Freud & Marx

Lacan über Mehrlust und Mehrwert (Übersetzung von Seminar 16, Sitzung vom 13. November 1968, mit Paraphrase)

Der Geizige, Lacan und MarxAlphon­se Le Brun, Der Gei­zi­ge, 1882
Holz­re­li­ef an der Em­po­re der sie­ben Tod­sün­den in der Ka­pel­le Saint-Yves in Pri­zi­ac (Bre­ta­gne), von hier

Was ver­steht La­can un­ter „Mehr­lust“?

Der Be­griff ist grund­le­gend für die Kon­struk­ti­on der vier Dis­kur­se in Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70). Die Dis­kur­se wer­den hier durch vier Plät­ze dar­ge­stellt, auf de­nen vier Ter­me ro­tie­ren: $, S1, S2 und a; der Aus­druck a re­prä­sen­tiert hier die „Mehr­lust“.1 Ein­ge­führt wird der Be­griff „Mehr­lust“ in dem (nicht ins Deut­sche über­setz­ten) Se­mi­nar 16, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren (1968/69), aus­ge­ar­bei­tet wird er in die­sem Se­mi­nar und in den bei­den fol­gen­den. In den Se­mi­na­ren ver­wen­det La­can ihn zu­letzt in Se­mi­nar 24 von 1976/77. In den Auf­sät­zen fin­det man ihn zwi­schen 1970 und 1974, dar­un­ter in Ra­dio­pho­nie (1970), L’étourdit (1973) Nach­wort zu Se­mi­nar 11 (1973) und Te­le­vi­si­on (1974).

Im Fol­gen­den über­set­ze ich die ers­te Sit­zung von Se­mi­nar 16. Der Be­griff der Mehr­lust (plus-de-jouir) wird hier in Ana­lo­gie zu Marx’ Be­griff des Mehr­werts (plus-va­lue) ent­wi­ckelt. Es folgt mei­ne Zu­sam­men­fas­sung der in die­ser Sit­zung vor­ge­tra­ge­nen Be­mer­kun­gen über Mehr­lust. Den Schluss bil­den zwei Er­läu­te­run­gen des Kon­zepts in der Se­kun­där­li­te­ra­tur.

Text­grund­la­ge der Über­set­zung ist Ver­si­on Sta­fer­la, die ich mit der von La­can in Auf­trag ge­ge­be­nen Ste­no­ty­pie (Ver­si­on JL) so­wie mit der von Jac­ques-Alain Mil­ler her­aus­ge­ge­be­nen Ver­si­on des Se­mi­nars2 ver­gli­chen und ge­ring­fü­gig ge­än­dert habe.

Die Über­set­zung wird im Fol­gen­den zwei­mal ge­bracht, zu­nächst nur deutsch, dann in ei­ner In­ter­li­near­ver­si­on: ein Satz fran­zö­sisch, ein Satz deutsch.

Die zwei­spra­chi­ge Fas­sung ent­hält in den An­mer­kun­gen zum fran­zö­si­schen Text Hin­wei­se auf Tran­skrip­ti­ons­pro­ble­me und auf Ab­wei­chun­gen in Mil­lers Ver­si­on; im deut­schen Text fin­det man Links so­wie, in den An­mer­kun­gen, Li­te­ra­tur­an­ga­ben und in­halt­li­che Er­läu­te­run­gen.

Die Pa­ra­phra­se be­schränkt sich auf La­cans Aus­füh­run­gen zum Be­griff der Mehr­lust.

Wör­ter mit Stern­chen sind im Ori­gi­nal deutsch.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen oder spit­zen Klam­mern sind nicht von La­can.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be von Se­mi­nar 16.

Deutsch

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be von Se­mi­nar 16.

[11] [An der Ta­fel]
Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen [pa­ro­le].

Wir tref­fen uns in die­sem Jahr zu ei­nem Se­mi­nar, für das ich den Ti­tel Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren ge­wählt habe, um da­mit an­zu­zei­gen, was die Haupt­be­zugs­punk­te sein wer­den, um die sich mein Dis­kurs im stren­gen Sin­ne des Wor­tes dre­hen soll. Die­ser Dis­kurs ist zu dem Zeit­punkt, an dem wir sind, ent­schei­dend, in­so­fern näm­lich, als er de­fi­niert, wor­um es bei dem­je­ni­gen Dis­kurs geht, der „psy­cho­ana­ly­ti­scher Dis­kurs“ ge­nannt wird und des­sen Ein­füh­rung, des­sen Ein­tritt ins Spiel zu die­ser Zeit so vie­le Kon­se­quen­zen nach sich zieht.

Die­ses Dis­kurs­ver­fah­ren ist mit ei­nem Eti­kett ver­se­hen wor­den. „Der Struk­tu­ra­lis­mus“, hat man ge­sagt, ein Wort, das für den Pu­bli­zis­ten üb­ri­gens nicht not­wen­dig war, der es plötz­lich – das ist, mein Gott, noch nicht be­son­ders vie­le Mo­na­ten her – aus­ge­sto­ßen hat, um eine be­stimm­te An­zahl von Leu­ten da­mit ab­zu­de­cken, de­ren Ar­beit seit län­ge­rem ei­ni­ge Ave­nu­en die­ses Dis­kur­ses ge­bahnt hat­te.

Ich habe eben von ei­nem Pu­bli­zis­ten ge­spro­chen; je­der kennt das Wort­spiel, das ich mir mit pou­bel­li­ca­ti­on er­laubt habe. Eine be­stimm­te An­zahl von uns fin­det sich also, durch die Gna­de der­je­ni­gen, de­ren Amt das ist, im sel­ben pou­bel­le (Müll­ei­mer) ver­ei­nigt. Man könn­te un­an­ge­neh­me­re Ge­sell­schaft ha­ben. Die­je­ni­gen, mit de­nen ich mich hier zu­sam­men­ge­bracht fin­de, sind al­le­samt Leu­te, für de­ren Ar­beit ich wirk­lich die größ­te Wert­schät­zung habe, es könn­te mir da­bei in kei­ner Wei­se schlecht ge­hen. Ins­be­son­de­re da wir uns in die­ser Zeit, die vom Ge­nie Sa­mu­el Be­cketts be­herrscht wird, mit dem Müll­ei­mer ein we­nig aus­ken­nen. Was mich per­sön­lich an­geht, nach­dem ich bis heu­te fast drei­ßig Jah­re lang, in drei Ab­schnit­ten von fünf­zehn, zehn und fünf Jah­ren, in drei psy­cho­ana­ly­ti­schen Ge­sell­schaf­ten ge­lebt habe, weiß ich ein biss­chen Be­scheid dar­über, was es heißt, mit Haus­halts­ab­fäl­len zu­sam­men­zu­le­ben. Was den Struk­tu­ra­lis­mus an­geht, so ver­steht man wirk­lich das Un­be­ha­gen, das bei ei­ni­gen durch die Be­hand­lung her­vor­ge­ru­fen wer­den kann, die man wil­lens wäre, un­se­rem ge­mein­sa­men Ha­bi­tat von au–  | [12] ßen zu­zu­fü­gen, und eben­so, dass man Lust ver­spü­ren kann, ein we­nig raus­zu­ge­hen, um sich die Bei­ne zu ver­tre­ten.

Den­noch ist es so, dass ich be­mer­ke – seit die­se Un­ge­duld al­lem An­schein nach ei­ni­ge zu er­fas­sen scheint –, dass es mir in die­sem Korb doch gar nicht so schlecht geht. Da es mir in mei­nen Au­gen auch nicht so zu sein scheint, dass die­ser Struk­tu­ra­lis­mus mit et­was an­de­rem gleich­zu­set­zen ist als mit dem, was ich ganz ein­fach „das Se­riö­se“ nen­nen möch­te, und in kei­ner Wei­se – wie auch im­mer – mit et­was, was dem äh­nelt, was man Phi­lo­so­phie nen­nen kann, wenn man mit die­sem Wort eine Welt­an­schau­ung be­zeich­net oder so­gar eine Art und Wei­se, um die Po­si­tio­nen ei­nes Den­kens rechts und links ab­zu­si­chern.

Um den ers­ten Fall zu­rück­zu­wei­sen, möge es ge­nü­gen – wenn es stimmt, dass ich als Psy­cho­ana­ly­ti­ker mir nicht vor­neh­men konn­te, auf ir­gend­ei­ne Wei­se in et­was ein­zu­füh­ren, was lä­cher­li­cher­wei­se als psy­cho­ana­ly­ti­sche An­thro­po­lo­gie be­ti­telt wird –, soll­te es ge­nü­gen, be­reits beim ers­ten Be­tre­ten die­ses Be­reichs an kon­sti­tu­ie­ren­de Wahr­hei­ten zu er­in­nern, die die Psy­cho­ana­ly­se in die­ses Feld ein­bringt, näm­lich dass es kei­ne Ver­ei­ni­gung von Mann und Frau gibt, ohne dass die Kas­tra­ti­on <ei­ner­seits> als Phan­tas­ma ge­nau die Rea­li­tät des Part­ners bei dem­je­ni­gen be­stimmt, bei dem sie un­mög­lich ist, und ohne dass sie, die Kas­tra­ti­on, sich <an­de­rer­seits> in ei­ner Art Heh­le­rei ab­spielt, durch die sie bei dem­je­ni­gen Part­ner als Wahr­heit an­ge­nom­men wird, der da­von rea­li­ter ver­schont bleibt, von ei­ner zu­fäl­li­gen Über­schrei­tung ab­ge­se­hen. Be­har­ren wir dar­auf, die For­mel der Ge­ne­sis aus­wei­tend, dass Gott sie schuf – es gibt auch das „ihn schuf“ –, sie als Mann und als Frau schuf, man muss wohl sa­gen: Gott weiß war­um; dass beim ei­nen das Un­mög­li­che ih­res Voll­zugs, des Voll­zugs der Kas­tra­ti­on, dazu ge­langt, sich von sei­ner Rea­li­tät her als be­stim­mend zu set­zen, dass beim an­de­ren das Schlimms­te, mit dem sie ihn als mög­lich be­droht, nicht ein­tre­ten muss, um wahr zu sein, in dem Sin­ne, dass die­ser Ter­mi­nus kei­nen Aus­weg lässt. Al­lein schon die­se Er­in­ne­rung im­pli­ziert, so scheint es, dass zu­min­dest im In­ne­ren des­je­ni­gen Fel­des, das of­fen­kun­dig das un­se­re ist, kei­ne Har­mo­nie in ir­gend­ei­ner Wei­se am Werk ist, wie auch im­mer sie zu be­zeich­nen wäre, und dass sich uns ge­wiss ein be­stimm­tes Vor­ha­ben auf­nö­tigt, näm­lich das ei­nes Dis­kur­ses, der dem an­ge­mes­sen wäre.

Um es durch­zu­füh­ren, wer­den wir uns ge­wis­ser­ma­ßen die Fra­ge stel­len müs­sen, von der die ge­sam­te Phi­lo­so­phie aus­ge­gan­gen ist, näm­lich wo­durch sich, ver­gli­chen mit so vie­len Wis­sens­ar­ten, die kei­nes­wegs ohne Wert und Wirk­sam­keit sind, wo­durch sich der Dis­kurs aus­zeich­nen mag, der durch sich selbst | [13] ge­si­chert wäre und der es, in­dem er sich auf ein Kri­te­ri­um grün­det, das vom Den­ken nach ei­ge­nen Maß ge­wählt wird, ver­die­nen wür­de, als epis­tēmē be­ti­telt zu wer­den, als Wis­sen­schaft?

Bei dem Vor­ha­ben, das Den­ken mit sich selbst in Über­ein­stim­mung zu brin­gen, wer­den wir zu grö­ße­rer Vor­sicht ge­nö­tigt und sei es zu­nächst nur durch die Her­aus­for­de­rung, die ich eben als die­je­ni­ge be­zeich­net habe, die von der Wahr­heit an das Rea­le ge­rich­tet wird. Eine Re­gel des Den­kens, die sich des Nicht-Den­kens zu ver­si­chern hat, als dem, was sei­ne Ur­sa­che sein kann – das ist das, dem wir beim Be­griff des Un­be­wuss­ten ge­gen­über­ste­hen.

Als Den­ken bin ich nur von dem her, was von den Wor­ten au­ßer­halb des Sinns ist, und nicht, wie man sich vor­stellt und wie die ge­sam­te Phä­no­me­no­lo­gie es an­nimmt, vom Sinn her. Mein Den­ken lässt sich nicht nach mei­nem Be­lie­ben re­gu­lie­ren – ob man nun „lei­der!“ hin­zu­fügt oder nicht –, es wird ge­re­gelt. In mei­nem Akt ver­su­che ich nicht, es aus­zu­drü­cken, son­dern es zu ver­ur­sa­chen. Aber es geht nicht um den Akt. Im Dis­kurs habe ich nicht sei­ner Re­gel zu fol­gen, son­dern sei­ne Ur­sa­che zu fin­den. Im Zwi­schen­sinn (l’entresens) – ver­ste­hen Sie das als so ob­szön, wie Sie es sich vor­stel­len kön­nen – ist das Sein des Den­kens. Das, was durch mein Den­ken zu ge­sche­hen hat, die Ur­sa­che, sie lässt schlicht und ein­fach das ge­sche­hen, was als Sein ge­we­sen ist, und dies des­halb, weil sie da, wo sie sich er­eig­net hat, sich im­mer schon in der Wei­se er­eig­net hat, dass sie be­stän­dig Denk­ef­fek­te her­vor­rief.

Es reg­net (il pleut)“ ist ein Den­ker­eig­nis, je­des Mal, wenn es ge­äu­ßert wird, und sein Sub­jekt ist zu­nächst die­ses il („es“), die­ses hile, die­ses Hilum, möch­te ich sa­gen, den es in ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Be­deu­tun­gen bil­det. Und des­halb kommt die­ses „es“ mit al­lem, was folgt, gut zu­recht, denn die­ses „es reg­net“ kön­nen Sie so fort­set­zen: „Es reg­net ers­te Wahr­hei­ten“, es reg­net: es gibt jede Men­ge. Vor al­lem, wenn man la plu­ie, den Re­gen, den Me­te­or, mit [la­tei­nisch] plu­via ver­mengt, mit aqua plu­via [Re­gen­was­ser], dann ist der Re­gen, das Was­ser, das man da­von sam­melt, der Me­te­or, güns­tig für die Me­ta­pher. Und war­um? Weil er be­reits aus Si­gni­fi­kan­ten be­steht. „Es reg­net.“

Das Sein des Den­kens ist die Ur­sa­che ei­nes Den­kens, in­so­fern es au­ßer­halb des Sinns ist. Es war be­reits – und das im­mer schon – das Sein ei­nes frü­he­ren Den­kens.

Nun, das Prak­ti­zie­ren die­ser Struk­tur weist jede Be­för­de­rung ei­ner Un­fehl­bar­keit zu­rück. Sie hilft sich ge­ra­de nur mit dem Riss oder viel­mehr durch des­sen Pro­zess selbst. Denn es gibt ei­nen Pro­zess des Ris­ses, und das ist der Pro­zess, den das Prak­ti­zie­ren der Struk­tur zur Hil­fe nimmt, aber es könn­te ihn nur zur Hil­fe neh­men, in­dem es der Struk­tur folgt, was je­doch in kei­ner Wei­se heißt, sie zu über­win­den, au­ßer, um es mög­lich zu ma­chen, sie in der­je­ni­gen Kon­se­quenz zu er­fas­sen, die da­von er­starrt, zu der Zeit, an eben dem Punkt, an dem die Re­pro­duk­ti­on des Pro­zes­ses zu ei­nem Halt kommt. Das heißt, dass sein Re­sul­tat durch sei­ne Still­stands­zeit ge­kenn­zeich­net ist.

[14] Und das er­klärt – ver­mer­ken wir das hier dis­kret am Ran­de –, war­um jede Kunst feh­ler­haft ist, war­um sie aus der Ver­samm­lung des­sen, was an dem Punkt, an dem ihr Voll­endungs­stre­ben  schei­tert, eine Höh­lung bil­det, war­um sie aus die­ser Ver­samm­lung ihre Kraft ge­winnt. Und dar­um sind Mu­sik und Ar­chi­tek­tur les arts su­prê­mes, die höchs­ten Küns­te – ich ver­ste­he „su­prem“ im tech­ni­schen Sin­ne, als Ma­xi­mum im Ba­sa­len –, die das Ver­hält­nis der har­mo­ni­schen Zahl zur Zeit und zum Raum er­zeu­gen, ge­nau un­ter dem Ge­sichts­punkt ih­rer Un­ver­ein­bar­keit. Denn die har­mo­ni­sche Zahl – in­zwi­schen weiß man das gut – ist nur ein Sieb, da es we­der das eine noch das an­de­re zu­rück­be­hält, we­der die­se Zeit, noch die­sen Raum. Das ist das, wor­in der Struk­tu­ra­lis­mus et­was Se­riö­se ist. Er ist et­was Se­riö­ses, in­so­fern er dies ernst nimmt: das Wis­sen als Ur­sa­che, als Ur­sa­che im Den­ken, am häu­figs­ten, so muss man sa­gen, und er tut dies am häu­figs­ten für eine wahn­haf­te Ori­en­tie­rung.

Er­schre­cken Sie nicht, das sind Ein­gangs­be­mer­kun­gen, Er­in­ne­run­gen an Ge­wiss­hei­ten – kei­ne Wahr­hei­ten. Und be­vor ich heu­te die Sche­ma­ta ein­füh­re, von de­nen ich aus­ge­hen will, möch­te ich an­mer­ken, wenn et­was da­von bei Ih­nen be­reits hän­gen­blei­ben soll­te, dann ist es das, was ich mich vor­hin be­müht habe, über das We­sen der Theo­rie an die Ta­fel zu schrei­ben: Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen. Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist die Funk­ti­on des Dis­kur­ses und zwar ge­nau in­so­fern – was ih­nen als neu er­schei­nen mag, zu­min­dest als pa­ra­dox –, als ich es nen­nen wer­de „ohne Spre­chen“. Es geht um das We­sen der Theo­rie, denn das ist das, was auf dem Spiel steht.

Was hat es im psy­cho­ana­ly­ti­schen Feld mit der Theo­rie auf sich? Dazu höre ich um mich her­um merk­wür­di­ge Echos er­klin­gen. Es man­gelt nicht an Miss­ver­ständ­nis­sen, und ich schei­ne un­ter dem Vor­wand, ein gan­zes Feld des Den­kens als Ma­ni­pu­la­ti­on auf­zu­fas­sen, tra­di­tio­nel­le Prin­zi­pi­en in Fra­ge zu stel­len. Ich höre, und so wird das er­staun­li­cher­wei­se über­setzt – er­staun­li­cher­wei­se in­so­fern, als das an Or­ten oder in Köp­fen statt­fin­det, die mir na­he­ste­hen –, das wird mit ir­gend­et­was über­setzt, was „theo­re­ti­sche Un­mög­lich­keit“ hei­ßen soll.

Habe ich nicht so­gar ein­mal ir­gend­wo in ei­ni­gen Zei­len dies ge­fun­den, dass das, was ich ein­mal in ei­nem Kon­text ge­äu­ßert habe, der klar sag­te, was es be­deu­tet, dass es kein Dis­kurs­uni­ver­sum gibt, dass man dar­aus zu schlie­ßen scheint: also war­um sol­len wir uns dann lang­wei­len?

Si­cher­lich ist es in mei­nen Au­gen nicht so wich­tig, das, was ich sage, zu kor­ri­gie­ren, denn zu ir­gend­wel­chen Mehr­deu­tig­kei­ten bie­tet das kei­nen An­lass, und es ist nicht zu se­hen, wie­so dar­aus, dass man äu­ßern kann, wie­so ge­nau dar­aus, dass man ge­äu­ßert hat­te, dass es kei­ne Schlie­ßung des Dis­kur­ses gibt, wie­so dar­aus folgt, dass der Dis­kurs | [15] un­mög­lich oder auch nur ent­wer­tet wäre – ganz und gar nicht. Ge­nau von da­her sind Sie für die­sen Dis­kurs ver­ant­wort­lich, ins­be­son­de­re da­für, ihn gut zu füh­ren und da­bei dem Rech­nung zu tra­gen, was die Be­haup­tung be­sagt, dass es kein Dis­kurs­uni­ver­sum gibt.

In die­ser Hin­sicht gibt es von mei­ner Sei­te aus also si­cher­lich nichts zu kor­ri­gie­ren. Es geht ein­fach nur dar­um, dar­auf zu­rück­zu­kom­men, um die nächs­ten Schrit­te zu tun, aus­ge­hend von den Kon­se­quen­zen die sich aus dem be­reits vor­an­ge­schrit­te­nen Dis­kurs er­ge­ben, aber viel­leicht auch, um auf das zu­rück­zu­kom­men, was dazu füh­ren kann, dass er, wenn man an die Be­din­gun­gen die­ses Dis­kur­ses so ge­bun­den ist, wie das bei ei­nem Ana­ly­ti­ker der Fall sein kann, dass er so in je­dem Mo­ment sein Schei­tern zei­gen kann.

Es gab eine Zeit – ge­stat­ten Sie mir ein we­nig Mu­sik, be­vor ich in die­sen Be­reich ein­tre­te –, in der ich das Bei­spiel des Top­fes ge­wählt hat­te, nicht ohne dass man dar­aus ei­nen sol­chen Skan­dal ge­macht hat, dass ich die­sen Topf, wenn ich so sa­gen darf, am Ran­de mei­ner Schrif­ten ge­las­sen habe. Es ging um das, wo­für der Topf ge­wis­ser­ma­ßen das spür­ba­re Bild ist, dar­um, dass er die­se Be­deu­tung ist, durch ihn selbst mo­del­liert, dank de­rer er ge­stat­tet, in­dem er die Er­schei­nung ei­ner Form und ei­nes In­halts ma­ni­fes­tiert, in das Den­ken dies ein­zu­füh­ren, dass die Be­deu­tung eben der In­halt (con­te­nu) ist – so als ma­ni­fes­tie­re das Den­ken hier das Be­dürf­nis, sich selbst als et­was vor­zu­stel­len, das et­was an­de­res „zu­rück­hal­ten (con­tenir)“ muss, denn das ist das, was der Aus­druck con­tenir be­zeich­net, wenn er an­läss­lich ei­nes un­an­ge­mes­se­nen Akts vor­ge­bracht wird.

