Freud & Marx

Lacan über Mehrlust und Mehrwert (Übersetzung von Seminar 16, Sitzung vom 13. November 1968, mit Paraphrase)

Der Geizige, Lacan und MarxAlphonse Le Brun, Der Geizige, 1882
Holzrelief an der Empore der sieben Todsünden in der Kapelle Saint-Yves in Priziac (Bretagne), von hier

Was versteht Lacan unter „Mehrlust“?

Der Begriff ist grundlegend für die Konstruktion der vier Diskurse in Seminar 17, Die Kehrseite der Psychoanalyse (1969/70). Die Diskurse werden hier durch vier Plätze dargestellt, auf denen vier Terme rotieren: $, S1, S2 und a; der Ausdruck a repräsentiert hier die „Mehrlust“.1 Eingeführt wird der Begriff „Mehrlust“ in dem (nicht ins Deutsche übersetzten) Seminar 16, Von einem Anderen zum anderen (1968/69), ausgearbeitet wird er in diesem Seminar und in den beiden folgenden. In den Seminaren verwendet Lacan ihn zuletzt in Seminar 24 von 1976/77. In den Aufsätzen findet man ihn zwischen 1970 und 1974, darunter in Radiophonie (1970), L’étourdit (1973) Nachwort zu Seminar 11 (1973) und Television (1974).

Im Folgenden übersetze ich die erste Sitzung von Seminar 16. Der Begriff der Mehrlust (plus-de-jouir) wird hier in Analogie zu Marx’ Begriff des Mehrwerts (plus-value) entwickelt. Es folgt meine Zusammenfassung der in dieser Sitzung vorgetragenen Bemerkungen über Mehrlust. Den Schluss bilden zwei Erläuterungen des Konzepts in der Sekundärliteratur.

Textgrundlage der Übersetzung ist Version Staferla, die ich mit der von Lacan in Auftrag gegebenen Stenotypie (Version JL) sowie mit der von Jacques-Alain Miller herausgegebenen Version des Seminars2 verglichen und geringfügig geändert habe.

Die Übersetzung wird im Folgenden zweimal gebracht, zunächst nur deutsch, dann in einer Interlinearversion: ein Satz französisch, ein Satz deutsch.

Die zweisprachige Fassung enthält in den Anmerkungen zum französischen Text Hinweise auf Transkriptionsprobleme und auf Abweichungen in Millers Version; im deutschen Text findet man Links sowie, in den Anmerkungen, Literaturangaben und inhaltliche Erläuterungen.

Die Paraphrase beschränkt sich auf Lacans Ausführungen zum Begriff der Mehrlust.

Wörter mit Sternchen sind im Original deutsch.

Einfügungen in eckigen oder spitzen Klammern sind nicht von Lacan.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe von Seminar 16.

Deutsch

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe von Seminar 16.

[11] [An der Tafel]
Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen [parole].

Wir treffen uns in diesem Jahr zu einem Seminar, für das ich den Titel Von einem Anderen zum anderen gewählt habe, um damit anzuzeigen, was die Hauptbezugspunkte sein werden, um die sich mein Diskurs im strengen Sinne des Wortes drehen soll. Dieser Diskurs ist zu dem Zeitpunkt, an dem wir sind, entscheidend, insofern nämlich, als er definiert, worum es bei demjenigen Diskurs geht, der „psychoanalytischer Diskurs“ genannt wird und dessen Einführung, dessen Eintritt ins Spiel zu dieser Zeit so viele Konsequenzen nach sich zieht.

Dieses Diskursverfahren ist mit einem Etikett versehen worden. „Der Strukturalismus“, hat man gesagt, ein Wort, das für den Publizisten übrigens nicht notwendig war, der es plötzlich – das ist, mein Gott, noch nicht besonders viele Monaten her – ausgestoßen hat, um eine bestimmte Anzahl von Leuten damit abzudecken, deren Arbeit seit längerem einige Avenuen dieses Diskurses gebahnt hatte.

Ich habe eben von einem Publizisten gesprochen; jeder kennt das Wortspiel, das ich mir mit poubellication erlaubt habe. Eine bestimmte Anzahl von uns findet sich also, durch die Gnade derjenigen, deren Amt das ist, im selben poubelle (Mülleimer) vereinigt. Man könnte unangenehmere Gesellschaft haben. Diejenigen, mit denen ich mich hier zusammengebracht finde, sind allesamt Leute, für deren Arbeit ich wirklich die größte Wertschätzung habe, es könnte mir dabei in keiner Weise schlecht gehen. Insbesondere da wir uns in dieser Zeit, die vom Genie Samuel Becketts beherrscht wird, mit dem Mülleimer ein wenig auskennen. Was mich persönlich angeht, nachdem ich bis heute fast dreißig Jahre lang, in drei Abschnitten von fünfzehn, zehn und fünf Jahren, in drei psychoanalytischen Gesellschaften gelebt habe, weiß ich ein bisschen Bescheid darüber, was es heißt, mit Haushaltsabfällen zusammenzuleben. Was den Strukturalismus angeht, so versteht man wirklich das Unbehagen, das bei einigen durch die Behandlung hervorgerufen werden kann, die man willens wäre, unserem gemeinsamen Habitat von au-  | [12] ßen zuzufügen, und ebenso, dass man Lust verspüren kann, ein wenig rauszugehen, um sich die Beine zu vertreten.

Dennoch ist es so, dass ich bemerke – seit diese Ungeduld allem Anschein nach einige zu erfassen scheint –, dass es mir in diesem Korb doch gar nicht so schlecht geht. Da es mir in meinen Augen auch nicht so zu sein scheint, dass dieser Strukturalismus mit etwas anderem gleichzusetzen ist als mit dem, was ich ganz einfach „das Seriöse“ nennen möchte, und in keiner Weise – wie auch immer – mit etwas, was dem ähnelt, was man Philosophie nennen kann, wenn man mit diesem Wort eine Weltanschauung bezeichnet oder sogar eine Art und Weise, um die Positionen eines Denkens rechts und links abzusichern.

Um den ersten Fall zurückzuweisen, möge es genügen – wenn es stimmt, dass ich als Psychoanalytiker mir nicht vornehmen konnte, auf irgendeine Weise in etwas einzuführen, was lächerlicherweise als psychoanalytische Anthropologie betitelt wird –, sollte es genügen, bereits beim ersten Betreten dieses Bereichs an konstituierende Wahrheiten zu erinnern, die die Psychoanalyse in dieses Feld einbringt, nämlich dass es keine Vereinigung von Mann und Frau gibt, ohne dass die Kastration <einerseits> als Phantasma genau die Realität des Partners bei demjenigen bestimmt, bei dem sie unmöglich ist, und ohne dass sie, die Kastration, sich <andererseits> in einer Art Hehlerei abspielt, durch die sie bei demjenigen Partner als Wahrheit angenommen wird, der davon realiter verschont bleibt, von einer zufälligen Überschreitung abgesehen. Beharren wir darauf, die Formel der Genesis ausweitend, dass Gott sie schuf – es gibt auch das „ihn schuf“ –, sie als Mann und als Frau schuf, man muss wohl sagen: Gott weiß warum; dass beim einen das Unmögliche ihres Vollzugs, des Vollzugs der Kastration, dazu gelangt, sich von seiner Realität her als bestimmend zu setzen, dass beim anderen das Schlimmste, mit dem sie ihn als möglich bedroht, nicht eintreten muss, um wahr zu sein, in dem Sinne, dass dieser Terminus keinen Ausweg lässt. Allein schon diese Erinnerung impliziert, so scheint es, dass zumindest im Inneren desjenigen Feldes, das offenkundig das unsere ist, keine Harmonie in irgendeiner Weise am Werk ist, wie auch immer sie zu bezeichnen wäre, und dass sich uns gewiss ein bestimmtes Vorhaben aufnötigt, nämlich das eines Diskurses, der dem angemessen wäre.

Um es durchzuführen, werden wir uns gewissermaßen die Frage stellen müssen, von der die gesamte Philosophie ausgegangen ist, nämlich wodurch sich, verglichen mit so vielen Wissensarten, die keineswegs ohne Wert und Wirksamkeit sind, wodurch sich der Diskurs auszeichnen mag, der durch sich selbst | [13] gesichert wäre und der es, indem er sich auf ein Kriterium gründet, das vom Denken nach eigenen Maß gewählt wird, verdienen würde, als epistēmē betitelt zu werden, als Wissenschaft?

Bei dem Vorhaben, das Denken mit sich selbst in Übereinstimmung zu bringen, werden wir zu größerer Vorsicht genötigt und sei es zunächst nur durch die Herausforderung, die ich eben als diejenige bezeichnet habe, die von der Wahrheit an das Reale gerichtet wird. Eine Regel des Denkens, die sich des Nicht-Denkens zu versichern hat, als dem, was seine Ursache sein kann – das ist das, dem wir beim Begriff des Unbewussten gegenüberstehen.

Als Denken bin ich nur von dem her, was von den Worten außerhalb des Sinns ist, und nicht, wie man sich vorstellt und wie die gesamte Phänomenologie es annimmt, vom Sinn her. Mein Denken lässt sich nicht nach meinem Belieben regulieren – ob man nun „leider!“ hinzufügt oder nicht –, es wird geregelt. In meinem Akt versuche ich nicht, es auszudrücken, sondern es zu verursachen. Aber es geht nicht um den Akt. Im Diskurs habe ich nicht seiner Regel zu folgen, sondern seine Ursache zu finden. Im Zwischensinn (l’entresens) – verstehen Sie das als so obszön, wie Sie es sich vorstellen können – ist das Sein des Denkens. Das, was durch mein Denken zu geschehen hat, die Ursache, sie lässt schlicht und einfach das geschehen, was als Sein gewesen ist, und dies deshalb, weil sie da, wo sie sich ereignet hat, sich immer schon in der Weise ereignet hat, dass sie beständig Denkeffekte hervorrief.

„Es regnet (il pleut)“ ist ein Denkereignis, jedes Mal, wenn es geäußert wird, und sein Subjekt ist zunächst dieses il („es“), dieses hile, dieses Hilum, möchte ich sagen, den es in einer gewissen Anzahl von Bedeutungen bildet. Und deshalb kommt dieses „es“ mit allem, was folgt, gut zurecht, denn dieses „es regnet“ können Sie so fortsetzen: „Es regnet erste Wahrheiten“, es regnet: es gibt jede Menge. Vor allem, wenn man la pluie, den Regen, den Meteor, mit [lateinisch] pluvia vermengt, mit aqua pluvia [Regenwasser], dann ist der Regen, das Wasser, das man davon sammelt, der Meteor, günstig für die Metapher. Und warum? Weil er bereits aus Signifikanten besteht. „Es regnet.“

Das Sein des Denkens ist die Ursache eines Denkens, insofern es außerhalb des Sinns ist. Es war bereits – und das immer schon – das Sein eines früheren Denkens.

Nun, das Praktizieren dieser Struktur weist jede Beförderung einer Unfehlbarkeit zurück. Sie hilft sich gerade nur mit dem Riss oder vielmehr durch dessen Prozess selbst. Denn es gibt einen Prozess des Risses, und das ist der Prozess, den das Praktizieren der Struktur zur Hilfe nimmt, aber es könnte ihn nur zur Hilfe nehmen, indem es der Struktur folgt, was jedoch in keiner Weise heißt, sie zu überwinden, außer, um es möglich zu machen, sie in derjenigen Konsequenz zu erfassen, die davon erstarrt, zu der Zeit, an eben dem Punkt, an dem die Reproduktion des Prozesses zu einem Halt kommt. Das heißt, dass sein Resultat durch seine Stillstandszeit gekennzeichnet ist.

[14] Und das erklärt – vermerken wir das hier diskret am Rande –, warum jede Kunst fehlerhaft ist, warum sie aus der Versammlung dessen, was an dem Punkt, an dem ihr Vollendungsstreben  scheitert, eine Höhlung bildet, warum sie aus dieser Versammlung ihre Kraft gewinnt. Und darum sind Musik und Architektur les arts suprêmes, die höchsten Künste – ich verstehe „suprem“ im technischen Sinne, als Maximum im Basalen –, die das Verhältnis der harmonischen Zahl zur Zeit und zum Raum erzeugen, genau unter dem Gesichtspunkt ihrer Unvereinbarkeit. Denn die harmonische Zahl – inzwischen weiß man das gut – ist nur ein Sieb, da es weder das eine noch das andere zurückbehält, weder diese Zeit, noch diesen Raum. Das ist das, worin der Strukturalismus etwas Seriöse ist. Er ist etwas Seriöses, insofern er dies ernst nimmt: das Wissen als Ursache, als Ursache im Denken, am häufigsten, so muss man sagen, und er tut dies am häufigsten für eine wahnhafte Orientierung.

Erschrecken Sie nicht, das sind Eingangsbemerkungen, Erinnerungen an Gewissheiten – keine Wahrheiten. Und bevor ich heute die Schemata einführe, von denen ich ausgehen will, möchte ich anmerken, wenn etwas davon bei Ihnen bereits hängenbleiben sollte, dann ist es das, was ich mich vorhin bemüht habe, über das Wesen der Theorie an die Tafel zu schreiben: Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen. Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist die Funktion des Diskurses und zwar genau insofern – was ihnen als neu erscheinen mag, zumindest als paradox –, als ich es nennen werde „ohne Sprechen“. Es geht um das Wesen der Theorie, denn das ist das, was auf dem Spiel steht.

Was hat es im psychoanalytischen Feld mit der Theorie auf sich? Dazu höre ich um mich herum merkwürdige Echos erklingen. Es mangelt nicht an Missverständnissen, und ich scheine unter dem Vorwand, ein ganzes Feld des Denkens als Manipulation aufzufassen, traditionelle Prinzipien in Frage zu stellen. Ich höre, und so wird das erstaunlicherweise übersetzt – erstaunlicherweise insofern, als das an Orten oder in Köpfen stattfindet, die mir nahestehen –, das wird mit irgendetwas übersetzt, was „theoretische Unmöglichkeit“ heißen soll.

Habe ich nicht sogar einmal irgendwo in einigen Zeilen dies gefunden, dass das, was ich einmal in einem Kontext geäußert habe, der klar sagte, was es bedeutet, dass es kein Diskursuniversum gibt, dass man daraus zu schließen scheint: also warum sollen wir uns dann langweilen?

Sicherlich ist es in meinen Augen nicht so wichtig, das, was ich sage, zu korrigieren, denn zu irgendwelchen Mehrdeutigkeiten bietet das keinen Anlass, und es ist nicht zu sehen, wieso daraus, dass man äußern kann, wieso genau daraus, dass man geäußert hatte, dass es keine Schließung des Diskurses gibt, wieso daraus folgt, dass der Diskurs | [15] unmöglich oder auch nur entwertet wäre – ganz und gar nicht. Genau von daher sind Sie für diesen Diskurs verantwortlich, insbesondere dafür, ihn gut zu führen und dabei dem Rechnung zu tragen, was die Behauptung besagt, dass es kein Diskursuniversum gibt.

In dieser Hinsicht gibt es von meiner Seite aus also sicherlich nichts zu korrigieren. Es geht einfach nur darum, darauf zurückzukommen, um die nächsten Schritte zu tun, ausgehend von den Konsequenzen die sich aus dem bereits vorangeschrittenen Diskurs ergeben, aber vielleicht auch, um auf das zurückzukommen, was dazu führen kann, dass er, wenn man an die Bedingungen dieses Diskurses so gebunden ist, wie das bei einem Analytiker der Fall sein kann, dass er so in jedem Moment sein Scheitern zeigen kann.

Es gab eine Zeit – gestatten Sie mir ein wenig Musik, bevor ich in diesen Bereich eintrete –, in der ich das Beispiel des Topfes gewählt hatte, nicht ohne dass man daraus einen solchen Skandal gemacht hat, dass ich diesen Topf, wenn ich so sagen darf, am Rande meiner Schriften gelassen habe. Es ging um das, wofür der Topf gewissermaßen das spürbare Bild ist, darum, dass er diese Bedeutung ist, durch ihn selbst modelliert, dank derer er gestattet, indem er die Erscheinung einer Form und eines Inhalts manifestiert, in das Denken dies einzuführen, dass die Bedeutung eben der Inhalt (contenu) ist – so als manifestiere das Denken hier das Bedürfnis, sich selbst als etwas vorzustellen, das etwas anderes „zurückhalten (contenir)“ muss, denn das ist das, was der Ausdruck contenir bezeichnet, wenn er anlässlich eines unangemessenen Akts vorgebracht wird.

Ich habe den Topf „Senftopf“ genannt, um darauf aufmerksam zu machen, dass er keineswegs zwangsläufig Senf enthält, sondern seinen Wert als Senftopf vielmehr dadurch erhält, dass er leer ist, von daher nämlich, dass das Wort „Senf“ auf ihm geschrieben steht.

Aber moutarde, Senf, das bedeutet, dass diesem Topf moult lui tarde (dass er vieles erwartet), um als Topf sein ewiges Leben zu erlangen, welches in dem Moment beginnt, in dem er, dieser Topf, ein Loch bekommt. Denn unter diesem Aspekt sammeln wir sie durch die Zeiten hindurch, bei den Ausgrabungen, das heißt, um in den Gräbern das zu suchen, was uns vom Zustand einer Kultur Zeugnis ablegen wird. Der Topf, sagt man, hat zu Ehren des Verstorbenen ein Loch und damit der Lebende sich seiner nicht bedienen kann. Das ist natürlich ein Grund. Aber es gibt vielleicht noch einen weiteren, nämlich den, dass dieses Loch dazu gemacht ist, um zu produzieren, damit dieses Loch sich produziert, womit der Mythos der Danaiden illustriert wird. In diesem Zustand gelangt der Topf dazu, nachdem wir ihn so von seinem Grabesort haben auferstehen lassen, im Regal des Samm- | [16] lers zu thronen, und in diesem Augenblick des Ruhmes geht es ihm, wie es auch Gott geht: in diesem Ruhm enthüllt er genau seine Natur. Die Struktur des Topfes – ich sage nicht seine Materie – erscheint da als das, was sie ist, nämlich als etwas, was der Funktion des Rohres und der Trommel entspricht.

Und wenn wir in der Natur nach Vorformen suchen, werden wir sehen, dass Hörner oder Schnecken auch dann noch da sind, wenn das Leben sie verlassen hat, dass es zeigen muss, was sein Wesen ist, nämlich die Fähigkeit, Töne hervorzubringen.

Ganze Kulturen sind für uns nur noch durch diese kleinen Töpfe repräsentiert, die die Form eines Kopfes haben oder auch irgendeines Tieres, das mit so vielen Zeichen bedeckt ist, die für uns, mangels entsprechender Dokumente, undurchdringlich sind.

Und hier spüren wir, dass die Bedeutung, das Bild, ganz im Außen ist, dass das, was im Inneren gelassen wird, genau das ist, was in dem Grab liegt, wo wir es finden, nämlich kostbare Materialien, Parfüme – Gold, Weihrauch und Myrrhe, wie man sagt.

Der Topf erklärt die Bedeutung dessen, was da ist – und zwar womit? Durch einen Tauschwert oder sagen wir eher durch den Wert eines Austauschs mit einer anderen Welt und mit einer anderen Würde, durch einen Huldigungswert.

Dass wir die Manuskripte vom Toten Meer in Töpfen wiedergefunden haben, lässt uns spüren, dass im Inneren nicht das Signifikat ist, sondern genau der Signifikant, und dass wir es mit ihm zu tun haben, wenn es um das geht, was für uns von Belang ist, nämlich das Verhältnis zwischen dem Diskurs und dem Sprechen bei der Wirksamkeit der Analyse.

Hier bitte ich Sie, mir im Augenblick zu gestatten, einen Kurzschluss vorzunehmen und das einzuführen, was, wie ich denke, Ihnen für dieses Verfahren, das zu Recht oder zu Unrecht als „strukturalistisch“ bezeichnet wird, die Einheit der theoretischen Funktion anschaulich machen wird. Ich werde mich auf Marx berufen, mit dem ich viel Mühe gehabt habe, da ich seit langem deswegen bedrängt werde, weil ich den Vorschlag nicht viel früher eingebracht habe, in ein Feld, in dem er allerdings vollkommen an seinem Platz ist.

Ich will heute, bezogen auf das Objekt a, den Platz einführen, an dem wir seine wesentliche Funktion zu verorten haben. Dabei werde ich, da es notwendig ist, von der Reichweite einer Homologie ausgehen und dabei zunächst an etwas erinnern, was, nicht sehr weit von hier entfernt, in einem Marx-Kommentar vollkommen klar herausgearbeitet worden ist, in neueren Arbeiten, die genau bis hier und bis zur Zurückweisung durch den Autor als strukturalistisch bezeichnet worden sind. Von dem Autor, an den ich eben erinnert habe, wird die Frage gestellt, was das Objekt | [17] des Kapitals ist. Wir werden sehen, was die psychoanalytische Forschung parallel dazu über diesen Punkt zu äußern gestattet.

Marx geht von der Funktion des Marktes aus. Seine Neuartigkeit besteht in dem Platz, an dem er die Arbeit verortet. Was ihm seine Entdeckung ermöglicht, ist nicht, dass die Arbeit neu wäre, sondern dass sie gekauft wird, dass es einen Arbeitsmarkt gibt. Das ermöglicht es ihm, das zu beweisen, was es in seinem Diskurs an Neuem gibt, und was Mehrwert (plus-value) heißt.

Nun ist es so, dass diese Vorgehensweise den revolutionären Akt suggeriert, den man kennt, oder eher, den man ziemlich schlecht kennt, denn es ist nicht sicher, dass die Machtergreifung das herbeigeführt hätte, was ich die von diesem Akt erwartete Subversion des kapitalistischen Subjekts nennen möchte. Aber im Augenblick ist das für uns von geringer Bedeutung. Es ist nicht sicher, ob Marxisten von daher nicht tatsächlich viele wenig günstige Konsequenzen ziehen mussten.

Das Wichtige ist das, was Marx bezeichnet und was seine Vorgehensweise bedeutet. Ob seine Kommentatoren nun Strukturalisten sind oder nicht, auf jeden Fall scheinen sie nachgewiesen zu haben, dass er einer ist, ein Strukturalist.

