Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre

Jacques Lacan: Seminar XVIII, 9. Sitzung (9. Juni 1971), Übersetzung

Edvard Munch, Der Tod des Marat I, 1907, 200 x 150 cm, Öl auf Leinwand, Munch-Museum in Oslo

Seminar XVIII (1971): Über einen Diskurs, der nicht vom Schein wäre
9. Sitzung, 9. Juni 1971
Übersetzt von Rolf Nemitz

Vollständige Übersetzung von Seminar 18 auf der Grundlage der Version Staferla, der Version Espaces Lacan und einer Tonaufnahme

In Millers Version des Seminars ist dies Kapitel IX, „Une homme et une femme et la psychanalyse“ („Ein Mann und eine Frau und die Psychoanalyse“), S. 145–161.

Die Übersetzung wird zweimal gebracht, einmal nur deutsch, einmal in einer Interlinearversion: ein Satz französisch, ein Satz deutsch.

Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme und auf größere Abweichungen in Millers Version; im deutschen Text findet man Links und Bilder, in den Anmerkungen zum deutschen Text Literaturangaben und Erläuterungen.

Seminar 18 wird in diesem Blog bis zum Frühjahr 2017 vollständig übersetzt werden, etwa jeden Monat erscheint die Übersetzung einer weiteren Sitzung.

Einen Überblick über die verschiedenen Ausgaben von Seminar 18 findet man hier, Links zu Übersetzungen weiterer Sitzungen des Seminars hier.

Herzlichen Dank an Gerhard Herrgott für großzügige Hilfe beim Übersetzen auch dieser Sitzung!

Textgrundlage

Grundlage der Übersetzung dieser Sitzung ist:

Version Espaces Lacan von Seminar 18.
Transkription einer Tonaufnahme auf der Seite „Espaces Lacan“
(space.freud.pagesperso-orange.fr), HTML-Format

Die Transkription wurde von mir mit einer Tonaufnahme der Sitzung und mit der von Jacques-Alain Miller erstellten (redaktionell bearbeiteten) Version verglichen und nur an wenigen Stellen geändert. Wortwiederholungen, bei denen offenkundig ist, dass Lacan nach einer Formulierung sucht, habe ich gestrichen. Der Schnitt der Sätze (Punkt oder Semikolon oder Komma) sowie die Orthografie wurden bisweilen geändert. Die Gliederung in Absätze ist von mir.

Die Tonaufnahme findet man auf der Website von Patrick Valas, valas.fr, hier. Millers Version ist: J. Lacan: Le séminaire, livre XVIII. D’un discours qui ne serait pas du semblant. 1971. Textherstellung Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 2007.

Wörter mit Sternchen: im Original deutsch.

Der Schrägsstrich / verbindet Übersetzungsvarianten.

Einfügungen in runden Klammern enthalten Formulierungen des französischen Originals.

Einfügungen in eckigen Klammern dienen der Erläuterung und sind nicht von Lacan.

Einfügungen in spitzen Klammern: Ersatz für vermutlich ausgefallenen Text.

¿Gelb markierte und von umgekehrten Fragezeichen eingeklammerte Passagen der Übersetzung¿ weisen darauf hin, dass die Übersetzung hier sehr unsicher ist.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift, z.B. [10], verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe des Seminars.

Sitzung vom 9. Juni 1971

Tonaufnahme

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Deutsch

[145] Ich werde mich heute auf etwas stützen, bei dem ich Sorge getragen habe, es zu schreiben. Ich sage das nicht einfach so ins Blaue hinein, das ist nicht überflüssig.

Ich werde mir gestatten, einfach so, über den einen oder anderen Terminus des Geschriebenen gelegentlich etwas zu schnurren. Aber wenn Sie hinreichend verstanden haben, was ich in diesem Jahr zur Funktion des Geschriebenen angerissen habe, nun, dann werde ich das nicht weiter rechtfertigen müssen, außer durch die Tat, im Vollzug. Es ist wirklich nicht gleichgültig, dass das, was ich jetzt sagen werde, geschrieben ist. Es hat keineswegs dieselbe Tragweite, ob ich das Folgende einfach sage oder ob ich Ihnen sage, dass ich geschrieben habe: [Lärm im Hörsaal]

Ein Mann und eine Frau können sich verstehen / sich hören (s’entendre) [Gelächter], ich sage nicht nein. Sie können sich als solche schreien hören.

Das wäre ein Scherz, wenn ich es nicht geschrieben hätte. „Geschrieben“ („écrit“) unterstellt – wie von Ihnen zumindest vermutet wird, das heißt von einigen unter Ihnen –, was ich einmal über den Schrei (cri) gesagt habe. Darauf kann ich nicht zurückkommen.

Es kommt vor, dass sie schreien, nämlich dann, wenn es ihnen nicht gelingt, sich auf andere Weise verständlich zu machen – auf andere Weise, das heißt über eine Affäre, die das Unterpfand ihrer Verständigung ist. Diese Affären fehlen nicht; inbegriffen ist hier gelegentlich, das ist die beste, das Einverständnis im Bett. Diese Affären fehlen nicht, gewiss nicht, aber darin verfehlen sie etwas, nämlich sich als Mann, als Frau zu verstehen, was heißen würde: sexuell.

Der Mann und die Frau würden sich also nur dann verstehen, wenn sie schwiegen? Das ist hier überhaupt nicht die Frage. Denn der Mann und die Frau müssen keineswegs sprechen, um von einem Diskurs erfasst zu sein. Als solche, vom selben Terminus her wie dem, den ich eben gesagt habe, als solche sind sie Diskurstatsachen.

Ein Lächeln würde hier genügen, so scheint es, um vorzubringen, dass sie nicht nur das sind. Ohne Zweifel, wer stimmt dem nicht zu? Aber dass sie es auch sind, Diskurstatsachen, lässt das Lächeln erstarren. Und nur so, durch diese Bemerkung erstarrt, | [146] hat das Lächeln auf den archaischen Statuen seinen Sinn. Die Selbstgefälligkeit kichert.

Es ist also ein Diskurs, worin die „Seienden“, natürliche Männer und Frauen, wenn man so sagen kann, sich als solche zur Geltung bringen müssen.

Diskurs gibt es nur vom Schein. Für den Fall, dass sich das nicht von selbst eingestünde, habe ich die Sache verkündet, ich erinnere an deren Artikulation: Der Schein äußert sich nur ausgehend von der Wahrheit.

Sicherlich beschwört man die Wahrheit niemals in der Wissenschaft. Das ist kein Grund, uns hier größere Sorgen um sie zu machen, sie kommt gut ohne uns aus. Um sich zu Gehör zu bringen, genügt es ihr, „Ich spreche“ zu sagen, und man glaubt es, da es wahr ist – wer spricht, der spricht. Einen Einsatz – ich erinnere an das, was ich über die Wette gesagt und mit Pascal illustriert habe –, einen Einsatz gibt es nur von dem her, was sie sagt.

Als Wahrheit kann sie über das Genießen (jouissance) nur den Schein sagen, und gegen das sexuelle Genießen gewinnt sie jedes Mal.

Ich möchte Ihnen hier an der Tafel, für den etwaigen Gebrauch derjenigen, die die letzten Male nicht gekommen sind, die algebraischen Figuren notieren, mit denen ich geglaubt habe, das interpunktieren zu können, worum bei es bei der Klemme geht, in die man geführt wird, wenn man das, was das sexuelle Verhältnis angeht, schreiben will. [Lacan schreibt an die Tafel.]

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}
Formel der Frau

 

\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}
Formel des Mannes

Die beiden Striche, die über die Symbole gesetzt sind, die links sind und von denen her sich jeweils – hinsichtlich dessen, worum es geht – all das verortet, was in der Lage ist, auf den Schein des sexuellen Genießens zu antworten, die beiden sogenannten Negationsstriche sind hier so, dass sie gerade nicht zu schreiben sind, da man von dem, was nicht geschrieben werden kann, ganz einfach nicht schreibt.

Man kann sagen, dass sie nicht zu schreiben sind, dass nicht für alle x die Funktion „Φ von x“ behauptet werden kann, und dass sich die Frau von diesem „nicht für alle x gilt“ her positioniert [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Es existiert kein x, für das gilt, dass es die Funktion erfüllt, von der her die Variable so definiert ist, dass sie Funktion „Φ von x“ ist [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ]. Es existiert nicht: von daher wird formuliert, worum es beim Mann geht.

Aber ge-| [147] nau hier hat die Negation nur die sogenannte Funktion der Verneinung*, das heißt, dass sie nur von daher behauptet wird, dass zunächst vorgebracht wurde, dass „irgendein Mann existiert“, und dass sich eine Frau im Verhältnis zu „jeder Frau“ verortet.

Das ist eine Erinnerung, das ist nicht Teil des Geschriebenen, das ich wiederaufnehme; das ich wiederaufnehme, was bedeutet, dass Sie – da ich sehe, dass es ziemlich verbreitet ist –, dass Sie wirklich gut daran tun, Notizen zu machen. Das ist der einzige Nutzen des Geschriebenen: dass Sie sich danach im Verhältnis dazu verorten müssen.

Nun also, man wird gut daran tun, mir in meiner Disziplin des Namens zu folgen. Ich werde darauf zurückkommen müssen, vor allem das nächste Mal; das wird die Sitzung sein, mit der wir dieses Jahr abschließen. Das Eigene des Namens besteht darin, Eigenname zu sein. Selbst bei einem Namen, der, wie andere auch, der Verwendung als Gemeinname anheimgefallen ist, ist es keine Zeitvergeudung, einen eigenen Gebrauch für ihn wiederzufinden. Wenn ein Name jedoch hinreichend eigen geblieben ist, zögern Sie nicht, nehmen Sie sich ein Beispiel und nennen Sie die Sache mit ihrem Namen, die Freud’sche Sache beispielsweise, wie ich’s getan habe; Sie wissen das – zumindest stelle ich mir das gern vor. Das nächste Mal werde ich darauf zurückkommen.

Etwas zu benennen ist eine Aufforderung. So also, dass, als ich geschrieben habe, die betreffende Sache, die Freud’sche, sich erhebt und ihre Nummer abzieht. Das bin nicht ich, der ihr das diktiert. Es würde sogar Ruhe herrschen, diese letzte Ruhe, in deren Schein (semblant) so viele Leben sich abmühen, wenn ich als Mann da nicht dem Wind der Kastration ausgesetzt wäre; lesen Sie meinen Text wieder.

Sie, die Wahrheit, meine unfickbare Partnerin, ist sicherlich demselben Wind ausgesetzt, sie trägt ihn sogar; im Wind sein / in Mode sein (être dans le vent), das ist es, aber dieser Wind macht die Wahrheit weder heiß noch kalt, aus dem Grunde, weil das Genießen für sie sehr wenig ist, denn mit der Wahrheit ist es so, dass sie das Genießen dem Schein überlässt.

Dieser Schein, auch er hat einen Namen, aus der mysteriösen Zeit übernommen, als hier die Mysterien aufgeführt wurden, nichts mehr, wo er das der Fruchtbarkeit unterstellte Wissen benannte, als solches der Anbetung dargeboten in Gestalt eines Scheins des Organs.

Der Schein, der von der reinen Wahrheit angeprangert wird, ist, das muss man erkennen, assez-phalle, hinreichend phallisch / akephal, hinreichend an dem beteiligt, was vermöge des Koitus bei uns in Gang kommt, nämlich die Selektion der Genotypen mit der anschließenden Reproduktion des Phänotyps, hinreichend daran beteiligt also, um den antiken Namen des Phallus zu verdienen, obwohl klar ist, dass das Erbe, das er bekleidet, sich heutzutage auf die Akephalie dieser Selektion reduziert, nämlich auf die Unmöglichkeit, das sogenannte sexuelle Genie-| [148] ßen dem unterzuordnen, was sub rosa die Wahl des Mannes und der Frau spezifizieren würde, beide als Träger eines präzisen Satzes von Genotypen genommen, da es bestenfalls der Phänotyp ist, der diese Wahl anleitet.

In Wahrheit, so muss man wohl sagen, ist ein Eigenname – denn auch er ist einer, der Phallus – nur auf der Karte stabil, auf der er eine Wüste bezeichnet; das sind die einzigen Sachen, die auf einer Karte den Namen nicht wechseln. Es ist bemerkenswert, dass selbst die Wüsten, die im Namen einer Religion erzeugt wurden, was nicht selten ist, niemals mit dem Namen bezeichnet werden, der für sie verheerend war. Eine Wüste wird nur dann umgetauft, wenn sie fruchtbar gemacht worden ist.

Nicht so ist es beim sexuellen Genießen, das der Fortschritt der Wissenschaft für das Wissen nicht zu erobern scheint. Vielmehr bildet dieses Genießen ein Hindernis für die Ankunft des sexuellen Verhältnisses im Diskurs, weshalb hier sein Platz geleert (évidée) worden ist, bis dahin, in der Psychoanalyse evident zu werden (évidente).

Solcherart ist – in dem Sinn, den dieses Wort bei dem Schritt hat, den Frege in der Logik gegangen ist – *Die Bedeutung des Phallus*.

Und eben deshalb– ich habe auch meine Tricks, nicht wahr? – war es Deutschland, eben auf deutsch, wohin ich die Botschaft getragen habe, auf die in meinen Schriften dieser Titel antwortet, und das im Namen der Hundertjahrfeier von Freuds Geburt. Es war schön, in diesem Land, dazu auserwählt, dass diese Botschaft hier Resonanz fände, die Erstarrung zu spüren, die sie hervorrief. Jetzt kann man sich keine Vorstellung davon machen, da Sie alle mit Sachen wie der da unter dem Arm herumlaufen; in jenem Moment hatte das eine Wirkung, *Die Bedeutung des Phallus*. Zu sagen, dass ich das erwartet hatte, hieße, nichts zu sagen, zumindest in meinem Munde; meine Stärke besteht darin, zu wissen, was erwarten bedeutet. Was die erwähnte Erstarrung angeht, beziehe ich hier die fünfundzwanzig Jahre gescheiterter Kretinisierung nicht mit ein, denn das hieße zu besiegeln, dass diese fünfundzwanzig Jahre überall triumphieren. Vielmehr werde ich darauf bestehen, dass *Die Bedeutung des Phallus* in Wirklichkeit ein Pleonasmus ist – in der Sprache gibt es keine andere Bedeutung* als den Phallus. In ihrer Funktion als Existierende konnotiert die Sprache letztlich (en dernière analyse) – ich habe „konnotiert“ gesagt, aha! –, letztlich nur die Unmöglichkeit, das sexuelle Verhältnis bei den Wesen zu symbolisieren, die sie bewohnen, die die Sprache bewohnen, ja, aufgrund dessen, dass sie von dieser Wohnung aus das Wort ergreifen.

Und man vergesse nicht, was ich darüber gesagt habe, dass das Sprechen von daher nicht ihr Vorrecht ist, dass es nicht das Vorrecht der Wesen ist, die sie bewohnen, sie, die | [149] in allem, was sie durch die Wirkung des Diskurses beherrschen, das Sprechen hervorrufen. Das fängt beispielsweise bei meiner Hündin an, von der ich lange gesprochen habe, und das geht sehr, sehr weit. „Das ewige Schweigen“, wie mal jemand gesagt hat, „unendlicher Räume“ – es wird, wie viele andere Ewigkeiten, nicht länger als einen Augenblick gedauert haben. Dieses Sprechen macht mächtig was her in der Zone der neuen Astronomie, derjenigen, die sich sofort nach Pascals kleiner Bemerkung aufgetan hat.

Von daher, dass die Sprache nur von einer einzigen Bedeutung* her gebildet wird, bezieht sie ihre Struktur, die darin besteht, dass man das, was man bewohnt, nur für die Metapher verwenden kann, woraus all die mythischen Unsinnigkeiten hervorgehen, von denen ihre Bewohner leben, sowie für die Metonymie, von der sie das bisschen Realität nehmen, das ihnen in Gestalt der Mehrlust bleibt.

Dies aber, was ich gerade gesagt habe, wird nur in der Geschichte unterschrieben und ausgehend vom Erscheinen der Schrift (écriture), die niemals einfaches Aufschreiben ist, auch nicht in den Erscheinungen dessen, was sich an Audiovisuellem entwickelt. Von ihren Ursprüngen bis zu ihren letzten technischen Proteismen ist die Schrift immer nur etwas, das sich als der Knochen artikuliert, von dem die Sprache (langage) das Fleisch wäre.

Eben darin demonstriert sie, die Schrift, dass das sexuelle Genießen keinen Knochen hat, was zu ahnen war, aufgrund des Gebarens des Organs, das beim sprechenden Männchen dafür eine komische Figur abgibt.

Aber die Schrift, nicht die Sprache, die Schrift gibt Knochen all den Genüssen, die sich dem sprechenden Wesen durch den Diskurs eröffnen. Indem sie ihnen Knochen gibt, hebt sie etwas hervor, was hier sicherlich zugänglich war, jedoch maskiert, nämlich dass im Felde der Wahrheit das sexuelle Verhältnis fehlt, insofern der Diskurs, der das Feld der Wahrheit einsetzt, nur vom Schein ausgeht, um nur solchen Genüssen den Weg zu bahnen, die das Genießen parodieren – das ist das richtige Wort –, das hier wirksam ist, ihm aber fremd bleibt.

Solcherart ist das Andere des Genießens, auf immer unter-sagt, dasjenige Genießen, das zu bewohnen die Sprache nur erlaubt, indem sie es – warum sollte ich dieses Bild nicht verwenden? – mit Skaphandern versieht. Vielleicht sagt Ihnen dieses Bild etwas, nicht wahr – immerhin gibt es unter Ihnen einige, die von ihren Gewerkschaftsaufgaben nicht so stark in Anspruch genommen sind, dass unsere Heldentaten auf dem Mond sie nicht bewegen würden. Seit langem schon träumt der Mensch vom Mond, jetzt hat er den Fuß darauf gesetzt.

[150] Um sich klar darüber zu werden, was das bedeutet, muss man’s machen wie ich’s gemacht habe: aus Japan zurückkehren. Dort hat man begriffen, dass über den Mond nachzusinnen wirklich eine Aufgabe war. Es gibt eine Person, deren Namen ich nicht nenne werde – ich möchte hier nicht in Gelehrsamkeit machen –, die noch dort ist, eingeschlossen; das ist genau sie, man hat wirklich begriffen, was das bedeutet, persona, das ist die Person selbst, das ist ihre Maske, die dort in einen kleinen japanischen Schrank eingeschlossen ist, man zeigt sie den Touristen. Man weiß, dass er es ist, nun ja, der von dem zehn Meter hohen Ort aus, wo er sich zeigt – man findet das an einem Ort, der „Silberpavillon“ genannt wird, in Kyoto –, der von dort über den Mond nachsann. Wir glauben gern, dass er über ihn akephal / hinreichend phallisch nachsann. Wir glauben das ja gern, aber das bringt uns gleichwohl in Verlegenheit, man kann sich das nicht mehr recht klarmachen.

Ist der durchlaufene Weg nicht dazu da, um es aufzuschreiben, um sich aus dieser Verlegenheit zu ziehen?

Graph des Begehrens

 

Man muss begreifen, dass dies die Leistung des Signifikanten des ausgestrichenen Anderen meines Graphen ist [S(Ⱥ)].1

Gut, all das ist ein Scherz, ich bitte Sie um Verzeihung, das ist ein Scherzsignal, ein Signal für mich natürlich, das mich warnt, dass ich den Strukturalismus streife. [Gelächter] Wenn ich gezwungen bin, ihn in dieser Weise zu streifen, ist das natürlich nicht mein Fehler. Ich werde das von mir abschieben – Ihre Sache wird es sein, das zu beurteilen –, auf die Situation, der ich ausgesetzt bin.  

Die Zeit vergeht, und natürlich muss ich mich ein wenig sputen, derart, dass ich gezwungen bin, ein wenig abzukürzen, zumal es schwieriger sein wird, meinem Geschriebenen zu folgen.

Aber diese Situation, der ich ausgesetzt bin, ich will sie festmachen, ich will sie an etwas festmachen, was Ihnen nicht sofort offenkundig erscheinen wird, was ich aber werde sagen müssen, von hier bis man sich in acht Tagen trennt, nämlich dass ich es an der Ablehnung der Performanz festmachen will. Das ist eine Krankheit, eine Krankheit der Epoche, unter deren Joch man wirklich hindurchgehen muss, denn diese Verweigerung konstituiert den Kult der Kompetenz, das heißt dieser bestimmten Idealität, auf die ich, um mich vor Ihnen zu autorisieren, reduziert bin, übrigens zusammen mit vielen Wissenschaftsbereichen.

Das Ergebnis, das sind Anekdoten. Meine Schriften beispielsweise, man übersetzt eine davon ins Englische, Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache, man übersetzt das mit The language of the self. [Gelächter] Gerade habe ich erfahren, dass man auf Spanisch ebenfalls etwas in dieser Art gemacht hat; eine Übersetzung einer gewissen Anzahl <meiner Schriften>, das hat den Titel Strukturalistische Aspekte von Freud, also etwas von dieser Art, also lassen wir das. [Gelächter]

Die Kompetenz existiert nur von daher, dass sie sich in der Inkompetenz einrichtet, um sich in Gestalt der Idealität der Verehrung anzubieten. Auf diese Weise führt sie zu Konzessionen, und ich werde Ihnen ein Beispiel dafür geben: Der Satz, mit dem ich begonnen habe, „Der Mann und die Frau können sich hören/verstehen, ich sage nicht nein“, nun ja, das war, um Ihnen die Pille zu vergolden. Und die Pille, das bringt nichts in Ordnung, nicht wahr. [Gelächter]

Der mit dem Terminus „Strukturalismus“ geprägte Begriff versucht, die Delegierung | [151] zu verlängern, die einmal mit gewissen Spezialisten vorgenommen wurde, mit den Spezialisten der Wahrheit, die Delegierung einer bestimmten Leere, die in der Verknappung des Genießens wahrgenommen wird. Diese Leere ist es, die der Existenzialismus unmissverständlich aufgegriffen hat, nachdem die Phänomenologie – die Phänomenologie, na ja, noch mehr Falschgeld – den Fehdehandschuh ihrer Atemübungen geworfen hatte. [Gelächter] Sie besetzte die Orte, die die Philosophie leer zurückgelassen hatte, da es keine angemessenen Orte waren. Gegenwärtig sind sie nur noch dazu gut, seines Beitrags zur Philosophie zu gedenken, der nicht gering ist, zum Diskurs des Herrn, den sie sie durch die Stütze der Wissenschaft definitiv stabilisiert hat. Marx oder nicht, und ob er sie nun auf die Füße oder auf den Kopf gestellt hat, es ist sicher, dass jedenfalls die Philosophie nicht hinreichend phallisch / nicht akephal war.