Ich habe den Topf „Senf­topf“ ge­nannt, um dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass er kei­nes­wegs zwangs­läu­fig Senf ent­hält, son­dern sei­nen Wert als Senf­topf viel­mehr da­durch er­hält, dass er leer ist, von da­her näm­lich, dass das Wort „Senf“ auf ihm ge­schrie­ben steht.

Aber moutar­de, Senf, das be­deu­tet, dass die­sem Topf moult lui tar­de (dass er vie­les er­war­tet), um als Topf sein ewi­ges Le­ben zu er­lan­gen, wel­ches in dem Mo­ment be­ginnt, in dem er, die­ser Topf, ein Loch be­kommt. Denn un­ter die­sem As­pekt sam­meln wir sie durch die Zei­ten hin­durch, bei den Aus­gra­bun­gen, das heißt, um in den Grä­bern das zu su­chen, was uns vom Zu­stand ei­ner Kul­tur Zeug­nis ab­le­gen wird. Der Topf, sagt man, hat zu Eh­ren des Ver­stor­be­nen ein Loch und da­mit der Le­ben­de sich sei­ner nicht be­die­nen kann. Das ist na­tür­lich ein Grund. Aber es gibt viel­leicht noch ei­nen wei­te­ren, näm­lich den, dass die­ses Loch dazu ge­macht ist, um zu pro­du­zie­ren, da­mit die­ses Loch sich pro­du­ziert, wo­mit der My­thos der Da­nai­den il­lus­triert wird. In die­sem Zu­stand ge­langt der Topf dazu, nach­dem wir ihn so von sei­nem Gra­be­sort ha­ben auf­er­ste­hen las­sen, im Re­gal des Samm- | [16] lers zu thro­nen, und in die­sem Au­gen­blick des Ruh­mes geht es ihm, wie es auch Gott geht: in die­sem Ruhm ent­hüllt er ge­nau sei­ne Na­tur. Die Struk­tur des Top­fes – ich sage nicht sei­ne Ma­te­rie – er­scheint da als das, was sie ist, näm­lich als et­was, was der Funk­ti­on des Roh­res und der Trom­mel ent­spricht.

Und wenn wir in der Na­tur nach Vor­for­men su­chen, wer­den wir se­hen, dass Hör­ner oder Schne­cken auch dann noch da sind, wenn das Le­ben sie ver­las­sen hat, dass es zei­gen muss, was sein We­sen ist, näm­lich die Fä­hig­keit, Töne her­vor­zu­brin­gen.

Gan­ze Kul­tu­ren sind für uns nur noch durch die­se klei­nen Töp­fe re­prä­sen­tiert, die die Form ei­nes Kop­fes ha­ben oder auch ir­gend­ei­nes Tie­res, das mit so vie­len Zei­chen be­deckt ist, die für uns, man­gels ent­spre­chen­der Do­ku­men­te, un­durch­dring­lich sind.

Und hier spü­ren wir, dass die Be­deu­tung, das Bild, ganz im Au­ßen ist, dass das, was im In­ne­ren ge­las­sen wird, ge­nau das ist, was in dem Grab liegt, wo wir es fin­den, näm­lich kost­ba­re Ma­te­ria­li­en, Par­fü­me – Gold, Weih­rauch und Myr­rhe, wie man sagt.

Der Topf er­klärt die Be­deu­tung des­sen, was da ist – und zwar wo­mit? Durch ei­nen Tausch­wert oder sa­gen wir eher durch den Wert ei­nes Aus­tauschs mit ei­ner an­de­ren Welt und mit ei­ner an­de­ren Wür­de, durch ei­nen Hul­di­gungs­wert.

Dass wir die Ma­nu­skrip­te vom To­ten Meer in Töp­fen wie­der­ge­fun­den ha­ben, lässt uns spü­ren, dass im In­ne­ren nicht das Si­gni­fi­kat ist, son­dern ge­nau der Si­gni­fi­kant, und dass wir es mit ihm zu tun ha­ben, wenn es um das geht, was für uns von Be­lang ist, näm­lich das Ver­hält­nis zwi­schen dem Dis­kurs und dem Spre­chen bei der Wirk­sam­keit der Ana­ly­se.

Hier bit­te ich Sie, mir im Au­gen­blick zu ge­stat­ten, ei­nen Kurz­schluss vor­zu­neh­men und das ein­zu­füh­ren, was, wie ich den­ke, Ih­nen für die­ses Ver­fah­ren, das zu Recht oder zu Un­recht als „struk­tu­ra­lis­tisch“ be­zeich­net wird, die Ein­heit der theo­re­ti­schen Funk­ti­on an­schau­lich ma­chen wird. Ich wer­de mich auf Marx be­ru­fen, mit dem ich viel Mühe ge­habt habe, da ich seit lan­gem des­we­gen be­drängt wer­de, weil ich den Vor­schlag nicht viel frü­her ein­ge­bracht habe, in ein Feld, in dem er al­ler­dings voll­kom­men an sei­nem Platz ist.

Ich will heu­te, be­zo­gen auf das Ob­jekt a, den Platz ein­füh­ren, an dem wir sei­ne we­sent­li­che Funk­ti­on zu ver­or­ten ha­ben. Da­bei wer­de ich, da es not­wen­dig ist, von der Reich­wei­te ei­ner Ho­mo­lo­gie aus­ge­hen und da­bei zu­nächst an et­was er­in­nern, was, nicht sehr weit von hier ent­fernt, in ei­nem Marx-Kom­men­tar voll­kom­men klar her­aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist, in neue­ren Ar­bei­ten, die ge­nau bis hier und bis zur Zu­rück­wei­sung durch den Au­tor als struk­tu­ra­lis­tisch be­zeich­net wor­den sind. Von dem Au­tor, an den ich eben er­in­nert habe, wird die Fra­ge ge­stellt, was das Ob­jekt | [17] des Ka­pi­tals ist. Wir wer­den se­hen, was die psy­cho­ana­ly­ti­sche For­schung par­al­lel dazu über die­sen Punkt zu äu­ßern ge­stat­tet.

Marx geht von der Funk­ti­on des Mark­tes aus. Sei­ne Neu­ar­tig­keit be­steht in dem Platz, an dem er die Ar­beit ver­or­tet. Was ihm sei­ne Ent­de­ckung er­mög­licht, ist nicht, dass die Ar­beit neu wäre, son­dern dass sie ge­kauft wird, dass es ei­nen Ar­beits­markt gibt. Das er­mög­licht es ihm, das zu be­wei­sen, was es in sei­nem Dis­kurs an Neu­em gibt, und was Mehr­wert (plus-va­lue) heißt.

Nun ist es so, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se den re­vo­lu­tio­nä­ren Akt sug­ge­riert, den man kennt, oder eher, den man ziem­lich schlecht kennt, denn es ist nicht si­cher, dass die Macht­er­grei­fung das her­bei­ge­führt hät­te, was ich die von die­sem Akt er­war­te­te Sub­ver­si­on des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sub­jekts nen­nen möch­te. Aber im Au­gen­blick ist das für uns von ge­rin­ger Be­deu­tung. Es ist nicht si­cher, ob Mar­xis­ten von da­her nicht tat­säch­lich vie­le we­nig güns­ti­ge Kon­se­quen­zen zie­hen muss­ten.

Das Wich­ti­ge ist das, was Marx be­zeich­net und was sei­ne Vor­ge­hens­wei­se be­deu­tet. Ob sei­ne Kom­men­ta­to­ren nun Struk­tu­ra­lis­ten sind oder nicht, auf je­den Fall schei­nen sie nach­ge­wie­sen zu ha­ben, dass er ei­ner ist, ein Struk­tu­ra­list.

Denn das ist ei­gent­lich dies: Da er an dem Punkt ist – er als Denk­we­sen –, an dem Punkt, der durch die Prä­do­mi­nanz des Ar­beits­mark­tes be­stimmt wird, löst sich als Ur­sa­che sei­nes Den­kens die­se Funk­ti­on her­aus – eine dunk­le Funk­ti­on, wie man wohl sa­gen muss, wenn die­se Dun­kel­heit sich in der Ver­wor­ren­heit der Kom­men­ta­re er­ken­nen lässt –, näm­lich die des Mehr­werts.

Die Iden­ti­tät des Dis­kur­ses mit sei­nen Be­din­gun­gen, das ist et­was, so hof­fe ich, was von dem her auf­ge­klärt wer­den wird, was ich über das ana­ly­ti­sche Vor­ge­hen sa­gen wer­de.

Ge­nau­so we­nig wie in der Wa­ren­pro­duk­ti­on die Ar­beit neu war, ge­nau­so we­nig ist die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen (re­non­cia­ti­on à la jouis­sance) neu, de­ren Be­zie­hung zur Ar­beit ich hier nicht mehr de­fi­nie­ren muss. Denn von An­fang an und ganz im Ge­gen­satz zu dem, was He­gel sagt oder zu sa­gen scheint, ist es die­se Ab­sa­ge, die den Herrn kon­sti­tu­iert, der ganz klar ver­sucht, dar­aus das Prin­zip sei­ner Macht zu ma­chen. Neu ist, dass es ei­nen Dis­kurs gibt, der sie ar­ti­ku­liert, die­se Ab­sa­ge, und der dar­in das er­schei­nen lässt – denn dies ist das We­sen des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses –, was ich die Funk­ti­on der Mehr­lust (plus-de-jouir) nen­nen möch­te.

Die­se Funk­ti­on er­scheint durch das Fak­tum des Dis­kur­ses, denn sie weist nach, dass die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen eine Wir­kung des Dis­kur­ses ist. Um die Din­ge zu ak­zen­tu­ie­ren, muss man an­neh­men, dass es im Fel­de des An­de­ren die­sen Markt gibt, wenn Sie so wol­len, der die Ver­diens­te, die Wer­te, die Or­ga­ni­sa­ti­on der Wahl­mög­lich­kei­ten, der Prä­fe­ren­zen to­ta­li­siert und der eine or­di­na­le, ja kar­di­na­le Struk­tur im­pli­ziert. [18] Der Dis­kurs ent­hält in­so­fern die Mit­tel des Ge­nie­ßens, als er das Sub­jekt im­pli­ziert. Es gäbe kei­ner­lei Sub­jekt­rä­son – in dem Sin­ne, wie man „Staats­rä­son“ sa­gen kann –, wenn es auf dem Markt des An­de­ren kei­ne Ent­spre­chung gäbe, das heißt, dass eine Mehr­lust er­zeugt wird, die von ei­ni­gen in Be­schlag ge­nom­men wird.

Es braucht ei­nen hin­rei­chend vor­an­ge­trie­be­nen Dis­kurs, um nach­zu­wei­sen, wie die Mehr­lust von der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on) ab­hängt und also vom Dis­kurs pro­du­ziert wird, so­dass sie als eine Wir­kung er­scheint. Aber auch das ist für Ihre Oh­ren, wenn Sie mich ge­le­sen ha­ben, nichts ganz Neu­es, denn das ist der Ge­gen­stand mei­ner Schrift Kant mit Sade, in der nach­ge­wie­sen wird, dass die Mehr­lust voll­stän­dig auf den Akt re­du­ziert wird, der dar­in be­steht, auf das Sub­jekt den Term a des Phan­tas­mas an­zu­wen­den, wo­durch das Sub­jekt als das an­ge­nom­men wer­den kann, was im Be­geh­ren Ur­sa­che sei­ner selbst ist.

Ich wer­de das in der kom­men­den Zeit aus­ar­bei­ten, in­dem ich auf die Pascal’sche Wet­te zu­rück­kom­me, die so gut das Ver­hält­nis zwi­schen der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen und dem Ele­ment der Wet­te ver­an­schau­licht, bei der das Le­ben in sei­ner Gän­ze auf ein Ele­ment re­du­ziert wird, das ei­nen Wert hat. Eine merk­wür­di­ge Art, den Markt des Ge­nie­ßens ein­zu­füh­ren, ihn, sage ich, in das Feld des Dis­kur­ses ein­zu­füh­ren. Aber ist das hier nicht letzt­lich ein ein­fa­cher Über­gang im Ver­hält­nis zu dem, wo­von wir wir eben ge­se­hen ha­ben, dass es im Lauf der Ge­schich­te die Funk­ti­on der Gü­ter über­nimmt, die den To­ten ge­weiht sind? Und ist hier für uns nicht auch das, was jetzt zur Dis­kus­si­on steht? Wir ha­ben mit der Theo­rie in­so­fern zu tun, als sie ge­nau durch die Ein­füh­rung die­ser Funk­ti­on er­leich­tert wird, näm­lich der der Mehr­lust.

Um die Mehr­lust her­um spielt sich die Pro­duk­ti­on ei­nes we­sent­li­chen Ob­jekts ab, des­sen Funk­ti­on jetzt zu de­fi­nie­ren ist, näm­lich das Ob­jekt a.

Die Grob­heit der Echos, die die Ein­füh­rung die­ses Aus­drucks her­vor­ge­ru­fen hat, ist und bleibt für mich die Ga­ran­tie da­für, dass er tat­säch­lich zu der Wir­kungs­ord­nung ge­hört, die ich ihm zu­wei­se. An­ders ge­sagt, die Pas­sa­ge ist be­kannt, nach­ge­wie­sen und be­rühmt, in der ein Marx wäh­rend der Zei­ten, die er mit der Ent­wick­lung sei­ner Theo­rie ver­brach­te, die Ge­le­gen­heit ge­noss, das, was die le­ben­di­ge Ver­kör­pe­rung des Ver­ken­nens war, schwim­men zu se­hen.

Ich habe ge­äu­ßert: „Der Si­gni­fi­kant ist das, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird.“ Dies wie jede kor­rek­te, das heißt er­for­der­li­ceh De­fi­ni­ti­on –; es ist er­for­der­lich, dass eine De­fi­ni­ti­on kor­rekt und dass eine Leh­re ri­go­ros ist.

Es ist völ­lig un­zu­läs­sig, in dem Mo­ment, in dem die Psy­cho­ana­ly­se auf­ge­ru­fen ist, et­was dazu zu sa­gen – glau­ben Sie nicht, dass ich vor­ha­be, das zu strei­chen –, zu der Kri­se, die das Ver­hält­nis des Stu­die­ren­den zur Uni­ver­si­tät durch­macht, es ist un­denk­bar, dass man dar­auf mit der Aus­sa­ge ant­wor­tet, es gebe Din­ge, die auf kei­ne Wei­se in ei­nem Wis­sen de­fi­niert wer­den kön­nen. Wenn die Psy­cho­ana­ly­se nicht als ein Wis­sen ge­äu­ßert wer­den kann und nicht als sol­che ge­lehrt wer­den kann, hat sie dort, wo es um nichts an­de­res geht, ganz streng nichts zu su­chen. | [19] Wenn der Wis­sens­markt da­durch re­gel­recht er­schüt­tert ist, dass die Wis­sen­schaft ihm die Wert­ein­heit lie­fert, die es er­mög­licht, das zu er­for­schen, wor­um es bei sei­nem Aus­tausch geht, bis hin zu sei­nen ra­di­kals­ten Funk­tio­nen, dann ge­schieht das si­cher­lich nicht des­halb, da­mit hier die­je­ni­ge In­stanz, die et­was dar­über ar­ti­ku­lie­ren kann, näm­lich die Psy­cho­ana­ly­se, sich in der Wei­se zu prä­sen­tie­ren hät­te, dass sie von sich aus ab­dankt. Sämt­li­che Ter­mi­ni, die hier­für ver­wen­det wer­den kön­nen, etwa der Ter­mi­nus der „Nicht-Ver­be­griff­li­chung“ oder je­des an­de­re Her­auf­be­schwö­ren ir­gend­ei­ner Un­mög­lich­keit, kön­nen je­den­falls nur die Un­fä­hig­keit der­je­ni­gen be­zeich­nen, von de­nen sie vor­ge­bracht wer­den.

Dass die Stra­te­gie mit der Wahr­heit, die das We­sen des The­ra­peu­ti­schen ist, auf kei­ner an­de­ren spe­zi­el­len In­ter­ven­ti­on be­ru­hen kann als auf der­je­ni­gen, die „Deu­tung“ ge­nannt wird, heißt kei­nes­wegs, dass an die­sem Punkt nicht alle Ar­ten von spe­zi­el­len Funk­tio­nen, von glück­li­chen Spie­len in der Ord­nung der Va­ria­blen ihre Ge­le­gen­heit fin­den kön­nen. Sie ha­ben je­doch nur dann ei­nen Sinn, wenn sie an ge­nau dem Punkt ver­or­tet sind, an dem ih­nen die Theo­rie ihr Ge­wicht ver­schafft. Das ist hier wirk­lich das, wor­um es geht.

Im Dis­kurs über die Funk­ti­on der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen wird der Ter­mi­nus des Ob­jekts a ein­ge­führt. Die Mehr­lust als Funk­ti­on die­ser Ab­sa­ge, ab­hän­gig von der Wir­kung des Dis­kur­ses, das ist das, was dem Ob­jekt a sei­nen Platz ver­leiht. Durch den Markt, das heißt, da­durch, dass er ein Ob­jekt der mensch­li­chen Ar­beit als Ware de­fi­niert, trägt je­des Ob­jekt et­was vom Mehr­wert in sich. Auf glei­che Wei­se ist die Mehr­lust das, was es er­mög­licht, die Funk­ti­on des Ob­jekts a zu iso­lie­ren.

Was tun wir in der Ana­ly­se an­de­res als dies, durch die Re­gel ei­nen Dis­kurs zu in­stal­lie­ren, der so ist, dass das Sub­jekt hier et­was sus­pen­diert, und zwar was? Ge­nau das, was sei­ne Sub­jekt­funk­ti­on ist. Das heißt, dass es hier da­von dis­pen­siert ist, sei­nen Dis­kurs mit ei­nem „ich sage“ zu stüt­zen, denn zu spre­chen ist et­was an­de­res als zu be­haup­ten „Ich sage das, was ich ge­ra­de ge­äu­ßert habe“. Das Sub­jekt der Aus­sa­ge (énon­cé) sagt „ich sage“, sagt „ich be­haup­te“, so wie ich es hier in mei­nem Un­ter­richt tue. Ich ar­ti­ku­lie­re die­ses Spre­chen. Es geht nicht um Poe­sie. Ich sage das, was hier ge­schrie­ben steht, und ich kann es so­gar in der Form wie­der­ho­len – das ist we­sent­lich –, dass ich, wenn ich es wie­der­ho­le, um es zu va­ri­ie­ren hin­zu­fü­ge, dass ich es ge­schrie­ben habe.

Und hier ist das Sub­jekt da­von sus­pen­diert, das zu stüt­zen, was es äu­ßert. Wird es also da­durch zu die­ser Rein­heit des Spre­chens ge­lan­gen, zu die­sem vol­len Spre­chen, über das ich wäh­rend ei­ner Zeit der Evan­ge­li­sie­rung ge­re­det habe, wie man wohl sa­gen muss. Denn die­ser Dis­kurs, den man | [20] Rom-Dis­kurs nennt, an wen an­ders war er ge­rich­tet als an Oh­ren, die dem Hö­ren ge­gen­über ganz und gar ver­schlos­sen wa­ren. Ich wer­de nicht nä­her kenn­zeich­nen, wie es kam, dass die­se Oh­ren mit die­sen un­durch­läs­si­gen Qua­li­tä­ten aus­ge­stat­tet wa­ren, denn das hie­ße, hier eine Be­wer­tung ab­zu­ge­ben, die nicht an­ders als be­lei­di­gend sein könn­te.

Aber be­ach­ten Sie dies, als ich über die Freud’sche Sa­che sprach, ist es mir zu­ge­sto­ßen, mich in et­was zu stür­zen, was ich selbst als Pro­so­popöie be­zeich­net habe. Es geht um die Wahr­heit, die Fol­gen­des äu­ßert:

Für euch bin ich also das Rät­sel, je­nes, das sich, kaum er­schie­nen, so­gleich wie­der ent­zieht, ihr Men­schen, die ihr euch so sehr be­müht, mich un­ter den zer­schlis­se­nen Klei­dern eu­rer An­stän­dig­kei­ten zu ver­ber­gen. Den­noch, ich gebe zu, dass eure Ver­le­gen­heit (em­barras) auf­rich­tig ist …“.

Ich wei­se dar­auf hin, dass der Aus­druck „Ver­le­gen­heit“, was sei­ne Funk­ti­on an­geht, an­ders­wo aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist.

… denn selbst, wenn ihr euch zu mei­nen He­rol­den macht, seid ihr es nicht wert, mei­ne Far­ben zu tra­gen, nicht mehr als die Klei­der, die die eu­ren sind und die euch gleich sind, Phan­to­me, die ihr seid. Wo also wer­de ich in euch über­ge­hen, wo war ich vor die­sem Über­gang? Ei­nes Ta­ges wer­de ich es euch viel­leicht sa­gen.“

Es geht hier um den Dis­kurs.

Da­mit ihr mich aber dort fin­det, wo ich bin, will ich euch leh­ren, an wel­chem Zei­chen ich zu er­ken­nen bin. Men­schen, hö­ret, ich ver­traue euch da­von das Ge­heim­nis an. Ich, die Wahr­heit, ich spre­che (je par­le).“

Ich habe kei­nes­wegs ge­schrie­ben „ich sage (je dis)“.

Das, was spricht, si­cher­lich, wenn es käme – wie ich eben­falls iro­nisch ge­schrie­ben habe –, wäre die Ana­ly­se na­tür­lich zu Ende. Aber das ist ge­nau das, was ent­we­der nicht ge­schieht oder was es ver­dient, wenn es ge­schieht, auf an­de­re Wei­se in­ter­punk­tiert zu wer­den.

Und des­halb muss man wie­der auf­grei­fen, wor­um es bei die­sem Sub­jekt geht, das hier durch ein Ver­fah­ren in Fra­ge ge­stellt wird, das ein Kunst­griff ist, ein Ar­te­fakt, bei dem es ja auf­ge­for­dert wor­den ist, nicht der­je­ni­ge zu sein, der al­les, was vor­ge­bracht wird, stützt – wo­bei man je­doch nicht glau­ben darf, dass es sich auf­löst, denn der Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist ge­nau da­für da, um es zu re­prä­sen­tie­ren, ich mei­ne, um es wäh­rend der Zeit auf­recht­zu­er­hal­ten, in der es sich, was die Ur­sa­che sei­nes Dis­kur­ses an­geht, tat­säch­lich nicht wie­der­fin­den kann.