Denn das ist eigentlich dies: Da er an dem Punkt ist – er als Denkwesen –, an dem Punkt, der durch die Prädominanz des Arbeitsmarktes bestimmt wird, löst sich als Ursache seines Denkens diese Funktion heraus – eine dunkle Funktion, wie man wohl sagen muss, wenn diese Dunkelheit sich in der Verworrenheit der Kommentare erkennen lässt –, nämlich die des Mehrwerts.

Die Identität des Diskurses mit seinen Bedingungen, das ist etwas, so hoffe ich, was von dem her aufgeklärt werden wird, was ich über das analytische Vorgehen sagen werde.

Genauso wenig wie in der Warenproduktion die Arbeit neu war, genauso wenig ist die Absage an das Genießen (renonciation à la jouissance) neu, deren Beziehung zur Arbeit ich hier nicht mehr definieren muss. Denn von Anfang an und ganz im Gegensatz zu dem, was Hegel sagt oder zu sagen scheint, ist es diese Absage, die den Herrn konstituiert, der ganz klar versucht, daraus das Prinzip seiner Macht zu machen. Neu ist, dass es einen Diskurs gibt, der sie artikuliert, diese Absage, und der darin das erscheinen lässt – denn dies ist das Wesen des analytischen Diskurses –, was ich die Funktion der Mehrlust (plus-de-jouir) nennen möchte.

Diese Funktion erscheint durch das Faktum des Diskurses, denn sie weist nach, dass die Absage an das Genießen eine Wirkung des Diskurses ist. Um die Dinge zu akzentuieren, muss man annehmen, dass es im Felde des Anderen diesen Markt gibt, wenn Sie so wollen, der die Verdienste, die Werte, die Organisation der Wahlmöglichkeiten, der Präferenzen totalisiert und der eine ordinale, ja kardinale Struktur impliziert. [18] Der Diskurs enthält insofern die Mittel des Genießens, als er das Subjekt impliziert. Es gäbe keinerlei Subjekträson – in dem Sinne, wie man „Staatsräson“ sagen kann –, wenn es auf dem Markt des Anderen keine Entsprechung gäbe, das heißt, dass eine Mehrlust erzeugt wird, die von einigen in Beschlag genommen wird.

Es braucht einen hinreichend vorangetriebenen Diskurs, um nachzuweisen, wie die Mehrlust von der Äußerung (énonciation) abhängt und also vom Diskurs produziert wird, sodass sie als eine Wirkung erscheint. Aber auch das ist für Ihre Ohren, wenn Sie mich gelesen haben, nichts ganz Neues, denn das ist der Gegenstand meiner Schrift Kant mit Sade, in der nachgewiesen wird, dass die Mehrlust vollständig auf den Akt reduziert wird, der darin besteht, auf das Subjekt den Term a des Phantasmas anzuwenden, wodurch das Subjekt als das angenommen werden kann, was im Begehren Ursache seiner selbst ist.

Ich werde das in der kommenden Zeit ausarbeiten, indem ich auf die Pascal’sche Wette zurückkomme, die so gut das Verhältnis zwischen der Absage an das Genießen und dem Element der Wette veranschaulicht, bei der das Leben in seiner Gänze auf ein Element reduziert wird, das einen Wert hat. Eine merkwürdige Art, den Markt des Genießens einzuführen, ihn, sage ich, in das Feld des Diskurses einzuführen. Aber ist das hier nicht letztlich ein einfacher Übergang im Verhältnis zu dem, wovon wir wir eben gesehen haben, dass es im Lauf der Geschichte die Funktion der Güter übernimmt, die den Toten geweiht sind? Und ist hier für uns nicht auch das, was jetzt zur Diskussion steht? Wir haben mit der Theorie insofern zu tun, als sie genau durch die Einführung dieser Funktion erleichtert wird, nämlich der der Mehrlust.

Um die Mehrlust herum spielt sich die Produktion eines wesentlichen Objekts ab, dessen Funktion jetzt zu definieren ist, nämlich das Objekt a.

Die Grobheit der Echos, die die Einführung dieses Ausdrucks hervorgerufen hat, ist und bleibt für mich die Garantie dafür, dass er tatsächlich zu der Wirkungsordnung gehört, die ich ihm zuweise. Anders gesagt, die Passage ist bekannt, nachgewiesen und berühmt, in der ein Marx während der Zeiten, die er mit der Entwicklung seiner Theorie verbrachte, die Gelegenheit genoss, das, was die lebendige Verkörperung des Verkennens war, schwimmen zu sehen.

Ich habe geäußert: „Der Signifikant ist das, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird.“ Dies wie jede korrekte, das heißt erforderliceh Definition –; es ist erforderlich, dass eine Definition korrekt und dass eine Lehre rigoros ist.

Es ist völlig unzulässig, in dem Moment, in dem die Psychoanalyse aufgerufen ist, etwas dazu zu sagen – glauben Sie nicht, dass ich vorhabe, das zu streichen –, zu der Krise, die das Verhältnis des Studierenden zur Universität durchmacht, es ist undenkbar, dass man darauf mit der Aussage antwortet, es gebe Dinge, die auf keine Weise in einem Wissen definiert werden können. Wenn die Psychoanalyse nicht als ein Wissen geäußert werden kann und nicht als solche gelehrt werden kann, hat sie dort, wo es um nichts anderes geht, ganz streng nichts zu suchen. | [19] Wenn der Wissensmarkt dadurch regelrecht erschüttert ist, dass die Wissenschaft ihm die Werteinheit liefert, die es ermöglicht, das zu erforschen, worum es bei seinem Austausch geht, bis hin zu seinen radikalsten Funktionen, dann geschieht das sicherlich nicht deshalb, damit hier diejenige Instanz, die etwas darüber artikulieren kann, nämlich die Psychoanalyse, sich in der Weise zu präsentieren hätte, dass sie von sich aus abdankt. Sämtliche Termini, die hierfür verwendet werden können, etwa der Terminus der „Nicht-Verbegrifflichung“ oder jedes andere Heraufbeschwören irgendeiner Unmöglichkeit, können jedenfalls nur die Unfähigkeit derjenigen bezeichnen, von denen sie vorgebracht werden.

Dass die Strategie mit der Wahrheit, die das Wesen des Therapeutischen ist, auf keiner anderen speziellen Intervention beruhen kann als auf derjenigen, die „Deutung“ genannt wird, heißt keineswegs, dass an diesem Punkt nicht alle Arten von speziellen Funktionen, von glücklichen Spielen in der Ordnung der Variablen ihre Gelegenheit finden können. Sie haben jedoch nur dann einen Sinn, wenn sie an genau dem Punkt verortet sind, an dem ihnen die Theorie ihr Gewicht verschafft. Das ist hier wirklich das, worum es geht.

Im Diskurs über die Funktion der Absage an das Genießen wird der Terminus des Objekts a eingeführt. Die Mehrlust als Funktion dieser Absage, abhängig von der Wirkung des Diskurses, das ist das, was dem Objekt a seinen Platz verleiht. Durch den Markt, das heißt, dadurch, dass er ein Objekt der menschlichen Arbeit als Ware definiert, trägt jedes Objekt etwas vom Mehrwert in sich. Auf gleiche Weise ist die Mehrlust das, was es ermöglicht, die Funktion des Objekts a zu isolieren.

Was tun wir in der Analyse anderes als dies, durch die Regel einen Diskurs zu installieren, der so ist, dass das Subjekt hier etwas suspendiert, und zwar was? Genau das, was seine Subjektfunktion ist. Das heißt, dass es hier davon dispensiert ist, seinen Diskurs mit einem „ich sage“ zu stützen, denn zu sprechen ist etwas anderes als zu behaupten „Ich sage das, was ich gerade geäußert habe“. Das Subjekt der Aussage (énoncé) sagt „ich sage“, sagt „ich behaupte“, so wie ich es hier in meinem Unterricht tue. Ich artikuliere dieses Sprechen. Es geht nicht um Poesie. Ich sage das, was hier geschrieben steht, und ich kann es sogar in der Form wiederholen – das ist wesentlich –, dass ich, wenn ich es wiederhole, um es zu variieren hinzufüge, dass ich es geschrieben habe.

Und hier ist das Subjekt davon suspendiert, das zu stützen, was es äußert. Wird es also dadurch zu dieser Reinheit des Sprechens gelangen, zu diesem vollen Sprechen, über das ich während einer Zeit der Evangelisierung geredet habe, wie man wohl sagen muss. Denn dieser Diskurs, den man | [20] Rom-Diskurs nennt, an wen anders war er gerichtet als an Ohren, die dem Hören gegenüber ganz und gar verschlossen waren. Ich werde nicht näher kennzeichnen, wie es kam, dass diese Ohren mit diesen undurchlässigen Qualitäten ausgestattet waren, denn das hieße, hier eine Bewertung abzugeben, die nicht anders als beleidigend sein könnte.

Aber beachten Sie dies, als ich über die Freud’sche Sache sprach, ist es mir zugestoßen, mich in etwas zu stürzen, was ich selbst als Prosopopöie bezeichnet habe. Es geht um die Wahrheit, die Folgendes äußert:

„Für euch bin ich also das Rätsel, jenes, das sich, kaum erschienen, sogleich wieder entzieht, ihr Menschen, die ihr euch so sehr bemüht, mich unter den zerschlissenen Kleidern eurer Anständigkeiten zu verbergen. Dennoch, ich gebe zu, dass eure Verlegenheit (embarras) aufrichtig ist …“.

Ich weise darauf hin, dass der Ausdruck „Verlegenheit“, was seine Funktion angeht, anderswo ausgearbeitet worden ist.

„… denn selbst, wenn ihr euch zu meinen Herolden macht, seid ihr es nicht wert, meine Farben zu tragen, nicht mehr als die Kleider, die die euren sind und die euch gleich sind, Phantome, die ihr seid. Wo also werde ich in euch übergehen, wo war ich vor diesem Übergang? Eines Tages werde ich es euch vielleicht sagen.“

Es geht hier um den Diskurs.

„Damit ihr mich aber dort findet, wo ich bin, will ich euch lehren, an welchem Zeichen ich zu erkennen bin. Menschen, höret, ich vertraue euch davon das Geheimnis an. Ich, die Wahrheit, ich spreche (je parle).“

Ich habe keineswegs geschrieben „ich sage (je dis)“.

Das, was spricht, sicherlich, wenn es käme – wie ich ebenfalls ironisch geschrieben habe –, wäre die Analyse natürlich zu Ende. Aber das ist genau das, was entweder nicht geschieht oder was es verdient, wenn es geschieht, auf andere Weise interpunktiert zu werden.

Und deshalb muss man wieder aufgreifen, worum es bei diesem Subjekt geht, das hier durch ein Verfahren in Frage gestellt wird, das ein Kunstgriff ist, ein Artefakt, bei dem es ja aufgefordert worden ist, nicht derjenige zu sein, der alles, was vorgebracht wird, stützt – wobei man jedoch nicht glauben darf, dass es sich auflöst, denn der Psychoanalytiker ist genau dafür da, um es zu repräsentieren, ich meine, um es während der Zeit aufrechtzuerhalten, in der es sich, was die Ursache seines Diskurses angeht, tatsächlich nicht wiederfinden kann.

Und deshalb geht es jetzt darum, sich auf die grundlegenden Formeln zu beziehen, das heißt auf diejenige Formel, die den Signifikanten als das definiert, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird. Was bedeutet das? Ich bin überrascht, dass noch nie jemand hierzu angemerkt hat, dass als Korrolar hieraus folgt, dass ein Signifikant sich nicht selbst repräsentieren kann. Natürlich ist auch das nicht neu, denn in dem, was ich zur Wiederholung artikuliert habe, geht es eben darum. Aber da müssen wir einen Moment lang innehalten, um zu erfassen, wie das hier funktioniert – was kann das hier in diesem Satz bedeuten, dieses „sich selbst“ des Signifikanten?

Beachten Sie, dass ich, wenn ich vom Signifikanten spreche, von etwas Undurchsichtigem spreche. Wenn ich sage, dass man den Signifikanten als das definieren muss, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird, dann bedeutet das, dass nie- | [21] mand darüber etwas wissen wird außer dem anderen Signifikanten, und der andere Signifikant, das ist etwas, was keinen Kopf hat, das ist ein Signifikant.

Das Subjekt ist da sofort erstickt, ausgelöscht –  im selben Moment, in dem es erschienen ist.

Es geht eben darum, zu sehen, warum etwas von diesem Subjekt – das im Auftauchen verschwindet, das von einem Signifikanten produziert wird, um sogleich durch einen anderen ausgelöscht zu werden –, wie sich irgendwo etwas herausbilden kann, was im Grenzfall schließlich als ein Selbstbewusstsein* aufgefasst werden kann, als etwas, das damit zufrieden ist, mit sich selbst identisch zu sein.

Nun, das bedeutet eben genau dies, dass der Signifikant – in welcher Form auch immer er produziert werden mag, in seiner Präsenz des Subjekts wohlgemerkt – sich mit seinem Signifikanten-Repräsentanten nicht wieder verbinden kann, ohne dass sich in der Identität dieser Verlust herstellt, der im strengen Sinne des Wortes Objekt a heißt. Das ist das, was die Theorie von Freud über die Wiederholung aussagt. Wodurch von dem, was die Beziehung zum Genießen ist, nichts identifiziert werden kann, und wodurch vermittels des Zeichens etwas anderes an seine Stelle tritt, nämlich der Zug (trait), der das Genießen markiert; nichts kann hier produziert werden, ohne dass dabei ein Objekt verloren geht.

Ein Subjekt ist das, was von einem Signifikanten für einen anderen Signifikanten repräsentiert werden kann. Aber  wird damit nicht dies nachgezeichnet, dass der Tauschwert das Subjekt, um das es geht – bei dem, was Marx entziffert, nämlich der ökonomischen Wirklichkeit –, dass das Subjekt des Tauschwerts bei was repräsentiert wird? Beim Gebrauchswert. Und in dieser Spalte wird bereits das hergestellt, in diese Spalte fällt bereits das hinein, was Mehrwert genannt wird.

Auf unserer Ebene zählt nur noch dieser Verlust. Fortan nicht mehr mit sich selbst identisch, genießt das Subjekt zwar nicht mehr, jedoch ist etwas verloren, was „Mehrlust“ heißt.

Sie ist ganz streng das Korrelat dessen, dass etwas in das Spiel kommt, was von da an alles determiniert, was mit dem Denken zu tun hat.

Und beim Symptom, um was anderes geht es da als um die mehr oder weniger große Leichtigkeit des Vorgehens in Bezug auf etwas, was das Subjekt zu benennen nicht in der Lage ist, ohne dessen Umkreisung es jedoch, zu was auch immer, nicht voranschreiten könnte, und was nicht nur mit den Beziehungen zu seinen Nächsten zu tun hat, sondern auch mit seiner tiefsten Beziehung, mit derjenigen Beziehung, die man vital nennt, und wofür die ökonomischen Bezüge, die ökonomischen Konfigurationen weitaus geeigneter sind als die gelegentlich weit hergeholten, wenn auch natürlich nicht völlig unpassenden, die sich Freud anboten, das heißt die der Thermodynamik.

Hier also ist das Mittel, das Element, das uns ermöglichen kann, bei dem voranzuschreiten, worum es beim analytischen Diskurs geht.

Wenn wir theoretisch a priori angenommen haben, und sicherlich ohne dass ein langer Rückgriff | [22] nötig war, um diese Prämissen aufzustellen, wenn es in der Definition des Subjekts – als durch das intersignifikante Verhältnis verursacht – um etwas geht, was uns gewissermaßen auf immer verbietet, es zu begreifen, dann ist das hier auch die Gelegenheit, zu erfassen, was ihm diese – sagen wir provisorisch: vorbewusste, nicht unbewusste – Einheit verleiht, diejenige, die es bis jetzt ermöglicht hat, das Subjekt in seiner vorgeblichen Selbstgenügsamkeit zu stützen. Es ist alles andere als selbstgenügsam, vielmehr bildet sich um die Formel $ ◊ a herum – das heißt um Sein von a herum, um die Mehrlust herum – das Verhältnis, das es uns bis zu einem bestimmten Punkt gestattet, zu sehen, wie diese Verlötung sich herstellt, diese Präzipitation, dieses Einfrieren, das dazu führt, dass wir ein Subjekt als Subjekt eines ganzen Diskurses vereinheitlichen können.

Ich werde etwas an die Tafel schreiben, wodurch das, worum es hierbei geht, in gewisser Weise veranschaulicht wird.

Sem 16 - Nr. 1 - Stenotypie JL

Version JL

Seminar 16 - Nr 1a - Miller

Seminar 16 - Nr 1b - Miller

Version Miller

Dies ist das, was sich ausgehend vom Verhältnis eines Signifikanten S1 zu einem anderen Signifikanten S2 ereignet, nämlich dass das Subjekt $, das hier von S1 repräsentiert wird, sich niemals wird erfassen können, wenn irgendein Signifikant in der Kette in eine Beziehung zu dem gebracht werden kann, was jedoch nur ein a ist, nämlich etwas, was in der Beziehung zur Mehrlust fabriziert wird, in der Beziehung zu etwas, was durch die Eröffnung des Spiels des Organismus in der Lage ist, die Gestalt dieser verschwindenden Entitäten anzunehmen, deren Liste ich bereits aufgestellt habe, die von der Brust zur Darmentleerung gehen und von der Stimme zum Blick. Diese a, das ist eine Fabrikation des Diskurses der Absage an das Genießen. Triebfeder dieser Fabrikation ist dies, dass um diese a herum die Mehrlust produziert werden kann.

Sicherlich, wie ich Ihnen bereits zur Pascal’schen Wette gesagt habe, gäbe es auch nur ein Leben jenseits des Todes, auf das zu wetten wäre, das zu gewinnen wäre, dann wäre es das sicherlich wert, dass wir in diesem Leben genügend arbeiten, um zu wissen, wie wir uns im anderen verhalten müssen. Dieser Tausch von Arbeit – in der Wette – gegen eine Mehrlust, gegen etwas, wovon wir wüssten, dass es der Mühe wert wäre, dieser Tausch bildet die treibende Kraft dafür, dass im Grunde die Idee, die Pascal hier  verfolgt – mit der | [23] außergewöhnlichen Blindheit desjenigen, so scheint es, der selbst am Beginn einer Periode der Entfesselung steht –, und die Idee der Marktfunktion einander entsprechen. Wenn er den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt hat, dann sollten wir nicht vergessen, dass er auch derjenige ist, der – selbst in den extremsten Augenblicken seines Rückzugs und seiner Bekehrung – in Paris ein Unternehmen für Pariser Omnibusse gründen wollte. Dieser Pascal weiß nicht, was er sagt, wenn er von einem glücklichen Leben spricht, hier haben wir davon die Verkörperung – was lässt sich mit dem Ausdruck „glücklich“ anderes fassen als genau die Funktion, die sich in der Mehrlust verkörpert?

Und wir müssen auch keine Wetten über das Jenseits abschließen, um zu wissen, was es dort wert ist, wo die Mehrlust in nackter Gestalt enthüllt wird. Das hat einen Namen, das nennt sich Perversion. Und aus diesem Grund gilt, dass „der heiligen Frau ein perverser Sohn“. Es braucht kein Jenseits, um zu sehen, was sich, von einem wesentlichen Spiel des Diskurses her, in der Übermittlung von der einen zum anderen ereignet.

Seminar 16 - Nr 2 - Stenotypie JL

Version JL

Seminar 16 Miller 2

Version Miller

Dies ist also offen die Gestalt, das Schema dessen, was es zu begreifen gestattet, wie sich um das Phantasma herum – das heißt um das Verhältnis der Wiederholung des Signifikanten herum, der das Subjekt im Verhältnis zu sich selbst repräsentiert –, wie sich da herum das abspielt, worum es bei der Produktion von a geht.

Aber umgekehrt nimmt ihr Verhältnis von daher Konsistenz an. Und von daher kommt es, dass sich etwas herstellt, was nicht mehr Subjekt ist und auch nicht mehr Objekt, sondern was sich Phantasma nennt; von daher kommt es, dass von da an die anderen Signifikanten – indem sie sich verketten, verknüpfen und zugleich hier im Bedeutungseffekt einfrieren – diesen Metonymie-Effekt einführen können, der dazu führt, dass dieses Subjekt, welches es auch sein mag – ob es in dem Satz On bat un enfant (Ein Kind wird geschlagen, wörtlich „Man schlägt ein Kind“) auf der Ebene von un enfant (ein Kind) ist, auf der Ebene von bat (schlägt) oder auf der Ebene von on (man) –,  dass dieses Subjekt durch etwas Äquivalentes verlötet wird und zu diesem zusammenhängenden Wesen gemacht wird, von dem wir im Diskurs in unserer Schwäche ein Bild wie ein omnivalentes Bild abgeben, so als könne es ein Subjekt aller Signifikanten geben.

Wenn durch die analytische Regel in dieser Kette etwas hinreichend gelockert werden kann, sodass sich von daher enthüllende Wirkungen einstellen, welchen Sinn, welchen Akzent müssen wir dem geben, damit das eine Tragweite erhält? Das Ideal ist sicherlich dieses mythische „ich spreche“, durch das in der analytischen Erfahrung die Wirkung, das Bild des Erscheinens der Wahrheit hervorgerufen wird.

Und hier geht es eben darum, zu begreifen, dass die ausgesendete Wahrheit hier zwischen zwei | [24] Registern aufgehängt, erfasst ist, denjenigen, deren beide Grenzpunkte ich in genau die beiden Termini gelegt habe, die in diesem Jahr im Titel meines Seminars erscheinen. Denn dieses „oder aber“ bezieht sich auf das Feld, in dem der Diskurs des Subjekts Konsistenz annehmen würde, das heißt auf das Feld des Anderen, das ich als den Ort definiert habe, an den jeder Diskurs zumindest gestellt wird, um sich dem anbieten zu können, was seine Widerlegung ist oder auch nicht ist.

