Der Schnitt, das Reale und die Innenacht

In Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung (1961/62), greift La­can das Kon­zept des Schnitts auf, das er frü­her ent­wi­ckelt hat­te, und deu­tet es um. Er be­zieht es jetzt auf die Flä­chen der ma­the­ma­ti­schen To­po­lo­gie, vor al­lem den To­rus, das Mö­bi­us­band und die Kreuz­hau­be. Der Schnitt ist da­mit der Schnitt in eine Flä­che bzw. der Schnitt, durch den eine Flä­che er­zeugt wird. Als ent­schei­den­de Form des Schnitts be­greift er die so­ge­nann­te In­ne­n­acht, auf die er von da an im­mer wie­der zu­rück­kom­men wird. Von hier aus be­stimmt er neu, wie sich im Schnitt das Rea­le ma­ni­fes­tiert.

Im Fol­gen­den über­set­ze ich aus dem Iden­ti­fi­zie­rungs­se­mi­nar die wich­tigs­te Pas­sa­ge zum Ver­hält­nis von Schnitt, In­ne­n­acht und Rea­lem.

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Jacques Lacan: Seminar XVIII, 6. Sitzung (17. März 1971), Übersetzung

Se­mi­nar 18, „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ (1971)
Voll­stän­di­ge Über­set­zung, Teil 6/10

The­men:
– Selbst­kom­men­tar zum Poe-Auf­satz: die Let­ter und der Phal­lus, die Struk­tur in ih­rer Un­mög­lich­keit
– Ho­mo­ge­ni­sie­rung von An­schau­ung und Be­grün­den durch das Ge­schrie­be­ne in der Ma­the­ma­tik (Buch­sta­be und Zeich­nung)
– Die spe­zi­el­le Dumm­heit des Sub­jekt: es weiß, dass die Let­ter ei­nen Sinn hat, aber der Sinn ent­geht ihm
– Un­ter­schied zwi­schen dem Er­zäh­ler und dem­je­ni­gen, der schreibt
– Der Ur­va­ter ge­nießt „alle Frau­en“, aber es ist un­mög­lich, „alle Frau­en“ zu sa­gen
– Nicht-mehr-als-eins am Ur­sprung der Schrift
– „Die Frau“ (die nicht exis­tiert) hat nichts mit dem Ge­setz zu tun; Sym­bo­li­sie­rung des se­xu­el­len Ge­nie­ßens durch das ver­bo­te­ne Ge­nie­ßen
– Quan­to­ren­lo­gi­sche Dar­stel­lung der Un­mög­lich­keit des se­xu­el­len Ver­hält­nis­ses: eine Funk­ti­on, die nicht ge­schrie­ben wer­den kann

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Der Junge, der seinen Penis loswerden wollte

Im Guar­di­an lese ich, dass ein ka­na­di­sches Ge­richt an­ge­ord­net hat, dass ein vier­jäh­ri­ger Jun­ge auf­hö­ren muss, in der Öf­fent­lich­keit Mäd­chen­klei­dung zu tra­gen.   Die Mut­ter sagt, das Kind habe kurz nach­dem es zwei Jah­re alt war, an­ge­fan­gen, sich als Mäd­chen … mehr …

Jacques Lacan: Über Rassismus (Übersetzung)

Nach der scho­ckie­ren­den Nach­richt über Trumps Wahl­sieg vor drei Ta­gen er­in­ner­te ich mich dar­an, dass es von La­can eine kur­ze Be­mer­kung über den zu er­war­ten­den Auf­stieg des Ras­sis­mus gibt. Ich über­set­ze sie nach der ge­spro­che­nen Fas­sung von Té­lé­vi­si­on, die bis­lang nicht ins Deut­sche ge­bracht wur­de.

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Franz Kaltenbeck: Wiedergeburt zum Schlimmeren. David Foster Wallaces vergebliche Versuche, dem Existenzschmerz zu entkommen

Beckett, Warten auf GodotDa­vid Fos­ter Wal­lace konn­te den Schmerz, der ihn um­brin­gen soll­te, kli­nisch be­schrei­ben. Das, was La­can „Sint­ho­me“ nennt, die Ver­knüp­fung künst­le­ri­scher Schöp­fung mit ei­ner das Sub­jekt vor dem psy­cho­ti­schen Ab­grund ret­ten­den Struk­tur, ist ihm zu­min­dest in sei­nem letz­ten Ro­man, Der blei­che Kö­nig, nicht ge­lun­gen. Was hat­te sich die­sem mäch­ti­gen Schrift­stel­ler in den Weg ge­stellt?