Und des­halb geht es jetzt dar­um, sich auf die grund­le­gen­den For­meln zu be­zie­hen, das heißt auf die­je­ni­ge For­mel, die den Si­gni­fi­kan­ten als das de­fi­niert, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird. Was be­deu­tet das? Ich bin über­rascht, dass noch nie je­mand hier­zu an­ge­merkt hat, dass als Kor­ro­lar hier­aus folgt, dass ein Si­gni­fi­kant sich nicht selbst re­prä­sen­tie­ren kann. Na­tür­lich ist auch das nicht neu, denn in dem, was ich zur Wie­der­ho­lung ar­ti­ku­liert habe, geht es eben dar­um. Aber da müs­sen wir ei­nen Mo­ment lang in­ne­hal­ten, um zu er­fas­sen, wie das hier funk­tio­niert – was kann das hier in die­sem Satz be­deu­ten, die­ses „sich selbst“ des Si­gni­fi­kan­ten?

Be­ach­ten Sie, dass ich, wenn ich vom Si­gni­fi­kan­ten spre­che, von et­was Un­durch­sich­ti­gem spre­che. Wenn ich sage, dass man den Si­gni­fi­kan­ten als das de­fi­nie­ren muss, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird, dann be­deu­tet das, dass nie- | [21] mand dar­über et­was wis­sen wird au­ßer dem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten, und der an­de­re Si­gni­fi­kant, das ist et­was, was kei­nen Kopf hat, das ist ein Si­gni­fi­kant.

Das Sub­jekt ist da so­fort er­stickt, aus­ge­löscht –  im sel­ben Mo­ment, in dem es er­schie­nen ist.

Es geht eben dar­um, zu se­hen, war­um et­was von die­sem Sub­jekt – das im Auf­tau­chen ver­schwin­det, das von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten pro­du­ziert wird, um so­gleich durch ei­nen an­de­ren aus­ge­löscht zu wer­den –, wie sich ir­gend­wo et­was her­aus­bil­den kann, was im Grenz­fall schließ­lich als ein Selbst­be­wusst­sein* auf­ge­fasst wer­den kann, als et­was, das da­mit zu­frie­den ist, mit sich selbst iden­tisch zu sein.

Nun, das be­deu­tet eben ge­nau dies, dass der Si­gni­fi­kant – in wel­cher Form auch im­mer er pro­du­ziert wer­den mag, in sei­ner Prä­senz des Sub­jekts wohl­ge­merkt – sich mit sei­nem Si­gni­fi­kan­ten-Re­prä­sen­tan­ten nicht wie­der ver­bin­den kann, ohne dass sich in der Iden­ti­tät die­ser Ver­lust her­stellt, der im stren­gen Sin­ne des Wor­tes Ob­jekt a heißt. Das ist das, was die Theo­rie von Freud über die Wie­der­ho­lung aus­sagt. Wo­durch von dem, was die Be­zie­hung zum Ge­nie­ßen ist, nichts iden­ti­fi­ziert wer­den kann, und wo­durch ver­mit­tels des Zei­chens et­was an­de­res an sei­ne Stel­le tritt, näm­lich der Zug (trait), der das Ge­nie­ßen mar­kiert; nichts kann hier pro­du­ziert wer­den, ohne dass da­bei ein Ob­jekt ver­lo­ren geht.

Ein Sub­jekt ist das, was von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert wer­den kann. Aber  wird da­mit nicht dies nach­ge­zeich­net, dass der Tausch­wert das Sub­jekt, um das es geht – bei dem, was Marx ent­zif­fert, näm­lich der öko­no­mi­schen Wirk­lich­keit –, dass das Sub­jekt des Tausch­werts bei was re­prä­sen­tiert wird? Beim Ge­brauchs­wert. Und in die­ser Spal­te wird be­reits das her­ge­stellt, in die­se Spal­te fällt be­reits das hin­ein, was Mehr­wert ge­nannt wird.

Auf un­se­rer Ebe­ne zählt nur noch die­ser Ver­lust. Fort­an nicht mehr mit sich selbst iden­tisch, ge­nießt das Sub­jekt zwar nicht mehr, je­doch ist et­was ver­lo­ren, was „Mehr­lust“ heißt.

Sie ist ganz streng das Kor­re­lat des­sen, dass et­was in das Spiel kommt, was von da an al­les de­ter­mi­niert, was mit dem Den­ken zu tun hat.

Und beim Sym­ptom, um was an­de­res geht es da als um die mehr oder we­ni­ger gro­ße Leich­tig­keit des Vor­ge­hens in Be­zug auf et­was, was das Sub­jekt zu be­nen­nen nicht in der Lage ist, ohne des­sen Um­krei­sung es je­doch, zu was auch im­mer, nicht vor­an­schrei­ten könn­te, und was nicht nur mit den Be­zie­hun­gen zu sei­nen Nächs­ten zu tun hat, son­dern auch mit sei­ner tiefs­ten Be­zie­hung, mit der­je­ni­gen Be­zie­hung, die man vi­tal nennt, und wo­für die öko­no­mi­schen Be­zü­ge, die öko­no­mi­schen Kon­fi­gu­ra­tio­nen weit­aus ge­eig­ne­ter sind als die ge­le­gent­lich weit her­ge­hol­ten, wenn auch na­tür­lich nicht völ­lig un­pas­sen­den, die sich Freud an­bo­ten, das heißt die der Ther­mo­dy­na­mik.

Hier also ist das Mit­tel, das Ele­ment, das uns er­mög­li­chen kann, bei dem vor­an­zu­schrei­ten, wor­um es beim ana­ly­ti­schen Dis­kurs geht.

Wenn wir theo­re­tisch a prio­ri an­ge­nom­men ha­ben, und si­cher­lich ohne dass ein lan­ger Rück­griff | [22] nö­tig war, um die­se Prä­mis­sen auf­zu­stel­len, wenn es in der De­fi­ni­ti­on des Sub­jekts – als durch das in­ter­si­gni­fi­kan­te Ver­hält­nis ver­ur­sacht – um et­was geht, was uns ge­wis­ser­ma­ßen auf im­mer ver­bie­tet, es zu be­grei­fen, dann ist das hier auch die Ge­le­gen­heit, zu er­fas­sen, was ihm die­se – sa­gen wir pro­vi­so­risch: vor­be­wuss­te, nicht un­be­wuss­te – Ein­heit ver­leiht, die­je­ni­ge, die es bis jetzt er­mög­licht hat, das Sub­jekt in sei­ner vor­geb­li­chen Selbst­ge­nüg­sam­keit zu stüt­zen. Es ist al­les an­de­re als selbst­ge­nüg­sam, viel­mehr bil­det sich um die For­mel $ ◊ a her­um – das heißt um Sein von a her­um, um die Mehr­lust her­um – das Ver­hält­nis, das es uns bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt ge­stat­tet, zu se­hen, wie die­se Ver­lö­tung sich her­stellt, die­se Prä­zi­pi­ta­ti­on, die­ses Ein­frie­ren, das dazu führt, dass wir ein Sub­jekt als Sub­jekt ei­nes gan­zen Dis­kur­ses ver­ein­heit­li­chen kön­nen.

Ich wer­de et­was an die Ta­fel schrei­ben, wo­durch das, wor­um es hier­bei geht, in ge­wis­ser Wei­se ver­an­schau­licht wird.

Sem 16 - Nr. 1 - Stenotypie JL

Ver­si­on JL

Seminar 16 - Nr 1a - Miller

Seminar 16 - Nr 1b - Miller

Ver­si­on Mil­ler

Dies ist das, was sich aus­ge­hend vom Ver­hält­nis ei­nes Si­gni­fi­kan­ten S1 zu ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten S2 er­eig­net, näm­lich dass das Sub­jekt $, das hier von S1 re­prä­sen­tiert wird, sich nie­mals wird er­fas­sen kön­nen, wenn ir­gend­ein Si­gni­fi­kant in der Ket­te in eine Be­zie­hung zu dem ge­bracht wer­den kann, was je­doch nur ein a ist, näm­lich et­was, was in der Be­zie­hung zur Mehr­lust fa­bri­ziert wird, in der Be­zie­hung zu et­was, was durch die Er­öff­nung des Spiels des Or­ga­nis­mus in der Lage ist, die Ge­stalt die­ser ver­schwin­den­den En­ti­tä­ten an­zu­neh­men, de­ren Lis­te ich be­reits auf­ge­stellt habe, die von der Brust zur Darm­ent­lee­rung ge­hen und von der Stim­me zum Blick. Die­se a, das ist eine Fa­bri­ka­ti­on des Dis­kur­ses der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen. Trieb­fe­der die­ser Fa­bri­ka­ti­on ist dies, dass um die­se a her­um die Mehr­lust pro­du­ziert wer­den kann.

Si­cher­lich, wie ich Ih­nen be­reits zur Pascal’schen Wet­te ge­sagt habe, gäbe es auch nur ein Le­ben jen­seits des To­des, auf das zu wet­ten wäre, das zu ge­win­nen wäre, dann wäre es das si­cher­lich wert, dass wir in die­sem Le­ben ge­nü­gend ar­bei­ten, um zu wis­sen, wie wir uns im an­de­ren ver­hal­ten müs­sen. Die­ser Tausch von Ar­beit – in der Wet­te – ge­gen eine Mehr­lust, ge­gen et­was, wo­von wir wüss­ten, dass es der Mühe wert wäre, die­ser Tausch bil­det die trei­ben­de Kraft da­für, dass im Grun­de die Idee, die Pas­cal hier  ver­folgt – mit der | [23] au­ßer­ge­wöhn­li­chen Blind­heit des­je­ni­gen, so scheint es, der selbst am Be­ginn ei­ner Pe­ri­ode der Ent­fes­se­lung steht –, und die Idee der Markt­funk­ti­on ein­an­der ent­spre­chen. Wenn er den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs ein­ge­führt hat, dann soll­ten wir nicht ver­ges­sen, dass er auch der­je­ni­ge ist, der – selbst in den ex­trems­ten Au­gen­bli­cken sei­nes Rück­zugs und sei­ner Be­keh­rung – in Pa­ris ein Un­ter­neh­men für Pa­ri­ser Om­ni­bus­se grün­den woll­te. Die­ser Pas­cal weiß nicht, was er sagt, wenn er von ei­nem glück­li­chen Le­ben spricht, hier ha­ben wir da­von die Ver­kör­pe­rung – was lässt sich mit dem Aus­druck „glück­lich“ an­de­res fas­sen als ge­nau die Funk­ti­on, die sich in der Mehr­lust ver­kör­pert?

Und wir müs­sen auch kei­ne Wet­ten über das Jen­seits ab­schlie­ßen, um zu wis­sen, was es dort wert ist, wo die Mehr­lust in nack­ter Ge­stalt ent­hüllt wird. Das hat ei­nen Na­men, das nennt sich Per­ver­si­on. Und aus die­sem Grund gilt, dass „der hei­li­gen Frau ein per­ver­ser Sohn“. Es braucht kein Jen­seits, um zu se­hen, was sich, von ei­nem we­sent­li­chen Spiel des Dis­kur­ses her, in der Über­mitt­lung von der ei­nen zum an­de­ren er­eig­net.

Seminar 16 - Nr 2 - Stenotypie JL

Ver­si­on JL

Seminar 16 Miller 2

Ver­si­on Mil­ler

Dies ist also of­fen die Ge­stalt, das Sche­ma des­sen, was es zu be­grei­fen ge­stat­tet, wie sich um das Phan­tas­ma her­um – das heißt um das Ver­hält­nis der Wie­der­ho­lung des Si­gni­fi­kan­ten her­um, der das Sub­jekt im Ver­hält­nis zu sich selbst re­prä­sen­tiert –, wie sich da her­um das ab­spielt, wor­um es bei der Pro­duk­ti­on von a geht.

Aber um­ge­kehrt nimmt ihr Ver­hält­nis von da­her Kon­sis­tenz an. Und von da­her kommt es, dass sich et­was her­stellt, was nicht mehr Sub­jekt ist und auch nicht mehr Ob­jekt, son­dern was sich Phan­tas­ma nennt; von da­her kommt es, dass von da an die an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten – in­dem sie sich ver­ket­ten, ver­knüp­fen und zu­gleich hier im Be­deu­tungs­ef­fekt ein­frie­ren – die­sen Me­to­ny­mie-Ef­fekt ein­füh­ren kön­nen, der dazu führt, dass die­ses Sub­jekt, wel­ches es auch sein mag – ob es in dem Satz On bat un en­fant (Ein Kind wird ge­schla­gen, wört­lich „Man schlägt ein Kind“) auf der Ebe­ne von un en­fant (ein Kind) ist, auf der Ebe­ne von bat (schlägt) oder auf der Ebe­ne von on (man) –,  dass die­ses Sub­jekt durch et­was Äqui­va­len­tes ver­lö­tet wird und zu die­sem zu­sam­men­hän­gen­den We­sen ge­macht wird, von dem wir im Dis­kurs in un­se­rer Schwä­che ein Bild wie ein om­ni­va­len­tes Bild ab­ge­ben, so als kön­ne es ein Sub­jekt al­ler Si­gni­fi­kan­ten ge­ben.

Wenn durch die ana­ly­ti­sche Re­gel in die­ser Ket­te et­was hin­rei­chend ge­lo­ckert wer­den kann, so­dass sich von da­her ent­hül­len­de Wir­kun­gen ein­stel­len, wel­chen Sinn, wel­chen Ak­zent müs­sen wir dem ge­ben, da­mit das eine Trag­wei­te er­hält? Das Ide­al ist si­cher­lich die­ses my­thi­sche „ich spre­che“, durch das in der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung die Wir­kung, das Bild des Er­schei­nens der Wahr­heit her­vor­ge­ru­fen wird.

Und hier geht es eben dar­um, zu be­grei­fen, dass die aus­ge­sen­de­te Wahr­heit hier zwi­schen zwei | [24] Re­gis­tern auf­ge­hängt, er­fasst ist, den­je­ni­gen, de­ren bei­de Grenz­punk­te ich in ge­nau die bei­den Ter­mi­ni ge­legt habe, die in die­sem Jahr im Ti­tel mei­nes Se­mi­nars er­schei­nen. Denn die­ses „oder aber“ be­zieht sich auf das Feld, in dem der Dis­kurs des Sub­jekts Kon­sis­tenz an­neh­men wür­de, das heißt auf das Feld des An­de­ren, das ich als den Ort de­fi­niert habe, an den je­der Dis­kurs zu­min­dest ge­stellt wird, um sich dem an­bie­ten zu kön­nen, was sei­ne Wi­der­le­gung ist oder auch nicht ist.

Dass be­wie­sen wer­den kann und das auf die ein­fachs­te Wei­se, Sie wer­den ent­schul­di­gen, dass ich heu­te nicht mehr die Zeit habe, das zu tun – das Pro­blem ist völ­lig ver­scho­ben, wenn man fragt, ob es ei­nen Gott gibt oder nicht, der wie für Des­car­tes das Feld der Wahr­heit ga­ran­tiert3 –, uns ge­nügt da­für, dass be­wie­sen wer­den kann, dass es im Fel­de des An­de­ren kei­ne Mög­lich­keit der un­ein­ge­schränk­ten Kon­sis­tenz des Dis­kur­ses gibt; ich hof­fe das beim nächs­ten Mal für Sie aus­füh­ren zu kön­nen, und zwar ge­nau in sei­ner Ab­hän­gig­keit von der Exis­tenz des Sub­jekts. Ich habe das be­reits ein­mal sehr schnell an die Ta­fel ge­schrie­ben. Das ist ein Be­weis, den man leicht im ers­ten Ka­pi­tel von dem fin­det, was „Men­gen­leh­re“ ge­nannt wird. Aber den­noch muss man zei­gen, zu­min­dest für ei­nen Teil der hier be­find­li­chen Oh­ren, in­wie­fern es stich­hal­tig ist, für uns Ana­ly­ti­ker, bei der Auf­hel­lung der Funk­ti­on ei­nes Dis­kur­ses wie des uns­ri­gen, eine Funk­ti­on ein­zu­füh­ren, die aus ei­ner­Lo­gik her­aus­ge­zo­gen ist, bei der es wirk­lich ein Un­recht wäre, zu glau­ben, dass die Be­zeich­nung als ma­the­ma­ti­sche Lo­gik eine Art und Wei­se wäre, sie in den an­gren­zen­den Hör­saal aus­zu­gren­zen.

Wenn im An­de­ren nir­gend­wo auf ir­gend­ei­ne Wei­se die Kon­sis­tenz des­sen ge­si­chert wer­den kann, was sich Wahr­heit nennt, wo ist sie dann also, wenn nicht von da­her, dass die Funk­ti­on des a für sie bürgt?

Habe ich denn nicht auch be­reits bei an­de­rer Ge­le­gen­heit vor­ge­bracht, was es mit dem Schrei der Wahr­heit auf sich hat? „Ich, die Wahr­heit“, habe ich ge­schrie­ben, „ich spre­che“, und ich bin rei­ne Ar­ti­ku­la­ti­on, vor­ge­bracht zu Ih­rer Ver­le­gen­heit. Das ist hier das, was die Wahr­heit sa­gen kann,  um uns zu er­schüt­tern.

Aber was der­je­ni­ge, der Lei­den ist, von da­her sagt, dass er die­se Wahr­heit ist, er muss wis­sen, dass ihr Schrei nur stum­mer Schrei ist, Schrei in der Lee­re, Schrei, den ich be­reits vor ei­ni­ger Zeit mit der be­rühm­ten Gra­phik von Munch il­lus­triert habe. Denn auf die­ser Ebe­ne kann ihm beim An­de­ren nichts an­de­res ant­wor­ten als das, wo­durch des­sen Kon­sis­tenz be­wirkt wird und was sei­nen nai­ven Glau­be an das be­wirkt, was das Sub­jekt als Ich (moi) ist, an das, was des­sen wahr­haf­te Stüt­ze ist, das heißt sei­ne Fa­bri­ka­ti­on als Ob­jekt a.

Ihm ge­gen­über gibt es nichts als die­ses, als das Eins-mehr un­ter vie­len an­de­ren, das auf den Schrei der Wahr­heit auf kei­ne an­de­re Wei­se ant­wor­ten kann denn so, dass es selbst ge­nau des­sen Äqui­va­lent ist: das Nicht-Ge­nie­ßen, das Elend, die Ver­zweif­lung und die Ein­sam­keit.

Das ist das Ge­gen­stück zu die­sem a, zu die­ser Mehr­lust, die die Ko­hä­renz des Sub­jekts als Ich (moi) aus­macht.

[25] Et­was an­de­res gibt es nicht, bis auf dies, dass ich für heu­te – da ich Sie mit et­was ver­las­sen möch­te, was ein we­nig mehr zum Lä­cheln bringt –, dass ich die Wor­te ei­nes al­ten Kö­nigs aus dem Ek­kle­si­as­tes auf­grei­fe, ei­nes Kö­nigs, der kei­nen Wi­der­spruch da­zwi­schen sah, der Kö­nig der Weis­heit zu sein und ei­nen Ha­rem zu be­sit­zen, und der Ih­nen sagt: „Es ist al­les ganz ei­tel“, ge­wiss; „ge­nie­ße der Frau, die du liebst“, das heißt, ma­che ei­nen Ring aus die­ser Höh­lung, aus die­ser Lee­re, die im Zen­trum dei­nes Seins ist. Es gibt kei­nen Nächs­ten au­ßer die­ser Höh­lung, die in dir ist, das ist die Lee­re dei­ner selbst.

Aber in die­sem Ver­hält­nis, das si­cher­lich al­lein durch die Fi­gur ga­ran­tiert wird, die es Freud zwei­fel­los er­mög­licht hat, die­sen gan­zen ge­fähr­li­chen Weg durch­zu­hal­ten und uns zu er­mög­li­chen, Ver­hält­nis­se auf­zu­klä­ren, die ohne die­sen My­thos nicht er­träg­lich ge­we­sen wä­ren, das gött­li­che Ge­setz, durch wel­ches das Ge­nie­ßen zwi­schen dem Mann und der Frau in sei­ner gan­zen Pri­mi­ti­vi­tät ge­las­sen wird. Wor­über man sa­gen muss: Gib ihr das, was du nicht hast, denn was dich mit ihr ver­ei­nen kann, ist ein­zig ihr Ge­nie­ßen.

Dar­über, in der Art ei­nes ein­fa­chen, ei­nes to­ta­len, ei­nes re­li­giö­sen Rät­sels, über das, was nur in der Kab­ba­la an­ge­gan­gen wird, will ich Ih­nen heu­te Ent­las­tung er­tei­len.

Französisch/Deutsch

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be von Se­mi­nar 16.

[11] [An der Ta­fel]

L’essence de la théo­rie psy­chana­ly­tique est un dis­cours sans pa­ro­le.

Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen [pa­ro­le].

Nous nous re­trou­vons cet­te an­née pour un sé­min­aire dont j’ai choi­si le tit­re D’un Aut­re à l’autre, pour in­di­quer ce que se­ront les grands re­pè­res au­tour de quoi doit, à pro­pre­ment par­ler, tour­ner mon dis­cours.

Wir tref­fen uns in die­sem Jahr zu ei­nem Se­mi­nar, für das ich den Ti­tel Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren ge­wählt habe, um da­mit an­zu­zei­gen, was die Haupt­be­zugs­punk­te sein wer­den, um die sich mein Dis­kurs im stren­gen Sin­ne des Wor­tes dre­hen soll.

C’est en ceci que ce dis­cours, au point du temps où nous som­mes, est cru­ci­al : il l’est pour au­tant qu’il dé­fi­nit ce qu’il en est de ce dis­cours qui s’appelle le dis­cours psy­chana­ly­tique, dont l’introduction, dont l’entrée en jeu dans ce temps em­por­te tant de con­séquen­ces.

Die­ser Dis­kurs ist, zu dem Zeit­punkt, an dem wir sind, ent­schei­dend, in­so­fern näm­lich, als er de­fi­niert, wor­um es bei dem­je­ni­gen Dis­kurs geht, der „psy­cho­ana­ly­ti­scher Dis­kurs“ ge­nannt wird und des­sen Ein­füh­rung, des­sen Ein­tritt ins Spiel zu die­ser Zeit so vie­le Kon­se­quen­zen nach sich zieht.