Man möge nicht mit mir rechnen, um die Sache des unmöglichen Lebens zu strukturalisieren, als hätte das Leben nicht von daher die Chance, den Beweis für sein Reales zu erbringen.

Meine ergötzliche Prosopopöie des „Ich spreche“ in der eben zitierten Schrift Die Freud’sche Sache lässt mich, auch wenn sie rhetorisch einer „Wahrheit in Person“ zugeschrieben wird, nicht dort stürzen, wo ich sie herausziehe: aus Brunnen.

Nichts ist dort gesagt über das, was Sprechen bedeutet: die unabänderliche Spaltung von Genießen und Schein. Die Wahrheit besteht darin, es zu genießen, einen Schein zu machen / etwas vorzutäuschen, und auf keinen Fall zuzugeben, dass die Realität jeder dieser beiden Hälften nur von daher dominiert, dass sie von sich behauptet, von der anderen Hälfte zu sein, also abwechselnd zu lügen. Solcherart ist das Halbgesagte der Wahrheit.

Ihre Astronomie ist äquatorial, das heißt, bereits gänzlich überholt, als sie vom Paar Tag-Nacht geboren wurde. Eine Astronomie wird zum aräsonablen Gestell, wenn sie sich der Saison unterwirft, wenn sie saisonabel wird. Das ist eine Anspielung auf die chinesische Astronomie, die äquatorial war, aber nichts gebracht hat.

Die Sache, um die es sich handelt – bei Freud war es nicht seine Kompetenz als Linguist, und das mit Grund, die ihm die Wege dorthin gebahnt hat. Woran ich meinerseits erinnere, ist dies, dass er diesen Wegen nur hat folgen können, indem er hier den Beweis von Performanzen der Sprache erbrachte, bis hin zur Akrobatik, und dass  nur die Linguistik es hier gestattet, sie in einer Struktur zu verorten, indem sie sich an eine Kompetenz bindet, die man Sprachgefühl (conscience linguistique) nennt, das immerhin genau von daher bemerkenswert ist, sich seiner Erkundung niemals zu entziehen.

[152] Meine Formel, dass das Unbewusste wie eine Sprache (langage) strukturiert ist, impliziert also, dass eine Minimalbedingung des Unbewussten die Sprache ist.

Aber das nimmt dem Rätsel nichts von seiner Tragweite, dem Rätsel, welches darin besteht, dass das Unbewusste weit mehr davon weiß, als es den Anschein hat, da man von dieser Überraschung ausgegangen war, um es so zu benennen, wie man es getan hat. Es weiß allerhand!

Natürlich lief das sofort ins Leere, als man das kleine Unbewusste mit sämtlichen Instinkten ausstattete, die als Flammentöter übrigens immer zur Verfügung stehen – lesen Sie irgendetwas, was außerhalb meiner Schule veröffentlicht wird. Die Sache war geregelt, es ging nur noch darum, das Etikett anzubringen, an die Adresse der Wahrheit genau, wobei diese das Etikett heutzutage genügend überspringt, wenn ich so sagen kann, um den Schwarzmarkt nicht zu verachten.

In die Wagenspur ihrer Verborgenheit habe ich Stäbe gesetzt, um einzuhämmern, dass das fragliche Wissen nur von daher analysiert wird, dass es als eine Sprache (langage) formuliert wird, das heißt in einer besonderen Sprache (langue particulière), und sei es, um sich mit ihr zu kreuzen, womit es übrigens nicht mehr tut als das, was besagte Sprachen (langues) sich üblicherweise aus eigener Befugnis gestatten.

Niemand hat mich mit der Frage bedrängt, was die Sprache (langage) weiß, nämlich *Die Bedeutung des Phallus*. Ich habe es gesagt, sicherlich, aber da es die Wahrheit war, hat niemand es mitbekommen.

Nun, wer interessiert sich für die Wahrheit? Na ja, Leute, deren Struktur ich mit dem groben Bild gezeichnet habe, das man in der Topologie für jedermann findet. [Lacan zeichnet an der Tafel.] [153] So wird das gezeichnet, in der Topologie für jedermann wird so die Kleinsche Flasche gezeichnet. Es gibt – ich komme darauf zurück – keinen Punkt ihrer Fläche, der nicht ein topologischer Teil des Wendebereichs wäre, der hier durch den Kreis, der hier gezeichnet ist, dargestellt wird, duch den Kreis, der als einziger geeignet ist, dieser Flasche den Boden zu geben, auf den die anderen zu Unrecht stolz sind, die andere Flaschen; sie haben einen Boden/Arsch (cul), Gott weiß warum. [Gelächter]

Auf diese Weise verbindet die Hysterikerin – ich komme damit zu einem Teil der Leute, die ich eben bezeichnet habe – nicht dort, wo man annimmt, sondern in ihrer Subjektstruktur die Wahrheit ihres Genießens mit dem unerbittlichen Wissen, das sie hat, dass der andere, der geeignet ist, es hervorzurufen, der Phallus ist, das heißt ein Schein.

Wer verstünde nicht Freuds Enttäuschung, als ihm klar wurde, dass der Schritt der Heilung, zu dem er mit der Hysterikerin gelangt war, nicht weiter führte als dahin, sie dazu zu bringen, besagten Schein einzufordern, der plötzlich mit realen Tugenden ausgestattet war, von daher, dass er an diesem Wendepunkt aufgehängt worden war, der auf dem Körper zwar nicht unauffindbar ist, das ist offensichtlich, der bei einer Frau aber dennoch eine topologisch ganz unkorrekte Figuration des Genießens ist. Aber wusste Freud das? das kann man sich fragen.

Bei der unmöglichen Lösung ihres Problems, nämlich um dessen Ursache genauestens (au plus juste) zu ermessen, das heißt, um eine gerechte (juste) Sache daraus zu machen, ist die Hysterikerin damit einverstanden, dass sie vortäuscht, Besitzerin dieses Scheins zu sein: „zumindest einer“ (au moins un), was ich so geschrieben habe – muss ich es noch einmal schreiben?: , „hommoinzin“, in Übereinstimmung mit dem Knochen / dem Problem, den es für ihr Genießen braucht, damit sie daran nagen kann.

Dieser Ansatz mit dem „hommoinzin“, mit dem zumindest-einer – es gibt drei Arten, das zu schreiben, nicht wahr.

An der Tafel:

au moins un

hommoinzin

a ∪ moinzin

Es gibt die übliche orthographische Schreibweise, da ich Ihnen ja schließlich das „au moins un“, das „zumindest einer“, erläutern muss. Dann gibt es dies hier [hommoinzin], was den expressiven Wert hat, den ich den strukturellen Spielen immer zu geben weiß, nicht wahr. Und dann können Sie es gelegentlich durchaus nebeneinandersetzen und es „a ∪ moinzin“ schreiben, so, um nicht zu vergessen, dass es gelegentlich als Objekt a fungieren kann.

Da diese Annäherungen des „hommoinzin“ nur von daher vollzogen werden können, dass an besagtem Messpunkt, den er abhängig von seinen Neigungen nimmt, die absichtliche Kastration, die sie ihm vorbehält, eingestanden wird, sind seine Chancen begrenzt.

Man muss nicht glauben, dass ihr Erfolg durch einen der Männer zustande kommt, die der Schein eher in Verlegenheit bringt oder die ihn offener bevorzugen. Diejenigen, die ich so bezeichne, sind die Weisen: die Masochisten. Das gibt den Weisen einen Platz, man muss sie auf die richtige Ebene zurückführen. So vom Ergebnis her zu urteilen, heißt zu verkennen, was man von der Hysterikerin erwarten kann, wenn sie sich denn in einen Diskurs einschreiben will, | [154] denn sie ist dazu bestimmt, den Herrn mattzusetzen und dass er sich ihretwegen mit dem Wissen begnügt.

Also, ich bringe hier nichts anderes ein, nicht wahr – das ist der Nutzen dieses Schriebs, dass er nämlich einen Haufen Dinge nach sich zieht, man sollte jedoch wissen, wo die Punkte sind, die festzuhalten sind –, nichts anderes als dies, hervorzuheben, dass an dieser Kreuzung die Gefahr dieselbe ist wie die, die ich vorhin festgehalten habe, als ich davor gewarnt wurde, denn von dort bin ich vorhin ausgegangen. Damit komme ich auf denselben Punkt zurück, na ja, ich drehe mich im Kreis.

Die Wahrheit zu lieben – selbst diejenige, die, wenn man so sagen kann, von der Hysterikerin verkörpert wird, nicht wahr –, ihr also zu geben, was man nicht hat, unter dem Vorwand, dass sie es begehrt, das heißt eben dies, sich einem Theater zu widmen, bei dem klar ist, dass es nicht mehr sein kann als ein Wohltätigkeitsfest. Ich spreche nicht nur von der Hysterikerin, ich spreche von dem – ich sage es Ihnen wie Freud –, was sich im „Unbehagen im Theater“ ausdrückt. Damit es sich weiterhin aufrecht hält, braucht es Brecht, der begriffen hat, dass es nicht ohne eine gewisse Distanz fortbestehen konnte, eine gewisse Abkühlung. Dieses „es ist klar“, was ich gerade gesagt habe, „dass es nicht mehr sein kann“, ist streng gesagt genau eine Wirkung der Aufklärung*, die – kaum glaublich, nicht wahr – verbunden ist mit dem Bühnenauftritt des Diskurses des Analytikers, so hinkend er sich vollzogen haben mag. Das war ausreichend dafür, dass die Hysterikerin, die qualifizierte Hysterikerin, deren Funktion ich, wie Sie ja spüren, Ihnen gerade nahbringe, das war ausreichend dafür, dass die Hysterikerin die üppige Klinik zurückweist, mit der sie die Kluft des sexuellen Verhältnisses ausstaffiert hatte. Das ist als das Zeichen zu nehmen [Murmeln im Hörsaal, dann Gelächter] – das ist ein Beispiel! [Gelächter] –, das ist vielleicht als das Zeichen zu nehmen, das jemandem gegeben wird – ich spreche von der Hysterikerin –, dass sie etwas Besseres zustande bringen wird als diese Klinik. [Gelächter]

Das einzig Wichtige ist hier das, was unbeachtet durchgeht, nämlich dass ich von der Hysterikerin als von etwas spreche, wodurch die Quantifizierung gestützt wird. Etwas, was – wenn man auf mich hört – mit einem umgekehrte A von x geschrieben würde [∀x], so habe ich das an die Tafel geschrieben; in ihrer Unbekannten immer bereit, als Variable in Φ von x zu fungieren [∀xx].

Das ist ja tatsächlich das, was ich schreibe, und wobei es leicht wäre, wenn man Aristoteles wiederliest, aufzudecken, welches Verhältnis gerade zur Frau, die von ihm mit der Hysterikerin gleichgesetzt wird – womit den Frauen seiner Epoche eher eine sehr gute Stellung zugewiesen wird, zumindest waren sie für die Männer stimulierend –, also aufzudecken, welches Verhältnis zu der mit der Hysterikerin gleichgesetzten Frau es ihm ermöglicht hat – das ist ein Sprung –, seine Logik in Gestalt des pan zu etablieren. Die Wahl von pas, | [155] panta, pan, die Wahl dieser Vokabel statt der von ekastos, um die universale bejahende Aussage zu bezeichnen wie übrigens auch die verneinende, nun dieses ganze Pan-orama der ersten großen formalen Logik ist absolut wesentlich mit der Vorstellung verbunden, die Aristoteles sich von der Frau macht. Was nicht verhindert, dass die einzige allgemeine Formel, die er sich nicht zu artikulieren gestattet, eben „alle Frauen“ ist – davon gibt es keine Spur, öffnen Sie die Erste Analytik.

Auch nicht davon, dass er es sich gestattet hätte – während seine Nachfolger sich Hals über Kopf darauf gestürzt haben –, diese unglaubliche Ungeheuerlichkeit zu schreiben, von der die formale Logik seither lebt, „Alle Menschen sind sterblich“, womit tatsächlich das zukünftige Schicksal der Menschheit vorweggenommen wird. „Alle Menschen sind sterblich“, das bedeutet, dass alle Menschen – da es hier um etwas geht, was hinsichtlich seiner Extension geäußert wird –, dass alle Menschen qua „alle“ zum Tode verurteilt sind, das heißt, die Menschengattung dazu, auszusterben, was zumindest gewagt ist.

Dass das „∀ von x“ den Schritt hin zu einem Wesen (être) aufnötigt, zu einem „jede Frau“, den ein so sensibles Wesen wie Aristoteles, nun ja, tatsächlich niemals vollzogen hat, genau das ist es, was es mir gestattet, zu behaupten, dass das „jede Frau“ die Äußerung ist, von der her sich die Hysterikerin als Subjekt entscheidet. Deshalb ist es so, dass eine Frau eng mit einem papludun [pas plus d’un] verbunden ist, mit einem „nicht mehr als einer“, durch das sie angemessen in der Logik des Nachfolgers verortet wird, die Peano uns als Modell gegeben hat.

Aber die Hysterikerin ist nicht „eine Frau“.

Es geht darum zu wissen, ob die Psychoanalyse, wie ich sie definiere, Zugang zu „einer Frau“ liefert, oder ob dies, dass „eine Frau“ sich ereignet, eine Sache der doxa ist, das heißt, ob es damit so ist, wie es den Leuten zufolge, die im Menon dialogisiert haben, mit der Tugend ist – Sie erinnern sich an den Menon?, aber nein, aber nein –, wie es mit dieser Tugend ist, das macht den Wert, den Sinn dieses Dialogs aus: diese Tugend war das, was nicht gelehrt werden kann.

Um es zu übersetzen: das, was von ihr – von „einer Frau“, so wie ich davon hier den Schritt definiert habe – im Unbewussten nicht gewusst werden kann, das heißt auf artikulierte Weise.

Denn schließlich, damit höre ich auf, jemand, der eben auf das Theater zurückkommt, als ob dies die Frage wäre, die es wert ist, tatsächlich eine beträchtliche Aktivität in Anspruch zu nehmen – das ist ein sehr gut gemachtes Buch –, eine beträchtliche Aktivität des Analytikers, als ob es wirklich das wäre, worauf ein Analytiker sich spezialisieren müsste, dieser Jemand schreibt mir in einer Anmerkung das Verdienst zu, die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Wissen eingeführt zu haben. Allerhand, allerhand! Ich habe gerade zu Ihnen über den Menon gesprochen, natürlich hat er ihn nicht gelesen, er liest nur über das Theater, aber schließlich war es der Menon, mit dem ich angefangen habe, die ersten Sätze der Krise zu überwinden, die mich zu einem bestimmten analytischen Apparat in Gegensatz gebracht hat. Die Unterscheidung zwischen der Wahrheit und dem Wissen, | [156] der Gegensatz zwischen der epistēmē und der wahren doxa, derjenigen, durch welche die Tugend fundiert werden kann, finden Sie direkt, ganz unumwunden im Menon geschrieben. Was ich zur Geltung gebracht habe, ist genau das Gegenteil, nämlich ihre Verbindung, das heißt, dass der Akt, dass schließlich da, wo sich das dem Anschein nach in einem Bodenkreis verknotet, dass das Wissen, um das es im Unbewussten geht, etwas ist, das gleitet, das sich ausdehnt, das sich in jedem Moment als Wissen von der Wahrheit erweist.

Und hier stelle ich nun die folgende Frage: Gestattet uns dieses Wissen tatsächlich, über den Menon hinauszugehen, das heißt zu sagen, ob diese Wahrheit, insofern sie sich in der Hysterikerin verkörpert, tatsächlich zu einem Gleiten in der Lage ist, das hinreichend geschmeidig ist, um die Einführung in „eine Frau“ zu sein?

Ich weiß, die Frage ist auf eine höhere Ebene gebracht worden, seit ich aufgezeigt habe, dass es sprachlich Artikuliertes gibt, das nicht in Worten (en paroles) artikuliert werden kann. Das ist hier ganz einfach das, von woher das Begehren seine Stellung hat. Es ist jedoch einfach, das zu entscheiden. Genau deshalb, weil es um das Begehren insofern geht, als es den Akzent auf die Unveränderlichkeit der Unbekannten setzt – der Unbekannten, die links <in der Formel> steht, derjenigen, die sich nur unter der Überschrift einer Verneinung* herstellt –, genau deshalb, weil es den Akzent auf die Unveränderlichkeit der Unbekannten setzt, kann die Aushöhlung des Begehrens durch die Analyse sie in keiner Funktion der Variablen anschreiben. Eben dies ist das Hemmnis, von dem aus sich das Begehren der Hysterikerin als solches von dem trennt, was sich gleichwohl herstellt, und was es zahllosen Frauen gestattet, als solche zu fungieren, das heißt, indem sie für all ihre situativen Veränderungen ihr Sein zu einer Funktion des papludun machen, des nicht-mehr-als-einer. Die Hysterikerin spielt hier die Rolle eines Blockschemas (schéma fonctionel), falls Sie wissen, was das ist – das ist die Tragweite meiner Formel über das sogenannte unbefriedigte Begehren.

Daraus folgt, dass die Hysterikerin den Platz einnimmt, das papludun einzuführen, das nicht-mehr-als-einer, von dem her jede der Frauen eingesetzt wird, auf dem Weg des „Nicht von jeder Frau kann gesagt werden, dass sie Funktion des Phallus ist“. Dass es von „jeder Frau“ sei, ist hier das, was ihr Begehren ausmacht, und deshalb stützt sich dieses Begehren dadurch, unbefriedigt zu sein, nämlich dass „eine Frau“ daraus hervorgeht, die aber nicht die Hysterikerin in Person sein könnte.

Das ist eben das, worin sie meine Wahrheit von vorhin verkörpert, diejenige, die ich, nachdem ich sie zum Sprechen gebracht habe, ihrer strukturalistische Funktion zurückgegeben habe. Der analytische Diskurs wird ausgehend von dieser Rückgabe der Wahrheit an die Hysterikerin eingeführt.

Das hat genügt, um in der Hysterie das Theater zu vertreiben. Darauf bezieht sich meine Bemerkung, dass das Theater nicht ohne Verhältnis zu etwas ist, wodurch sich in unserer Zeit das Gesicht der Dinge verändert. | [157] Ich könnte darauf insistieren, dass, als ich angefangen habe, Dinge zu äußern, die all das potenzierten, ich als Echo unmittelbar den splash eines Artikels hatte, der sich auf das Theater bei der Hysterikerin bezog.

Die Psychoanalyse von heute hat als Stütze nur die Hysterikerin, die nicht mit der Zeit geht / „die nicht auf dem Blatt ist“ (pas à la page). Wenn die Hysterikerin beweist, dass sie dann, wenn das Blatt sich gewendet hat, fortfährt, indem sie auf der Rückseite schreibt und sogar auf der folgenden, wird das nicht verstanden. Das ist jedoch leicht – sie ist Logikerin.

Das wirft die Frage auf, welchen Bezug die Freud’sche Theorie zum Theater herstellt – der Ödipus, nicht weniger. Es ist an der Zeit, das anzugreifen, was vom Theater aufrechtzuerhalten nötig erschien, um den „anderen Schauplatz“ zu stützen, denjenigen, von dem ich spreche, von dem ich als erster gesprochen habe. Letztlich genügt hier vielleicht der Schlaf. Dass dieser Schlaf bei Gelegenheit der Entbindung der Fuchs’schen Funktionen Schutz gewährt, wie es bekanntlich geschehen ist, kann erklären, dass das Begehren entsteht, dass Schlaf sich verlängert.

Es kann geschehen, dass die Signifikanten-Repräsentanten des Subjekts sich immer leichter ereignen, wenn sie der imaginären Repräsentation entlehnt sind, dafür gibt es Anzeichen heutzutage.

Es ist sicher, dass das Genießen, das man daher hat, sich kastrieren zu lassen, zur Repräsentation/Vorstellung nur Beziehungen wie zu einem Apparat hat.

Das ist das, worin der Ödipus des Sophokles – der diesen Vorrang für uns nur deshalb hat, weil die anderen Ödipus-Versionen unvollständig oder allermeist verloren sind – für unsere Artikulationsbedürfnisse noch viel zu reich und diffus ist. Die Genealogie des Begehrens – insofern es darum geht, wie es verursacht wird – beruht auf einer Kombinatorik, die komplexer ist als die des Mythos. Deshalb müssen wir nicht über das träumen, wozu der Mythos „in alten Zeiten“, wie man sagt, gedient hat. Wenn man sich auf diesen Weg begibt, geht es um Metasprache, und unter diesem Aspekt sind die Mythologien von Lévi-Strauss ein entscheidender Beitrag. Sie manifestieren, dass sich die Kombination benennbarer Formen des Mythems, von denen viele verschwunden sind, nach präzisen Transformationsgesetzen vollzieht, jedoch gemäß einer sehr schlichten Logik, oder über die man zumindest sagen muss, dass das Mindeste, was man sagen kann, dies ist, dass unsere Mathematik diese Kombinatorik bereichert.

Vielleicht sollte man die Frage aufwerfen, ob der psychoanalytische Diskurs nicht etwas Besseres zu tun hat, als sich dem zu widmen, diese Mythen auf eine Weise zu deuten, die über den üblichen Kommentar nicht hinausgeht, zumal | [158] dies vollkommen überflüssig ist, da das, was den Ethnologen interessiert, das Sammeln der Mythen ist, ihre Zusammenstellung und ihre Neuverbindung mit anderen Funktionen, denen des Rituals oder der Produktion, die gleichermaßen mit einer Schrift (écriture) erfasst werden, deren artikulierte Isomorphismen hier ausreichend sind.

Keine Spur, wie ich gesagt habe, einer Annahme über das Genießen, dem hier gedient wird. Das ist völlig wahr, selbst wenn man die Bemühungen berücksichtigt, die gemacht werden, um uns die mögliche Wirksamkeit dunkler Wissensarten zu suggerieren, die hier liegen sollen.

Die Anmerkung, die Lévi-Strauss in den Elementaren Strukturen darüber macht, dass diese Strukturen der Liebe in die Parade fahren, entscheidet hier glücklicherweise. Das ändert nichts daran, dass dies, wegen der Analytiker, die damals in Gunst standen, über die Köpfe hinweggegangen ist.

Insgesamt hat der Ödipus<mythos> den Vorteil, dass er zeigt, wie der Mann auf die Forderung des papludun antworten kann, des nicht-mehr-als-einer, die im Sein einer Frau ist. Er selbst soll nicht-mehr-als-eine davon lieben. Unglücklicherweise ist es nicht dieselbe. Es ist immer dasselbe Rendez-vous, dasjenige, bei dem, als die Masken fielen, es weder er war noch sie.

Diese Fabel wird jedoch nur dadurch gestützt, dass der Mann immer nur ein kleiner Junge ist. Und dass die Hysterikerin sich nicht davon abbringen lässt, ist geeignet, Zweifel aufzuwerfen über die Funktion ihrer Wahrheit als letztem Wort.