Dass bewiesen werden kann und das auf die einfachste Weise, Sie werden entschuldigen, dass ich heute nicht mehr die Zeit habe, das zu tun – das Problem ist völlig verschoben, wenn man fragt, ob es einen Gott gibt oder nicht, der wie für Descartes das Feld der Wahrheit garantiert3 –, uns genügt dafür, dass bewiesen werden kann, dass es im Felde des Anderen keine Möglichkeit der uneingeschränkten Konsistenz des Diskurses gibt; ich hoffe das beim nächsten Mal für Sie ausführen zu können, und zwar genau in seiner Abhängigkeit von der Existenz des Subjekts. Ich habe das bereits einmal sehr schnell an die Tafel geschrieben. Das ist ein Beweis, den man leicht im ersten Kapitel von dem findet, was „Mengenlehre“ genannt wird. Aber dennoch muss man zeigen, zumindest für einen Teil der hier befindlichen Ohren, inwiefern es stichhaltig ist, für uns Analytiker, bei der Aufhellung der Funktion eines Diskurses wie des unsrigen, eine Funktion einzuführen, die aus einerLogik herausgezogen ist, bei der es wirklich ein Unrecht wäre, zu glauben, dass die Bezeichnung als mathematische Logik eine Art und Weise wäre, sie in den angrenzenden Hörsaal auszugrenzen.

Wenn im Anderen nirgendwo auf irgendeine Weise die Konsistenz dessen gesichert werden kann, was sich Wahrheit nennt, wo ist sie dann also, wenn nicht von daher, dass die Funktion des a für sie bürgt?

Habe ich denn nicht auch bereits bei anderer Gelegenheit vorgebracht, was es mit dem Schrei der Wahrheit auf sich hat? „Ich, die Wahrheit“, habe ich geschrieben, „ich spreche“, und ich bin reine Artikulation, vorgebracht zu Ihrer Verlegenheit. Das ist hier das, was die Wahrheit sagen kann,  um uns zu erschüttern.

Aber was derjenige, der Leiden ist, von daher sagt, dass er diese Wahrheit ist, er muss wissen, dass ihr Schrei nur stummer Schrei ist, Schrei in der Leere, Schrei, den ich bereits vor einiger Zeit mit der berühmten Graphik von Munch illustriert habe. Denn auf dieser Ebene kann ihm beim Anderen nichts anderes antworten als das, wodurch dessen Konsistenz bewirkt wird und was seinen naiven Glaube an das bewirkt, was das Subjekt als Ich (moi) ist, an das, was dessen wahrhafte Stütze ist, das heißt seine Fabrikation als Objekt a.

Ihm gegenüber gibt es nichts als dieses, als das Eins-mehr unter vielen anderen, das auf den Schrei der Wahrheit auf keine andere Weise antworten kann denn so, dass es selbst genau dessen Äquivalent ist: das Nicht-Genießen, das Elend, die Verzweiflung und die Einsamkeit.

Das ist das Gegenstück zu diesem a, zu dieser Mehrlust, die die Kohärenz des Subjekts als Ich (moi) ausmacht.

[25] Etwas anderes gibt es nicht, bis auf dies, dass ich für heute – da ich Sie mit etwas verlassen möchte, was ein wenig mehr zum Lächeln bringt –, dass ich die Worte eines alten Königs aus dem Ekklesiastes aufgreife, eines Königs, der keinen Widerspruch dazwischen sah, der König der Weisheit zu sein und einen Harem zu besitzen, und der Ihnen sagt: „Es ist alles ganz eitel“, gewiss; „genieße der Frau, die du liebst“, das heißt, mache einen Ring aus dieser Höhlung, aus dieser Leere, die im Zentrum deines Seins ist. Es gibt keinen Nächsten außer dieser Höhlung, die in dir ist, das ist die Leere deiner selbst.

Aber in diesem Verhältnis, das sicherlich allein durch die Figur garantiert wird, die es Freud zweifellos ermöglicht hat, diesen ganzen gefährlichen Weg durchzuhalten und uns zu ermöglichen, Verhältnisse aufzuklären, die ohne diesen Mythos nicht erträglich gewesen wären, das göttliche Gesetz, durch welches das Genießen zwischen dem Mann und der Frau in seiner ganzen Primitivität gelassen wird. Worüber man sagen muss: Gib ihr das, was du nicht hast, denn was dich mit ihr vereinen kann, ist einzig ihr Genießen.

Darüber, in der Art eines einfachen, eines totalen, eines religiösen Rätsels, über das, was nur in der Kabbala angegangen wird, will ich Ihnen heute Entlastung erteilen.

Französisch/Deutsch

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe von Seminar 16.

[11] [An der Tafel]

L’essence de la théorie psychanalytique est un discours sans parole.

Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen [parole].

Nous nous retrouvons cette année pour un séminaire dont j’ai choisi le titre D’un Autre à l’autre, pour indiquer ce que seront les grands repères autour de quoi doit, à proprement parler, tourner mon discours.

Wir treffen uns in diesem Jahr zu einem Seminar, für das ich den Titel Von einem Anderen zum anderen gewählt habe, um damit anzuzeigen, was die Hauptbezugspunkte sein werden, um die sich mein Diskurs im strengen Sinne des Wortes drehen soll.

C’est en ceci que ce discours, au point du temps où nous sommes, est crucial : il l’est pour autant qu’il définit ce qu’il en est de ce discours qui s’appelle le discours psychanalytique, dont l’introduction, dont l’entrée en jeu dans ce temps emporte tant de conséquences.

Dieser Diskurs ist, zu dem Zeitpunkt, an dem wir sind, entscheidend, insofern nämlich, als er definiert, worum es bei demjenigen Diskurs geht, der „psychoanalytischer Diskurs“ genannt wird und dessen Einführung, dessen Eintritt ins Spiel zu dieser Zeit so viele Konsequenzen nach sich zieht.

Une étiquette a été mise sur ce4 procès du discours.

Dieses Diskursverfahren ist mit einem Etikett versehen worden.

« Le structuralisme » a-t-on dit, mot qui d’ailleurs n’a pas nécessité5 de la part du publiciste qui soudain – il y a, mon Dieu, un nombre pas tellement grand de mois – l’a poussé6 pour englober un certain nombre, dont le travail depuis longtemps avait tracé quelques avenues de ce discours.

„Der Strukturalismus“, hat man gesagt, ein Wort, das für den Publizisten übrigens nicht notwendig war, der es plötzlich – das ist, mein Gott, noch nicht besonders viele Monaten her – ausgestoßen hat, um eine bestimmte Anzahl von Leuten damit abzudecken, deren Arbeit seit längerem einige Avenuen dieses Diskurses gebahnt hatte.7

Je viens de parler d’un publiciste, chacun sait les jeux de mots que je me suis permis autour de la « poubellication ».

Ich habe eben von einem Publizisten gesprochen; jeder kennt das Wortspiel, das ich mir mit poubellication erlaubt habe.8

Nous voilà donc un certain nombre, de par la grâce de qui c’est l’office, réunis dans la même poubelle.

Eine bestimmte Anzahl von uns findet sich also, durch die Gnade derjenigen, deren Amt das ist, im selben poubelle (Mülleimer) vereinigt.

On pourrait avoir plus désagréable compagnie.

Man könnte unangenehmere Gesellschaft haben.

À la vérité, ceux avec qui je m’y trouve conjoint n’étant que des gens pour le travail desquels j’ai la plus grande estime, je ne saurais, de toute façon, m’en trouver mal.

Diejenigen, mit denen ich mich hier zusammengebracht finde, sind allesamt Leute, für deren Arbeit ich wirklich die größte Wertschätzung habe, es könnte mir dabei in keiner Weise schlecht gehen.

Surtout que pour ce qui est de la poubelle, en ce temps dominé par le génie de Samuel Beckett, nous en connaissons un bout.

Insbesondere da wir uns in dieser Zeit, die vom Genie Samuel Becketts beherrscht wird, mit dem Mülleimer ein wenig auskennen.9, ein wenig auskennen.

Pour moi personnellement, après avoir habité pendant aujourd’hui presque trente ans – en trois sections de 15, de 10 et de 5 ans – dans trois sociétés psychanalytiques, j’en connais un bout sur ce qu’il en est de cohabiter avec les ordures ménagères !

Was mich persönlich angeht, nachdem ich bis heute fast dreißig Jahre lang, in drei Abschnitten von fünfzehn, zehn und fünf Jahren, in drei psychoanalytischen Gesellschaften gelebt habe, weiß ich ein bisschen Bescheid darüber, was es heißt, mit Haushaltsabfällen zusammenzuleben.

Pour ce qui est du structuralisme, à la vérité on comprend le malaise qui peut se produire chez certains du maniement que l’on prétendrait de l’exté- | [12] rieur infliger à notre commun habitat, et aussi bien que l’on puisse avoir l’envie d’en sortir un peu pour se dérouiller les jambes.

Was den Strukturalismus angeht, so versteht man wirklich das Unbehagen, das bei einigen durch die Behandlung hervorgerufen werden kann, die man willens wäre, unserem gemeinsamen Habitat von außen zuzufügen, und ebenso, dass man Lust verspüren kann, ein wenig rauszugehen, um sich die Beine zu vertreten.

Il n’en reste pas moins que depuis que cette impatience semble – selon toute apparence – prendre certains, je m’avise qu’en cette corbeille je ne me trouve après tout pas si mal.

Dennoch ist es so, dass ich bemerke+ – seit diese Ungeduld allem Anschein nach einige zu erfassen scheint –, dass es mir in diesem Korb doch gar nicht so schlecht geht.

Puisque, aussi bien, à mes yeux, il ne me semble pas – ce structuralisme – pouvoir être identifié à autre chose qu’à ce que j’appellerai tout simplement « le sérieux », et à aucun degré – quoi qu’il en soit – à quelque chose qui ressemble à rien de ce que l’on peut appeler une philosophie, si par ce mot l’on désigne une vision du monde, ou même quelque façon d’assurer à droite et à gauche, les positions d’une pensée.

Da es mir in meinen Augen auch nicht so zu sein scheint, dass dieser Strukturalismus mit etwas anderem gleichzusetzen ist als mit dem, was ich ganz einfach „das Seriöse“ nennen möchte, und in keiner Weise – wie auch immer – mit etwas, was dem ähnelt, was man Philosophie nennen kann, wenn man mit diesem Wort eine Weltanschauung bezeichnet oder sogar eine Art und Weise, um die Positionen eines Denkens rechts und links abzusichern.

Qu’il suffise, pour réfuter le premier cas… s’il est vrai que – psychanalyste – je ne pouvais me prétendre d’aucune façon introduire ce qui s’intitule ridiculement une anthropologie psychanalytique …il suffirait de rappeler, à l’entrée même de ce domaine, des vérités constituantes qu’apporte dans ce champ la psychanalyse, c’est à savoir qu’il n’y a pas d’union de l’homme et de la femme sans que la castration : ne détermine, au titre du fantasme, précisément, la réalité du partenaire chez qui elle est impossible, sans qu’elle se joue – la castration – dans cette sorte de recel qui la pose comme vérité chez le partenaire à qui elle est réellement, sauf excès accidentel, épargnée.

Um den ersten Fall zurückzuweisen, möge es genügen – wenn es stimmt, dass ich als Psychoanalytiker mir nicht vornehmen konnte, auf irgendeine Weise in etwas einzuführen, was lächerlicherweise als psychoanalytische Anthropologie betitelt wird –, sollte es genügen, bereits beim ersten Betreten dieses Bereichs an konstituierende Wahrheiten zu erinnern, die die Psychoanalyse in dieses Feld einbringt, nämlich dass es keine Vereinigung von Mann und Frau gibt, ohne dass die Kastration <einerseits> als Phantasma genau die Realität des Partners bei demjenigen bestimmt, bei dem sie unmöglich ist, und ohne dass sie, die Kastration, sich <andererseits> in einer Art Hehlerei abspielt, durch die sie bei demjenigen Partner als Wahrheit angenommen wird, der davon realiter verschont bleibt, von einer zufälligen Überschreitung abgesehen.

Insistons bien que, répandant cette formule de la Genèse que Dieu les créa – il y a aussi le créa – homme et femme, c’est le cas de le dire : Dieu sait pourquoi ! chez l’un, l’impossible de son effectuation – à la castration – vient à se poser comme déterminant de sa réalité, chez l’autre, le pire dont elle le menace comme possible n’a pas besoin d’arriver pour être vrai, au sens où ce terme ne comporte pas de recours.

Beharren wir darauf, die Formel der Genesis ausweitend, dass Gott sie schuf – es gibt auch das „ihn schuf“ –, sie als Mann und als Frau schuf10, man muss wohl sagen: Gott weiß warum; dass beim einen das Unmögliche ihres Vollzugs, des Vollzugs der Kastration, dazu gelangt, sich von seiner Realität her als bestimmend zu setzen, dass beim anderen das Schlimmste, mit dem sie ihn als möglich bedroht, nicht eintreten muss, um wahr zu sein, in dem Sinne, dass dieser Terminus keinen Ausweg lässt.

Ce seul rappel, semble-t-il, implique : qu’au moins au sein du champ qui apparemment est le nôtre, nulle harmonie, de quelque façon que nous ayons à la désigner, n’est d’aucune façon de mise, qu’assurément quelque propos s’impose à nous qui est celui justement du discours qui convient.

Allein schon diese Erinnerung impliziert, so scheint es, dass zumindest im Inneren desjenigen Feldes, das offenkundig das unsere ist, keine Harmonie in irgendeiner Weise am Werk ist, wie auch immer sie zu bezeichnen wäre, und dass sich uns gewiss ein bestimmtes Vorhaben aufnötigt, nämlich das eines Diskurses, der dem angemessen wäre.

Pour le mener, aurons-nous à nous poser – en quelque sorte – la question qui est celle d’où est partie toute la philosophie, c’est qu’au regard de tant de savoirs, non sans valeur et efficace : qu’est-ce qui peut distinguer ce discours de soi-même | [13] assuré, qui se fondant sur un critère que la pensée prendrait dans sa propre mesure, mériterait de s’intituler επιστήμη [epistēmē] , la science ?

Um es durchzuführen, werden wir uns gewissermaßen die Frage stellen müssen, von der die gesamte Philosophie ausgegangen ist, nämlich wodurch sich, verglichen mit so vielen Wissensarten, die keineswegs ohne Wert und Wirksamkeit sind, wodurch sich der Diskurs auszeichnen mag, der durch sich selbst gesichert wäre und der es, indem er sich auf ein Kriterium gründet, das vom Denken nach eigenen Maß gewählt wird, verdienen würde, als epistēmē betitelt zu werden, als Wissenschaft?

Nous sommes portés… ne serait-ce que d’abord par ce défi que je viens de désigner comme celui porté par la vérité au réel …à plus de prudence dans cette démarche de mise en accord de la pensée avec elle-même : une règle de pensée qui a à s’assurer de la non-pensée comme de ce qui peut être sa cause, voilà ce à quoi nous sommes confrontés avec la notion de l’inconscient.

Bei dem Vorhaben, das Denken mit sich selbst in Übereinstimmung zu bringen, werden wir zu größerer Vorsicht genötigt und sei es zunächst nur durch die Herausforderung, die ich eben als diejenige bezeichnet habe, die von der Wahrheit an das Reale gerichtet wird. Eine Regel des Denkens, die sich des Nicht-Denkens zu versichern hat, als dem, was seine Ursache sein kann – das ist das, dem wir beim Begriff des Unbewussten gegenüberstehen.11

Ce n’est qu’à mesure de « l’hors de sens » des propos, et non pas – comme on s’imagine et comme toute la phénoménologie le suppose – du sens, que je suis comme pensée.

Als Denken bin ich nur von dem her, was von den Worten außerhalb des Sinns ist, und nicht, wie man sich vorstellt und wie die gesamte Phänomenologie es annimmt, vom Sinn her.12

Ma pensée n’est pas réglable – que l’on ajoute ou non « hélas ! » – à mon gré, elle est réglée.

Mein Denken lässt sich nicht nach meinem Belieben regulieren – ob man nun „leider!“ hinzufügt oder nicht –, es wird geregelt.

Dans mon acte, je ne vise pas à l’exprimer mais à la causer.

In meinen Akt versuche ich nicht, es auszudrücken, sondern es zu verursachen.

Mais il ne s’agit pas de l’acte : dans le discours, je n’ai pas à suivre sa règle, mais à trouver sa cause.

Aber es geht nicht um den Akt. Im Diskurs habe ich nicht seiner Regel zu folgen, sondern seine Ursache zu finden.13

Dans l’entresens – entendez-le pour si obscène que vous pouvez l’imaginer – est l’être de la pensée.

Im Zwischensinn (l’entresens) – verstehen Sie das als so obszön, wie Sie es sich vorstellen können – ist das Sein des Denkens.

Ce qui est à passer par ma pensée, la cause, elle laisse passer purement et simplement ce qui a été comme être, et ceci du fait que, déjà et toujours, là où elle est passée, elle est passée produisant toujours des effets de pensée.

Das, was durch mein Denken zu geschehen hat, die Ursache, sie lässt schlicht und einfach das geschehen, was als Sein gewesen ist, und dies deshalb, weil sie da, wo sie sich ereignet hat, sich immer schon in der Weise ereignet hat ist, dass sie beständig Denkeffekte hervorrief.

« Il pleut » est événement de la pensée chaque fois qu’il est énoncé, et le sujet en est d’abord ce « il » – ce « hile » dirai-je – qu’il constitue dans un certain nombre de significations.

„Es regnet (il pleut)“ ist ein Denkereignis, jedes Mal, wenn es geäußert wird, und sein Subjekt ist zunächst dieses il („es“), dieses hile, dieses Hilum, möchte ich sagen, den es in einer gewissen Anzahl von Bedeutungen bildet.14

Et c’est pourquoi cet « il » se retrouve à l’aise dans toute la suite car à « il pleut » vous pouvez donner : – « il pleut des vérités premières, il pleut, il y a de l’abus ! »

Und deshalb kommt dieses „es“ mit allem, was folgt, gut zurecht, denn dieses „es regnet“ können Sie so fortsetzen: „Es regnet erste Wahrheiten“, es regnet: es gibt jede Menge.

Surtout à confondre15 la pluie – le météore – avec pluvia, l’aqua pluvia, la pluie, l’eau qu’on en recueille, le météore est propice à la métaphore.

Vor allem, wenn man la pluie, den Regen, den Meteor16, mit [lateinisch] pluvia vermengt, mit aqua pluvia [Regenwasser], dann ist der Regen, das Wasser, das man davon sammelt, der Meteor, günstig für die Metapher.

Et pourquoi ?

Und warum?

Parce que déjà il est fait de signifiants.

Weil er bereits aus Signifikanten besteht.

« Il pleut ».

„Es regnet.“

L’être de la pensée est la cause d’une pensée en tant que hors de sens.

Das Sein des Denkens ist die Ursache eines Denkens, insofern es außerhalb des Sinns ist.

Il était déjà – et toujours – être d’une pensée avant.

Es war bereits – und das immer schon – das Sein eines früheren Denkens.

Or, la pratique de cette structure repousse toute promotion d’aucune infaillibilité.

Nun, das Praktizieren dieser Struktur weist jede Beförderung einer Unfehlbarkeit zurück.

Elle ne s’aide précisément que de la faille ou plutôt de son procès même.

Sie hilft sich gerade nur mit dem Riss oder vielmehr durch dessen Prozess selbst.

Car il y a un procès de la faille – et c’est le procès dont la pratique de la structure s’aide, mais elle ne saurait s’en aider qu’à la suivre, ce qui n’est d’aucune façon la dépasser, sinon à permettre sa saisie dans la conséquence qui s’en fige, au temps, au point même où la reproduction du procès s’arrête.

Denn es gibt einen Prozess des Risses, und das ist der Prozess, den das Praktizieren der Struktur zur Hilfe nimmt, aber es könnte ihn nur zur Hilfe nehmen, indem es der Struktur folgt, was jedoch in keiner Weise heißt, sie zu überwinden, außer, um es möglich zu machen, sie in derjenigen Konsequenz zu erfassen, die davon erstarrt, zu der Zeit, an eben dem Punkt  an dem die Reproduktion des Prozesses zu einem Halt kommt.

C’est dire que c’est son temps d’arrêt qui en marque le résultat.

Das heißt, dass sein Resultat durch seine Stillstandszeit gekennzeichnet ist.

[14] Et c’est ce qui explique – disons-le ici d’une touche discrète en passant – que tout art est défectueux, que c’est du recueil de ce qui, au point où sa défaillance, d’être accomplie se creuse, c’est de ce recueil qu’il prend sa force.

Und das erklärt – vermerken wir das hier diskret am Rande –, warum jede Kunst fehlerhaft ist, warum sie aus der Versammlung dessen, was an dem Punkt, an dem ihr Vollendungsstreben  scheitert, eine Höhlung bildet, warum sie aus dieser Versammlung ihre Kraft gewinnt.

Et c’est pourquoi la musique et l’architecture sont les arts suprêmes… j’entends « suprêmes » techniquement, comme maximum dans le basal17 …produisant la relation du nombre harmonique avec le temps et avec l’espace, sous l’angle précisément de leur incompatibilité.

Und darum sind Musik und Architektur les arts suprêmes, die höchsten Künste – ich verstehe „suprem“ im technischen Sinne, als Maximum im Basalen –, die das Verhältnis der harmonischen Zahl zur Zeit und zum Raum erzeugen, genau unter dem Gesichtspunkt ihrer Unvereinbarkeit.18

Car le nombre harmonique n’est – maintenant on le sait bien – que passoire, à ne retenir ni l’un ni l’autre : ni ce temps, ni cet espace.

Denn die harmonische Zahl, inzwischen weiß man das gut, ist nur ein Sieb, da es weder das eine noch das andere zurückbehält, weder diese Zeit, noch diesen Raum.19

Voilà ce dont le structuralisme est la prise au sérieux.

Das ist das, worin der Strukturalismus etwas Seriöse ist.

Il est la prise au sérieux de ceci : du savoir comme cause, cause dans la pensée, et le plus habituellement, il faut bien le dire, d’une visée délirante.

Er ist etwas Seriöses, insofern er dies ernst nimmt: das Wissen als Ursache, als Ursache im Denken, und er tut dies am häufigsten, so muss man sagen, für eine wahnhafte Orientierung.

Ne vous effrayez pas, ce sont propos d’entrée, rappels de certitudes, non pas de vérités.

Erschrecken Sie nicht, das sind Eingangsbemerkungen, Erinnerungen an Gewissheiten – keine Wahrheiten.

Et je voudrais, avant d’introduire aujourd’hui les schémas d’où j’entends partir, marquer que si quelque chose d’ores et déjà doit vous en rester au creux de la main, c’est ce que j’ai pris soin d’écrire tout à l’heure au tableau sur l’essence de la théorie : L’essence de la théorie psychanalytique est un discours sans parole.

