Lacans Begriffe

Das Reale: früh, konstant, einfach

 Häangiom auf der Epiglottis - Laryngitis (zu Jacques Lacan über das Reale)Schlund mit Hä­ma­tom nach An­la­ge ei­nes zen­tra­len Ve­nen­ka­the­ters, von hier

 Im­mer wie­der lese ich die fol­gen­den Be­haup­tun­gen:
– La­cans Be­griff des Rea­len ist ein spä­ter Be­griff. In den frü­hen Se­mi­na­ren ver­wen­det La­can zwar den Ter­mi­nus „das Rea­le“, er ver­fügt je­doch noch nicht über ei­nen Be­griff des Rea­len. Das Rea­le ist zu die­sem Zeit­punkt eine Rest­ka­te­go­rie: das, was we­der sym­bo­lisch noch ima­gi­när ist.1
– La­cans Be­griff des Rea­len hat, ver­gli­chen mit den Be­grif­fen des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren, be­son­ders star­ke Be­deu­tungs­ver­schie­bun­gen er­fah­ren.2
– La­cans Be­griff des Rea­len ist, ver­gli­chen mit den Be­grif­fen des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren, be­son­ders kom­plex und be­son­ders schwer ver­ständ­lich.3

Kei­ne die­ser Aus­sa­gen lässt sich hal­ten. Be­reits in den frü­hen Se­mi­na­ren ver­fügt La­can über ei­nen Be­griff des Rea­len. Un­ter dem Rea­len ver­steht er in den frü­hen Se­mi­na­ren das­sel­be wie in den spä­ten. Sein Be­griff des Rea­len ist ein­fach.

Früh

In Se­mi­nar 1 von 1953/54 gibt La­can die fol­gen­de De­fi­ni­ti­on des Rea­len:

das Rea­le oder das, was als sol­ches wahr­ge­nom­men wird, ist das, was der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­steht.“4

Fest­zu­hal­ten ist die Dy­na­mik, die mit dem Be­griff des Rea­len ver­bun­den ist: es gibt Ver­su­che der Sym­bo­li­sie­rung, und das Rea­le ist das, was die­sen Be­mü­hun­gen wi­der­steht. Das Rea­le „wi­der­steht“ der Sym­bo­li­sie­rung, es geht um das, was Freud „Wi­der­stand“ nennt. Das Rea­le zeigt sich im Wi­der­stand.

In die­sem Se­mi­nar fin­det man auch ei­nen ers­ten Ver­such, das Ver­hält­nis des Rea­len zum Ima­gi­nä­ren und zum Sym­bo­li­schen to­po­lo­gisch dar­zu­stel­len, näm­lich durch den ne­ben­ste­hen­den Di­eder. Er be­steht aus zwei Drei­ecks­py­ra­mi­den, die mit der Ba­sis ge­wis­ser­ma­ßen an­ein­an­der ge­klebt sind. Die­se ge­teil­te Grund­flä­che re­prä­sen­tiert das Rea­le.5

In Se­mi­nar 2 von 1954/55 heißt es über das Rea­le, es sei jen­seits je­der Ver­mitt­lung, ob nun ima­gi­när oder sym­bo­lisch.6 Das ist we­ni­ger dy­na­misch for­mu­liert, das Rea­le scheint fried­lich hin­ter dem Ima­gi­nä­ren und dem Sym­bo­li­schen zu lie­gen, aber das ist nicht ge­meint – das Rea­le ist et­was, was sich der Ima­gi­ni­sie­rung und der Sym­bo­li­sie­rung wi­der­setzt.

In der Ant­wort auf den Kom­men­tar von Jean Hyp­po­li­te über die „Ver­nei­nung“ von Freud (1956) sagt La­can:

Sie se­hen: was nicht ans Ta­ges­licht der Sym­bo­li­sie­rung ge­drun­gen ist, er­scheint im Rea­len.

Denn so muß man die Ein­be­zie­hung ins Ich* und die Aus­sto­ßung aus dem Ich* ver­ste­hen. Es ist die­se letz­te­re, die das Rea­le kon­sti­tu­iert, in­so­fern es die Do­mä­ne des­sen ist, was au­ßer­halb der Sym­bo­li­sie­rung Be­stand hat.“7

Das Rea­le ist nicht ein­fach das, was au­ßer­halb des Ichs liegt, es wird aus dem Ich aus­ge­sto­ßen. Ins­ge­samt also: Das Rea­le ist das, was ge­gen die Sym­bo­li­sie­rung Wi­der­stand leis­tet und was aus dem Ich aus­ge­sto­ßen wird.

Das Rea­le ist in den frü­hen Se­mi­na­ren kei­ne Rest­grö­ße, der Be­griff „Rea­les“ fun­giert nicht als Müll­ei­mer für al­les, was nicht sym­bo­lisch und nicht ima­gi­när ist. Der Be­griff des Rea­len wird von La­can dy­na­misch auf­ge­fasst, vom Wi­der­stand und von der Ab­wehr her. Grund­le­gend ist die Be­we­gung, das Rea­le zu sym­bo­li­sie­ren.8 Die­se Be­we­gung trifft auf eine Gren­ze: es gibt et­was, das der Sym­bo­li­sie­rung wi­der­steht (oder auch der Ima­gi­nie­rung) – die As­so­zia­tio­nen krei­sen um et­was, was nicht ge­sagt wer­den kann, und die Deu­tung kann die­se Blo­ckie­rung nicht auf­lö­sen.

La­cans Be­griff des Rea­len ist, au­ßer von Freuds  Be­grif­fen des Wi­der­stands und der Ab­wehr, von Sar­tres Be­griff des An-sich in­spi­riert. Von Er­schei­nun­gen kön­nen wir nur dann spre­chen, so lau­tet Sar­tres on­to­lo­gi­sches Ar­gu­ment in Das Sein und das Nichts (1943), wenn wir an­neh­men, dass es et­was gibt, auf das sich das Be­wusst­sein in­ten­tio­nal rich­tet, das von ihm aber nicht er­zeugt wor­den ist. Die­ses trans­phä­no­me­na­le Sein nennt Sart­re „An-sich“, das be­wuss­te Ich heißt bei ihm „Für-sich“; er un­ter­schei­det ein prä­re­fle­xi­ves Ich, das An-sich, und ein re­fle­xi­ves Ich, das Für-sich. Das Für-sich hat für Sart­re nicht nur bild­haf­ten („ima­gi­nä­ren“) Cha­rak­ter, es ist auch sprach­lich ver­fasst. La­can baut die­se Kon­zep­ti­on aus zur Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren, dem Sym­bo­li­schen und dem Rea­len.

Konstant

La­can hält an der De­fi­ni­ti­on des Rea­len, die er in den ers­ten Se­mi­na­ren gibt, bis zum Schluss fest.