Une éti­quet­te a été mise sur ce4 pro­cès du dis­cours.

Die­ses Dis­kurs­ver­fah­ren ist mit ei­nem Eti­kett ver­se­hen wor­den.

« Le struc­tu­ra­lis­me » a-t-on dit, mot qui d’ailleurs n’a pas né­ces­sité5 de la part du pu­bli­cis­te qui sou­dain – il y a, mon Dieu, un nom­bre pas tel­le­ment grand de mois – l’a pous­sé6 pour englo­ber un cer­tain nom­bre, dont le tra­vail de­puis long­temps avait tra­cé quel­ques ave­nues de ce dis­cours.

Der Struk­tu­ra­lis­mus“, hat man ge­sagt, ein Wort, das für den Pu­bli­zis­ten üb­ri­gens nicht not­wen­dig war, der es plötz­lich – das ist, mein Gott, noch nicht be­son­ders vie­le Mo­na­ten her – aus­ge­sto­ßen hat, um eine be­stimm­te An­zahl von Leu­ten da­mit ab­zu­de­cken, de­ren Ar­beit seit län­ge­rem ei­ni­ge Ave­nu­en die­ses Dis­kur­ses ge­bahnt hat­te.7

Je vi­ens de par­ler d’un pu­bli­cis­te, cha­cun sait les jeux de mots que je me suis per­mis au­tour de la « pou­bel­li­ca­ti­on ».

Ich habe eben von ei­nem Pu­bli­zis­ten ge­spro­chen; je­der kennt das Wort­spiel, das ich mir mit pou­bel­li­ca­ti­on er­laubt habe.8

Nous voi­là donc un cer­tain nom­bre, de par la grâce de qui c’est l’office, ré­u­nis dans la même pou­bel­le.

Eine be­stimm­te An­zahl von uns fin­det sich also, durch die Gna­de der­je­ni­gen, de­ren Amt das ist, im sel­ben pou­bel­le (Müll­ei­mer) ver­ei­nigt.

On pour­rait avoir plus dé­s­agréa­ble com­pa­gnie.

Man könn­te un­an­ge­neh­me­re Ge­sell­schaft ha­ben.

À la vé­rité, ceux avec qui je m’y trouve con­joint n’étant que des gens pour le tra­vail des­quels j’ai la plus gran­de esti­me, je ne sau­rais, de tou­te fa­çon, m’en trou­ver mal.

Die­je­ni­gen, mit de­nen ich mich hier zu­sam­men­ge­bracht fin­de, sind al­le­samt Leu­te, für de­ren Ar­beit ich wirk­lich die größ­te Wert­schät­zung habe, es könn­te mir da­bei in kei­ner Wei­se schlecht ge­hen.

Sur­tout que pour ce qui est de la pou­bel­le, en ce temps do­mi­né par le gé­nie de Sa­mu­el Be­ckett, nous en con­nais­sons un bout.

Ins­be­son­de­re da wir uns in die­ser Zeit, die vom Ge­nie Sa­mu­el Be­cketts be­herrscht wird, mit dem Müll­ei­mer ein we­nig aus­ken­nen.9, ein we­nig aus­ken­nen.

Pour moi per­son­nel­le­ment, après avoir ha­bité pen­dant aujourd’hui pres­que tren­te ans – en trois sec­tions de 15, de 10 et de 5 ans – dans trois so­cié­tés psy­chana­ly­ti­ques, j’en con­nais un bout sur ce qu’il en est de co­h­a­bi­ter avec les or­du­res mé­na­gè­res !

Was mich per­sön­lich an­geht, nach­dem ich bis heu­te fast drei­ßig Jah­re lang, in drei Ab­schnit­ten von fünf­zehn, zehn und fünf Jah­ren, in drei psy­cho­ana­ly­ti­schen Ge­sell­schaf­ten ge­lebt habe, weiß ich ein biss­chen Be­scheid dar­über, was es heißt, mit Haus­halts­ab­fäl­len zu­sam­men­zu­le­ben.

Pour ce qui est du struc­tu­ra­lis­me, à la vé­rité on com­prend le ma­lai­se qui peut se pro­du­i­re chez cer­ta­ins du ma­nie­ment que l’on pré­ten­drait de l’exté- | [12] ri­eur in­fli­ger à not­re com­mun ha­bi­tat, et aus­si bien que l’on puis­se avoir l’envie d’en sor­tir un peu pour se dé­rouil­ler les jam­bes.

Was den Struk­tu­ra­lis­mus an­geht, so ver­steht man wirk­lich das Un­be­ha­gen, das bei ei­ni­gen durch die Be­hand­lung her­vor­ge­ru­fen wer­den kann, die man wil­lens wäre, un­se­rem ge­mein­sa­men Ha­bi­tat von au­ßen zu­zu­fü­gen, und eben­so, dass man Lust ver­spü­ren kann, ein we­nig raus­zu­ge­hen, um sich die Bei­ne zu ver­tre­ten.

Il n’en res­te pas mo­ins que de­puis que cet­te im­pa­ti­ence sem­ble – se­lon tou­te ap­pa­rence – prend­re cer­ta­ins, je m’avise qu’en cet­te cor­beil­le je ne me trouve après tout pas si mal.

Den­noch ist es so, dass ich be­mer­ke+ – seit die­se Un­ge­duld al­lem An­schein nach ei­ni­ge zu er­fas­sen scheint –, dass es mir in die­sem Korb doch gar nicht so schlecht geht.

Puis­que, aus­si bien, à mes yeux, il ne me sem­ble pas – ce struc­tu­ra­lis­me – pou­voir être iden­ti­fié à aut­re cho­se qu’à ce que j’appellerai tout sim­ple­ment « le sé­rieux », et à au­cun de­gré – quoi qu’il en soit – à quel­que cho­se qui res­sem­ble à rien de ce que l’on peut ap­pe­ler une phi­lo­so­phie, si par ce mot l’on dé­si­gne une vi­si­on du mon­de, ou même quel­que fa­çon d’assurer à droi­te et à gau­che, les po­si­ti­ons d’une pen­sée.

Da es mir in mei­nen Au­gen auch nicht so zu sein scheint, dass die­ser Struk­tu­ra­lis­mus mit et­was an­de­rem gleich­zu­set­zen ist als mit dem, was ich ganz ein­fach „das Se­riö­se“ nen­nen möch­te, und in kei­ner Wei­se – wie auch im­mer – mit et­was, was dem äh­nelt, was man Phi­lo­so­phie nen­nen kann, wenn man mit die­sem Wort eine Welt­an­schau­ung be­zeich­net oder so­gar eine Art und Wei­se, um die Po­si­tio­nen ei­nes Den­kens rechts und links ab­zu­si­chern.

Qu’il suf­fi­se, pour ré­fu­ter le pre­mier cas… s’il est vrai que – psy­chana­lys­te – je ne pou­vais me pré­tendre d’aucune fa­çon in­tro­du­i­re ce qui s’intitule ri­di­cu­le­ment une an­thro­po­lo­gie psy­chana­ly­tique …il suf­fi­rait de rap­pe­ler, à l’entrée même de ce do­mai­ne, des vé­rités con­sti­tu­an­tes qu’apporte dans ce champ la psy­chana­ly­se, c’est à sa­voir qu’il n’y a pas d’union de l’homme et de la femme sans que la cas­tra­ti­on : ne dé­ter­mi­ne, au tit­re du fan­tas­me, pré­cis­é­ment, la réa­lité du par­ten­aire chez qui elle est im­pos­si­ble, sans qu’elle se joue – la cas­tra­ti­on – dans cet­te sor­te de re­cel qui la pose com­me vé­rité chez le par­ten­aire à qui elle est réel­le­ment, sauf excès ac­ci­den­tel, éparg­née.

Um den ers­ten Fall zu­rück­zu­wei­sen, möge es ge­nü­gen – wenn es stimmt, dass ich als Psy­cho­ana­ly­ti­ker mir nicht vor­neh­men konn­te, auf ir­gend­ei­ne Wei­se in et­was ein­zu­füh­ren, was lä­cher­li­cher­wei­se als psy­cho­ana­ly­ti­sche An­thro­po­lo­gie be­ti­telt wird –, soll­te es ge­nü­gen, be­reits beim ers­ten Be­tre­ten die­ses Be­reichs an kon­sti­tu­ie­ren­de Wahr­hei­ten zu er­in­nern, die die Psy­cho­ana­ly­se in die­ses Feld ein­bringt, näm­lich dass es kei­ne Ver­ei­ni­gung von Mann und Frau gibt, ohne dass die Kas­tra­ti­on <ei­ner­seits> als Phan­tas­ma ge­nau die Rea­li­tät des Part­ners bei dem­je­ni­gen be­stimmt, bei dem sie un­mög­lich ist, und ohne dass sie, die Kas­tra­ti­on, sich <an­de­rer­seits> in ei­ner Art Heh­le­rei ab­spielt, durch die sie bei dem­je­ni­gen Part­ner als Wahr­heit an­ge­nom­men wird, der da­von rea­li­ter ver­schont bleibt, von ei­ner zu­fäl­li­gen Über­schrei­tung ab­ge­se­hen.

In­sis­tons bien que, ré­pan­dant cet­te for­mu­le de la Genè­se que Dieu les créa – il y a aus­si le créa – hom­me et femme, c’est le cas de le dire : Dieu sait pour­quoi ! chez l’un, l’impossible de son ef­fec­tua­ti­on – à la cas­tra­ti­on – vi­ent à se po­ser com­me dé­ter­mi­nant de sa réa­lité, chez l’autre, le pire dont elle le me­nace com­me pos­si­ble n’a pas be­soin d’arriver pour être vrai, au sens où ce ter­me ne com­por­te pas de re­cours.

Be­har­ren wir dar­auf, die For­mel der Ge­ne­sis aus­wei­tend, dass Gott sie schuf – es gibt auch das „ihn schuf“ –, sie als Mann und als Frau schuf10, man muss wohl sa­gen: Gott weiß war­um; dass beim ei­nen das Un­mög­li­che ih­res Voll­zugs, des Voll­zugs der Kas­tra­ti­on, dazu ge­langt, sich von sei­ner Rea­li­tät her als be­stim­mend zu set­zen, dass beim an­de­ren das Schlimms­te, mit dem sie ihn als mög­lich be­droht, nicht ein­tre­ten muss, um wahr zu sein, in dem Sin­ne, dass die­ser Ter­mi­nus kei­nen Aus­weg lässt.

Ce seul rap­pel, sem­ble-t-il, im­pli­que : qu’au mo­ins au sein du champ qui ap­pa­rem­ment est le nôt­re, nul­le har­mo­nie, de quel­que fa­çon que nous ay­ons à la dé­si­gner, n’est d’aucune fa­çon de mise, qu’assurément quel­que pro­pos s’impose à nous qui est ce­lui jus­tement du dis­cours qui con­vi­ent.

Al­lein schon die­se Er­in­ne­rung im­pli­ziert, so scheint es, dass zu­min­dest im In­ne­ren des­je­ni­gen Fel­des, das of­fen­kun­dig das un­se­re ist, kei­ne Har­mo­nie in ir­gend­ei­ner Wei­se am Werk ist, wie auch im­mer sie zu be­zeich­nen wäre, und dass sich uns ge­wiss ein be­stimm­tes Vor­ha­ben auf­nö­tigt, näm­lich das ei­nes Dis­kur­ses, der dem an­ge­mes­sen wäre.

Pour le me­ner, au­rons-nous à nous po­ser – en quel­que sor­te – la ques­ti­on qui est cel­le d’où est par­tie tou­te la phi­lo­so­phie, c’est qu’au re­gard de tant de sa­voirs, non sans val­eur et ef­fi­cace : qu’est-ce qui peut dis­tin­guer ce dis­cours de soi-même | [13] as­su­ré, qui se fondant sur un critè­re que la pen­sée pren­drait dans sa prop­re me­s­u­re, mé­ri­te­rait de s’intituler επιστήμη [epis­tēmē] , la sci­ence ?

Um es durch­zu­füh­ren, wer­den wir uns ge­wis­ser­ma­ßen die Fra­ge stel­len müs­sen, von der die ge­sam­te Phi­lo­so­phie aus­ge­gan­gen ist, näm­lich wo­durch sich, ver­gli­chen mit so vie­len Wis­sens­ar­ten, die kei­nes­wegs ohne Wert und Wirk­sam­keit sind, wo­durch sich der Dis­kurs aus­zeich­nen mag, der durch sich selbst ge­si­chert wäre und der es, in­dem er sich auf ein Kri­te­ri­um grün­det, das vom Den­ken nach ei­ge­nen Maß ge­wählt wird, ver­die­nen wür­de, als epis­tēmē be­ti­telt zu wer­den, als Wis­sen­schaft?

Nous som­mes por­tés… ne se­rait-ce que d’abord par ce défi que je vi­ens de dé­si­gner com­me ce­lui por­té par la vé­rité au réel …à plus de pru­dence dans cet­te dé­m­ar­che de mise en ac­cord de la pen­sée avec elle-même : une règ­le de pen­sée qui a à s’assurer de la non-pen­sée com­me de ce qui peut être sa cau­se, voi­là ce à quoi nous som­mes con­fron­tés avec la no­ti­on de l’inconscient.

Bei dem Vor­ha­ben, das Den­ken mit sich selbst in Über­ein­stim­mung zu brin­gen, wer­den wir zu grö­ße­rer Vor­sicht ge­nö­tigt und sei es zu­nächst nur durch die Her­aus­for­de­rung, die ich eben als die­je­ni­ge be­zeich­net habe, die von der Wahr­heit an das Rea­le ge­rich­tet wird. Eine Re­gel des Den­kens, die sich des Nicht-Den­kens zu ver­si­chern hat, als dem, was sei­ne Ur­sa­che sein kann – das ist das, dem wir beim Be­griff des Un­be­wuss­ten ge­gen­über­ste­hen.11

Ce n’est qu’à me­s­u­re de « l’hors de sens » des pro­pos, et non pas – com­me on s’imagine et com­me tou­te la phé­no­mé­no­lo­gie le sup­po­se – du sens, que je suis com­me pen­sée.

Als Den­ken bin ich nur von dem her, was von den Wor­ten au­ßer­halb des Sinns ist, und nicht, wie man sich vor­stellt und wie die ge­sam­te Phä­no­me­no­lo­gie es an­nimmt, vom Sinn her.12

Ma pen­sée n’est pas réglab­le – que l’on ajou­te ou non « hé­las ! » – à mon gré, elle est ré­glée.

Mein Den­ken lässt sich nicht nach mei­nem Be­lie­ben re­gu­lie­ren – ob man nun „lei­der!“ hin­zu­fügt oder nicht –, es wird ge­re­gelt.

Dans mon acte, je ne vise pas à l’exprimer mais à la cau­ser.

In mei­nen Akt ver­su­che ich nicht, es aus­zu­drü­cken, son­dern es zu ver­ur­sa­chen.

Mais il ne s’agit pas de l’acte : dans le dis­cours, je n’ai pas à suiv­re sa règ­le, mais à trou­ver sa cau­se.

Aber es geht nicht um den Akt. Im Dis­kurs habe ich nicht sei­ner Re­gel zu fol­gen, son­dern sei­ne Ur­sa­che zu fin­den.13

Dans l’entresens – en­ten­dez-le pour si ob­scè­ne que vous pou­vez l’imaginer – est l’être de la pen­sée.

Im Zwi­schen­sinn (l’entresens) – ver­ste­hen Sie das als so ob­szön, wie Sie es sich vor­stel­len kön­nen – ist das Sein des Den­kens.

Ce qui est à pas­ser par ma pen­sée, la cau­se, elle lais­se pas­ser pu­re­ment et sim­ple­ment ce qui a été com­me être, et ceci du fait que, déjà et tou­jours, là où elle est pas­sée, elle est pas­sée pro­du­i­sant tou­jours des ef­fets de pen­sée.

Das, was durch mein Den­ken zu ge­sche­hen hat, die Ur­sa­che, sie lässt schlicht und ein­fach das ge­sche­hen, was als Sein ge­we­sen ist, und dies des­halb, weil sie da, wo sie sich er­eig­net hat, sich im­mer schon in der Wei­se er­eig­net hat ist, dass sie be­stän­dig Denk­ef­fek­te her­vor­rief.

« Il pleut » est évé­ne­ment de la pen­sée chaque fois qu’il est énon­cé, et le su­jet en est d’abord ce « il » – ce « hile » dirai-je – qu’il con­sti­tue dans un cer­tain nom­bre de si­gni­fi­ca­ti­ons.

Es reg­net (il pleut)“ ist ein Den­ker­eig­nis, je­des Mal, wenn es ge­äu­ßert wird, und sein Sub­jekt ist zu­nächst die­ses il („es“), die­ses hile, die­ses Hilum, möch­te ich sa­gen, den es in ei­ner ge­wis­sen An­zahl von Be­deu­tun­gen bil­det.14

Et c’est pour­quoi cet « il » se re­trouve à l’aise dans tou­te la sui­te car à « il pleut » vous pou­vez don­ner : – « il pleut des vé­rités pre­miè­res, il pleut, il y a de l’abus ! »

Und des­halb kommt die­ses „es“ mit al­lem, was folgt, gut zu­recht, denn die­ses „es reg­net“ kön­nen Sie so fort­set­zen: „Es reg­net ers­te Wahr­hei­ten“, es reg­net: es gibt jede Men­ge.

Sur­tout à con­fond­re15 la plu­ie – le mé­téo­re – avec plu­via, l’aqua plu­via, la plu­ie, l’eau qu’on en re­cueil­le, le mé­téo­re est pro­pi­ce à la mé­ta­pho­re.

Vor al­lem, wenn man la plu­ie, den Re­gen, den Me­te­or16, mit [la­tei­nisch] plu­via ver­mengt, mit aqua plu­via [Re­gen­was­ser], dann ist der Re­gen, das Was­ser, das man da­von sam­melt, der Me­te­or, güns­tig für die Me­ta­pher.

Et pour­quoi ?

Und war­um?

Par­ce que déjà il est fait de si­gni­fi­ants.

Weil er be­reits aus Si­gni­fi­kan­ten be­steht.

« Il pleut ».

Es reg­net.“

L’être de la pen­sée est la cau­se d’une pen­sée en tant que hors de sens.

Das Sein des Den­kens ist die Ur­sa­che ei­nes Den­kens, in­so­fern es au­ßer­halb des Sinns ist.

Il était déjà – et tou­jours – être d’une pen­sée avant.

Es war be­reits – und das im­mer schon – das Sein ei­nes frü­he­ren Den­kens.

Or, la pra­tique de cet­te struc­tu­re re­pous­se tou­te pro­mo­ti­on d’aucune in­fail­li­bi­lité.

Nun, das Prak­ti­zie­ren die­ser Struk­tur weist jede Be­för­de­rung ei­ner Un­fehl­bar­keit zu­rück.

Elle ne s’aide pré­cis­é­ment que de la fail­le ou plu­tôt de son pro­cès même.

Sie hilft sich ge­ra­de nur mit dem Riss oder viel­mehr durch des­sen Pro­zess selbst.

Car il y a un pro­cès de la fail­le – et c’est le pro­cès dont la pra­tique de la struc­tu­re s’aide, mais elle ne sau­rait s’en ai­der qu’à la suiv­re, ce qui n’est d’aucune fa­çon la dé­pas­ser, si­non à per­mett­re sa sai­sie dans la con­séquence qui s’en fige, au temps, au point même où la re­pro­duc­tion du pro­cès s’arrête.

Denn es gibt ei­nen Pro­zess des Ris­ses, und das ist der Pro­zess, den das Prak­ti­zie­ren der Struk­tur zur Hil­fe nimmt, aber es könn­te ihn nur zur Hil­fe neh­men, in­dem es der Struk­tur folgt, was je­doch in kei­ner Wei­se heißt, sie zu über­win­den, au­ßer, um es mög­lich zu ma­chen, sie in der­je­ni­gen Kon­se­quenz zu er­fas­sen, die da­von er­starrt, zu der Zeit, an eben dem Punkt  an dem die Re­pro­duk­ti­on des Pro­zes­ses zu ei­nem Halt kommt.

C’est dire que c’est son temps d’arrêt qui en mar­que le ré­sul­tat.

Das heißt, dass sein Re­sul­tat durch sei­ne Still­stands­zeit ge­kenn­zeich­net ist.

[14] Et c’est ce qui ex­pli­que – di­sons-le ici d’une tou­che discrè­te en pas­sant – que tout art est dé­fec­tueux, que c’est du re­cueil de ce qui, au point où sa dé­fail­lan­ce, d’être ac­com­p­lie se creu­se, c’est de ce re­cueil qu’il prend sa force.

Und das er­klärt – ver­mer­ken wir das hier dis­kret am Ran­de –, war­um jede Kunst feh­ler­haft ist, war­um sie aus der Ver­samm­lung des­sen, was an dem Punkt, an dem ihr Voll­endungs­stre­ben  schei­tert, eine Höh­lung bil­det, war­um sie aus die­ser Ver­samm­lung ihre Kraft ge­winnt.

Et c’est pour­quoi la mu­si­que et l’architecture sont les arts su­prê­mes… j’entends « su­prê­mes » tech­ni­que­ment, com­me ma­xi­mum dans le ba­sal17 …pro­du­i­sant la re­la­ti­on du nom­bre har­mo­ni­que avec le temps et avec l’espace, sous l’angle pré­cis­é­ment de leur in­com­pa­ti­bi­lité.

Und dar­um sind Mu­sik und Ar­chi­tek­tur les arts su­prê­mes, die höchs­ten Küns­te – ich ver­ste­he „su­prem“ im tech­ni­schen Sin­ne, als Ma­xi­mum im Ba­sa­len –, die das Ver­hält­nis der har­mo­ni­schen Zahl zur Zeit und zum Raum er­zeu­gen, ge­nau un­ter dem Ge­sichts­punkt ih­rer Un­ver­ein­bar­keit.18

Car le nom­bre har­mo­ni­que n’est – main­ten­ant on le sait bien – que pas­soire, à ne re­tenir ni l’un ni l’autre : ni ce temps, ni cet es­pace.

