen (lan­gues) sich üb­li­cher­wei­se aus ei­ge­ner Be­fug­nis ge­stat­ten.43

Per­son­ne ne m’a re­lan­cé sur ce que sait le lan­ga­ge – « sait » : s-a-i-t – à savoir : Die Be­deu­tung des Phal­lus.

Nie­mand hat mich mit der Fra­ge be­drängt, was die Spra­che (lan­ga­ge) weiß, näm­lich *Die Be­deu­tung des Phal­lus*.

Je l’avais dit, cer­tes, mais per­son­ne ne s’en est aper­çu par­ce que c’était la vé­rité.

Ich habe es ge­sagt, si­cher­lich, aber da es die Wahr­heit war, hat nie­mand es mit­be­kom­men.

Alors qui est-ce qui s’intéresse à la vé­rité ?

Nun, wer in­ter­es­siert sich für die Wahr­heit?

Eh bien, des gens, dont j’ai des­si­né la struc­tu­re de l’image gros­siè­re qu’on trouve dans la to­po­lo­gie à l’usage des fa­mil­les. [La­can zeich­net an der Ta­fel.]

Na ja, Leu­te, de­ren Struk­tur ich mit dem gro­ben Bild ge­zeich­net habe, das man in der To­po­lo­gie für je­der­mann fin­det. [La­can zeich­net an der Ta­fel.]

[153] Voi­là com­ment ça se des­si­ne, dans cet­te to­po­lo­gie à l’usage des fa­mil­les, c’est com­me ça qu’on des­si­ne la bou­teil­le de Klein.

So wird das ge­zeich­net, in der To­po­lo­gie für je­der­mann wird so die Klein­sche Fla­sche ge­zeich­net.

 

Kon­struk­ti­on ei­ner Klein­schen Fla­sche aus ei­ner Röh­re
und Ver­wand­lung in ein Mö­bi­us­band durch ei­nen Schnitt

Il n’y a pas, j’y re­vi­ens, un point de sa sur­face qui ne soit par­tie to­po­lo­gi­que du re­brous­se­ment qui se fi­gu­re ici du cer­cle, ici des­si­né, du cer­cle seul prop­re à don­ner à cet­te bou­teil­le le cul dont les au­tres s’enorgueillissent in­dû­ment, les au­tres bou­teil­les ; el­les ont un cul, Dieu sait pour­quoi ! [Ge­läch­ter]

Es gibt – ich kom­me dar­auf zu­rück – kei­nen Punkt ih­rer Flä­che, der nicht ein to­po­lo­gi­scher Teil des Wen­de­be­reichs wäre, der hier durch den Kreis, der hier ge­zeich­net ist, dar­ge­stellt wird, durch den Kreis, der als ein­zi­ger ge­eig­net ist, die­ser Fla­sche den Bo­den zu ge­ben, auf den die an­de­ren zu Un­recht stolz sind, die an­de­re Fla­schen; sie ha­ben ei­nen Boden/Arsch (cul), Gott weiß war­um.44 [Ge­läch­ter]

Ain­si n’est-ce pas là où on le croit, mais en sa struc­tu­re de su­jet que l’hystérique – j’en vi­ens à une par­tie des gens que je dé­si­gnais à l’instant – con­ju­gue la vé­rité de sa jouis­sance au savoir im­placa­ble qu’elle a que l’autre prop­re à la cau­ser, c’est le phal­lus, soit un sem­blant.

Auf die­se Wei­se ver­bin­det die Hys­te­ri­ke­rin – ich kom­me da­mit zu ei­nem Teil der Leu­te, die ich eben be­zeich­net habe – nicht dort, wo man an­nimmt, son­dern in ih­rer Sub­jekt­struk­tur die Wahr­heit ih­res Ge­nie­ßens mit dem un­er­bitt­li­chen Wis­sen, das sie hat, dass der an­de­re, der ge­eig­net ist, es her­vor­zu­ru­fen, der Phal­lus ist, das heißt ein Schein.

Qui ne com­pren­d­rait la dé­cep­ti­on de Freud, à sai­sir que le pas de gué­ri­son à quoi il par­ve­n­ait avec l’hystérique, n’allait à rien de plus qu’à lui fai­re ré­cla­mer ce dit sem­blant, sou­da­in pour­vu de ver­tus réel­les, de l’avoir ac­cro­ché à ce point de re­brous­se­ment, qui pour n’être pas in­trouva­ble sur le corps – c’est évi­dent – est une fi­gu­ra­ti­on to­po­lo­gi­que­ment tout à fait in­cor­rec­te de la jouis­sance chez une femme.

Wer ver­stün­de nicht Freuds Ent­täu­schung, als ihm klar wur­de, dass der Schritt der Hei­lung, zu dem er mit der Hys­te­ri­ke­rin ge­langt war, nicht wei­ter führ­te als da­hin, sie dazu zu brin­gen, be­sag­ten Schein ein­zu­for­dern, der plötz­lich mit rea­len Tu­gen­den aus­ge­stat­tet war, von da­her, dass er an die­sem Wen­de­punkt auf­ge­hängt wor­den war, der auf dem Kör­per zwar nicht un­auf­find­bar ist, das ist of­fen­sicht­lich, der bei ei­ner Frau aber den­noch eine to­po­lo­gisch ganz un­kor­rek­te Fi­gu­ra­ti­on des Ge­nie­ßens ist.

Mais Freud le sa­vait-il ? on peut se le de­man­der.

Aber wuss­te Freud das? das kann man sich fra­gen.

Dans la so­lu­ti­on im­pos­si­ble de son pro­b­lè­me, c’est à en me­su­rer la cau­se au plus jus­te, soit à en fai­re une jus­te cau­se, que l’hystérique s’accorde de ce45 qu’elle feint être dé­ten­teur46 de ce sem­blant : « au moins un » que j’écris, ai-je be­so­in de le réé­cri­re, « l’hommoinzin » con­for­me à l’os qu’il faut à sa jouis­sance pour qu’elle puis­se le ron­ger.

Bei der un­mög­li­chen Lö­sung ih­res Pro­blems, näm­lich um des­sen Ur­sa­che ge­nau­es­tens (au plus jus­te) zu er­mes­sen, das heißt, um eine ge­rech­te (jus­te) Sa­che dar­aus zu ma­chen, ist die Hys­te­ri­ke­rin da­mit ein­ver­stan­den, dass sie vor­täuscht, Be­sit­ze­rin die­ses Scheins zu sein47: „zu­min­dest ei­ner“ (au moins un), was ich so ge­schrie­ben habe – muss ich es noch ein­mal schrei­ben?: , „hom­moi­n­zin“, in Über­ein­stim­mung mit dem Kno­chen / dem Pro­blem, den es für ihr Ge­nie­ßen braucht, da­mit sie dar­an na­gen kann.48

Cet­te appro­che de « l’hommoinzin » il y a trois fa­çons l’écrire, n’est-ce pas.

Die­ser An­satz mit dem „hom­moi­n­zin“, mit dem zu­min­dest-ei­ner – es gibt drei Ar­ten, das zu schrei­ben, nicht wahr.

An der Ta­fel

au moins un

hom­moi­n­zin

a ∪ moi­n­zin

Il y a la fa­çon or­tho­gra­phi­que com­mu­ne, puisqu’après tout il faut que je vous ex­pli­que : « au moins un ».

Es gibt die üb­li­che or­tho­gra­phi­sche Schreib­wei­se, da ich Ih­nen ja schließ­lich das „au moins un“, das „zu­min­dest ei­ner“, er­läu­tern muss.

Et puis il y a ça [l’hommoinzin] qui a cet­te val­eur ex­pres­si­ve que je sais don­ner tou­jours aux jeux struc­tu­rels49, n’est-ce pas.

Dann gibt es dies hier [hom­moi­n­zin], was den ex­pres­si­ven Wert hat, den ich den struk­tu­rel­len Spie­len im­mer zu ge­ben weiß, nicht wahr.

Et puis, à l’occasion, vous pou­vez quand même le rappro­cher et l’écrire : « a ∪ moi­n­zin» com­me ça pour ne pas ou­blier qu’à l’occasion elle peut fonc­tion­ner com­me ob­jet a.50

Und dann kön­nen Sie es ge­le­gent­lich durch­aus ne­ben­ein­an­der­set­zen und es „a ∪ moi­n­zin“ schrei­ben, so, um nicht zu ver­ges­sen, dass es ge­le­gent­lich als Ob­jekt a fun­gie­ren kann.

Ces appro­ches de « l’hommoinzin » ne pou­vant se fai­re qu’à avou­er, au dit point de mire qu’il prend51 au gré de ses pen­chants, la cas­tra­ti­on dé­li­bé­rée qu’elle lui ré­ser­ve, ses chan­ces sont li­mitées.

Da die­se An­nä­he­run­gen des „hom­moi­n­zin“ nur von da­her voll­zo­gen wer­den kön­nen, dass an be­sag­tem Mess­punkt, den er ab­hän­gig von sei­nen Nei­gun­gen nimmt, die ab­sicht­li­che Kas­tra­ti­on, die sie ihm vor­be­hält, ein­ge­stan­den wird, sind sei­ne Chan­cen be­grenzt.

Il ne faud­rait pas cro­i­re que son suc­cès pas­se par quelqu’un de ces hom­mes, au mas­cu­lin, que le sem­blant em­bar­ras­se plu­tôt, ou qui le préfè­rent plus franc.

Man muss nicht glau­ben, dass ihr Er­folg durch ei­nen der Män­ner zu­stan­de kommt, die der Schein eher in Ver­le­gen­heit bringt oder die ihn of­fe­ner be­vor­zu­gen.

Ceux que je dé­si­gne ain­si ce sont les sa­ges : les ma­so­chis­tes.

Die­je­ni­gen, die ich so be­zeich­ne, sind die Wei­sen: die Ma­so­chis­ten.

Ça si­tue les sa­ges, il faut les ra­me­ner à leur jus­te plan.

Das gibt den Wei­sen ei­nen Platz, man muss sie auf die rich­ti­ge Ebe­ne zu­rück­füh­ren.

Ju­ger ain­si du ré­sul­tat est mé­con­naît­re ce qu’on peut at­tend­re de l’hystérique pour peu qu’elle veuil­le bien s’inscrire dans un dis­cours, | [154] car c’est à ma­ter le maît­re qu’elle est de­sti­née et que, grâce à elle, il se re­jet­te dans le savoir.

So vom Er­geb­nis her zu ur­tei­len, heißt zu ver­ken­nen, was man von der Hys­te­ri­ke­rin er­war­ten kann, wenn sie sich denn in ei­nen Dis­kurs ein­schrei­ben will, denn sie ist dazu be­stimmt, den Herrn matt­zu­set­zen und dass er sich ih­ret­we­gen mit dem Wis­sen be­gnügt.52

Voi­là, je n’apporte ici rien d’autre n’est-ce pas – c’est l’intérêt de cet écrit, c’est qu’il en­gend­re des tas de cho­ses, mais il faut bien savoir où sont les points à re­tenir – rien d’autre que de mar­quer que le dan­ger est le même, à ce car­re­four, que ce­lui que je vi­ens d’épingler d’en être aver­ti, puis­que c’est de là que j’étais par­ti, tout à l’heure. 

Also, ich brin­ge hier nichts an­de­res ein, nicht wahr – das ist der Nut­zen die­ses Schriebs, dass er näm­lich ei­nen Hau­fen Din­ge nach sich zieht, man soll­te je­doch wis­sen, wo die Punk­te sind, die fest­zu­hal­ten sind –, nichts an­de­res als dies, her­vor­zu­he­ben, dass an die­ser Kreu­zung die Ge­fahr die­sel­be ist wie die, die ich vor­hin fest­ge­hal­ten habe, als ich da­vor ge­warnt wur­de, denn von dort bin ich vor­hin aus­ge­gan­gen.53

J’en re­vi­ens au même point, hein, je tourne en rond.

Da­mit kom­me ich auf den­sel­ben Punkt zu­rück, na ja, ich dre­he mich im Kreis.

Ai­mer la vé­rité, même cel­le que l’hystérique in­car­ne – si l’on peut dire, n’est-ce pas ? – soit à lui don­ner ce qu’on n’a pas sous pré­tex­te qu’elle le dé­si­re, c’est très pré­cisé­ment se vou­er à un théât­re dont il est clair qu’il ne peut plus être qu’une fête de cha­rité.

Die Wahr­heit zu lie­ben – selbst die­je­ni­ge, die, wenn man so sa­gen kann, von der Hys­te­ri­ke­rin ver­kör­pert wird, nicht wahr –, ihr also zu ge­ben, was man nicht hat, un­ter dem Vor­wand, dass sie es be­gehrt, das heißt eben dies, sich ei­nem Thea­ter zu wid­men, bei dem klar ist, dass es nicht mehr sein kann als ein Wohl­tä­tig­keits­fest.

Je ne par­le pas seu­le­ment de l’hystérique, je par­le de ce quel­que cho­se qui s’exprime dans, vous di­rais-je com­me Freud, le « ma­lai­se dans le théât­re ».

Ich spre­che nicht nur von der Hys­te­ri­ke­rin, ich spre­che von dem – ich sage es Ih­nen wie Freud –, was sich im „Un­be­ha­gen im Thea­ter“ aus­drückt.

Pour qu’il ti­en­ne en­co­re de­bout il faut Brecht qui a com­pris que ça ne pou­vait pas tenir sans une cer­tai­ne dis­tan­ce, un cer­tain re­f­ro­idis­se­ment.

Da­mit es sich wei­ter­hin auf­recht hält, braucht es Brecht, der be­grif­fen hat­te, dass es nicht ohne eine ge­wis­se Dis­tanz fort­be­stehen konn­te, eine ge­wis­se Ab­küh­lung.

Cet « il est clair » que je vi­ens de dire « qu’il ne peut plus être» est à pro­pre­ment par­ler jus­te­ment un ef­fet d’Auf­klä­rung – à pei­ne croya­ble, n’est-ce pas – lié à l’entrée en scè­ne, si boi­teu­se qu’elle se soit fai­te, du dis­cours de l’analyste.

Die­ses „es ist klar“, was ich ge­ra­de ge­sagt habe, „dass es nicht mehr sein kann“, ist streng ge­sagt ge­nau eine Wir­kung der Auf­klä­rung*, die – kaum glaub­lich, nicht wahr – ver­bun­den ist mit dem Büh­nen­auf­tritt des Dis­kur­ses des Ana­ly­ti­kers, so hin­kend er sich voll­zo­gen ha­ben mag.