In Se­mi­nar 6 sagt er:

Das Ob­jekt, um das es geht, in­so­fern es mit dem Rea­len ver­bun­den ist, hat in­so­fern dar­an teil, als das Rea­le sich hier als das dar­stellt, was dem An­spruch wi­der­steht, was ich ‚das Un­er­bitt­li­che‘ nen­nen wer­de.“9

Das Rea­le stellt sich als das dar, was dem An­spruch wi­der­steht, der sym­bo­lisch ar­ti­ku­lier­ten For­de­rung. Auch hier bringt La­can den Wi­der­stand ins Spiel.

In Se­mi­nar 9 trägt La­can erst­mals die The­se vor, dass das Rea­le das Un­mög­li­che ist.10 In Se­mi­nar 20 wird das Un­mög­li­che so de­fi­niert: „Das Un­mög­li­che ist das, was nicht auf­hört, nicht ge­schrie­ben zu wer­den“.11 Das Rea­le ist vom Sym­bo­li­schen aus­ge­schlos­sen, in­so­fern we­der p noch nicht-p lo­gisch ve­ri­fi­ziert wer­den kön­nen, an­ders ge­sagt, in­so­fern die Ge­schlechts­iden­ti­tät un­ent­scheid­bar ist.12

In Se­mi­nar 11 von 1964 heißt es:

Wie aber wird nun das Wie­der­ho­len* ein­ge­führt? Wie­der­ho­len* steht in Be­zie­hung zu Er­in­ne­rung*. Die Ein­kehr des Sub­jekts, das bio­gra­phi­sche Ein­ge­den­ken, geht nur bis zu ei­ner be­stimm­ten Gren­ze, die ‚das Rea­le‘ heißt.“13

La­can be­zieht sich hier auf Freuds Dar­le­gun­gen über Wie­der­ho­lung und Er­in­ne­rung in Er­in­nern, Wie­der­ho­len und Durch­ar­bei­ten (1914) und im drit­ten Ka­pi­tel von Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). Was nicht er­in­nert wer­den kann, wird wie­der­holt, sagt Freud. Das Rea­le zeigt sich im Wi­der­stand, es ist die Gren­ze, auf die das Er­in­nern stößt, es ist also das, was nicht sym­bo­li­siert wer­den kann. Das Rea­le zeigt sich in der Wie­der­ho­lung.

In der­sel­ben Sit­zung heißt es:

Es ist eine be­mer­kens­wer­te Tat­sa­che, daß das Rea­le am Ur­sprung der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung sich als ein nicht As­si­mi­lier­ba­res zeigt – in Form des Trau­mas, das für den wei­te­ren Ver­lauf be­stim­mend wird – und daß so­mit die­se ana­ly­ti­sche Er­fah­rung ei­nen durch­aus ak­zi­den­tel­len Ur­sprung hat!“14

Das Rea­le zeigt sich als das, was sich den As­si­mi­lie­rungs­ver­su­chen durch das Sym­bo­li­sche und durch das Ima­gi­nä­re wi­der­setzt. Die ers­te Form, in der sich für Freud das Rea­le ge­zeigt hat, ist das Trau­ma, näm­lich der trau­ma­ti­sche Wie­der­ho­lungs­zwang. Das Rea­le zeigt sich in der Wie­der­ho­lung, etwa im Zwang, trau­ma­ti­sche Er­fah­run­gen zu wie­der­ho­len.

In Se­mi­nar 18 von 1971 er­läu­tert La­can den Be­griff des Rea­len so:

Es geht nicht dar­um, in dem Sin­ne Rea­list zu sein, wie man es im Mit­tel­al­ter war, also im Sin­ne des Rea­li­en­uni­ver­sa­lis­mus. Es geht viel­mehr dar­um, auf­zu­zei­gen, dass un­ser Dis­kurs, un­ser wis­sen­schaft­li­cher Dis­kurs, das Rea­le nur in­so­fern fin­det, als es von der Funk­ti­on des Scheins ab­hängt.

Die Ar­ti­ku­la­ti­on des Scheins – ich mei­ne die al­ge­brai­sche, und hier­bei geht es nur um Buch­sta­ben – so­wie ihre Wir­kun­gen, das ist der ein­zi­ge Ap­pa­rat, ver­mit­tels des­sen wir das be­zeich­nen, was real ist. Das, was real ist, ist das, was Loch in die­sem Schein macht, in die­sem ar­ti­ku­lier­tem Schein, den der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs dar­stellt. Der wis­sen­schaft­li­che Dis­kurs schrei­tet vor­an, ohne sich um die Fra­ge, ob er ein Schein ist oder nicht, über­haupt nur zu küm­mern. Es geht nur dar­um, dass sein Netz, sein Git­ter, sein lat­ti­ce, wie man sagt, die gu­ten Lö­cher am gu­ten Platz er­schei­nen lässt. Eine Re­fe­renz hat er nur in dem Un­mög­li­chen, zu dem sei­ne Ab­lei­tun­gen füh­ren. Die­ses Un­mög­li­che ist das Rea­le. Der Ap­pa­rat des Dis­kur­ses, in­so­fern er in sei­ner Stren­ge auf die Gren­zen sei­ner Kon­sis­tenz stößt, das ist es, wo­mit wir in der Phy­sik das an­zie­len, was das Rea­le ist.“15

In wel­chem Sin­ne muss man sich heu­te auf das Rea­le be­zie­hen und in­so­fern Rea­list sein? In­dem man sich auf das Un­mög­li­che be­zieht, zu dem die theo­re­ti­schen Ab­lei­tun­gen füh­ren. In  Se­mi­nar 17 hat­te La­can das so for­mu­liert, dass das Un­mög­li­che, also das Rea­le in je­dem for­ma­li­sier­ten Feld der Wahr­heit – in der Ma­the­ma­tik, in der Lo­gik, in den Na­tur­wis­sen­schaf­ten – dar­in be­steht, dass es Wahr­hei­ten gibt, die man nicht be­wei­sen kann.16 Im Feld die­ser Wis­sen­schaf­ten ist das Rea­le das Axi­om; es wi­der­setzt sich der As­si­mi­lie­rung durch das Sym­bo­li­sche in­so­fern, als es nicht als wahr be­grün­det wer­den kann. Das Rea­le ist das, was nicht sym­bo­li­siert wer­den­kann, das meint hier also: das Rea­le ist das, wor­an die grund­le­gen­de sym­bo­li­sche Ope­ra­ti­on die­ser Fel­der – die Be­weis­füh­rung – schei­tert.

In Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI, liest man:

Man könn­te sa­gen, daß das Rea­le das ist, was strikt un­denk­bar ist, das wäre zu­min­dest ein Aus­gangs­punkt.“17

Das Rea­le ist das Un­denk­ba­re – das ist nur ein Aus­gangs­punkt, weil die­ser De­fi­ni­ti­ons­ver­such den pro­ble­ma­ti­schen Be­griff des Den­kens ins Spiel bringt.