Ein Schritt in Richtung Ernsthaftigkeit könnte sich, so scheint mir, hier über den Mann anschließen lassen, von dem man bemerken wird, dass ich ihm bis zu diesem Punkt meiner Ausführungen den anspruchslosen Teil zugewiesen habe, obgleich es einer von ihnen ist, meine Wenigkeit, der hier diese ganze schöne Welt zum Sprechen bringt.

Es scheint mir unmöglich zu sein – nicht umsonst stolpere ich seit Beginn über dieses Wort –, nicht die schize zu erfassen, durch die der Ödipusmythos und Totem und Tabu getrennt sind.

Ich decke sofort meine Karten auf: Der erste Mythos wird Freud durch das Unbefriedigtsein der Hysterikerin diktiert, der zweite durch Freuds eigene Sackgassen. Weder vom kleinen Jungen, noch von der Mutter, noch von der Tragik des Übergangs vom Vater auf den Sohn, nicht wahr, des Übergangs von was, wenn nicht des Phallus – von all dem, was den Stoff des ersten Mythos bilden konnte, keine Spur im zweiten.

Hier, in Totem und Tabu, ist es so, dass der Vater genießt – ein Terminus, der im ersten Mythos durch die Macht verschleiert wird –, der Vater genießt alle Frauen, so lange, bis seine Söhne ihn erschlagen, was ihnen nicht ohne eine vorausgehende Übereinkunft gelingt, und wonach | [159] keiner ihm in der Gefräßigkeit seines Genießens nachfolgt. Das Ende drängt sich von dem her auf, was sich danach ereignet: dass die Söhne ihn verschlingen, wobei jeder notwendigerweise nur einen Teil hat und eben deshalb das Ganze eine Kommunion darstellt. Von hier aus stellt sich der Sozialvertrag her: Niemand soll diejenige anrühren, die hier jedoch nicht die Mutter ist – in Der Mann Moses und die monotheistische Religion wird ja präzisiert, aus der Feder von Freud selbst, dass unter den Söhnen einzig die jüngsten noch zum Harem gezählt werden. Es sind also nicht mehr die Mütter, sondern die Frauen des Vaters als solche, die vom Verbot betroffen sind. Die Mutter kommt nur ins Spiel wegen ihrer Babys, aus denen einmal Helden werden.

Wenn der Ursprung des Gesetzes aber, Freud zufolge, auf diese Weise gebildet wird, dann beruht er nicht auf dem Gesetz des sogenannten Mutterinzests, das in der Psychoanalyse jedoch als stiftend angegeben wird. Während tatsächlich – das ist eine Anmerkung, nicht wahr, bis auf ein gewisses „Gesetz des Manu“, das hier mit realer Kastration bestraft, „er wird nach Westen gehen mit seinen Eiern in der Hand“ und so weiter, gut –, während dieses Gesetz des mütterlichen Inzests vielmehr überall getilgt ist. Ich bestreite keineswegs die prophylaktische Wohlbegründetheit des analytischen Verbots, ich hebe hervor, dass Freud auf der Ebene, auf der er etwas von sich artikuliert, Totem und Tabu – und Gott weiß, wie sehr er daran festhielt, nicht wahr –, dass er hier dieses Verbot nicht mythisch rechtfertigt. Das Sonderbare beginnt damit, dass Freud, und übrigens auch sonst niemand, das offenbar nicht wahrgenommen hat.

Ich verfolge meine Spur weiter. Das Genießen wird von Freud in den Rang eines Absoluten erhoben, was zu den Sorgen des Urmenschen zurückführt, ich spreche von Totem und Tabu; all das wird eingestanden; ich spreche über den Vater, über den Vater der Urhorde. Es ist einfach, hier den Phallus zu erkennen: die Totalität dessen, was weiblicherseits dem Genießen unterworfen werden kann. Dieses Genießen, ich habe es gerade angemerkt, bleibt beim königlichen Paar des Ödipus verschleiert, es ist jedoch nicht so, dass es in diesem ersten Mythos abwesend wäre. Das königliche Paar wird sogar nur von daher in Frage gestellt – was im Drama geäußert wird –, dass es der Garant des Genießens des Volkes ist, was im Übrigen zu dem passt, was wir über sämtliche Königtümer wissen, ob archaisch oder modern. Die Kastration von Ödipus hat jedoch keinen anderen Zweck als den, die Pest in Theben zu beenden, das heißt, dem Volk das Genießen wiederzugeben, dessen Garanten dann andere sein werden, was natürlich, angesichts dessen, wovon man ausgeht, nicht ohne einige Umschwünge gehen wird, die für alle bitter sind.

[160] Muss ich unterstreichen, dass die Schlüsselfunktionen des Mythos in den beiden Mythen in striktem Gegensatz zueinander stehen? Im ersten: zunächst das Gesetz, derart ursprünglich, dass es selbst dann Vergeltung übt, wenn die Schuldigen es nur unschuldig übertreten haben, und es ist das Gesetz, aus dem die Fülle des Genießens hervorgeht. Im zweiten: am Anfang Genießen, dann Gesetz, wobei man es mir ersparen wird, die Perversionskorrelate hervorheben zu müssen, da es letztlich – mit der Beförderung des heiligen Kannibalismus, auf der man hinreichend insistiert – eben alle Frauen sind, die der Gemeinschaft der Männchen im Prinzip verboten sind, einer Gemeinschaft, die sich als solche in dieser Kommunion transzendiert hat.

Das eben ist der Sinn dieses anderen Urgesetzes – wenn dies fehlt, wodurch wird es dann begründet? Eteokles und Polyneikes sind da, so denke ich, um zu zeigen, dass es weitere Ressourcen gibt. Es stimmt, dass sie aus der Genealogie des Begehrens hervorgehen.

Außerdem muss es so sein, dass der Vatermord – auf wen? auf Freud, auf seine Leser – die größte Faszination ausgeübt hat, sodass niemand auch nur daran gedacht hat, herauszustellen, dass sich der Mord im ersten Mythos ohne Wissen des Mörders ereignet, der nicht nur nicht erkennt, dass er den Vater erschlägt, sondern der ihn nicht erkennen kann, da er einen anderen hat, der seit je sein Vater ist, da er von ihm adoptiert worden ist. Er ist sogar ausdrücklich deswegen ins Exil gegangen, um nicht Gefahr zu laufen, seinen wahren Vater zu erschlagen.

Dieser Mythos ist darin suggestiv, dass er den Platz bekundet, den der Zeugungsvater einnimmt, zu einer Zeit, bei der Freud hervorhebt, dass in ihr, ganz wie in der unsrigen, der Vater problematisch ist.

Und auch er wäre es und Ödipus wäre vergeben worden, wenn er nicht von königlichem Blute wäre, das heißt, wenn Ödipus nicht als der Phallus zu funktionieren hätte – als der Phallus seines Volkes, nicht seiner Mutter –, und das Erstaunlichste ist, dass das eine Zeitlang geklappt hat, das heißt, dass die Thebaner sehr glücklich waren.

Ich habe oft darauf hingewiesen, dass die Wende von Jokaste kommen musste. Kommt sie von dem her, was sie gewusst hat, oder von dem, was sie vergessen hat?

Was hat das jedenfalls mit dem Mord des zweiten Mythos gemeinsam, bei dem zu verstehen gegeben wird, dass er auf einem Aufstand beruht – oder auf einem Bedürfnis? was tatsächlich undenkbar, ja sogar ungedacht ist, es sei denn als etwas, das aus einer Verschwörung hervorgeht.

Es ist offensichtlich, dass ich hier nicht mehr getan habe, als mich dem Terrain zu nähern, auf dem mich schließlich, sagen wir, ebenfalls eine Verschwörung daran gehindert hat, das Problem wirklich anzugehen, das heißt auf der Ebene von Der Mann Moses und die monotheistische Religion, das heißt von dem | [161] Punkt aus, bei dem alles, was Freud artikuliert hat, wirklich bedeutsam wird. Ich kann hier nicht einmal andeuten, was es braucht, um Sie zu Freud zurückzuführen, ich kann jedoch sagen, dass er, indem er uns hier seinen Beitrag zum analytischen Diskurs enthüllt, nicht weniger von der Neurose ausgeht als bei dem, was er bei der Hysterikerin in Gestalt des Ödipus aufgelesen hat.

Es ist eigenartig, dass ich diesen Zeitpunkt abwarten musste, damit ich eine solche Behauptung, nämlich dass Totem und Tabu das Produkt einer Neurose ist – was völlig unbestreitbar ist –, damit ich sie vorbringen kann, ohne dass ich dafür die Wahrheit der Konstruktion im Geringsten in Frage stelle. Eben darin ist sie Zeugnis der Wahrheit. Ein Werk psychoanalysiert man nicht, und das von Freud noch weniger als ein anderes, man kritisiert es, und eine Neurose, weit davon entfernt, die Solidität des Werkes verdächtig zu machen, ist in diesem Falle vielmehr eben das, wodurch es verschweißt wird. Dieses Zeugnis, das der Zwangsneurotiker von seiner Struktur liefert – für das, was vom sexuellen Verhältnis, wie sich herausstellt, im Diskurs unmöglich zu formulieren ist –, dieses Zeugnis schulden wir dem Mythos von Freud.

Damit möchte ich es für heute bewenden lassen. Die Zeit wird mir fehlen aufgrund der Formeln [Lärm, der folgende Satz ist kaum verständlich] ich entschuldige mich … um … sich zu bemühen, ein wenig weiter voranzubringen, dass … Beim nächsten Mal werde ich dem seine genaue Tragweite geben, denn ich möchte nicht, dass es Missverständnisse gibt. Wenn auf eine bestimmte Weise das artikuliert wird, was der Beitrag von Freud zum grundlegenden Mythos der Psychoanalyse ist, ich betone das, dann wird der Mythos dadurch, dass sein Ursprung herausgestellt wird, keineswegs suspekt gemacht, ganz im Gegenteil.

Es geht nur darum zu wissen, wohin uns das führen kann.

Französisch/deutsch

[145] Je vais me fonder aujourd’hui sur quelque chose que j’ai pris soin d’écrire. Voilà.

Ich werde mich heute auf etwas stützen, bei dem ich Sorge getragen habe, es zu schreiben.2 Nun also.

Je ne dis pas ça simplement comme ça, à la cantonade, ce n’est pas superflu.

Ich sage das nicht einfach so ins Blaue hinein, das ist nicht überflüssig.

Je me permettrai, comme ça, éventuellement de ronronner quelque chose à propos de tel terme de l’écrit.

Ich werde mir gestatten, einfach so, über den einen oder anderen Terminus des Geschriebenen gelegentlich etwas zu schnurren.

Mais si vous avez suffisamment entendu ce que j’ai abordé cette année de la fonction de l’écrit, eh bien, je n’aurai pas besoin de justifier plus, si ce n’est dans le fait, en acte.

Aber wenn Sie hinreichend verstanden haben, was ich in diesem Jahr zur Funktion des Geschriebenen angerissen habe, nun, dann werde ich das nicht weiter rechtfertigen müssen, außer durch die Tat, im Vollzug.

C’est pas indifférent en effet que ce que je vais dire maintenant soit écrit.

Es ist wirklich nicht gleichgültig, dass das, was ich jetzt sagen werde, geschrieben ist.

Ça n’a pas du tout la même portée si simplement je dis ou si je vous dis que j’ai écrit :3 [Lärm im Hörsaal]

Es hat keineswegs dieselbe Tragweite, ob ich das Folgende einfach sage oder ob ich Ihnen sage, dass ich geschrieben habe: [Lärm im Hörsaal]

Un homme et une femme peuvent s’entendre [Gelächter], je ne dis pas non. 

Ein Mann und eine Frau können sich verstehen / sich hören (s’entendre) [Gelächter], ich sage nicht nein.

Ils peuvent comme tels s’entendre crier. »

Sie können sich als solche schreien hören.

Ça serait un badinage si je ne l’avais pas écrit.

Das wäre ein Scherz, wenn ich es nicht geschrieben hätte.

« Écrit » suppose, au moins soupçonné de vous, enfin de certains d’entre vous, ce qu’en un temps j’ai dit du cri.

„Geschrieben“ („écrit“) unterstellt– wie von Ihnen zumindest vermutet wird, das heißt von einigen unter Ihnen –, was ich einmal über den Schrei (cri) gesagt habe.4

Je ne peux pas y revenir.

Darauf kann ich nicht zurückkommen.

Ceci arrive qu’ils crient, dans le cas où ils ne réussissent pas à s’entendre autrement – autrement, c’est-à-dire sur une affaire qui est le gage de leur entente.

Es kommt vor, dass sie schreien, nämlich dann, wenn es ihnen nicht gelingt, sich auf andere Weise verständlich zu machen – auf andere Weise, das heißt über eine Affäre, die das Unterpfand ihrer Verständigung ist.

Ces affaires ne manquent pas ; y est comprise à l’occasion, c’est la meilleure, l’entente au lit.

Diese Affären fehlen nicht; inbegriffen ist hier gelegentlich, das ist die beste, das Einverständnis im Bett.

Ces affaires ne manquent pas, certes donc, mais c’est en cela qu’elles manquent quelque chose, à savoir de s’entendre comme homme, comme femme, ce qui voudrait dire sexuellement.

Diese Affären fehlen nicht, gewiss nicht, aber darin verfehlen sie etwas, nämlich sich als Mann, als Frau zu verstehen, was heißen würde: sexuell.

L’homme et la femme ne s’entendraient-ils ainsi qu’à se taire ?

Der Mann und die Frau würden sich also nur dann verstehen, wenn sie schwiegen?

Il n’en est même pas question.

Das ist hier überhaupt nicht die Frage.

Car l’homme, la femme, n’ont aucun besoin de parler pour être pris dans un discours : comme tels, du même terme que celui que j’ai dit tout à l’heure, comme tels ils sont des faits de discours.

Denn der Mann und die Frau müssen keineswegs sprechen, um von einem Diskurs erfasst zu sein. Als solche, vom selben Terminus her wie dem, den ich eben gesagt habe, als solche sind sie Diskurstatsachen.

Le sourire ici suffirait, semble-t-il, à avancer qu’ils ne sont pas que ça.

Ein Lächeln würde hier genügen, so scheint es, um vorzubringen, dass sie nicht nur das sind.

Sans doute, qui ne l’accorde ?

Ohne Zweifel, wer stimmt dem nicht zu?

Mais qu’ils soient ça aussi, des faits de discours, fige le sourire.

Aber dass sie es auch sind, Diskurstatsachen, lässt das Lächeln erstarren.

Et ce n’est qu’ainsi, figé par cette remarque, | [146] qu’il a son sens, le sourire sur les statues archaïques.

Und nur so, durch diese Bemerkung erstarrt, | [146] hat das Lächeln auf den archaischen Statuen seinen Sinn.

L’infatuation, elle ricane.

Die Selbstgefälligkeit kichert.

C’est donc dans un discours que les « étant » hommes et femmes naturels, si l’on peut dire, ont à se faire valoir comme tels.

Es ist also ein Diskurs, worin die „Seienden“, natürliche Männer und Frauen, wenn man so sagen kann, sich als solche zur Geltung bringen müssen.

Il n’est discours que de semblant.

Diskurs gibt es nur vom Schein.

Si ça ne s’avouait pas de soi, j’ai dénoncé la chose, j’en rappelle l’articulation : le semblant ne s’énonce qu’à partir de la vérité.

Für den Fall, dass sich das nicht von selbst eingestünde, habe ich die Sache verkündet, ich erinnere an deren Artikulation: Der Schein äußert sich nur ausgehend von der Wahrheit.

Sans doute n’évoque-t-on jamais celle-ci, la vérité, dans la science.

Sicherlich beschwört man die Wahrheit niemals in der Wissenschaft.

Ça n’est pas là raison de nous en faire plus de souci, elle se passe bien de nous.

Das ist kein Grund, uns hier größere Sorgen um sie zu machen, sie kommt gut ohne uns aus.

Pour qu’elle se fasse entendre, il lui suffit de dire : « je parle », et on l’en croit, parce que c’est vrai – qui parle, parle.

Um sich zu Gehör zu bringen, genügt es ihr, „Ich spreche“ zu sagen, und man glaubt es, da es wahr ist – wer spricht, der spricht.5

Il n’y a d’enjeu – je rappelle ce que j’ai dit du pari, en l’illustrant de Pascal – il n’y a d’enjeu que de ce qu’elle dit.

Einen Einsatz – ich erinnere an das, was ich über die Wette gesagt und mit Pascal illustriert habe –, einen Einsatz gibt es nur von dem her, was sie sagt.6

Comme vérité, elle ne peut dire que le semblant sur la jouissance et c’est sur la jouissance sexuelle qu’elle gagne à tous les coups.

Als Wahrheit kann sie über das Genießen (jouissance) nur den Schein sagen, und gegen das sexuelle Genießen gewinnt sie jedes Mal.

Je vais ici vous mettre au tableau, à l’usage éventuel de ceux qui ne sont pas venus les dernières fois, les figures algébriques dont j’ai cru pouvoir ponctuer ce dont il s’agit concernant le coinçage auquel on est amené, d’écrire ce qui concerne le rapport sexuel. [Lacan schreibt an die Tafel.]

Ich möchte Ihnen hier an der Tafel, für den etwaigen Gebrauch derjenigen, die die letzten Male nicht gekommen sind, die algebraischen Figuren notieren, mit denen ich geglaubt habe, das interpunktieren zu können, worum bei es bei der Klemme geht, in die man geführt wird, wenn man das, was das sexuelle Verhältnis angeht, schreiben will. [Lacan schreibt an die Tafel.]

\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x}
Formel der Frau

\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x}
Formel des Mannes

Les deux barres mises sur les symboles qui sont à gauche, et dont se situent respectivement, au regard de ce dont il s’agit, tout ce qui est capable de répondre au semblant de la jouissance sexuelle, les deux barres, dites de négation, sont ici telles que justement elles ne sont pas à écrire puisque de ce qui ne peut pas s’écrire on n’écrit pas, tout simplement.

Die beiden Striche, die über die Symbole gesetzt sind, die links sind und von denen her sich jeweils – hinsichtlich dessen, worum es geht – all das verortet, was in der Lage ist, auf den Schein des sexuellen Genießens zu antworten, die beiden sogenannten Negationsstriche sind hier so, dass sie gerade nicht zu schreiben sind, da man von dem, was nicht geschrieben werden kann, ganz einfach nicht schreibt.

On peut dire qu’elles ne sont pas à écrire, que ce n’est pas de tout x que puisse être posée la fonction Phi de x, et que c’est de ce « ce n’est pas de tout x » que se pose la femme [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Man kann sagen, dass sie nicht zu schreiben sind, dass nicht für alle x die Funktion „Φ von x“ behauptet werden kann, und dass sich die Frau von diesem „nicht für alle x gilt“ her positioniert [\overline {\forall \text {x}}.\Phi \text {x} ].7

Il n’existe pas de x tel qu’il satisfasse à la fonction dont se définit la variable, d’être la fonction « Φ de x » [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ] .

Es existiert kein x, für das gilt, dass es die Funktion erfüllt, von der her die Variable so definiert ist, dass sie Funktion „Φ von x“ ist [\overline {\exists \text {x}}.\Phi \text {x} ].

Il n’en existe pas, c’est de cela que se formule ce qu’il en est de l’homme, mâle j’entends.

Es existiert nicht: von daher wird formuliert, worum es beim Mann geht.

Mais juste-| [147] ment ici la négation n’a que la fonction dite de la Verneinung, c’est-à-dire qu’elle ne se pose qu’à avoir d’abord avancé qu’« il existe quelqu’homme » et que c’est par rapport à « toute femme » qu’une femme se situe.

Aber genau hier hat die Negation nur die sogenannte Funktion der Verneinung*, das heißt, dass sie nur von daher behauptet wird, dass zunächst vorgebracht wurde, dass „irgendein Mann existiert“, und dass sich eine Frau im Verhältnis zu „jeder Frau“ verortet.8

C’est un rappel, ça ne fait pas partie de l’écrit que je reprends – que je reprends, ce qui signifie que, puisque je vois que c’est assez répandu, vous faites bien en effet de prendre des notes ; c’est le seul intérêt de l’écrit, c’est que par après vous ayez à vous situer par rapport à lui.

Das ist eine Erinnerung, das ist nicht Teil des Geschriebenen, das ich wiederaufnehme; das ich wiederaufnehme, was bedeutet, dass Sie – da ich sehe, dass es ziemlich verbreitet ist –, dass Sie wirklich gut daran tun, Notizen zu machen. Das ist der einzige Nutzen des Geschriebenen: dass Sie sich danach im Verhältnis dazu verorten müssen.

Eh bien, on fera bien de me suivre dans ma discipline du nom – n.o.m.

Nun also, man wird gut daran tun, mir in meiner Disziplin des Namens zu folgen.

J’aurai à y revenir, spécialement la prochaine fois, ça sera la séance dont nous conclurons cette année.

Ich werde darauf zurückkommen müssen, vor allem das nächste Mal; das wird die Sitzung sein, mit der wir dieses Jahr abschließen.

Le propre du nom, c’est d’être nom propre.

Das Eigene des Namens besteht darin, Eigenname zu sein.

Même pour un tombé, entre autres, à l’usage de nom commun, ce n’est pas temps perdu que de lui retrouver un emploi propre.

Selbst bei einem Namen, der, wie andere auch, der Verwendung als Gemeinname anheimgefallen ist, ist es keine Zeitvergeudung, einen eigenen Gebrauch für ihn wiederzufinden.

Et quand un nom est resté assez propre, n’hésitez pas, prenez exemple et appelez la chose par son nom : La chose freudienne par exemple, comme j’ai fait ; vous le savez – j’aime à l’imaginer tout au moins.

Wenn ein Name jedoch hinreichend eigen geblieben ist, zögern Sie nicht, nehmen Sie sich ein Beispiel und nennen Sie die Sache mit ihrem Namen, die Freud’sche Sache beispielsweise, wie ich’s getan habe; Sie wissen das – zumindest stelle ich mir das gern vor.9

J’y reviendrai la prochaine fois.

Das nächste Mal werde ich darauf zurückkommen.

Nommer quelque chose, c’est un appel.

Etwas zu benennen ist eine Aufforderung.

Si bien que lorsque j’ai écrit La Chose en question – freudienne – se lève et fait son numéro.

So also, dass, als ich geschrieben habe, die betreffende Sache, die Freud’sche, sich erhebt und ihre Nummer abzieht.

Ce n’est pas moi qui le lui dicte.

Das bin nicht ich, der ihr das diktiert.

Ce serait même de tout repos, de ce repos dernier au semblant de quoi tant de vies s’astreignent, si je n’étais pas comme homme, masculin, exposé là sous le vent de la castration, relisez mon texte.