Ça a suf­fi à ce que l’hystérique, l’hystérique qua­li­fiée dont je suis en train, vous le sen­tez bien, d’approcher la fonc­tion pour vous, ça a suf­fi à ce que l’hystérique re­non­ce à la cli­ni­que lu­xu­ri­an­te dont elle meu­blait la béan­ce du rap­port se­xu­el.

Das war aus­rei­chend da­für, dass die Hys­te­ri­ke­rin, die qua­li­fi­zier­te Hys­te­ri­ke­rin, de­ren Funk­ti­on ich, wie Sie ja spü­ren, Ih­nen ge­ra­de nah­brin­ge, das war aus­rei­chend da­für, dass die Hys­te­ri­ke­rin die üp­pi­ge Kli­nik zu­rück­weist, mit der sie die Kluft des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses aus­staf­fiert hat­te.54

C’est à prend­re com­me le si­gne [Mur­meln im Hör­saal, dann Ge­läch­ter] – c’est un ex­emp­le ! [Ge­läch­ter] – c’est peut-être à prend­re com­me le si­gne fait à quelqu’un – je par­le de l’hystérique – qu’elle va fai­re mieux que cet­te cli­ni­que ! [Ge­läch­ter]

Das ist als das Zei­chen zu neh­men [Mur­meln im Hör­saal, dann Ge­läch­ter] – das ist ein Bei­spiel! [Ge­läch­ter] –, das ist viel­leicht als das Zei­chen zu neh­men, das je­man­dem ge­ge­ben wird – ich spre­che von der Hys­te­ri­ke­rin –, dass sie et­was Bes­se­res zu­stan­de brin­gen wird als die­se Kli­nik. [Ge­läch­ter]

La seu­le cho­se im­port­an­te ici est ce qui pas­se ina­per­çu, à savoir que je par­le de l’hystérique com­me de quel­que cho­se qui sup­por­te la quan­ti­fi­ca­ti­on.

Das ein­zig Wich­ti­ge ist hier das, was un­be­ach­tet durch­geht, näm­lich dass ich von der Hys­te­ri­ke­rin als von et­was spre­che, wo­durch die Quan­ti­fi­zie­rung ge­stützt wird.

Quel­que cho­se qui s’inscrirait – à m’entendre – d’un A ren­ver­sé de x [∀x], c’est com­me ça que je l’ai écrit au ta­bleau; tou­jours apte en son in­con­nue à fonc­tion­ner dans Φ de x com­me va­ria­ble [∀xx].

Et­was, was – wenn man auf mich hört – mit ei­nem um­ge­kehr­te A von x ge­schrie­ben wür­de [∀x], so habe ich das an die Ta­fel ge­schrie­ben; in ih­rer Un­be­kann­ten im­mer be­reit, als Va­ria­ble in Φ von x zu fun­gie­ren [∀xx].55

C’est bien en ef­fet ce que j’écris et dont il se­rait fa­ci­le, à re­li­re Aris­to­te, de dé­ce­ler quel rap­port à la femme pré­cisé­ment, iden­ti­fiée par lui à l’hystérique – ce qui met plu­tôt les femmes de son épo­que en très bon rang, à tout le moins, el­les étai­ent, pour les hom­mes, sti­mu­lan­tes – dé­ce­ler quel rap­port à la femme iden­ti­fiée à l’hystérique lui a per­mis – c’est un saut – d’instaurer sa lo­gi­que en for­me de pan.

Das ist ja tat­säch­lich das, was ich schrei­be, und wo­bei es leicht wäre, wenn man Aris­to­te­les wie­der­liest, auf­zu­de­cken, wel­ches Ver­hält­nis ge­ra­de zur Frau, die von ihm mit der Hys­te­ri­ke­rin gleich­ge­setzt wird – wo­mit den Frau­en sei­ner Epo­che eher eine sehr gute Stel­lung zu­ge­wie­sen wird, zu­min­dest wa­ren sie für die Män­ner sti­mu­lie­rend –, also auf­zu­de­cken, wel­ches Ver­hält­nis zu der mit der Hys­te­ri­ke­rin gleich­ge­setz­ten Frau es ihm er­mög­licht hat – das ist ein Sprung –, sei­ne Lo­gik in Ge­stalt des pan zu eta­blie­ren.

Le choix de pas, | [155] pan­ta, pan, le choix de ce vo­ca­ble plu­tôt que ce­lui d’ekas­tos pour dé­si­gner la pro­po­si­ti­on uni­ver­sel­le af­fir­ma­ti­ve, com­me la né­ga­ti­ve d’ailleurs, en­fin tou­te cet­te pan-ta­lon­na­de de la pre­miè­re gran­de lo­gi­que for­mel­le, est tout à fait es­sen­ti­el­le­ment lié à l’idée qu’Aristote se fait de la femme.

Die Wahl von pas, pan­ta, pan, die Wahl die­ser Vo­ka­bel statt der von ekas­tos, um die uni­ver­sa­le be­ja­hen­de Aus­sa­ge zu be­zeich­nen wie üb­ri­gens auch die ver­nei­nen­de, nun die­ses gan­ze Pan-ora­ma 56 der ers­ten gro­ßen for­ma­len Lo­gik ist ab­so­lut we­sent­lich mit der Vor­stel­lung ver­bun­den, die Aris­to­te­les sich von der Frau macht.

Ce qui n’empêche pas que jus­te­ment la seu­le for­mu­le uni­ver­sel­le qu’il ne se se­rait pas per­mis de pro­non­cer, ça se­rait « tou­tes les femmes », il n’y en a pas tra­ce, ou­vrez les Pre­miers Ana­ly­ti­ques.

Was nicht ver­hin­dert, dass die ein­zi­ge all­ge­mei­ne For­mel, die er sich nicht zu ar­ti­ku­lie­ren ge­stat­tet, eben „alle Frau­en“ ist – da­von gibt es kei­ne Spur, öff­nen Sie die Ers­te Ana­ly­tik.

Pas plus que lui – alors que ses suc­ces­seurs s’y sont rués la tête la pre­miè­re – ne se se­rait per­mis d’écrire cet­te in­croya­ble énor­mité dont vit la lo­gi­que for­mel­le de­pu­is : « tous les hom­mes sont mor­tels », ce qui préju­ge tout à fait du sort à ve­nir de l’humanité.

Auch nicht da­von, dass er es sich ge­stat­tet hät­te – wäh­rend sei­ne Nach­fol­ger sich Hals über Kopf dar­auf ge­stürzt ha­ben –, die­se un­glaub­li­che Un­ge­heu­er­lich­keit zu schrei­ben, von der die for­ma­le Lo­gik seit­her lebt, „Alle Men­schen sind sterb­lich“, wo­mit tat­säch­lich das zu­künf­ti­ge Schick­sal der Mensch­heit vor­weg­ge­nom­men wird.

« Tous les hom­mes sont mor­tels » ça veut dire que tous les hom­mes – puisqu’il s’agit là de quel­que cho­se qui s’énonce en ex­ten­si­on – tous les hom­mes en tant que « tous » sont de­sti­nés à la mort, c’est-à-dire le gen­re hu­main à s’éteindre, ce qui est pour le moins har­di.

Alle Men­schen sind sterb­lich“, das be­deu­tet, dass alle Men­schen – da es hier um et­was geht, was hin­sicht­lich sei­ner Ex­ten­si­on ge­äu­ßert wird –, dass alle Men­schen qua „alle“ zum Tode ver­ur­teilt sind, das heißt, die Men­schen­gat­tung dazu, aus­zu­ster­ben, was zu­min­dest ge­wagt ist.57

Que ∀ de x im­po­se le pas à un être, à un « tou­te femme », qu’un être aus­si sen­si­ble qu’Aristote, eh bien, ne l’ait ja­mais com­mis ce « tou­te femme », c’est jus­te­ment ce qui me per­met d’avancer que le « tou­te femme » est l’énonciation dont se dé­ci­de l’hystérique com­me su­jet.

Dass das „∀ von x“ den Schritt hin zu ei­nem We­sen (être) auf­nö­tigt, zu ei­nem „jede Frau“, den ein so sen­si­bles We­sen wie Aris­to­te­les, nun ja, tat­säch­lich nie­mals voll­zo­gen hat, ge­nau das ist es, was es mir ge­stat­tet, zu be­haup­ten, dass das „jede Frau“ die Äu­ße­rung ist, von der her sich die Hys­te­ri­ke­rin als Sub­jekt ent­schei­det.

C’est pour cela qu’une femme est so­li­dai­re d’un pap­lu­dun qui pro­pre­ment la loge dans cet­te lo­gi­que du suc­ces­seur que Pea­no nous a don­né com­me mo­dè­le.

Des­halb ist es so, dass eine Frau eng mit ei­nem pap­lu­dun [pas plus d’un] ver­bun­den ist, mit ei­nem „nicht mehr als ei­ner“, durch das sie an­ge­mes­sen in der Lo­gik des Nach­fol­gers ver­or­tet wird, die Pea­no uns als Mo­dell ge­ge­ben hat.58

Mais l’hystérique n’est pas « une femme » .

Aber die Hys­te­ri­ke­rin ist nicht „eine Frau“.

Il s’agit de savoir si la psy­chana­ly­se, tel­le que je la dé­fi­nis, don­ne ac­cès à « une femme », ou si qu’« une femme » ad­vi­en­ne, c’est af­fai­re de doxa, c’est-à-dire si c’est com­me la ver­tu l’était, au dire des gens qui dia­lo­guai­ent dans le Mé­non – vous vous rap­pe­lez le Mé­non : mais non, mais non [Ge­läch­ter] – com­me cet­te ver­tu l’était – c’est ce qui fait le prix, le sens de ce dia­lo­gue – cet­te ver­tu était ce qui ne s’enseigne pas.

Es geht dar­um zu wis­sen, ob die Psy­cho­ana­ly­se, wie ich sie de­fi­nie­re, Zu­gang zu „ei­ner Frau“ lie­fert, oder ob dies, dass „eine Frau“ sich er­eig­net, eine Sa­che der doxa ist, das heißt, ob es da­mit so ist, wie es den Leu­ten zu­fol­ge, die im Me­non dia­lo­gi­siert ha­ben, mit der Tu­gend ist – Sie er­in­nern sich an den Me­non?, aber nein, aber nein59 –, wie es mit die­ser Tu­gend ist, das macht den Wert, den Sinn die­ses Dia­logs aus: die­se Tu­gend war das, was nicht ge­lehrt wer­den kann.

Ça se tra­du­it : ce qui ne peut d’elle – d’« une femme », tel­le que j’en dé­fi­nis là le pas – être su dans l’inconscient, soit de fa­çon ar­ti­cu­lée.

Um es zu über­set­zen: das, was von ihr – von „ei­ner Frau“, so wie ich da­von hier den Schritt de­fi­niert habe – im Un­be­wuss­ten nicht ge­wusst wer­den kann, das heißt auf ar­ti­ku­lier­te Wei­se.

Car en­fin – là j’arrête – quelqu’un qui jus­te­ment en re­met sur le théât­re, com­me si c’était là ques­ti­on di­g­ne en­fin d’absorber vrai­ment une gran­de ac­tivité – c’est un li­v­re très bien fait – une gran­de ac­tivité d’analyste, com­me si c’était là vrai­ment ce dans quoi un ana­lys­te de­vait se spé­cia­li­ser – quelqu’un me fait mé­ri­te, dans une note, d’avoir in­tro­du­it la dis­tinc­tion ent­re vé­rité et savoir.

Denn schließ­lich, da­mit höre ich auf, je­mand, der eben auf das Thea­ter zu­rück­kommt, als ob dies die Fra­ge wäre, die es wert ist, tat­säch­lich eine be­trächt­li­che Ak­ti­vi­tät in An­spruch zu neh­men – das ist ein sehr gut ge­mach­tes Buch –, eine be­trächt­li­che Ak­ti­vi­tät des Ana­ly­ti­kers, als ob es wirk­lich das wäre, wor­auf ein Ana­ly­ti­ker sich spe­zia­li­sie­ren müss­te, die­ser Je­mand schreibt mir in ei­ner An­mer­kung das Ver­dienst zu, die Un­ter­schei­dung zwi­schen Wahr­heit und Wis­sen ein­ge­führt zu ha­ben.60

Enor­me, énor­me !

Al­ler­hand, al­ler­hand!

Je vi­ens de vous par­ler du Mé­non – na­tu­rel­le­ment il ne l’a pas lu, il ne lit que du théât­re – mais en­fin le Mé­non, c’est avec ça que j’ai com­men­cé de fran­chir les pre­miè­res phra­ses61 de la cri­se qui m’a op­po­sé à un cer­tain ap­pa­reil ana­ly­tique.

Ich habe ge­ra­de zu Ih­nen über den Me­non ge­spro­chen, na­tür­lich hat er ihn nicht ge­le­sen, er liest nur über das Thea­ter, aber schließ­lich war es der Me­non, mit dem ich an­ge­fan­gen habe, die ers­ten Sät­ze der Kri­se zu über­win­den, die mich zu ei­nem be­stimm­ten ana­ly­ti­schen Ap­pa­rat in Ge­gen­satz ge­bracht hat.62

La dis­tinc­tion ent­re la vé­rité et le savoir, | [156] l’opposition ent­re l’epistēmē63 et la doxa vraie, cel­le qui peut fon­der la ver­tu, vous la trou­vez écri­te com­me ça, tou­te crue, dans le Mé­non.

Die Un­ter­schei­dung zwi­schen der Wahr­heit und dem Wis­sen, der Ge­gen­satz zwi­schen der epistēmē und der wah­ren doxa, der­je­ni­gen, durch wel­che die Tu­gend fun­diert wer­den kann, fin­den Sie di­rekt, ganz un­um­wun­den im Me­non ge­schrie­ben.64

Ce que j’ai mis en val­eur c’est jus­te­ment le con­trai­re65 : c’est leur jonc­tion, à savoir que l’acte, en­fin là où ça se noue, en ap­pa­rence dans un cer­cle cu­lier, le savoir dont il s’agit dans l’inconscient c’est ce­lui qui glis­se, qui se pro­lon­ge, qui à tout in­stant s’avère savoir de la vé­rité.