Et­was spä­ter wird das prä­zi­siert:

Das Rea­le, man muß be­grei­fen, daß es das aus dem Sinn Aus­ge­sto­ße­ne ist.“18

Das Rea­le ist nicht vom Den­ken aus an­zu­ge­hen, son­dern vom Sinn. Der Sinn stößt et­was aus sich aus. Die­ser vom Sinn nicht as­si­mi­lier­ba­re Rest, der Nicht-Sinn, ist das Rea­le. In ei­ner psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur er­scheint der Sinn u.a. in der Form der Er­in­ne­rung. Das Rea­le ist auch das, was nicht er­in­nert wer­den kann.

In der Fol­ge­sit­zung heißt es:

Das Rea­le er­weist sich als das, was kei­nen Sinn hat (…). Nur die­ser Sinn, in­so­fern er ent­schwin­det, gibt dem Ter­mi­nus des Rea­len Sinn.“19

Jacques Lacan, borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbe(zu Jacques Lacan über das Reale)reichen Das be­zieht sich auf die Po­si­ti­on des Sinns in der zwei­di­men­sio­na­len Dar­stel­lung des bor­ro­mäi­schen Kno­tens (vgl. Ab­bil­dung rechts). Der Sinn ent­steht durch die Über­la­ge­rung des Rings des Ima­gi­nä­ren mit dem Ring des Sym­bo­li­schen (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). Das Rea­le ist das, was vom Sinn aus­ge­sto­ßen wird, was dem Sinn ex-sis­tiert, wie La­can es for­mu­liert, also das, was der sinn­stif­ten­den Be­zie­hung zwi­schen dem Ima­gi­nä­ren und dem Sym­bo­li­schen äu­ßer­lich ist.

In Se­mi­nar 23 von 1975/76 liest man,

dass sich das Rea­le dar­aus be­grün­det, dass es kei­nen Sinn hat, dass es den Sinn aus­schließt, oder ge­nau­er, dass es sich da­durch ab­la­gert, dass es aus ihm aus­ge­schlos­sen wird.“20

In den frü­hen Se­mi­na­ren wird das Rea­le so be­stimmt: es ist das, was der Sym­bo­li­sie­rung und der Ima­gi­nie­rung wi­der­steht. In den spä­ten Se­mi­na­ren heißt es: das Rea­le ist das, was vom Sinn aus­ge­schlos­sen wird. Der Sinn wird hier als Zu­sam­men­wir­ken des Sym­bo­li­schen und des Ima­gi­nä­ren be­stimmt. Das Rea­le ist dem­nach das, was von der Ver­bin­dung von Sym­bo­li­sie­rung und Ima­gi­nie­rung, näm­lich vom Sinn, aus­ge­sto­ßen wird.

Was hat sich ver­än­dert? Neu ist der Sinn­be­griff. Der Ge­dan­ke fin­det sich je­doch be­reits in den frü­hen Se­mi­na­ren, nur wird er an­ders for­mu­liert. Die ima­gi­nä­re Be­zie­hung, heißt es in Se­mi­nar 2, in­ter­fe­riert mit der „Sprach­mau­er“, mit dem Sys­tem der Be­nen­nun­gen – Freud hät­te ge­sagt: mit den Wort­vor­stel­lun­gen des Vor­be­wuss­ten – und er­zeugt so eine ob­jek­ti­vier­te Rea­li­tät21; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel. Die durch das Zu­sam­men­wir­ken des Ima­gi­nä­ren und des Sym­bo­li­schen er­zeug­te ob­jek­ti­vier­te Rea­li­tät wird spä­ter „Sinn“ ge­nannt.

Der letz­te Be­leg, den ich ge­fun­den hat­te, stammt aus dem Jahr 1977.  La­can schreibt:

Das Rea­le als das, was man un­mög­lich spre­chen kann.“22

Das ist fast ge­nau das, was er be­reits in Se­mi­nar 1 ge­sagt hat­te, mit zwei Ab­wei­chun­gen. Es geht jetzt nicht mehr all­ge­mein um die Sym­bo­li­sie­rung, son­dern um das Spre­chen und da­mit um den Ge­ge­gen­satz von Spre­chen und Schrei­ben in der Be­zie­hung zum Rea­len. Im Schrei­ben gibt es ei­nen An­nä­he­rung an das Rea­le, nicht aber im Spre­chen. Vom Schrei­ben aus ist eine Be­zie­hung zum Rea­len mög­lich, durch For­ma­li­sie­rung und das heißt durch Kon­zep­tio­nen des Wi­der­spruchs, der Un­voll­stän­dig­keit oder der Un­ent­scheid­bar­keit.23 Der zwei­te Un­ter­schied be­trifft den Ter­mi­nus der Un­mög­lich­keit. Das Rea­le ist das zu spre­chen Un­mög­li­che. Die De­fi­ni­ti­on des Rea­len durch die mo­da­le Ka­te­go­rie de­r­Un­mög­li­che hat­te La­can ab Se­minr 9 über die Iden­ti­fi­zie­rung vor­ge­bracht, in Se­mi­nar 20 wur­de das Un­mög­li­che als das be­stimmt, was nicht auf­hört, nicht ge­schrie­ben zu wer­den.

Einfach

Kom­pli­ziert wird der Be­griff des Rea­len, wenn man in on­to­lo­gi­scher Ein­stel­lung an ihn her­an­geht, d.h. wenn man sich von La­cans An­spie­lun­gen etwa auf Kant, Ko­jè­ve oder Sart­re dazu ver­füh­ren lässt, den Be­zug auf die Er­fah­rung des Psy­cho­ana­ly­ti­kers und auf die Freud­sche Theo­rie aus den Au­gen zu ver­lie­ren.

Eine Psy­cho­ana­ly­se ist eine Sprech­kur, in wel­cher der Pa­ti­ent al­les sa­gen soll, was ihm in den Kopf kommt, und in der der Ana­ly­ti­ker das Ge­sag­te deu­tet. Die­se Sprech­pra­xis stößt auf eine Gren­ze. Es gibt et­was, um das die „freie As­so­zia­ti­on“ kreist, dass aber wie­der und wie­der nicht ge­sagt wer­den kann, die Deu­tung kann die­se Blo­ckie­rung nicht auf­he­ben. La­can nennt das, was in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se trotz al­ler Be­mü­hun­gen auf der Ebe­ne des sinn­ori­en­tier­ten Spre­chens nicht ge­sagt ge­bracht wer­den kann, das Rea­le. In Freuds Be­griff­lich­keit: das Rea­le ist das, was nicht er­in­nert wer­den kann (und des­halb wie­der­holt wird).

Der reale Vater und der reale Phallus

Von der stren­gen Ver­wen­dung des Be­griffs des Rea­len gibt es bei La­can zwei Aus­nah­men, die Be­grif­fe „rea­ler Va­ter“ und „rea­ler Phal­lus“.