Es würde sogar Ruhe herrschen, diese letzte Ruhe, in deren Schein (semblant) so viele Leben sich abmühen, wenn ich als Mann da nicht dem Wind der Kastration ausgesetzt wäre; lesen Sie meinen Text wieder.

Elle, la vérité, mon imbaisable partenaire, elle est certes dans le même vent elle le porte même : « être dans le vent » c’est ça, mais ce vent ne lui fait ni chaud, ni froid, pour la raison que la jouissance, c’est très peu pour elle, puisque la vérité, c’est qu’elle la laisse au semblant.

Sie, die Wahrheit, meine unfickbare Partnerin, ist sicherlich demselben Wind ausgesetzt, sie trägt ihn sogar; im Wind sein / in Mode sein (être dans le vent), das ist es, aber dieser Wind macht die Wahrheit weder heiß noch kalt, aus dem Grunde, weil das Genießen für sie sehr wenig ist, denn mit der Wahrheit ist es so, dass sie das Genießen dem Schein überlässt.

Ce semblant a un nom, lui aussi, repris du temps mystérieux de ce que s’y jouassent les mystères, rien de plus, où il nommait le savoir supposé à la fécondité et, comme tel, offert à l’adoration sous la figure d’un semblant d’organe.

Dieser Schein, auch er hat einen Namen, aus der mysteriösen Zeit übernommen, als hier die Mysterien aufgeführt wurden, nichts mehr, wo er das der Fruchtbarkeit unterstellte Wissen benannte, als solches der Anbetung dargeboten in Gestalt eines Scheins des Organs.10

 

Le semblant, dénoncé par la vérité pure, est, il faut le reconnaître, « assez-phalle », assez intéressé dans ce qui pour nous s’amorce par la vertu du coït, à savoir la sélection des génotypes avec la reproduction du phénotype qui s’ensuit, assez intéressé donc pour mériter ce nom antique de phallus, bien qu’il soit clair que l’héritage qu’il couvre maintenant se réduit à l’acéphalie de cette sélection, soit l’impossibilité de subordonner la jouis-| [148] sance dite sexuelle à ce qui sub rosa spécifierait le choix de l’homme et de la femme, pris comme porteurs chacun d’un lot précis de génotypes, puisqu’au meilleur cas c’est le phénotype qui guide ce choix.

Der Schein, der von der reinen Wahrheit angeprangert wird, ist, das muss man erkennen, assez-phalle, hinreichend phallisch / akephal11, hinreichend an dem beteiligt, was vermöge des Koitus bei uns in Gang kommt, nämlich die Selektion der Genotypen mit der anschließenden Reproduktion des Phänotyps, hinreichend daran beteiligt also, um den antiken Namen des Phallus zu verdienen, obwohl klar ist, dass das Erbe, das er bekleidet, sich heutzutage auf die Akephalie dieser Selektion reduziert, nämlich auf die Unmöglichkeit, das sogenannte sexuelle Genießen dem unterzuordnen, was sub rosa die Wahl des Mannes und der Frau spezifizieren würde, beide als Träger eines präzisen Satzes von Genotypen genommen, da es bestenfalls der Phänotyp ist, der diese Wahl anleitet.

À la vérité, c’est le cas de le dire, un nom propre – car c’en est encore un, le phallus – n’est tout à fait stable que sur la carte où il désigne un désert : c’est les seules choses qui sur la carte ne changent pas de nom.

In Wahrheit, so muss man wohl sagen, ist ein Eigenname – denn auch er ist einer, der Phallus – nur auf der Karte stabil, auf der er eine Wüste bezeichnet; das sind die einzigen Sachen, die auf einer Karte den Namen nicht wechseln.

Il est remarquable que même les déserts produits au nom d’une religion, ce qui n’est pas rare, ne soient jamais désignés du nom qui fut pour eux dévastateur.

Es ist bemerkenswert, dass selbst die Wüsten, die im Namen einer Religion erzeugt wurden, was nicht selten ist, niemals mit dem Namen bezeichnet werden, der für sie verheerend war.

Un désert ne se rebaptise qu’à être fécondé.

Eine Wüste wird nur dann umgetauft, wenn sie fruchtbar gemacht worden ist.

Ce n’est pas le cas dans la jouissance sexuelle, que le progrès de la science ne semble pas conquérir au savoir.

Nicht so ist es beim sexuellen Genießen, das der Fortschritt der Wissenschaft für das Wissen nicht zu erobern scheint.

C’est par contre du barrage qu’elle constitue à l’avènement du rapport sexuel dans le discours que sa place s’y est évidée, jusqu’à devenir, dans la psychanalyse, évidente.

Vielmehr bildet dieses Genießen ein Hindernis für die Ankunft des sexuellen Verhältnisses im Diskurs, weshalb hier sein Platz geleert (évidée) worden ist, bis dahin, in der Psychoanalyse evident zu werden (évidente).

Telle est, au sens que ce mot a dans le pas logique de Frege, Die Bedeutung des Phallus.

Solcherart ist – in dem Sinn, den dieses Wort bei dem Schritt hat, den Frege in der Logik gegangen ist – *Die Bedeutung des Phallus*.12

C’est bien pourquoi – j’ai mes malices, hein ! – c’est en Allemagne, parce qu’en allemand, que j’ai porté le message à quoi répond dans mes Écrits ce titre, et ce au nom du centenaire de la naissance de Freud.

Und eben deshalb– ich habe auch meine Tricks, nicht wahr? – war es Deutschland, eben auf deutsch, wohin ich die Botschaft getragen habe, auf die in meinen Schriften dieser Titel antwortet, und das im Namen der Hundertjahrfeier von Freuds Geburt.

Il fut beau de toucher, en ce pays élu pour qu’y résonnât ce message, la sidération qu’il produisit.

Es war schön, in diesem Land, dazu auserwählt, dass diese Botschaft hier Resonanz fände, die Erstarrung zu spüren, die sie hervorrief.

On ne peut pas avoir l’idée maintenant, parce que vous vous baladez tous avec des machins comme ça sous le bras ; à ce moment-là, ça faisait un effet, Die Bedeutung des Phallus.

Jetzt kann man sich keine Vorstellung davon machen, da Sie alle mit Sachen wie der da unter dem Arm herumlaufen13; in jenem Moment hatte das eine Wirkung, *Die Bedeutung des Phallus*.

Dire que je m’attendais à ça ne serait rien dire, du moins dans ma bouche14 ; ma force est de savoir ce qu’attendre signifie.

Zu sagen, dass ich das erwartet hatte, hieße, nichts zu sagen, zumindest in meinem Munde; meine Stärke besteht darin, zu wissen, was erwarten bedeutet.

Pour la sidération en question, je ne mets pas ici dans le coup les vint-cinq ans de crétinisation ratée15, cela serait consacrer que ces vint-cinq ans triomphent partout.

Was die erwähnte Erstarrung angeht, beziehe ich hier die fünfundzwanzig Jahre gescheiterter Kretinisierung nicht mit ein, denn das hieße zu besiegeln, dass diese fünfundzwanzig Jahre überall triumphieren.16

Plutôt insisterai-je sur ce que Die Bedeutung des Phallus est en réalité un pléonasme : il n’y a pas dans le langage d’autre Bedeutung que le phallus.

Vielmehr werde ich darauf bestehen, dass *Die Bedeutung des Phallus*in Wirklichkeit ein Pleonasmus ist – in der Sprache gibt es keine andere Bedeutung* als den Phallus.17

Le langage dans sa fonction d’existant ne connote en dernière analyse – j’ai dit « connote » hein ! – que l’impossibilité de symboliser le rapport sexuel chez les êtres qui l’habitent, qui habitent le langage, oui, en raison de ce que c’est de cet habitat qu’ils tiennent la parole.

In ihrer Funktion als Existierende konnotiert die Sprache letztlich (en dernière analyse) – ich habe „konnotiert“ gesagt, aha! –, letztlich nur die Unmöglichkeit, das sexuelle Verhältnis bei den Wesen zu symbolisieren, die sie bewohnen, die die Sprache bewohnen, ja, aufgrund dessen, dass sie von dieser Wohnung aus das Wort ergreifen.

Et qu’on n’oublie pas ce que j’ai dit de ce que la parole dès lors n’est pas leur privilège, à ces êtres qui l’habitent, qui | [149] l’évoquent, la parole, dans tout ce qu’ils dominent par l’effet du discours.

Und man vergesse nicht, was ich darüber gesagt habe, dass das Sprechen von daher nicht ihr Vorrecht ist, dass es nicht das Vorrecht der Wesen ist, die sie bewohnen, sie, die in allem, was sie durch die Wirkung des Diskurses beherrschen, das Sprechen hervorrufen.

Cela commence par ma chienne par exemple, celle dont j’ai longtemps parlé, et ça va très, très loin.

Das fängt beispielsweise bei meiner Hündin an, von der ich lange gesprochen habe, und das geht sehr, sehr weit.18

« Le silence éternel », comme disait l’autre, « des espaces infinis» n’aura pas, comme beaucoup d’autres éternités, duré plus qu’un instant.

„Das ewige Schweigen“, wie mal jemand gesagt hat, „unendlicher Räume“ – es wird, wie viele andere Ewigkeiten, nicht länger als einen Augenblick gedauert haben.19

Ça parle vachement dans la zone de la nouvelle astronomie, celle qui s’est ouverte tout de suite après ce menu propos de Pascal.

Dieses Sprechen macht mächtig was her in der Zone der neuen Astronomie, derjenigen, die sich sofort nach Pascals kleiner Bemerkung aufgetan hat.

C’est de ce que le langage n’est constitué que d’une seule Bedeutung, qu’il tire sa structure, laquelle consiste en ce qu’on ne puisse, de ce qu’on l’habite, en user que : pour la métaphore d’où résultent toutes les insanités mythiques dont vivent ses habitants, pour la métonymie dont ils prennent le peu de réalité qui leur reste sous la forme du plus-de-jouir.

Von daher, dass die Sprache nur von einer einzigen Bedeutung* her gebildet wird, bezieht sie ihre Struktur, die darin besteht, dass man das, was man bewohnt, nur für die Metapher verwenden kann, woraus all die mythischen Unsinnigkeiten hervorgehen, von denen ihre Bewohner leben, sowie für die Metonymie, von der sie das bisschen Realität nehmen, das ihnen in Gestalt der Mehrlust bleibt.20

Or ceci que je viens de dire, ne se signe que dans l’histoire et à partir de l’apparition de l’écriture, laquelle n’est jamais simple inscription, fût-ce dans les apparences de ce qui se promeut de l’audiovisuel.

Dies aber, was ich gerade gesagt habe, wird nur in der Geschichte unterschrieben und ausgehend vom Erscheinen der Schrift (écriture), die niemals einfaches Aufschreiben ist, auch nicht in den Erscheinungen dessen, was sich an Audiovisuellem entwickelt.

L’écriture n’est jamais, depuis ses origines jusqu’à ses derniers protéismes techniques, que quelque chose qui s’articule comme os dont le langage serait la chair.

Von ihren Ursprüngen bis zu ihren letzten technischen Proteismen ist die Schrift immer nur etwas, das sich als der Knochen artikuliert, von dem die Sprache (langage) das Fleisch wäre.

C’est bien en cela qu’elle démontre que la jouissance sexuelle n’a pas d’os, ce dont on se doutait par les mœurs de l’organe qui en donne chez le mâle parlant une figure comique.

Eben darin demonstriert sie, die Schrift, dass das sexuelle Genießen keinen Knochen hat, was zu ahnen war, aufgrund des Gebarens des Organs, das beim sprechenden Männchen dafür eine komische Figur abgibt.

Mais l’écriture, elle, pas le langage, l’écriture donne os à toutes les jouissances qui, de par le discours, s’avèrent s’ouvrir à l’être parlant.

Aber die Schrift, nicht die Sprache, die Schrift gibt Knochen all den Genüssen, die sich dem sprechenden Wesen durch den Diskurs eröffnen.

Leur donnant os, elle souligne ce qui y était certes accessible, mais masqué, à savoir que le rapport sexuel fait défaut au champ de la vérité en ce que le discours qui l’instaure ne procède que du semblant à ne frayer la voie qu’à des jouissances qui parodient – c’est le mot propre – celle qui y est effective mais qui lui demeure étrangère.

Indem sie ihnen Knochen gibt, hebt sie etwas hervor, was hier sicherlich zugänglich war, jedoch maskiert, nämlich dass im Felde der Wahrheit das sexuelle Verhältnis fehlt, insofern der Diskurs, der das Feld der Wahrheit einsetzt, nur vom Schein ausgeht, um nur solchen Genüssen den Weg zu bahnen, die das Genießen parodieren – das ist das richtige Wort –, das hier wirksam ist, ihm aber fremd bleibt.

Tel est l’Autre de la jouissance : à jamais inter-dit celui dont le langage ne permet l’habitation qu’à le fournir – pourquoi n’emploierais-je pas cette image ? – de scaphandres.

Solcherart ist das Andere des Genießens, auf immer unter-sagt, dasjenige Genießen, das zu bewohnen die Sprache nur erlaubt, indem sie es – warum sollte ich dieses Bild nicht verwenden? – mit Skaphandern versieht.21

Peut-être que ça vous dit quelque chose, cette image – il y en a tout de même quelques-uns d’entre vous qui ne sont pas assez occupés par leurs fonctions de syndicats pour être tout de même émus de nos exploits lunaires.

Vielleicht sagt Ihnen dieses Bild etwas, nicht wahr – immerhin gibt es unter Ihnen einige, die von ihren Gewerkschaftsaufgaben nicht so stark in Anspruch genommen sind, dass unsere Heldentaten auf dem Mond sie nicht bewegen würden.22

Il y a longtemps que l’homme rêve à la lune, il y a mis le pied maintenant.

Seit langem schon träumt der Mensch vom Mond, jetzt hat er den Fuß darauf gesetzt.23

[150] Pour bien se rendre compte de ce que cela veut dire, il faut faire comme j’ai fait : revenir du Japon.24

Um sich klar darüber zu werden, was das bedeutet, muss man’s machen wie ich’s gemacht habe: aus Japan zurückkehren.

C’est là qu’on se rend compte que rêver à la lune, c’était vraiment une fonction.

Dort hat man begriffen, dass über den Mond nachzusinnen wirklich eine Aufgabe war.25

Il y a un personnage dont je ne dirai pas le nom – je ne veux pas faire ici d’érudition – qui est encore là, enfermé, c’est exactement lui – on se rend bien compte de ce que cela veut dire, persona, c’est la personne même c’est son masque qui est là, enfermé dans une petite armoire japonaise, on le montre aux touristes.

Es gibt eine Person, deren Namen ich nicht nenne werde – ich möchte hier nicht in Gelehrsamkeit machen –, die noch dort ist, eingeschlossen; das ist genau sie, man hat wirklich begriffen, was das bedeutet, persona, das ist die Person selbst, das ist ihre Maske, die dort in einen kleinen japanischen Schrank eingeschlossen ist, man zeigt sie den Touristen.26

On sait que c’est lui, enfin, de l’endroit, à dix mètres, où il se montre – cela se trouve dans un endroit qui s’appelle le Pavillon d’Argent, à Kyoto – qui rêvait à la lune.

Man weiß, dass er es ist, nun ja, der von dem zehn Meter hohen Ort aus, wo er sich zeigt – man findet das an einem Ort, der „Silberpavillon“ genannt wird, in Kyoto –, der von dort über den Mond nachsann.

Nous aimons à croire qu’il la contemplait assez phallique.

Wir glauben gern, dass er über ihn akephal / hinreichend phallisch nachsann.

Nous aimons à le croire enfin, cela nous laisse tout de même dans l’embarras, on ne se rend plus bien compte.

Wir glauben das ja gern, aber das bringt uns gleichwohl in Verlegenheit, man kann sich das nicht mehr recht klarmachen.

Le chemin parcouru n’est-ce pas pour l’inscrire, pour se tirer de cet embarras ?

Ist der durchlaufene Weg nicht dazu da, um es aufzuschreiben, um sich aus dieser Verlegenheit zu ziehen?

Graph des Begehrens

Il faut comprendre que c’est l’accomplissement du signifiant de A barré de mon graphe [S(Ⱥ)].27

Man muss begreifen, dass dies die Leistung des Signifikanten des ausgestrichenen Anderen meines Graphen ist [S(Ⱥ)].28

Bon, tout cela est un badinage, je vous demande pardon, c’est un badinage-signal, signal pour moi bien sûr, qui m’avertit que je frôle le structuralisme. [Gelächter]

Gut, all das ist ein Scherz, ich bitte Sie um Verzeihung, das ist ein Scherzsignal, ein Signal für mich natürlich, das mich warnt, dass ich den Strukturalismus streife. [Gelächter]

Si je suis forcé de le frôler comme cela, naturellement c’est pas de ma faute.

Wenn ich gezwungen bin, ihn in dieser Weise zu streifen, ist das natürlich nicht mein Fehler.                                      

Je m’en déchargerai – ce sera à vous d’en juger – sur la situation que je subis.

Ich werde das von mir abschieben – Ihre Sache wird es sein, das zu beurteilen –, auf die Situation, der ich ausgesetzt bin. 

Le temps passe, et naturellement je dois me presser un peu, de sorte que je suis forcé d’abréger un peu, d’autant que cela va devenir plus difficile à suivre, mon écrit.

Die Zeit vergeht, und natürlich muss ich mich ein wenig sputen, derart, dass ich gezwungen bin, ein wenig abzukürzen, zumal es schwieriger sein wird, meinem Geschriebenen zu folgen.

Mais cette situation que je subis, je vais l’épingler, je vais l’épingler de quelque chose qui ne va pas vous apparaître tout de suite, mais que j’aurai à dire d’ici qu’on se quitte dans huit jours, c’est que je l’épinglerai du refus de la performance.

Aber diese Situation, der ich ausgesetzt bin, ich will sie festmachen, ich will sie an etwas festmachen, was Ihnen nicht sofort offenkundig erscheinen wird, was ich aber werde sagen müssen, von hier bis man sich in acht Tagen trennt, nämlich dass ich es an der Ablehnung der Performanz festmachen will.29

C’est une maladie, une maladie d’époque, sous les fourches de laquelle il faut bien passer, puisque ce refus constitue le culte de la compétence, c’est-à-dire de la certaine idéalité dont je suis réduit, avec d’ailleurs beaucoup de champs de la science, à m’autoriser devant vous.

Das ist eine Krankheit, eine Krankheit der Epoche, unter deren Joch man wirklich hindurchgehen muss, denn diese Verweigerung konstituiert den Kult der Kompetenz, das heißt dieser bestimmten Idealität, auf die ich, um mich vor Ihnen zu autorisieren, reduziert bin, übrigens zusammen mit vielen Wissenschaftsbereichen.30

Le résultat, ça, c’est des anecdotes.

Das Ergebnis, das sind Anekdoten.

Mes Écrits sont par exemple … on en traduit un en anglais, Fonction et champ de la parole et du langage, on le traduit par The language of the self. [Gelächter]

Meine Schriften beispielsweise, man übersetzt eine davon ins Englische, Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache, man übersetzt das mit The language of the self.31 [Gelächter]

Je viens d’apprendre qu’en espagnol on a fait aussi quelque chose dans ce genre-là ; une traduction d’un certain nombre <de mes écrits>, c’est intitulé Aspects structuralistes de Freud, enfin quelque chose comme ça, enfin laissons. [Gelächter]

Gerade habe ich erfahren, dass man auf Spanisch ebenfalls etwas in dieser Art gemacht hat; eine Übersetzung einer gewissen Anzahl <meiner Schriften>, das hat den Titel Strukturalistische Aspekte von Freud, also etwas von dieser Art, also lassen wir das.32 [Gelächter]

La compétence n’existe que de ce que c’est dans l’incompétence qu’elle prend assiette à se proposer sous forme d’idéalité à son culte.

Die Kompetenz existiert nur von daher, dass sie sich in der Inkompetenz einrichtet, um sich in Gestalt der Idealität der Verehrung anzubieten.

C’est comme cela qu’elle va aux concessions, et je vais vous en donner un exemple : la phrase par laquelle j’ai commencé : « L’homme et la femme peuvent s’entendre, je ne dis pas non …», eh bien voilà, c’était pour vous dorer la pilule !

Auf diese Weise führt sie zu Konzessionen, und ich werde Ihnen ein Beispiel dafür geben: Der Satz, mit dem ich begonnen habe, „Der Mann und die Frau können sich hören/verstehen, ich sage nicht nein“, nun ja, das war, um Ihnen die Pille zu vergolden.

Et la pilule ça n’arrange rien, hein ! [Gelächter]

Und die Pille, das bringt nichts in Ordnung, nicht wahr. [Gelächter]

La notion forgée du terme de « structuralisme » tente de prolonger la | [151] délégation faite à un temps à certains spécialistes, les spécialistes de la vérité, la délégation d’un certain vide qui s’aperçoit dans la raréfaction de la jouissance.

Der mit dem Terminus „Strukturalismus“ geprägte Begriff versucht, die Delegierung zu verlängern, die einmal mit gewissen Spezialisten vorgenommen wurde, mit den Spezialisten der Wahrheit, die Delegierung einer bestimmten Leere, die in der Verknappung des Genießens wahrgenommen wird.

C’est ce vide qu’avait relevé, sans fard33, l’existentialisme après que la phénoménologie – la phénoménologie, hein : bien plus faux-jeton – eût jeté le gant de34 ses exercices respiratoires. [Gelächter]

Diese Leere ist es, die der Existenzialismus unmissverständlich aufgegriffen hat, nachdem die Phänomenologie – die Phänomenologie, na ja, noch mehr Falschgeld – den Fehdehandschuh ihrer Atemübungen geworfen hatte. [Gelächter]

Elle occupait les lieux laissés déserts par la philosophie, parce que ce n’était pas des lieux appropriés.

Sie besetzte die Orte, die die Philosophie leer zurückgelassen hatte, da es keine angemessenen Orte waren.

Actuellement, ils sont tout juste bons au mémorial de sa contribution, qui n’est pas mince, à la philosophie, au discours du maître qu’elle a définitivement stabilisé de l’appui de la science.

Gegenwärtig sind sie nur noch dazu gut, seines Beitrags zur Philosophie zu gedenken, der nicht gering ist, zum Diskurs des Herrn, den sie sie durch die Stütze der Wissenschaft definitiv stabilisiert hat.

Marx ou pas, et qu’il l’ait balancée sur les pieds ou sur la tête, la philosophie, il est certain que la philosophie en tout cas, elle, n’était pas « assez … phalle ».

Marx oder nicht, und ob er sie nun auf die Füße oder auf den Kopf gestellt hat, es ist sicher, dass jedenfalls die Philosophie nicht akephal / nicht hinreichend phallisch war.35

Qu’on ne compte pas sur moi pour structuraliser l’affaire de la vie impossible, comme si ce n’était pas de là qu’elle avait chance, la vie, de faire la preuve de son réel.