Was ich zur Gel­tung ge­bracht habe, ist ge­nau das Ge­gen­teil, näm­lich ihre Ver­bin­dung, das heißt, dass der Akt, dass schließ­lich da, wo sich das dem An­schein nach in ei­nem Bo­den­kreis ver­kno­tet, dass das Wis­sen, um das es im Un­be­wuss­ten geht, et­was ist, das glei­tet, das sich aus­dehnt, das sich in je­dem Mo­ment als Wis­sen von der Wahr­heit er­weist.

Et c’est là que je pose à l’instant la ques­ti­on : est-ce que ce savoir ef­fec­tive­ment nous per­met de pro­gres­ser sur le Mé­non, à savoir de dire si cet­te vé­rité, en tant qu’elle s’incarne dans l’hystérique, est sus­cep­ti­ble ef­fec­tive­ment d’un glis­se­ment as­sez soup­le pour qu’elle soit l’introduction à « une femme » ?

Und hier stel­le ich nun die fol­gen­de Fra­ge: Ge­stat­tet uns die­ses Wis­sen tat­säch­lich, über den Me­non hin­aus­zu­ge­hen, das heißt zu sa­gen, ob die­se Wahr­heit, in­so­fern sie sich in der Hys­te­ri­ke­rin ver­kör­pert, tat­säch­lich zu ei­nem Glei­ten in der Lage ist, das hin­rei­chend ge­schmei­dig ist, um die Ein­füh­rung in „eine Frau“ zu sein?

Je sais bien, la ques­ti­on s’est éle­vée d’un de­gré de­pu­is que j’ai dé­mon­tré qu’il y a du lan­ga­giè­re­ment ar­ti­cu­lé qui n’est pas pour cela ar­ti­culable en pa­ro­les.

Ich weiß, die Fra­ge ist auf eine hö­he­re Ebe­ne ge­bracht wor­den, seit ich auf­ge­zeigt habe, dass es sprach­lich Ar­ti­ku­lier­tes gibt, das nicht in Wor­ten (en pa­ro­les) ar­ti­ku­liert wer­den kann.

C’est là sim­ple­ment ce dont se pose le dé­sir.

Das ist hier ganz ein­fach das, von wo­her das Be­geh­ren sei­ne Stel­lung hat.

Il est fa­ci­le pour­tant de tran­cher.

Es ist je­doch ein­fach, das zu ent­schei­den.

C’est jus­te­ment de ce qu’il s’agisse du dé­sir, en tant qu’il met l’accent sur l’invariance de l’inconnue, de l’inconnue qui est à gau­che, cel­le qui ne se pro­du­it que sous le chef d’une Ver­nei­nung, c’est jus­te­ment de ce qu’il met l’accent sur l’invariance de l’inconnue que l’évidement du dé­sir par l’analyse ne sau­rait l’inscrire dans au­cu­ne fonc­tion de va­ria­ble.

Ge­nau des­halb, weil es um das Be­geh­ren in­so­fern geht, als es den Ak­zent auf die Un­ver­än­der­lich­keit der Un­be­kann­ten setzt – der Un­be­kann­ten, die links <in der For­mel> steht, der­je­ni­gen, die sich nur un­ter der Über­schrift ei­ner Ver­nei­nung* her­stellt –, ge­nau des­halb, weil es den Ak­zent auf die Un­ver­än­der­lich­keit der Un­be­kann­ten setzt, kann die Aus­höh­lung des Be­geh­rens durch die Ana­ly­se sie in kei­ner Funk­ti­on der Va­ria­blen an­schrei­ben.66

C’est là la bu­tée dont se sé­pa­re com­me tel le dé­sir de l’hystérique de ce qui pour­tant se pro­du­it et qui per­met à d’innombrables femmes de fonc­tion­ner com­me tel­les, c’est-à-dire en faisant fonc­tion du pap­lu­dun de leur être pour tou­tes leurs va­ria­ti­ons si­tua­ti­on­nel­les.

Eben dies ist das Hemm­nis, von dem aus sich das Be­geh­ren der Hys­te­ri­ke­rin als sol­ches von dem trennt, was sich gleich­wohl her­stellt, und was es zahl­lo­sen Frau­en ge­stat­tet, als sol­che zu fun­gie­ren, das heißt, in­dem sie für all ihre si­tua­ti­ven Ver­än­de­run­gen ihr Sein zu ei­ner Funk­ti­on des pap­lu­dun ma­chen, des nicht-mehr-als-ei­ner.

L’hystérique là joue le rôle de sché­ma fonc­tion­nel, si vous sa­vez ce que c’est : c’est la por­tée de ma for­mu­le du dé­sir dit in­sa­tis­fait.

Die Hys­te­ri­ke­rin spielt hier die Rol­le ei­nes Block­sche­mas (sché­ma fonc­tio­nel), falls Sie wis­sen, was das ist – das ist die Trag­wei­te mei­ner For­mel über das so­ge­nann­te un­be­frie­dig­te Be­geh­ren.67

Il s’en dé­du­it que l’hystérique se si­tue d’introduire le pap­lu­dun dont s’institue cha­cu­ne des femmes par la voie du : « Ce n’est pas de tou­te femme que se peut dire qu’elle soit fonc­tion du phal­lus ».

Dar­aus folgt, dass die Hys­te­ri­ke­rin den Platz ein­nimmt, das pap­lu­dun ein­zu­füh­ren, das nicht-mehr-als-ei­ner, von dem her jede der Frau­en ein­ge­setzt wird, auf dem Weg des „Nicht von je­der Frau kann ge­sagt wer­den, dass sie Funk­ti­on des Phal­lus ist“.

Que ce soit de « tou­te femme », c’est là ce qui fait son dé­sir et c’est pour­quoi ce dé­sir se sou­ti­ent d’être in­sa­tis­fait : c’est qu’ « une femme » en ré­sul­te, mais qui ne sau­rait être l’hystérique en per­son­ne.

Dass es von „je­der Frau“ sei, ist hier das, was ihr Be­geh­ren aus­macht, und des­halb stützt sich die­ses Be­geh­ren da­durch, un­be­frie­digt zu sein, näm­lich dass „eine Frau“ dar­aus her­vor­geht, die aber nicht die Hys­te­ri­ke­rin in Per­son sein könn­te.

C’est bien en quoi elle in­car­ne ma vé­rité de tout à l’heure, cel­le qu’après l’avoir fait par­ler, j’ai ren­due à sa fonc­tion struc­tu­ra­lis­te.

Das ist eben das, wor­in sie mei­ne Wahr­heit von vor­hin ver­kör­pert, die­je­ni­ge, die ich, nach­dem ich sie zum Spre­chen ge­bracht habe, ih­rer struk­tu­ra­lis­ti­sche Funk­ti­on zu­rück­ge­ge­ben habe.

Le dis­cours ana­ly­tique s’instaure de cet­te re­sti­tu­ti­on de la68 vé­rité à l’hystérique.

Der ana­ly­ti­sche Dis­kurs wird aus­ge­hend von die­ser Rück­ga­be der Wahr­heit an die Hys­te­ri­ke­rin ein­ge­führt.

Il a suf­fi à dis­si­per le théât­re dans l’hystérie.

Das hat ge­nügt, um in der Hys­te­rie das Thea­ter zu ver­trei­ben.

C’est en ça que je dis qu’il n’est pas sans rap­port avec quel­que cho­se qui chan­ge la face des cho­ses à not­re épo­que.

Dar­auf be­zieht sich mei­ne Be­mer­kung, dass das Thea­ter nicht ohne Ver­hält­nis zu et­was ist, wo­durch sich in un­se­rer Zeit das Ge­sicht der Din­ge ver­än­dert.

[157] Je pour­rais in­sis­ter69 sur le fait que quand j’ai com­men­cé à énon­cer des cho­ses qui por­tai­ent tout ça en puis­sance, j’ai eu im­mé­dia­te­ment com­me écho le splash d’un ar­ti­cle sur le théât­re chez l’hystérique.

Ich könn­te dar­auf in­sis­tie­ren, dass, als ich an­ge­fan­gen habe, Din­ge zu äu­ßern, die all das po­ten­zier­ten, ich als Echo un­mit­tel­bar den splash ei­nes Ar­ti­kels hat­te, der sich auf das Thea­ter bei der Hys­te­ri­ke­rin be­zog.70

La psy­chana­ly­se d’aujourd’hui n’a de re­cours que de l’hystérique pas à la page.

Die Psy­cho­ana­ly­se von heu­te hat als Stüt­ze nur die Hys­te­ri­ke­rin, die nicht mit der Zeit geht / „die nicht auf dem Blatt ist“ (pas à la page).

Quand l’hystérique prouve que, la page tour­née, elle con­ti­nue à écri­re au ver­so, et même sur la sui­van­te, on ne com­prend pas.

Wenn die Hys­te­ri­ke­rin be­weist, dass sie dann, wenn das Blatt sich ge­wen­det hat, fort­fährt, in­dem sie auf der Rück­sei­te schreibt und so­gar auf der fol­gen­den, wird das nicht ver­stan­den.

C’est pour­tant fa­ci­le71 – elle est lo­gi­ci­en­ne.

Das ist je­doch leicht – sie ist Lo­gi­ke­rin.

Ceci pose la ques­ti­on de la ré­fé­rence fai­te au théât­re par la théo­rie freu­di­en­ne : l’Œdipe, pas moins.

Das wirft die Fra­ge auf, wel­chen Be­zug die Freud’sche Theo­rie zum Thea­ter her­stellt – der Ödi­pus, nicht we­ni­ger.

Il est temps d’attaquer ce que du théât­re il a paru né­ces­sai­re de main­tenir pour le sou­ti­en de « l’autre scè­ne », cel­le dont je par­le, dont j’ai par­lé le pre­mier.

Es ist an der Zeit, das an­zu­grei­fen, was vom Thea­ter auf­recht­zu­er­hal­ten nö­tig er­schien, um den „an­de­ren Schau­platz“ zu stüt­zen, den­je­ni­gen, von dem ich spre­che, von dem ich als ers­ter ge­spro­chen habe.72

Après tout, le som­meil y suf­fit peut-être.

Letzt­lich ge­nügt hier viel­leicht der Schlaf.

Qu’il ab­ri­te à l’occasion, ce som­meil, la gé­si­ne des fonc­tions fuch­si­en­nes, com­me vous sa­vez que c’est ar­ri­vé, peut ju­s­ti­fier que fas­se dé­sir qu’il se pro­lon­ge.

Dass die­ser Schlaf bei Ge­le­gen­heit der Ent­bin­dung der Fuchs’schen Funk­tio­nen Schutz ge­währt, wie es be­kannt­lich ge­sche­hen ist, kann er­klä­ren, dass das Be­geh­ren ent­steht, dass Schlaf sich ver­län­gert.73

Il peut se fai­re que les re­pré­sen­tants si­gni­fi­ants du su­jet se pas­sent tou­jours plus aisé­ment d’être em­pr­un­tés à la re­pré­sen­ta­ti­on ima­gi­nai­re, on en a des si­gnes à not­re épo­que.

Es kann ge­sche­hen, dass die Si­gni­fi­kan­ten-Re­prä­sen­tan­ten des Sub­jekts sich im­mer leich­ter er­eig­nen, wenn sie der ima­gi­nä­ren Re­prä­sen­ta­ti­on ent­lehnt sind, da­für gibt es An­zei­chen heut­zu­ta­ge.

Il est cer­tain que la jouis­sance dont on a à se fai­re châ­trer n’a avec la re­pré­sen­ta­ti­on que des rap­ports d’appareil.

Es ist si­cher, dass das Ge­nie­ßen, das man da­her hat, sich kas­trie­ren zu las­sen, zur Repräsentation/Vorstellung nur Be­zie­hun­gen wie zu ei­nem Ap­pa­rat hat.

C’est bien en quoi l’Œdipe so­pho­cléen – qui n’a ce pri­vilè­ge pour nous que de ce que les au­tres Œdi­pe so­i­ent in­com­plets et le plus sou­vent per­dus – est en­co­re beau­coup trop ri­che et trop dif­fus pour nos be­so­ins d’articulation.

Das ist das, wor­in der Ödi­pus des So­pho­kles – der die­sen Vor­rang für uns nur des­halb hat, weil die an­de­ren Ödi­pus-Ver­sio­nen un­voll­stän­dig oder al­ler­meist ver­lo­ren sind – für un­se­re Ar­ti­ku­la­ti­ons­be­dürf­nis­se noch viel zu reich und dif­fus ist.

La gé­néa­lo­gie du dé­sir, en tant que ce dont il est ques­ti­on c’est de com­ment il se cau­se, relè­ve d’une com­bi­na­toire plus com­ple­xe que cel­le du my­the.

Die Ge­nea­lo­gie des Be­geh­rens – in­so­fern es dar­um geht, wie es ver­ur­sacht wird – be­ruht auf ei­ner Kom­bi­na­to­rik, die kom­ple­xer ist als die des My­thos.

C’est pour­quoi nous n’avons pas à rê­ver sur ce à quoi a ser­vi le my­the « dans le temps », com­me on dit.

Des­halb müs­sen wir nicht über das träu­men, wozu der My­thos „in al­ten Zei­ten“, wie man sagt, ge­dient hat.

C’est du mé­tal­an­ga­ge que de s’engager dans cet­te voie et à cet égard les my­tho­lo­gies de Lévi-Strauss sont d’un ap­port dé­cisif.

Wenn man sich auf die­sen Weg be­gibt, geht es um Me­taspra­che, und un­ter die­sem As­pekt sind die My­tho­lo­gi­en von Lévi-Strauss ein ent­schei­den­der Bei­trag.74

El­les ma­ni­fes­tent que la com­bi­nai­son de for­mes dé­nom­ma­bles du my­thè­me, dont beau­coup sont étein­tes, s’opère se­lon des lois de trans­for­ma­ti­on pré­ci­ses, mais d’une lo­gi­que fort cour­te, ou tout au moins dont il faut dire, que le moins qu’on puis­se dire c’est que not­re ma­thé­ma­tique l’enrichit, cet­te com­bi­na­toire.

Sie ma­ni­fes­tie­ren, dass sich die Kom­bi­na­ti­on be­nenn­ba­rer For­men des My­thems, von de­nen vie­le ver­schwun­den sind, nach prä­zi­sen Trans­for­ma­ti­ons­ge­set­zen voll­zieht, je­doch ge­mäß ei­ner sehr schlich­ten Lo­gik, oder über die man zu­min­dest sa­gen muss, dass das Min­des­te, was man sa­gen kann, dies ist, dass un­se­re Ma­the­ma­tik die­se Kom­bi­na­to­rik be­rei­chert.