Denn die har­mo­ni­sche Zahl, in­zwi­schen weiß man das gut, ist nur ein Sieb, da es we­der das eine noch das an­de­re zu­rück­be­hält, we­der die­se Zeit, noch die­sen Raum.19

Voi­là ce dont le struc­tu­ra­lis­me est la pri­se au sé­rieux.

Das ist das, wor­in der Struk­tu­ra­lis­mus et­was Se­riö­se ist.

Il est la pri­se au sé­rieux de ceci : du sa­voir com­me cau­se, cau­se dans la pen­sée, et le plus ha­bi­tu­el­le­ment, il faut bien le dire, d’une vi­sée dé­li­ran­te.

Er ist et­was Se­riö­ses, in­so­fern er dies ernst nimmt: das Wis­sen als Ur­sa­che, als Ur­sa­che im Den­ken, und er tut dies am häu­figs­ten, so muss man sa­gen, für eine wahn­haf­te Ori­en­tie­rung.

Ne vous ef­fray­ez pas, ce sont pro­pos d’entrée, rap­pels de certi­tu­des, non pas de vé­rités.

Er­schre­cken Sie nicht, das sind Ein­gangs­be­mer­kun­gen, Er­in­ne­run­gen an Ge­wiss­hei­ten – kei­ne Wahr­hei­ten.

Et je vou­d­rais, avant d’introduire aujourd’hui les sché­mas d’où j’entends par­tir, mar­quer que si quel­que cho­se d’ores et déjà doit vous en res­ter au creux de la main, c’est ce que j’ai pris soin d’écrire tout à l’heure au ta­bleau sur l’essence de la théo­rie : L’essence de la théo­rie psy­chana­ly­tique est un dis­cours sans pa­ro­le.

Und be­vor ich heu­te die Sche­ma­ta ein­füh­re, von de­nen ich aus­ge­hen will, möch­te ich an­mer­ken, wenn et­was da­von bei Ih­nen be­reits hän­gen­blei­ben soll­te, dann ist es das, was ich mich vor­hin be­müht habe, über das We­sen der Theo­rie an die Ta­fel zu schrei­ben: Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen.

L’essence de la théo­rie psy­chana­ly­tique est la fonc­tion du dis­cours et très pré­cis­é­ment en ceci… qui pour­ra vous sem­bler nou­veau, à tout le mo­ins pa­ra­doxal …que je le dirai « sans pa­ro­le ».

Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist die Funk­ti­on des Dis­kur­ses und zwar ge­nau in­so­fern – was ih­nen als neu er­schei­nen mag, zu­min­dest als pa­ra­dox –, als ich es nen­nen wer­de „ohne Spre­chen“.

Il s’agit de l’essence de la théo­rie puis­que c’est ceci qui est en jeu.

Es geht um das We­sen der Theo­rie, denn das ist das, was auf dem Spiel steht.

Qu’en est-il de la théo­rie dans le champ psy­chana­ly­tique ?

Was hat es im psy­cho­ana­ly­ti­schen Feld mit der Theo­rie auf sich?

Au­tour de ceci, j’entends brui­re au­tour de moi d’étranges échos.

Dazu höre ich um mich her­um merk­wür­di­ge Echos er­klin­gen.

Le ma­len­ten­du ne man­que pas, et sous pré­tex­te qu’à po­ser tout un champ de la pen­sée com­me ma­ni­pu­la­ti­on, je sem­ble mett­re en cau­se des princi­pes tra­di­ti­on­nels.

Es man­gelt nicht an Miss­ver­ständ­nis­sen, und ich schei­ne un­ter dem Vor­wand, ein gan­zes Feld des Den­kens als Ma­ni­pu­la­ti­on auf­zu­fas­sen, tra­di­tio­nel­le Prin­zi­pi­en in Fra­ge zu stel­len.

J’entends et ceci est tra­du­it… éton­nam­ment, pour être dans des lieux ou dans des têtes qui me sont pro­ches …par je ne sais quoi qui s’appellera « de l’impossibilité thé­o­ri­que ».

Ich höre, und so wird das er­staund­li­cher­wei­se über­setzt – er­staun­li­cher­wei­se in­so­fern, als das an Or­ten oder in Köp­fen statt­fin­det, die mir na­he­ste­hen –, das wird mit ir­gend­et­was über­setzt, was „theo­re­ti­sche Un­mög­lich­keit“ hei­ßen soll.

Voi­re – n’ai-je pas trou­vé cela au dé­tour de quel­ques li­gnes ? – que ce qu’un jour j’ai énon­cé dans un con­tex­te qui di­sait bien ce que cela vou­lait dire : qu’il n’y a pas d’univers de dis­cours… « Alors à quoi bon nous fa­ti­guer… » sem­ble-t-on en con­clu­re.

Habe ich nicht so­gar ein­mal ir­gend­wo in ei­ni­gen Zei­len dies ge­fun­den, dass das, was ich ein­mal in ei­nem Kon­text ge­äu­ßert habe, der klar sag­te, was es be­deu­tet, dass es kein Dis­kurs­uni­ver­sum gibt, dass man dar­aus zu schlie­ßen scheint: also war­um sol­len wir uns dann lang­wei­len?

Sans dou­te im­por­te-t-il mo­ins à mes yeux de cor­ri­ger mon dire, car il ne prête à au­cu­ne am­bi­guïté, et on ne voit pas ce en quoi le fait que l’on puis­se énon­cer – pré­cis­é­ment de ce qu’on l’ait énon­cé – qu’il n’y a point de clô­tu­re du dis­cours, en­trai­ne que le dis­cours est pour au­tant – bien loin de là – ni | [15] im­pos­si­ble, ni même seu­le­ment dé­va­lo­ri­sé.

Si­cher­lich ist es in mei­nen Au­gen nicht so wich­tig, das, was ich sage, zu kor­ri­gie­ren, denn zu ir­gend­wel­chen Mehr­deu­tig­kei­ten bie­tet das kei­nen An­lass, und es ist nicht zu se­hen, wie­so dar­aus, dass man äu­ßern kann, wie­so ge­nau dar­aus, dass man ge­äu­ßert hat­te, dass es kei­ne Schlie­ßung des Dis­kur­ses gibt, wie­so dar­aus folgt, dass der Dis­kurs un­mög­lich oder auch nur ent­wer­tet wäre – ganz und gar nicht.

C’est pré­cis­é­ment à par­tir de là que de ce dis­cours vous avez la char­ge, et spé­cia­le­ment cel­le de le bien con­du­i­re, ten­ant comp­te de ce que veut dire cet énon­cé qu’il n’y a pas d’univers du dis­cours.

Ge­nau von da­her sind Sie für die­sen Dis­kurs ver­ant­wort­lich, ins­be­son­de­re da­für, ihn gut zu füh­ren und da­bei dem Rech­nung zu tra­gen, was die Be­haup­tung be­sagt, dass es kein Dis­kurs­uni­ver­sum gibt.

Il n’y a cer­tes donc à cet égard rien de ma part à cor­ri­ger.

In die­ser Hin­sicht gibt es von mei­ner Sei­te aus also si­cher­lich nichts zu kor­ri­gie­ren.

Sim­ple­ment à y re­ve­nir pour fai­re les pas sui­v­ants : de ce qui du dis­cours déjà avan­cé s’induit de con­séquen­ces, mais aus­si peut-être à re­ve­nir sur ce qui peut fai­re qu’étant at­ta­ché au­tant que peut l’être un ana­lys­te aux con­di­ti­ons de ce dis­cours, il peut à tout in­stant mon­trer ain­si sa dé­fail­lan­ce.

Es geht ein­fach nur dar­um, dar­auf zu­rück­zu­kom­men, um die nächs­ten Schrit­te zu tun, aus­ge­hend von den Kon­se­quen­zen die sich aus dem be­reits vor­an­ge­schrit­te­nen Dis­kurs er­ge­ben, aber viel­leicht auch, um auf das zu­rück­zu­kom­men, was dazu füh­ren kann, dass er, wenn man an die Be­din­gun­gen die­ses Dis­kur­ses so ge­bun­den ist, wie das bei ei­nem Ana­ly­ti­ker der Fall sein kann, dass er so in je­dem Mo­ment sein Schei­tern zei­gen kann.

Il fut un temps… per­met­tez-moi, avant d’entrer dans ce do­mai­ne, un peu de mu­si­que …où j’avais pris l’exemple du pot, non sans qu’on en fit un tel scan­da­le que j’ai lais­sé ce pot, si je puis dire, en mar­ge de mes Écrits.

Es gab eine Zeit – ge­stat­ten Sie mir ein we­nig Mu­sik, be­vor ich in die­sen Be­reich ein­tre­te –, es gab eine Zeit, in der ich das Bei­spiel des Top­fes ge­wählt hat­te, nicht ohne dass man dar­aus ei­nen sol­chen Skan­dal ge­macht hat, dass ich die­sen Topf, wenn ich so sa­gen darf, am Ran­de mei­ner Schrif­ten ge­las­sen habe.20

Il s’agissait de ceci, dont le pot est en quel­que sor­te l’image sen­si­ble, qu’il est cet­te si­gni­fi­ca­ti­on, par lui-même mo­delée, grâce à quoi, ma­ni­fes­t­ant l’apparence d’une for­me et d’un con­te­nu, il per­met d’introduire dans la pen­sée que c’est le con­te­nu qui est la si­gni­fi­ca­ti­on, com­me si la pen­sée ma­ni­fes­tait là ce be­soin de s’imaginer com­me ayant aut­re cho­se à « con­tenir », car c’est ce que le ter­me de « con­tenir » dé­si­gne quand il se poin­te à pro­pos d’un acte in­tem­pes­tif.

Es ging um das, wo­für der Topf ge­wis­ser­ma­ßen das spür­ba­re Bild ist, dar­um, dass er die­se Be­deu­tung ist, durch ihn selbst mo­del­liert, dank de­rer er es ge­stat­tet, in­dem er die Er­schei­nung ei­ner Form und ei­nes In­halts ma­ni­fes­tiert, in das Den­ken dies ein­zu­füh­ren, dass die Be­deu­tung eben der In­halt (con­te­nu) ist – so als ma­ni­fes­tie­re das Den­ken hier das Be­dürf­nis, sich selbst als et­was vor­zu­stel­len, das et­was an­de­res „zu­rück­hal­ten (con­tenir)“ muss, denn das ist das, was der Aus­druck con­tenir be­zeich­net, wenn er an­läss­lich ei­nes un­an­ge­mes­se­nen Akts vor­ge­bracht wird.

Le pot, je l’ai ap­pelé « de moutar­de » pour fai­re re­mar­quer que loin d’en con­tenir for­cé­ment, c’est pré­cis­é­ment d’être vide qu’il prend sa val­eur de pot de moutar­de, à sa­voir que c’est par­ce que le mot « moutar­de » est écrit des­sus.

Ich habe den Topf „Senf­topf“ ge­nannt, um dar­auf auf­merk­sam zu ma­chen, dass er kei­nes­wegs zwangs­läu­fig Senf ent­hält, son­dern sei­nen Wert als Senf­topf viel­mehr da­durch er­hält, dass er leer ist, von da­her näm­lich, dass das Wort „Senf“ auf ihm ge­schrie­ben steht.

Mais « moutar­de » qui veut dire que „moult lui tar­de“ à ce pot, d’atteindre à sa vie éter­nel­le de pot qui com­mence au mo­ment où il sera – ce pot – troué.

Aber moutar­de, Senf, das be­deu­tet, dass die­sem Topf moult lui tar­de (dass er vie­les er­war­tet), um als Topf sein ewi­ges Le­ben zu er­lan­gen, wel­ches in dem Mo­ment be­ginnt, in dem er, die­ser Topf, ein Loch be­kommt.

Car c’est sous cet as­pect, à tra­vers les âges, que nous le re­cueil­lons dans les fouilles, à sa­voir à cher­cher dans les tom­bes ce qui nous té­moi­g­ne­ra de l’état d’une ci­vi­li­sa­ti­on.

Denn un­ter die­sem As­pekt sam­meln wir sie durch die Zei­ten hin­durch, bei den Aus­gra­bun­gen, das heißt, um in den Grä­bern das zu su­chen, was uns vom Zu­stand ei­ner Kul­tur Zeug­nis ab­le­gen wird.

Le pot est troué, dit-on, en hom­mage au déf­unt et pour que le vi­vant ne puis­se pas s’en ser­vir.

Der Topf, sagt man, hat zu Eh­ren des Ver­stor­be­nen ein Loch und da­mit der Le­ben­de sich sei­ner nicht be­die­nen kann.

Bien sûr, c’est une rai­son.

Das ist na­tür­lich ein Grund.

Mais il y en a peut-être une aut­re qui est cel­le-ci : c’est que c’est ce trou qu’il est fait pour pro­du­i­re, pour que ce trou se pro­dui­se, il­lus­trant le my­the des Da­naï­des.

Aber es gibt viel­leicht noch ei­nen wei­te­ren, näm­lich den, dass die­ses Loch dazu ge­macht ist, um zu pro­du­zie­ren, da­mit die­ses Loch sich pro­du­ziert, wo­mit der My­thos der Da­nai­den il­lus­triert wird.21

C’est dans cet état que ce pot… quand nous l’avons ain­si de son lieu de sé­pul­tu­re res­sus­cité …vi­ent trô­ner sur l’étagère du collec­tion- | [16] neur, et dans ce mo­ment de gloire il en est de lui ce qu’il en est aus­si pour Dieu : c’est dans cet­te gloire qu’il ré­vè­le pré­cis­é­ment sa na­tu­re.

In die­sem Zu­stand ge­langt der Topf dazu, nach­dem wir ihn so von sei­nem Gra­be­sort ha­ben auf­er­ste­hen las­sen, im Re­gal des Samm­lers zu thro­nen, und in die­sem Au­gen­blick des Ruh­mes geht es ihm, wie es auch Gott geht: in die­sem Ruhm ent­hüllt er ge­nau sei­ne Na­tur.

La struc­tu­re du pot – je ne dis pas sa ma­tiè­re – ap­pa­raît là ce qu’elle est, à sa­voir : cor­ré­la­ti­ve de la fonc­tion du tube et du tam­bour.

Die Struk­tur des Top­fes – ich sage nicht sei­ne Ma­te­rie – er­scheint da als das, was sie ist, näm­lich als et­was, was der Funk­ti­on des Roh­res und der Trom­mel ent­spricht.

Et si nous al­lons cher­cher dans la na­tu­re les pré­for­mes, nous ver­rons que cor­nes ou con­ques, c’est en­core là, après que la vie ait été ex­trai­te, qu’il a à mon­trer ce qui est son es­sence, à sa­voir la ca­pa­cité so­no­re.

Und wenn wir in der Na­tur nach Vor­for­men su­chen, wer­den wir se­hen, dass Hör­ner oder Schne­cken auch dann noch da sind, wenn das Le­ben sie ver­las­sen hat, dass es zei­gen muss, was sein We­sen ist, näm­lich die Fä­hig­keit, Töne her­vor­zu­brin­gen.

Des ci­vi­li­sa­ti­ons en­t­iè­res ne sont plus re­pré­sen­tées pour nous que par ces pe­tits pots qui ont la for­me d’une tête ou bien en­core de quel­que ani­mal cou­vert lui-même de tant de si­gnes pour nous dès lors im­pé­né­tra­bles, fau­te de do­cu­ments cor­ré­la­tifs.

Gan­ze Kul­tu­ren sind für uns nur noch durch die­se klei­nen Töp­fe re­prä­sen­tiert, die die Form ei­nes Kop­fes ha­ben oder auch ir­gend­ei­nes Tie­res, das mit so vie­len Zei­chen be­deckt ist, die für uns, man­gels ent­spre­chen­der Do­ku­men­te, un­durch­dring­lich sind.

Et ici nous sen­tons que la si­gni­fi­ca­ti­on, l’image, est bien à l’extérieur, que ce qui est à l’intérieur lais­sé à être est pré­cis­é­ment ce qui gît dans la tom­be où nous le trou­vons, à sa­voir des ma­tiè­res pré­cieu­ses : les par­fums, l’or, l’encens et la myr­rhe, com­me on dit.

Und hier spü­ren wir, dass die Be­deu­tung, das Bild, ganz im Au­ßen ist, dass das, was im In­ne­ren ge­las­sen wird, ge­nau das ist, was in dem Grab liegt, in dem wir es fin­den, näm­lich kost­ba­re Ma­te­ria­li­en, Par­fü­me – Gold, Weih­rauch und Myr­rhe, wie man sagt.22

Le pot ex­pli­que la si­gni­fi­ca­ti­on de ce qui est là au tit­re de quoi ?

Der Topf er­klärt die Be­deu­tung des­sen, was da ist – und zwar wo­mit?

Au tit­re d’une val­eur d’usage, di­sons plu­tôt d’une val­eur d’échange avec un aut­re mon­de et une aut­re di­gnité – d’une val­eur d’hommage.

Durch ei­nen Tausch­wert oder sa­gen wir eher durch den Wert ei­nes Aus­tauschs mit ei­ner an­de­ren Welt und mit ei­ner an­de­ren Wür­de, durch ei­nen Hul­di­gungs­wert.

Que ce soit dans des pots que nous re­trou­vi­ons les ma­nu­scrits de la mer Mor­te, voi­là qui est fait pour nous fai­re sen­tir que ce n’est pas le si­gni­fié qui est à l’intérieur, c’est très pré­cis­é­ment le si­gni­fi­ant, et que c’est à lui que nous al­lons avoir af­fai­re quand il s’agit de ce qui nous im­por­te, à sa­voir le rap­port du dis­cours et de la pa­ro­le dans l’efficience ana­ly­tique.

Dass wir die Ma­nu­skrip­te vom To­ten Meer in Töp­fen wie­der­ge­fun­den ha­ben, lässt uns spü­ren, dass im In­ne­ren nicht das Si­gni­fi­kat ist, son­dern ge­nau der Si­gni­fi­kant, und dass wir es mit ihm zu tun ha­ben, wenn es um das geht, was für uns von Be­lang ist, näm­lich das Ver­hält­nis zwi­schen dem Dis­kurs und dem Spre­chen bei der Wirk­sam­keit der Ana­ly­se.

Ici, je de­man­de qu’on me per­met­te un court-cir­cuit au mo­ment d’introduire ce qui, je pen­se, va vous imager l’unité de la fonc­tion thé­o­ri­que dans cet­te dé­m­ar­che pro­pre­ment ou im­pro­pre­ment ap­pelée « struc­tu­ra­lis­te ».

Hier bit­te ich Sie, mir im Au­gen­blick zu ge­stat­ten, ei­nen Kurz­schluss vor­zu­neh­men und das ein­zu­füh­ren, was, wie ich den­ke, Ih­nen für die­ses Ver­fah­ren, das zu Recht oder zu Un­recht als „struk­tu­ra­lis­tisch“ be­zeich­net wird, die Ein­heit der theo­re­ti­schen Funk­ti­on an­schau­lich ma­chen wird.

Je fe­rai ap­pel à Marx dont j’ai eu beau­coup de pei­ne, im­por­tu­né que j’en suis de­puis long­temps, à ne pas – plus tôt – in­tro­du­i­re le pro­pos dans un champ où il est pour­tant par­fai­te­ment à sa place.

Ich wer­de mich auf Marx be­ru­fen, mit dem ich viel Mühe ge­habt habe, da ich seit lan­gem des­we­gen be­drängt wer­de, weil ich den Vor­schlag nicht viel frü­her ein­ge­bracht habe, in ein Feld, in dem er al­ler­dings voll­kom­men an sei­nem Platz ist.

Je vais aujourd’hui in­tro­du­i­re à pro­pos de l’objet a la place où nous avons à si­tu­er sa fonc­tion es­sen­ti­el­le.

Ich will heu­te, be­zo­gen auf das Ob­jekt a, den Platz ein­füh­ren, an dem wir sei­ne we­sent­li­che Funk­ti­on zu ver­or­ten ha­ben.

Puisqu’il le faut, c’est d’une por­tée ho­mo­lo­gi­que que je pro­cé­de­rai, et rap­pel­lerai d’abord ce qui, par des travaux récents…jusqu’ici jus­tement – et jusqu’au dé­s­aveu de l’auteur …dé­si­gnés com­me struc­tu­ra­lis­tes, a été par­fai­te­ment mis en évi­dence, et pas très loin d’ici, dans un com­men­taire de Marx.

Da­bei wer­de ich, da es not­wen­dig ist, von der Reich­wei­te ei­ner Ho­mo­lo­gie aus­ge­hen und da­bei zu­nächst an et­was er­in­nern, was, nicht sehr weit von hier ent­fernt, in ei­nem Marx-Kom­men­tar voll­kom­men klar her­aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist, in neue­ren Ar­bei­ten, die ge­nau bis hier und bis zur Zu­rück­wei­sung durch den Au­tor als struk­tu­ra­lis­tisch be­zeich­net wor­den sind.23

La ques­ti­on est po­sée, par l’auteur que je vi­ens d’évoquer, de ce qui est l’objet | [17] du ca­pi­tal.

Von dem Au­tor, an den ich eben er­in­nert habe, wird die Fra­ge ge­stellt, was das Ob­jekt des Ka­pi­tals ist.

Nous al­lons voir ce que, par­al­lè­le­ment, l’investigation psy­chana­ly­tique per­met d’énoncer sur ce point.

Wir wer­den se­hen, was die psy­cho­ana­ly­ti­sche For­schung par­al­lel dazu über die­sen Punkt zu äu­ßern ge­stat­tet.

Marx part de la fonc­tion du mar­ché.

Marx geht von der Funk­ti­on des Mark­tes aus.

Sa nou­veau­té est la place dont il y si­tue le tra­vail.

Sei­ne Neu­ar­tig­keit be­steht in dem Platz, an dem er die Ar­beit ver­or­tet.

Ce n’est pas que le tra­vail soit nou­veau qui lui per­met sa dé­cou­ver­te, c’est qu’il soit ache­té, c’est qu’il y ait un mar­ché du tra­vail.

Was ihm sei­ne Ent­de­ckung er­mög­licht, ist nicht, dass die Ar­beit neu wäre, son­dern dass sie ge­kauft wird, dass es ei­nen Ar­beits­markt gibt.

C’est cela qui lui per­met de dé­mon­trer ce qu’il y a dans son dis­cours d’inaugural, et qui s’appelle la plus-va­lue.