Man möge nicht mit mir rechnen, um die Sache des unmöglichen Lebens zu strukturalisieren, als hätte das Leben nicht von daher die Chance, den Beweis für sein Reales zu erbringen.

Ma prosopopée esbaudissante du « Je parle… » dans l’écrit cité tout à l’heure, La chose freudienne, pour être mise au compte rhétorique d’une « vérité en personne », ne me fait pas choir là d’où je la tire : du puits36.

Meine ergötzliche Prosopopöie des „Ich spreche“ in der eben zitierten Schrift Die Freud’sche Sache lässt mich, auch wenn sie rhetorisch einer „Wahrheit in Person“ zugeschrieben wird, nicht dort stürzen, wo ich sie herausziehe: aus Brunnen.

Rien n’est dit là de ce que parler veut dire : la division sans remède de la jouissance et du semblant.

Nichts ist dort gesagt über das, was Sprechen bedeutet: die unabänderliche Spaltung von Genießen und Schein.

La vérité, c’est de jouir à faire semblant et de n’avouer en aucun cas que la réalité de chacune de ces deux moitiés ne prédomine qu’à s’affirmer d’être de l’autre, soit à mentir à jets alternés.

Die Wahrheit besteht darin, es zu genießen, einen Schein zu machen / etwas vorzutäuschen, und auf keinen Fall zuzugeben, dass die Realität jeder dieser beiden Hälften nur von daher dominiert, dass sie von sich behauptet, von der anderen Hälfte zu sein, also abwechselnd zu lügen.

Tel est le mi-dit de la vérité.

Solcherart ist das Halbgesagte der Wahrheit.37

Son astronomie est équatoriale, soit déjà tout à fait périmée quand elle naquit du couple nuit-jour.

Ihre Astronomie ist äquatorial, das heißt, bereits gänzlich überholt, als sie vom Paar Tag-Nacht geboren wurde.

Une astronomie ça s’arraisonne de se soumettre aux saisons, s’assaisonner.

Eine Astronomie wird zum aräsonablen Gestell, wenn sie sich der Saison unterwirft, wenn sie saisonabel wird.38

Ceci est une allusion à l’astronomie chinoise qui, elle, était équatoriale, mais qui n’a rien donné.

Das ist eine Anspielung auf die chinesische Astronomie, die äquatorial war, aber nichts gebracht hat.39

La chose dont il s’agit, ce n’est pas sa compétence de linguiste – et pour cause – qui, à Freud, en a tracé les voies.

Die Sache, um die es sich handelt – bei Freud war es nicht seine Kompetenz als Linguist, und das mit Grund, die ihm die Wege dorthin gebahnt hat.

Ce que je rappelle, moi, c’est que ces voies il n’a pu les suivre qu’à y faire preuve, et jusqu’à l’acrobatie, de performances de langage, et que là, seule la linguistique permet de les situer dans une structure en tant qu’elle s’attache, elle, à une compétence qu’on appelle une conscience linguistique qui est tout de même bien remarquable justement de ne jamais se dérober à son enquête.

Woran ich meinerseits erinnere, ist dies, dass er diesen Wegen nur hat folgen können, indem er hier den Beweis von Performanzen der Sprache erbrachte, bis hin zur Akrobatik, und dass nur die Linguistik es hier gestattet, sie in einer Struktur zu verorten, indem sie sich an eine Kompetenz bindet, die man Sprachgefühl (conscience linguistique) nennt, das immerhin genau von daher bemerkenswert ist, sich seiner Erkundung niemals zu entziehen.40

[152] Donc ma formule, que l’inconscient est structuré comme un langage, implique qu’a minima la condition de l’inconscient, c’est le langage.

Meine Formel, dass das Unbewusste wie eine Sprache (langage) strukturiert ist, impliziert also, dass eine Minimalbedingung des Unbewussten die Sprache ist.

Mais ça n’ôte rien à la portée de l’énigme qui consiste en ce que l’inconscient en sache plus long qu’il n’en a l’air, puisque c’est de cette surprise qu’on était parti pour le nommer comme on l’a fait.

Aber das nimmt dem Rätsel nichts von seiner Tragweite, dem Rätsel, welches darin besteht, dass das Unbewusste weit mehr davon weiß, als es den Anschein hat, da man von dieser Überraschung ausgegangen war, um es so zu benennen, wie man es getan hat.

Il en sait, des choses !

Es weiß allerhand!41

Naturellement tout de suite ça tournait court, si on le coiffait, le petit inconscient, de tous les instincts qui sont d’ailleurs toujours là comme éteignoirs – lisez n’importe quoi qui se publie hors de mon école.

Natürlich lief das sofort ins Leere, als man das kleine Unbewusste mit sämtlichen Instinkten ausstattete, die als Flammentöter übrigens immer zur Verfügung stehen – lesen Sie irgendetwas, was außerhalb meiner Schule veröffentlicht wird.

L’affaire était dans le sac, il ne s’agissait plus que d’y mettre l’étiquette, à l’adresse de la vérité précisément, laquelle la saute assez, de notre temps, si je puis dire, pour ne pas dédaigner le marché noir.

Die Sache war geregelt, es ging nur noch darum, das Etikett anzubringen, an die Adresse der Wahrheit genau, wobei diese das Etikett heutzutage genügend überspringt, wenn ich so sagen kann, um den Schwarzmarkt nicht zu verachten.42

J’ai mis des bâtons dans l’ornière de sa clandestinité, à marteler que le savoir en question ne s’analyse que de se formuler comme un langage, soit dans une langue particulière, fût-ce à métisser celle-ci, en quoi d’ailleurs il ne fait rien de plus que ce que les dites langues se permettent couramment, de leur propre autorité.

In die Wagenspur ihrer Verborgenheit habe ich Stäbe gesetzt, um einzuhämmern, dass das fragliche Wissen nur von daher analysiert wird, dass es als eine Sprache (langage) formuliert wird, das heißt in einer besonderen Sprache (langue particulière), und sei es, um sich mit ihr zu kreuzen, womit es übrigens nicht mehr tut als das, was besagte Sprachen (langues) sich üblicherweise aus eigener Befugnis gestatten.43

Personne ne m’a relancé sur ce que sait le langage – « sait » : s-a-i-t – à savoir : Die Bedeutung des Phallus.

Niemand hat mich mit der Frage bedrängt, was die Sprache (langage) weiß, nämlich *Die Bedeutung des Phallus*.

Je l’avais dit, certes, mais personne ne s’en est aperçu parce que c’était la vérité.

Ich habe es gesagt, sicherlich, aber da es die Wahrheit war, hat niemand es mitbekommen.

Alors qui est-ce qui s’intéresse à la vérité ?

Nun, wer interessiert sich für die Wahrheit?

Eh bien, des gens, dont j’ai dessiné la structure de l’image grossière qu’on trouve dans la topologie à l’usage des familles. [Lacan zeichnet an der Tafel.]

Na ja, Leute, deren Struktur ich mit dem groben Bild gezeichnet habe, das man in der Topologie für jedermann findet. [Lacan zeichnet an der Tafel.]

[153] Voilà comment ça se dessine, dans cette topologie à l’usage des familles, c’est comme ça qu’on dessine la bouteille de Klein.

So wird das gezeichnet, in der Topologie für jedermann wird so die Kleinsche Flasche gezeichnet.

 

Konstruktion einer Kleinschen Flasche aus einer Röhre
und Verwandlung in ein Möbiusband durch einen Schnitt

Il n’y a pas, j’y reviens, un point de sa surface qui ne soit partie topologique du rebroussement qui se figure ici du cercle, ici dessiné, du cercle seul propre à donner à cette bouteille le cul dont les autres s’enorgueillissent indûment, les autres bouteilles ; elles ont un cul, Dieu sait pourquoi ! [Gelächter]

Es gibt – ich komme darauf zurück – keinen Punkt ihrer Fläche, der nicht ein topologischer Teil des Wendebereichs wäre, der hier durch den Kreis, der hier gezeichnet ist, dargestellt wird, durch den Kreis, der als einziger geeignet ist, dieser Flasche den Boden zu geben, auf den die anderen zu Unrecht stolz sind, die andere Flaschen; sie haben einen Boden/Arsch (cul), Gott weiß warum.44 [Gelächter]

Ainsi n’est-ce pas là où on le croit, mais en sa structure de sujet que l’hystérique – j’en viens à une partie des gens que je désignais à l’instant – conjugue la vérité de sa jouissance au savoir implacable qu’elle a que l’autre propre à la causer, c’est le phallus, soit un semblant.

Auf diese Weise verbindet die Hysterikerin – ich komme damit zu einem Teil der Leute, die ich eben bezeichnet habe – nicht dort, wo man annimmt, sondern in ihrer Subjektstruktur die Wahrheit ihres Genießens mit dem unerbittlichen Wissen, das sie hat, dass der andere, der geeignet ist, es hervorzurufen, der Phallus ist, das heißt ein Schein.

Qui ne comprendrait la déception de Freud, à saisir que le pas de guérison à quoi il parvenait avec l’hystérique, n’allait à rien de plus qu’à lui faire réclamer ce dit semblant, soudain pourvu de vertus réelles, de l’avoir accroché à ce point de rebroussement, qui pour n’être pas introuvable sur le corps – c’est évident – est une figuration topologiquement tout à fait incorrecte de la jouissance chez une femme.

Wer verstünde nicht Freuds Enttäuschung, als ihm klar wurde, dass der Schritt der Heilung, zu dem er mit der Hysterikerin gelangt war, nicht weiter führte als dahin, sie dazu zu bringen, besagten Schein einzufordern, der plötzlich mit realen Tugenden ausgestattet war, von daher, dass er an diesem Wendepunkt aufgehängt worden war, der auf dem Körper zwar nicht unauffindbar ist, das ist offensichtlich, der bei einer Frau aber dennoch eine topologisch ganz unkorrekte Figuration des Genießens ist.

Mais Freud le savait-il ? on peut se le demander.

Aber wusste Freud das? das kann man sich fragen.

Dans la solution impossible de son problème, c’est à en mesurer la cause au plus juste, soit à en faire une juste cause, que l’hystérique s’accorde de ce45 qu’elle feint être détenteur46 de ce semblant : « au moins un » que j’écris, ai-je besoin de le réécrire, « l’hommoinzin » conforme à l’os qu’il faut à sa jouissance pour qu’elle puisse le ronger.

Bei der unmöglichen Lösung ihres Problems, nämlich um dessen Ursache genauestens (au plus juste) zu ermessen, das heißt, um eine gerechte (juste) Sache daraus zu machen, ist die Hysterikerin damit einverstanden, dass sie vortäuscht, Besitzerin dieses Scheins zu sein47: „zumindest einer“ (au moins un), was ich so geschrieben habe – muss ich es noch einmal schreiben?: , „hommoinzin“, in Übereinstimmung mit dem Knochen / dem Problem, den es für ihr Genießen braucht, damit sie daran nagen kann.48

Cette approche de « l’hommoinzin » il y a trois façons l’écrire, n’est-ce pas.

Dieser Ansatz mit dem „hommoinzin“, mit dem zumindest-einer – es gibt drei Arten, das zu schreiben, nicht wahr.

An der Tafel

au moins un

hommoinzin

a ∪ moinzin

Il y a la façon orthographique commune, puisqu’après tout il faut que je vous explique : « au moins un ».

Es gibt die übliche orthographische Schreibweise, da ich Ihnen ja schließlich das „au moins un“, das „zumindest einer“, erläutern muss.

Et puis il y a ça [l’hommoinzin] qui a cette valeur expressive que je sais donner toujours aux jeux structurels49, n’est-ce pas.

Dann gibt es dies hier [hommoinzin], was den expressiven Wert hat, den ich den strukturellen Spielen immer zu geben weiß, nicht wahr.

Et puis, à l’occasion, vous pouvez quand même le rapprocher et l’écrire : « a ∪ moinzin» comme ça pour ne pas oublier qu’à l’occasion elle peut fonctionner comme objet a.50

Und dann können Sie es gelegentlich durchaus nebeneinandersetzen und es „a ∪ moinzin“ schreiben, so, um nicht zu vergessen, dass es gelegentlich als Objekt a fungieren kann.

Ces approches de « l’hommoinzin » ne pouvant se faire qu’à avouer, au dit point de mire qu’il prend51 au gré de ses penchants, la castration délibérée qu’elle lui réserve, ses chances sont limitées.

Da diese Annäherungen des „hommoinzin“ nur von daher vollzogen werden können, dass an besagtem Messpunkt, den er abhängig von seinen Neigungen nimmt, die absichtliche Kastration, die sie ihm vorbehält, eingestanden wird, sind seine Chancen begrenzt.

Il ne faudrait pas croire que son succès passe par quelqu’un de ces hommes, au masculin, que le semblant embarrasse plutôt, ou qui le préfèrent plus franc.

Man muss nicht glauben, dass ihr Erfolg durch einen der Männer zustande kommt, die der Schein eher in Verlegenheit bringt oder die ihn offener bevorzugen.

Ceux que je désigne ainsi ce sont les sages : les masochistes.

Diejenigen, die ich so bezeichne, sind die Weisen: die Masochisten.

Ça situe les sages, il faut les ramener à leur juste plan.

Das gibt den Weisen einen Platz, man muss sie auf die richtige Ebene zurückführen.

Juger ainsi du résultat est méconnaître ce qu’on peut attendre de l’hystérique pour peu qu’elle veuille bien s’inscrire dans un discours, | [154] car c’est à mater le maître qu’elle est destinée et que, grâce à elle, il se rejette dans le savoir.

So vom Ergebnis her zu urteilen, heißt zu verkennen, was man von der Hysterikerin erwarten kann, wenn sie sich denn in einen Diskurs einschreiben will, denn sie ist dazu bestimmt, den Herrn mattzusetzen und dass er sich ihretwegen mit dem Wissen begnügt.52

Voilà, je n’apporte ici rien d’autre n’est-ce pas – c’est l’intérêt de cet écrit, c’est qu’il engendre des tas de choses, mais il faut bien savoir où sont les points à retenir – rien d’autre que de marquer que le danger est le même, à ce carrefour, que celui que je viens d’épingler d’en être averti, puisque c’est de là que j’étais parti, tout à l’heure. 

Also, ich bringe hier nichts anderes ein, nicht wahr – das ist der Nutzen dieses Schriebs, dass er nämlich einen Haufen Dinge nach sich zieht, man sollte jedoch wissen, wo die Punkte sind, die festzuhalten sind –, nichts anderes als dies, hervorzuheben, dass an dieser Kreuzung die Gefahr dieselbe ist wie die, die ich vorhin festgehalten habe, als ich davor gewarnt wurde, denn von dort bin ich vorhin ausgegangen.53

J’en reviens au même point, hein, je tourne en rond.

Damit komme ich auf denselben Punkt zurück, na ja, ich drehe mich im Kreis.

Aimer la vérité, même celle que l’hystérique incarne – si l’on peut dire, n’est-ce pas ? – soit à lui donner ce qu’on n’a pas sous prétexte qu’elle le désire, c’est très précisément se vouer à un théâtre dont il est clair qu’il ne peut plus être qu’une fête de charité.

Die Wahrheit zu lieben – selbst diejenige, die, wenn man so sagen kann, von der Hysterikerin verkörpert wird, nicht wahr –, ihr also zu geben, was man nicht hat, unter dem Vorwand, dass sie es begehrt, das heißt eben dies, sich einem Theater zu widmen, bei dem klar ist, dass es nicht mehr sein kann als ein Wohltätigkeitsfest.

Je ne parle pas seulement de l’hystérique, je parle de ce quelque chose qui s’exprime dans, vous dirais-je comme Freud, le « malaise dans le théâtre ».

Ich spreche nicht nur von der Hysterikerin, ich spreche von dem – ich sage es Ihnen wie Freud –, was sich im „Unbehagen im Theater“ ausdrückt.

Pour qu’il tienne encore debout il faut Brecht qui a compris que ça ne pouvait pas tenir sans une certaine distance, un certain refroidissement.

Damit es sich weiterhin aufrecht hält, braucht es Brecht, der begriffen hatte, dass es nicht ohne eine gewisse Distanz fortbestehen konnte, eine gewisse Abkühlung.

Cet « il est clair » que je viens de dire « qu’il ne peut plus être» est à proprement parler justement un effet d’Aufklärung – à peine croyable, n’est-ce pas – lié à l’entrée en scène, si boiteuse qu’elle se soit faite, du discours de l’analyste.

Dieses „es ist klar“, was ich gerade gesagt habe, „dass es nicht mehr sein kann“, ist streng gesagt genau eine Wirkung der Aufklärung*, die – kaum glaublich, nicht wahr – verbunden ist mit dem Bühnenauftritt des Diskurses des Analytikers, so hinkend er sich vollzogen haben mag.

Ça a suffi à ce que l’hystérique, l’hystérique qualifiée dont je suis en train, vous le sentez bien, d’approcher la fonction pour vous, ça a suffi à ce que l’hystérique renonce à la clinique luxuriante dont elle meublait la béance du rapport sexuel.

Das war ausreichend dafür, dass die Hysterikerin, die qualifizierte Hysterikerin, deren Funktion ich, wie Sie ja spüren, Ihnen gerade nahbringe, das war ausreichend dafür, dass die Hysterikerin die üppige Klinik zurückweist, mit der sie die Kluft des sexuellen Verhältnisses ausstaffiert hatte.54

C’est à prendre comme le signe [Murmeln im Hörsaal, dann Gelächter] – c’est un exemple ! [Gelächter] – c’est peut-être à prendre comme le signe fait à quelqu’un – je parle de l’hystérique – qu’elle va faire mieux que cette clinique ! [Gelächter]

Das ist als das Zeichen zu nehmen [Murmeln im Hörsaal, dann Gelächter] – das ist ein Beispiel! [Gelächter] –, das ist vielleicht als das Zeichen zu nehmen, das jemandem gegeben wird – ich spreche von der Hysterikerin –, dass sie etwas Besseres zustande bringen wird als diese Klinik. [Gelächter]

La seule chose importante ici est ce qui passe inaperçu, à savoir que je parle de l’hystérique comme de quelque chose qui supporte la quantification.

Das einzig Wichtige ist hier das, was unbeachtet durchgeht, nämlich dass ich von der Hysterikerin als von etwas spreche, wodurch die Quantifizierung gestützt wird.

Quelque chose qui s’inscrirait – à m’entendre – d’un A renversé de x [∀x], c’est comme ça que je l’ai écrit au tableau; toujours apte en son inconnue à fonctionner dans Φ de x comme variable [∀xx].

Etwas, was – wenn man auf mich hört – mit einem umgekehrte A von x geschrieben würde [∀x], so habe ich das an die Tafel geschrieben; in ihrer Unbekannten immer bereit, als Variable in Φ von x zu fungieren [∀xx].55

C’est bien en effet ce que j’écris et dont il serait facile, à relire Aristote, de déceler quel rapport à la femme précisément, identifiée par lui à l’hystérique – ce qui met plutôt les femmes de son époque en très bon rang, à tout le moins, elles étaient, pour les hommes, stimulantes – déceler quel rapport à la femme identifiée à l’hystérique lui a permis – c’est un saut – d’instaurer sa logique en forme de pan.

Das ist ja tatsächlich das, was ich schreibe, und wobei es leicht wäre, wenn man Aristoteles wiederliest, aufzudecken, welches Verhältnis gerade zur Frau, die von ihm mit der Hysterikerin gleichgesetzt wird – womit den Frauen seiner Epoche eher eine sehr gute Stellung zugewiesen wird, zumindest waren sie für die Männer stimulierend –, also aufzudecken, welches Verhältnis zu der mit der Hysterikerin gleichgesetzten Frau es ihm ermöglicht hat – das ist ein Sprung –, seine Logik in Gestalt des pan zu etablieren.

Le choix de pas, | [155] panta, pan, le choix de ce vocable plutôt que celui d’ekastos pour désigner la proposition universelle affirmative, comme la négative d’ailleurs, enfin toute cette pan-talonnade de la première grande logique formelle, est tout à fait essentiellement lié à l’idée qu’Aristote se fait de la femme.

Die Wahl von pas, panta, pan, die Wahl dieser Vokabel statt der von ekastos, um die universale bejahende Aussage zu bezeichnen wie übrigens auch die verneinende, nun dieses ganze Pan-orama 56 der ersten großen formalen Logik ist absolut wesentlich mit der Vorstellung verbunden, die Aristoteles sich von der Frau macht.

Ce qui n’empêche pas que justement la seule formule universelle qu’il ne se serait pas permis de prononcer, ça serait « toutes les femmes », il n’y en a pas trace, ouvrez les Premiers Analytiques.

Was nicht verhindert, dass die einzige allgemeine Formel, die er sich nicht zu artikulieren gestattet, eben „alle Frauen“ ist – davon gibt es keine Spur, öffnen Sie die Erste Analytik.

Pas plus que lui – alors que ses successeurs s’y sont rués la tête la première – ne se serait permis d’écrire cette incroyable énormité dont vit la logique formelle depuis : « tous les hommes sont mortels », ce qui préjuge tout à fait du sort à venir de l’humanité.

Auch nicht davon, dass er es sich gestattet hätte – während seine Nachfolger sich Hals über Kopf darauf gestürzt haben –, diese unglaubliche Ungeheuerlichkeit zu schreiben, von der die formale Logik seither lebt, „Alle Menschen sind sterblich“, womit tatsächlich das zukünftige Schicksal der Menschheit vorweggenommen wird.

« Tous les hommes sont mortels » ça veut dire que tous les hommes – puisqu’il s’agit là de quelque chose qui s’énonce en extension – tous les hommes en tant que « tous » sont destinés à la mort, c’est-à-dire le genre humain à s’éteindre, ce qui est pour le moins hardi.

„Alle Menschen sind sterblich“, das bedeutet, dass alle Menschen – da es hier um etwas geht, was hinsichtlich seiner Extension geäußert wird –, dass alle Menschen qua „alle“ zum Tode verurteilt sind, das heißt, die Menschengattung dazu, auszusterben, was zumindest gewagt ist.57

Que ∀ de x impose le pas à un être, à un « toute femme », qu’un être aussi sensible qu’Aristote, eh bien, ne l’ait jamais commis ce « toute femme », c’est justement ce qui me permet d’avancer que le « toute femme » est l’énonciation dont se décide l’hystérique comme sujet.

Dass das „∀ von x“ den Schritt hin zu einem Wesen (être) aufnötigt, zu einem „jede Frau“, den ein so sensibles Wesen wie Aristoteles, nun ja, tatsächlich niemals vollzogen hat, genau das ist es, was es mir gestattet, zu behaupten, dass das „jede Frau“ die Äußerung ist, von der her sich die Hysterikerin als Subjekt entscheidet.

C’est pour cela qu’une femme est solidaire d’un papludun qui proprement la loge dans cette logique du successeur que Peano nous a donné comme modèle.