Wenn La­can vom „rea­len Va­ter“ spricht, meint er den Va­ter als Han­deln­den24, den Va­ter als em­pi­ri­sches, kon­kre­tes In­di­vi­du­um25, den po­ten­ten Va­ter, der in der Lage ist, die Mut­ter se­xu­ell zu be­frie­di­gen, der also den Be­weis da­für lie­fert, dass er den rea­len Phal­lus hat26. Der Be­griff des rea­len Va­ters scheint sich dem­nach nicht auf den Va­ter zu be­zie­hen, so­weit er nicht sym­bo­li­siert wer­den kann, son­dern auf den Va­ter als wirk­li­chen Men­schen. Nicht ganz.

In Se­mi­nar 4 wird der Be­griff des rea­len Va­ters so er­läu­tert:

Es gibt den sym­bo­li­schen Va­ter. Es gibt den rea­len Va­ter. Die Er­fah­rung lehrt uns, daß bei der Über­nah­me der vi­ri­len se­xu­el­len Funk­ti­on die An­we­sen­heit des rea­len Va­ters eine we­sent­li­che Rol­le spielt. Da­mit der Kas­tra­ti­ons­kom­plex durch das Sub­jekt wirk­lich er­lebt wird, muß der rea­le Va­ter wirk­lich das Spiel spie­len. Er muß sei­ne Funk­ti­on als kas­trie­ren­der Va­ter, die Funk­ti­on des Va­ters in sei­ner kon­kre­ten, em­pi­ri­schen und, ich wür­de fast so­weit ge­hen und sa­gen, de­ge­ne­rier­ten Form über­neh­men, wenn man an die Ge­stalt des Ur­va­ters und die ty­ran­ni­sche und mehr oder we­ni­ger schre­cken­er­re­gen­de Form, in der der Freud­sche My­thos ihn uns vor­ge­legt hat, denkt. Denn in dem Maße, wie der Va­ter, so wie er exis­tiert, sei­ne ima­gi­nä­re Funk­ti­on in dem er­füllt, was sie an em­pi­risch Un­er­träg­li­chem und so­gar Em­pö­ren­dem hat, wenn sie ihr Ein­wir­ken als kas­trie­ren­de und ein­zig un­ter die­sem Win­kel spür­bar macht – wird der Kas­tra­ti­ons­kom­plex er­lebt.“27

Der rea­le Va­ter ist der em­pi­ri­sche Va­ter vor­zugs­wei­se in dem Sin­ne, dass das Han­deln des kon­kre­ten Va­ters et­was Un­er­träg­li­ches hat, et­was Em­pö­ren­des, et­was Trau­ma­ti­sches. Der Wort­ge­brauch schwankt, häu­fig be­zieht La­can sich mit „der rea­le Va­ter“ ein­fach auf das kon­kre­te In­di­vi­du­um, die Kern­be­deu­tung ist je­doch: Der rea­le Va­ter ist der Va­ter in den­je­ni­gen Hand­lun­gen, die vom Kind nicht sym­bo­li­siert wer­den kön­nen.

Ähn­lich funk­tio­niert der Be­griff „rea­ler Phal­lus“. Da­mit ist häu­fig ein­fach der Pe­nis als Or­gan ge­meint. Ent­schei­dend ist je­doch, dass die­ses Or­gan Sitz von Er­re­gun­gen ist und dass das Kind die­se Er­re­gun­gen als trau­ma­tisch er­le­ben kann. Der Phal­lus ist im en­ge­ren Sin­ne dann real, wenn die Er­re­gun­gen, die mit ihm ver­bun­den sind, nicht sym­bo­li­siert wer­den kön­nen.

Eine der Kom­pli­ka­tio­nen beim Be­griff des Rea­len be­steht also dar­in, dass La­can da­von ge­le­gent­lich ei­nen schwa­chen oder un­schar­fen Ge­brauch macht.

Das Reale bei Freud

Der Ter­mi­nus mag ver­wir­rend sein, das Rea­le ist nicht das, was in der Um­gangs­spra­che oder von Phi­lo­so­phen als „Rea­li­tät“ be­zeich­net wird, und auch nicht das, was Freud die „psy­chi­sche Rea­li­tät“ nennt. Aber der Ge­dan­ke stammt von Freud. Freud hat Be­grif­fe da­für, dass et­was in ei­ner Ana­ly­se nicht zur Spra­che ge­bracht wer­den kann: Wie­der­ho­lungs­zwang und Trau­ma, Na­bel des Traums und Ur­ver­drän­gung, Ding, im Un­be­wuss­ten feh­len­de Vor­stel­lun­gen.

Wie­der­ho­lungs­zwang

In Jen­seits des Lust­prin­zips schreibt Freud: Die Psy­cho­ana­ly­se war zu­nächst eine Deu­tungs­kunst, dann stell­te sie sich die Auf­ga­be, den Kran­ken zum Auf­ge­ben sei­ner Wi­der­stän­de zu be­we­gen.

Dann wur­de es im­mer deut­li­cher, daß das ge­steck­te Ziel, die Be­wußt­wer­dung des Un­be­wuß­ten, auch auf die­sem Wege nicht voll er­reich­bar ist. Der Kran­ke kann von dem in ihm Ver­dräng­ten nicht al­les er­in­nern, viel­leicht ge­ra­de das We­sent­li­che nicht, und er­wirbt so kei­ne Über­zeu­gung von der Rich­tig­keit der ihm mit­ge­teil­ten Kon­struk­ti­on. Er ist viel­mehr ge­nö­tigt, das Ver­dräng­te als ge­gen­wär­ti­ges Er­leb­nis zu wie­der­ho­len, an­statt es, wie der Arzt es lie­ber sähe, als ein Stück der Ver­gan­gen­heit zu er­in­nern.“28

Es gibt et­was, was nicht er­in­nert wer­den kann. Mit La­can: Es gibt et­was, was sich der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­setzt, et­was Rea­les.

Statt er­in­nert zu wer­den, wird es wie­der­holt. Mit La­can: Das Rea­le ist das, was an der­sel­ben Stel­le im­mer wie­der­kehrt.29

Trau­ma

Der Wie­der­ho­lungs­zwang be­ruht, Freud zu­fol­ge, auf der Fi­xie­rung an den Mo­ment des Trau­mas. Das Trau­ma be­steht für ihn in ei­ner Reiz­über­flu­tung, die mit den zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln nicht be­wäl­tigt wer­den kann. Die wich­tigs­te Quel­le trau­ma­ti­scher Er­re­gun­gen sind die Trie­be, da das Sub­jekt vor ih­nen nicht flie­hen kann. Die trau­ma­ti­sche Reiz­über­flu­tung kann mit se­xu­el­ler Er­re­gung ver­bun­den sein.30

In Se­mi­nar 11 schreibt La­can:

Schon die ers­te Form, in der die Funk­ti­on der Ty­che, des Rea­len als Be­geg­nung, in der Ge­schich­te der Psy­cho­ana­ly­se auf­trat – ich mei­ne die Be­geg­nung, die ver­fehlt, man­kiert wer­den kann, die we­sent­lich eine ver­fehl­te Be­geg­nung ist – reicht aus, un­se­re Auf­merk­sam­keit zu we­cken – ich mei­ne das Trau­ma.