Das er­mög­licht es ihm, das zu be­wei­sen, was es in sei­nem Dis­kurs an Neu­em gibt, und was Mehr­wert (plus-va­lue) heißt.

Il se trouve que cet­te dé­m­ar­che sug­gè­re l’acte ré­vo­lu­ti­onn­aire que l’on sait, ou plu­tôt que l’on sait fort mal, car il n’est pas sûr que la pri­se du pou­voir ait ré­so­lu ce que j’appellerai la sub­ver­si­on du su­jet – ca­pi­ta­lis­te – qui est at­ten­due de cet acte.

Nun ist es so, dass die­se Vor­ge­hens­wei­se den re­vo­lu­tio­nä­ren Akt sug­ge­riert, den man kennt, oder eher, den man ziem­lich schlecht kennt, denn es ist nicht si­cher, dass die Macht­er­grei­fung das her­bei­ge­führt hät­te, was ich die von die­sem Akt er­war­te­te Sub­ver­si­on des ka­pi­ta­lis­ti­schen Sub­jekts nen­nen möch­te.

Mais pour l’instant, peu nous im­por­te.

Aber im Au­gen­blick ist das für uns von ge­rin­ger Be­deu­tung.

Il n’est pas sûr que des mar­xis­tes n’aient pas eu, de fait à en re­cueil­lir bien des con­séquen­ces peu fas­tes.24

Es ist nicht si­cher, ob Mar­xis­ten von da­her nicht tat­säch­lich vie­le we­nig güns­ti­ge Kon­se­quen­zen zie­hen muss­ten.

L’important, c’est ce que Marx dé­si­gne et ce que veut dire sa dé­m­ar­che.

Das Wich­ti­ge ist das, was Marx be­zeich­net und was sei­ne Vor­ge­hens­wei­se be­deu­tet.

Que ses com­men­ta­teurs so­i­ent struc­tu­ra­lis­tes ou pas, ils sem­blent bien pour­tant, avoir dé­mon­tré que lui l’est, struc­tu­ra­lis­te.

Ob sei­ne Kom­men­ta­to­ren nun Struk­tu­ra­lis­ten sind oder nicht, auf je­den Fall schei­nen sie nach­ge­wie­sen zu ha­ben, dass er ei­ner ist, ein Struk­tu­ra­list.

Car c’est pro­pre­ment d’être au point – lui, com­me être de pen­sée – d’être au point que dé­ter­mi­ne la prédo­mi­nan­ce du mar­ché du tra­vail, que se dé­ga­ge com­me cau­se de sa pen­sée cet­te fonction…obscure, il faut bien le dire, si cet­te ob­scu­rité se re­con­naît à la con­fu­si­on des com­men­taires …qui est cel­le de la plus-va­lue.

Denn das ist ei­gent­lich dies: Da er an dem Punkt ist – er als Denk­we­sen –, an dem Punkt, der durch die Prä­do­mi­nanz des Ar­beits­mark­tes be­stimmt wird, löst sich als Ur­sa­che sei­nes Den­kens die­se Funk­ti­on her­aus – eine dunk­le Funk­ti­on, wie man wohl sa­gen muss, wenn die­se Dun­kel­heit sich in der Ver­wor­ren­heit der Kom­men­ta­re er­ken­nen lässt –, näm­lich die des Mehr­werts.

L’identité du dis­cours avec ses con­di­ti­ons, voi­là qui, j’espère, va trou­ver éc­lai­ra­ge de ce que je vais dire de la dé­m­ar­che ana­ly­tique.

Die Iden­ti­tät des Dis­kur­ses mit sei­nen Be­din­gun­gen, das ist et­was, so hof­fe ich, was von dem her auf­ge­klärt wer­den wird, was ich über das ana­ly­ti­sche Vor­ge­hen sa­gen wer­de.

Pas plus que le tra­vail n’était nou­veau dans la pro­duc­tion de la mar­chan­di­se, pas plus la re­non­cia­ti­on à la jouis­sance… dont je n’ai pas ici plus à dé­fi­nir la re­la­ti­on au tra­vail …n’est nou­vel­le.

Ge­nau­so we­nig wie in der Wa­ren­pro­duk­ti­on die Ar­beit neu war, ge­nau­so we­nig ist die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen (re­non­cia­ti­on à la jouis­sance) neu25, de­ren Be­zie­hung zur Ar­beit ich hier nicht mehr de­fi­nie­ren muss.26

Puis­que dès l’abord, et bien con­trai­re­ment à ce que dit, ou sem­ble dire He­gel, c’est elle qui con­sti­tue le maît­re qui en­tend bien en fai­re le princi­pe de son pou­voir.

Denn von An­fang an und ganz im Ge­gen­satz zu dem, was He­gel sagt oder zu sa­gen scheint, ist es die­se Ab­sa­ge, die den Herrn kon­sti­tu­iert, der ganz klar ver­sucht, dar­aus das Prin­zip sei­ner Macht zu ma­chen.27

Ce qui est nou­veau, c’est qu’il y ait un dis­cours qui l’articule – cet­te re­non­cia­ti­on – et qui y fait ap­pa­raît­re – car c’est là l’essence du dis­cours ana­ly­tique – ce que j’appellerai la fonc­tion du plus-de-jouir.

Neu ist, dass es ei­nen Dis­kurs gibt, der sie ar­ti­ku­liert, die­se Ab­sa­ge, und der dar­in das er­schei­nen lässt – denn dies ist das We­sen des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses –, was ich die Funk­ti­on der Mehr­lust (plus-de-jouir) nen­nen möch­te.28

Cet­te fonc­tion ap­pa­raît par le fait du dis­courspar­ce que ce qu’elle dé­mont­re, c’est dans la re­non­cia­ti­on à la jouis­sance, un ef­fet du dis­cours lui-même.

Die­se Funk­ti­on er­scheint durch das Fak­tum des Dis­kur­ses, denn sie weist nach, dass die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen eine Wir­kung des Dis­kur­ses ist.

Pour mar­quer les cho­ses, il faut sup­po­ser qu’au champ de l’Autre, il y ait ce mar­ché, si vous vou­lez bien, qui to­ta­li­se­les mé­ri­tes, les val­eurs, l’organisation des choix, des pré­fé­ren­ces, qui im­pli­que une struc­tu­re or­di­na­le, voi­re car­di­na­le.

Um die Din­ge zu ak­zen­tu­ie­ren, muss man an­neh­men, dass es im Fel­de des An­de­ren die­sen Markt gibt, wenn Sie so wol­len, der die Ver­diens­te, die Wer­te, die Or­ga­ni­sa­ti­on der Wahl­mög­lich­kei­ten, der Prä­fe­ren­zen to­ta­li­siert und der eine or­di­na­le, ja kar­di­na­le Struk­tur im­pli­ziert.29

[18] Le dis­cours dé­ti­ent les mo­y­ens de jouir en tant qu’il im­pli­que le su­jet.

Der Dis­kurs ent­hält in­so­fern die Mit­tel des Ge­nie­ßens, als er das Sub­jekt im­pli­ziert.

Il n’y au­rait au­cu­ne rai­son de su­jet… au sens où l’on peut dire rai­son d’État …s’il n’y avait au mar­ché de l’Autre un cor­ré­la­tif, c’est qu’un plus-de-jouir s’établisse qui est cap­té par cer­ta­ins.

Es gäbe kei­ner­lei Sub­jekt­rä­son – in dem Sin­ne, wie man „Staats­rä­son“ sa­gen kann –, wenn es auf dem Markt des An­de­ren kei­ne Ent­spre­chung gäbe, das heißt, dass eine Mehr­lust er­zeugt wird, die von ei­ni­gen in Be­schlag ge­nom­men wird.30

II faut un dis­cours as­sez pous­sé pour dé­mon­trer com­ment le plus-de-jouir ti­ent à l’énonciation, donc est pro­du­it par le dis­cours, pour qu’il ap­pa­rais­se com­me ef­fet.

Es braucht ei­nen hin­rei­chend vor­an­ge­trie­be­nen Dis­kurs, um nach­zu­wei­sen, wie die Mehr­lust von der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on) ab­hängt und also vom Dis­kurs pro­du­ziert wird, so­dass sie als eine Wir­kung er­scheint.

Mais aus­si bien ce n’est pas là cho­se tel­le­ment nou­vel­le à vos oreil­les si vous m’avez lu, car c’est l’objet de mon écrit Kant avec Sade où est fai­te la dé­mons­tra­ti­on de la to­ta­le ré­duc­tion de ce plus-de-jouir à l’acte d’appliquer sur le su­jet ce qu’est le ter­me a du fan­tas­me, par quoi le su­jet peut être posé com­me cau­se-de-soi dans le dé­sir.

Aber auch das ist für Ihre Oh­ren, wenn Sie mich ge­le­sen ha­ben, nichts ganz Neu­es, denn das ist der Ge­gen­stand mei­ner Schrift Kant mit Sade, in der nach­ge­wie­sen wird, dass die Mehr­lust voll­stän­dig auf den Akt re­du­ziert wird, der dar­in be­steht, auf das Sub­jekt den Term a des Phan­tas­mas an­zu­wen­den, wo­durch das Sub­jekt als das an­ge­nom­men wer­den kann, was im Be­geh­ren Ur­sa­che sei­ner selbst ist.31

J’élaborerai ceci dans les temps qui vi­en­dront par un re­tour sur ce pari de Pas­cal qui il­lus­tre si bien le rap­port de la re­non­cia­ti­on à la jouis­sance à cet élé­ment de pari où la vie dans sa to­ta­lité elle-même se ré­du­it à un élé­ment de val­eur.

Ich wer­de das in der kom­men­den Zeit aus­ar­bei­ten, in­dem ich auf die Pascal’sche Wet­te zu­rück­kom­me, die so gut das Ver­hält­nis zwi­schen der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen und dem Ele­ment der Wet­te ver­an­schau­licht, bei der das Le­ben in sei­ner Gän­ze auf ein Ele­ment re­du­ziert wird, das ei­nen Wert hat.32

Étran­ge fa­çon d’inaugurer le mar­ché de la jouis­sance – de l’inaugurer dis-je bien – dans le champ du dis­cours.

Eine merk­wür­di­ge Art, den Markt des Ge­nie­ßens ein­zu­füh­ren, ihn, sage ich, in das Feld des Dis­kur­ses ein­zu­füh­ren.

Mais après tout, n’est-ce pas là une simp­le tran­si­ti­on avec ce que nous avons vu dans l’histoire s’inscrire tout à l’heure dans cet­te fonc­tion des bi­ens voués aux morts ?

Aber ist das hier nicht letzt­lich ein ein­fa­cher Über­gang im Ver­hält­nis zu dem, wo­von wir wir eben ge­se­hen ha­ben, dass es im Lauf der Ge­schich­te die Funk­ti­on der Gü­ter über­nimmt, die den To­ten ge­weiht sind?

Aus­si bien n’est-ce pas là pour nous ce qui est main­ten­ant en ques­ti­on.

Und ist hier für uns nicht auch das, was jetzt zur Dis­kus­si­on steht?

Nous avons af­fai­re à la théo­rie en tant qu’elle s’allège pré­cis­é­ment de l’introduction de cet­te fonc­tion qui est cel­le du plus-de-jouir.

Wir ha­ben mit der Theo­rie in­so­fern zu tun, als sie ge­nau durch die Ein­füh­rung die­ser Funk­ti­on er­leich­tert wird, näm­lich der der Mehr­lust.

Au­tour du plus-de-jouir se joue la pro­duc­tion d’un ob­jet es­sen­tiel dont il s’agit main­ten­ant de dé­fi­nir la fonc­tion, c’est l’objet a.

Um die Mehr­lust her­um spielt sich die Pro­duk­ti­on ei­nes we­sent­li­chen Ob­jekts ab, des­sen Funk­ti­on jetzt zu de­fi­nie­ren ist, näm­lich das Ob­jekt a.

La gros­siè­re­té des échos qu’a reçu l’introduction de ce ter­me est et res­te pour moi la ga­ran­tie qu’il est bien en ef­fet de l’ordre d’efficace que je lui con­fè­re.

Die Grob­heit der Echos, die die Ein­füh­rung die­ses Aus­drucks her­vor­ge­ru­fen hat, ist und bleibt für mich die Ga­ran­tie da­für, dass er tat­säch­lich zu der Wir­kungs­ord­nung ge­hört, die ich ihm zu­wei­se.

Au­tre­ment dit, le pas­sa­ge est con­nu, re­pé­ré et cé­lèb­re où un Marx sa­vou­rait, dans les temps qu’il met­t­ait au dé­ve­lop­pe­ment de sa théo­rie, l’occasion de voir na­ger ce qui était l’incarnation vi­van­te de la mé­con­nais­sance.

An­ders ge­sagt, die Pas­sa­ge ist be­kannt, nach­ge­wie­sen und be­rühmt, in der ein Marx wäh­rend der Zei­ten, die er mit der Ent­wick­lung sei­ner Theo­rie ver­brach­te, die Ge­le­gen­heit ge­noss, das, was die le­ben­di­ge Ver­kör­pe­rung des Ver­ken­nens war, schwim­men zu se­hen.33

J’ai énon­cé « Le si­gni­fi­ant est ce qui re­pré­sen­te un su­jet pour un aut­re si­gni­fi­ant ».

Ich habe ge­äu­ßert: „Der Si­gni­fi­kant ist das, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird.“

Ceci com­me tou­te dé­fi­ni­ti­on cor­rec­te, c’est-à-dire exi­gi­ble, il est exi­gi­ble qu’une dé­fi­ni­ti­on soit cor­rec­te et qu’un ens­eig­ne­ment soit ri­gou­re­ux.

Dies wie jede kor­rek­te, das heißt er­for­der­li­che De­fi­ni­ti­on –; es ist er­for­der­lich, dass eine De­fi­ni­ti­on kor­rekt und dass eine Leh­re ri­go­ros ist.

Il est tout à fait in­to­lé­ra­ble… au mo­ment où la psy­chana­ly­se est ap­pelée à don­ner à quel­que cho­se – ne croy­ez pas que j’ai l’intention de l’élider – à la cri­se que tra­ver­se le rap­port de l’étudiant à l’Université …il est im­pensable qu’on répon­de par l’énoncé qu’il y a des cho­ses que l’on ne sau­rait d’aucune fa­çon dé­fi­nir en un sa­voir.

Es ist völ­lig un­zu­läs­sig, in dem Mo­ment, in dem die Psy­cho­ana­ly­se auf­ge­ru­fen ist, et­was dazu zu sa­gen – glau­ben Sie nicht, dass ich vor­ha­be, das zu strei­chen –, zu der Kri­se, die das Ver­hält­nis des Stu­die­ren­den zur Uni­ver­si­tät durch­macht, es ist un­denk­bar, dass man dar­auf mit der Aus­sa­ge ant­wor­tet, es gebe Din­ge, die auf kei­ne Wei­se in ei­nem Wis­sen de­fi­niert wer­den kön­nen.

Si la psy­chana­ly­se ne peut s’énoncer com­me un sa­voir et s’enseigner com­me tel­le, elle n’a stric­te­ment que fai­re, là où il ne s’agit pas d’autre cho­se.

Wenn die Psy­cho­ana­ly­se nicht als ein Wis­sen ge­äu­ßert wer­den kann und nicht als sol­che ge­lehrt wer­den kann, hat sie dort, wo es um nichts an­de­res geht, ganz streng nichts zu su­chen.

[19] Si le mar­ché des sa­voirs est très pro­pre­ment ébran­lé par le fait que la sci­ence lui ap­por­te cet­te unité de val­eur qui per­met de son­der ce qu’il en est de son échan­ge, jusqu’à ses fonc­tions les plus ra­di­ca­les, ce n’est cer­tes pas pour qu’ici ce qui peut en ar­ti­cu­ler quel­que cho­se – à sa­voir la psy­chana­ly­se – ait à se pré­sen­ter par sa prop­re dé­mis­si­on.

Wenn der Wis­sens­markt da­durch re­gel­recht er­schüt­tert ist, dass die Wis­sen­schaft ihm die Wert­ein­heit lie­fert, die es er­mög­licht, das zu er­for­schen, wor­um es bei sei­nem Aus­tausch geht, bis hin zu sei­nen ra­di­kals­ten Funk­tio­nen, dann ge­schieht das si­cher­lich nicht des­halb, da­mit hier die­je­ni­ge In­stanz, die et­was dar­über ar­ti­ku­lie­ren kann, näm­lich die Psy­cho­ana­ly­se, sich in der Wei­se zu prä­sen­tie­ren hät­te, dass sie von sich aus ab­dankt.

Tous les ter­mes qui peu­vent être em­ployés à ce pro­pos… qu’ils so­i­ent ceux de « non con­cep­tua­li­sa­ti­on », ou tou­te aut­re évo­ca­ti­on de je ne sais quel­le « im­pos­si­bi­lité » …ne peu­vent dé­si­gner en tout cas que l’incapacité de ceux qui les pro­meu­vent.

Sämt­li­che Ter­mi­ni, die hier­für ver­wen­det wer­den kön­nen, etwa der Ter­mi­nus der „Nicht-Ver­be­griff­li­chung“ oder je­des an­de­re Her­auf­be­schwö­ren ir­gend­ei­ner Un­mög­lich­keit, kön­nen je­den­falls nur die Un­fä­hig­keit der­je­ni­gen be­zeich­nen, von de­nen sie vor­ge­bracht wer­den.

Ce n’est pas pour la rai­son que ce n’est dans nul­le in­ter­ven­ti­on par­ti­cu­liè­re aut­re que cel­le dite « in­ter­pré­ta­ti­on » que peut ré­si­der la stra­té­gie avec la vé­rité qui est l’essence de la thé­ra­peu­tique, qu’en ce point as­su­ré­ment tou­tes sor­tes de fonc­tions par­ti­cu­liè­res, de jeux heu­re­ux, dans l’ordre de la va­ria­ble peu­vent trou­ver leur op­por­tu­nité.34

Dass die Stra­te­gie mit der Wahr­heit, die das We­sen des The­ra­peu­ti­schen ist, auf kei­ner an­de­ren spe­zi­el­len In­ter­ven­ti­on be­ru­hen kann als auf der­je­ni­gen, die „Deu­tung“ ge­nannt wird, heißt kei­nes­wegs, dass an die­sem Punkt nicht alle Ar­ten von spe­zi­el­len Funk­tio­nen, von glück­li­chen Spie­len in der Ord­nung der Va­ria­blen ihre Ge­le­gen­heit fin­den kön­nen.

Mais ils n’ont de sens qu’à se si­tu­er au point pré­cis où la théo­rie leur don­ne leur po­ids.

Sie ha­ben je­doch nur dann ei­nen Sinn, wenn sie an ge­nau dem Punkt ver­or­tet sind, an dem ih­nen die Theo­rie ihr Ge­wicht ver­schafft.

Voi­ci ici, bel et bien, ce dont il s’agit.

Das ist hier wirk­lich das, wor­um es geht.

C’est dans le dis­cours sur la fonc­tion de la re­non­cia­ti­on à la jouis­sance que s’introduit le ter­me de l’objet a.

Im Dis­kurs über die Funk­ti­on der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen wird der Ter­mi­nus des Ob­jekts a ein­ge­führt.

Le plus-de-jouir com­me fonc­tion de cet­te re­non­cia­ti­on sous l’effet du dis­cours, voi­là qui don­ne sa place à l’objet a.

Die Mehr­lust als Funk­ti­on die­ser Ab­sa­ge, ab­hän­gig von der Wir­kung des Dis­kur­ses, das ist das, was dem Ob­jekt a sei­nen Platz ver­leiht.

Tel le mar­ché, c’est à sa­voir à ce qu’il dé­fi­nit quel­que ob­jet du tra­vail hu­main com­me mar­chan­di­se, tel chaque ob­jet por­te en lui-même quel­que cho­se de la plus-va­lue.

Durch den Markt, das heißt da­durch, dass er ein Ob­jekt der mensch­li­chen Ar­beit als Ware de­fi­niert, trägt je­des Ob­jekt et­was vom Mehr­wert in sich.

Ain­si le plus de jouir est-il ce qui per­met l’isolement de la fonc­tion de l’objet a.

Auf glei­che Wei­se ist die Mehr­lust das, was es er­mög­licht, die Funk­ti­on des Ob­jekts a zu iso­lie­ren.

Que fai­sons-nous dans l’analyse, si­non d’instaurer par la règ­le un dis­cours tel que le su­jet y sus­pen­de quoi ?

Was tun wir in der Ana­ly­se an­de­res als dies, durch die Re­gel35 ei­nen Dis­kurs zu in­stal­lie­ren, der so ist, dass das Sub­jekt hier et­was sus­pen­diert, und zwar was?

Ce qui pré­cis­é­ment est sa fonc­tion de su­jet.

Ge­nau das, was sei­ne Sub­jekt­funk­ti­on ist.

C’est-à-dire qu’il y soit dis­pen­sé de sou­ten­ir son dis­cours d’un « je dis », car c’est aut­re cho­se de par­ler que de po­ser : « je dis ce que je vi­ens d’énoncer ».

Das heißt, dass es hier da­von dis­pen­siert ist, sei­nen Dis­kurs mit ei­nem „ich sage“ zu stüt­zen, denn zu spre­chen ist et­was an­de­res als zu be­haup­ten „Ich sage das, was ich ge­ra­de ge­äu­ßert habe“.

Le su­jet de l’énoncé dit « je dis », dit « je pose » com­me ici je fais dans mon ens­eig­ne­ment.

Das Sub­jekt der Aus­sa­ge (énon­cé) sagt „ich sage“, sagt „ich be­haup­te“, so wie ich es hier in mei­nem Un­ter­richt tue.

J’articule cet­te pa­ro­le.

Ich ar­ti­ku­lie­re die­ses Spre­chen.

Ce n’est pas de la poé­sie.

Es geht nicht um Poe­sie.

Je dis ce qui est ici écrit et je peux même le ré­pé­ter – ce qui est es­sen­tiel – sous la for­me où, le ré­pé­tant pour va­ri­er, j’ajoute que je l’ai écrit.

Ich sage das, was hier ge­schrie­ben steht, und ich kann es so­gar in der Form wie­der­ho­len – das ist we­sent­lich –, dass ich, wenn ich es wie­der­ho­le, um es zu va­ri­ie­ren hin­zu­fü­ge, dass ich es ge­schrie­ben habe.