Peut-être con­vi­en­d­rait-il de re­mett­re en ques­ti­on si le dis­cours psy­chana­ly­tique n’a pas mieux à fai­re que de se vou­er à in­ter­pré­ter ces my­thes sous un mode qui ne dé­pas­se pas le com­men­taire cou­rant, au | [158] res­te par­fai­te­ment su­per­flu puis­que ce qui in­téres­se l’ethnologue, c’est la cu­eil­let­te du my­the, sa col­la­ti­on épinglée et sa re­col­la­ti­on avec d’autres fonc­tions, de rite ou de pro­duc­tion, re­cen­sées de même dans une éc­ri­tu­re dont les iso­mor­phis­mes ar­ti­cu­lés y suf­fi­sent.

Viel­leicht soll­te man die Fra­ge auf­wer­fen, ob der psy­cho­ana­ly­ti­sche Dis­kurs nicht et­was Bes­se­res zu tun hat, als sich dem zu wid­men, die­se My­then auf eine Wei­se zu deu­ten, die über den üb­li­chen Kom­men­tar nicht hin­aus­geht, zu­mal dies voll­kom­men über­flüs­sig ist, da das, was den Eth­no­lo­gen in­ter­es­siert, das Sam­meln der My­then ist, ihre Zu­sam­men­stel­lung und ihre Neu­ver­bin­dung mit an­de­ren Funk­tio­nen, de­nen des Ri­tu­als oder der Pro­duk­ti­on, die glei­cher­ma­ßen mit ei­ner Schrift (éc­ri­tu­re) er­fasst wer­den, de­ren ar­ti­ku­lier­te Iso­mor­phis­men hier aus­rei­chend sind.75

Pas de tra­ce de sup­po­si­ti­on, al­lais-je dire, sur la jouis­sance qui y est ser­vie.

Kei­ne Spur, wie ich ge­sagt habe, ei­ner An­nah­me über das Ge­nie­ßen, dem hier ge­dient wird.

C’est tout à fait vrai, même à tenir comp­te des ef­forts faits pour nous sug­gé­rer l’opérance éven­tu­el­le d’obscurs savoirs qui y se­rai­ent gi­s­ants.

Das ist völ­lig wahr, selbst wenn man die Be­mü­hun­gen be­rück­sich­tigt, die ge­macht wer­den, um uns die mög­li­che Wirk­sam­keit dunk­ler Wis­sens­ar­ten zu sug­ge­rie­ren, die hier lie­gen sol­len.

La note don­née par Lévi-Strauss dans Les Struc­tu­res, de l’action de pa­ra­de ex­er­cée par ces struc­tu­res à l’endroit de l’amour ici tran­che heu­reu­se­ment.

Die An­mer­kung, die Lévi-Strauss in den Ele­men­ta­ren Struk­tu­ren dar­über macht, dass die­se Struk­tu­ren der Lie­be in die Pa­ra­de fah­ren, ent­schei­det hier glück­li­cher­wei­se.76

Ça n’empêche pas que ça a pas­sé bien au-des­sus des têtes, du fait des ana­lys­tes qui étai­ent en fa­veur à l’époque77.

Das än­dert nichts dar­an, dass dies, we­gen der Ana­ly­ti­ker, die da­mals in Gunst stan­den, über die Köp­fe hin­weg­ge­gan­gen ist.

En som­me l’Œdipe a l’avantage de mon­trer en quoi l’homme peut répond­re à l’exigence du pap­lu­dun qui est dans l’être d’une femme.

Ins­ge­samt hat der Ödipus<mythos> den Vor­teil, dass er zeigt, wie der Mann auf die For­de­rung des pap­lu­dun ant­wor­ten kann, des nicht-mehr-als-ei­ner, die im Sein ei­ner Frau ist.

Il n’en ai­me­rait lui-même pap­lu­du­ne.

Er selbst soll nicht-mehr-als-eine da­von lie­ben.

Mal­heu­reu­se­ment c’est pas la même.

Un­glück­li­cher­wei­se ist es nicht die­sel­be.78

C’est tou­jours le même ren­dez-vous, ce­lui où, quand les mas­ques tom­bent ce n’était ni lui, ni elle. [Ge­läch­ter]

Es ist im­mer das­sel­be Ren­dez-vous, das­je­ni­ge, bei dem, als die Mas­ken fie­len, es we­der er war noch sie.79 [Ge­läch­ter]

Pour­tant cet­te fable ne se sup­por­te que de ce que l’homme ne soit ja­mais qu’un pe­tit gar­çon.

Die­se Fa­bel wird je­doch nur da­durch ge­stützt, dass der Mann im­mer nur ein klei­ner Jun­ge ist.80

Et que l’hystérique n’en puis­se dé­mord­re est de na­tu­re à je­ter un dou­te sur la fonc­tion de der­nier mot de sa vé­rité.

Und dass die Hys­te­ri­ke­rin sich nicht da­von ab­brin­gen lässt, ist ge­eig­net, Zwei­fel auf­zu­wer­fen über die Funk­ti­on ih­rer Wahr­heit als letz­tem Wort.

Un pas dans le sé­rieux pour­rait, me sem­ble-t-il, se fai­re à em­bray­er ici sur l’homme, dont on re­mar­que­ra que je lui ai fait, jusqu’à ce point de mon ex­po­sé, la part mo­des­te, en­co­re que ç’en soit un, vot­re ser­vi­teur81, qui fas­se ici par­ler tout ce82 beau mon­de !

Ein Schritt in Rich­tung Ernst­haf­tig­keit könn­te sich, so scheint mir, hier über den Mann an­schlie­ßen las­sen, von dem man be­mer­ken wird, dass ich ihm bis zu die­sem Punkt mei­ner Aus­füh­run­gen den an­spruchs­lo­sen Teil zu­ge­wie­sen habe, ob­gleich es ei­ner von ih­nen ist, mei­ne We­nig­keit, der hier die­se gan­ze schö­ne Welt zum Spre­chen bringt.

Il me sem­ble im­pos­si­ble – ce n’est pas vain que je bute dès l’entrée sur ce mot – de ne pas sai­sir la schi­ze qui sé­pa­re le my­the d’Œdipe de To­tem et ta­bou.

Es scheint mir un­mög­lich zu sein – nicht um­sonst stol­pe­re ich seit Be­ginn über die­ses Wort83 –, nicht die schi­ze84 zu er­fas­sen, durch die der Ödi­pus­my­thos und To­tem und Tabu ge­trennt sind.85

J’abats tout de sui­te mes car­tes : le pre­mier est dic­té à Freud par l’insatisfaction de l’hystérique, le se­cond par ses pro­pres im­pas­ses.

Ich de­cke so­fort mei­ne Kar­ten auf: Der ers­te My­thos wird Freud durch das Un­be­frie­digt­sein der Hys­te­ri­ke­rin dik­tiert, der zwei­te durch Freuds ei­ge­ne Sack­gas­sen.86

Ni87 du pe­tit gar­çon, ni de la mère, ni du tra­gi­que du pas­sa­ge du père au fils, hein, pas­sa­ge de quoi si­non du phal­lus – de ce qui a pu fai­re l’étoffe du pre­mier my­the, pas de tra­ce dans le se­cond.

We­der vom klei­nen Jun­gen, noch von der Mut­ter, noch von der Tra­gik des Über­gangs vom Va­ter auf den Sohn, nicht wahr, des Über­gangs von was, wenn nicht des Phal­lus – von all dem, was den Stoff des ers­ten My­thos bil­den konn­te, kei­ne Spur im zwei­ten.

Là, dans To­tem et ta­bou, le père jouit – ter­me qui est voilé dans le pre­mier my­the par la puis­sance – le père jouit de tou­tes les femmes jusqu’à ce que ses fils l’abattent, ne s’y étant pas mis sans une en­tente préalable, après | [159] quoi au­cun ne lui suc­cè­de dans sa glou­ton­ne­rie de jouis­sance.

Hier, in To­tem und Tabu, ist es so, dass der Va­ter ge­nießt – ein Ter­mi­nus, der im ers­ten My­thos durch die Macht ver­schlei­ert wird –, der Va­ter ge­nießt alle Frau­en, so lan­ge, bis sei­ne Söh­ne ihn er­schla­gen, was ih­nen nicht ohne eine vor­aus­ge­hen­de Über­ein­kunft ge­lingt, und wo­nach kei­ner ihm in der Ge­frä­ßig­keit sei­nes Ge­nie­ßens nach­folgt.88

Le ter­me s’impose de ce qui ar­ri­ve en re­tour : que les fils le dé­vor­ent, cha­cun né­ces­sai­re­ment n’ayant qu’une part, et de ce fait même, le tout faisant une com­mu­ni­on.

Das Ende drängt sich von dem her auf, was sich da­nach er­eig­net: dass die Söh­ne ihn ver­schlin­gen, wo­bei je­der not­wen­di­ger­wei­se nur ei­nen Teil hat und eben des­halb das Gan­ze eine Kom­mu­ni­on dar­stellt.89

C’est à par­tir de là que se pro­du­it le con­trat so­ci­al : nul ne tou­che­ra, non pas à la mère ici… il est bien pré­cisé dans le Moï­se et le Mo­no­t­héis­me, de la plu­me de Freud lui-même, que seuls par­mi les fils, les plus jeu­nes font en­co­re lis­te dans le ha­rem.

Von hier aus stellt sich der So­zi­al­ver­trag her: Nie­mand soll die­je­ni­ge an­rüh­ren, die hier je­doch nicht die Mut­ter ist – in Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on wird ja prä­zi­siert, aus der Fe­der von Freud selbst, dass un­ter den Söh­nen ein­zig die jüngs­ten noch zum Ha­rem ge­zählt wer­den.90

Ce n’est donc plus les mè­res, mais les femmes du père, com­me tel­les, qui sont con­cer­nées par l’interdit.

Es sind also nicht mehr die Müt­ter, son­dern die Frau­en des Va­ters als sol­che, die vom Ver­bot be­trof­fen sind.

La mère n’entre en jeu que pour jus­te­ment ses bé­bés, qui sont de la grai­ne de hé­ros.

Die Mut­ter kommt nur ins Spiel we­gen ih­rer Ba­bys, aus de­nen ein­mal Hel­den wer­den.91 

Mais si c’est ain­si que se fait, à en­t­end­re Freud, l’origine de la loi, ce n’est pas de la loi dite de l’inceste ma­ter­nel, pour­tant don­née com­me in­au­gu­ra­le en psy­chana­ly­se.

Wenn der Ur­sprung des Ge­set­zes aber, Freud zu­fol­ge, auf die­se Wei­se ge­bil­det wird, dann be­ruht er nicht auf dem Ge­setz des so­ge­nann­ten Mut­te­rin­zests, das in der Psy­cho­ana­ly­se je­doch als stif­tend an­ge­ge­ben wird.

Alors qu’en fait – c’est une re­mar­que, n’est-ce pas – mise à part une cer­tai­ne loi de Ma­nou qui là pu­nit de cas­tra­ti­on réel­le : « il s’en ira vers l’ouest avec ses couilles à la main », tout ça, bon – cet­te loi de l’inceste ma­ter­nel est plu­tôt éli­dée par­tout.

Wäh­rend tat­säch­lich – das ist eine An­mer­kung, nicht wahr, bis auf ein ge­wis­ses „Ge­setz des Manu“, das hier mit rea­ler Kas­tra­ti­on be­straft, „er wird nach Wes­ten ge­hen mit sei­nen Ei­ern in der Hand“ und so wei­ter, gut –, wäh­rend die­ses Ge­setz des müt­ter­li­chen In­zests viel­mehr über­all ge­tilgt ist.92

Je ne con­tes­te pas du tout le bien-fon­dé pro­phy­lac­tique de l’interdit ana­ly­tique, je sou­li­gne qu’au ni­veau où Freud ar­ti­cu­le quel­que cho­se de lui, To­tem et ta­bou – et Dieu sait s’il y te­n­ait, n’est-ce pas – il ne ju­s­ti­fie pas my­thi­que­ment cet in­ter­d­it.

Ich be­strei­te kei­nes­wegs die pro­phy­lak­ti­sche Wohl­be­grün­det­heit des ana­ly­ti­schen Ver­bots, ich hebe her­vor, dass Freud auf der Ebe­ne, auf der er et­was von sich ar­ti­ku­liert, To­tem und Tabu – und Gott weiß, wie sehr er dar­an fest­hielt, nicht wahr –, dass er hier die­ses Ver­bot nicht my­thisch recht­fer­tigt.

L’étrange com­mence au fait que Freud, et d’ailleurs per­son­ne d’autre non plus, ne sem­ble s’en être aper­çu.

Das Son­der­ba­re be­ginnt da­mit, dass Freud, und üb­ri­gens auch sonst nie­mand, das of­fen­bar nicht wahr­ge­nom­men hat.

Je con­ti­nue dans ma fou­lée.

Ich ver­fol­ge mei­ne Spur wei­ter.

La jouis­sance par Freud est pro­mue au rang d’un ab­so­lu qui ramè­ne aux so­ins de l’homme – je par­le de To­tem et ta­bou – de l’homme ori­gi­nel ; c’est avoué tout ça ; c’est du père que je par­le, du père de la hor­de pri­mi­ti­ve.   

Das Ge­nie­ßen wird von Freud in den Rang ei­nes Ab­so­lu­ten er­ho­ben, was zu den Sor­gen des Ur­men­schen zu­rück­führt, ich spre­che von To­tem und Tabu; all das wird ein­ge­stan­den; ich spre­che über den Va­ter, über den Va­ter der Ur­hor­de.93

Il est simp­le d’y re­con­naît­re le phal­lus : la to­ta­lité de ce qui, fé­mi­ni­n­e­ment, peut être su­jet à la jouis­sance.

Es ist ein­fach, hier den Phal­lus zu er­ken­nen: die To­ta­li­tät des­sen, was weib­li­cher­seits dem Ge­nie­ßen un­ter­wor­fen wer­den kann.94 

Cet­te jouis­sance – je vi­ens de le re­mar­quer – res­te voilée dans le coup­le roy­al de l’Œdipe, mais ce n’est pas que du pre­mier my­the elle soit ab­sen­te.