Und bevor ich heute die Schemata einführe, von denen ich ausgehen will, möchte ich anmerken, wenn etwas davon bei Ihnen bereits hängenbleiben sollte, dann ist es das, was ich mich vorhin bemüht habe, über das Wesen der Theorie an die Tafel zu schreiben: Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen.

L’essence de la théorie psychanalytique est la fonction du discours et très précisément en ceci… qui pourra vous sembler nouveau, à tout le moins paradoxal …que je le dirai « sans parole ».

Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist die Funktion des Diskurses und zwar genau insofern – was ihnen als neu erscheinen mag, zumindest als paradox –, als ich es nennen werde „ohne Sprechen“.

Il s’agit de l’essence de la théorie puisque c’est ceci qui est en jeu.

Es geht um das Wesen der Theorie, denn das ist das, was auf dem Spiel steht.

Qu’en est-il de la théorie dans le champ psychanalytique ?

Was hat es im psychoanalytischen Feld mit der Theorie auf sich?

Autour de ceci, j’entends bruire autour de moi d’étranges échos.

Dazu höre ich um mich herum merkwürdige Echos erklingen.

Le malentendu ne manque pas, et sous prétexte qu’à poser tout un champ de la pensée comme manipulation, je semble mettre en cause des principes traditionnels.

Es mangelt nicht an Missverständnissen, und ich scheine unter dem Vorwand, ein ganzes Feld des Denkens als Manipulation aufzufassen, traditionelle Prinzipien in Frage zu stellen.

J’entends et ceci est traduit… étonnamment, pour être dans des lieux ou dans des têtes qui me sont proches …par je ne sais quoi qui s’appellera « de l’impossibilité théorique ».

Ich höre, und so wird das erstaundlicherweise übersetzt – erstaunlicherweise insofern, als das an Orten oder in Köpfen stattfindet, die mir nahestehen –, das wird mit irgendetwas übersetzt, was „theoretische Unmöglichkeit“ heißen soll.

Voire – n’ai-je pas trouvé cela au détour de quelques lignes ? – que ce qu’un jour j’ai énoncé dans un contexte qui disait bien ce que cela voulait dire : qu’il n’y a pas d’univers de discours… « Alors à quoi bon nous fatiguer… » semble-t-on en conclure.

Habe ich nicht sogar einmal irgendwo in einigen Zeilen dies gefunden, dass das, was ich einmal in einem Kontext geäußert habe, der klar sagte, was es bedeutet, dass es kein Diskursuniversum gibt, dass man daraus zu schließen scheint: also warum sollen wir uns dann langweilen?

Sans doute importe-t-il moins à mes yeux de corriger mon dire, car il ne prête à aucune ambiguïté, et on ne voit pas ce en quoi le fait que l’on puisse énoncer – précisément de ce qu’on l’ait énoncé – qu’il n’y a point de clôture du discours, entraine que le discours est pour autant – bien loin de là – ni | [15] impossible, ni même seulement dévalorisé.

Sicherlich ist es in meinen Augen nicht so wichtig, das, was ich sage, zu korrigieren, denn zu irgendwelchen Mehrdeutigkeiten bietet das keinen Anlass, und es ist nicht zu sehen, wieso daraus, dass man äußern kann, wieso genau daraus, dass man geäußert hatte, dass es keine Schließung des Diskurses gibt, wieso daraus folgt, dass der Diskurs unmöglich oder auch nur entwertet wäre – ganz und gar nicht.

C’est précisément à partir de là que de ce discours vous avez la charge, et spécialement celle de le bien conduire, tenant compte de ce que veut dire cet énoncé qu’il n’y a pas d’univers du discours.

Genau von daher sind Sie für diesen Diskurs verantwortlich, insbesondere dafür, ihn gut zu führen und dabei dem Rechnung zu tragen, was die Behauptung besagt, dass es kein Diskursuniversum gibt.

Il n’y a certes donc à cet égard rien de ma part à corriger.

In dieser Hinsicht gibt es von meiner Seite aus also sicherlich nichts zu korrigieren.

Simplement à y revenir pour faire les pas suivants : de ce qui du discours déjà avancé s’induit de conséquences, mais aussi peut-être à revenir sur ce qui peut faire qu’étant attaché autant que peut l’être un analyste aux conditions de ce discours, il peut à tout instant montrer ainsi sa défaillance.

Es geht einfach nur darum, darauf zurückzukommen, um die nächsten Schritte zu tun, ausgehend von den Konsequenzen die sich aus dem bereits vorangeschrittenen Diskurs ergeben, aber vielleicht auch, um auf das zurückzukommen, was dazu führen kann, dass er, wenn man an die Bedingungen dieses Diskurses so gebunden ist, wie das bei einem Analytiker der Fall sein kann, dass er so in jedem Moment sein Scheitern zeigen kann.

Il fut un temps… permettez-moi, avant d’entrer dans ce domaine, un peu de musique …où j’avais pris l’exemple du pot, non sans qu’on en fit un tel scandale que j’ai laissé ce pot, si je puis dire, en marge de mes Écrits.

Es gab eine Zeit – gestatten Sie mir ein wenig Musik, bevor ich in diesen Bereich eintrete –, es gab eine Zeit, in der ich das Beispiel des Topfes gewählt hatte, nicht ohne dass man daraus einen solchen Skandal gemacht hat, dass ich diesen Topf, wenn ich so sagen darf, am Rande meiner Schriften gelassen habe.20

Il s’agissait de ceci, dont le pot est en quelque sorte l’image sensible, qu’il est cette signification, par lui-même modelée, grâce à quoi, manifestant l’apparence d’une forme et d’un contenu, il permet d’introduire dans la pensée que c’est le contenu qui est la signification, comme si la pensée manifestait là ce besoin de s’imaginer comme ayant autre chose à « contenir », car c’est ce que le terme de « contenir » désigne quand il se pointe à propos d’un acte intempestif.

Es ging um das, wofür der Topf gewissermaßen das spürbare Bild ist, darum, dass er diese Bedeutung ist, durch ihn selbst modelliert, dank derer er es gestattet, indem er die Erscheinung einer Form und eines Inhalts manifestiert, in das Denken dies einzuführen, dass die Bedeutung eben der Inhalt (contenu) ist – so als manifestiere das Denken hier das Bedürfnis, sich selbst als etwas vorzustellen, das etwas anderes „zurückhalten (contenir)“ muss, denn das ist das, was der Ausdruck contenir bezeichnet, wenn er anlässlich eines unangemessenen Akts vorgebracht wird.

Le pot, je l’ai appelé « de moutarde » pour faire remarquer que loin d’en contenir forcément, c’est précisément d’être vide qu’il prend sa valeur de pot de moutarde, à savoir que c’est parce que le mot « moutarde » est écrit dessus.

Ich habe den Topf „Senftopf“ genannt, um darauf aufmerksam zu machen, dass er keineswegs zwangsläufig Senf enthält, sondern seinen Wert als Senftopf vielmehr dadurch erhält, dass er leer ist, von daher nämlich, dass das Wort „Senf“ auf ihm geschrieben steht.

Mais « moutarde » qui veut dire que „moult lui tarde“ à ce pot, d’atteindre à sa vie éternelle de pot qui commence au moment où il sera – ce pot – troué.

Aber moutarde, Senf, das bedeutet, dass diesem Topf moult lui tarde (dass er vieles erwartet), um als Topf sein ewiges Leben zu erlangen, welches in dem Moment beginnt, in dem er, dieser Topf, ein Loch bekommt.

Car c’est sous cet aspect, à travers les âges, que nous le recueillons dans les fouilles, à savoir à chercher dans les tombes ce qui nous témoignera de l’état d’une civilisation.

Denn unter diesem Aspekt sammeln wir sie durch die Zeiten hindurch, bei den Ausgrabungen, das heißt, um in den Gräbern das zu suchen, was uns vom Zustand einer Kultur Zeugnis ablegen wird.

Le pot est troué, dit-on, en hommage au défunt et pour que le vivant ne puisse pas s’en servir.

Der Topf, sagt man, hat zu Ehren des Verstorbenen ein Loch und damit der Lebende sich seiner nicht bedienen kann.

Bien sûr, c’est une raison.

Das ist natürlich ein Grund.

Mais il y en a peut-être une autre qui est celle-ci : c’est que c’est ce trou qu’il est fait pour produire, pour que ce trou se produise, illustrant le mythe des Danaïdes.

Aber es gibt vielleicht noch einen weiteren, nämlich den, dass dieses Loch dazu gemacht ist, um zu produzieren, damit dieses Loch sich produziert, womit der Mythos der Danaiden illustriert wird.21

C’est dans cet état que ce pot… quand nous l’avons ainsi de son lieu de sépulture ressuscité …vient trôner sur l’étagère du collection- | [16] neur, et dans ce moment de gloire il en est de lui ce qu’il en est aussi pour Dieu : c’est dans cette gloire qu’il révèle précisément sa nature.

In diesem Zustand gelangt der Topf dazu, nachdem wir ihn so von seinem Grabesort haben auferstehen lassen, im Regal des Sammlers zu thronen, und in diesem Augenblick des Ruhmes geht es ihm, wie es auch Gott geht: in diesem Ruhm enthüllt er genau seine Natur.

La structure du pot – je ne dis pas sa matière – apparaît là ce qu’elle est, à savoir : corrélative de la fonction du tube et du tambour.

Die Struktur des Topfes – ich sage nicht seine Materie – erscheint da als das, was sie ist, nämlich als etwas, was der Funktion des Rohres und der Trommel entspricht.

Et si nous allons chercher dans la nature les préformes, nous verrons que cornes ou conques, c’est encore là, après que la vie ait été extraite, qu’il a à montrer ce qui est son essence, à savoir la capacité sonore.

Und wenn wir in der Natur nach Vorformen suchen, werden wir sehen, dass Hörner oder Schnecken auch dann noch da sind, wenn das Leben sie verlassen hat, dass es zeigen muss, was sein Wesen ist, nämlich die Fähigkeit, Töne hervorzubringen.

Des civilisations entières ne sont plus représentées pour nous que par ces petits pots qui ont la forme d’une tête ou bien encore de quelque animal couvert lui-même de tant de signes pour nous dès lors impénétrables, faute de documents corrélatifs.

Ganze Kulturen sind für uns nur noch durch diese kleinen Töpfe repräsentiert, die die Form eines Kopfes haben oder auch irgendeines Tieres, das mit so vielen Zeichen bedeckt ist, die für uns, mangels entsprechender Dokumente, undurchdringlich sind.

Et ici nous sentons que la signification, l’image, est bien à l’extérieur, que ce qui est à l’intérieur laissé à être est précisément ce qui gît dans la tombe où nous le trouvons, à savoir des matières précieuses : les parfums, l’or, l’encens et la myrrhe, comme on dit.

Und hier spüren wir, dass die Bedeutung, das Bild, ganz im Außen ist, dass das, was im Inneren gelassen wird, genau das ist, was in dem Grab liegt, in dem wir es finden, nämlich kostbare Materialien, Parfüme – Gold, Weihrauch und Myrrhe, wie man sagt.22

Le pot explique la signification de ce qui est là au titre de quoi ?

Der Topf erklärt die Bedeutung dessen, was da ist – und zwar womit?

Au titre d’une valeur d’usage, disons plutôt d’une valeur d’échange avec un autre monde et une autre dignité – d’une valeur d’hommage.

Durch einen Tauschwert oder sagen wir eher durch den Wert eines Austauschs mit einer anderen Welt und mit einer anderen Würde, durch einen Huldigungswert.

Que ce soit dans des pots que nous retrouvions les manuscrits de la mer Morte, voilà qui est fait pour nous faire sentir que ce n’est pas le signifié qui est à l’intérieur, c’est très précisément le signifiant, et que c’est à lui que nous allons avoir affaire quand il s’agit de ce qui nous importe, à savoir le rapport du discours et de la parole dans l’efficience analytique.

Dass wir die Manuskripte vom Toten Meer in Töpfen wiedergefunden haben, lässt uns spüren, dass im Inneren nicht das Signifikat ist, sondern genau der Signifikant, und dass wir es mit ihm zu tun haben, wenn es um das geht, was für uns von Belang ist, nämlich das Verhältnis zwischen dem Diskurs und dem Sprechen bei der Wirksamkeit der Analyse.

Ici, je demande qu’on me permette un court-circuit au moment d’introduire ce qui, je pense, va vous imager l’unité de la fonction théorique dans cette démarche proprement ou improprement appelée « structuraliste ».

Hier bitte ich Sie, mir im Augenblick zu gestatten, einen Kurzschluss vorzunehmen und das einzuführen, was, wie ich denke, Ihnen für dieses Verfahren, das zu Recht oder zu Unrecht als „strukturalistisch“ bezeichnet wird, die Einheit der theoretischen Funktion anschaulich machen wird.

Je ferai appel à Marx dont j’ai eu beaucoup de peine, importuné que j’en suis depuis longtemps, à ne pas – plus tôt – introduire le propos dans un champ où il est pourtant parfaitement à sa place.

Ich werde mich auf Marx berufen, mit dem ich viel Mühe gehabt habe, da ich seit langem deswegen bedrängt werde, weil ich den Vorschlag nicht viel früher eingebracht habe, in ein Feld, in dem er allerdings vollkommen an seinem Platz ist.

Je vais aujourd’hui introduire à propos de l’objet a la place où nous avons à situer sa fonction essentielle.

Ich will heute, bezogen auf das Objekt a, den Platz einführen, an dem wir seine wesentliche Funktion zu verorten haben.

Puisqu’il le faut, c’est d’une portée homologique que je procéderai, et rappellerai d’abord ce qui, par des travaux récents…jusqu’ici justement – et jusqu’au désaveu de l’auteur …désignés comme structuralistes, a été parfaitement mis en évidence, et pas très loin d’ici, dans un commentaire de Marx.

Dabei werde ich, da es notwendig ist, von der Reichweite einer Homologie ausgehen und dabei zunächst an etwas erinnern, was, nicht sehr weit von hier entfernt, in einem Marx-Kommentar vollkommen klar herausgearbeitet worden ist, in neueren Arbeiten, die genau bis hier und bis zur Zurückweisung durch den Autor als strukturalistisch bezeichnet worden sind.23

La question est posée, par l’auteur que je viens d’évoquer, de ce qui est l’objet | [17] du capital.

Von dem Autor, an den ich eben erinnert habe, wird die Frage gestellt, was das Objekt des Kapitals ist.

Nous allons voir ce que, parallèlement, l’investigation psychanalytique permet d’énoncer sur ce point.

Wir werden sehen, was die psychoanalytische Forschung parallel dazu über diesen Punkt zu äußern gestattet.

Marx part de la fonction du marché.

Marx geht von der Funktion des Marktes aus.

Sa nouveauté est la place dont il y situe le travail.

Seine Neuartigkeit besteht in dem Platz, an dem er die Arbeit verortet.

Ce n’est pas que le travail soit nouveau qui lui permet sa découverte, c’est qu’il soit acheté, c’est qu’il y ait un marché du travail.

Was ihm seine Entdeckung ermöglicht, ist nicht, dass die Arbeit neu wäre, sondern dass sie gekauft wird, dass es einen Arbeitsmarkt gibt.

C’est cela qui lui permet de démontrer ce qu’il y a dans son discours d’inaugural, et qui s’appelle la plus-value.

Das ermöglicht es ihm, das zu beweisen, was es in seinem Diskurs an Neuem gibt, und was Mehrwert (plus-value) heißt.

Il se trouve que cette démarche suggère l’acte révolutionnaire que l’on sait, ou plutôt que l’on sait fort mal, car il n’est pas sûr que la prise du pouvoir ait résolu ce que j’appellerai la subversion du sujet – capitaliste – qui est attendue de cet acte.

Nun ist es so, dass diese Vorgehensweise den revolutionären Akt suggeriert, den man kennt, oder eher, den man ziemlich schlecht kennt, denn es ist nicht sicher, dass die Machtergreifung das herbeigeführt hätte, was ich die von diesem Akt erwartete Subversion des kapitalistischen Subjekts nennen möchte.

Mais pour l’instant, peu nous importe.

Aber im Augenblick ist das für uns von geringer Bedeutung.

Il n’est pas sûr que des marxistes n’aient pas eu, de fait à en recueillir bien des conséquences peu fastes.24

Es ist nicht sicher, ob Marxisten von daher nicht tatsächlich viele wenig günstige Konsequenzen ziehen mussten.

L’important, c’est ce que Marx désigne et ce que veut dire sa démarche.

Das Wichtige ist das, was Marx bezeichnet und was seine Vorgehensweise bedeutet.

Que ses commentateurs soient structuralistes ou pas, ils semblent bien pourtant, avoir démontré que lui l’est, structuraliste.

Ob seine Kommentatoren nun Strukturalisten sind oder nicht, auf jeden Fall scheinen sie nachgewiesen zu haben, dass er einer ist, ein Strukturalist.

Car c’est proprement d’être au point – lui, comme être de pensée – d’être au point que détermine la prédominance du marché du travail, que se dégage comme cause de sa pensée cette fonction…obscure, il faut bien le dire, si cette obscurité se reconnaît à la confusion des commentaires …qui est celle de la plus-value.

Denn das ist eigentlich dies: Da er an dem Punkt ist – er als Denkwesen –, an dem Punkt, der durch die Prädominanz des Arbeitsmarktes bestimmt wird, löst sich als Ursache seines Denkens diese Funktion heraus – eine dunkle Funktion, wie man wohl sagen muss, wenn diese Dunkelheit sich in der Verworrenheit der Kommentare erkennen lässt –, nämlich die des Mehrwerts.

L’identité du discours avec ses conditions, voilà qui, j’espère, va trouver éclairage de ce que je vais dire de la démarche analytique.

Die Identität des Diskurses mit seinen Bedingungen, das ist etwas, so hoffe ich, was von dem her aufgeklärt werden wird, was ich über das analytische Vorgehen sagen werde.

Pas plus que le travail n’était nouveau dans la production de la marchandise, pas plus la renonciation à la jouissance… dont je n’ai pas ici plus à définir la relation au travail …n’est nouvelle.

Genauso wenig wie in der Warenproduktion die Arbeit neu war, genauso wenig ist die Absage an das Genießen (renonciation à la jouissance) neu25, deren Beziehung zur Arbeit ich hier nicht mehr definieren muss.26

Puisque dès l’abord, et bien contrairement à ce que dit, ou semble dire Hegel, c’est elle qui constitue le maître qui entend bien en faire le principe de son pouvoir.

Denn von Anfang an und ganz im Gegensatz zu dem, was Hegel sagt oder zu sagen scheint, ist es diese Absage, die den Herrn konstituiert, der ganz klar versucht, daraus das Prinzip seiner Macht zu machen.27

Ce qui est nouveau, c’est qu’il y ait un discours qui l’articule – cette renonciation – et qui y fait apparaître – car c’est là l’essence du discours analytique – ce que j’appellerai la fonction du plus-de-jouir.

Neu ist, dass es einen Diskurs gibt, der sie artikuliert, diese Absage, und der darin das erscheinen lässt – denn dies ist das Wesen des analytischen Diskurses –, was ich die Funktion der Mehrlust (plus-de-jouir) nennen möchte.28

Cette fonction apparaît par le fait du discoursparce que ce qu’elle démontre, c’est dans la renonciation à la jouissance, un effet du discours lui-même.

Diese Funktion erscheint durch das Faktum des Diskurses, denn sie weist nach, dass die Absage an das Genießen eine Wirkung des Diskurses ist.

Pour marquer les choses, il faut supposer qu’au champ de l’Autre, il y ait ce marché, si vous voulez bien, qui totaliseles mérites, les valeurs, l’organisation des choix, des préférences, qui implique une structure ordinale, voire cardinale.

Um die Dinge zu akzentuieren, muss man annehmen, dass es im Felde des Anderen diesen Markt gibt, wenn Sie so wollen, der die Verdienste, die Werte, die Organisation der Wahlmöglichkeiten, der Präferenzen totalisiert und der eine ordinale, ja kardinale Struktur impliziert.29

[18] Le discours détient les moyens de jouir en tant qu’il implique le sujet.

Der Diskurs enthält insofern die Mittel des Genießens, als er das Subjekt impliziert.

Il n’y aurait aucune raison de sujet… au sens où l’on peut dire raison d’État …s’il n’y avait au marché de l’Autre un corrélatif, c’est qu’un plus-de-jouir s’établisse qui est capté par certains.

Es gäbe keinerlei Subjekträson – in dem Sinne, wie man „Staatsräson“ sagen kann –, wenn es auf dem Markt des Anderen keine Entsprechung gäbe, das heißt, dass eine Mehrlust erzeugt wird, die von einigen in Beschlag genommen wird.30

II faut un discours assez poussé pour démontrer comment le plus-de-jouir tient à l’énonciation, donc est produit par le discours, pour qu’il apparaisse comme effet.

Es braucht einen hinreichend vorangetriebenen Diskurs, um nachzuweisen, wie die Mehrlust von der Äußerung (énonciation) abhängt und also vom Diskurs produziert wird, sodass sie als eine Wirkung erscheint.

Mais aussi bien ce n’est pas là chose tellement nouvelle à vos oreilles si vous m’avez lu, car c’est l’objet de mon écrit Kant avec Sade où est faite la démonstration de la totale réduction de ce plus-de-jouir à l’acte d’appliquer sur le sujet ce qu’est le terme a du fantasme, par quoi le sujet peut être posé comme cause-de-soi dans le désir.

Aber auch das ist für Ihre Ohren, wenn Sie mich gelesen haben, nichts ganz Neues, denn das ist der Gegenstand meiner Schrift Kant mit Sade, in der nachgewiesen wird, dass die Mehrlust vollständig auf den Akt reduziert wird, der darin besteht, auf das Subjekt den Term a des Phantasmas anzuwenden, wodurch das Subjekt als das angenommen werden kann, was im Begehren Ursache seiner selbst ist.31

J’élaborerai ceci dans les temps qui viendront par un retour sur ce pari de Pascal qui illustre si bien le rapport de la renonciation à la jouissance à cet élément de pari où la vie dans sa totalité elle-même se réduit à un élément de valeur.