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Jacques Lacan: Seminar XVIII, 5. Sitzung (10. März 1971), Übersetzung

Se­mi­nar 18, „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ (1971)
Voll­stän­di­ge Über­set­zung, Teil 5/10

The­men:
L’achose (das Un­ding)
– Zu Der­ri­das Gram­ma­to­lo­gie
– Spre­chen über Ge­schrie­be­nes: Gra­phen und Spre­chen, Wis­sen­schaft und Schrift
– Pro­gram­mie­rung und Un­be­wuss­tes
– Rück­wir­kung des Ge­schrie­be­nen auf das Spre­chen
– Das Ge­schrie­be­ne als Wort­vor­stel­lung
– Das Se­mi­nar über Poes Ent­wen­de­ten Brief

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Jacques Lacan: Die Dritte (Übersetzung)

In La Troi­siè­me (Die Drit­te), ei­nem Vor­trag von 1974, gibt La­can ei­nen Über­blick über sei­ne Leh­re; Schwer­punk­te sind die Drei­heit des Ima­gi­nä­ren, des Sym­bo­li­schen und des Rea­len, au­ßer­dem das Ge­nie­ßen, das Sym­ptom und die Deu­tung. All dies wird auf den bor­ro­mä­i­schen Kno­ten be­zo­gen.
Über­set­zung mit zahl­rei­chen er­läu­tern­den An­mer­kun­gen.

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Franz Kaltenbeck: Die gesellschaftliche Verleugnung des Realen

Beckett, Warten auf Godot Das Rea­le der Ge­sell­schaft äu­ßert sich un­ter an­de­rem dann, wenn eine Ge­sell­schaft für die Ge­fah­ren, die ihre das Le­ben er­hal­ten­den Funk­tio­nen be­dro­hen, blind wird und die Men­schen ihre Pa­nik durch ein­stim­mi­ge Mas­sen­be­we­gun­gen aus­zu­schal­ten ver­su­chen. Zum Bei­spiel fürch­tet die Mehr­heit der Fran­zo­sen die Im­mi­gra­ti­on der sy­ri­schen Kriegs­flücht­lin­ge in ihr Land viel mehr als die im­mer rea­lis­ti­scher wer­den­de Pro­gno­se, dass nach den nächs­ten Wah­len der Front Na­tio­nal an die Macht kom­men könn­te. Ist der Be­griff der Ver­leug­nung ge­eig­net, um ei­nen sol­chen Vor­gang zu er­fas­sen? Oder be­nö­tigt man an­de­re Be­grif­fe, etwa den des Akts? Oder den der Aus­lö­schung des Wis­sens?

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Jacques Lacan: Seminar XVIII, 4. Sitzung (17. Februar 1971), Übersetzung

Se­mi­nar 18, „Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre“ (1971)
Voll­stän­di­ge Über­set­zung, Teil 4/10
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The­men:
– Men­ci­us über Mehr­lust als Dis­kurs­ef­fekt
– Sche­ma si: (1) Wir­kun­gen der Spra­che: Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis (Phal­lus), (2) Spra­che als Ur­sa­che: pas / Nicht / Schritt, (3) Fak­tum des Ge­schrie­be­nen
– Spra­che als dem­an­si­on, der An­de­re als Ort der Wahr­heit, ein­ge­setzt von ei­ner Fik­ti­ons­struk­tur
– Ge­schrie­be­nes als Grund­la­ge der Lo­gik
– „Es gibt kein se­xu­el­les Ver­hält­nis“: Ver­hält­nis im Sin­ne der Ab­bil­dung von Men­gen
– Der Phal­lus: das Or­gan, in­so­fern es das weib­li­che Ge­nie­ßen ist
– Aus­sa­gen­lo­gik: das Qua­dran­ten­sche­ma von Peir­ce und der Ur­va­ter-My­thos
– Phal­lus-In­stru­ment als Ur­sa­che der Spra­che

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