Die­ses Ge­nie­ßen, ich habe es ge­ra­de an­ge­merkt, bleibt beim kö­nig­li­chen Paar des Ödi­pus ver­schlei­ert, es ist je­doch nicht so, dass es in die­sem ers­ten My­thos ab­we­send wäre.

Le coup­le roy­al n’est même mis en ques­ti­on qu’à par­tir de ceci qui est énon­cé dans le dra­me, qu’il est le ga­rant de la jouis­sance du peu­p­le – ce qui col­le au res­te avec ce que nous savons de tou­tes les royau­tés, tant ar­chaïques que mo­der­nes.

Das kö­nig­li­che Paar wird so­gar nur von da­her in Fra­ge ge­stellt – was im Dra­ma ge­äu­ßert wird –, dass es der Ga­rant des Ge­nie­ßens des Vol­kes ist, was im Üb­ri­gen zu dem passt, was wir über sämt­li­che Kö­nig­tü­mer wis­sen, ob ar­cha­isch oder mo­dern.

Mais la cas­tra­ti­on d’Œdipe n’a pas d’autre fin que de mett­re fin à la pes­te thé­bai­ne, c’est-à-dire de rend­re au peu­p­le la jouis­sance dont d’autres vont être les ga­rants, ce qui bien sûr, vu d’où l’on part, n’ira pas sans quel­ques pé­ri­pé­ties amè­res pour tous.

Die Kas­tra­ti­on von Ödi­pus hat je­doch kei­nen an­de­ren Zweck als den, die Pest in The­ben zu be­en­den, das heißt, dem Volk das Ge­nie­ßen wie­der­zu­ge­ben, des­sen Ga­ran­ten dann an­de­re sein wer­den, was na­tür­lich, an­ge­sichts des­sen, wo­von man aus­geht, nicht ohne ei­ni­ge Um­schwün­ge ge­hen wird, die für alle bit­ter sind.

[160] Dois-je sou­li­gner que la fonc­tion-clé du my­the s’oppose dans les deux, stric­te­ment ?

Muss ich un­ter­strei­chen, dass die Schlüs­sel­funk­tio­nen des My­thos in den bei­den My­then in strik­tem Ge­gen­satz zu­ein­an­der ste­hen?

Loi d’abord dans le pre­mier, tel­le­ment pri­mor­di­ale qu’elle ex­er­ce ses ré­tor­si­ons même quand les cou­pa­bles n’y ont cont­re­venu qu’innocemment et c’est de la loi d’où res­sor­tit la pro­fu­si­on de la jouis­sance.

Im ers­ten: zu­nächst das Ge­setz, der­art ur­sprüng­lich, dass es selbst dann Ver­gel­tung übt, wenn die Schul­di­gen es nur un­schul­dig über­tre­ten ha­ben, und es ist das Ge­setz, aus dem die Fül­le des Ge­nie­ßens her­vor­geht.

Dans le se­cond : jouis­sance à l’origine, loi en­sui­te dont on me fera grâce d’avoir à sou­li­gner les cor­ré­lats de per­ver­si­on, puisqu’en fin de comp­te avec la pro­mo­ti­on sur laquel­le on in­sis­te as­sez du can­ni­ba­lis­me sa­cré, c’est bien tou­tes les femmes qui sont in­ter­d­i­tes de prin­ci­pe à la com­mu­n­au­té des mâ­les qui s’est trans­cen­dée com­me tel­le dans cet­te com­mu­ni­on.

Im zwei­ten: am An­fang Ge­nie­ßen, dann Ge­setz, wo­bei man es mir er­spa­ren wird, die Per­ver­si­ons­kor­re­la­te her­vor­he­ben zu müs­sen, da es letzt­lich – mit der Be­för­de­rung des hei­li­gen Kan­ni­ba­lis­mus, auf der man hin­rei­chend in­sis­tiert – eben alle Frau­en sind, die der Ge­mein­schaft der Männ­chen im Prin­zip ver­bo­ten sind, ei­ner Ge­mein­schaft, die sich als sol­che in die­ser Kom­mu­ni­on tran­szen­diert hat.

C’est bien le sens de cet­te aut­re loi pri­mor­di­ale, sans quoi qu’est-ce qui la fon­de ?

Das eben ist der Sinn die­ses an­de­ren Ur­ge­set­zes – wenn dies fehlt, wo­durch wird es dann be­grün­det?95 

Etéo­cle et Po­ly­nice sont là, je pen­se, pour mon­trer qu’il y a d’autres res­sour­ces.

Eteo­kles und Po­lyn­ei­kes sind da, so den­ke ich, um zu zei­gen, dass es wei­te­re Res­sour­cen gibt. 96

Il est vrai qu’eux pro­cè­dent de la gé­néa­lo­gie du dé­sir.

Es stimmt, dass sie aus der Ge­nea­lo­gie des Be­geh­rens her­vor­ge­hen.97

En­co­re faut-il que le meurt­re du père ait con­sti­tué – pour qui ? pour Freud, pour ses lec­teurs98 – une fa­sci­na­ti­on su­prê­me pour que per­son­ne n’ait même son­gé à sou­li­gner que dans le pre­mier my­the, il se pas­se, ce meurt­re, à l’insu du meur­trier, et qui non seu­le­ment ne re­con­naît pas qu’il frap­pe le père, mais qui ne peut pas le re­con­naît­re puisqu’il en a un aut­re, le­quel de tou­te an­ti­quité est son père puisqu’il l’a ad­op­té.

Au­ßer­dem muss es so sein, dass der Va­ter­mord – auf wen? auf Freud, auf sei­ne Le­ser – die größ­te Fas­zi­na­ti­on aus­ge­übt hat, so­dass nie­mand auch nur dar­an ge­dacht hat, her­aus­zu­stel­len, dass sich der Mord im ers­ten My­thos ohne Wis­sen des Mör­ders er­eig­net, der nicht nur nicht er­kennt, dass er den Va­ter er­schlägt, son­dern der ihn nicht er­ken­nen kann, da er ei­nen an­de­ren hat, der seit je sein Va­ter ist, da er von ihm ad­op­tiert wor­den ist.

C’est même ex­pres­sé­ment pour ne pas cour­ir le ris­que qu’il frap­pe son vrai père99, qu’il s’est exilé.

Er ist so­gar aus­drück­lich des­we­gen ins Exil ge­gan­gen, um nicht Ge­fahr zu lau­fen, sei­nen wah­ren Va­ter zu er­schla­gen.100

Ce dont le my­the est sug­ges­tif, c’est de ma­ni­fes­ter la place que le père géni­teur a, en une épo­que dont Freud sou­li­gne que tout com­me dans la nôt­re, le père101 y est pro­b­lé­ma­tique.

Die­ser My­thos ist dar­in sug­ges­tiv, dass er den Platz be­kun­det, den der Zeu­gungs­va­ter ein­nimmt, zu ei­ner Zeit, bei der Freud her­vor­hebt, dass in ihr, ganz wie in der uns­ri­gen, der Va­ter pro­ble­ma­tisch ist.

Et aus­si bien le se­rait-il, et Œdi­pe ab­sous, s’il n’était pas de sang roy­al, c’est-à-dire si Œdi­pe n’avait pas à fonc­tion­ner com­me le phal­lus, le phal­lus de son peu­p­le, pas de sa mère, et qu’un temps, c’est ça le plus éton­nant, ça a mar­ché, à savoir que les Thé­bains étai­ent très heu­reux102.

Und auch er wäre es und Ödi­pus wäre ver­ge­ben wor­den, wenn er nicht von kö­nig­li­chem Blu­te wäre, das heißt, wenn Ödi­pus nicht als der Phal­lus zu funk­tio­nie­ren hät­te – als der Phal­lus sei­nes Vol­kes, nicht sei­ner Mut­ter –, und das Er­staun­lichs­te ist, dass das eine Zeit­lang ge­klappt hat, das heißt, dass die The­ba­ner sehr glück­lich wa­ren.

J’ai sou­vent in­di­qué que c’est de Jo­cas­te qu’a dû ve­nir le vi­ra­ge.

Ich habe oft dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Wen­de von Jo­kas­te kom­men muss­te.103

Est-ce de ce qu’elle ait su ou de ce qu’elle ait ou­blié104?

Kommt sie von dem her, was sie ge­wusst hat, oder von dem, was sie ver­ges­sen hat?

Quoi de com­mun en tout cas avec le meurt­re du se­cond my­the qu’on lais­se en­t­end­re être de ré­vol­te, ou de be­so­in ? à vrai dire im­pensa­ble, voi­re im­pen­sé, si­non com­me pro­cédant d’une con­ju­ra­ti­on.

Was hat das je­den­falls mit dem Mord des zwei­ten My­thos ge­mein­sam, bei dem zu ver­ste­hen ge­ge­ben wird, dass er auf ei­nem Auf­stand be­ruht – oder auf ei­nem Be­dürf­nis? was tat­säch­lich un­denk­bar, ja so­gar un­ge­dacht ist, es sei denn als et­was, das aus ei­ner Ver­schwö­rung her­vor­geht.

Il est évi­dent que je n’ai fait là qu’approcher le ter­rain sur le­quel en­fin, di­sons une con­ju­ra­ti­on aus­si m’a em­pê­ché d’aborder vrai­ment le pro­b­lè­me105, c’est-à-dire au ni­veau du Moï­se et le Mo­no­t­héis­me, à savoir du | [161] point sur le­quel tout ce que Freud a ar­ti­cu­lé de­vi­ent vrai­ment si­gni­fi­ca­tif.

Es ist of­fen­sicht­lich, dass ich hier nicht mehr ge­tan habe, als mich dem Ter­rain zu nä­hern, auf dem mich schließ­lich, sa­gen wir, eben­falls eine Ver­schwö­rung dar­an ge­hin­dert hat, das Pro­blem wirk­lich an­zu­ge­hen, das heißt auf der Ebe­ne von Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on, das heißt von dem Punkt aus, bei dem al­les, was Freud ar­ti­ku­liert hat, wirk­lich be­deut­sam wird.106

Je ne peux même pas en in­di­quer ce qu’il faut pour vous ra­me­ner à Freud, mais je peux dire qu’en nous ré­vé­lant ici sa cont­ri­bu­ti­on au dis­cours ana­ly­tique il ne pro­cè­de pas moins de la név­ro­se que ce qu’il a re­cu­eil­li de l’hystérique sous la for­me de l’Œdipe.

Ich kann hier nicht ein­mal an­deu­ten, was es braucht, um Sie zu Freud zu­rück­zu­füh­ren, ich kann je­doch sa­gen, dass er, in­dem er uns hier sei­nen Bei­trag zum ana­ly­ti­schen Dis­kurs ent­hüllt, nicht we­ni­ger von der Neu­ro­se aus­geht als bei dem, was er bei der Hys­te­ri­ke­rin in Ge­stalt des Ödi­pus auf­ge­le­sen hat.

Il est cu­rieux qu’il ait fal­lu que j’attende ce temps pour qu’une par­eil­le as­ser­ti­on, à savoir que le To­tem et ta­bou est un pro­du­it név­ro­tique, pour que je puis­se l’avancer – ce qui est tout à fait in­con­tes­ta­ble – sans que pour ça je met­te en rien en cau­se la vé­rité de la con­struc­tion.

Es ist ei­gen­ar­tig, dass ich die­sen Zeit­punkt ab­war­ten muss­te, da­mit ich eine sol­che Be­haup­tung, näm­lich dass To­tem und Tabu das Pro­dukt ei­ner Neu­ro­se ist – was völ­lig un­be­streit­bar ist –, da­mit ich sie vor­brin­gen kann, ohne dass ich da­für die Wahr­heit der Kon­struk­ti­on im Ge­rings­ten in Fra­ge stel­le.

C’est même en ça qu’elle est té­moi­gna­ge de la vé­rité.

Eben dar­in ist sie Zeug­nis der Wahr­heit.

On ne psy­chana­ly­se pas une œu­vre, et en­co­re moins cel­le de Freud qu’une aut­re, on la cri­tique, et bien loin qu’une név­ro­se ren­de sus­pec­te sa so­li­dité, c’est cela même qui la sou­de dans ce cas.

Ein Werk psy­cho­ana­ly­siert man nicht, und das von Freud noch we­ni­ger als ein an­de­res, man kri­ti­siert es, und eine Neu­ro­se, weit da­von ent­fernt, die So­li­di­tät des Wer­kes ver­däch­tig zu ma­chen, ist in die­sem Fal­le viel­mehr eben das, wo­durch es ver­schweißt wird.

C’est ce107 té­moi­gna­ge que l’obsessionnel ap­por­te de sa struc­tu­re à ce qui, du rap­port se­xu­el s’avère com­me im­pos­si­ble à for­mu­ler dans le dis­cours, que nous de­vons le my­the de Freud.

Die­ses Zeug­nis, das der Zwangs­neu­ro­ti­ker von sei­ner Struk­tur lie­fert – für das, was vom se­xu­el­len Ver­hält­nis, wie sich her­aus­stellt, im Dis­kurs un­mög­lich zu for­mu­lie­ren ist –, die­ses Zeug­nis schul­den wir dem My­thos von Freud.108

J’en res­te­rai là aujourd’hui.

Da­mit möch­te ich es für heu­te be­wen­den las­sen.

Le temps va me man­quer en rai­son des for­mu­les… [Lärm, der fol­gen­de Satz ist kaum ver­ständ­lich] je m’excuse… pour … s’efforcer d’avancer un peu plus loin que…

Die Zeit wird mir feh­len auf­grund der For­meln [Lärm, das Fol­gen­de ist kaum ver­ständ­lich] ich ent­schul­di­ge mich … um … sich zu be­mü­hen, ein we­nig wei­ter vor­an­zu­brin­gen, dass …

C’est la pro­chai­ne fois que je don­ne­rai à ça, ex­ac­te­ment sa por­tée, car je ne vou­d­rais pas qu’il y ait de ma­len­ten­dus.

Beim nächs­ten Mal wer­de ich dem sei­ne ge­naue Trag­wei­te ge­ben, denn ich möch­te nicht, dass es Miss­ver­ständ­nis­se gibt.

Le fait d’articuler d’une cer­tai­ne fa­çon ce qui est la cont­ri­bu­ti­on de Freud au my­the fon­da­men­tal de la psy­chana­ly­se – je le sou­li­gne – ce n’est pas du tout, par­ce qu’ainsi en est sou­li­gnée l’origine, qu’il est ren­du sus­pect, bien au con­trai­re.