Ich werde das in der kommenden Zeit ausarbeiten, indem ich auf die Pascal’sche Wette zurückkomme, die so gut das Verhältnis zwischen der Absage an das Genießen und dem Element der Wette veranschaulicht, bei der das Leben in seiner Gänze auf ein Element reduziert wird, das einen Wert hat.32

Étrange façon d’inaugurer le marché de la jouissance – de l’inaugurer dis-je bien – dans le champ du discours.

Eine merkwürdige Art, den Markt des Genießens einzuführen, ihn, sage ich, in das Feld des Diskurses einzuführen.

Mais après tout, n’est-ce pas là une simple transition avec ce que nous avons vu dans l’histoire s’inscrire tout à l’heure dans cette fonction des biens voués aux morts ?

Aber ist das hier nicht letztlich ein einfacher Übergang im Verhältnis zu dem, wovon wir wir eben gesehen haben, dass es im Lauf der Geschichte die Funktion der Güter übernimmt, die den Toten geweiht sind?

Aussi bien n’est-ce pas là pour nous ce qui est maintenant en question.

Und ist hier für uns nicht auch das, was jetzt zur Diskussion steht?

Nous avons affaire à la théorie en tant qu’elle s’allège précisément de l’introduction de cette fonction qui est celle du plus-de-jouir.

Wir haben mit der Theorie insofern zu tun, als sie genau durch die Einführung dieser Funktion erleichtert wird, nämlich der der Mehrlust.

Autour du plus-de-jouir se joue la production d’un objet essentiel dont il s’agit maintenant de définir la fonction, c’est l’objet a.

Um die Mehrlust herum spielt sich die Produktion eines wesentlichen Objekts ab, dessen Funktion jetzt zu definieren ist, nämlich das Objekt a.

La grossièreté des échos qu’a reçu l’introduction de ce terme est et reste pour moi la garantie qu’il est bien en effet de l’ordre d’efficace que je lui confère.

Die Grobheit der Echos, die die Einführung dieses Ausdrucks hervorgerufen hat, ist und bleibt für mich die Garantie dafür, dass er tatsächlich zu der Wirkungsordnung gehört, die ich ihm zuweise.

Autrement dit, le passage est connu, repéré et célèbre où un Marx savourait, dans les temps qu’il mettait au développement de sa théorie, l’occasion de voir nager ce qui était l’incarnation vivante de la méconnaissance.

Anders gesagt, die Passage ist bekannt, nachgewiesen und berühmt, in der ein Marx während der Zeiten, die er mit der Entwicklung seiner Theorie verbrachte, die Gelegenheit genoss, das, was die lebendige Verkörperung des Verkennens war, schwimmen zu sehen.33

J’ai énoncé « Le signifiant est ce qui représente un sujet pour un autre signifiant ».

Ich habe geäußert: „Der Signifikant ist das, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird.“

Ceci comme toute définition correcte, c’est-à-dire exigible, il est exigible qu’une définition soit correcte et qu’un enseignement soit rigoureux.

Dies wie jede korrekte, das heißt erforderliche Definition –; es ist erforderlich, dass eine Definition korrekt und dass eine Lehre rigoros ist.

Il est tout à fait intolérable… au moment où la psychanalyse est appelée à donner à quelque chose – ne croyez pas que j’ai l’intention de l’élider – à la crise que traverse le rapport de l’étudiant à l’Université …il est impensable qu’on réponde par l’énoncé qu’il y a des choses que l’on ne saurait d’aucune façon définir en un savoir.

Es ist völlig unzulässig, in dem Moment, in dem die Psychoanalyse aufgerufen ist, etwas dazu zu sagen – glauben Sie nicht, dass ich vorhabe, das zu streichen –, zu der Krise, die das Verhältnis des Studierenden zur Universität durchmacht, es ist undenkbar, dass man darauf mit der Aussage antwortet, es gebe Dinge, die auf keine Weise in einem Wissen definiert werden können.

Si la psychanalyse ne peut s’énoncer comme un savoir et s’enseigner comme telle, elle n’a strictement que faire, là où il ne s’agit pas d’autre chose.

Wenn die Psychoanalyse nicht als ein Wissen geäußert werden kann und nicht als solche gelehrt werden kann, hat sie dort, wo es um nichts anderes geht, ganz streng nichts zu suchen.

[19] Si le marché des savoirs est très proprement ébranlé par le fait que la science lui apporte cette unité de valeur qui permet de sonder ce qu’il en est de son échange, jusqu’à ses fonctions les plus radicales, ce n’est certes pas pour qu’ici ce qui peut en articuler quelque chose – à savoir la psychanalyse – ait à se présenter par sa propre démission.

Wenn der Wissensmarkt dadurch regelrecht erschüttert ist, dass die Wissenschaft ihm die Werteinheit liefert, die es ermöglicht, das zu erforschen, worum es bei seinem Austausch geht, bis hin zu seinen radikalsten Funktionen, dann geschieht das sicherlich nicht deshalb, damit hier diejenige Instanz, die etwas darüber artikulieren kann, nämlich die Psychoanalyse, sich in der Weise zu präsentieren hätte, dass sie von sich aus abdankt.

Tous les termes qui peuvent être employés à ce propos… qu’ils soient ceux de « non conceptualisation », ou toute autre évocation de je ne sais quelle « impossibilité » …ne peuvent désigner en tout cas que l’incapacité de ceux qui les promeuvent.

Sämtliche Termini, die hierfür verwendet werden können, etwa der Terminus der „Nicht-Verbegrifflichung“ oder jedes andere Heraufbeschwören irgendeiner Unmöglichkeit, können jedenfalls nur die Unfähigkeit derjenigen bezeichnen, von denen sie vorgebracht werden.

Ce n’est pas pour la raison que ce n’est dans nulle intervention particulière autre que celle dite « interprétation » que peut résider la stratégie avec la vérité qui est l’essence de la thérapeutique, qu’en ce point assurément toutes sortes de fonctions particulières, de jeux heureux, dans l’ordre de la variable peuvent trouver leur opportunité.34

Dass die Strategie mit der Wahrheit, die das Wesen des Therapeutischen ist, auf keiner anderen speziellen Intervention beruhen kann als auf derjenigen, die „Deutung“ genannt wird, heißt keineswegs, dass an diesem Punkt nicht alle Arten von speziellen Funktionen, von glücklichen Spielen in der Ordnung der Variablen ihre Gelegenheit finden können.

Mais ils n’ont de sens qu’à se situer au point précis où la théorie leur donne leur poids.

Sie haben jedoch nur dann einen Sinn, wenn sie an genau dem Punkt verortet sind, an dem ihnen die Theorie ihr Gewicht verschafft.

Voici ici, bel et bien, ce dont il s’agit.

Das ist hier wirklich das, worum es geht.

C’est dans le discours sur la fonction de la renonciation à la jouissance que s’introduit le terme de l’objet a.

Im Diskurs über die Funktion der Absage an das Genießen wird der Terminus des Objekts a eingeführt.

Le plus-de-jouir comme fonction de cette renonciation sous l’effet du discours, voilà qui donne sa place à l’objet a.

Die Mehrlust als Funktion dieser Absage, abhängig von der Wirkung des Diskurses, das ist das, was dem Objekt a seinen Platz verleiht.

Tel le marché, c’est à savoir à ce qu’il définit quelque objet du travail humain comme marchandise, tel chaque objet porte en lui-même quelque chose de la plus-value.

Durch den Markt, das heißt dadurch, dass er ein Objekt der menschlichen Arbeit als Ware definiert, trägt jedes Objekt etwas vom Mehrwert in sich.

Ainsi le plus de jouir est-il ce qui permet l’isolement de la fonction de l’objet a.

Auf gleiche Weise ist die Mehrlust das, was es ermöglicht, die Funktion des Objekts a zu isolieren.

Que faisons-nous dans l’analyse, sinon d’instaurer par la règle un discours tel que le sujet y suspende quoi ?

Was tun wir in der Analyse anderes als dies, durch die Regel35 einen Diskurs zu installieren, der so ist, dass das Subjekt hier etwas suspendiert, und zwar was?

Ce qui précisément est sa fonction de sujet.

Genau das, was seine Subjektfunktion ist.

C’est-à-dire qu’il y soit dispensé de soutenir son discours d’un « je dis », car c’est autre chose de parler que de poser : « je dis ce que je viens d’énoncer ».

Das heißt, dass es hier davon dispensiert ist, seinen Diskurs mit einem „ich sage“ zu stützen, denn zu sprechen ist etwas anderes als zu behaupten „Ich sage das, was ich gerade geäußert habe“.

Le sujet de l’énoncé dit « je dis », dit « je pose » comme ici je fais dans mon enseignement.

Das Subjekt der Aussage (énoncé) sagt „ich sage“, sagt „ich behaupte“, so wie ich es hier in meinem Unterricht tue.

J’articule cette parole.

Ich artikuliere dieses Sprechen.

Ce n’est pas de la poésie.

Es geht nicht um Poesie.

Je dis ce qui est ici écrit et je peux même le répéter – ce qui est essentiel – sous la forme où, le répétant pour varier, j’ajoute que je l’ai écrit.

Ich sage das, was hier geschrieben steht, und ich kann es sogar in der Form wiederholen – das ist wesentlich –, dass ich, wenn ich es wiederhole, um es zu variieren hinzufüge, dass ich es geschrieben habe.

Voici ce sujet dispensé de soutenir ce qu’il énonce.

Und hier36 ist das Subjekt davon suspendiert, das zu stützen, was es äußert.

Est-ce donc par là qu’il va arriver à cette pureté de la parole, cette parole pleine dont j’ai parlé dans un temps d’évangélisation – il faut bien le dire.

Wird es also dadurch zu dieser Reinheit des Sprechens gelangen, zu diesem vollen Sprechen, über das ich während einer Zeit der Evangelisierung geredet habe, wie man wohl sagen muss.37

Car le discours qu’on appelle | [20] Discours de Rome, à qui était-il adressé d’autre qu’aux oreilles les plus fermées à l’entendre.

Denn dieser Diskurs, den man Rom-Diskurs nennt, an wen anders war er gerichtet als an Ohren, die dem Hören gegenüber ganz und gar verschlossen waren.

Je ne qualifierai pas ce qui faisait ces oreilles pourvues de ces qualités opaques, ce serait là porter une appréciation qui ne saurait être d’aucune façon qu’offensante.

Ich werde nicht näher kennzeichnen, wie es kam, dass diese Ohren mit diesen undurchlässigen Qualitäten ausgestattet waren, denn das hieße, hier eine Bewertung abzugeben, die nicht anders als beleidigend sein könnte.

Mais observez ceci, c’est que parlant de la Chose freudienne, il m’est arrivé de me lancer dans quelque chose que moi-même j’ai appelé une prosopopée.

Aber beachten Sie dies, als ich über die Freud’sche Sache sprach38, ist es mir zugestoßen, mich in etwas zu stürzen, was ich selbst als Prosopopöie bezeichnet habe.

Il s’agit de la véritéqui énonce :« Je suis donc pour vous l’énigme, celle qui se dérobe aussitôt apparue, hommes qui tant vous entendez à me dissimulersous les oripeauxde vos convenances. Je n’en admets pas moins que votre embarras soit sincère. »

Es geht um die Wahrheit, die Folgendes äußert: „Für euch bin ich also das Rätsel, jenes, das sich, kaum erschienen, sogleich wieder entzieht, ihr Menschen, die ihr euch so sehr bemüht, mich unter den zerschlissenen Kleidern eurer Anständigkeiten zu verbergen. Dennoch, ich gebe zu, dass eure Verlegenheit (embarras) aufrichtig ist …“.39

Je note que le terme « embarras » a été pointé pour sa fonction ailleurs.

Ich weise darauf hin, dass der Ausdruck „Verlegenheit“, was seine Funktion angeht, anderswo ausgearbeitet worden ist.40

« Car même quand vous vous faites mes hérauts, vous ne valez pas plus à porter mes couleurs que ces habits qui sont les vôtres et pareils à vous-même, fantômes que vous êtes.

„… denn selbst, wenn ihr euch zu meinen Herolden macht, seid ihr es nicht wert, meine Farben zu tragen, nicht mehr als die Kleider, die die euren sind und die euch gleich sind, Phantome, die ihr seid.

Où vais-je donc passer en vous, où étais-je avant ce passage ?

Wo also werde ich in euch übergehen, wo war ich vor diesem Übergang?

Peut-être un jour vous le dirai-je. »

Eines Tages werde ich es euch vielleicht sagen.“

Il s’agit là du discours.

Es geht hier um den Diskurs.

« Mais pour que vous me trouviez où je suis, je vais vous apprendre à quel signe me reconnaître.

„Damit ihr mich aber dort findet, wo ich bin, will ich euch lehren, an welchem Zeichen ich zu erkennen bin.

Hommes, écoutez, je vous en donne le secret. Moi la vérité, je parle. »

Menschen, höret, ich vertraue euch davon das Geheimnis an. Ich, die Wahrheit, ich spreche (je parle).“

Je n’ai point écrit « je dis ».

Ich habe keineswegs geschrieben „ich sage (je dis)“.

Ce qui parle assurément, s’il venait – comme je l’ai écrit ironiquement aussi – l’analyse, bien entendu, serait close.

Das, was spricht, sicherlich, wenn es käme – wie ich ebenfalls ironisch geschrieben habe –, wäre die Analyse natürlich zu Ende.

Mais c’est justement : ou ce qui n’arrive pas,ou ce qui, quand cela arrive, mérite d’être ponctué d’une façon différente.

Aber das ist genau das, was entweder nicht geschieht oder was es verdient, wenn es geschieht, auf andere Weise interpunktiert zu werden.

Et pour cela, il faut reprendre ce qu’il en est de ce sujet qui est ici mis en question par un procédé d’artifice, auquel il a été demandé en effet, de n’être pas celui qui soutient tout ce qui est avancé, ne pas croire pourtant qu’il se dissipe, car le psychanalyste est très précisément là pour le représenter, je veux dire pour le maintenir tout le temps qu’il ne peut pas, en effet, se retrouver quant à la cause de son discours.

Und deshalb muss man wieder aufgreifen, worum es bei diesem Subjekt geht, das hier durch ein Verfahren in Frage gestellt wird, das ein Kunstgriff ist, ein Artefakt, bei dem es ja aufgefordert worden ist, nicht derjenige zu sein, der alles, was vorgebracht wird, stützt – wobei man jedoch nicht glauben darf, dass es sich auflöst, denn der Psychoanalytiker ist genau dafür da, um es zu repräsentieren, ich meine, um es während der Zeit aufrechtzuerhalten, in der es sich, was die Ursache seines Diskurses angeht, tatsächlich nicht wiederfinden kann.41

Et c’est ainsi qu’il s’agit, maintenant, de se rapporter aux formules fondamentales, à savoir celle qui définit le signifiant comme étant ce qui représente un sujet pour un autre signifiant.

Und deshalb geht es jetzt darum, sich auf die grundlegenden Formeln zu beziehen, das heißt auf diejenige Formel, die den Signifikanten als das definiert, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird.

Qu’est-ce que ceci veut dire ?

Was bedeutet das?

Je suis surpris que jamais personne n’ait à ce propos encore remarqué qu’il en résulte, comme corollaire, qu’un signifiant ne saurait se représenter lui-même.

Ich bin überrascht, dass noch nie jemand hierzu angemerkt hat, dass als Korrolar hieraus folgt, dass ein Signifikant sich nicht selbst repräsentieren kann.

Bien sûr, ceci n’est pas nouveau non plus car dans ce que j’ai articulé autour de la répétition, c’est bien de cela qu’il s’agit.

Natürlich ist auch das nicht neu, denn in dem, was ich zur Wiederholung artikuliert habe, geht es eben darum.

Mais là, nous avons à nous arrêter un instant pour bien le saisir sur le vif – qu’est-ce que cela peut vouloir dire ici, au détour de cette phrase, que ce « lui-même » du signifiant ?

 Aber da müssen wir einen Moment lang innehalten, um zu erfassen, wie das hier funktioniert – was kann hier in diesem Satz bedeuten, dieses „sich selbst“ des Signifikanten?

Observez bien que, quand je parle du signifiant, je parle de quelque chose d’opaque.

Beachten Sie, dass ich, wenn ich vom Signifikanten spreche, von etwas Undurchsichtigem spreche.

Quand je dis qu’il faut définir le signifiant comme « ce qui représente un sujet pour un autre signifiant », cela veut dire que per- | [21] sonne n’en saura rien sauf l’autre signifiant, et l’autre signifiant ça n’a pas de tête, c’est un signifiant.

Wenn ich sage, dass man den Signifikanten als das definieren muss, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird, dann bedeutet das, dass niemand darüber etwas wissen wird außer dem anderen Signifikanten, und der andere Signifikant, das ist etwas, was keinen Kopf hat, das ist ein Signifikant.42

Le sujet est là étouffé, effacé, aussitôt en même temps qu’apparu.

Das Subjekt ist da sofort erstickt, ausgelöscht – im selben Moment, in dem es erschienen ist.

Il s’agit justement de voir pourquoi quelque chose de ce sujet…qui disparaît d’être surgissant, produit par un signifiant pour aussitôt s’éteindre dans un autre…comment quelque part ce quelque chose peut se constituer et qui peut à la limite se faire prendre à la finpour un Selbstbewusstsein, pour quelque chose qui se satisfait d’être identique à soi-même.

Es geht eben darum, zu sehen, warum etwas von diesem Subjekt – das im Auftauchen verschwindet, das von einem Signifikanten produziert wird, um sogleich durch einen anderen ausgelöscht zu werden –, wie sich irgendwo etwas herausbilden kann, was im Grenzfall schließlich als ein Selbstbewusstsein* aufgefasst werden kann, als etwas, das damit zufrieden ist, mit sich selbst identisch zu sein.

Or, très précisément ce que ceci veut dire, c’est que le signifiant… sous quelque forme que ce soit qu’il se produise, dans sa présence de sujet bien entendu … ne saurait se rejoindre dans son représentant de signifiant sans que se produise cette perte dans l’identité qui s’appelle à proprement parler l’objet a.

Nun, das bedeutet eben genau dies, dass der Signifikant – in welcher Form auch immer er produziert werden mag, in seiner Präsenz des Subjekts wohlgemerkt – sich mit seinem Signifikanten-Repräsentanten nicht wieder verbinden kann, ohne dass sich in der Identität dieser Verlust herstellt, der im strengen Sinne des Wortes Objekt a heißt.

C’est ce que désigne la théorie de Freud concernant la répétition.

Das ist das, was die Theorie von Freud über die Wiederholung aussagt.

Moyennant quoi : rien n’est identifiable de ce quelque chose qui est le recours à la jouissance auquel, par la vertu du signe, quelque chose d’autre vient à sa place, c’est-à-dire le trait qui la marque, rien ne peut là se produire sans qu’un objet n’y soit perdu.

Wodurch von dem, was die Beziehung zum Genießen ist, nichts identifiziert werden kann, und wodurch vermittels des Zeichens etwas anderes an seine Stelle tritt, nämlich der Zug (trait), der das Genießen markiert; nichts kann hier produziert werden, ohne dass dabei ein Objekt verloren geht.

Un sujet c’est ce qui peut être représenté par un signifiant pour un autre signifiant.

Ein Subjekt ist das, was von einem Signifikanten für einen anderen Signifikanten repräsentiert werden kann.

Mais est-ce que ce n’est pas là quelque chose de calqué sur le fait que, valeur d’échange… le sujet dont il s’agit, dans ce que Marx déchiffre, à savoir la réalité économique …le sujet de la valeur d’échange est représenté auprès – de quoi ? – de la valeur d’usage.

Aber  wird damit nicht dies nachgezeichnet, dass der Tauschwert das Subjekt, um das es geht – bei dem, was Marx entziffert, nämlich der ökonomischen Wirklichkeit –, dass das Subjekt des Tauschwerts bei was repräsentiert wird? Beim Gebrauchswert.43

Et c’est déjà dans cette faille que se produit, que choit, ce qui s’appelle la plus-value.

Und in dieser Spalte wird bereits das hergestellt, in diese Spalte fällt bereits das hinein, was Mehrwert genannt wird.44

Ne compte plus à notre niveau que cetteperte.

Auf unserer Ebene zählt nur noch dieser Verlust.

Non identique désormais à lui-même, le sujet, certes ne jouit plus mais quelque chose est perdu qui s’appelle le « plus de jouir ».

Fortan nicht mehr mit sich selbst identisch, genießt das Subjekt zwar nicht mehr, jedoch ist etwas verloren, was „Mehrlust“ heißt.

Il est strictement corrélatif à l’entrée en jeu de ce qui dès lors détermine tout ce qu’il en est dela pensée.

Sie ist ganz streng das Korrelat dessen, dass etwas in das Spiel kommt, was von da an alles determiniert, was mit dem Denken zu tun hat.

Et dans le symptôme de quoi s’agit-il d’autre, à savoir du plus ou moins aisé de la démarche autour de ce quelque chose que le sujet est bien incapable de nommer… mais sans le tour de quoi il ne saurait même, à quoi que ce soit, procéder, qui n’a pas seulement affaire aux relations avec ses semblables mais à sa relation la plus profonde, à sa relation qu’on appelle vitale, et pour lequel les références, les configurations économiques sont autrement plus propices que celles, lointaines en l’occasion, quoique bien sûr non tout à fait impropres, qui sont celles qui s’offraient à Freud, celles de la thermodynamique.

Und beim Symptom, um was anderes geht es da als um die mehr oder weniger große Leichtigkeit des Vorgehens in Bezug auf etwas, was das Subjekt zu benennen nicht in der Lage ist, ohne dessen Umkreisung es jedoch, zu was auch immer, nicht voranschreiten könnte, und was nicht nur mit den Beziehungen zu seinen Nächsten zu tun hat, sondern auch mit seiner tiefsten Beziehung, mit derjenigen Beziehung, die man vital nennt, und wofür die ökonomischen Bezüge, die ökonomischen Konfigurationen weitaus geeigneter sind als die gelegentlich weit hergeholten, wenn auch natürlich nicht völlig unpassenden, die sich Freud anboten, das heißt die der Thermodynamik.45

Voici donc le moyen, l’élément qui peut nous permettre d’avancer dans ce dont il s’agit concernant le discours analytique.