Voi­ci ce su­jet dis­pen­sé de sou­ten­ir ce qu’il énon­ce.

Und hier36 ist das Sub­jekt da­von sus­pen­diert, das zu stüt­zen, was es äu­ßert.

Est-ce donc par là qu’il va ar­ri­ver à cet­te pu­re­té de la pa­ro­le, cet­te pa­ro­le plei­ne dont j’ai par­lé dans un temps d’évangélisation – il faut bien le dire.

Wird es also da­durch zu die­ser Rein­heit des Spre­chens ge­lan­gen, zu die­sem vol­len Spre­chen, über das ich wäh­rend ei­ner Zeit der Evan­ge­li­sie­rung ge­re­det habe, wie man wohl sa­gen muss.37

Car le dis­cours qu’on ap­pel­le | [20] Dis­cours de Rome, à qui était-il adres­sé d’autre qu’aux oreil­les les plus fer­mées à l’entendre.

Denn die­ser Dis­kurs, den man Rom-Dis­kurs nennt, an wen an­ders war er ge­rich­tet als an Oh­ren, die dem Hö­ren ge­gen­über ganz und gar ver­schlos­sen wa­ren.

Je ne qua­li­fie­r­ai pas ce qui fai­sait ces oreil­les pour­vu­es de ces qua­lités opa­ques, ce se­rait là por­ter une ap­pré­cia­ti­on qui ne sau­rait être d’aucune fa­çon qu’offensante.

Ich wer­de nicht nä­her kenn­zeich­nen, wie es kam, dass die­se Oh­ren mit die­sen un­durch­läs­si­gen Qua­li­tä­ten aus­ge­stat­tet wa­ren, denn das hie­ße, hier eine Be­wer­tung ab­zu­ge­ben, die nicht an­ders als be­lei­di­gend sein könn­te.

Mais ob­ser­vez ceci, c’est que par­lant de la Cho­se freu­dien­ne, il m’est ar­ri­vé de me lan­cer dans quel­que cho­se que moi-même j’ai ap­pelé une pro­so­po­pée.

Aber be­ach­ten Sie dies, als ich über die Freud’sche Sa­che sprach38, ist es mir zu­ge­sto­ßen, mich in et­was zu stür­zen, was ich selbst als Pro­so­popöie be­zeich­net habe.

Il s’agit de la vé­ritéqui énon­ce :« Je suis donc pour vous l’énigme, cel­le qui se dé­ro­be aus­sitôt ap­pa­rue, hom­mes qui tant vous en­ten­dez à me dis­si­mu­ler­sous les ori­peaux­de vos con­ven­an­ces. Je n’en ad­mets pas mo­ins que vot­re em­barras soit sin­cè­re. »

Es geht um die Wahr­heit, die Fol­gen­des äu­ßert: „Für euch bin ich also das Rät­sel, je­nes, das sich, kaum er­schie­nen, so­gleich wie­der ent­zieht, ihr Men­schen, die ihr euch so sehr be­müht, mich un­ter den zer­schlis­se­nen Klei­dern eu­rer An­stän­dig­kei­ten zu ver­ber­gen. Den­noch, ich gebe zu, dass eure Ver­le­gen­heit (em­barras) auf­rich­tig ist …“.39

Je note que le ter­me « em­barras » a été poin­té pour sa fonc­tion ail­leurs.

Ich wei­se dar­auf hin, dass der Aus­druck „Ver­le­gen­heit“, was sei­ne Funk­ti­on an­geht, an­ders­wo aus­ge­ar­bei­tet wor­den ist.40

« Car même quand vous vous fai­tes mes hé­rauts, vous ne va­lez pas plus à por­ter mes cou­leurs que ces ha­bits qui sont les vô­tres et par­eils à vous-même, fan­tô­mes que vous êtes.

… denn selbst, wenn ihr euch zu mei­nen He­rol­den macht, seid ihr es nicht wert, mei­ne Far­ben zu tra­gen, nicht mehr als die Klei­der, die die eu­ren sind und die euch gleich sind, Phan­to­me, die ihr seid.

Où vais-je donc pas­ser en vous, où éta­is-je avant ce pas­sa­ge ?

Wo also wer­de ich in euch über­ge­hen, wo war ich vor die­sem Über­gang?

Peut-être un jour vous le dirai-je. »

Ei­nes Ta­ges wer­de ich es euch viel­leicht sa­gen.“

Il s’agit là du dis­cours.

Es geht hier um den Dis­kurs.

« Mais pour que vous me trou­viez où je suis, je vais vous ap­prend­re à quel si­gne me re­con­naît­re.

Da­mit ihr mich aber dort fin­det, wo ich bin, will ich euch leh­ren, an wel­chem Zei­chen ich zu er­ken­nen bin.

Hom­mes, écou­tez, je vous en don­ne le se­cret. Moi la vé­rité, je par­le. »

Men­schen, hö­ret, ich ver­traue euch da­von das Ge­heim­nis an. Ich, die Wahr­heit, ich spre­che (je par­le).“

Je n’ai point écrit « je dis ».

Ich habe kei­nes­wegs ge­schrie­ben „ich sage (je dis)“.

Ce qui par­le as­su­ré­ment, s’il ve­nait – com­me je l’ai écrit iro­ni­que­ment aus­si – l’analyse, bien en­ten­du, se­rait clo­se.

Das, was spricht, si­cher­lich, wenn es käme – wie ich eben­falls iro­nisch ge­schrie­ben habe –, wäre die Ana­ly­se na­tür­lich zu Ende.

Mais c’est jus­tement : ou ce qui n’arrive pas,ou ce qui, quand cela ar­ri­ve, mé­ri­te d’être ponc­tué d’une fa­çon dif­fé­ren­te.

Aber das ist ge­nau das, was ent­we­der nicht ge­schieht oder was es ver­dient, wenn es ge­schieht, auf an­de­re Wei­se in­ter­punk­tiert zu wer­den.

Et pour cela, il faut re­prend­re ce qu’il en est de ce su­jet qui est ici mis en ques­ti­on par un pro­cédé d’artifice, au­quel il a été de­man­dé en ef­fet, de n’être pas ce­lui qui sou­ti­ent tout ce qui est avan­cé, ne pas cro­i­re pour­tant qu’il se dis­si­pe, car le psy­chana­lys­te est très pré­cis­é­ment là pour le re­pré­sen­ter, je veux dire pour le main­tenir tout le temps qu’il ne peut pas, en ef­fet, se re­trou­ver quant à la cau­se de son dis­cours.

Und des­halb muss man wie­der auf­grei­fen, wor­um es bei die­sem Sub­jekt geht, das hier durch ein Ver­fah­ren in Fra­ge ge­stellt wird, das ein Kunst­griff ist, ein Ar­te­fakt, bei dem es ja auf­ge­for­dert wor­den ist, nicht der­je­ni­ge zu sein, der al­les, was vor­ge­bracht wird, stützt – wo­bei man je­doch nicht glau­ben darf, dass es sich auf­löst, denn der Psy­cho­ana­ly­ti­ker ist ge­nau da­für da, um es zu re­prä­sen­tie­ren, ich mei­ne, um es wäh­rend der Zeit auf­recht­zu­er­hal­ten, in der es sich, was die Ur­sa­che sei­nes Dis­kur­ses an­geht, tat­säch­lich nicht wie­der­fin­den kann.41

Et c’est ain­si qu’il s’agit, main­ten­ant, de se rap­por­ter aux for­mu­les fon­da­men­ta­les, à sa­voir cel­le qui dé­fi­nit le si­gni­fi­ant com­me étant ce qui re­pré­sen­te un su­jet pour un aut­re si­gni­fi­ant.

Und des­halb geht es jetzt dar­um, sich auf die grund­le­gen­den For­meln zu be­zie­hen, das heißt auf die­je­ni­ge For­mel, die den Si­gni­fi­kan­ten als das de­fi­niert, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird.

Qu’est-ce que ceci veut dire ?

Was be­deu­tet das?

Je suis sur­pris que ja­mais per­son­ne n’ait à ce pro­pos en­core re­mar­qué qu’il en ré­sul­te, com­me co­rol­lai­re, qu’un si­gni­fi­ant ne sau­rait se re­pré­sen­ter lui-même.

Ich bin über­rascht, dass noch nie je­mand hier­zu an­ge­merkt hat, dass als Kor­ro­lar hier­aus folgt, dass ein Si­gni­fi­kant sich nicht selbst re­prä­sen­tie­ren kann.

Bien sûr, ceci n’est pas nou­veau non plus car dans ce que j’ai ar­ti­cu­lé au­tour de la ré­pé­ti­ti­on, c’est bien de cela qu’il s’agit.

Na­tür­lich ist auch das nicht neu, denn in dem, was ich zur Wie­der­ho­lung ar­ti­ku­liert habe, geht es eben dar­um.

Mais là, nous avons à nous ar­rêter un in­stant pour bien le sai­sir sur le vif – qu’est-ce que cela peut vou­loir dire ici, au dé­tour de cet­te phra­se, que ce « lui-même » du si­gni­fi­ant ?

 Aber da müs­sen wir ei­nen Mo­ment lang in­ne­hal­ten, um zu er­fas­sen, wie das hier funk­tio­niert – was kann hier in die­sem Satz be­deu­ten, die­ses „sich selbst“ des Si­gni­fi­kan­ten?

Ob­ser­vez bien que, quand je par­le du si­gni­fi­ant, je par­le de quel­que cho­se d’opaque.

Be­ach­ten Sie, dass ich, wenn ich vom Si­gni­fi­kan­ten spre­che, von et­was Un­durch­sich­ti­gem spre­che.

Quand je dis qu’il faut dé­fi­nir le si­gni­fi­ant com­me « ce qui re­pré­sen­te un su­jet pour un aut­re si­gni­fi­ant », cela veut dire que per- | [21] son­ne n’en sau­ra rien sauf l’autre si­gni­fi­ant, et l’autre si­gni­fi­ant ça n’a pas de tête, c’est un si­gni­fi­ant.

Wenn ich sage, dass man den Si­gni­fi­kan­ten als das de­fi­nie­ren muss, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird, dann be­deu­tet das, dass nie­mand dar­über et­was wis­sen wird au­ßer dem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten, und der an­de­re Si­gni­fi­kant, das ist et­was, was kei­nen Kopf hat, das ist ein Si­gni­fi­kant.42

Le su­jet est là étouf­fé, ef­fa­cé, aus­sitôt en même temps qu’apparu.

Das Sub­jekt ist da so­fort er­stickt, aus­ge­löscht – im sel­ben Mo­ment, in dem es er­schie­nen ist.

Il s’agit jus­tement de voir pour­quoi quel­que cho­se de ce sujet…qui dis­pa­raît d’être sur­gis­sant, pro­du­it par un si­gni­fi­ant pour aus­sitôt s’éteindre dans un autre…comment quel­que part ce quel­que cho­se peut se con­sti­tu­er et qui peut à la li­mi­te se fai­re prend­re à la fin­pour un Selbst­be­wusst­sein, pour quel­que cho­se qui se sa­tis­fait d’être iden­tique à soi-même.

Es geht eben dar­um, zu se­hen, war­um et­was von die­sem Sub­jekt – das im Auf­tau­chen ver­schwin­det, das von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten pro­du­ziert wird, um so­gleich durch ei­nen an­de­ren aus­ge­löscht zu wer­den –, wie sich ir­gend­wo et­was her­aus­bil­den kann, was im Grenz­fall schließ­lich als ein Selbst­be­wusst­sein* auf­ge­fasst wer­den kann, als et­was, das da­mit zu­frie­den ist, mit sich selbst iden­tisch zu sein.

Or, très pré­cis­é­ment ce que ceci veut dire, c’est que le si­gni­fi­ant… sous quel­que for­me que ce soit qu’il se pro­dui­se, dans sa pré­sence de su­jet bien en­ten­du … ne sau­rait se re­joind­re dans son re­pré­sen­tant de si­gni­fi­ant sans que se pro­dui­se cet­te per­te dans l’identité qui s’appelle à pro­pre­ment par­ler l’objet a.

Nun, das be­deu­tet eben ge­nau dies, dass der Si­gni­fi­kant – in wel­cher Form auch im­mer er pro­du­ziert wer­den mag, in sei­ner Prä­senz des Sub­jekts wohl­ge­merkt – sich mit sei­nem Si­gni­fi­kan­ten-Re­prä­sen­tan­ten nicht wie­der ver­bin­den kann, ohne dass sich in der Iden­ti­tät die­ser Ver­lust her­stellt, der im stren­gen Sin­ne des Wor­tes Ob­jekt a heißt.

C’est ce que dé­si­gne la théo­rie de Freud con­cer­nant la ré­pé­ti­ti­on.

Das ist das, was die Theo­rie von Freud über die Wie­der­ho­lung aus­sagt.

Mo­y­ennant quoi : rien n’est iden­ti­fia­ble de ce quel­que cho­se qui est le re­cours à la jouis­sance au­quel, par la ver­tu du si­gne, quel­que cho­se d’autre vi­ent à sa place, c’est-à-dire le trait qui la mar­que, rien ne peut là se pro­du­i­re sans qu’un ob­jet n’y soit per­du.

Wo­durch von dem, was die Be­zie­hung zum Ge­nie­ßen ist, nichts iden­ti­fi­ziert wer­den kann, und wo­durch ver­mit­tels des Zei­chens et­was an­de­res an sei­ne Stel­le tritt, näm­lich der Zug (trait), der das Ge­nie­ßen mar­kiert; nichts kann hier pro­du­ziert wer­den, ohne dass da­bei ein Ob­jekt ver­lo­ren geht.

Un su­jet c’est ce qui peut être re­pré­sen­té par un si­gni­fi­ant pour un aut­re si­gni­fi­ant.

Ein Sub­jekt ist das, was von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten re­prä­sen­tiert wer­den kann.

Mais est-ce que ce n’est pas là quel­que cho­se de cal­qué sur le fait que, val­eur d’échange… le su­jet dont il s’agit, dans ce que Marx dé­chif­fre, à sa­voir la réa­lité éco­no­mi­que …le su­jet de la val­eur d’échange est re­pré­sen­té au­près – de quoi ? – de la val­eur d’usage.

Aber  wird da­mit nicht dies nach­ge­zeich­net, dass der Tausch­wert das Sub­jekt, um das es geht – bei dem, was Marx ent­zif­fert, näm­lich der öko­no­mi­schen Wirk­lich­keit –, dass das Sub­jekt des Tausch­werts bei was re­prä­sen­tiert wird? Beim Ge­brauchs­wert.43

Et c’est déjà dans cet­te fail­le que se pro­du­it, que choit, ce qui s’appelle la plus-va­lue.

Und in die­ser Spal­te wird be­reits das her­ge­stellt, in die­se Spal­te fällt be­reits das hin­ein, was Mehr­wert ge­nannt wird.44

Ne comp­te plus à not­re ni­veau que cet­te­per­te.

Auf un­se­rer Ebe­ne zählt nur noch die­ser Ver­lust.

Non iden­tique dé­sor­mais à lui-même, le su­jet, cer­tes ne jouit plus mais quel­que cho­se est per­du qui s’appelle le « plus de jouir ».

Fort­an nicht mehr mit sich selbst iden­tisch, ge­nießt das Sub­jekt zwar nicht mehr, je­doch ist et­was ver­lo­ren, was „Mehr­lust“ heißt.

Il est stric­te­ment cor­ré­la­tif à l’entrée en jeu de ce qui dès lors dé­ter­mi­ne tout ce qu’il en est dela pen­sée.

Sie ist ganz streng das Kor­re­lat des­sen, dass et­was in das Spiel kommt, was von da an al­les de­ter­mi­niert, was mit dem Den­ken zu tun hat.

Et dans le sym­ptô­me de quoi s’agit-il d’autre, à sa­voir du plus ou mo­ins aisé de la dé­m­ar­che au­tour de ce quel­que cho­se que le su­jet est bien in­ca­pa­ble de nom­mer… mais sans le tour de quoi il ne sau­rait même, à quoi que ce soit, pro­cé­der, qui n’a pas seu­le­ment af­fai­re aux re­la­ti­ons avec ses sem­bla­bles mais à sa re­la­ti­on la plus pro­fon­de, à sa re­la­ti­on qu’on ap­pel­le vi­ta­le, et pour le­quel les ré­fé­ren­ces, les con­fi­gu­ra­ti­ons éco­no­mi­ques sont au­tre­ment plus pro­pi­ces que cel­les, loin­tai­nes en l’occasion, quoi­que bien sûr non tout à fait im­pro­p­res, qui sont cel­les qui s’offraient à Freud, cel­les de la ther­mo­dy­na­mi­que.

Und beim Sym­ptom, um was an­de­res geht es da als um die mehr oder we­ni­ger gro­ße Leich­tig­keit des Vor­ge­hens in Be­zug auf et­was, was das Sub­jekt zu be­nen­nen nicht in der Lage ist, ohne des­sen Um­krei­sung es je­doch, zu was auch im­mer, nicht vor­an­schrei­ten könn­te, und was nicht nur mit den Be­zie­hun­gen zu sei­nen Nächs­ten zu tun hat, son­dern auch mit sei­ner tiefs­ten Be­zie­hung, mit der­je­ni­gen Be­zie­hung, die man vi­tal nennt, und wo­für die öko­no­mi­schen Be­zü­ge, die öko­no­mi­schen Kon­fi­gu­ra­tio­nen weit­aus ge­eig­ne­ter sind als die ge­le­gent­lich weit her­ge­hol­ten, wenn auch na­tür­lich nicht völ­lig un­pas­sen­den, die sich Freud an­bo­ten, das heißt die der Ther­mo­dy­na­mik.45

Voi­ci donc le mo­y­en, l’élément qui peut nous per­mett­re d’avancer dans ce dont il s’agit con­cer­nant le dis­cours ana­ly­tique.

Hier also ist das Mit­tel, das Ele­ment, das uns er­mög­li­chen kann, bei dem vor­an­zu­schrei­ten, wor­um es beim ana­ly­ti­schen Dis­kurs geht.

Si nous avons posé thé­o­ri­que­ment a prio­ri… et sans au­cun dou­te, sans avoir | [22] eu be­soin d’une longue ré­cur­si­on pour con­sti­tu­er ces pré­mis­ses …s’il s’agit dans la dé­fi­ni­ti­on du su­jet, com­me cau­sé par le rap­port in­ter­si­gni­fi­ant, de quel­que cho­se qui en quel­que sor­te nous in­ter­dit à ja­mais de le sai­sir, voi­ci aus­si l’occasion d’apercevoir ce qui lui don­ne cet­te unité… di­sons-la pro­vi­so­ire­ment pré­con­sci­en­te, non pas in­con­sci­en­te …cel­le qui a per­mis jusqu’à pré­sent de sou­ten­ir le su­jet dans sa pré­ten­due suf­fi­sance.

Wenn wir theo­re­tisch a prio­ri an­ge­nom­men ha­ben, und si­cher­lich ohne dass ein lan­ger Rück­griff nö­tig war, um die­se Prä­mis­sen auf­zu­stel­len, wenn es in der De­fi­ni­ti­on des Sub­jekts – als durch das in­ter­si­gni­fi­kan­te Ver­hält­nis ver­ur­sacht – um et­was geht, was uns ge­wis­ser­ma­ßen auf im­mer ver­bie­tet, es zu be­grei­fen, dann ist das hier auch die Ge­le­gen­heit, zu er­fas­sen, was ihm die­se – sa­gen wir pro­vi­so­risch: vor­be­wuss­te, nicht un­be­wuss­te – Ein­heit ver­leiht, die­je­ni­ge, die es bis jetzt er­mög­licht hat, das Sub­jekt in sei­ner vor­geb­li­chen Selbst­ge­nüg­sam­keit zu stüt­zen.

Loin qu’il soit suf­fi­sant : c’est au­tour de la for­mu­le S ◊ a, c’est à sa­voir c’est au­tour de l’être de l’ a, c’est au­tour du plus de jouir, que se con­sti­tue le rap­port qui nous per­met, jusqu’à un cer­tain point, de voir se fai­re cet­te sou­du­re, cet­te pré­ci­pi­ta­ti­on, ce gel qui fait que nous pou­vons uni­fier un su­jet com­me su­jet de tout un dis­cours.

Es ist al­les an­de­re als selbst­ge­nüg­sam, viel­mehr bil­det sich um die For­mel $ ◊ a her­um – das heißt um Sein von a her­um, um die Mehr­lust her­um – das Ver­hält­nis, das es uns bis zu ei­nem be­stimm­ten Punkt ge­stat­tet, zu se­hen, wie die­se Ver­lö­tung sich her­stellt, die­se Prä­zi­pi­ta­ti­on, die­ses Ein­frie­ren, das dazu führt, dass wir ein Sub­jekt als Sub­jekt ei­nes gan­zen Dis­kur­ses ver­ein­heit­li­chen kön­nen.

Je fe­rai au ta­bleau quel­que cho­se qui fi­gu­re d’une cer­tai­ne fa­çon ce dont il s’agit en l’occasion.

Sem 16 - Nr. 1 - Stenotypie JL

Ver­si­on JL

Seminar 16 - Nr 1a - Miller

Seminar 16 - Nr 1b - Miller

Ver­si­on Mil­ler

Ich wer­de et­was an die Ta­fel schrei­ben, wo­durch das, wor­um es hier­bei geht, in ge­wis­ser Wei­se ver­an­schau­licht wird.