Wenn auf eine be­stimm­te Wei­se das ar­ti­ku­liert wird, was der Bei­trag von Freud zum grund­le­gen­den My­thos der Psy­cho­ana­ly­se ist, ich be­to­ne das, dann wird der My­thos da­durch, dass sein Ur­sprung her­aus­ge­stellt wird, kei­nes­wegs su­spekt ge­macht, ganz im Ge­gen­teil.

Il s’agit seu­le­ment de savoir où cela peut nous con­du­i­re.

Es geht nur dar­um zu wis­sen, wo­hin uns das füh­ren kann.

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Anmerkungen

  1. Ne­ben­ste­hen­des Dia­gramm aus J.L.: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens (1962). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 325–368, hier: S. 355, Fär­bung  von mir hin­zu­ge­fügt.
  2. Ein Fak­si­mi­le von La­cans vor­be­rei­ten­den No­ti­zen zu die­ser Sit­zung fin­det man im: Sup­plé­ment ré­ser­vé aux abon­nés de l’Unebévue n° 8/9 printemps/été 1997, eine Ab­schrift die­ser No­ti­zen in: Bul­le­tin de l’Association freu­di­en­ne n° 54, Sep­tem­ber 1993, S. 13–21, eine Ver­öf­fent­li­chung die­ser Ab­schrift im In­ter­net hier.
  3. Die Wor­te „si sim­ple­ment je dis ou si je vous dis que j’ai écrit“ sind auf der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren (1ꞌ27). Mil­ler schreibt: „si je vous dis que j’ai écrit ou je vous ai écrit.“ („ob ich Ih­nen sa­gen, ich habe ge­schrie­ben oder ich habe Ih­nen ge­schrie­ben“).
  4. La­can be­zieht sich hier mög­li­cher­wei­se auf sei­ne Kom­men­ta­re zu Ed­vard Munchs Bild Der Schrei in den Se­mi­na­ren 12 und 16. Vgl. Se­mi­nar 12 von 1964/65, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 17. März 1965; Se­mi­nar 16 von 1968/69, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, Sit­zun­gen vom 13. No­vem­ber 1968 und vom 12. März 1969. Eine Über­set­zung die­ser Pas­sa­gen fin­det man in die­sem Blog­bei­trag.
  5. Vgl. J. La­can: Die Freud’sche Sa­che oder Sinn der Rück­kehr zu Freud in der Psy­cho­ana­ly­se (1956). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 472–513, v.a. S. 581.– La­can hat­te sich hier­auf be­reits in der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars be­zo­gen (Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971).
  6. Auf die Pascal’sche Wet­te hat­te La­can sich in der ers­ten Sit­zung die­ses Se­mi­nars be­zo­gen (Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971), frü­her aus­führ­lich in Se­mi­nar 13 von 1965/66, Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se (Sit­zun­gen vom 2. Fe­bru­ar, 9. Fe­bru­ar und 25. Mai 1966).
  7. La­can er­läu­tert hier, wie der Ne­ga­ti­ons­strich über dem Quan­tor zu ver­ste­hen ist: das „Alle“ bzw. das „Es exis­tiert“ kann nicht ge­schrie­ben wer­den. Da­mit mar­kiert er den Un­ter­schied zur Ver­wen­dung der Ne­ga­ti­on in der Quan­to­ren­lo­gik.
  8. Die Po­si­ti­on ei­nes Man­nes ist durch die Ne­ga­ti­on des Exis­tenz­quan­tors cha­rak­te­ri­siert, die­ser Ne­ga­ti­on be­ruht auf ei­ner vor­gän­gi­gen Be­ja­hung. Die Po­si­ti­on ei­ner Frau be­ruht auf der Ne­ga­ti­on des All­quan­tors, und auch hier gilt, dass die­se Ver­nei­nung auf ei­ner vor­gän­gi­gen Be­ja­hung auf­baut, also auf der Be­zie­hung zu „jede Frau“ oder zu „alle Frau­en“.
    La­can spielt hier auf Freuds Kon­zep­ti­on der Ver­nei­nung an, in: S. Freud: Die Ver­nei­nung (1925). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be. Band 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 371–378.
  9. La­can be­zieht sich auf sei­nen Auf­satz La Cho­se freu­di­en­ne (1956). Er lässt hier die Per­so­ni­fi­ka­ti­on der Wahr­heit eine Rede hal­ten, de­ren Bot­schaft lau­tet: „Ich, die Wahr­heit, ich spre­che.“ (Vgl. J.L.: Die Freud’sche Sa­che. In: Ders.: Schrif­ten. Band I. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant 2016, S. 472–513, hier: S. 481 ff.).
  10. Auf die Ent­hül­lung des Phal­lus in den an­ti­ken Mys­te­ri­en­kul­ten hat­te La­can zu­erst im Auf­satz Die Be­deu­tung des Phal­lus ver­wie­sen (ge­schrie­ben 1958) (Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 192–204, hier: S. 201) so­wie in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten (Sit­zung vom 23. April 1958, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 410). Vgl. hier­zu die­sen Blog­ar­ti­kel
  11. Wort­spiel mit der Laut­gleich­heit von as­sez phal­le (hin­rei­chend phal­lisch) und acé­pha­le (ake­phal, kopf­los).
  12. Die Wort­fol­ge „die Be­deu­tung des Phal­lus“ ist im Ori­gi­nal deutsch. La­can be­zieht sich auf Die Be­deu­tung des Phal­lus, ei­nen Vor­trag, den er am 8. Mai 1958 im Max-Planck-In­sti­tut für Psych­ia­trie in Mün­chen auf Deutsch ge­hal­ten hat­te. Der Text wur­de erst­mals 1966 in den Écrits ver­öf­fent­licht (S. 685–695), dort auf fran­zö­sisch, mit dem fran­zö­sisch-deut­schen Dop­pel­ti­tel La si­gni­fi­ca­ti­on du phal­lus. Die Be­deu­tung des Phal­lus. Vgl. J. La­can: Die Be­deu­tung des Phal­lus. In: Ders.: Schrif­ten II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 192–204.
    La­can spielt hier an auf Gott­lob Fre­ges Auf­satz Über Sinn und Be­deu­tung (1892). In: Ders.: Funk­ti­on, Be­griff, Be­deu­tung. Fünf lo­gi­sche Stu­di­en. Van­den­hoeck und Ru­precht, Göt­tin­gen 1986, S. 40–65. Im In­ter­net hier. In der Fol­ge­sit­zung die­ses Se­mi­nars (16. Juni 1971) wird La­can sich aus­führ­li­cher zu die­sem Text äu­ßern., erst­mals hat­te er sich dar­auf in Se­mi­nar 12 be­zo­gen, in der Sit­zung vom 2. Juni 1965.
    Un­ter „Be­deu­tung“ ver­steht Fre­ge, grob ge­sagt, den Re­fe­ren­ten, un­ter „Sinn“, eben­so grob, das Si­gni­fi­kat.
  13. Eine Sa­che wie die­se da: das sind ver­mut­lich die Écrits.
  14. Das Wort „bou­che“ (Mund) ist in der Ton­auf­nah­me deut­lich zu hö­ren (23ꞌ14), Mil­ler schreibt „lan­gue“ (Sprache/Zunge).
  15. Das Wort „ra­tée“ (ge­schei­tert) ist in der Ton­auf­nah­me deut­lich zu hö­ren (23ꞌ33), Mil­ler schreibt „ra­cia­le“ (ras­sisch).
  16. Geht man fünf­und­zwan­zig Jah­re zu­rück, ist man im Jahr 1946. Wor­auf be­zieht sich La­can hier? Auf den Ein­fluss der psy­cho­ana­ly­ti­schen Ich-Psy­cho­lo­gie, der in der Nach­kriegs­zeit be­ginnt?
  17. In Se­mi­nar 5 (Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, 1957/58) sagt La­can, „daß wir häu­fig an­neh­men müs­sen, daß der Phal­lus im Si­gni­fi­kan­ten­sys­tem von dem Mo­ment an ins Spiel kommt, da das Sub­jekt im Ge­gen­satz zum Si­gni­fi­kan­ten das Si­gni­fi­kat als sol­ches, ich mei­ne die Be­deu­tung, zu sym­bo­li­sie­ren hat. (…) Der Si­gni­fi­kant des Si­gni­fi­kats im all­ge­mei­nen ist der Phal­lus.“ (Se­mi­nar 5, Sit­zung vom 2. Fe­bru­ar 1958; Ver­si­on Miller/Gondek S. 284) 
  18. Mei­ne Hün­din spricht“, hat­te La­can in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung, 1961/62, er­klärt (Sit­zung vom 29. No­vem­ber 1961). Über sei­ne Hün­din Jus­ti­ne hat­te La­can sich auch in Se­mi­nar 17 von 1969/70 ge­äu­ßert, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (Sit­zung vom 3. De­zem­ber 1969, Ver­si­on Mil­ler S. 227).
  19. Blai­se Pas­cal: „Le si­lence éter­nel de ces es­paces in­fi­nis m’effraie“, Pen­sées, Nr. 201 der La­f­u­ma-Nu­me­rie­rung; „Das ewi­ge Schwei­gen die­ser un­end­li­chen Räu­me er­schreckt mich.“
  20. La­can ent­nimmt die Wen­dung „das biss­chen Rea­li­tät“ dem Ti­tel von An­dré Bre­tons Schrift In­tro­duc­tion au dis­cours sur le peu de réa­lité (1927), „Ein­füh­rung in den Dis­kurs über das biss­chen Rea­li­tät“. Seit dem Auf­satz über das Spie­gel­sta­di­um (1949) kommt er auf die­se Wen­dung im­mer wie­der zu­rück.
  21. Ein Ska­phan­der ist ein Tau­cher­an­zug (von grie­chisch skaphē, „Boot“, und anēr, Ge­ni­tiv von an­dros, „Mann“).
  22. Das Ver­bin­dungs­stück zum vor­an­ge­hen­den Satz ist of­fen­bar der „Tau­cher­an­zug“ der Welt­raum­fah­rer.
  23. Die ers­te Mond­lan­dung er­folg­te 1969.
  24. Mil­ler schreibt: „avant de re­ve­nir du Ja­pon“. Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Klä­rung (vgl. 32ꞌ41).
  25. Ab 1482 ließ der ach­te Sho­gun, Ashi­ka­ga Yo­shi­ma­sa, in Kyō­to den Sil­ber­nen Pa­vil­lon als sei­nen Ru­he­sitz bau­en. Zum Gar­ten der An­la­ge ge­hört ein auf­ge­schüt­te­ter Hü­gel, der als Platt­form zur Be­trach­tung des Mon­des dien­te.
  26. Per­son“ geht auf das la­tei­ni­sche Wort per­so­na zu­rück, was „Mas­ke des Schau­spie­lers“ be­deu­tet.
  27. Der Satz ist in der Ton­auf­nah­me gut zu ver­ste­hen (34ꞌ30). Mil­ler fügt ein: „com­prend­re, que la tra­ce de pied sur la lune, c’est l’accomplissement …“ („be­grei­fen, dass die Fuß­spur auf dem Mond die Leis­tung…“.
  28. Mit dem Gra­phen ist der so­ge­nann­te Graph des Be­geh­rens ge­meint; das Sym­bol S(Ⱥ) fin­det sich hier am Schnitt­punkt oben links. Ab­bil­dung aus: J.L.: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud’schen Un­be­wuss­ten. In: Ders.: Schrif­ten II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 355.
  29. Re­fus de la per­for­mance be­deu­tet auch „Leis­tungs­ver­wei­ge­rung“.
  30. Fort­set­zung der Aus­ein­an­der­set­zung mit dem Be­griffs­paar Kom­pe­tenz – Per­form­anz, das Noam Chomsky in die Lin­gu­is­tik ein­ge­bracht hat; die ers­ten Be­mer­kun­gen hier­zu in die­sem Se­mi­nar fin­det man in der Sit­zung vom 10. Fe­bru­ar 1971.
  31. Vgl. J.L.: The lan­gua­ge of the self. The func­tion of lan­gua­ge in psy­cho­ana­ly­sis. Über­set­zung, An­mer­kun­gen und Kom­men­tar von An­t­ho­ny Wil­den. Johns Hop­kins Press, Bal­ti­more 1968.
  32. Das be­zieht sich auf die ers­te Über­set­zung der Écrits ins Spa­ni­sche: J.L.: Escri­tos I. Lec­tu­ra es­truc­tu­ra­lis­ta de Freud. Über­setzt von Tomás Se­go­via in Zu­sam­men­ar­beit mit Juan Da­vid Na­sio. Ed. Sig­lo XXI, Me­xi­ko 1971.
  33. Sans fard“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu ver­ste­hen (vgl. 38ˈ46). Mil­ler schreibt „sans fail­le“.
  34. de“ ist in der Ton­auf­nah­me zu ver­ste­hen; Mil­ler schreibt „dans“.
  35. An­spie­lung auf eine Be­mer­kung von Fried­rich En­gels über Karl Marx: „Da­mit aber [näm­lich mit den Ar­bei­ten von Marx] wur­de die Be­griffs­dia­lek­tik selbst nur der be­wuß­te Re­flex der dia­lek­ti­schen Be­we­gung der wirk­li­chen Welt, und da­mit wur­de die He­gel­sche Dia­lek­tik auf den Kopf, oder viel­mehr vom Kopf, auf dem sie stand, wie­der auf die Füße ge­stellt.“ (Fried­rich En­gels: Lud­wig Feu­er­bach und der Aus­gang der klas­si­schen deut­schen Phi­lo­so­phie (1886). In: Karl Marx, Fried­rich En­gels: Wer­ke. Band 21. Dietz, Berlin/DDR 1975, S. 292; im In­ter­net hier.