Es ist eine be­mer­kens­wer­te Tat­sa­che, daß das Rea­le am Ur­sprung der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung sich als ein nicht As­si­mi­lier­ba­res zeigt – in Form des Trau­mas, das für den wei­te­ren Ver­lauf be­stim­mend wird – und daß so­mit die­se ana­ly­ti­sche Er­fah­rung ei­nen durch­aus ak­zi­den­tel­len Ur­sprung hat!“31

Eine der For­men des Rea­len ist das Trau­ma als das, was nicht as­si­mi­liert wer­den kann; man darf er­gän­zen: nicht an das Ima­gi­nä­re und nicht an das Sym­bo­li­sche. Das Trau­ma zeigt sich in der trau­ma­ti­schen Wie­der­ho­lung.

Na­bel des Traums

In der Traum­deu­tung schreibt Freud:

Je­der Traum hat min­des­tens eine Stel­le, an wel­cher er un­er­gründ­lich ist, gleich­sam ei­nen Na­bel, durch den er mit dem Un­er­kann­ten zu­sam­men­hängt.“32

Und:

In den best­ge­deu­te­ten Träu­men muss man oft eine Stel­le im Dun­kel las­sen, weil man bei der Deu­tung merkt, dass dort ein Knäu­el von Traum­ge­dan­ken an­hebt, der sich nicht ent­wir­ren will, aber auch zum Traum­in­halt kei­ne wei­te­ren Bei­trä­ge ge­lie­fert hat. Dies ist dann der Na­bel des Traums, die Stel­le, an der er dem Un­er­kann­ten auf­sitzt.“33

In Se­mi­nar 2 sagt La­can zu Freuds Traum von Ir­mas In­jek­ti­on:

Ein rät­sel­haf­tes Bild, zu dem Freud den Na­bel des Traums er­wähnt, jene ab­grün­di­ge Be­zie­hung zum Un­er­kann­tes­ten, die das Mal ei­ner au­ßer­ge­wöhn­lich pri­vi­le­gier­ten Er­fah­rung ist, wo ein Rea­les auf­ge­faßt wird jen­seits je­der Ver­mitt­lung, sei sie nun ima­gi­när oder sym­bo­lisch.“34

Im Na­bel des Traums ma­ni­fes­tiert sich em­pi­risch, im Ver­lauf ei­ner Traum­deu­tung, die Be­zie­hung zum Rea­len.

Ur­ver­drän­gung

Freud zu­fol­ge wird die Ver­drän­gung von zwei Sei­ten aus be­trie­ben: von Sei­ten der ab­weh­ren­den In­stan­zen, etwa des Ichs, und von Sei­ten des Ur­ver­dräng­ten. Er schreibt:

Wir ha­ben also Grund, eine Ur­ver­drän­gung an­zu­neh­men, eine ers­te Pha­se der Ver­drän­gung, die dar­in be­steht, daß der psy­chi­schen (Vorstellungs-)Repräsentanz des Trie­bes die Über­nah­me ins Be­wuß­te ver­sagt wird. Mit die­ser ist eine Fi­xie­rung ge­ge­ben; die be­tref­fen­de Re­prä­sen­tanz bleibt von da an un­ver­än­der­lich be­stehen und der Trieb an sie ge­bun­den. […] Die zwei­te Stu­fe der Ver­drän­gung, die ei­gent­li­che Ver­drän­gung, be­trifft psy­chi­sche Ab­kömm­lin­ge der ver­dräng­ten Re­prä­sen­tanz oder sol­che Ge­dan­ken­zü­ge, die, an­ders­wo­her stam­mend, in as­so­zia­ti­ve Be­zie­hung zu ihr ge­ra­ten sind. We­gen die­ser Be­zie­hung er­fah­ren die­se Vor­stel­lun­gen das­sel­be Schick­sal wie das Ur­ver­dräng­te. Die ei­gent­li­che Ver­drän­gung ist also ein Nach­drän­gen.“35

Die Ur­ver­drän­gung ist dau­er­haft36, das heißt ver­mut­lich: Das Ur­ver­dräng­te kann mit den Mit­teln der frei­en As­so­zia­ti­on nicht ins Be­wusst­sein ge­ru­fen wer­den, es kann nur vom Psy­cho­ana­ly­ti­ker kon­stru­iert wer­den.

Die Ur­ver­drän­gung be­ruht wahr­schein­lich, so ver­mu­tet Freud, auf ei­ner Durch­bre­chung des Reiz­schut­zes, an­ders ge­sagt: auf ei­nem Trau­ma.37 Da­mit stellt er eine Be­zie­hung her zwi­schen dem Wie­der­ho­lungs­zwang und der Ur­ver­drän­gung: bei­de be­ru­hen auf ei­nem Trau­ma.

La­can be­greift die Ur­ver­drän­gung als ir­re­du­zi­bel38, wo­mit ver­mut­lich auch hier ge­meint ist: das Ur­ver­dräng­te kann auf kei­ne Wei­se er­in­nert wer­den.

In Die Be­deu­tung des Phal­lus schreibt er:

Was also in den Be­dürf­nis­sen sich ent­frem­det fin­det, bil­det eine Ur­ver­drän­gung*, weil es, per Hy­po­the­se, sich nicht im An­spruch zu ar­ti­ku­lie­ren ver­mag: was aber den­noch er­scheint in ei­nem Ab­kömm­ling, der das dar­stellt, was sich beim Men­schen als Be­geh­ren* zeigt“39.

Die Ur­ver­drän­gung be­steht in dem, was von den Be­dürf­nis­sen im An­spruch nicht ar­ti­ku­liert wer­den kann. An­ders ge­sagt: Die Ur­ver­drän­gung ist et­was, was sich der Sym­bo­li­sie­rung ab­so­lut wi­der­setzt.

Im sel­ben Auf­satz heißt es:

[W]as von die­sem Sein im Ur­ver­dräng­ten* le­ben­dig ist, fin­det sei­nen Si­gni­fi­kan­ten, in­dem es vom Phal­lus das Kenn­zei­chen der Ver­drän­gung* er­hält (wo­durch das Un­be­wuss­te Spra­che ist).“40

Das Ur­ver­dräng­te, d.h. das Rea­le, wird durch ei­nen Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert, den Phal­lus. Der Phal­lus ist die Vor­stel­lungs­re­prä­sen­tanz des ur­ver­dräng­ten Triebs. Man kann auch sa­gen: Die Be­deu­tung des Phal­lus ist das Rea­le. In Se­mi­nar 8 for­mu­liert La­can es so: Der sym­bo­li­sche Phal­lus ist die rea­le Prä­senz.41 Der sym­bo­li­sche Phal­lus ist die Prä­senz des Rea­len in ei­nem Si­gni­fi­kan­ten.

In Se­mi­nar 9 be­zieht La­can den Na­bel des Traums auf die Ur­ver­drän­gung.