Deshalb ist es so, dass eine Frau eng mit einem papludun [pas plus d’un] verbunden ist, mit einem „nicht mehr als einer“, durch das sie angemessen in der Logik des Nachfolgers verortet wird, die Peano uns als Modell gegeben hat.58

Mais l’hystérique n’est pas « une femme » .

Aber die Hysterikerin ist nicht „eine Frau“.

Il s’agit de savoir si la psychanalyse, telle que je la définis, donne accès à « une femme », ou si qu’« une femme » advienne, c’est affaire de doxa, c’est-à-dire si c’est comme la vertu l’était, au dire des gens qui dialoguaient dans le Ménon – vous vous rappelez le Ménon : mais non, mais non [Gelächter] – comme cette vertu l’était – c’est ce qui fait le prix, le sens de ce dialogue – cette vertu était ce qui ne s’enseigne pas.

Es geht darum zu wissen, ob die Psychoanalyse, wie ich sie definiere, Zugang zu „einer Frau“ liefert, oder ob dies, dass „eine Frau“ sich ereignet, eine Sache der doxa ist, das heißt, ob es damit so ist, wie es den Leuten zufolge, die im Menon dialogisiert haben, mit der Tugend ist – Sie erinnern sich an den Menon?, aber nein, aber nein59 –, wie es mit dieser Tugend ist, das macht den Wert, den Sinn dieses Dialogs aus: diese Tugend war das, was nicht gelehrt werden kann.

Ça se traduit : ce qui ne peut d’elle – d’« une femme », telle que j’en définis là le pas – être su dans l’inconscient, soit de façon articulée.

Um es zu übersetzen: das, was von ihr – von „einer Frau“, so wie ich davon hier den Schritt definiert habe – im Unbewussten nicht gewusst werden kann, das heißt auf artikulierte Weise.

Car enfin – là j’arrête – quelqu’un qui justement en remet sur le théâtre, comme si c’était là question digne enfin d’absorber vraiment une grande activité – c’est un livre très bien fait – une grande activité d’analyste, comme si c’était là vraiment ce dans quoi un analyste devait se spécialiser – quelqu’un me fait mérite, dans une note, d’avoir introduit la distinction entre vérité et savoir.

Denn schließlich, damit höre ich auf, jemand, der eben auf das Theater zurückkommt, als ob dies die Frage wäre, die es wert ist, tatsächlich eine beträchtliche Aktivität in Anspruch zu nehmen – das ist ein sehr gut gemachtes Buch –, eine beträchtliche Aktivität des Analytikers, als ob es wirklich das wäre, worauf ein Analytiker sich spezialisieren müsste, dieser Jemand schreibt mir in einer Anmerkung das Verdienst zu, die Unterscheidung zwischen Wahrheit und Wissen eingeführt zu haben.60

Enorme, énorme !

Allerhand, allerhand!

Je viens de vous parler du Ménon – naturellement il ne l’a pas lu, il ne lit que du théâtre – mais enfin le Ménon, c’est avec ça que j’ai commencé de franchir les premières phrases61 de la crise qui m’a opposé à un certain appareil analytique.

Ich habe gerade zu Ihnen über den Menon gesprochen, natürlich hat er ihn nicht gelesen, er liest nur über das Theater, aber schließlich war es der Menon, mit dem ich angefangen habe, die ersten Sätze der Krise zu überwinden, die mich zu einem bestimmten analytischen Apparat in Gegensatz gebracht hat.62

La distinction entre la vérité et le savoir, | [156] l’opposition entre l’epistēmē63 et la doxa vraie, celle qui peut fonder la vertu, vous la trouvez écrite comme ça, toute crue, dans le Ménon.

Die Unterscheidung zwischen der Wahrheit und dem Wissen, der Gegensatz zwischen der epistēmē und der wahren doxa, derjenigen, durch welche die Tugend fundiert werden kann, finden Sie direkt, ganz unumwunden im Menon geschrieben.64

Ce que j’ai mis en valeur c’est justement le contraire65 : c’est leur jonction, à savoir que l’acte, enfin là où ça se noue, en apparence dans un cercle culier, le savoir dont il s’agit dans l’inconscient c’est celui qui glisse, qui se prolonge, qui à tout instant s’avère savoir de la vérité.

Was ich zur Geltung gebracht habe, ist genau das Gegenteil, nämlich ihre Verbindung, das heißt, dass der Akt, dass schließlich da, wo sich das dem Anschein nach in einem Bodenkreis verknotet, dass das Wissen, um das es im Unbewussten geht, etwas ist, das gleitet, das sich ausdehnt, das sich in jedem Moment als Wissen von der Wahrheit erweist.

Et c’est là que je pose à l’instant la question : est-ce que ce savoir effectivement nous permet de progresser sur le Ménon, à savoir de dire si cette vérité, en tant qu’elle s’incarne dans l’hystérique, est susceptible effectivement d’un glissement assez souple pour qu’elle soit l’introduction à « une femme » ?

Und hier stelle ich nun die folgende Frage: Gestattet uns dieses Wissen tatsächlich, über den Menon hinauszugehen, das heißt zu sagen, ob diese Wahrheit, insofern sie sich in der Hysterikerin verkörpert, tatsächlich zu einem Gleiten in der Lage ist, das hinreichend geschmeidig ist, um die Einführung in „eine Frau“ zu sein?

Je sais bien, la question s’est élevée d’un degré depuis que j’ai démontré qu’il y a du langagièrement articulé qui n’est pas pour cela articulable en paroles.

Ich weiß, die Frage ist auf eine höhere Ebene gebracht worden, seit ich aufgezeigt habe, dass es sprachlich Artikuliertes gibt, das nicht in Worten (en paroles) artikuliert werden kann.

C’est là simplement ce dont se pose le désir.

Das ist hier ganz einfach das, von woher das Begehren seine Stellung hat.

Il est facile pourtant de trancher.

Es ist jedoch einfach, das zu entscheiden.

C’est justement de ce qu’il s’agisse du désir, en tant qu’il met l’accent sur l’invariance de l’inconnue, de l’inconnue qui est à gauche, celle qui ne se produit que sous le chef d’une Verneinung, c’est justement de ce qu’il met l’accent sur l’invariance de l’inconnue que l’évidement du désir par l’analyse ne saurait l’inscrire dans aucune fonction de variable.

Genau deshalb, weil es um das Begehren insofern geht, als es den Akzent auf die Unveränderlichkeit der Unbekannten setzt – der Unbekannten, die links <in der Formel> steht, derjenigen, die sich nur unter der Überschrift einer Verneinung* herstellt –, genau deshalb, weil es den Akzent auf die Unveränderlichkeit der Unbekannten setzt, kann die Aushöhlung des Begehrens durch die Analyse sie in keiner Funktion der Variablen anschreiben.66

C’est là la butée dont se sépare comme tel le désir de l’hystérique de ce qui pourtant se produit et qui permet à d’innombrables femmes de fonctionner comme telles, c’est-à-dire en faisant fonction du papludun de leur être pour toutes leurs variations situationnelles.

Eben dies ist das Hemmnis, von dem aus sich das Begehren der Hysterikerin als solches von dem trennt, was sich gleichwohl herstellt, und was es zahllosen Frauen gestattet, als solche zu fungieren, das heißt, indem sie für all ihre situativen Veränderungen ihr Sein zu einer Funktion des papludun machen, des nicht-mehr-als-einer.

L’hystérique là joue le rôle de schéma fonctionnel, si vous savez ce que c’est : c’est la portée de ma formule du désir dit insatisfait.

Die Hysterikerin spielt hier die Rolle eines Blockschemas (schéma fonctionel), falls Sie wissen, was das ist – das ist die Tragweite meiner Formel über das sogenannte unbefriedigte Begehren.67

Il s’en déduit que l’hystérique se situe d’introduire le papludun dont s’institue chacune des femmes par la voie du : « Ce n’est pas de toute femme que se peut dire qu’elle soit fonction du phallus ».

Daraus folgt, dass die Hysterikerin den Platz einnimmt, das papludun einzuführen, das nicht-mehr-als-einer, von dem her jede der Frauen eingesetzt wird, auf dem Weg des „Nicht von jeder Frau kann gesagt werden, dass sie Funktion des Phallus ist“.

Que ce soit de « toute femme », c’est là ce qui fait son désir et c’est pourquoi ce désir se soutient d’être insatisfait : c’est qu’ « une femme » en résulte, mais qui ne saurait être l’hystérique en personne.

Dass es von „jeder Frau“ sei, ist hier das, was ihr Begehren ausmacht, und deshalb stützt sich dieses Begehren dadurch, unbefriedigt zu sein, nämlich dass „eine Frau“ daraus hervorgeht, die aber nicht die Hysterikerin in Person sein könnte.

C’est bien en quoi elle incarne ma vérité de tout à l’heure, celle qu’après l’avoir fait parler, j’ai rendue à sa fonction structuraliste.

Das ist eben das, worin sie meine Wahrheit von vorhin verkörpert, diejenige, die ich, nachdem ich sie zum Sprechen gebracht habe, ihrer strukturalistische Funktion zurückgegeben habe.

Le discours analytique s’instaure de cette restitution de la68 vérité à l’hystérique.

Der analytische Diskurs wird ausgehend von dieser Rückgabe der Wahrheit an die Hysterikerin eingeführt.

Il a suffi à dissiper le théâtre dans l’hystérie.

Das hat genügt, um in der Hysterie das Theater zu vertreiben.

C’est en ça que je dis qu’il n’est pas sans rapport avec quelque chose qui change la face des choses à notre époque.

Darauf bezieht sich meine Bemerkung, dass das Theater nicht ohne Verhältnis zu etwas ist, wodurch sich in unserer Zeit das Gesicht der Dinge verändert.

[157] Je pourrais insister69 sur le fait que quand j’ai commencé à énoncer des choses qui portaient tout ça en puissance, j’ai eu immédiatement comme écho le splash d’un article sur le théâtre chez l’hystérique.

Ich könnte darauf insistieren, dass, als ich angefangen habe, Dinge zu äußern, die all das potenzierten, ich als Echo unmittelbar den splash eines Artikels hatte, der sich auf das Theater bei der Hysterikerin bezog.70

La psychanalyse d’aujourd’hui n’a de recours que de l’hystérique pas à la page.

Die Psychoanalyse von heute hat als Stütze nur die Hysterikerin, die nicht mit der Zeit geht / „die nicht auf dem Blatt ist“ (pas à la page).

Quand l’hystérique prouve que, la page tournée, elle continue à écrire au verso, et même sur la suivante, on ne comprend pas.

Wenn die Hysterikerin beweist, dass sie dann, wenn das Blatt sich gewendet hat, fortfährt, indem sie auf der Rückseite schreibt und sogar auf der folgenden, wird das nicht verstanden.

C’est pourtant facile71 – elle est logicienne.

Das ist jedoch leicht – sie ist Logikerin.

Ceci pose la question de la référence faite au théâtre par la théorie freudienne : l’Œdipe, pas moins.

Das wirft die Frage auf, welchen Bezug die Freud’sche Theorie zum Theater herstellt – der Ödipus, nicht weniger.

Il est temps d’attaquer ce que du théâtre il a paru nécessaire de maintenir pour le soutien de « l’autre scène », celle dont je parle, dont j’ai parlé le premier.

Es ist an der Zeit, das anzugreifen, was vom Theater aufrechtzuerhalten nötig erschien, um den „anderen Schauplatz“ zu stützen, denjenigen, von dem ich spreche, von dem ich als erster gesprochen habe.72

Après tout, le sommeil y suffit peut-être.

Letztlich genügt hier vielleicht der Schlaf.

Qu’il abrite à l’occasion, ce sommeil, la gésine des fonctions fuchsiennes, comme vous savez que c’est arrivé, peut justifier que fasse désir qu’il se prolonge.

Dass dieser Schlaf bei Gelegenheit der Entbindung der Fuchs’schen Funktionen Schutz gewährt, wie es bekanntlich geschehen ist, kann erklären, dass das Begehren entsteht, dass Schlaf sich verlängert.73

Il peut se faire que les représentants signifiants du sujet se passent toujours plus aisément d’être empruntés à la représentation imaginaire, on en a des signes à notre époque.

Es kann geschehen, dass die Signifikanten-Repräsentanten des Subjekts sich immer leichter ereignen, wenn sie der imaginären Repräsentation entlehnt sind, dafür gibt es Anzeichen heutzutage.

Il est certain que la jouissance dont on a à se faire châtrer n’a avec la représentation que des rapports d’appareil.

Es ist sicher, dass das Genießen, das man daher hat, sich kastrieren zu lassen, zur Repräsentation/Vorstellung nur Beziehungen wie zu einem Apparat hat.

C’est bien en quoi l’Œdipe sophocléen – qui n’a ce privilège pour nous que de ce que les autres Œdipe soient incomplets et le plus souvent perdus – est encore beaucoup trop riche et trop diffus pour nos besoins d’articulation.

Das ist das, worin der Ödipus des Sophokles – der diesen Vorrang für uns nur deshalb hat, weil die anderen Ödipus-Versionen unvollständig oder allermeist verloren sind – für unsere Artikulationsbedürfnisse noch viel zu reich und diffus ist.

La généalogie du désir, en tant que ce dont il est question c’est de comment il se cause, relève d’une combinatoire plus complexe que celle du mythe.

Die Genealogie des Begehrens – insofern es darum geht, wie es verursacht wird – beruht auf einer Kombinatorik, die komplexer ist als die des Mythos.

C’est pourquoi nous n’avons pas à rêver sur ce à quoi a servi le mythe « dans le temps », comme on dit.

Deshalb müssen wir nicht über das träumen, wozu der Mythos „in alten Zeiten“, wie man sagt, gedient hat.

C’est du métalangage que de s’engager dans cette voie et à cet égard les mythologies de Lévi-Strauss sont d’un apport décisif.

Wenn man sich auf diesen Weg begibt, geht es um Metasprache, und unter diesem Aspekt sind die Mythologien von Lévi-Strauss ein entscheidender Beitrag.74

Elles manifestent que la combinaison de formes dénommables du mythème, dont beaucoup sont éteintes, s’opère selon des lois de transformation précises, mais d’une logique fort courte, ou tout au moins dont il faut dire, que le moins qu’on puisse dire c’est que notre mathématique l’enrichit, cette combinatoire.

Sie manifestieren, dass sich die Kombination benennbarer Formen des Mythems, von denen viele verschwunden sind, nach präzisen Transformationsgesetzen vollzieht, jedoch gemäß einer sehr schlichten Logik, oder über die man zumindest sagen muss, dass das Mindeste, was man sagen kann, dies ist, dass unsere Mathematik diese Kombinatorik bereichert.

Peut-être conviendrait-il de remettre en question si le discours psychanalytique n’a pas mieux à faire que de se vouer à interpréter ces mythes sous un mode qui ne dépasse pas le commentaire courant, au | [158] reste parfaitement superflu puisque ce qui intéresse l’ethnologue, c’est la cueillette du mythe, sa collation épinglée et sa recollation avec d’autres fonctions, de rite ou de production, recensées de même dans une écriture dont les isomorphismes articulés y suffisent.

Vielleicht sollte man die Frage aufwerfen, ob der psychoanalytische Diskurs nicht etwas Besseres zu tun hat, als sich dem zu widmen, diese Mythen auf eine Weise zu deuten, die über den üblichen Kommentar nicht hinausgeht, zumal dies vollkommen überflüssig ist, da das, was den Ethnologen interessiert, das Sammeln der Mythen ist, ihre Zusammenstellung und ihre Neuverbindung mit anderen Funktionen, denen des Rituals oder der Produktion, die gleichermaßen mit einer Schrift (écriture) erfasst werden, deren artikulierte Isomorphismen hier ausreichend sind.75

Pas de trace de supposition, allais-je dire, sur la jouissance qui y est servie.

Keine Spur, wie ich gesagt habe, einer Annahme über das Genießen, dem hier gedient wird.

C’est tout à fait vrai, même à tenir compte des efforts faits pour nous suggérer l’opérance éventuelle d’obscurs savoirs qui y seraient gisants.

Das ist völlig wahr, selbst wenn man die Bemühungen berücksichtigt, die gemacht werden, um uns die mögliche Wirksamkeit dunkler Wissensarten zu suggerieren, die hier liegen sollen.

La note donnée par Lévi-Strauss dans Les Structures, de l’action de parade exercée par ces structures à l’endroit de l’amour ici tranche heureusement.

Die Anmerkung, die Lévi-Strauss in den Elementaren Strukturen darüber macht, dass diese Strukturen der Liebe in die Parade fahren, entscheidet hier glücklicherweise.76

Ça n’empêche pas que ça a passé bien au-dessus des têtes, du fait des analystes qui étaient en faveur à l’époque77.

Das ändert nichts daran, dass dies, wegen der Analytiker, die damals in Gunst standen, über die Köpfe hinweggegangen ist.

En somme l’Œdipe a l’avantage de montrer en quoi l’homme peut répondre à l’exigence du papludun qui est dans l’être d’une femme.

Insgesamt hat der Ödipus<mythos> den Vorteil, dass er zeigt, wie der Mann auf die Forderung des papludun antworten kann, des nicht-mehr-als-einer, die im Sein einer Frau ist.

Il n’en aimerait lui-même papludune.

Er selbst soll nicht-mehr-als-eine davon lieben.

Malheureusement c’est pas la même.

Unglücklicherweise ist es nicht dieselbe.78

C’est toujours le même rendez-vous, celui où, quand les masques tombent ce n’était ni lui, ni elle. [Gelächter]

Es ist immer dasselbe Rendez-vous, dasjenige, bei dem, als die Masken fielen, es weder er war noch sie.79 [Gelächter]

Pourtant cette fable ne se supporte que de ce que l’homme ne soit jamais qu’un petit garçon.

Diese Fabel wird jedoch nur dadurch gestützt, dass der Mann immer nur ein kleiner Junge ist.80

Et que l’hystérique n’en puisse démordre est de nature à jeter un doute sur la fonction de dernier mot de sa vérité.

Und dass die Hysterikerin sich nicht davon abbringen lässt, ist geeignet, Zweifel aufzuwerfen über die Funktion ihrer Wahrheit als letztem Wort.

Un pas dans le sérieux pourrait, me semble-t-il, se faire à embrayer ici sur l’homme, dont on remarquera que je lui ai fait, jusqu’à ce point de mon exposé, la part modeste, encore que ç’en soit un, votre serviteur81, qui fasse ici parler tout ce82 beau monde !

Ein Schritt in Richtung Ernsthaftigkeit könnte sich, so scheint mir, hier über den Mann anschließen lassen, von dem man bemerken wird, dass ich ihm bis zu diesem Punkt meiner Ausführungen den anspruchslosen Teil zugewiesen habe, obgleich es einer von ihnen ist, meine Wenigkeit, der hier diese ganze schöne Welt zum Sprechen bringt.

Il me semble impossible – ce n’est pas vain que je bute dès l’entrée sur ce mot – de ne pas saisir la schize qui sépare le mythe d’Œdipe de Totem et tabou.

Es scheint mir unmöglich zu sein – nicht umsonst stolpere ich seit Beginn über dieses Wort83 –, nicht die schize84 zu erfassen, durch die der Ödipusmythos und Totem und Tabu getrennt sind.85

J’abats tout de suite mes cartes : le premier est dicté à Freud par l’insatisfaction de l’hystérique, le second par ses propres impasses.

Ich decke sofort meine Karten auf: Der erste Mythos wird Freud durch das Unbefriedigtsein der Hysterikerin diktiert, der zweite durch Freuds eigene Sackgassen.86

Ni87 du petit garçon, ni de la mère, ni du tragique du passage du père au fils, hein, passage de quoi sinon du phallus – de ce qui a pu faire l’étoffe du premier mythe, pas de trace dans le second.

Weder vom kleinen Jungen, noch von der Mutter, noch von der Tragik des Übergangs vom Vater auf den Sohn, nicht wahr, des Übergangs von was, wenn nicht des Phallus – von all dem, was den Stoff des ersten Mythos bilden konnte, keine Spur im zweiten.

Là, dans Totem et tabou, le père jouit – terme qui est voilé dans le premier mythe par la puissance – le père jouit de toutes les femmes jusqu’à ce que ses fils l’abattent, ne s’y étant pas mis sans une entente préalable, après | [159] quoi aucun ne lui succède dans sa gloutonnerie de jouissance.

Hier, in Totem und Tabu, ist es so, dass der Vater genießt – ein Terminus, der im ersten Mythos durch die Macht verschleiert wird –, der Vater genießt alle Frauen, so lange, bis seine Söhne ihn erschlagen, was ihnen nicht ohne eine vorausgehende Übereinkunft gelingt, und wonach keiner ihm in der Gefräßigkeit seines Genießens nachfolgt.88

Le terme s’impose de ce qui arrive en retour : que les fils le dévorent, chacun nécessairement n’ayant qu’une part, et de ce fait même, le tout faisant une communion.

Das Ende drängt sich von dem her auf, was sich danach ereignet: dass die Söhne ihn verschlingen, wobei jeder notwendigerweise nur einen Teil hat und eben deshalb das Ganze eine Kommunion darstellt.89

C’est à partir de là que se produit le contrat social : nul ne touchera, non pas à la mère ici… il est bien précisé dans le Moïse et le Monothéisme, de la plume de Freud lui-même, que seuls parmi les fils, les plus jeunes font encore liste dans le harem.

Von hier aus stellt sich der Sozialvertrag her: Niemand soll diejenige anrühren, die hier jedoch nicht die Mutter ist – in Der Mann Moses und die monotheistische Religion wird ja präzisiert, aus der Feder von Freud selbst, dass unter den Söhnen einzig die jüngsten noch zum Harem gezählt werden.90

Ce n’est donc plus les mères, mais les femmes du père, comme telles, qui sont concernées par l’interdit.

Es sind also nicht mehr die Mütter, sondern die Frauen des Vaters als solche, die vom Verbot betroffen sind.

La mère n’entre en jeu que pour justement ses bébés, qui sont de la graine de héros.

Die Mutter kommt nur ins Spiel wegen ihrer Babys, aus denen einmal Helden werden.91 

Mais si c’est ainsi que se fait, à entendre Freud, l’origine de la loi, ce n’est pas de la loi dite de l’inceste maternel, pourtant donnée comme inaugurale en psychanalyse.

Wenn der Ursprung des Gesetzes aber, Freud zufolge, auf diese Weise gebildet wird, dann beruht er nicht auf dem Gesetz des sogenannten Mutterinzests, das in der Psychoanalyse jedoch als stiftend angegeben wird.

Alors qu’en fait – c’est une remarque, n’est-ce pas – mise à part une certaine loi de Manou qui là punit de castration réelle : « il s’en ira vers l’ouest avec ses couilles à la main », tout ça, bon – cette loi de l’inceste maternel est plutôt élidée partout.