    En­gels spielt da­mit auf eine For­mu­lie­rung von Marx an: „Mei­ne dia­lek­ti­sche Me­tho­de ist der Grund­la­ge nach von der He­gel­schen nicht nur ver­schie­den, son­dern ihr di­rek­tes Ge­gen­teil. Für He­gel ist der Denk­pro­zeß, den er so­gar un­ter dem Na­men Idee in ein selb­stän­di­ges Sub­jekt ver­wan­delt, der De­mi­urg des Wirk­li­chen, das nur sei­ne äu­ße­re Er­schei­nung bil­det. Bei mir ist um­ge­kehrt das Ide­el­le nichts and­res als das im Men­schen­kopf um­ge­setz­te und über­setz­te Ma­te­ri­el­le.“ (K. Marx: Nach­wort zur zwei­ten Auf­la­ge (1873). In: Ders.: Das Ka­pi­tal. Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie. Ers­ter Band. In: Ders. und Fried­rich En­gels: Wer­ke. Band 23. Dietz, Berlin/DDR 1968, S. 18–28, hier: 27; im In­ter­net hier.
    Auf die Fi­gur, dass Marx He­gel auf die Füße ge­stellt hat, spielt La­can be­reits in Se­mi­nar 7 von 1959/60 an, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se (Sit­zung vom 18. Mai 1960, Ver­si­on Mil­ler S. 282).
  36. du puits“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu ver­ste­hen (vgl. 40ˈ42), bei Mil­ler feh­len die­se Wör­ter.
  37. An­spie­lung auf La­cans Dik­tum „Die Wahr­heit lässt sich nur halb­sa­gen“, das er erst­mals im vor­an­ge­gan­ge­nen Se­mi­nar vor­ge­bracht hat­te (Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, Sit­zung vom 11.März 1970, Ver­si­on Mil­ler S. 118).
  38. Der Satz ent­hält un­über­setz­ba­re Wort­spie­le mit rai­son, „Ver­nunft“, und ar­rai­soner, „ein Schiff an­hal­ten und durch­su­chen“, so­wie mit sai­son, „Jah­res­zeit“ und as­sai­soner, „wür­zen“, die zu­sam­men­ge­hal­ten wer­den durch die Laut­ähn­lich­keit von rai­son, „Ver­nunft“, und sai­son, „Jah­res­zeit“.  Der wi­chigs­te Be­zug ist aber si­cher­lich, dass Hei­deg­gers Be­griff „Ge­stell“ (aus Die Fra­ge nach der Tech­nik, 1953) mit „Ar­rai­son­ne­ment“ ins Fran­zö­sisch über­tra­gen wor­den ist (La ques­ti­on de la tech­ni­que. Über­setzt von An­dré Préau. Gal­li­mard, Pa­ris 1958; im In­ter­net hier).
  39. La­can be­zieht sich hier ver­mut­lich auf das von dem chi­ne­si­schen As­tro­no­men Guo Shou­jing im 13. Jh. kon­stru­ier­te Ge­rät zur Him­mels­be­ob­ach­tung, „ver­ein­fach­te Ar­mil­lar­sphä­re“ ge­nannt, das aus zwei senk­recht zu­ein­an­der ste­hen­den gro­ßen Rin­gen be­steht, von de­nen der eine par­al­lel zum Äqua­to­rebe­ne ver­läuft, der an­de­re senk­recht dar­auf steht (sie­he hier).
  40. Ich neh­me an, dass La­can sich mit „con­sci­ence lin­gu­is­tique“ auf Chomskys Be­griff der „lin­gu­is­tic in­tui­ti­on of the na­ti­ve spea­ker“ be­zieht und über­set­ze des­halb mit „Sprach­ge­fühl“.
  41. La­can spielt hier dar­auf an, dass er das Un­be­wuss­te als „Wis­sen“ be­zeich­net (seit Se­mi­nar 12); vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.
  42. Ich ver­ste­he nur so­viel: die Wahr­heit ist auf dem Schwarz­markt zu­ha­ben.
  43. “Kreu­zen“ (mé­tis­ser) hier in der bio­lo­gi­schen Be­deu­tung des Züch­tens durch das Paa­ren von un­ter­schied­li­chen Ar­ten.
  44. Mit dem Wen­de­be­reich ist der Über­gang von Au­ßen nach In­nen ge­meint; den Kreis, auf den La­can sich be­zieht, habe ich gelb mar­kiert.
    Eine Klein’sche Fla­sche ist be­lie­big ver­form­bar, des­halb kann je­der Punkt auf dem Wen­de­be­reich po­si­tio­niert wer­den.
  45. In der Ton­auf­nah­me hört man deut­lich [cə] (49ꞌ14), Mil­ler schreibt „ceux“ (die­je­ni­gen), was in der Re­gel [cø] ge­spro­chen wird.
  46. Mil­ler: „dé­ten­teurs“.
  47. Folgt man Mil­lers Ver­si­on: „ist die Hys­te­ri­ke­rin mit den­je­ni­gen ein­ver­stan­den, bei de­nen sie vor­täuscht, dass sie die Be­sit­zer die­ses Scheins sind“.
  48. Der Ter­mi­nus hom­moi­n­zin war von La­can im letz­ten Satz der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung zum ers­ten Mal ver­wen­det wor­den (9. Mai 1971). Die Hys­te­ri­ke­rin ist hom­moi­n­zin: zu­min­dest ei­ner (au moins un) / Mann mi­nus ei­nen (hom­me moins un). Eine Be­deu­tun­gen des Aus­drucks ist of­fen­bar: Sie iden­ti­fi­ziert sich mit dem als kas­triert auf­ge­fas­sen Mann.
  49. Das Wort „struc­tu­rels“ (struk­tu­rell) ist in der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren (50ꞌ26). Mil­ler schreibt „scrip­tur­ai­re“ (skrip­tu­ral).
  50. In den vor­be­rei­ten­den No­ti­zen zu die­ser Sit­zung schreibt La­can hier das lo­gi­sche Sym­bol für die Ver­ei­ni­gung ∪. Vgl. den Hin­weis in Ver­si­on „Es­pace La­can“ auf das Fak­si­mi­le der vor­be­rei­ten­den No­ti­zen im Sup­ple­ment zu L’Unebevue 8/9.
  51. Qu’il prend“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren (50ꞌ53); Mil­ler schreibt: „qui le prend“.
  52. An­spie­lung auf die For­mel für den Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin aus Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70): \frac {\$}{a} \,^\rightarrow \: \frac {\text S_1}{\text S_2}
    Der Herr wird hier durch die rech­te Sei­te des Aus­drucks re­prä­sen­tiert; die Hys­te­ri­ke­rin (lin­ke Sei­te) ap­pel­liert an ihn als Herrn (S1 oben rechts), was ihn dazu bringt, dass er sich mit dem Wis­sen be­gnügt (S2 un­ten rechts).
  53. La­can be­zieht sich auf die Ein­gangs­be­mer­kung, über das Si­gnal, das ihn da­vor warnt, den Struk­tu­ra­lis­mus zu strei­fen.
  54. In Das In­ter­es­se an der Psy­cho­ana­ly­se (1913) hat­te Freud er­klärt, die hys­te­ri­schen An­fäl­le sei­en „mi­mi­sche Dar­stel­lun­gen von er­leb­ten und ge­dich­te­ten Sze­nen“ (In: Ders.: Ge­sam­mel­te Wer­ke, Bd. 8. S. 389–420, hier: S. 399). Vgl. auch Pa­trick Pri­ma­vesi: Thea­ter, Sze­ne und Spiel. In: Hans-Mar­tin Loh­mann, Joa­chim Pfeif­fer (Hg.): Freud-Hand­buch. Le­ben – Werk – Wir­kung. Metz­ler, Stutt­gart u.a. 2006, S. 271–276.
  55. La­can er­läu­tert hier, wie die For­mel ∀xx zu le­sen ist. Den Aus­druck „Un­be­kann­te“ ver­wen­det er als ma­the­ma­ti­sche Me­ta­pher, wie be­reits in der vor­an­ge­gan­ge­nen Sit­zung; er be­zieht sich da­mit auf das x im lin­ken Teil der For­mel, also in ∀x . Dass die Un­be­kann­te be­reit ist, als „Va­ria­ble“ in Φx zu fun­gie­ren, wird da­durch an­ge­zeigt, dass der Quan­tor kei­nen Ne­ga­ti­ons­strich hat.
  56. Die grie­chi­schen Wör­ter pas, pan­ta, pan be­deu­ten „alle“, pas: Mas­cu­li­num No­mi­na­tiv Sin­gu­lar; pan­ta: Neu­trum No­mi­na­tiv und Ak­ku­sa­tiv Plu­ral; pan: Neu­trum No­mi­na­tiv und Ak­ku­sa­tiv Sin­gu­lar; ekas­tos meint „je­der“.
    Mit „Pan-ora­ma“ ver­su­che ich La­cans Wort­spiel nach­zu­bil­den, das den fran­zö­si­schen Aus­druck pan­ta­lon­na­de (der­be Pos­se, nach ita­lie­nisch Pan­ta­lo­ne (wört­lich „lan­ge Ho­sen“), ei­ner Fi­gur aus der Com­me­dia dell’arte) mit dem grie­chi­schen Wort pan (alle) kom­bi­niert.
  57. “Ex­ten­si­on“ ist der Be­griffs­um­fang, hier also „alle“.
  58. Die Schreib­wei­se „pap­lu­dun“ fin­det man in La­cans vor­be­rei­ten­den No­ti­zen zu die­ser Sit­zung.
    Zu Pea­nos Axio­men über das Sys­tem der na­tür­li­chen Zah­len ge­hört das Axi­om, dass jede na­tür­li­che Zahl n eine na­tür­li­che Zahl n als Nach­fol­ger hat.
  59. Wort­spiel mit der Laut­ähn­lich­keit von „Mé­non“ (Me­non) und „mais non“ (aber nein).
  60. Das be­zieht sich auf An­dré Green: Un œil en trop. Le com­ple­xe d’Œdipe dans la tra­gé­die. Mi­nuit, Pa­ris 1969, S. 263.
  61. Das Wort „phra­ses“ (Sät­ze) ist in der Ton­auf­nah­me deut­lich zu hö­ren (1:03ꞌ11); Mil­ler schreibt „pha­ses“ (Pha­sen).
  62. Auf Pla­tons Dia­log Me­non be­zieht La­can sich in den ers­ten bei­den Se­mi­na­ren. Vgl. Se­mi­nar 1, Sit­zung vom 7. Juli 1954 (Ver­si­on Miller/Hamacher S. 349) und Se­mi­nar 2, Sit­zun­gen vom 17. No­vem­ber 1954 (Ver­si­on Miller/Metzger S. 11) und vom 24. No­vem­ber 1954 (Ver­si­on Miller/Metzger S. 24–28, hier auch spe­zi­ell zum Ver­hält­nis von Wis­sen und Wahr­heit).
  63. Das Wort „epistēmē“ ist in der Ton­auf­nah­me deut­lich zu hö­ren (1:03ˈ22). Ver­si­on Es­paces La­can tran­skri­biert falsch mit „exis­tant“.
  64. Pla­tons So­kra­tes zu­fol­ge kann doxa (Mei­nung) wahr sein, kann die Wahr­heit je­doch nicht be­grün­den, im Fal­le der epis­tēmē (Wis­sen) hin­ge­gen ist die Wahr­heit be­grün­det; vgl. etwa The­ai­te­tos 201B. Im Me­non geht es um die Fra­ge, ob die Tu­gend auf or­tho­do­xa be­ruht (auf rich­ti­ger Mei­nung, auf wah­rer Mei­nung) oder auf epistēmē (also auf be­gründ­ba­rem Wis­sen).
  65. An­mer­kung zu con­trai­re in Ver­si­on Es­paces La­can: „oder con­tras­te? Klei­ner Ton­schnitt am Ende des Wor­tes?“ (vgl. 1:03ꞌ35.67).
  66. La­can gibt hier an, wie eine For­mel mit ne­gier­tem Quan­tor zu le­sen ist, die For­mel \overline {\forall \text {x}} \Phi \text {x}. Das x auf der lin­ken Sei­te (auf der mit dem Quan­tor) ist eine Un­be­kann­te im Sin­ne der Ma­the­ma­tik, ge­nau­er: eine un­ver­än­der­li­che Un­be­kann­te. Die Ne­ga­ti­on be­sagt, dass die­ses x nicht in ei­ner Funk­ti­on der Va­ria­blen an­ge­schrie­ben wer­den kann; da­mit be­zieht er sich auf die rech­te Sei­te der For­mel, wo das x eine Va­ria­ble in ei­ner Funk­ti­on ist.
  67. La­can cha­rak­te­ri­siert das Be­geh­ren der Hys­te­ri­ke­rin da­durch, dass sich dar­auf rich­tet, un­be­frie­digt zu sein (vgl. J.L.: Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht (ge­schrie­ben 1960). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 115; J. L.: An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Laga­che „Psy­cho­ana­ly­se und Struk­tur der Per­sön­lich­keit“ (ge­schrie­ben 1960). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text, a.a.O., S. 146–191, hier: S. 188; J. L.: Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud’schen Un­be­wuss­ten (ge­schrie­ben 1962). In: Ders.: Schrif­ten. Band II, Voll­stän­di­ger Text, a.a.O., S. 325–368, hier: S. 363.
  68. de la“ ist gut zu hö­ren (1:07ˈ47). Mil­ler: „de sa“.
  69. Mil­ler: „J’avais in­sis­té“ (ich hat­te in­sis­tiert), die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (1:08ˈ18).
  70. Das eng­li­sche Wort splash be­deu­tet nicht nur „Plat­schen“, son­dern auch „Auf­se­hen“, „Sen­sa­ti­on“.
  71. C’est pour­tant fa­ci­le“ ist in der Ton­auf­nah­me an­deu­tungs­wei­se zu ver­ste­hen (1:08ˈ53). Bei Mil­ler ohne „C’est pour­tant fa­ci­le“.
  72. “L’autre scè­ne“ meint auch „die an­de­re Büh­ne“.
    Freud schreibt in der Traum­deu­tung über Gus­tav Theo­dor Fech­ner: „Er ver­mu­tet (…), dass der Schau­platz der Träu­me ein an­de­rer ist als der des wa­chen Vor­stel­lungs­le­bens.“ Freud kom­men­tiert das da­mit, dass eine ana­to­mi­sche Deu­tung wohl aus­zu­schlie­ßen sei, und er fährt fort: „Viel­leicht aber er­weist sich der Ge­dan­ke ein­mal als sinn­reich und frucht­bar, wenn man ihn auf ei­nen see­li­schen Ap­pa­rat be­zieht, der aus meh­re­ren hin­ter­ein­an­der ein­ge­schal­te­ten In­stan­zen auf­ge­baut ist.“ (Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 72; Freud wie­der­holt das Zi­tat a.a.O., S. 512; er zi­tiert aus: G. Th. Fech­ner: Ele­men­te der Psy­cho­phy­sik (zu­erst 1860). Leip­zig, 2. Aufl. 1889, Bd. 2, S. 520 f.)