Hier also ist das Mittel, das Element, das uns ermöglichen kann, bei dem voranzuschreiten, worum es beim analytischen Diskurs geht.

Si nous avons posé théoriquement a priori… et sans aucun doute, sans avoir | [22] eu besoin d’une longue récursion pour constituer ces prémisses …s’il s’agit dans la définition du sujet, comme causé par le rapport intersignifiant, de quelque chose qui en quelque sorte nous interdit à jamais de le saisir, voici aussi l’occasion d’apercevoir ce qui lui donne cette unité… disons-la provisoirement préconsciente, non pas inconsciente …celle qui a permis jusqu’à présent de soutenir le sujet dans sa prétendue suffisance.

Wenn wir theoretisch a priori angenommen haben, und sicherlich ohne dass ein langer Rückgriff nötig war, um diese Prämissen aufzustellen, wenn es in der Definition des Subjekts – als durch das intersignifikante Verhältnis verursacht – um etwas geht, was uns gewissermaßen auf immer verbietet, es zu begreifen, dann ist das hier auch die Gelegenheit, zu erfassen, was ihm diese – sagen wir provisorisch: vorbewusste, nicht unbewusste – Einheit verleiht, diejenige, die es bis jetzt ermöglicht hat, das Subjekt in seiner vorgeblichen Selbstgenügsamkeit zu stützen.

Loin qu’il soit suffisant : c’est autour de la formule S ◊ a, c’est à savoir c’est autour de l’être de l’ a, c’est autour du plus de jouir, que se constitue le rapport qui nous permet, jusqu’à un certain point, de voir se faire cette soudure, cette précipitation, ce gel qui fait que nous pouvons unifier un sujet comme sujet de tout un discours.

Es ist alles andere als selbstgenügsam, vielmehr bildet sich um die Formel $ ◊ a herum – das heißt um Sein von a herum, um die Mehrlust herum – das Verhältnis, das es uns bis zu einem bestimmten Punkt gestattet, zu sehen, wie diese Verlötung sich herstellt, diese Präzipitation, dieses Einfrieren, das dazu führt, dass wir ein Subjekt als Subjekt eines ganzen Diskurses vereinheitlichen können.

Je ferai au tableau quelque chose qui figure d’une certaine façon ce dont il s’agit en l’occasion.

Sem 16 - Nr. 1 - Stenotypie JL

Version JL

Seminar 16 - Nr 1a - Miller

Seminar 16 - Nr 1b - Miller

Version Miller

Ich werde etwas an die Tafel schreiben, wodurch das, worum es hierbei geht, in gewisser Weise veranschaulicht wird.

Voici ce qui se passe du rapport d’un signifiant S1 à un autre signifiant S2, à savoir que le sujet $ – représenté ici par S1 – jamais ne saura se saisir dès lors qu’un signifiant quelconque dans la chaîne peut être mis en rapport avec ce qui n’est pourtant qu’un a, à savoir ce qui se fabrique dans ce rapport au plus de jouir, dans ce quelque chose qui se trouve, par ouverture du jeu de l’organisme, pouvoir prendre figure de ces entités évanouissantes, dont j’ai déjà donné la liste, qui vont du sein à la déjection et de la voix au regard.46

Dies ist das, was sich ausgehend vom Verhältnis eines Signifikanten S1 zu einem anderen Signifikanten S2 ereignet, nämlich dass das Subjekt $, das hier von S1 repräsentiert wird, sich niemals wird erfassen können, wenn irgendein Signifikant in der Kette in eine Beziehung zu dem gebracht werden kann, was jedoch nur ein a ist, nämlich etwas, was in der Beziehung zur Mehrlust fabriziert wird, in der Beziehung zu etwas, was durch die Eröffnung des Spiels des Organismus in der Lage ist, die Gestalt dieser verschwindenden Entitäten anzunehmen, deren Liste ich bereits aufgestellt habe, die von der Brust zur Darmentleerung gehen und von der Stimme zum Blick.47

Ces a c’est la fabrication du discours de la renonciation à la jouissance.

Diese a, das ist eine Fabrikation des Diskurses der Absage an das Genießen.

Le ressort de cette fabrication est ceci : c’est qu’autour d’eux peut se produire le plus de jouir.

Triebfeder dieser Fabrikation ist dies, dass um diese a herum die Mehrlust produziert werden kann.

Qu’assurément si déjà, à propos du pari de Pascal, je vous ai dit que… n’y aurait-il même qu’une vie à parier, à gagner au-delà de la mort …cela vaudrait bien que nous travaillions dans celle-ci assez pour savoir comment nous conduire dans l’autre.

Sicherlich, wie ich Ihnen bereits zur Pascal’schen Wette 48 gesagt habe, gäbe es auch nur ein Leben jenseits des Todes, auf das zu wetten wäre, das zu gewinnen wäre, dann wäre es das wert, dass wir in diesem Leben genügend arbeiten, um zu wissen, wie wir uns im anderen verhalten müssen.

Dans cet échange de travail – dans le pari – avec un plus de jouir, avec quelque chose dont nous saurions qu’il en vaut la peine, se trouve le ressort de ceci, c’est qu’au fond même de l’idée que Pascal manie… semble-t-il, | [23] avec l’extraordinaire aveuglement de celui qui est lui-même au début d’une période de déchaînement …et celle de la fonction du marché sont corrélatives.49

Dieser Tausch von Arbeit – in der Wette – gegen eine Mehrlust, gegen etwas, wovon wir wüssten, dass es der Mühe wert wäre, dieser Tausch bildet die treibende Kraft dafür, dass im Grunde die Idee50, die Pascal hier  verfolgt – mit der außergewöhnlichen Blindheit desjenigen, so scheint es, der selbst am Beginn einer Periode der Entfesselung steht –, und die Idee der Marktfunktion einander entsprechen.

S’il a introduit le discours scientifique, n’oublions pas qu’il est aussi celui qui voulait… aux moments, même les plus extrêmes de sa retraite et de sa conversion …inaugurer à Paris une Compagnie des omnibus parisiens.

Wenn er den wissenschaftlichen Diskurs eingeführt hat, dann sollten wir nicht vergessen, dass er auch derjenige ist, der – selbst in den extremsten Augenblicken seines Rückzugs und seiner Bekehrung51 – in Paris ein Unternehmen für Pariser Omnibusse gründen wollte.52

Ce Pascal ne sait pas ce qu’il dit quand il parle d’une vie heureuse, nous en avons là l’incarnation : quoi d’autre sous le terme d’« heureux » est saisissable sinon précisément cette fonctionqui s’incarne dans le plus de jouir ?

Dieser Pascal weiß nicht, was er sagt, wenn er von einem glücklichen Leben spricht, hier haben wir davon die Verkörperung – was lässt sich mit dem Ausdruck „glücklich“ anderes fassen als genau die Funktion, die sich in der Mehrlust verkörpert?

Et aussi bien nous n’avons pas besoin de parier sur l’au-delà pour savoir ce qu’il en vaut là où le plus de jouir se dévoile sous une forme nue.

Und wir müssen auch keine Wetten über das Jenseits abschließen, um zu wissen, was es dort wert ist, wo die Mehrlust in nackter Gestalt enthüllt wird.

Ça a un nom, ça s’appelle la perversion.

Das hat einen Namen, das nennt sich Perversion.

Et c’est bien pour cela qu’« à sainte femme fils pervers ».

Und deshalb gilt dass „der heiligen Frau ein perverser Sohn“.

Nul besoin de l’au-delà pour voir ce qui se passe dans la transmission de l’une à l’autre d’un jeu du discours essentiel.

Es braucht kein Jenseits, um zu sehen, was sich, von einem wesentlichen Spiel des Diskurses her, in der Übermittlung von der einen zum anderen ereignet.

Voici donc ouverte la figure, le schéma de ce qui permet de concevoir comment c’est autour du fantasme… à savoir du rapport de la réitération du signifiant qui représente le sujet par rapport à lui-même …que se joue ce qu’il en est de la production du a.

Seminar 16 - Nr 2 - Stenotypie JL

Version JL

Seminar 16 Miller 2

Version Miller

Dies ist also offen die Gestalt, das Schema dessen, was es zu begreifen gestattet, wie sich um das Phantasma herum – das heißt um das Verhältnis der Wiederholung des Signifikanten herum, der das Subjekt im Verhältnis zu sich selbst repräsentiert –, wie sich da herum das abspielt, worum es bei der Produktion von a geht.

Mais inversement, de ce fait leur rapport prend consistance.

Aber umgekehrt nimmt ihr Verhältnis von daher Konsistenz an.

Et c’est de ce qu’il se produit quelque chose, qui n’est plus ni sujet ni objet, mais qui s’appelle fantasme, que dès lors les autres signifiants peuvent – s’enchaînant, s’articulant et du même coup ici, se gelant dans l’effet de signification – introduire cet effet de métonymie qui fait que ce sujet quel qu’il soit… – qu’il soit – dans la phrase « On bat un enfant » – qu’il soit au niveau53 du « un enfant », – au niveau du « bat », – au niveau du « on » …quelque chose d’équivalent soude ce sujetet, le fait cet être solidaire54 dont dans le discours nous avons la faiblesse de donner l’image comme une image omnivalente, comme s’il pouvait y avoir un sujet de tous les signifiants.

Und von daher kommt es, dass sich etwas herstellt, was nicht mehr Subjekt ist und auch nicht mehr Objekt, sondern was sich Phantasma nennt; von daher kommt es, dass von da an die anderen Signifikanten – indem sie sich verketten, verknüpfen und zugleich hier im Bedeutungseffekt einfrieren – diesen Metonymie-Effekt einführen können, der dazu führt, dass dieses Subjekt, welches es auch sein mag – ob es in dem Satz On bat un enfant (Ein Kind wird geschlagen, wörtlich „Man schlägt ein Kind“) auf der Ebene von un enfant (ein Kind) ist, auf der Ebene von bat (schlägt) oder auf der Ebene von on (man) –,  dass dieses Subjekt durch etwas Äquivalentes verlötet wird und zu diesem zusammenhängenden Wesen gemacht wird, von dem wir im Diskurs in unserer Schwäche ein Bild wie ein omnivalentes Bild abgeben, so als könne es ein Subjekt aller Signifikanten geben.55

Si quelque chose, de par la règle analytique, peut être relâché dans cette chaîne assez pour que s’en produisent des effets révélateurs, quel sens, quel accent devons-nous lui donner pour que ceci prenne une portée ?

Wenn durch die analytische Regel in dieser Kette etwas hinreichend gelockert werden kann, sodass sich von daher enthüllende Wirkungen einstellen, welchen Sinn, welchen Akzent müssen wir dem geben, damit das eine Tragweite erhält?

L’idéal sans doute c’est ce « Je parle » mythique qui fera, dans l’expérience analytique effet, image, d’apparition de la vérité.

Das Ideal ist sicherlich dieses mythische „ich spreche“, durch das in der analytischen Erfahrung die Wirkung, das Bild des Erscheinens der Wahrheit hervorgerufen wird.

C’est ici justement qu’il s’agit de comprendre que cette vérité émise est là suspendue, prise entre deux | [24] registres qui sont ceux dont précisément j’ai posé les deux bornes dans les deux termes qui figurent au titre de mon séminaire cette année.56

Und hier geht es eben darum, zu begreifen, dass die ausgesendete Wahrheit hier zwischen zwei Registern aufgehängt, erfasst ist, denjenigen, deren beide Grenzpunkte ich in genau die beiden Termini gelegt habe, die in diesem Jahr im Titel meines Seminars erscheinen.57

Car cet « ou bien… » fait référence au champ où le discours du sujet prendrait consistance, c’est-à-dire au champ de l’Autre, qui est celui que j’ai défini pour ce lieu où tout discours au moins se pose pour pouvoir s’offrir à ce qui est ou non sa réfutation.58

Denn dieses „oder aber“ bezieht sich auf das Feld, in dem der Diskurs des Subjekts Konsistenz annehmen würde, das heißt auf das Feld des Anderen, das ich als den Ort definiert habe, an den jeder Diskurs zumindest gestellt wird, um sich dem anbieten zu können, was seine Widerlegung ist oder auch nicht ist.

Qu’il puisse se démontrer, et sous la forme la plus simple… vous m’excuserez de n’avoir pas le temps de le faire aujourd’hui …que le problème est totalement déplacé de savoir s’il est ou non un Dieu qui garantisse, comme pour Descartes, le champ de la vérité : il nous suffit qu’il puisse se démontrer qu’au champ de l’Autre il n’y a pas de possibilité d’entière consistance du discours, et ceci j’espère pouvoir la prochaine fois vous l’articuler précisément en fonction de l’existence du sujet.

Dass bewiesen werden kann und das auf die einfachste Weise, Sie werden entschuldigen, dass ich heute nicht mehr die Zeit habe, das zu tun – das Problem ist völlig verschoben, wenn man fragt, ob es einen Gott gibt oder nicht, der wie für Descartes das Feld der Wahrheit garantiert59 –, uns genügt dafür, dass bewiesen werden kann, dass es im Felde des Anderen keine Möglichkeit der uneingeschränkten Konsistenz des Diskurses gibt; ich hoffe das beim nächsten Mal für Sie ausführen zu können, und zwar genau in seiner Abhängigkeit von der Existenz des Subjekts.

Je l’ai déjà une fois écrit très rapidement au tableau.

Ich habe das bereits einmal sehr schnell an die Tafel geschrieben.

C’est une démonstration très aisée à trouver au premier chapitre de ce qu’on appelle « la théorie des ensembles ».

Das ist ein Beweis, den man leicht im ersten Kapitel von dem findet, was „Mengenlehre“ genannt wird.

Mais encore faut-il… au moins pour une part des oreilles qui sont ici …montrer en quoi il est pertinent d’introduire dans l’élucidation de la fonction d’un discours comme celui qui est le nôtre, à nous analystes, quelque fonction extraite d’une logique, dont ce serait tout à fait un tort que de croire que c’est une façon de l’exclure dans l’amphithéâtre voisin que de l’appeler logique mathématique.

Aber dennoch muss man zeigen, zumindest für einen Teil der hier befindlichen Ohren, inwiefern es stichhaltig ist, für uns Analytiker, bei der Aufhellung der Funktion eines Diskurses wie des unsrigen, eine Funktion einzuführen, die aus einerLogik herausgezogen ist, bei der es wirklich ein Unrecht wäre, zu glasuben, dass die Bezeichnung als mathematische Logik eine Art und Weise wäre, sie in den angrenzenden Hörsaal auszugrenzen.

Si nulle part dans l’Autre ne peut être assurée d’aucune façon la consistance de ce qui s’appelle vérité,où donc est-elle sinon à ce qu’en réponde cette fonction du a ?

Wenn im Anderen nirgendwo auf irgendeine Weise die Konsistenz dessen gesichert werden kann, was sich Wahrheit nennt, wo ist sie dann also, wenn nicht von daher, dass die Funktion des a für sie bürgt?

Aussi bien n’ai-je pas déjà à quelque autre occasion émis ce qu’il en est du cri de la vérité ?

Habe ich denn nicht auch bereits bei anderer Gelegenheit vorgebracht, was es mit dem Schrei der Wahrheit auf sich hat?

« Moi la vérité  », ai-je écrit, « je parle  », et je suis pure articulation émise pour votre embarras.

„Ich, die Wahrheit“, habe ich geschrieben, „ich spreche“, und ich bin reine Artikulation, vorgebracht zu Ihrer Verlegenheit.

C’est là – pour nous émouvoir – ce que peut dire la vérité.

Das ist hier das, was die Wahrheit sagen kann, um uns zu erschüttern.

Digital Photo File Name: MM74706.tif Online Publications Edited By Steven Paneccasio for TOAH 1-14-2016

Edvard Munch, Skrik, 1895, Lithographie, 35,7 x 23,6 cm

Mais ce que dit celui60 qui est souffrance d’être cette vérité, celui-là doit savoir que son cri n’est que cri muet, cri dans le vide, cri que déjà dans un temps j’ai illustré de la gravure célèbre de Munch.

Aber was derjenige, der Leiden ist, von daher sagt, dass er diese Wahrheit ist, er muss wissen, dass ihr Schrei nur stummer Schrei ist, Schrei in der Leere, Schrei, den ich bereits vor einiger Zeit mit der berühmten Graphik von Munch illustriert habe.61

Parce qu’à ce niveau rien d’autre ne peut lui répondre chez l’Autre, que ce qui fait sa consistance et sa foi naïve de ce qu’il est comme moi, c’est à savoir ce qui en est le véritable support, à savoir sa fabrication comme objet a.

Denn auf dieser Ebene kann ihm beim Anderen nichts anderes antworten als das, wodurch dessen Konsistenz bewirkt wird und was seinen naiven Glaube an das bewirkt, was das Subjekt als Ich (moi) ist, an das, was dessen wahrhafte Stütze ist, das heißt seine Fabrikation als Objekt a.

En face de lui, il n’y a rien que celui-là, que l’un-en-plus parmi tant d’autres, et qui ne peut d’aucune façon répondre à ce cri de la vérité sinon qu’il est très précisément son équivalent, la non-jouissance, la misère, la détresse et la solitude.

Ihm gegenüber gibt es nichts als dieses, als das Eins-mehr unter vielen anderen, das auf den Schrei der Wahrheit auf keine andere Weise antworten kann denn so, dass es selbst genau dessen Äquivalent ist: das Nicht-Genießen, das Elend, die Verzweiflung und die Einsamkeit.

C’est la contrepartie de ce a, de ce plus de jouir qui, du sujet en tant que moi, fait la cohérence.

Das ist das Gegenstück zu diesem a, zu dieser Mehrlust, die die Kohärenz des Subjekts als Ich (moi) ausmacht.

| [25] Il n’y a rien d’autre, à moins que… pour aujourd’hui, vouloir vous quitter sur quelque chose qui fasse sourire un peu plus …que je reprenne les paroles, dans l’Ecclésiaste, d’un vieux roi qui ne voyait pas de contradiction entre être le roi de la sagesse et posséder un harem, qui vous dit :

Etwas anderes gibt es nicht, bis auf dies, dass ich für heute – da ich Sie mit etwas verlassen möchte, was ein wenig mehr zum Lächeln bringt –, dass ich die Worte eines alten Königs aus dem Ekklesiastes62 aufgreife, eines Königs, der keinen Widerspruch dazwischen sah, der König der Weisheit zu sein und einen Harem zu besitzen63, und der Ihnen sagt:

« Tout est vanité », sans doute, « jouis de la femme que tu aimes », c’est-à-dire fais anneau de ce creux, de ce vide qui est au centre de ton être.

„Es ist alles ganz eitel“64, gewiss; „genieße der Frau, die du liebst“65, das heißt, mache einen Ring aus dieser Höhlung, aus dieser Leere, die im Zentrum deines Seins ist.

Il n’y a pas de prochain si ce n’est ce creux même qui est en toi, c’est le vide de toi-même

Es gibt keinen Nächsten außer dieser Höhlung, die in dir ist, das ist die Leere deiner selbst.

Mais dans ce rapport assurément seulement garanti par la figure qui permit à Freud sans doute de se tenir à travers tout ce chemin périlleux et de nous permettre d’éclaircir des rapports qui, sans ce mythe, n’auraient pas été autrement supportables, la Loi divine qui laisse dans son entière primitivité cette jouissance entre l’homme et la femme.

Aber in diesem Verhältnis, das sicherlich allein durch die Figur garantiert wird, die es Freud ermöglicht hat, diesen ganzen gefährlichen Weg durchzuhalten und uns zu ermöglichen, Verhältnisse aufzuklären, die ohne diesen Mythos nicht erträglich gewesen wären, das göttliche Gesetz, durch welches das Genießen zwischen dem Mann und der Frau in seiner ganzen Primitivität gelassen wird.

Dont il faut dire : Donne-lui ce que tu n’as pas, puisque ce qui peut t’unir à elle, c’est seulement sa jouissance.

Worüber man sagen muss: Gib ihr das, was du nicht hast, denn was dich mit ihr vereinen kann, ist einzig ihr Genießen.66

C’est là-dessus… qu’à la façon d’une simple, d’une totale, d’une religieuse, énigme, de celle qui n’est approchée que dans la Cabale …je vous donnerai aujourd’hui quitus.

Darüber, in der Art eines einfachen, eines totalen, eines religiösen Rätsels, über etwas, was nur in der Kabbala angegangen wird, will ich Ihnen heute Entlastung erteilen.

Paraphrase der Passagen über Mehrlust und Mehrwert

Einfügungen in eckigen Klammern und grüner Schrift: meine Erläuterungen.

Einfügungen in eckigen Klammern mit einem Fragezeichen zu Beginn und grünem Texthintergrund: meine Fragen.

Zahlen in eckigen Klammern und grauer Schrift verweisen auf die Seiten von Millers Ausgabe von Seminar 16.

 

[11] An der Tafel:
„Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen“

Strukturalismus

Ausgangspunkt ist der Begriff „Strukturalismus“. Unter diesem Etikett ist Lacan mit Althusser und mit anderen zusammengebracht worden. [Das bezieht sich vermutlich auf die im selben Jahr – also 1968 – von François Wahl herausgegebene Buchreihe Que’est-ce que le structuralisme?.] Lacan akzeptiert diese Klassifizierung.

[12] Der Strukturalismus, sagt Lacan, ist keine Philosophie und keine Weltanschauung, sondern „das Seriöse“.

Das entscheidende Merkmal der Psychoanalyse ist für ihn der Bezug auf die Kastration. Die Beziehung zwischen den Geschlechtern ist durch den Kastrationskomplex vermittelt. Ein Mann bezieht sich auf eine Frau von dem Phantasma aus, dass ihre Realität durch die Kastration bestimmt ist, obwohl die Kastration bei ihr etwas Unmögliches ist [? also etwas Reales?]. Eine Frau bezieht sich auf einen Mann in der Weise, dass für sie seine Wahrheit die Kastration ist, obwohl er realiter davon verschont bleibt. Das heißt, in den Beziehungen zwischen den Geschlechtern gibt es keine Harmonie. Von daher stellt sich die Frage nach einem Diskurs, der dem angemessen wäre.