Während tatsächlich – das ist eine Anmerkung, nicht wahr, bis auf ein gewisses „Gesetz des Manu“, das hier mit realer Kastration bestraft, „er wird nach Westen gehen mit seinen Eiern in der Hand“ und so weiter, gut –, während dieses Gesetz des mütterlichen Inzests vielmehr überall getilgt ist.92

Je ne conteste pas du tout le bien-fondé prophylactique de l’interdit analytique, je souligne qu’au niveau où Freud articule quelque chose de lui, Totem et tabou – et Dieu sait s’il y tenait, n’est-ce pas – il ne justifie pas mythiquement cet interdit.

Ich bestreite keineswegs die prophylaktische Wohlbegründetheit des analytischen Verbots, ich hebe hervor, dass Freud auf der Ebene, auf der er etwas von sich artikuliert, Totem und Tabu – und Gott weiß, wie sehr er daran festhielt, nicht wahr –, dass er hier dieses Verbot nicht mythisch rechtfertigt.

L’étrange commence au fait que Freud, et d’ailleurs personne d’autre non plus, ne semble s’en être aperçu.

Das Sonderbare beginnt damit, dass Freud, und übrigens auch sonst niemand, das offenbar nicht wahrgenommen hat.

Je continue dans ma foulée.

Ich verfolge meine Spur weiter.

La jouissance par Freud est promue au rang d’un absolu qui ramène aux soins de l’homme – je parle de Totem et tabou – de l’homme originel ; c’est avoué tout ça ; c’est du père que je parle, du père de la horde primitive.   

Das Genießen wird von Freud in den Rang eines Absoluten erhoben, was zu den Sorgen des Urmenschen zurückführt, ich spreche von Totem und Tabu; all das wird eingestanden; ich spreche über den Vater, über den Vater der Urhorde.93

Il est simple d’y reconnaître le phallus : la totalité de ce qui, fémininement, peut être sujet à la jouissance.

Es ist einfach, hier den Phallus zu erkennen: die Totalität dessen, was weiblicherseits dem Genießen unterworfen werden kann.94 

Cette jouissance – je viens de le remarquer – reste voilée dans le couple royal de l’Œdipe, mais ce n’est pas que du premier mythe elle soit absente.

Dieses Genießen, ich habe es gerade angemerkt, bleibt beim königlichen Paar des Ödipus verschleiert, es ist jedoch nicht so, dass es in diesem ersten Mythos abwesend wäre.

Le couple royal n’est même mis en question qu’à partir de ceci qui est énoncé dans le drame, qu’il est le garant de la jouissance du peuple – ce qui colle au reste avec ce que nous savons de toutes les royautés, tant archaïques que modernes.

Das königliche Paar wird sogar nur von daher in Frage gestellt – was im Drama geäußert wird –, dass es der Garant des Genießens des Volkes ist, was im Übrigen zu dem passt, was wir über sämtliche Königtümer wissen, ob archaisch oder modern.

Mais la castration d’Œdipe n’a pas d’autre fin que de mettre fin à la peste thébaine, c’est-à-dire de rendre au peuple la jouissance dont d’autres vont être les garants, ce qui bien sûr, vu d’où l’on part, n’ira pas sans quelques péripéties amères pour tous.

Die Kastration von Ödipus hat jedoch keinen anderen Zweck als den, die Pest in Theben zu beenden, das heißt, dem Volk das Genießen wiederzugeben, dessen Garanten dann andere sein werden, was natürlich, angesichts dessen, wovon man ausgeht, nicht ohne einige Umschwünge gehen wird, die für alle bitter sind.

[160] Dois-je souligner que la fonction-clé du mythe s’oppose dans les deux, strictement ?

Muss ich unterstreichen, dass die Schlüsselfunktionen des Mythos in den beiden Mythen in striktem Gegensatz zueinander stehen?

Loi d’abord dans le premier, tellement primordiale qu’elle exerce ses rétorsions même quand les coupables n’y ont contrevenu qu’innocemment et c’est de la loi d’où ressortit la profusion de la jouissance.

Im ersten: zunächst das Gesetz, derart ursprünglich, dass es selbst dann Vergeltung übt, wenn die Schuldigen es nur unschuldig übertreten haben, und es ist das Gesetz, aus dem die Fülle des Genießens hervorgeht.

Dans le second : jouissance à l’origine, loi ensuite dont on me fera grâce d’avoir à souligner les corrélats de perversion, puisqu’en fin de compte avec la promotion sur laquelle on insiste assez du cannibalisme sacré, c’est bien toutes les femmes qui sont interdites de principe à la communauté des mâles qui s’est transcendée comme telle dans cette communion.

Im zweiten: am Anfang Genießen, dann Gesetz, wobei man es mir ersparen wird, die Perversionskorrelate hervorheben zu müssen, da es letztlich – mit der Beförderung des heiligen Kannibalismus, auf der man hinreichend insistiert – eben alle Frauen sind, die der Gemeinschaft der Männchen im Prinzip verboten sind, einer Gemeinschaft, die sich als solche in dieser Kommunion transzendiert hat.

C’est bien le sens de cette autre loi primordiale, sans quoi qu’est-ce qui la fonde ?

Das eben ist der Sinn dieses anderen Urgesetzes – wenn dies fehlt, wodurch wird es dann begründet?95 

Etéocle et Polynice sont là, je pense, pour montrer qu’il y a d’autres ressources.

Eteokles und Polyneikes sind da, so denke ich, um zu zeigen, dass es weitere Ressourcen gibt. 96

Il est vrai qu’eux procèdent de la généalogie du désir.

Es stimmt, dass sie aus der Genealogie des Begehrens hervorgehen.97

Encore faut-il que le meurtre du père ait constitué – pour qui ? pour Freud, pour ses lecteurs98 – une fascination suprême pour que personne n’ait même songé à souligner que dans le premier mythe, il se passe, ce meurtre, à l’insu du meurtrier, et qui non seulement ne reconnaît pas qu’il frappe le père, mais qui ne peut pas le reconnaître puisqu’il en a un autre, lequel de toute antiquité est son père puisqu’il l’a adopté.

Außerdem muss es so sein, dass der Vatermord – auf wen? auf Freud, auf seine Leser – die größte Faszination ausgeübt hat, sodass niemand auch nur daran gedacht hat, herauszustellen, dass sich der Mord im ersten Mythos ohne Wissen des Mörders ereignet, der nicht nur nicht erkennt, dass er den Vater erschlägt, sondern der ihn nicht erkennen kann, da er einen anderen hat, der seit je sein Vater ist, da er von ihm adoptiert worden ist.

C’est même expressément pour ne pas courir le risque qu’il frappe son vrai père99, qu’il s’est exilé.

Er ist sogar ausdrücklich deswegen ins Exil gegangen, um nicht Gefahr zu laufen, seinen wahren Vater zu erschlagen.100

Ce dont le mythe est suggestif, c’est de manifester la place que le père géniteur a, en une époque dont Freud souligne que tout comme dans la nôtre, le père101 y est problématique.

Dieser Mythos ist darin suggestiv, dass er den Platz bekundet, den der Zeugungsvater einnimmt, zu einer Zeit, bei der Freud hervorhebt, dass in ihr, ganz wie in der unsrigen, der Vater problematisch ist.

Et aussi bien le serait-il, et Œdipe absous, s’il n’était pas de sang royal, c’est-à-dire si Œdipe n’avait pas à fonctionner comme le phallus, le phallus de son peuple, pas de sa mère, et qu’un temps, c’est ça le plus étonnant, ça a marché, à savoir que les Thébains étaient très heureux102.

Und auch er wäre es und Ödipus wäre vergeben worden, wenn er nicht von königlichem Blute wäre, das heißt, wenn Ödipus nicht als der Phallus zu funktionieren hätte – als der Phallus seines Volkes, nicht seiner Mutter –, und das Erstaunlichste ist, dass das eine Zeitlang geklappt hat, das heißt, dass die Thebaner sehr glücklich waren.

J’ai souvent indiqué que c’est de Jocaste qu’a dû venir le virage.

Ich habe oft darauf hingewiesen, dass die Wende von Jokaste kommen musste.103

Est-ce de ce qu’elle ait su ou de ce qu’elle ait oublié104?

Kommt sie von dem her, was sie gewusst hat, oder von dem, was sie vergessen hat?

Quoi de commun en tout cas avec le meurtre du second mythe qu’on laisse entendre être de révolte, ou de besoin ? à vrai dire impensable, voire impensé, sinon comme procédant d’une conjuration.

Was hat das jedenfalls mit dem Mord des zweiten Mythos gemeinsam, bei dem zu verstehen gegeben wird, dass er auf einem Aufstand beruht – oder auf einem Bedürfnis? was tatsächlich undenkbar, ja sogar ungedacht ist, es sei denn als etwas, das aus einer Verschwörung hervorgeht.

Il est évident que je n’ai fait là qu’approcher le terrain sur lequel enfin, disons une conjuration aussi m’a empêché d’aborder vraiment le problème105, c’est-à-dire au niveau du Moïse et le Monothéisme, à savoir du | [161] point sur lequel tout ce que Freud a articulé devient vraiment significatif.

Es ist offensichtlich, dass ich hier nicht mehr getan habe, als mich dem Terrain zu nähern, auf dem mich schließlich, sagen wir, ebenfalls eine Verschwörung daran gehindert hat, das Problem wirklich anzugehen, das heißt auf der Ebene von Der Mann Moses und die monotheistische Religion, das heißt von dem Punkt aus, bei dem alles, was Freud artikuliert hat, wirklich bedeutsam wird.106

Je ne peux même pas en indiquer ce qu’il faut pour vous ramener à Freud, mais je peux dire qu’en nous révélant ici sa contribution au discours analytique il ne procède pas moins de la névrose que ce qu’il a recueilli de l’hystérique sous la forme de l’Œdipe.

Ich kann hier nicht einmal andeuten, was es braucht, um Sie zu Freud zurückzuführen, ich kann jedoch sagen, dass er, indem er uns hier seinen Beitrag zum analytischen Diskurs enthüllt, nicht weniger von der Neurose ausgeht als bei dem, was er bei der Hysterikerin in Gestalt des Ödipus aufgelesen hat.

Il est curieux qu’il ait fallu que j’attende ce temps pour qu’une pareille assertion, à savoir que le Totem et tabou est un produit névrotique, pour que je puisse l’avancer – ce qui est tout à fait incontestable – sans que pour ça je mette en rien en cause la vérité de la construction.

Es ist eigenartig, dass ich diesen Zeitpunkt abwarten musste, damit ich eine solche Behauptung, nämlich dass Totem und Tabu das Produkt einer Neurose ist – was völlig unbestreitbar ist –, damit ich sie vorbringen kann, ohne dass ich dafür die Wahrheit der Konstruktion im Geringsten in Frage stelle.

C’est même en ça qu’elle est témoignage de la vérité.

Eben darin ist sie Zeugnis der Wahrheit.

On ne psychanalyse pas une œuvre, et encore moins celle de Freud qu’une autre, on la critique, et bien loin qu’une névrose rende suspecte sa solidité, c’est cela même qui la soude dans ce cas.

Ein Werk psychoanalysiert man nicht, und das von Freud noch weniger als ein anderes, man kritisiert es, und eine Neurose, weit davon entfernt, die Solidität des Werkes verdächtig zu machen, ist in diesem Falle vielmehr eben das, wodurch es verschweißt wird.

C’est ce107 témoignage que l’obsessionnel apporte de sa structure à ce qui, du rapport sexuel s’avère comme impossible à formuler dans le discours, que nous devons le mythe de Freud.

Dieses Zeugnis, das der Zwangsneurotiker von seiner Struktur liefert – für das, was vom sexuellen Verhältnis, wie sich herausstellt, im Diskurs unmöglich zu formulieren ist –, dieses Zeugnis schulden wir dem Mythos von Freud.108

J’en resterai là aujourd’hui.

Damit möchte ich es für heute bewenden lassen.

Le temps va me manquer en raison des formules… [Lärm, der folgende Satz ist kaum verständlich] je m’excuse… pour … s’efforcer d’avancer un peu plus loin que…

Die Zeit wird mir fehlen aufgrund der Formeln [Lärm, das Folgende ist kaum verständlich] ich entschuldige mich … um … sich zu bemühen, ein wenig weiter voranzubringen, dass …

C’est la prochaine fois que je donnerai à ça, exactement sa portée, car je ne voudrais pas qu’il y ait de malentendus.

Beim nächsten Mal werde ich dem seine genaue Tragweite geben, denn ich möchte nicht, dass es Missverständnisse gibt.

Le fait d’articuler d’une certaine façon ce qui est la contribution de Freud au mythe fondamental de la psychanalyse – je le souligne – ce n’est pas du tout, parce qu’ainsi en est soulignée l’origine, qu’il est rendu suspect, bien au contraire.

Wenn auf eine bestimmte Weise das artikuliert wird, was der Beitrag von Freud zum grundlegenden Mythos der Psychoanalyse ist, ich betone das, dann wird der Mythos dadurch, dass sein Ursprung herausgestellt wird, keineswegs suspekt gemacht, ganz im Gegenteil.

Il s’agit seulement de savoir où cela peut nous conduire.

Es geht nur darum zu wissen, wohin uns das führen kann.