Und wie die in­di­vi­du­el­le Ge­schich­te – die­ses schwa­dro­nie­ren­de Sub­jekt, wo die­ses In­di­vi­du­um nur ver­stan­den wird – ori­en­tiert ist, po­la­ri­siert wird durch die­sen ge­hei­men Punkt, der viel­leicht letzt­lich nie­mals zu­gäng­lich ist, wenn es so ist, dass man mit Freud zu­ge­ben muss, zu­min­dest vor­läu­fig, in der Ir­re­du­zi­bi­li­tät ei­ner Ur­ver­drän­gung die Exis­tenz die­ses Na­bels des Wun­sches im Traum, von dem er in der Traum­deu­tung spricht.“42

Die in­di­vi­du­el­le Ge­schich­te des Sub­jekts stellt sich in der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur dar als das Schwa­dro­nie­ren des Sub­jekts, als eine Ge­schich­te, die ver­stan­den wird. Die­se Ge­schich­te hat ein ge­hei­mes Zen­trum, den „Na­bel des Traums“, also den Punkt, an dem die As­so­zia­tio­nen zu­sam­men­lau­fen, der je­doch nicht ent­wirrt wer­den kann. Die­ser Punkt zeugt von der Ir­re­du­zi­bi­li­tät ei­ner Ur­ver­drän­gung.43

Ding
Als „Ding“ be­zeich­net Freud im Ent­wurf ei­ner Psy­cho­lo­gie (1895) das, wor­um die Vor­stel­lun­gen krei­sen, was aber von den Vor­stel­lun­gen nicht as­si­mi­liert wer­den kann.44

Bei La­can wird dar­aus im Ethik-Se­mi­nar das Ab­we­sen­de, um das sich die Be­we­gung der Si­gni­fi­kan­ten dreht, das aber für die Si­gni­fi­kan­ten un­zu­gäng­lich ist.

Im Un­be­wuss­ten feh­len­de Vor­stel­lun­gen

Freud zu­fol­ge feh­len im Un­be­wuss­ten be­stimm­te Vor­stel­lun­gen.
– Die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz ist nicht re­prä­sen­tiert, sie wird er­setzt durch die Dif­fe­renz mit Pe­nis / ohne Pe­nis und durch den Ge­gen­satz von Ak­ti­vi­tät / Pas­si­vi­tät, die aber bei­de die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz ver­feh­len.45
– Das Un­be­wuss­te kennt nicht die Vor­stel­lung des ei­ge­nen To­des.
– Das Un­be­wuss­te ver­fügt nicht über die Ne­ga­ti­on.

Bei La­can wird hier­aus: die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz und der Tod sind das Rea­le: et­was, was das Sub­jekt zu sym­bo­li­sie­ren ver­sucht (die „Fra­ge des Sub­jekts“), was zu sym­bo­li­sie­ren ihm aber nicht mög­lich ist. Sei­ne For­mel für das Feh­len ei­nes Si­gni­fi­kan­ten der Ge­schlech­ter­dif­fe­renz ist: „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“; vgl. die­sen Blog­bei­trag. Über den Tod heißt es in Se­mi­nar 22:

Es gibt et­was an­de­res, das ei­nem in den Sinn kom­men könn­te, und das völ­lig un­re­prä­sen­tier­bar ist – et­was, das man mit ei­nem Na­men be­nennt, der nur auf­grund der Spra­che her­um­flirrt, der Tod. Dies ver­schließt es nicht we­ni­ger, weil der Tod, man weiß nicht, was das ist.“46

Die Fra­ge nach dem Tod ist die der Zwangs­neu­ro­ti­ke­rin, die nach der Ge­schlech­ter­dif­fe­renz die des Hys­te­ri­kers.

Zusammenfassung

Das Rea­le ist das, was sich der Sym­bo­li­sie­rung und der Dar­stel­lung durch das Ima­gi­nä­re ab­so­lut wi­der­setzt. La­can be­zieht sich da­mit auf zwei von Freud be­schrie­be­ne Grenz­erfah­run­gen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Sprech­pra­xis, auf den Wie­der­ho­lungs­zwang und auf den „Na­bel des Traums“, so­wie auf zwei Be­grif­fe, mit de­nen Freud die­se Phä­no­me­ne zu er­klä­ren ver­sucht: das Trau­ma und die Ur­ver­drän­gung.
– Der Pa­ti­ent kann be­stimm­te Er­fah­run­gen nicht er­in­nern, statt­des­sen wer­den sie wie­der­holt, wie­der und wie­der.
– Die Ur­sa­che hier­für ist ein Trau­ma; das Trau­ma ist die ers­te Form, in der das Rea­le in der Ge­schich­te der Psy­cho­ana­ly­se auf­trat.
– Die Traum­deu­tung stößt auf ein Knäu­el von Ge­dan­ken, dass sie nicht auf­lö­sen kann, und der dem Un­er­kann­ten auf­ruht; we­gen die­ser Be­zie­hung zum Un­er­kann­ten nennt Freud die­sen Nicht-Sinn den „Na­bel des Traums“.
– Der Na­bel des Traums be­zieht sich auf das Rea­le, er zeugt von der Ur­ver­drän­gung.

La­can be­zieht sich au­ßer­dem auf Freuds frü­hes­te Kon­zep­ti­on für das, was von Vor­stel­lun­gen nicht er­fasst wer­den kann: das „Ding“.

Das, was sich der Sym­bo­li­sie­rung durch das Un­be­wuss­te ab­so­lut wi­der­setzt, kann aus der Be­ob­ach­ter­per­spek­ti­ve nä­her be­stimmt wer­den. Freud zu­fol­ge ver­fügt das Un­be­wuss­te nicht über die Vor­stel­lung des ei­ge­nen To­des und nicht über die Vor­stel­lung der Ge­schlech­ter­dif­fe­renz. Für La­can ge­hört der Tod und die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz zum Rea­len.

Das Rea­le ist das, was im Ver­lauf ei­ner Psy­cho­ana­ly­se der Ver­sprach­li­chung und der Ver­bild­li­chung ab­so­lut wi­der­steht: das Trau­ma, das Ur­ver­dräng­te, das Ding, näm­lich der ei­ge­ne Tod und die Ge­schlech­ter­dif­fe­renz.

Zur Sekundärliteratur

Pe­ter Wid­mer schreibt über das Rea­le:

Ge­wiss kann man sa­gen, es ist das, was eine Sei­end­heit be­haup­tet“47.

Da­mit spielt er auf Hei­deg­gers Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Sein und dem Sei­en­den an, auf die auch La­can sich häu­fig be­zieht; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel. Das Rea­le wäre dem­nach ein Sei­en­des. Ich neh­me an, dass La­can es um­ge­kehrt sieht: das Rea­le ist kein Sei­en­des, son­dern eine Be­zie­hung zum Sein.