    Auf den „an­de­ren Schau­platz (l’autre scè­ne) hat­te La­can sich in den Se­mi­na­ren zu­erst in Se­mi­nar 5 von 1957/58, Die Bil­dun­gen des Un­be­wuss­ten, be­zo­gen (Sit­zung vom 11. De­zem­ber 1957; Ver­si­on Miller/Gondek S. 126); in den Schrif­ten hat­te er sich hier­auf be­zo­gen in Die Len­kung der Kur und die Prin­zi­pi­en ih­rer Macht, a.a.O., S. 124).
  73. La­can be­zieht sich auf eine be­rühm­ten Text des Ma­the­ma­ti­kers Hen­ri Poin­ca­ré, in dem die­ser schil­dert, wie er die Ab­hand­lung „Über die Fuchs’schen Funk­tio­nen“ ge­schrie­ben hat. „Ei­nes Abends trank ich, im Ge­gen­satz zu mei­ner Ge­wohn­heit, schwar­zen Kaf­fee; ich konn­te nicht ein­schla­fen; scha­ren­wei­se tauch­ten Ide­en auf; ich spür­te sie, als ob sie auf­ein­an­der stie­ßen, bis da­hin, dass zwei von ih­nen sich ge­wis­ser­ma­ßen ver­klam­mer­ten, so dass sie eine fes­te Ver­bin­dung bil­de­ten. Am nächs­ten Mor­gen hat­te ich die Exis­tenz ei­ner Klas­se von Fuchs’schen Funk­tio­nen ge­si­chert, der­je­ni­gen, die aus der hy­per­geo­me­tri­schen Rei­he ab­ge­lei­tet sind; ich muss­te die Er­geb­nis­se nur noch über­ar­bei­ten, was mich nur ei­ni­ge Stun­den be­schäf­tig­te (…)“ (Hen­ri Poin­ca­ré: L’invention ma­thé­ma­tique. In: Ders.: Sci­ence et mé­tho­de. Flamma­ri­on, Pa­ris 1908, Buch I, Ka­pi­tel 3, S. 51, mei­ne Über­set­zung)
  74. Vgl. v.a. Clau­de Lévi-Strauss: My­tho­lo­gi­ques. Bän­de I bis IV. Plon, Pa­ris 1964–1971. Deutsch: My­tho­lo­gi­ca. Bän­de I bis IV. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1971–1975.
  75. Un­ter ei­nem Iso­mor­phis­mus ver­steht man in der Ma­the­ma­tik eine spe­zi­el­le, um­kehr­bar ein­deu­ti­ge Ab­bil­dung ei­ner al­ge­brai­schen Struk­tur auf eine an­de­re.
  76. Vgl. Clau­de Lévi-Strauss: Die ele­men­ta­ren Struk­tu­ren der Ver­wandt­schaft (1948). Über­setzt von Eva Mol­den­hau­er. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1981.
    An­mer­kung hier­zu in Ver­si­on Es­paces La­can: „Der Ges­te, die es der Na­tur über­lasst, dass die Gat­tung sich fort­setzt und die in der Al­li­anz dazu führt, dass zwei For­men der Lie­be sich be­geg­nen, El­tern­lie­be und Gat­ten­lie­be, stellt Lévi-Strauss die Ges­te ge­gen­über, mit der in der Kul­tur die Na­tur durch eine dop­pel­te Be­we­gung der ele­men­ta­ren Struk­tu­ren der Ver­wandt­schaft ein­ge­schränkt wird: exo­ga­me Vor­schrif­ten und In­zest­ver­bot.“
  77. Mil­ler: „des têtes des ana­lys­tes, qui de l’époque étai­ent en fa­veur“ (über die Köp­fe der Ana­ly­ti­ker hin­weg, die da­mals in Gunst stan­den). Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (1:12ˈ41).
  78. Das könn­te hei­ßen: die­je­ni­ge, die an ihn die For­de­rung stellt, nur eine zu lie­ben, ist eine an­de­re als die eine, die er liebt.
  79. An­spie­lung auf die Er­zäh­lung von Alp­hon­se Al­lais: Un dra­me bien pa­ri­si­en (1891): Ein Ehe­paar, Raoul und Mar­gue­ri­te, ver­ab­re­det sich zu ei­nem Mas­ken­ball; sie wis­sen, wel­che Mas­ken sie dort tra­gen wer­den. Auf dem Ball ver­ab­re­den sie sich, mas­kiert, zum Es­sen und dort las­sen sie die Mas­ken fal­len.
    „Tous les deux pous­sè­rent, en même temps, un cri de stu­peur, en ne se re­con­nais­sant ni l’un ni l’autre. Lui, ce n’était pas Raoul. Elle, ce n’était pas Mar­gue­ri­te.“
    „Bei­de stie­ßen zur sel­ben Zeit ei­nen Schrei der Ver­blüf­fung aus, da sie ein­an­der nicht er­kann­ten. Er war nicht Raoul. Sie war nicht Mar­gue­ri­te.“ (Mei­ne Über­set­zung)
  80. “Die­se Fa­bel“ ist ver­mut­lich die Ödi­pus­fa­bel. Sie wird da­durch ge­stützt, dass der Mann ein klei­ner Jun­ge ist: dass er an die Mut­ter ge­bun­den bleibt.
  81. Vot­re ser­vi­teur“ ist auf der Ton­auf­nah­me an­deu­tungs­wei­se zu hö­ren (vgl. 1:14ꞌ01). Ich fol­ge hier Mil­ler, in Ver­si­on Es­pace La­can fehlt „vot­re ser­vi­teur“.
  82. par­ler“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu ver­ste­hen (1:14ꞌ02). Mil­ler: „qui fas­se ici par­tie de ce“.
  83. In der ers­ten Sit­zung von Se­mi­nar 18 hieß es, das Ge­nie­ßen sei ein un­mög­li­cher Dis­kurs­ef­fekt (Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971; Ver­si­on Mil­ler S. 21). In der ak­tu­el­len Sit­zung hat­te La­can u.a. von der Un­mög­lich­keit ge­spro­chen, das se­xu­el­le Ver­hält­nis bei den We­sen zu sym­bo­li­sie­ren, die die Spra­che be­woh­nen (Ver­si­on Mil­ler, S. 148). 
  84. Das grie­chi­sche Wort schi­ze be­deu­tet „Spal­tung“.
  85. La­can setzt sei­ne Über­le­gun­gen über den Un­ter­schied zwi­schen dem Va­ter­mord im Ödi­pus­my­thos und dem Va­ter­mord im My­thos von To­tem und Tabu bzw. von Der Mann Mo­ses fort, die er im vor­an­ge­gan­ge­nen Se­mi­nar be­gon­nen hat­te (vgl. Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, vor al­lem die Sit­zun­gen vom 18. Fe­bru­ar, 11. März und 18. März 1970).
  86. Spä­ter in die­ser Sit­zung wird La­can deut­li­cher: der My­thos von To­tem und Tabu be­ruht auf Freuds Zwangs­neu­ro­se.
  87. Das „ni“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren (1:14ꞌ25); Mil­ler: ohne „ni“.
  88. Auf den Ur­va­ter, der alle Frau­en ge­nießt, hat­te La­can sich in die­sem Se­mi­nar be­reits be­zo­gen am 17. Fe­bru­ar 1971 (Ver­si­on Mil­ler S. 68 f.), am 17. März 1971 (Ver­si­on Mil­ler S. 106) und am 19. Mai 1971 (Ver­si­on Mil­ler S. 143).
    Die Cha­rak­te­ri­sie­rung des Ur­va­ters durch das „Ge­nie­ßen al­ler Frau­en“ fin­det man zu­erst in Se­mi­nar 14 von 1966/67, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, Sit­zung vom 26. April 1967.
  89. Vgl. S. Freud: To­tem und Tabu (1912–1913). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 287–444, hier: S. 425–428.
  90. Freud: „Eine Aus­nah­me­stel­lung er­gab sich aus na­tür­li­chen Grün­den für die jüngs­ten Söh­ne, die durch die Lie­be der Mut­ter ge­schützt aus dem Al­tern des Va­ters Vor­teil zie­hen und ihn nach sei­nem Ab­le­ben er­set­zen konn­ten.“ (Der Mann Mo­ses und die mo­no­the­is­ti­sche Re­li­gi­on (1939). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 455–581, hier: S. 530.
  91. Vgl. Freud: „Die An­knüp­fung an den He­ros bot wahr­schein­lich der jüngs­te Sohn, der Lieb­ling der Mut­ter, den sie vor der vä­ter­li­chen Ei­fer­sucht be­schützt hat­te und der in Ur­hor­den­zei­ten der Nach­fol­ger des Va­ters ge­wor­den war.“ (Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch-Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 127.
  92. Auf die­ses Ge­setz hat­te La­can sich be­reits in Se­mi­nar 1 von 1953/54 be­zo­gen, Freuds tech­ni­sche Schrif­ten (Sit­zung vom 19. Mai 1954, Ver­si­on Mil­ler S. 221).
  93. La­can be­zieht sich mög­li­cher­wei­se auf die­se For­mu­lie­rung von Freud „Vom Va­ter der Ur­hor­de ha­ben wir an­ge­nom­men, daß er durch sei­ne se­xu­el­le In­to­le­ranz alle Söh­ne zur Ab­sti­nenz nö­tigt und sie so in ziel­ge­hemm­te Bin­dun­gen drängt, wäh­rend er sich selbst frei­en Se­xu­al­genuß vor­be­hält und so­mit un­ge­bun­den bleibt.“ (S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 130)
  94. Dem­nach ist der Phal­lus der Si­gni­fi­kant des (un­mög­li­chen) „Ge­nie­ßens al­ler Frau­en“, also des (un­mög­li­chen) „frei­en Se­xu­al­ge­nus­ses“.
  95. Das an­de­re Ur­ge­setz ist das Mord­ver­bot. Vgl. Freud: „Sie [die Brü­der der Ur­hor­de] wi­der­rie­fen ihre Tat, in­dem sie die Tö­tung des Va­ter­er­sat­zes, des To­tem, für un­er­laubt er­klär­ten, und ver­zich­te­ten auf de­ren Früch­te, in­dem sie sich die frei­ge­wor­de­nen Frau­en ver­sag­ten. So schu­fen sie aus dem Schuld­be­wußt­sein des Soh­nes die bei­den fun­da­men­ta­len Tabu des To­te­m­is­mus, die eben dar­um mit den bei­den ver­dräng­ten Wün­schen des Ödi­pus­kom­ple­xes über­ein­stim­men muß­ten.“ (Freud, To­tem und Tabu, a.a.O., S. 427)
  96. Vgl. Freud: „Zum re­li­gi­ös be­grün­de­ten Ver­bot, den To­tem zu tö­ten, kommt nun das so­zi­al be­grün­de­te Ver­bot des Bru­der­mor­des hin­zu.“ (To­tem und Tabu, a.a.O., S. 429)
    Eteo­kles und Po­lyn­ei­kes wa­ren die Söh­ne von Ödi­pus und Jo­kas­te, An­ti­go­ne und Is­me­ne wa­ren ihre Schwes­tern. Im Kampf um die Herr­schaft in The­ben tö­te­ten sie sich ge­gen­sei­tig im Zwei­kampf. La­can hat­te sich hier­auf in sei­nem An­ti­go­ne-Kom­men­tar in Se­mi­nar 7 be­zo­gen (Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, 1959/60).
  97. Viel­leicht An­spie­lung auf den Fluch der Lab­dak­iden, des Herr­scher­ge­schlechts, zu dem Ödi­pus, Jo­kas­te, An­ti­go­ne, Is­me­ne, Eteo­kles und Po­lyn­ei­kes ge­hör­ten..
  98. Mil­ler: „pour Freud ? pour ses lec­teurs ?“ Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (vgl. 1:20ˈ14).
  99. Mil­ler: „le­dit père“, (be­sag­ten Va­ter); die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (vgl. 1:20ˈ46).
  100. Mit dem „wah­ren Va­ter“ ist hier sein Ad­op­tiv­va­ter Po­ly­bos ge­meint.
  101. Das „le“ von „le père“ ist in der Ton­auf­nah­me gut zu hö­ren (1:21ˈ02); Mil­ler: „ce père“.
  102. Mil­ler: „étai­ent tel­le­ment im­pli­qués“ (der­art ver­wi­ckelt wa­ren). Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (vgl. 1:21ˈ26).
  103. Jo­kas­te weiß, so lau­tet La­cans The­se, dass Ödi­pus der Mör­der von Lai­os ist; Ödi­pus’ Die­ner hat’s ihr ver­ra­ten. Vgl. Se­mi­nar 14, Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67, Sit­zun­gen vom 26. April und 24. Mai 1967; Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, 1969/70, Sit­zung vom 10. März 1970, Ver­si­on Mil­ler S. 134 f.
  104. Mil­ler: „ait igno­ré“ (nicht ge­wusst hat). Die Ton­auf­nah­me er­mög­licht kei­ne Ent­schei­dung (vgl. 1:21ˈ37).
  105. „vrai­ment“ ist ei­ni­ger­ma­ßen zu ver­ste­hen (vgl. 1:22ˈ14). Mil­ler: „em­pê­ché de me dé­li­v­rer de mon pro­b­lè­me“.
  106. Die „Ver­schwö­rung“, auf die La­can sich hier be­zieht, dürf­te der Ent­zug sei­ner Lehr­erlaub­nis durch die So­cié­té Françai­se de Psy­chana­ly­se im Jah­re 1963 sein, die zur Fol­ge hat­te, dass La­can sein für 1963/64 ge­plan­tes Se­mi­nar Die Na­men des Va­ters nach der ers­ten Sit­zung ab­brach.
  107. C’est ce“ ist auf der Ton­auf­nah­me ei­ni­ger­ma­ßen zu ver­ste­hen (vgl. 1:24ˈ03). Mil­ler: „C’est au“.
  108. Dem­nach ist die lin­ke Sei­te der For­meln der Se­xu­ie­rung, wor­in der my­thi­sche Ur­va­ter durch die For­mel links oben re­prä­sen­tiert wird, eine (zwangs­neu­ro­tisch ge­stütz­te) Al­ter­na­ti­ve zur (hys­te­risch ge­stütz­ten) For­mel der Va­ter­m­e­ta­pher von 1958.

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