[13] Beim [psychoanalytischen] Diskurs geht es darum, dessen Ursache zu finden [Objekt a als Ursache des Begehrens]. Zu finden ist diese Ursache in der Dimension des Seins des Denkens, nicht in der Dimension des Sinns des Denkens [in der Ebene der énonciation, der Äußerung rätselhafter Signifikanten, nicht in der Ebene der énoncé, des Ausgesagten]. Die Ursache des Diskurses ist zu finden in den Worten, die außerhalb des Sinns sind, im „Zwischensinn“ (l’entresens). Dies ist die Struktur, die der Psychoanalytiker praktiziert [die Psychoanalyse als Praxis hat die Funktion, solche rätselhaften Signifikanten auftauchen zu lassen, etwa in Träumen oder Fehlleistungen].

Der Strukturalismus ist etwas Seriöses (sérieux) in dem Sinne, wie die Folge der harmonischen Zahlen eine harmonische Reihe (série) ist. [Die harmonische Reihe verweist auf die Wiederholung. Das für Lacan entscheidende Merkmal einer Struktur ist die Wiederholung.]

Der Strukturalismus ist insofern etwas Seriöses, als er dies ernstnimmt: das Wissen als Ursache im Denken, vor allem für eine wahnhafte Orientierung. [? Den Hinweis auf den Wahn verstehe ich nicht.]

Mehrwert und Mehrlust

[16] Lacan stellt, wie er sagt, einen „Kurzschluss“ her, um die Einheit dessen anzuzeigen, was man „Strukturalismus“ nennt, nämlich eine Beziehung zwischen Psychoanalyse und Marx. Dabei bezieht er sich auf einen Marx-Kommentar [nämlich auf Das Kapital lesen von Louis Althusser u.a., Paris 1965].

Der Vergleichspunkt ist die Frage nach dem Objekt, nach dem Objekt | [17] des Kapitals einerseits und nach dem Objekt, mit dem die Psychoanalyse es zu tun hat, andererseits.

[Was ist das Objekt / das Ziel des Kapitals?] Lacan referiert die Marxsche Konzeption des Mehrwerts (plus-value): Der Mehrwert entsteht durch die Differenz zwischen dem Wert der Ware Arbeitskraft [dem Wert, der zur Reproduktion dieser Ware notwendig ist] und dem Wert, der von der Arbeitskraft geschaffen wird. [Das Objekt des Kapitals ist also der Mehrwert.]

Diese Konzeption des Mehrwerts ist strukturalistisch; Althusser u.a. haben das in ihrem Kommentar gezeigt.

Lacan führt dann das Konzept renonciation à la jouissance ein, „Verzicht auf das Genießen“ oder „Absage an das Genießen“. [Der Ausdruck ist juristischer Herkunft, er meint im rechtlichen Kontext den erklärten Verzicht auf die Nutzung einer Sache. Meine Übersetzung mit „Absage“ soll daran erinnern, dass es Lacan um eine Sprachwirkung geht, um eine Wirkung des Diskurses.]

Dieser Begriff ist nicht neu. [? Meint er den Begriff „Genießen“ oder „Verzicht auf das Genießen“?]

Das, was den Herrn konstituiert, ist die Absage an das Genießen [bzw. der Verzicht auf die Nutzung, insofern er den Gewinn (den Mehrwert) nicht konsumiert, sondern re-investiert], daraus versucht der Herr, das Prinzip seiner Macht zu machen – im Gegensatz zu dem, was Hegel sagt [für den es der Herr ist, der – im Unterschied zum Knecht – den Genuss hat]. „Was Hegel sagt oder zu sagen scheint“ [denn anderseits wird der Herr, Hegel zufolge, dadurch zum Herrn, dass er im Kampf auf Leben und Tod sein Leben riskiert und insofern, könnte man sagen, auf das Genießen verzichtet].

Neu ist, dass es einen Diskurs gibt [den psychoanalytischen Diskurs], der die Absage an das Genießen artikuliert und damit hier die Funktion der Mehrlust (plus-de-jouir) erscheinen lässt. Diese Mehrlust ist das Wesen des analytischen Diskurses. [Die Übersetzung von plus-de-jouir mit dem deutschen Wort „Mehrlust“ stammt von Lacan, er trägt sie in der nächsten Sitzung vor.] [„Mehrlust“ konnotiert also: Absage das Genießen, Verzicht auf das Genießen, analog zum Mehrwert.]

[An der Tafel stand: „Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprcchen“. Jetzt erfährt man: Das Wesen des analytischen Diskurses ist die Mehrlust.] [? Ist psychoanalytischer Diskurs = pschoanalytische Theorie? Kann man vermuten: Die Mehrlust, das Wesen des psychoanalytischen Diskurses, ist ein Diskurs ohne Sprechen? Ich nehme an, dass ja. Das hieße: Die Mehrlust, das Wesen des psychoanalytischen Diskurses / der psychoanalytischen Theorie, ist etwas, wo das Sprechen an eine Grenze stößt, etwas Reales.]

Die Absage an das Genießen ist eine Wirkung des Diskurses.

[18] Der Diskurs enthält die Mittel des Genießens / die Genussmittel, insofern er das Subjekt impliziert. [Die Mittel des Genießens sind, nehme ich an, die Signifikanten als Grundlage der Wiederholung.]

„Es gäbe keinerlei Subjekträson – in dem Sinne, wie man ‚Staatsräson‘ sagen kann –, wenn es auf dem Markt des Anderen keine Entsprechung gäbe, nämlich dass eine Mehrlust erzeugt wird, die von einigen in Beschlag genommen wird.“ Die Mehrlust wird vom Anderen in Beschlag genommen [analog zum Mehrwert, der vom Kapitalisten angeeignet wird].

„Es braucht einen hinreichend vorangetriebenen Diskurs, um nachzuweisen, wie die Mehrlust von der Äußerung (énonciation) abhängt und also vom Diskurs produziert wird, sodass sie als Wirkung erscheint.“ Hier bezieht Lacan sich offenbar seine eigenen theoretischen Bemühungen. [Die Mehrlust – die Absage an das Genießen – hängt von der Äußerung ab, von der Artikulation des Unbewussten im Wiederholungszwang.]

Mehrlust und Objekt a

Die Mehrlust spielt sich um die Produktion des Objekts a ab.

[19] Entscheidende Bemerkung: „Im Diskurs über die Funktion der Absage an das Genießen wird der Terminus des Objekts a eingeführt. Die Mehrlust als Funktion dieser Absage, abhängig von der Wirkung des Diskurses, das ist das, was dem Objekt a seinen Platz gibt.“ [Festzuhalten ist: Mehrlust und Objekt a sind nicht dasselbe. Die Mehrlust gibt dem Objekt a seinen Platz. Die Frage ist damit, was ist mit diesem Platzgeben gemeint. Auf jeden Fall heißt es, dass das Objekt a von der Mehrlust aus gebildet wird und von daher zu begreifen ist.]

Jede Ware trägt etwas Mehrwert in sich. So ist auch das Verhältnis von Mehrlust und Objekt a [d.h das Objekt a trägt etwas Mehrlust in sich].

[Insgesamt also:

– Mehrlust meint: Absage an das Genießen / Verzicht auf das Nutznießen, analog zum Mehrwert.

– Die Absage an das Genießen ist eine Wirkung des Diskurses.

– Die Mehrlust gibt dem Objekt a seinen Platz.

– Das Objekt a trägt etwas Mehrlust in sich, etwas Genussverzicht.]

 

Wiederholung und Objekt a: Annäherung an den Diskurs des Herrn

[20] Lacan erinnert an sein Diktum „Der Signifikant ist das, wodurch für einen anderen Signifikanten ein Subjekt repräsentiert wird“.

Darum geht es in der Wiederholung [in dem mit dem Symptom verbundenen Wiederholungszwang]. [Die beiden Signifikanten stehen hier also für die Wiederholung.]

Dabei ist zu beachten, dass ein Signifikant [für Lacan, anders als für die Linguisten] etwas Undurchsichtiges ist [dass seine Bedeutung versperrt ist].

[21] Das Subjekt verschwindet sofort, in dem Moment in dem es aufgetaucht ist. [Das Subjekt erscheint im ersten Signifikanten, es verschwindet sofort (das Gesuchte wird verfehlt), und deshalb ist der zweite Signifikant notwendig, also die Wiederholung.]

Der Signifikant kann sich mit dem zweiten Signifikanten nicht verbinden, ohne dass sich hierbei ein Verlust herstellt. [Der Verlust ist also ein Effekt der Wiederholung, er stellt sich nachträglich her.] Dieser Verlust ist das Objekt a. [Das Objekt a ist ein verlorenes Objekt.]

Also muss das Genießen markiert werden. [Das Genießen, das gesucht wird, muss identifiziert werden, durch den „einzigen Zug“.] Vom Genießen [das in der Wiederholung gesucht wird], kann aber nichts durch einen Zug identifiziert werden, ohne dass dabei ein Objekt verloren geht. [D.h. die Wiederholung setzt die Möglichkeit der Identifizierung voraus (durch den „einzelnen Zug“), und die Identifizierung führt zum Objektverlust.]

[Damit sind die vier Terme im Spiel, mit denen ein Jahr später die vier Diskurse konstruiert werden: $, S1, S2 und a.]

Diskurs des Herrn in Seminar 17:

\frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}

(Tauschwert – Gebrauchswert – Mehrwert) : (Genießen – einziger Zug – Mehrlust)

Das entspricht dem, was von Marx entziffert wird, nämlich dass das Subjekt des Tauschwerts durch den Gebrauchswert repräsentiert wird. [Im Wertverhältnis zweier Waren wird, Marx zufolge, der Tauschwert der einen Ware im Gebrauchswert der anderen Ware ausgedrückt (Das Kapital, erster Band, erstes Kapitel.] [Es gibt hier also eine Spalte, eine Kluft, zwischen Tauschwert und Gebrauchswert.] In dieser Spalte wird der Mehrwert hergestellt, in diese Spalte fällt der Mehrwert herein. [Der Mehrwert beruht auf dem Unterschied zwischen dem Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft und dem Tauschwert der Ware Arbeitskraft. Ihr Gebrauchswert besteht darin, Wert schaffen zu können, ihr Tauschwert ist der Wert, der zu ihrer Reproduktion notwendig ist. Sie kann mehr Wert schaffen, als zu ihrer Reproduktion notwendig ist, und dieser Wertüberschuss ist der Mehrwert.]

[Offenbar stellt Lacan folgende Analogie her: Das Genießen verhält sich zum einzigen Zug wie der Tauschwert zum Gebrauchswert. Durch den Bezug des Tauschwerts (der Ware Arbeitskraft) auf den Gebrauchswert (der Ware Arbeitskraft) entsteht ein Verlust, der Mehrwert. Analog entsteht durch den Bezug des Genießens auf den einzigen Zug ein Verlust, die Mehrlust.]

Das, was nicht benannt werden kann

Auf unserer Ebene [der der Psychoanalyse] zählt nur noch dieser Verlust [er ist das Wesen der psychoanalytischen Theorie]. Das, was verloren ist, heißt „Mehrlust“.

Die Mehrlust ist das Korrelat von allem, was mit dem Denken zu tun hat. [? Sinn? Denken = Signifikantenverkettung?]

Beim Symptom geht es um das Vorgehen im Umkreis von etwas, was das Subjekt zu benennen nicht in der Lage ist. [Man erinnere sich an die Eingangformulierung „Das Wesen der psychoanalytischen Theorie ist ein Diskurs ohne Sprechen“. Das, woran das Sprechen scheitert, ist vermutlich das, was das Subjekt nicht benennen kann, und dies ist offenbar die Mehrlust. Das dürfte eine Anspielung auf das Reale sein: das Reale ist das Unmögliche – das, was unmöglich zu benennen ist.]

Dies hat nicht nur mit den Beziehungen zum Nächsten zu tun, sondern auch mit der Vitalbeziehung. [? Was meint das?]

Hierfür sind die Bezüge auf die Ökonomie geeigneter als die Bezüge von Freud auf die Thermodynamik. [Freud rechnet die Bezüge auf die Thermodynamik zum „ökonomischen Gesichtspunkt“ in der Psychoanalyse. Lacan nimmt ihn gewissermaßen beim Wort und sagt: Nun gut, dann halten wir uns doch an das, was die Ökonomie tatsächlich sagt, nämlich die politische Ökonomie von Marx.]

Noch einmal die vier Terme

[22] In der Beziehung eines Signifikanten S1 zu einem anderen Signifikanten S2, in der das Subjekt von S1 repräsentiert wird, kann sich das Subjekt nicht erfassen, wenn ein Signifikant in der Kette zu a in Beziehung gebracht wird, d.h. zu dem, was in der Beziehung zur Mehrlust fabriziert wird: Brust, Kot, Stimme, Blick. [Damit sind wieder die vier Terme im Spiel, aus denen im Folgeseminar die vier Diskurse konstruiert werden: $, S1, S2 und a. Hier offenbar in der Weise, dass noch ein weiterer Signifikant ins Spiel gebracht wird, S3.]

„Diese a, das ist die Fabrikation des Diskurses der Absage an das Genießen. Die Triebfeder dieser Fabrikation ist die, dass sich um diese a herum die Mehrlust herstellen kann.“

[Weitere (dritte) Bestimmung zum Verhältnis von Mehrlust und Objekt a: Um das Objekt a herum kann sich die Mehrlust herstellen, also der Genussverzicht, die Absage an das Genießen.]

Pascals Wette

Lacan kündigt an, dass er dies [vermutlich: das Verhältnis von Mehrlust und Objekt a] durch Bezug auf Pascals Wette ausarbeiten wird. [Pascal sagt, sei stets besser, darauf zu wetten, dass es Gott gibt, als darauf zu wetten, dass es ihn nicht gibt, da, wenn man an Gott glaubt, der zu erwartende Gewinn größer sei als der Verlust im Falle des Unglaubens.]

Hier wird das Leben ja darauf reduziert, dass es einen [quantifizierbaren] Wert hat. Damit wird der Markt des Genießens in das Feld des Diskurses eingeführt [d.h. das Genießen wird als ein Wertquantum begriffen, das sich mit anderen Wertquanten vergleichen lässt, was letztlich einen Markt voraussetzt].

Das glückliche Leben, das durch die Wette angezielt wird, verkörpert sich in der Mehrlust.

In der Pascal’schen Wette geht es um den Tausch von Arbeit gegen Mehrlust [offenbar analogisiert Lacan hier: Arbeit = an Gott glauben]. | [23] Hier sollte man sich daran erinnern, dass Pascal nicht nur Wissenschaftler war, sondern auch Kapitalist – er betrieb eines der ersten Unternehmen für öffentlichen Nahverkehr, die Pariser Pferdeomnibusgesellschaft.

Perversion

Die Mehrlust in nackter Gestalt enthüllt sich in der Perversion.

Deshalb gilt: der heiligen Frau ein perverser Sohn. [Die heilige Frau, das ist die Mutter, insofern das Kind sie als nicht-begehrend wahrnimmt.]

Hierdurch wird das Phantasma bestimmt, das weder Subjekt noch Objekt ist, sondern $◊a [eine Beziehung von Subjekt und Objekt]; vom Phantasma her verketten sich die Signifikanten. [Den „freien Assoziationen“ des Patienten in einer Psychoanalyse liegt letztlich ein bestimmtes Phantasma zugrunde.]

S(Ⱥ) und a

[24] Im Anderen gibt es nichts, was die Konsistenz der Wahrheit sichern könnte [Lacans Symbol dafür ist S(Ⱥ), Signifikant des Mangels im Anderen]. Dies ist der „Schrei der Wahrheit“. Es gibt hier nur das „Eins-mehr unter vielen anderen“. [? Sinn?] Es gibt hier nur das Nicht-Genießen, das Elend, die Verzweiflung, die Einsamkeit. Als Bürge für die Wahrheit springt das Objekt a ein. Durch die Fabrikation des Objekts a wird die Konsistenz des Anderen bewirkt und ebenso der naive Glaube des Subjekts an das, was es selbst als Ich (moi) ist. [Durch das Objekt a wird der Andere zu einem Anderen ohne Mangel und hierauf beruht der Glaube des Subjekts an das Ich (moi).]

Sekundärliteratur

Die besten Erläuterungen des Begriffs Mehrlust, die ich in der Sekundärliteratur gefunden habe, sind von Roland Chemama und Erik Porge.

Roland Chemama über Mehrlust

Im Dictionnaire de la psychanalyse wird die Mehrlust von Roland Chemama so dargestellt:

„Mehrlust (engl. increase in enjoy). Von Lacan vorgeschlagener Neologismus, um in Homologie zum Mehrwert, die strukturelle Funktion zu bezeichnen, auf die sich das Genießen im allgemeinen reduzieren soll und die einen der Modi der Darstellung des Objekts a bildet.

(…) Der Begriff der Mehrlust erhält für die Psychoanalyse seinen Platz im Rahmen einer Theorie des Objekts als Ursache des Begehrens, das von Lacan als Objekt a bezeichnet wird. Für Lacan gilt, dass das Subjekt sich seines Seins nicht auf der Ebene der Signifikantenkette versichern kann, durch die es jedoch determiniert wird. Denn dort wird es beständig von einem Signifikanten auf einen anderen Signifikanten verwiesen und es verortet sich letztlich nur im Schnitt zwischen den Signifikanten. Deshalb stützt es sich stattdessen auf das Phantasma, das heißt auf seine Beziehung zum Objekt des Begehrens. Aber das Objekt, durch das sein Begehren verursacht wird, erweist sich selbst als vom formalen Siegel des Schnitts markiert. Von daher ist es schwierig, darüber zu sprechen, ohne genau das zu verfehlen, was ihm diesen besonderen Wert verleiht und daraus Lacan zufolge ein ‚Sein ohne Wesen‘ macht.

Dies ist zweifellos der Grund dafür, dass Lacan sich bemüht, in seinem gesamten Werk unterschiedliche Wege für die Darstellung dieses Objekts vorzuschlagen. Abgesehen von der  topologischen Verortung dieses Objekts (…) bezieht er sich, ausgehend von einer Lektüre von Platons Gastmahl, auf den Begriff agalma. Und er verortet das Objekt a auch als ‚Mehrlust‘, in Homologie zum Begriff des ‚Mehrwerts‘ bei Marx.

Für Marx ist der Mehrwert durch eine Subtraktion bestimmt. Wenn man von der Amortisierung des konstanten Kapitals (Maschinen usw.) absieht, entspricht der Tauschwert einer Ware der für ihre Produktion notwendigen Arbeitszeit. Der Lohn des Arbeiters dagegen entspricht nur dem Wert seiner Arbeitskraft, ein Wert, desssen untere Grenze durch die Zeit bestimmt wird, die zu ihrer Reproduktion notwendig ist. Auf diese Weise kann der Kapitalist einen Mehrwert realisieren, in Höhe der Differenz zwischen dem Wert der Ware [Arbeitskraft] und dem Wert der Arbeit des Arbeiters. Marx selbst merkt jedoch an, dass der Kapitalist sich diesen Mehrwert nur sehr eingeschränkt aneignet. Denn die Logik des Systems nötigt ihn, den Mehrwert wieder in die Produktion zu investieren. Auf diese Weise liefert der Mehrwert das Modell für ein Objekt, das niemand wirklich genießen kann, obgleich die Organisation der gesamten kapitalistische Produktion auf seine Realisierung ausgerichtet zu sein scheint.

Marx kommentierend hält Lacan fest, dass der Mehrwert nur von Sprachwirkungen her möglich ist, vor allem von denjenigen her, die zu einer ‚Verabsolutierung des Marktes‘ führen, bei der die Arbeit[skraft] selbst zu einer Ware wie andere wird. Vor allem weist Lacan darauf hin, dass es eine Homologie gibt zwischen dem, was das Werk von Marx aufdeckt, und dem, was der psychoanalytische Diskurs erscheinen lässt: einen Verzicht auf das Genießen.

Als Freud die großen Prinzipien aufstellte, von denen die Existenz des Subjekts reguliert wird, hatte er das Lustprinzip als das Streben nach Verringerung der Erregung beschrieben, wobei dieses Streben das Ziel hat, Unlust zu vermeiden. Was Lacan angeht, so bemüht er sich, indem er vom Genießen spricht, ein Jenseits des Lustprinzips zu berücksichtigen, etwas, was in einer Art Forcierung den Körper aufs Spiel setzen würde. Das absolute Genießen ist für den Menschen jedoch unmöglich. Das, womit er vielmehr zu tun hat, ist ein Verlust des Genießens, wie das in der Theorie von Hegel in Bezug auf den Herrn zu sehen ist. Denn dieser kann nur dadurch Herr werden, dass er sein Leben riskiert, dadurch also, dass er auf das Genießen des Lebens verzichtet. Es ist genau dieser Verlust, den schließlich das Objekt a symbolisiert. Das, wodurch das Begehren des Subjekts verursacht wird, ist das Objekt a als Zeichen eines verlorenen Genießens.

Diese Thesen, die in Seminar XVI eingeführt werden, Von einem Anderen zum anderen, werden im nächsten Jahr präzisiert, in Seminar XVII, Die Kehrseite der Psychoanalyse. Die Mehrlust wird hier im Rahmen einer Theorie des Diskurses vorgestellt und gelangt hier insbesondere dazu, im Diskurs des Herrn das zu definieren, was durch die sprachliche Artikulation, die uns determiniert, produziert wird. Von daher bekommt die Homologie zwischen dem verlorenen Objekt, das vom psychoanalytischen Diskurs beschrieben wird, und dem Status des Mehrwerts bei Marx ihre volle Bedeutung.  Es ist jedoch festzuhalten, dass Lacan eine spezielle Schreibweise festlegen wird, um den ‚kapitalistischen Diskurs‘ darzustellen, eine Schreibweise, die im Übrigen vor allem das berücksichtigt, was sich seit Marx hat verändern können, einschließlich der Sphäre der Ökonomie.“

Roland Chemama: Artikel „plus-de-jouir“. In: Ders. u. Bernard Vandermersch (Hg.): Dictionnaire de la psychanalyse. Larousse Paris 2009, S. 242 f., Übersetzung und Einfügung in eckige Klammern: RN.

Erik Porge über Mehrlust

Erik Porge beschreibt die Mehrlust in seiner Lacan-Einführung so:

„Das Genießen stellt sich, im Verhältnis zu einer Triebbefriedigung, als entschwunden dar, als unzugänglich.67 Nun besteht die Triebbefriedigung darin, sich um das Objekt des Triebes zu drehen und es also jedes Mal als solches zu verfehlen und in das Insistieren der Wiederholung einzutreten. Es geht also um ein unerreichbares Genießen, das nachträglich, ausgehend von der Wiederholung, unterstellt wird, um eine Befriedigung, die durch ein immer schon verlorenen Objekt verschafft wird, um eine Befriedigung, die immer verfehlt sein wird, da sie vom Siegel der Wiederholung geprägt ist.