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Anmerkungen

  1. Nebenstehendes Diagramm aus J.L.: Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens (1962). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2015, S. 325–368, hier: S. 355, Färbung  von mir hinzugefügt.
  2. Ein Faksimile von Lacans vorbereitenden Notizen zu dieser Sitzung findet man im: Supplément réservé aux abonnés de l’Unebévue n° 8/9 printemps/été 1997, eine Abschrift dieser Notizen in: Bulletin de l’Association freudienne n° 54, September 1993, S. 13–21, eine Veröffentlichung dieser Abschrift im Internet hier.
  3. Die Worte „si simplement je dis ou si je vous dis que j’ai écrit“ sind auf der Tonaufnahme gut zu hören (1ꞌ27). Miller schreibt: „si je vous dis que j’ai écrit ou je vous ai écrit.“ („ob ich Ihnen sagen, ich habe geschrieben oder ich habe Ihnen geschrieben“).
  4. Lacan bezieht sich hier möglicherweise auf seine Kommentare zu Edvard Munchs Bild Der Schrei in den Seminaren 12 und 16. Vgl. Seminar 12 von 1964/65, Schlüsselprobleme für die Psychoanalyse, Sitzung vom 17. März 1965; Seminar 16 von 1968/69, Von einem Anderen zum anderen, Sitzungen vom 13. November 1968 und vom 12. März 1969. Eine Übersetzung dieser Passagen findet man in diesem Blogbeitrag.
  5. Vgl. J. Lacan: Die Freud’sche Sache oder Sinn der Rückkehr zu Freud in der Psychoanalyse (1956). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2015, S. 472–513, v.a. S. 581.– Lacan hatte sich hierauf bereits in der ersten Sitzung dieses Seminars bezogen (Sitzung vom 13. Januar 1971).
  6. Auf die Pascal’sche Wette hatte Lacan sich in der ersten Sitzung dieses Seminars bezogen (Sitzung vom 13. Januar 1971), früher ausführlich in Seminar 13 von 1965/66, Das Objekt der Psychoanalyse (Sitzungen vom 2. Februar, 9. Februar und 25. Mai 1966).
  7. Lacan erläutert hier, wie der Negationsstrich über dem Quantor zu verstehen ist: das „Alle“ bzw. das „Es existiert“ kann nicht geschrieben werden. Damit markiert er den Unterschied zur Verwendung der Negation in der Quantorenlogik.
  8. Die Position eines Mannes ist durch die Negation des Existenzquantors charakterisiert, dieser Negation beruht auf einer vorgängigen Bejahung. Die Position einer Frau beruht auf der Negation des Allquantors, und auch hier gilt, dass diese Verneinung auf einer vorgängigen Bejahung aufbaut, also auf der Beziehung zu „jede Frau“ oder zu „alle Frauen“.
    Lacan spielt hier auf Freuds Konzeption der Verneinung an, in: S. Freud: Die Verneinung (1925). In: Ders.: Studienausgabe. Band 3. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 371–378.
  9. Lacan bezieht sich auf seinen Aufsatz La Chose freudienne (1956). Er lässt hier die Personifikation der Wahrheit eine Rede halten, deren Botschaft lautet: „Ich, die Wahrheit, ich spreche.“ (Vgl. J.L.: Die Freud’sche Sache. In: Ders.: Schriften. Band I. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant 2016, S. 472–513, hier: S. 481 ff.).
  10. Auf die Enthüllung des Phallus in den antiken Mysterienkulten hatte Lacan zuerst im Aufsatz Die Bedeutung des Phallus verwiesen (geschrieben 1958) (Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 192–204, hier: S. 201) sowie in Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten (Sitzung vom 23. April 1958, Version Miller/Gondek, S. 410). Vgl. hierzu diesen Blogartikel
  11. Wortspiel mit der Lautgleichheit von assez phalle (hinreichend phallisch) und acéphale (akephal, kopflos).
  12. Die Wortfolge „die Bedeutung des Phallus“ ist im Original deutsch. Lacan bezieht sich auf Die Bedeutung des Phallus, einen Vortrag, den er am 8. Mai 1958 im Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München auf Deutsch gehalten hatte. Der Text wurde erstmals 1966 in den Écrits veröffentlicht (S. 685–695), dort auf französisch, mit dem französisch-deutschen Doppeltitel La signification du phallus. Die Bedeutung des Phallus. Vgl. J. Lacan: Die Bedeutung des Phallus. In: Ders.: Schriften II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 192–204.
    Lacan spielt hier an auf Gottlob Freges Aufsatz Über Sinn und Bedeutung (1892). In: Ders.: Funktion, Begriff, Bedeutung. Fünf logische Studien. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1986, S. 40–65. Im Internet hier. In der Folgesitzung dieses Seminars (16. Juni 1971) wird Lacan sich ausführlicher zu diesem Text äußern., erstmals hatte er sich darauf in Seminar 12 bezogen, in der Sitzung vom 2. Juni 1965.
    Unter „Bedeutung“ versteht Frege, grob gesagt, den Referenten, unter „Sinn“, ebenso grob, das Signifikat.
  13. Eine Sache wie diese da: das sind vermutlich die Écrits.
  14. Das Wort „bouche“ (Mund) ist in der Tonaufnahme deutlich zu hören (23ꞌ14), Miller schreibt „langue“ (Sprache/Zunge).
  15. Das Wort „ratée“ (gescheitert) ist in der Tonaufnahme deutlich zu hören (23ꞌ33), Miller schreibt „raciale“ (rassisch).
  16. Geht man fünfundzwanzig Jahre zurück, ist man im Jahr 1946. Worauf bezieht sich Lacan hier? Auf den Einfluss der psychoanalytischen Ich-Psychologie, der in der Nachkriegszeit beginnt?
  17. In Seminar 5 (Die Bildungen des Unbewussten, 1957/58) sagt Lacan, „daß wir häufig annehmen müssen, daß der Phallus im Signifikantensystem von dem Moment an ins Spiel kommt, da das Subjekt im Gegensatz zum Signifikanten das Signifikat als solches, ich meine die Bedeutung, zu symbolisieren hat. (…) Der Signifikant des Signifikats im allgemeinen ist der Phallus.“ (Seminar 5, Sitzung vom 2. Februar 1958; Version Miller/Gondek S. 284)
  18. „Meine Hündin spricht“, hatte Lacan in Seminar 9, Die Identifizierung, 1961/62, erklärt (Sitzung vom 29. November 1961). Über seine Hündin Justine hatte Lacan sich auch in Seminar 17 von 1969/70 geäußert, Die Kehrseite der Psychoanalyse (Sitzung vom 3. Dezember 1969, Version Miller S. 227).
  19. Blaise Pascal: „Le silence éternel de ces espaces infinis m’effraie“, Pensées, Nr. 201 der Lafuma-Numerierung; „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume erschreckt mich.“
  20. Lacan entnimmt die Wendung „das bisschen Realität“ dem Titel von André Bretons Schrift Introduction au discours sur le peu de réalité (1927), „Einführung in den Diskurs über das bisschen Realität“. Seit dem Aufsatz über das Spiegelstadium (1949) kommt er auf diese Wendung immer wieder zurück.
  21. Ein Skaphander ist ein Taucheranzug (von griechisch skaphē, „Boot“, und anēr, Genitiv von andros, „Mann“).
  22. Das Verbindungsstück zum vorangehenden Satz ist offenbar der „Taucheranzug“ der Weltraumfahrer.
  23. Die erste Mondlandung erfolgte 1969.
  24. Miller schreibt: „avant de revenir du Japon“. Die Tonaufnahme ermöglicht keine Klärung (vgl. 32ꞌ41).
  25. Ab 1482 ließ der achte Shogun, Ashikaga Yoshimasa, in Kyōto den Silbernen Pavillon als seinen Ruhesitz bauen. Zum Garten der Anlage gehört ein aufgeschütteter Hügel, der als Plattform zur Betrachtung des Mondes diente.
  26. „Person“ geht auf das lateinische Wort persona zurück, was „Maske des Schauspielers“ bedeutet.
  27. Der Satz ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (34ꞌ30). Miller fügt ein: „comprendre, que la trace de pied sur la lune, c’est l’accomplissement …“ („begreifen, dass die Fußspur auf dem Mond die Leistung…“.
  28. Mit dem Graphen ist der sogenannte Graph des Begehrens gemeint; das Symbol S(Ⱥ) findet sich hier am Schnittpunkt oben links. Abbildung aus: J.L.: Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freud’schen Unbewussten. In: Ders.: Schriften II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 325–368, hier: S. 355.
  29. Refus de la performance bedeutet auch „Leistungsverweigerung“.
  30. Fortsetzung der Auseinandersetzung mit dem Begriffspaar Kompetenz – Performanz, das Noam Chomsky in die Linguistik eingebracht hat; die ersten Bemerkungen hierzu in diesem Seminar findet man in der Sitzung vom 10. Februar 1971.
  31. Vgl. J.L.: The language of the self. The function of language in psychoanalysis. Übersetzung, Anmerkungen und Kommentar von Anthony Wilden. Johns Hopkins Press, Baltimore 1968.
  32. Das bezieht sich auf die erste Übersetzung der Écrits ins Spanische: J.L.: Escritos I. Lectura estructuralista de Freud. Übersetzt von Tomás Segovia in Zusammenarbeit mit Juan David Nasio. Ed. Siglo XXI, Mexiko 1971.
  33. „Sans fard“ ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 38ˈ46). Miller schreibt „sans faille“.
  34. „de“ ist in der Tonaufnahme zu verstehen; Miller schreibt „dans“.
  35. Anspielung auf eine Bemerkung von Friedrich Engels über Karl Marx: „Damit aber [nämlich mit den Arbeiten von Marx] wurde die Begriffsdialektik selbst nur der bewußte Reflex der dialektischen Bewegung der wirklichen Welt, und damit wurde die Hegelsche Dialektik auf den Kopf, oder vielmehr vom Kopf, auf dem sie stand, wieder auf die Füße gestellt.“ (Friedrich Engels: Ludwig Feuerbach und der Ausgang der klassischen deutschen Philosophie (1886). In: Karl Marx, Friedrich Engels: Werke. Band 21. Dietz, Berlin/DDR 1975, S. 292; im Internet hier.
    Engels spielt damit auf eine Formulierung von Marx an: „Meine dialektische Methode ist der Grundlage nach von der Hegelschen nicht nur verschieden, sondern ihr direktes Gegenteil. Für Hegel ist der Denkprozeß, den er sogar unter dem Namen Idee in ein selbständiges Subjekt verwandelt, der Demiurg des Wirklichen, das nur seine äußere Erscheinung bildet. Bei mir ist umgekehrt das Ideelle nichts andres als das im Menschenkopf umgesetzte und übersetzte Materielle.“ (K. Marx: Nachwort zur zweiten Auflage (1873). In: Ders.: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. In: Ders. und Friedrich Engels: Werke. Band 23. Dietz, Berlin/DDR 1968, S. 18–28, hier: 27; im Internet hier.
    Auf die Figur, dass Marx Hegel auf die Füße gestellt hat, spielt Lacan bereits in Seminar 7 von 1959/60 an, Die Ethik der Psychoanalyse (Sitzung vom 18. Mai 1960, Version Miller S. 282).
  36. „du puits“ ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (vgl. 40ˈ42), bei Miller fehlen diese Wörter.
  37. Anspielung auf Lacans Diktum „Die Wahrheit lässt sich nur halbsagen“, das er erstmals im vorangegangenen Seminar vorgebracht hatte (Seminar 17 von 1969/70, Die Kehrseite der Psychoanalyse, Sitzung vom 11.März 1970, Version Miller S. 118).
  38. Der Satz enthält unübersetzbare Wortspiele mit raison, „Vernunft“, und arraisoner, „ein Schiff anhalten und durchsuchen“, sowie mit saison, „Jahreszeit“ und assaisoner, „würzen“, die zusammengehalten werden durch die Lautähnlichkeit von raison, „Vernunft“, und saison, „Jahreszeit“.  Der wichigste Bezug ist aber sicherlich, dass Heideggers Begriff „Gestell“ (aus Die Frage nach der Technik, 1953) mit „Arraisonnement“ ins Französisch übertragen worden ist (La question de la technique. Übersetzt von André Préau. Gallimard, Paris 1958; im Internet hier).
  39. Lacan bezieht sich hier vermutlich auf das von dem chinesischen Astronomen Guo Shoujing im 13. Jh. konstruierte Gerät zur Himmelsbeobachtung, „vereinfachte Armillarsphäre“ genannt, das aus zwei senkrecht zueinander stehenden großen Ringen besteht, von denen der eine parallel zum Äquatorebene verläuft, der andere senkrecht darauf steht (siehe hier).
  40. Ich nehme an, dass Lacan sich mit „conscience linguistique“ auf Chomskys Begriff der „linguistic intuition of the native speaker“ bezieht und übersetze deshalb mit „Sprachgefühl“.
  41. Lacan spielt hier darauf an, dass er das Unbewusste als „Wissen“ bezeichnet (seit Seminar 12); vgl. diesen Blogartikel.
  42. Ich verstehe nur soviel: die Wahrheit ist auf dem Schwarzmarkt zuhaben.
  43. “Kreuzen“ (métisser) hier in der biologischen Bedeutung des Züchtens durch das Paaren von unterschiedlichen Arten.
  44. Mit dem Wendebereich ist der Übergang von Außen nach Innen gemeint; den Kreis, auf den Lacan sich bezieht, habe ich gelb markiert.
    Eine Klein’sche Flasche ist beliebig verformbar, deshalb kann jeder Punkt auf dem Wendebereich positioniert werden.
  45. In der Tonaufnahme hört man deutlich [cə] (49ꞌ14), Miller schreibt „ceux“ (diejenigen), was in der Regel [cø] gesprochen wird.
  46. Miller: „détenteurs“.
  47. Folgt man Millers Version: „ist die Hysterikerin mit denjenigen einverstanden, bei denen sie vortäuscht, dass sie die Besitzer dieses Scheins sind“.
  48. Der Terminus hommoinzin war von Lacan im letzten Satz der vorangegangenen Sitzung zum ersten Mal verwendet worden (9. Mai 1971). Die Hysterikerin ist hommoinzin: zumindest einer (au moins un) / Mann minus einen (homme moins un). Eine Bedeutungen des Ausdrucks ist offenbar: Sie identifiziert sich mit dem als kastriert aufgefassen Mann.
  49. Das Wort „structurels“ (strukturell) ist in der Tonaufnahme gut zu hören (50ꞌ26). Miller schreibt „scripturaire“ (skriptural).
  50. In den vorbereitenden Notizen zu dieser Sitzung schreibt Lacan hier das logische Symbol für die Vereinigung ∪. Vgl. den Hinweis in Version „Espace Lacan“ auf das Faksimile der vorbereitenden Notizen im Supplement zu L’Unebevue 8/9.
  51. „Qu’il prend“ ist in der Tonaufnahme gut zu hören (50ꞌ53); Miller schreibt: „qui le prend“.
  52. Anspielung auf die Formel für den Diskurs der Hysterikerin aus Seminar 17, Die Kehrseite der Psychoanalyse (1969/70): \frac {\$}{a} \,^\rightarrow \: \frac {\text S_1}{\text S_2}
    Der Herr wird hier durch die rechte Seite des Ausdrucks repräsentiert; die Hysterikerin (linke Seite) appelliert an ihn als Herrn (S1 oben rechts), was ihn dazu bringt, dass er sich mit dem Wissen begnügt (S2 unten rechts).
  53. Lacan bezieht sich auf die Eingangsbemerkung, über das Signal, das ihn davor warnt, den Strukturalismus zu streifen.
  54. In Das Interesse an der Psychoanalyse (1913) hatte Freud erklärt, die hysterischen Anfälle seien „mimische Darstellungen von erlebten und gedichteten Szenen“ (In: Ders.: Gesammelte Werke, Bd. 8. S. 389–420, hier: S. 399). Vgl. auch Patrick Primavesi: Theater, Szene und Spiel. In: Hans-Martin Lohmann, Joachim Pfeiffer (Hg.): Freud-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Metzler, Stuttgart u.a. 2006, S. 271–276.
  55. Lacan erläutert hier, wie die Formel ∀xx zu lesen ist. Den Ausdruck „Unbekannte“ verwendet er als mathematische Metapher, wie bereits in der vorangegangenen Sitzung; er bezieht sich damit auf das x im linken Teil der Formel, also in ∀x . Dass die Unbekannte bereit ist, als „Variable“ in Φx zu fungieren, wird dadurch angezeigt, dass der Quantor keinen Negationsstrich hat.
  56. Die griechischen Wörter pas, panta, pan bedeuten „alle“, pas: Masculinum Nominativ Singular; panta: Neutrum Nominativ und Akkusativ Plural; pan: Neutrum Nominativ und Akkusativ Singular; ekastos meint „jeder“.
    Mit „Pan-orama“ versuche ich Lacans Wortspiel nachzubilden, das den französischen Ausdruck pantalonnade (derbe Posse, nach italienisch Pantalone (wörtlich „lange Hosen“), einer Figur aus der Commedia dell’arte) mit dem griechischen Wort pan (alle) kombiniert.
  57. “Extension“ ist der Begriffsumfang, hier also „alle“.
  58. Die Schreibweise „papludun“ findet man in Lacans vorbereitenden Notizen zu dieser Sitzung.
    Zu Peanos Axiomen über das System der natürlichen Zahlen gehört das Axiom, dass jede natürliche Zahl n eine natürliche Zahl n als Nachfolger hat.
  59. Wortspiel mit der Lautähnlichkeit von „Ménon“ (Menon) und „mais non“ (aber nein).
  60. Das bezieht sich auf André Green: Un œil en trop. Le complexe d’Œdipe dans la tragédie. Minuit, Paris 1969, S. 263.
  61. Das Wort „phrases“ (Sätze) ist in der Tonaufnahme deutlich zu hören (1:03ꞌ11); Miller schreibt „phases“ (Phasen).
  62. Auf Platons Dialog Menon bezieht Lacan sich in den ersten beiden Seminaren. Vgl. Seminar 1, Sitzung vom 7. Juli 1954 (Version Miller/Hamacher S. 349) und Seminar 2, Sitzungen vom 17. November 1954 (Version Miller/Metzger S. 11) und vom 24. November 1954 (Version Miller/Metzger S. 24–28, hier auch speziell zum Verhältnis von Wissen und Wahrheit).
  63. Das Wort „epistēmē“ ist in der Tonaufnahme deutlich zu hören (1:03ˈ22). Version Espaces Lacan transkribiert falsch mit „existant“.
  64. Platons Sokrates zufolge kann doxa (Meinung) wahr sein, kann die Wahrheit jedoch nicht begründen, im Falle der epistēmē (Wissen) hingegen ist die Wahrheit begründet; vgl. etwa Theaitetos 201B. Im Menon geht es um die Frage, ob die Tugend auf orthodoxa beruht (auf richtiger Meinung, auf wahrer Meinung) oder auf epistēmē (also auf begründbarem Wissen).
  65. Anmerkung zu contraire in Version Espaces Lacan: „oder contraste? Kleiner Tonschnitt am Ende des Wortes?“ (vgl. 1:03ꞌ35.67).
  66. Lacan gibt hier an, wie eine Formel mit negiertem Quantor zu lesen ist, die Formel \overline {\forall \text {x}} \Phi \text {x}. Das x auf der linken Seite (auf der mit dem Quantor) ist eine Unbekannte im Sinne der Mathematik, genauer: eine unveränderliche Unbekannte. Die Negation besagt, dass dieses x nicht in einer Funktion der Variablen angeschrieben werden kann; damit bezieht er sich auf die rechte Seite der Formel, wo das x eine Variable in einer Funktion ist.
  67. Lacan charakterisiert das Begehren der Hysterikerin dadurch, dass sich darauf richtet, unbefriedigt zu sein (vgl. J.L.: Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht (geschrieben 1960). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien 2015, S. 72–145, hier: S. 115; J. L.: Anmerkung zum Bericht von Daniel Lagache „Psychoanalyse und Struktur der Persönlichkeit“ (geschrieben 1960). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text, a.a.O., S. 146–191, hier: S. 188; J. L.: Subversion des Subjekts und Dialektik des Begehrens im Freud’schen Unbewussten (geschrieben 1962). In: Ders.: Schriften. Band II, Vollständiger Text, a.a.O., S. 325–368, hier: S. 363.
  68. „de la“ ist gut zu hören (1:07ˈ47). Miller: „de sa“.
  69. Miller: „J’avais insisté“ (ich hatte insistiert), die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (1:08ˈ18).
  70. Das englische Wort splash bedeutet nicht nur „Platschen“, sondern auch „Aufsehen“, „Sensation“.
  71. „C’est pourtant facile“ ist in der Tonaufnahme andeutungsweise zu verstehen (1:08ˈ53). Bei Miller ohne „C’est pourtant facile“.
  72. “L’autre scène“ meint auch „die andere Bühne“.
    Freud schreibt in der Traumdeutung über Gustav Theodor Fechner: „Er vermutet (…), dass der Schauplatz der Träume ein anderer ist als der des wachen Vorstellungslebens.“ Freud kommentiert das damit, dass eine anatomische Deutung wohl auszuschließen sei, und er fährt fort: „Vielleicht aber erweist sich der Gedanke einmal als sinnreich und fruchtbar, wenn man ihn auf einen seelischen Apparat bezieht, der aus mehreren hintereinander eingeschalteten Instanzen aufgebaut ist.“ (Die Traumdeutung (1900). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 2. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 72; Freud wiederholt das Zitat a.a.O., S. 512; er zitiert aus: G. Th. Fechner: Elemente der Psychophysik (zuerst 1860). Leipzig, 2. Aufl. 1889, Bd. 2, S. 520 f.)
    Auf den „anderen Schauplatz (l’autre scène) hatte Lacan sich in den Seminaren zuerst in Seminar 5 von 1957/58, Die Bildungen des Unbewussten, bezogen (Sitzung vom 11. Dezember 1957; Version Miller/Gondek S. 126); in den Schriften hatte er sich hierauf bezogen in Die Lenkung der Kur und die Prinzipien ihrer Macht, a.a.O., S. 124).
  73. Lacan bezieht sich auf eine berühmten Text des Mathematikers Henri Poincaré, in dem dieser schildert, wie er die Abhandlung „Über die Fuchs’schen Funktionen“ geschrieben hat. „Eines Abends trank ich, im Gegensatz zu meiner Gewohnheit, schwarzen Kaffee; ich konnte nicht einschlafen; scharenweise tauchten Ideen auf; ich spürte sie, als ob sie aufeinander stießen, bis dahin, dass zwei von ihnen sich gewissermaßen verklammerten, so dass sie eine feste Verbindung bildeten. Am nächsten Morgen hatte ich die Existenz einer Klasse von Fuchs’schen Funktionen gesichert, derjenigen, die aus der hypergeometrischen Reihe abgeleitet sind; ich musste die Ergebnisse nur noch überarbeiten, was mich nur einige Stunden beschäftigte (…)“ (Henri Poincaré: L’invention mathématique. In: Ders.: Science et méthode. Flammarion, Paris 1908, Buch I, Kapitel 3, S. 51, meine Übersetzung)
  74. Vgl. v.a. Claude Lévi-Strauss: Mythologiques. Bände I bis IV. Plon, Paris 1964–1971. Deutsch: Mythologica. Bände I bis IV. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1971–1975.
  75. Unter einem Isomorphismus versteht man in der Mathematik eine spezielle, umkehrbar eindeutige Abbildung einer algebraischen Struktur auf eine andere.
  76. Vgl. Claude Lévi-Strauss: Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft (1948). Übersetzt von Eva Moldenhauer. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1981.
    Anmerkung hierzu in Version Espaces Lacan: „Der Geste, die es der Natur überlasst, dass die Gattung sich fortsetzt und die in der Allianz dazu führt, dass zwei Formen der Liebe sich begegnen, Elternliebe und Gattenliebe, stellt Lévi-Strauss die Geste gegenüber, mit der in der Kultur die Natur durch eine doppelte Bewegung der elementaren Strukturen der Verwandtschaft eingeschränkt wird: exogame Vorschriften und Inzestverbot.“
  77. Miller: „des têtes des analystes, qui de l’époque étaient en faveur“ (über die Köpfe der Analytiker hinweg, die damals in Gunst standen). Die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (1:12ˈ41).
  78. Das könnte heißen: diejenige, die an ihn die Forderung stellt, nur eine zu lieben, ist eine andere als die eine, die er liebt.
  79. Anspielung auf die Erzählung von Alphonse Allais: Un drame bien parisien (1891): Ein Ehepaar, Raoul und Marguerite, verabredet sich zu einem Maskenball; sie wissen, welche Masken sie dort tragen werden. Auf dem Ball verabreden sie sich, maskiert, zum Essen und dort lassen sie die Masken fallen.
    „Tous les deux poussèrent, en même temps, un cri de stupeur, en ne se reconnaissant ni l’un ni l’autre. Lui, ce n’était pas Raoul. Elle, ce n’était pas Marguerite.“
    „Beide stießen zur selben Zeit einen Schrei der Verblüffung aus, da sie einander nicht erkannten. Er war nicht Raoul. Sie war nicht Marguerite.“ (Meine Übersetzung)
  80. “Diese Fabel“ ist vermutlich die Ödipusfabel. Sie wird dadurch gestützt, dass der Mann ein kleiner Junge ist: dass er an die Mutter gebunden bleibt.
  81. „Votre serviteur“ ist auf der Tonaufnahme andeutungsweise zu hören (vgl. 1:14ꞌ01). Ich folge hier Miller, in Version Espace Lacan fehlt „votre serviteur“.
  82. „parler“ ist in der Tonaufnahme gut zu verstehen (1:14ꞌ02). Miller: „qui fasse ici partie de ce“.
  83. In der ersten Sitzung von Seminar 18 hieß es, das Genießen sei ein unmöglicher Diskurseffekt (Sitzung vom 13. Januar 1971; Version Miller S. 21). In der aktuellen Sitzung hatte Lacan u.a. von der Unmöglichkeit gesprochen, das sexuelle Verhältnis bei den Wesen zu symbolisieren, die die Sprache bewohnen (Version Miller, S. 148).
  84. Das griechische Wort schize bedeutet „Spaltung“.
  85. Lacan setzt seine Überlegungen über den Unterschied zwischen dem Vatermord im Ödipusmythos und dem Vatermord im Mythos von Totem und Tabu bzw. von Der Mann Moses fort, die er im vorangegangenen Seminar begonnen hatte (vgl. Seminar 17 von 1969/70, Die Kehrseite der Psychoanalyse, vor allem die Sitzungen vom 18. Februar, 11. März und 18. März 1970).
  86. Später in dieser Sitzung wird Lacan deutlicher: der Mythos von Totem und Tabu beruht auf Freuds Zwangsneurose.
  87. Das „ni“ ist in der Tonaufnahme gut zu hören (1:14ꞌ25); Miller: ohne „ni“.
  88. Auf den Urvater, der alle Frauen genießt, hatte Lacan sich in diesem Seminar bereits bezogen am 17. Februar 1971 (Version Miller S. 68 f.), am 17. März 1971 (Version Miller S. 106) und am 19. Mai 1971 (Version Miller S. 143).
    Die Charakterisierung des Urvaters durch das „Genießen aller Frauen“ findet man zuerst in Seminar 14 von 1966/67, Die Logik des Phantasmas, Sitzung vom 26. April 1967.
  89. Vgl. S. Freud: Totem und Tabu (1912–1913). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 287–444, hier: S. 425–428.
  90. Freud: „Eine Ausnahmestellung ergab sich aus natürlichen Gründen für die jüngsten Söhne, die durch die Liebe der Mutter geschützt aus dem Altern des Vaters Vorteil ziehen und ihn nach seinem Ableben ersetzen konnten.“ (Der Mann Moses und die monotheistische Religion (1939). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 455–581, hier: S. 530.
  91. Vgl. Freud: „Die Anknüpfung an den Heros bot wahrscheinlich der jüngste Sohn, der Liebling der Mutter, den sie vor der väterlichen Eifersucht beschützt hatte und der in Urhordenzeiten der Nachfolger des Vaters geworden war.“ (Massenpsychologie und Ich-Analyse (1921). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 127.
  92. Auf dieses Gesetz hatte Lacan sich bereits in Seminar 1 von 1953/54 bezogen, Freuds technische Schriften (Sitzung vom 19. Mai 1954, Version Miller S. 221).
  93. Lacan bezieht sich möglicherweise auf diese Formulierung von Freud „Vom Vater der Urhorde haben wir angenommen, daß er durch seine sexuelle Intoleranz alle Söhne zur Abstinenz nötigt und sie so in zielgehemmte Bindungen drängt, während er sich selbst freien Sexualgenuß vorbehält und somit ungebunden bleibt.“ (S. Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse (1920). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 9. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 130)
  94. Demnach ist der Phallus der Signifikant des (unmöglichen) „Genießens aller Frauen“, also des (unmöglichen) „freien Sexualgenusses“.
  95. Das andere Urgesetz ist das Mordverbot. Vgl. Freud: „Sie [die Brüder der Urhorde] widerriefen ihre Tat, indem sie die Tötung des Vaterersatzes, des Totem, für unerlaubt erklärten, und verzichteten auf deren Früchte, indem sie sich die freigewordenen Frauen versagten. So schufen sie aus dem Schuldbewußtsein des Sohnes die beiden fundamentalen Tabu des Totemismus, die eben darum mit den beiden verdrängten Wünschen des Ödipuskomplexes übereinstimmen mußten.“ (Freud, Totem und Tabu, a.a.O., S. 427)
  96. Vgl. Freud: „Zum religiös begründeten Verbot, den Totem zu töten, kommt nun das sozial begründete Verbot des Brudermordes hinzu.“ (Totem und Tabu, a.a.O., S. 429)
    Eteokles und Polyneikes waren die Söhne von Ödipus und Jokaste, Antigone und Ismene waren ihre Schwestern. Im Kampf um die Herrschaft in Theben töteten sie sich gegenseitig im Zweikampf. Lacan hatte sich hierauf in seinem Antigone-Kommentar in Seminar 7 bezogen (Die Ethik der Psychoanalyse, 1959/60).
  97. Vielleicht Anspielung auf den Fluch der Labdakiden, des Herrschergeschlechts, zu dem Ödipus, Jokaste, Antigone, Ismene, Eteokles und Polyneikes gehörten..
  98. Miller: „pour Freud ? pour ses lecteurs ?“ Die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (vgl. 1:20ˈ14).
  99. Miller: „ledit père“, (besagten Vater); die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (vgl. 1:20ˈ46).
  100. Mit dem „wahren Vater“ ist hier sein Adoptivvater Polybos gemeint.
  101. Das „le“ von „le père“ ist in der Tonaufnahme gut zu hören (1:21ˈ02); Miller: „ce père“.
  102. Miller: „étaient tellement impliqués“ (derart verwickelt waren). Die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (vgl. 1:21ˈ26).
  103. Jokaste weiß, so lautet Lacans These, dass Ödipus der Mörder von Laios ist; Ödipus’ Diener hat’s ihr verraten. Vgl. Seminar 14, Die Logik des Phantasmas, 1966/67, Sitzungen vom 26. April und 24. Mai 1967; Seminar 17, Die Kehrseite der Psychoanalyse, 1969/70, Sitzung vom 10. März 1970, Version Miller S. 134 f.
  104. Miller: „ait ignoré“ (nicht gewusst hat). Die Tonaufnahme ermöglicht keine Entscheidung (vgl. 1:21ˈ37).
  105. „vraiment“ ist einigermaßen zu verstehen (vgl. 1:22ˈ14). Miller: „empêché de me délivrer de mon problème“.
  106. Die „Verschwörung“, auf die Lacan sich hier bezieht, dürfte der Entzug seiner Lehrerlaubnis durch die Société Française de Psychanalyse im Jahre 1963 sein, die zur Folge hatte, dass Lacan sein für 1963/64 geplantes Seminar Die Namen des Vaters nach der ersten Sitzung abbrach.
  107. „C’est ce“ ist auf der Tonaufnahme einigermaßen zu verstehen (vgl. 1:24ˈ03). Miller: „C’est au“.
  108. Demnach ist die linke Seite der Formeln der Sexuierung, worin der mythische Urvater durch die Formel links oben repräsentiert wird, eine (zwangsneurotisch gestützte) Alternative zur (hysterisch gestützten) Formel der Vatermetapher von 1958.

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