Hei­deg­ger zu­fol­ge be­zieht sich der Mensch auf das Nichts durch die ver­schie­de­nen For­men des ne­gie­ren­den Ver­hal­tens: durch die Ver­nei­nung, das Ent­ge­gen­han­deln, das Ver­ab­scheu­en, das Ver­sa­gen, das Ver­bie­ten, das Ent­beh­ren. Rei­nes Nichts und rei­nes Sein sind das­sel­be.48

Das Rea­le ist eine ne­ga­ti­ve Grö­ße: das, was sich der Sym­bo­li­sie­rung und der Ima­gi­na­ri­sie­rung ab­so­lut wi­der­setzt. Also be­zieht sich der Mensch, in­dem er den Wi­der­stand des Rea­len er­fährt, auf das Sein, nicht auf ein Sei­en­des.

Zum Bild zu Beginn des Artikels

Wie lässt sich das Rea­le bild­haft dar­stel­len, wenn es das ist, was durch ein Bild nicht dar­ge­stellt wer­den kann? In Se­mi­nar 2 be­zieht sich La­can zur Ver­an­schau­li­chung des nicht zu ver­an­schau­li­chen­den Rea­len auf Freuds Traum über Ir­mas In­jek­ti­on49 und dar­in auf das Bild von Ir­mas Schlund.

Es gibt da also die be­ängs­ti­gen­de Er­schei­nung ei­nes Bil­des, das re­sü­miert, was wir die Ent­hül­lung des Rea­len nen­nen kön­nen in dem, was sich an ihm am we­nigs­ten durch­drin­gen läßt, des Rea­len ohne jede mög­li­che Ver­mitt­lung, des letz­ten Rea­len, des we­sent­li­chen Ob­jekts, das kein Ob­jekt mehr ist, son­dern je­nes Et­was, an­ge­sichts des­sen alle Wor­te auf­hö­ren und sämt­li­che Ka­te­go­ri­en schei­tern, das Ang­st­ob­jekt par ex­cel­lence.“50

Das Foto zeigt ei­nen Schlund mit ei­nem Hä­ma­tom, her­vor­ge­ru­fen durch das An­le­gen ei­nes Ve­nen­ka­the­ters. Wenn man mag, kann man den Ve­nen­ka­the­ter als Bild für die Spra­che auf­fas­sen und das Hä­ma­tom als Schnitt, in dem sich im Dis­kurs der Me­di­zin – im Sym­bo­li­schen – das Rea­le ma­ni­fes­tiert.51