Das Genießen liefert insofern einen Beitrag dazu, das Subjekt zu determinieren, als das Genießen das ist, was von der Wiederholung des Signifikanten angezielt wird, die Reproduktion der ursprünglichen Befriedigung. Aber da diese durch die ursprüngliche Markierung hindurchgehen muss, durch die sie erinnert wird, ist sie auf immer verloren. Das Subjekt findet ein Verhältnis zur Markierung wieder, nicht zur Befriedigung ohne Markierung, und die zweite Markierung ist nicht die erste. Die zweite Markierung wiederholt die erste nicht, sie lässt die erste als definitiv verloren existieren. Dieser Prozess ist der der Doppelschleife des einzigen Zugs, mit dem die Signifikantenwiederholung gleichgesetzt wird, eine Doppelschleife, deren Struktur die des Schnitts des Möbiusbandes ist, und dessen Rest, der sich als verloren konstituiert, das Objekt a ist, Träger einer Mehrlust. Das Subjekt ist vom Genießen erfasst, weil es, das Subjekt, verschwindend ist, weil es im Netz der Signifikanten latent ist.68

Eine ausführliche Darstellung der hier von Porge beschriebenen Struktur findet man in Lacans Vortrag Über Struktur als Einmischen einer Andersheit als Voraussetzung irgendeines Subjekts (1966)69; vgl. meinen Kommentar in diesem Blog.

„Der Ausdruck plus de jouir, (Mehrlust) ist eine direkte Nachahmung des Ausdrucks plus value (Mehrwert), der von Marx eingeführt wurde, er besteht aus „demselben Stoff“70 Das Wissen, das nichts mit der Arbeit zu tun hat, ist der Preis für den Verzicht auf das Genießen. Mit der Wissenschaft wird ein Wissensmarkt installiert und mit diesem etwas, was, obwohl es nach den Normen dieses Marktes zu seinem wahren Preis bezahlt worden ist, dennoch für nichts erlangt wird. Dies ist die Mehrlust. Ausgehend von der Homogenisierung der Wissensarten auf dem Markt, ordnet sich das Genießen und kann es sich als gesucht und als pervers etablieren. Das Unbehagen in der Kultur ist eine Mehrlust, die durch den Verzicht auf das Genießen erlangt wird.71

Erik Porge: Jacques Lacan, un psychanalyste. Parcours d’un enseignement. Érès, Ramonville Saint-Agne 2000, S. 238 f. und 316. Die Fußnoten sind von Porge, die Übersetzung ist von mir, RN.

Zum Bild zu Beginn des Artikels

In Radiophonie sagt Lacan:

„Der Mehrwert, das ist die Marxlust, die Mehrlust von Marx.“72

Mehrlust ist Verzicht auf das Genießen.

Was sagt Marx über Genussverzicht?

„Um das Gold als Geld festzuhalten und daher als Element der Schatzbildung, muß es verhindert werden zu zirkulieren oder als Kaufmittel sich in Genußmittel aufzulösen. Der Schatzbildner opfert daher dem Goldfetisch seine Fleischeslust. Er macht Ernst mit dem Evangelium der Entsagung. Andrerseits kann er der Zirkulation nur in Geld entziehn, was er ihr in Ware gibt. Je mehr er produziert, desto mehr kann er verkaufen. Arbeitsamkeit, Sparsamkeit und Geiz bilden daher seine Kardinaltugenden, viel verkaufen, wenig kaufen, die Summe seiner politischen Ökonomie.“ Karl Marx, Das Kapital73

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Anmerkungen

  1. Vgl. Seminar 17, Sitzung vom 11. Februar 1970, Version Miller S. 91, und öfter. –  J.L.: Radiophonie (1970). Übersetzt von Hans-Joachim Metzger. In: J.L.: Radiophonie. Television. Quadriga, Berlin 1988, S. 5–54, hier: S 49.–  J.L.: Seminar 20, Encore (1972/73). Übersetzt von Norbert Haas, Vreni Haas und Hans-Joachim Metzger. Quadriga, Berlin 1986, Sitzung vom 19. Dezember 1972, S. 21.
  2. Jacques Lacan: Le séminaire, livre XVI. D’un Autre à l’autre. 1968–1969. Texte établi par Jacques-Alain Miller. Seuil, Paris 2006.
  3. Vgl. René Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie, 1641, vor allem fünfte Meditation.
  4. Miller: „sur le“.
  5. Miller: „n’a pas nécessité beaucoup d’invention“.
  6. Miller: „poussé en avant“.
  7. Das bezieht sich vermutlich auf die von François Wahl herausgegebene und 1968 bei Seuil erschienene Buchreihe Qu’est-ce que le structuralisme? (Was ist der Strukturalismus?) Sie besteht aus fünf Bänden, je einer zum Strukturalismus in der Linguistik, der Poetik, der Anthropologie, der Psychoanalyse und der Philosophie. Der Band über den Strukturalismus in der Psychoanalyse wurde von Moustapha Safouan verfasst, einem Schüler Lacans. Vgl. François Wahl (Hg.): Einführung in den Strukturalismus. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973.
  8. Kofferwort aus poubelle (Mülleimer) und publication (Veröffentlichung). Das Wortspiel findet man in Lacans Aufsatz D’un dessin (1966), in: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 363–367, hier: S. 364; dt: Von einer Absicht. Übersetzt von Ursula Rütt-Förster. In: J.L.: Schriften III. Hg. v. Norbert Haas. Walter-Verlag, Olten 1980, S. 175–178, hier: 175; Rütt-Förster übersetzt mit „Pupslikation“.
  9. Anspielung auf Becketts Theaterstück Endspiel (1957); zwei der Figuren, Nagg und Nell, leben in Mülleimern.
  10. Lacan bezieht sich auf die Diskrepanz zwischen den beiden Schöpfungsgeschichten: (a) „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1. Mose 1, 27) (b) „Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. (…)  Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“ (1. Mose 2, 7 und 18) Luther-Übersetzung 1984.
  11. Anspielung auf die Formel „Entweder ich denke nicht oder ich bin nicht“, die Lacan in Seminar 14 ausführlich entwickelt hatte (Die Logik des Phantasmas, 1966/67).
  12. Die Wendung hors de sens (außerhalb des Sinns) klingt ähnlich wie hors décence (außerhalb des Anstands).
  13. Möglicherweise spielt Lacan hier auf Ludwig Wittgensteins Philosophische Untersuchungen (1953) an, in denen die Frage gestellt wird, was es heißt, einer Regel zu folgen.
  14. Il und hile sind lautgleich. „Hilum“, wörtlich „Stiel“, ist die Stelle, an der der Same am Fruchtknoten angewachsen war, der Nabel.
  15. Miller: „à confondre, à unifier“.
  16. Ein Meteor ist eine Himmelserscheinung, nicht zu verwechseln mit dem Meteoriten. Der Einschlag von Meteoriten in die Erdatmosphäre ist ein bestimmter Typ von Himmelserscheinungen, von Meteoren.
  17. Staferla schreibt „banal“ statt „basal“.
  18. In Seminar 18 erläutert Lacan, dass der „supreme Punkt“ der niedrigte Punkt einer oberen Grenze ist und der „infime Punkt“ der höchste Punkt einer unteren Grenze (Sitzung vom 13. Januar 1971, siehe hier). „Maximum im Basalen“ wäre dann „infim“.
  19. Eine harmonische Folge ist die Liste der Kehrwerte der ganzen positiven Zahlen: 1, ½, 1/3, ¼ usw. Als harmonische Zahlen werden die einzelnen Partialsummen einer harmonischen Folge bezeichnet; harmonische Zahlen sind also sowohl 3/2 (= 1 + ½) als auch 11/6 (= 1 + ½ + 1/3) als auch 25/12 (= 1 + ½ + 1/3 + 1/4) usw. Eine harmonische Reihe (série harmonique) ist die Folge dieser Summen, also die Liste 3/2, 11/6, 25/12 usw.
  20. In den Schriften weist Lacan in der Einleitung zur Anmerkung zum Bericht von Daniel Lagache darauf hin, dass er in der veröffentlichten Fassung – verglichen mit dem Vortragstext – einen Apolog vom Senftopf gestrichen habe (Anmerkung zum Bericht von Daniel Lagache „Psychoanalyse und Struktur der Persönlichkeit“ (Vortrag von 1958, Endfassung 1960, veröffentlicht 1961). In: J. L.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2015, S. 146–192, hier: S. 146). In Seminar 7 von 1959/60 Die Ethik der Psychoanalyse,, kommt er mehrfach auf diesen Apolog zurück (Sitzungen vom 23. November 1959, vom 27. Januar 1960 und vom 30. März 1960).
  21. Einem griechischen Mythos zufolge müssen die Danaiden im Tartaros mit ihren Krügen Wasser in ein durchlöchertes Fass schöpfen.
  22. Die Geschenke der drei Weisen, vgl. Matthäus 2, 11.
  23. Louis Althusser, Étienne Balibar, Roger Establet, Pierre Macherey et Jacques Rancière: Lire le Capital. Maspero, Paris 1965.– Dt. Teilübersetzung: Louis Althusser, Etienne Balibar: Das Kapital lesen. Übersetzt von Klaus-Dieter Thieme. Rowohlt, Reinbek 1970.– Dt. vollständige Übersetzung: Louis Althusser, Étienne Balibar, Roger Establet, Pierre Macherey und Jacques Rancière: Das Kapital lesen. Übersetzt von Frieder Otto Wolf und Eva Pfaffenberger. Westfälisches Dampfboot, Münster 2015.
    „Nicht sehr weit entfernt“: Lacan hielt seine Vorlesung diesem Zeitpunkt in einem Hörsaal der École normale supérieur de Paris, an der Althusser Professor war.
  24. Miller: „qu’elle [cette acte] ait eu de fait des conséquences bien fastes au gré même de marxistes ayant eu à les recueillier“.
  25. Die Standard-Übersetzung von renonciation ist „Verzicht“. Ich übersetze mit „Absage“, um den Bezug auf das Sprechen anzudeuten, der in renonciation deutlich enthalten ist (lateinisch renuntiatio: eine feierliche Erklärung); man könnte renonciation auch mit „Verzichtserklärung“ übersetzen. Im Lexikon des CNRTL wird renonciation so definiert: „Action d’abandonner la jouissance ou la possession d’une chose, la prétention à quelque chose; résultat de cette action.“ (Handlung, die darin besteht, die Nutznießung oder den Besitz einer Sache aufzugeben oder den Anspruch auf etwas aufzugeben; das Ergebnis dieser Handlung.) Im juristischen Kontext ist renonciation demnach primär der Verzicht auf ein „Genießen“ im Sinne der Nutzung, der Nutznießung, des Nießbrauchs.
  26. Lacan bezieht sich mit dieser Bemerkung vermutlich auf das Kapitel über Herrschaft und Knechtschaft in der Phänomenologie des Geistes.
  27. Hegel: „Dem Herrn dagegen wird durch diese Vermittlung [d.h. dadurch, dass die Beziehung des Herrn zum Ding durch den Knecht vermittelt wird] die unmittelbare Beziehung [zum Ding] als die reine Negation desselben oder der Genuß; was der Begierde nicht gelang, gelingt ihm, damit fertig zu werden und im Genusse sich zu befriedigen. Der Begierde gelang dies nicht wegen der Selbständigkeit des Dinges; der Herr aber, der den Knecht zwischen es und sich eingeschoben, schließt sich dadurch nur mit der Unselbständigkeit des Dinges zusammen und genießt es rein; die Seite der Selbständigkeit aber überläßt er dem Knechte, der es bearbeitet.“ (Werke 3. Phänomenologie des Geistes. Redaktion: Eva Moldenhauer und Karl-Markus Michel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1970, S. 151)
    Hegel scheint das zu sagen, denn andererseits wird der Herr, Hegel zufolge, dadurch Herr, dass er im Kampf auf Leben und Tod sein Leben riskiert und in diesem Sinne auf das Genießen verzichtet.
  28. Die Übersetzung von plus-de-jouir mit dem deutschen Wort „Mehrlust“ wird von Lacan selbst vorgenommen; vgl. Sitzung vom 20. November 1968, Version Miller, S. 41.
  29. Mit „ordinaler Struktur“ könnte die Unterscheidung von „mehr“ und „weniger“ gemeint sein. „Kardinale Struktur“ könnte heißen: Unterschiede, mit denen die Operationen der Addition, Subtraktion usw. vorgenommen werden können.
  30. Analog zum Mehrwert, der vom Kapitalisten angeeignet wird.
  31. Vgl. J.L.: Kant mit Sade (1963). In: Ders.: Schriften. Band II. Vollständiger Text. Übersetzt von Hans-Dieter Gondek. Turia und Kant, Wien u.a. 2015, S. 289–321.
    Lacan bezieht sich vermutlich auf das Schema des Sade’schen Phantasmas und darin auf das a am Platz unten links (a.a.O., S. 301).
  32. Pascal sagt, es sei stets besser, darauf zu wetten, dass es Gott gibt, als darauf zu wetten, dass es ihn nicht gibt, da, wenn man an Gott glaubt, der zu erwartende Gewinn größer sei als der Verlust im Falle des Unglaubens. (Blaise Pascal, Gedanken über die Religion und einige andere Gegenstände, 1670, Nr. 246-250, deutsche Übersetzung im Internet hier.
  33. Staferla zitiert hierzu aus einem Brief von Marx an Engels vom 26. Juni 1867: „L’avantage de ma dialectique est que je dis les choses peu à peu, et comme ils croient que je suis au bout, se hâtant de me réfuter, ils ne font rien qu’étaler leur ânerie.“ (Staferla zitiert nach: L. Althusser u.a.: Lire le capital. Bd. I. Maspero, Paris 1970, S.30.
  34. Miller: „Sans doute la stratégie avec la vérité, qui est l’essence de la thérapeutique, ne peut-elle résider comme telle dans nulle intervention particulière dite interprétation.“ Das ist das Gegenteil dessen, was Lacan sagt. Lacan zufolge kann die Strategie mit der Wahrheit nur auf der Deutung beruhen, Miller zufolge kann sie nicht auf der Deutung beruhen.
  35. Gemeint ist die psychoanalytische Grundregel, dass der Patient alles sagen soll, was ihm einfällt, ohne etwas auszulassen.
  36. In der psychoanalytischen Kur, gemäß der Grundregel.
  37. Lacan bezieht sich auf den Rom-Vortrag von 1953, dessen erster Teil den Gegensatz zwischen dem „vollen Sprechen“ und dem „leeren Sprechen“ zum Thema hat. J.L.: Funktion und Feld des Sprechens und der Sprache in der Psychoanalyse. Übers. v. Klaus Laermann. In: J.L.: Schriften I. Hg. v. Norbert Haas. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975, S. 71–169.
  38. J. Lacan: La chose freudienne ou Sens du retour à Freud en psychanalyse. In: Ders.: Écrits. Seuil, Paris 1966, S. 401–436; Vortrag von 1955, veröffentlicht 1956.– Dt.: J. Lacan: Das Freud’sche Ding (1956). Übersetzt von Monika Mager. Turia und Kant, Wien 2011.
  39. La chose freudienne, a.a.O., S. 408 f., meine Übersetzung; vgl. Das Freud’sche Ding, a.a.O., S. 22 f.
  40. Das Konzept der Verlegenheit wird ausführlich entwickelt in Seminar 10 von 1962/63, Die Angst. Es hat seinen Platz in der Tabelle über Hemmung, Symptom und Angst; vgl. Seminar 10, Version Miller/Gondek, S. 24, 102, 402, 419; „embarras“ wird dort mit „Bedrängnis“ übersetzt.
  41. In der Formel vom Diskurs des Analytikers, die Lacan im nächsten Seminar entwickeln wird (Seminar 17, Die Kehrseite der Psychoanalyse, 1969/70), wird dies dadurch repräsentiert, dass im Diskurs des Analytikers der Analytiker die Funktion des Objekts a übernimmt (am Platz oben links, d.h. am Platz des Agenten).
  42. In Seminar 11, Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse (1964), heißt es, der Trieb manifestiere sich als azephales Subjekt, als Subjekt ohne Kopf (vgl. Sitzung vom 13. Mai 1964, Version Miller/Haas, S. 189, 193).
  43. Lacan bezieht sich auf die Marxsche Analyse der einfachen Wertform. Im Wertverhältnis zweier Waren (x Ware A = y Ware B) wird der Tauschwert der ersten Ware im Gebrauchswert der zweiten Ware ausgedrückt. (Vgl. Karl Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Band. Buch I: Der Produktionsprozeß des Kapitals. Dietz, Berlin 1969, darin „A. Einfache, einzelne oder zufällige Wertform“, S. 63–76.)
  44. Der Mehrwert beruht auf der Differenz zwischen dem Tauschwert und dem Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft. Der Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft besteht darin, dass der Wert, den sie erzeugen kann, größer ist als ihr eigene Wert.
  45. Freud rechnet die Bezüge auf die Thermodynamik zum „ökonomischen Gesichtspunkt“ in der Psychoanalyse. Lacan nimmt ihn gewissermaßen beim Wort und sagt: Nun gut, dann halten wir uns doch an das, was die Ökonomie tatsächlich sagt, nämlich die von Marx.
  46. Miller: „La première formule indique que, dans son rapport à un autre signifiant S2, un signifiant S1 représente le sujet, S barré, qui jamais ne saura se saisir.

    Seminar 16 - Nr 1a - MillerLa seconde veut marquer qu’un signifiant quelconque dans la chaîne, ici S3, peut être mis en rapport avec ce qui n’est pourtant qu’un objet, le petit a, qui se fabrique dans le rapport au plus-de-jouir.

    Seminar 16 - Nr 1b - MillerPar ouverture du jeu de l’organisme, l’objet se trouve pouvoir prendre figure de ces entités évanouissantes dont j’ai déja donné la liste, qui va du sein à la déjection, et de la voix au regard.“

  47. Dies ist ein erster Schritt in Richtung auf diejenige Struktur, die Lacan in Seminar 17 als Herrendiskus bezeichnen wird.

    \frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}

  48. Blaise Pascal (1623-1662), Pensées (1670), Nr. 246 f.
  49. Miller: „Ce travail comme l’échange auquel procède le pari avec quelque chose dont nous saurions qu’il en vaut la peine ont pour ressort une fonction qui est corrélative de celle de plus-de-jouir, et qui est celle de marché. Elle est au fond même de l’idée que Pascal manie, semble-t-il, avec l’extraordinaire de ce qui est lui-même au début de la période de déchaînement de cette fonction du marché.“
  50. Ich ändere „au fond même de l’idée“ zu „au fond même l’idée“, da ich nicht sehe, wie der Satz anders einen Sinn ergeben könnte, RN.
  51. Gemeint ist das religiöse Erweckungserlebnis im Jahre 1654, nach dem Pascal zum Jansenisten wurde und sich aus dem geselligen Leben zurückzog.
  52. Der erste Pferdeomnibus der Erde wurde 1662 in Paris auf Anregung von Pascal eingeführt; hierfür wurde ein Unternehmen gegründet, in dem er einen von fünf Anteilen hielt.
  53. Miller schreibt hier und im folgenden „moment“ statt „niveau“.
  54. Miller: „il devient quelque chose équialent, cet être solidaire“.
  55. Lacan bezieht sich auf Freuds Aufsatz „Ein Kind wird geschlagen“ (Beitrag zur Kenntnis der Entstehung sexueller Perversionen (1919). In: Ders.: Studienausgabe, Bd. 7. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2000, S. 229–254.
  56. Miller fügt hinzu: „celui de l’Autre et celui du petit a“.
  57. D’un Autre à l’autre, „Von einem Anderen zum Anderen“; vom symbolischen „Anderen“ mit großem A zum imaginären „anderen“ mit kleinem a.
  58. Miller: „Qu’est-ce que l’Autre? Ce ce champ de la vérité que j’ai défini pour être le lieu où le discours du sujet prendrait consistance, et où il se pose pour s’offir à être ou non réfuté.“
  59. Vgl. René Descartes, Meditationen über die Grundlagen der Philosophie, 1641, vor allem fünfte Meditation.
  60. Miller: „Mais cela n’est pas ce que crie“.
  61. Von Edvard Munchs bekanntem Bild gibt es vier Versionen in Gemäldeform und außerdem mehrere Lithographien.
    Auf Munchs Schrei hatte Lacan sich in Seminar 12 von 1964/65 bezogen, Schlüsselprobleme für die Psychoanalyse, in der Sitzung vom 17. März 1965.
    Im laufenden Seminar 16 kommt er am 12. März 1969 auf den Schrei zurück (Version Miller, S. 225).
  62. Ekklesiastes ist der griechische Titel für ein Buch der hebräischen Bibel. Der hebräische Titel ist Kohelet; Luther übersetzt den Titel mit Der Prediger Salomo. Im Deutschen ist der Titel meist Prediger.
  63. Als Autor des Ekklesiastes gilt, der Tradition nach, König Salomo.
  64. Prediger 1, 1.
  65. Prediger 9, 9.
  66. Anspielung auf Lacans Diktum „In der Liebe gibt man, was man nicht hat“.
  67. J. Lacan, Die Ethik der Psychoanalyse, S. 253 der deutschen Übersetzung.
  68. J. Lacan, Das Objekt der Psychoanalyse, Seminar 13, 1965/66, 8. Juni 1966.
  69. Jacques Lacan: Über Struktur als Einmischen einer Andersheit als Voraussetzung eines Subjekts. In: Ders: Struktur. Andersheit. Subjektkonstitution. Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Dominik Finkelde. August Verlag, Berlin (Imprint im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln) 2015, S. 11–70.
  70. J. Lacan, Von einem Anderen zum anderen, 20. und 27. November 1968.
  71. Ebenda, 13. November 1968.
  72. Radiophonie, a.a.O., S. 37.
  73. K. Marx: Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie. Erster Bamd. Buch I: Der Produktionsprozess des Kapitals. Dietz, Berlin 1968 (MEW 23), S. 147, im Internet hier.

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