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Anmerkungen

  1. Vgl. Jac­ques-Alain Mil­ler: „Zu die­sem Zeit­punkt ((von Se­mi­nar 1 und 2)) ope­rier­te La­can nur mit dem Sym­bo­li­schen und dem Ima­gi­nä­ren; das Rea­le war et­was, das in die ima­gi­nä­re Be­zie­hung nicht ein­trat. Man weiß nicht, was das Rea­le ist, es ist we­der sym­bo­lisch noch ima­gi­när.“ (J.-A. Mil­ler: An in­tro­duc­tion to se­mi­nars I and II. Lacan’s ori­en­ta­ti­on pri­or to 1953 (III). In: Ri­chard Feld­stein, Bruce Fink, Mai­re Jaa­nus (Hg.): Rea­ding se­mi­nars I and II. Lacan’s re­turn to Freud. Sta­te Uni­ver­si­ty of New York Press, Al­ba­ny 1996, S. 26–35, hier: S. 33, mei­ne Über­set­zung.
  2. Vgl. etwa: Dy­lan Evans: Wör­ter­buch der La­can­schen Psy­cho­ana­ly­se (1996) Tu­ria + Kant, Wien 2002, S. 250; Sean Ho­mer: Jac­ques La­can. Rout­ledge, Abing­don 2005, S. 81; Kai Ham­mer­meis­ter: Jac­ques La­can. Beck, Mün­chen 2008, S. 58.
  3. Vgl. etwa: Erik Por­ge: Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te. Érès, Ra­mon­vil­le Saint-Ange 2000, S. 111; Ho­mer, a.a.O., S. 81. Für Pe­ter Wid­mer ist es das enig­ma­tischs­te der drei Re­gis­ter, vgl. P. Wid­mer: Sub­ver­si­on des Be­geh­rens. Eine Ein­füh­rung in Jac­ques La­cans Werk. Tu­ria + Kant, Wien 2012, S. 189.
  4. Se­mi­nar 1, Sit­zung vom 17. Fe­bru­ar 1954; Ver­si­on Miller/Hamacher, S. 89.
  5. Vgl. Se­mi­nar 1, Sit­zung vom 30. Juni 1954; Ver­si­on Miller/Hamacher S. 339 f.
  6. Vgl. Se­mi­nar 2, Sit­zung vom 23. März 1955; Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
  7. Schrif­ten II, S. 208.
  8. Vgl. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 408.
  9. Se­mi­nar 6, Ver­si­on Mil­ler, S. 565.
  10. In den Sit­zun­gen vom 14. März und vom 21. März 1962; er kommt in je­dem der fol­gen­den Se­mi­na­re dar­auf zu­rück, bis ein­schließ­lich Se­mi­nar 24. Die ge­naue For­mu­lie­rung „le réel c’est l’impossible“ ver­wen­det er erst­mals in Se­mi­nar 12, in der Sit­zung vom 16. Juni 1965.
    In den Schrif­ten be­zieht La­can sich auf die­se De­fi­ni­ti­on in Von dem, was uns vor­aus­ging (1966): „Wenn schon alle Welt, noch dumm ge­nug, um es nicht an­zu­er­ken­nen, ein­räumt, daß der Pri­mär­pro­zeß nichts Rea­lem au­ßer dem Un­mög­li­chen be­geg­net, was in der Freud­schen Per­spek­ti­ve nach wie vor die bes­te De­fi­ni­ti­on ist, die man da­von ge­ben kann, so han­delt es sich, auf daß wir uns da­mit be­schäf­ti­gen könn­ten, doch dar­um, mehr über das zu wis­sen, was an An­de­rem er be­geg­net.“ (Schrif­ten III, S. 7–14, hier: S. 11.)
  11. Vgl. Sit­zung vom 13. Fe­bru­ar 1973, Ver­si­on Miller/Haas u. a., S. 65.
  12. Vgl. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 12. Fe­bru­ar 1974, Schluss.
  13. Se­mi­nar 11, Sit­zung vom 5. Fe­bru­ar 1964; Ver­si­on Miller/Haas, S. 56, Über­set­zung ge­än­dert. Das Stern­chen und die Kur­siv­schrei­bung ver­wei­sen dar­auf, dass der Aus­druck im Ori­gi­nal deutsch ist. Haas über­setzt „qui s’appelle le réel“ falsch mit „die ich ‚das Rea­le‘ nen­ne“.
  14. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 61.
  15. Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 20. Ja­nu­ar 1971; Ver­si­on Mil­ler, S. 28; mei­ne Über­set­zung, RN.
  16. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 20. Mai 1970, Ver­si­on Mil­ler, S. 190.
  17. Sit­zung vom 10. De­zem­ber 1974; vgl. Klei­ner-Über­set­zung, S. 3.
  18. Sit­zung vom 11. März 1975, Klei­ner-Über­set­zung S. 41.
  19. Sit­zung vom 18. März 1975, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Klei­ner-Über­set­zung S. 53.
  20. Se­mi­nar 23 von 1975/76, Le sin­t­home, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1976, Ver­si­on Sta­fer­la, S. 31, mei­ne Über­set­zung; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 64 f.
  21. Was mit der Sprach­mau­er in­ter­fe­riert, ist die Spie­gel­re­la­ti­on, durch die das, was zum Ich (moi) ge­hört, im­mer durch­drun­gen, an­ge­eig­net wird durch die Ver­mitt­lung ei­nes an­de­ren, der für das Sub­jekt im­mer die Ei­gen­schaf­ten des Ur­bil­des*, des fun­da­men­ta­len Bil­des des Ich be­hält.“ (Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 316)
  22. J. La­can: Pré­face à l’ouvrage de Ro­bert Ge­or­gin. In: R. Ge­or­gin: La­can. 2. Auf­la­ge. L’Age d’homme, Pa­ris 1977, S. 14, zi­tiert nach: Bruce Fink: Grund­la­gen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Tech­nik. Eine la­ca­nia­ni­sche An­nä­he­rung für kli­ni­sche Be­ru­fe. Tu­ria + Kant, Wien 2013, S. 120, Fuß­no­te 69.
  23. Vgl. J. La­can: L’étourdit (Text von 1972, ver­öf­fent­licht 1973). In: Ders.: Au­tres écrits. Seuil, Pa­ris 1973, S. 427.
  24. Vgl. Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se, Schrif­ten I, S. 119.
  25. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 261 f., 429.
  26. Vgl. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 428; Se­mi­nar 5, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 226.
  27. Se­mi­nar 4, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 429, Über­set­zung ge­än­dert.
  28. S. Freud: Jen­seits des Lust­prin­zips (1920). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 5. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 228.
  29. Zu­erst in Se­mi­nar 2 in die­ser Form: „Die Ster­ne sind real, voll­stän­dig real, im Prin­zip gibt’s bei ih­nen ab­so­lut nichts, was von der Ord­nung ei­ner An­ders­heit für sie selbst wäre, sie sind schlicht und ein­fach das, was sie sind. Dass man sie im­mer am sel­ben Platz wie­der­fin­det, ist ei­ner der Grün­de da­für, daß sie nicht spre­chen.“ (Ver­si­on Miller/Metzger, S. 303) „Of­fen­bar ha­ben wir ei­nen we­sent­li­chen Fort­schritt ge­macht, als wir be­merk­ten, daß es im Ge­gen­satz dazu Din­ge gibt, die’s wirk­lich wa­ren, am sel­ben Platz, die man zu­vor in Form her­um­ir­ren­der Pla­ne­ten ge­se­hen hat­te, und als wir be­merkt ha­ben, daß ein Teil der Ge­stir­ne, die den Him­mel be­völ­kern, sich nicht bloß in Ab­hän­gig­keit von un­se­rer ei­ge­nen Ro­ta­ti­on, son­dern wirk­lich ver­la­gern und sich im­mer am sel­ben Platz wie­der­ein­fin­den.“ (A.a.O., S. 304) 
  30. Vgl. Jen­seits des Lust­prin­zips, a.a.O., S. 234–244.
  31. Se­mi­nar 11, Ver­si­on Miller/Haas, S. 61, Her­vor­he­bung durch Kur­siv­schrift im Ori­gi­nal.
  32. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 130 Fn. 2.
  33. A.a.O., S. 503.
  34. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 225.
  35. S. Freud: Die Ver­drän­gung (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 109, Ein­fü­gung in run­den Klam­mern von Freud.
  36. Vgl. S. Freud: Das Un­be­wuss­te (1915). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 140.
  37. Vgl. S. Freud: Hem­mung, Sym­ptom und Angst (1926). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 6. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 240.
  38. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 20. Juni 1962.
  39. Die Be­deu­tung des Phal­lus, Schrif­ten II, S. 126; das Stern­chen ver­weist dar­auf, dass der Be­griff im Ori­gi­nal deutsch ist.
  40. Die Be­deu­tung des Phal­lus, a.a.O., S. 129, Ein­fü­gung in Klam­mern von La­can, Über­set­zung ge­än­dert.
  41. Vgl. Se­mi­nar 8, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 307.
  42. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 20. Juni 1962, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  43. Den Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Na­bel des Traums und der Ur­ver­drän­gung stellt La­can auch im Jo­nes-Auf­satz her. Vgl. À la mé­moi­re d’Ernest Jo­nes. Sur sa théo­rie du sym­bo­li­que. In: Écrits, S. 710. Der Auf­satz wur­de Ja­nu­ar bis März 1959 ge­schrie­ben und 1960 ver­öf­fent­licht.
  44. Vgl. S. Freud: Aus den An­fän­gen der Psy­cho­ana­ly­se 1887–1902. Brie­fe an Wil­helm Fließ. S. Fi­scher, Frank­furt am Main 2. Aufl. 1975, S. 299–384, zum Ding: S. 335, 338f., 365.
  45. Freud zu­fol­ge wird die Op­po­si­ti­on männ­lich – weib­lich im Un­be­wuss­ten durch die Op­po­si­ti­on ak­tiv – pas­siv dar­ge­stellt. Er er­klärt dazu, dass die­se Dar­stel­lung falsch ist, bei­de Ge­schlech­ter sei­en so­wohl ak­tiv als auch pas­siv. Vgl. S. Freud: Drei Ab­hand­lun­gen zur Se­xu­al­theo­rie (1905). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 123 f. Fn. 1 (Zu­satz von 1915).– Ders.: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 235 f. Fn. 2.– Ders.: Neue Fol­ge der Vor­le­sun­gen zur Ein­füh­rung in die Psy­cho­ana­ly­se (1933). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 1. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 545–548.
  46. Se­mi­nar 22, RSI, Sit­zung vom 8. April 1975, Über­set­zung von Max Klei­ner, S. 59.
  47. P. Wid­mer, Sub­ver­si­on des Be­geh­rens, a.a.O., S. 189.
  48. Vgl. M. Hei­deg­ger: Was ist Me­ta­phy­sik? Klos­ter­mann, Frank­furt am Main 1969, S. 37–40.
  49. S. Freud: Die Traum­deu­tung (1900). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 2. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­urt am Main 2000, S. 126 f.
  50. Se­mi­nar 2, Ver­si­on Miller/Metzger, S. 210 f.
  51. Zum Schnitt als Ma­ni­fes­ta­ti­on des Rea­len auf der Ebe­ne des Sym­bo­li­schen vgl. Se­mi­nar 6, Sit­zung vom 3. Juni 1959; Ver­si­on Mil­ler, S. 482.

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