Voi­ci ce qui se pas­se du rap­port d’un si­gni­fi­ant S1 à un aut­re si­gni­fi­ant S2, à sa­voir que le su­jet $ – re­pré­sen­té ici par S1 – ja­mais ne sau­ra se sai­sir dès lors qu’un si­gni­fi­ant quel­con­que dans la chaî­ne peut être mis en rap­port avec ce qui n’est pour­tant qu’un a, à sa­voir ce qui se fa­bri­que dans ce rap­port au plus de jouir, dans ce quel­que cho­se qui se trouve, par ou­ver­tu­re du jeu de l’organisme, pou­voir prend­re fi­gu­re de ces en­t­ités éva­nouis­san­tes, dont j’ai déjà don­né la lis­te, qui vont du sein à la déjec­tion et de la voix au re­gard.46

Dies ist das, was sich aus­ge­hend vom Ver­hält­nis ei­nes Si­gni­fi­kan­ten S1 zu ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten S2 er­eig­net, näm­lich dass das Sub­jekt $, das hier von S1 re­prä­sen­tiert wird, sich nie­mals wird er­fas­sen kön­nen, wenn ir­gend­ein Si­gni­fi­kant in der Ket­te in eine Be­zie­hung zu dem ge­bracht wer­den kann, was je­doch nur ein a ist, näm­lich et­was, was in der Be­zie­hung zur Mehr­lust fa­bri­ziert wird, in der Be­zie­hung zu et­was, was durch die Er­öff­nung des Spiels des Or­ga­nis­mus in der Lage ist, die Ge­stalt die­ser ver­schwin­den­den En­ti­tä­ten an­zu­neh­men, de­ren Lis­te ich be­reits auf­ge­stellt habe, die von der Brust zur Darm­ent­lee­rung ge­hen und von der Stim­me zum Blick.47

Ces a c’est la fa­bri­ca­ti­on du dis­cours de la re­non­cia­ti­on à la jouis­sance.

Die­se a, das ist eine Fa­bri­ka­ti­on des Dis­kur­ses der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen.

Le res­sort de cet­te fa­bri­ca­ti­on est ceci : c’est qu’autour d’eux peut se pro­du­i­re le plus de jouir.

Trieb­fe­der die­ser Fa­bri­ka­ti­on ist dies, dass um die­se a her­um die Mehr­lust pro­du­ziert wer­den kann.

Qu’assurément si déjà, à pro­pos du pari de Pas­cal, je vous ai dit que… n’y au­rait-il même qu’une vie à pa­ri­er, à ga­gner au-delà de la mort …cela vaud­rait bien que nous tra­vail­li­ons dans cel­le-ci as­sez pour sa­voir com­ment nous con­du­i­re dans l’autre.

Si­cher­lich, wie ich Ih­nen be­reits zur Pascal’schen Wet­te 48 ge­sagt habe, gäbe es auch nur ein Le­ben jen­seits des To­des, auf das zu wet­ten wäre, das zu ge­win­nen wäre, dann wäre es das wert, dass wir in die­sem Le­ben ge­nü­gend ar­bei­ten, um zu wis­sen, wie wir uns im an­de­ren ver­hal­ten müs­sen.

Dans cet échan­ge de tra­vail – dans le pari – avec un plus de jouir, avec quel­que cho­se dont nous sau­ri­ons qu’il en vaut la pei­ne, se trouve le res­sort de ceci, c’est qu’au fond même de l’idée que Pas­cal ma­nie… sem­ble-t-il, | [23] avec l’extraordinaire aveugle­ment de ce­lui qui est lui-même au dé­but d’une pé­ri­ode de dé­chaî­ne­ment …et cel­le de la fonc­tion du mar­ché sont cor­ré­la­ti­ves.49

Die­ser Tausch von Ar­beit – in der Wet­te – ge­gen eine Mehr­lust, ge­gen et­was, wo­von wir wüss­ten, dass es der Mühe wert wäre, die­ser Tausch bil­det die trei­ben­de Kraft da­für, dass im Grun­de die Idee50, die Pas­cal hier  ver­folgt – mit der au­ßer­ge­wöhn­li­chen Blind­heit des­je­ni­gen, so scheint es, der selbst am Be­ginn ei­ner Pe­ri­ode der Ent­fes­se­lung steht –, und die Idee der Markt­funk­ti­on ein­an­der ent­spre­chen.

S’il a in­tro­du­it le dis­cours sci­en­ti­fi­que, n’oublions pas qu’il est aus­si ce­lui qui vou­lait… aux mo­ments, même les plus ex­trê­mes de sa re­trai­te et de sa con­ver­si­on …in­au­gu­rer à Pa­ris une Com­pa­gnie des om­ni­bus pa­ri­si­ens.

Wenn er den wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs ein­ge­führt hat, dann soll­ten wir nicht ver­ges­sen, dass er auch der­je­ni­ge ist, der – selbst in den ex­trems­ten Au­gen­bli­cken sei­nes Rück­zugs und sei­ner Be­keh­rung51 – in Pa­ris ein Un­ter­neh­men für Pa­ri­ser Om­ni­bus­se grün­den woll­te.52

Ce Pas­cal ne sait pas ce qu’il dit quand il par­le d’une vie heu­re­u­se, nous en avons là l’incarnation : quoi d’autre sous le ter­me d’« heu­re­ux » est sai­sis­sa­ble si­non pré­cis­é­ment cet­te fonc­tionqui s’incarne dans le plus de jouir ?

Die­ser Pas­cal weiß nicht, was er sagt, wenn er von ei­nem glück­li­chen Le­ben spricht, hier ha­ben wir da­von die Ver­kör­pe­rung – was lässt sich mit dem Aus­druck „glück­lich“ an­de­res fas­sen als ge­nau die Funk­ti­on, die sich in der Mehr­lust ver­kör­pert?

Et aus­si bien nous n’avons pas be­soin de pa­ri­er sur l’au-delà pour sa­voir ce qu’il en vaut là où le plus de jouir se dé­voi­le sous une for­me nue.

Und wir müs­sen auch kei­ne Wet­ten über das Jen­seits ab­schlie­ßen, um zu wis­sen, was es dort wert ist, wo die Mehr­lust in nack­ter Ge­stalt ent­hüllt wird.

Ça a un nom, ça s’appelle la per­ver­si­on.

Das hat ei­nen Na­men, das nennt sich Per­ver­si­on.

Et c’est bien pour cela qu’« à sain­te femme fils per­vers ».

Und des­halb gilt dass „der hei­li­gen Frau ein per­ver­ser Sohn“.

Nul be­soin de l’au-delà pour voir ce qui se pas­se dans la trans­mis­si­on de l’une à l’autre d’un jeu du dis­cours es­sen­tiel.

Es braucht kein Jen­seits, um zu se­hen, was sich, von ei­nem we­sent­li­chen Spiel des Dis­kur­ses her, in der Über­mitt­lung von der ei­nen zum an­de­ren er­eig­net.

Voi­ci donc ou­ver­te la fi­gu­re, le sché­ma de ce qui per­met de con­ce­voir com­ment c’est au­tour du fan­tas­me… à sa­voir du rap­port de la réité­ra­ti­on du si­gni­fi­ant qui re­pré­sen­te le su­jet par rap­port à lui-même …que se joue ce qu’il en est de la pro­duc­tion du a.

Seminar 16 - Nr 2 - Stenotypie JL

Ver­si­on JL

Seminar 16 Miller 2

Ver­si­on Mil­ler

Dies ist also of­fen die Ge­stalt, das Sche­ma des­sen, was es zu be­grei­fen ge­stat­tet, wie sich um das Phan­tas­ma her­um – das heißt um das Ver­hält­nis der Wie­der­ho­lung des Si­gni­fi­kan­ten her­um, der das Sub­jekt im Ver­hält­nis zu sich selbst re­prä­sen­tiert –, wie sich da her­um das ab­spielt, wor­um es bei der Pro­duk­ti­on von a geht.

Mais in­ver­se­ment, de ce fait leur rap­port prend con­si­s­tan­ce.

Aber um­ge­kehrt nimmt ihr Ver­hält­nis von da­her Kon­sis­tenz an.

Et c’est de ce qu’il se pro­du­it quel­que cho­se, qui n’est plus ni su­jet ni ob­jet, mais qui s’appelle fan­tas­me, que dès lors les au­tres si­gni­fi­ants peu­vent – s’enchaînant, s’articulant et du même coup ici, se gelant dans l’effet de si­gni­fi­ca­ti­on – in­tro­du­i­re cet ef­fet de mé­to­ny­mie qui fait que ce su­jet quel qu’il soit… – qu’il soit – dans la phra­se « On bat un en­fant » – qu’il soit au ni­veau53 du « un en­fant », – au ni­veau du « bat », – au ni­veau du « on » …quel­que cho­se d’équivalent sou­de ce su­je­tet, le fait cet être so­li­dai­re54 dont dans le dis­cours nous avons la fai­bles­se de don­ner l’image com­me une image om­ni­va­len­te, com­me s’il pou­vait y avoir un su­jet de tous les si­gni­fi­ants.

Und von da­her kommt es, dass sich et­was her­stellt, was nicht mehr Sub­jekt ist und auch nicht mehr Ob­jekt, son­dern was sich Phan­tas­ma nennt; von da­her kommt es, dass von da an die an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten – in­dem sie sich ver­ket­ten, ver­knüp­fen und zu­gleich hier im Be­deu­tungs­ef­fekt ein­frie­ren – die­sen Me­to­ny­mie-Ef­fekt ein­füh­ren kön­nen, der dazu führt, dass die­ses Sub­jekt, wel­ches es auch sein mag – ob es in dem Satz On bat un en­fant (Ein Kind wird ge­schla­gen, wört­lich „Man schlägt ein Kind“) auf der Ebe­ne von un en­fant (ein Kind) ist, auf der Ebe­ne von bat (schlägt) oder auf der Ebe­ne von on (man) –,  dass die­ses Sub­jekt durch et­was Äqui­va­len­tes ver­lö­tet wird und zu die­sem zu­sam­men­hän­gen­den We­sen ge­macht wird, von dem wir im Dis­kurs in un­se­rer Schwä­che ein Bild wie ein om­ni­va­len­tes Bild ab­ge­ben, so als kön­ne es ein Sub­jekt al­ler Si­gni­fi­kan­ten ge­ben.55

Si quel­que cho­se, de par la règ­le ana­ly­tique, peut être relâ­ché dans cet­te chaî­ne as­sez pour que s’en pro­dui­sent des ef­fets ré­vé­la­teurs, quel sens, quel ac­cent de­vons-nous lui don­ner pour que ceci pren­ne une por­tée ?

Wenn durch die ana­ly­ti­sche Re­gel in die­ser Ket­te et­was hin­rei­chend ge­lo­ckert wer­den kann, so­dass sich von da­her ent­hül­len­de Wir­kun­gen ein­stel­len, wel­chen Sinn, wel­chen Ak­zent müs­sen wir dem ge­ben, da­mit das eine Trag­wei­te er­hält?

L’idéal sans dou­te c’est ce « Je par­le » my­thi­que qui fera, dans l’expérience ana­ly­tique ef­fet, image, d’apparition de la vé­rité.

Das Ide­al ist si­cher­lich die­ses my­thi­sche „ich spre­che“, durch das in der ana­ly­ti­schen Er­fah­rung die Wir­kung, das Bild des Er­schei­nens der Wahr­heit her­vor­ge­ru­fen wird.

C’est ici jus­tement qu’il s’agit de com­prend­re que cet­te vé­rité émi­se est là sus­pen­due, pri­se ent­re deux | [24] re­gis­tres qui sont ceux dont pré­cis­é­ment j’ai posé les deux bor­nes dans les deux ter­mes qui fi­gu­rent au tit­re de mon sé­min­aire cet­te an­née.56

Und hier geht es eben dar­um, zu be­grei­fen, dass die aus­ge­sen­de­te Wahr­heit hier zwi­schen zwei Re­gis­tern auf­ge­hängt, er­fasst ist, den­je­ni­gen, de­ren bei­de Grenz­punk­te ich in ge­nau die bei­den Ter­mi­ni ge­legt habe, die in die­sem Jahr im Ti­tel mei­nes Se­mi­nars er­schei­nen.57

Car cet « ou bien… » fait ré­fé­rence au champ où le dis­cours du su­jet pren­drait con­si­s­tan­ce, c’est-à-dire au champ de l’Autre, qui est ce­lui que j’ai dé­fi­ni pour ce lieu où tout dis­cours au mo­ins se pose pour pou­voir s’offrir à ce qui est ou non sa ré­fu­ta­ti­on.58

Denn die­ses „oder aber“ be­zieht sich auf das Feld, in dem der Dis­kurs des Sub­jekts Kon­sis­tenz an­neh­men wür­de, das heißt auf das Feld des An­de­ren, das ich als den Ort de­fi­niert habe, an den je­der Dis­kurs zu­min­dest ge­stellt wird, um sich dem an­bie­ten zu kön­nen, was sei­ne Wi­der­le­gung ist oder auch nicht ist.

Qu’il puis­se se dé­mon­trer, et sous la for­me la plus simp­le… vous m’excuserez de n’avoir pas le temps de le fai­re aujourd’hui …que le pro­blè­me est to­ta­le­ment dé­pla­cé de sa­voir s’il est ou non un Dieu qui ga­ran­tis­se, com­me pour Des­car­tes, le champ de la vé­rité : il nous suf­fit qu’il puis­se se dé­mon­trer qu’au champ de l’Autre il n’y a pas de pos­si­bi­lité d’entière con­si­s­tan­ce du dis­cours, et ceci j’espère pou­voir la pro­chai­ne fois vous l’articuler pré­cis­é­ment en fonc­tion de l’existence du su­jet.

Dass be­wie­sen wer­den kann und das auf die ein­fachs­te Wei­se, Sie wer­den ent­schul­di­gen, dass ich heu­te nicht mehr die Zeit habe, das zu tun – das Pro­blem ist völ­lig ver­scho­ben, wenn man fragt, ob es ei­nen Gott gibt oder nicht, der wie für Des­car­tes das Feld der Wahr­heit ga­ran­tiert59 –, uns ge­nügt da­für, dass be­wie­sen wer­den kann, dass es im Fel­de des An­de­ren kei­ne Mög­lich­keit der un­ein­ge­schränk­ten Kon­sis­tenz des Dis­kur­ses gibt; ich hof­fe das beim nächs­ten Mal für Sie aus­füh­ren zu kön­nen, und zwar ge­nau in sei­ner Ab­hän­gig­keit von der Exis­tenz des Sub­jekts.

Je l’ai déjà une fois écrit très ra­pi­de­ment au ta­bleau.

Ich habe das be­reits ein­mal sehr schnell an die Ta­fel ge­schrie­ben.

C’est une dé­mons­tra­ti­on très aisée à trou­ver au pre­mier cha­pit­re de ce qu’on ap­pel­le « la théo­rie des en­sem­bles ».

Das ist ein Be­weis, den man leicht im ers­ten Ka­pi­tel von dem fin­det, was „Men­gen­leh­re“ ge­nannt wird.

Mais en­core faut-il… au mo­ins pour une part des oreil­les qui sont ici …mon­trer en quoi il est per­ti­nent d’introduire dans l’élucidation de la fonc­tion d’un dis­cours com­me ce­lui qui est le nôt­re, à nous ana­lys­tes, quel­que fonc­tion ex­trai­te d’une lo­gi­que, dont ce se­rait tout à fait un tort que de cro­i­re que c’est une fa­çon de l’exclure dans l’amphithéâtre voi­sin que de l’appeler lo­gi­que ma­t­hé­ma­tique.

Aber den­noch muss man zei­gen, zu­min­dest für ei­nen Teil der hier be­find­li­chen Oh­ren, in­wie­fern es stich­hal­tig ist, für uns Ana­ly­ti­ker, bei der Auf­hel­lung der Funk­ti­on ei­nes Dis­kur­ses wie des uns­ri­gen, eine Funk­ti­on ein­zu­füh­ren, die aus ei­ner­Lo­gik her­aus­ge­zo­gen ist, bei der es wirk­lich ein Un­recht wäre, zu gla­sub­en, dass die Be­zeich­nung als ma­the­ma­ti­sche Lo­gik eine Art und Wei­se wäre, sie in den an­gren­zen­den Hör­saal aus­zu­gren­zen.

Si nul­le part dans l’Autre ne peut être as­su­rée d’aucune fa­çon la con­si­s­tan­ce de ce qui s’appelle vérité,où donc est-elle si­non à ce qu’en répon­de cet­te fonc­tion du a ?

Wenn im An­de­ren nir­gend­wo auf ir­gend­ei­ne Wei­se die Kon­sis­tenz des­sen ge­si­chert wer­den kann, was sich Wahr­heit nennt, wo ist sie dann also, wenn nicht von da­her, dass die Funk­ti­on des a für sie bürgt?

Aus­si bien n’ai-je pas déjà à quel­que aut­re oc­ca­si­on émis ce qu’il en est du cri de la vé­rité ?

Habe ich denn nicht auch be­reits bei an­de­rer Ge­le­gen­heit vor­ge­bracht, was es mit dem Schrei der Wahr­heit auf sich hat?

« Moi la vé­rité  », ai-je écrit, « je par­le  », et je suis pure ar­ti­cu­la­ti­on émi­se pour vot­re em­barras.

Ich, die Wahr­heit“, habe ich ge­schrie­ben, „ich spre­che“, und ich bin rei­ne Ar­ti­ku­la­ti­on, vor­ge­bracht zu Ih­rer Ver­le­gen­heit.

C’est là – pour nous émou­voir – ce que peut dire la vé­rité.

Das ist hier das, was die Wahr­heit sa­gen kann, um uns zu er­schüt­tern.

Digital Photo File Name: MM74706.tif Online Publications Edited By Steven Paneccasio for TOAH 1-14-2016

Ed­vard Munch, Skrik, 1895, Li­tho­gra­phie, 35,7 x 23,6 cm

Mais ce que dit ce­lui60 qui est souf­fran­ce d’être cet­te vé­rité, ce­lui-là doit sa­voir que son cri n’est que cri muet, cri dans le vide, cri que déjà dans un temps j’ai il­lus­tré de la gra­vu­re cé­lèb­re de Munch.

Aber was der­je­ni­ge, der Lei­den ist, von da­her sagt, dass er die­se Wahr­heit ist, er muss wis­sen, dass ihr Schrei nur stum­mer Schrei ist, Schrei in der Lee­re, Schrei, den ich be­reits vor ei­ni­ger Zeit mit der be­rühm­ten Gra­phik von Munch il­lus­triert habe.61

Par­ce qu’à ce ni­veau rien d’autre ne peut lui répond­re chez l’Autre, que ce qui fait sa con­si­s­tan­ce et sa foi naï­ve de ce qu’il est com­me moi, c’est à sa­voir ce qui en est le vé­ri­ta­ble sup­port, à sa­voir sa fa­bri­ca­ti­on com­me ob­jet a.

Denn auf die­ser Ebe­ne kann ihm beim An­de­ren nichts an­de­res ant­wor­ten als das, wo­durch des­sen Kon­sis­tenz be­wirkt wird und was sei­nen nai­ven Glau­be an das be­wirkt, was das Sub­jekt als Ich (moi) ist, an das, was des­sen wahr­haf­te Stüt­ze ist, das heißt sei­ne Fa­bri­ka­ti­on als Ob­jekt a.

En face de lui, il n’y a rien que ce­lui-là, que l’un-en-plus par­mi tant d’autres, et qui ne peut d’aucune fa­çon répond­re à ce cri de la vé­rité si­non qu’il est très pré­cis­é­ment son équi­va­lent, la non-jouis­sance, la misè­re, la dé­tres­se et la so­li­tu­de.

Ihm ge­gen­über gibt es nichts als die­ses, als das Eins-mehr un­ter vie­len an­de­ren, das auf den Schrei der Wahr­heit auf kei­ne an­de­re Wei­se ant­wor­ten kann denn so, dass es selbst ge­nau des­sen Äqui­va­lent ist: das Nicht-Ge­nie­ßen, das Elend, die Ver­zweif­lung und die Ein­sam­keit.

C’est la con­tre­par­tie de ce a, de ce plus de jouir qui, du su­jet en tant que moi, fait la cohé­rence.

Das ist das Ge­gen­stück zu die­sem a, zu die­ser Mehr­lust, die die Ko­hä­renz des Sub­jekts als Ich (moi) aus­macht.

| [25] Il n’y a rien d’autre, à mo­ins que… pour aujourd’hui, vou­loir vous quit­ter sur quel­que cho­se qui fas­se sourire un peu plus …que je re­pren­ne les pa­ro­les, dans l’Ecclé­si­as­te, d’un vieux roi qui ne voy­ait pas de con­tra­dic­tion ent­re être le roi de la sa­ges­se et pos­sé­der un ha­rem, qui vous dit :

Et­was an­de­res gibt es nicht, bis auf dies, dass ich für heu­te – da ich Sie mit et­was ver­las­sen möch­te, was ein we­nig mehr zum Lä­cheln bringt –, dass ich die Wor­te ei­nes al­ten Kö­nigs aus dem Ek­kle­si­as­tes62 auf­grei­fe, ei­nes Kö­nigs, der kei­nen Wi­der­spruch da­zwi­schen sah, der Kö­nig der Weis­heit zu sein und ei­nen Ha­rem zu be­sit­zen63, und der Ih­nen sagt:

« Tout est va­nité », sans dou­te, « jou­is de la femme que tu ai­mes », c’est-à-dire fais an­ne­au de ce creux, de ce vide qui est au cent­re de ton être.

Es ist al­les ganz ei­tel“64, ge­wiss; „ge­nie­ße der Frau, die du liebst“65, das heißt, ma­che ei­nen Ring aus die­ser Höh­lung, aus die­ser Lee­re, die im Zen­trum dei­nes Seins ist.

Il n’y a pas de pro­chain si ce n’est ce creux même qui est en toi, c’est le vide de toi-même

Es gibt kei­nen Nächs­ten au­ßer die­ser Höh­lung, die in dir ist, das ist die Lee­re dei­ner selbst.

Mais dans ce rap­port as­su­ré­ment seu­le­ment ga­ran­ti par la fi­gu­re qui per­mit à Freud sans dou­te de se tenir à tra­vers tout ce che­min pé­ril­leux et de nous per­mett­re d’éclaircir des rap­ports qui, sans ce my­the, n’auraient pas été au­tre­ment sup­por­ta­bles, la Loi di­vi­ne qui lais­se dans son en­t­iè­re pri­mi­ti­vité cet­te jouis­sance ent­re l’homme et la femme.

Aber in die­sem Ver­hält­nis, das si­cher­lich al­lein durch die Fi­gur ga­ran­tiert wird, die es Freud er­mög­licht hat, die­sen gan­zen ge­fähr­li­chen Weg durch­zu­hal­ten und uns zu er­mög­li­chen, Ver­hält­nis­se auf­zu­klä­ren, die ohne die­sen My­thos nicht er­träg­lich ge­we­sen wä­ren, das gött­li­che Ge­setz, durch wel­ches das Ge­nie­ßen zwi­schen dem Mann und der Frau in sei­ner gan­zen Pri­mi­ti­vi­tät ge­las­sen wird.

Dont il faut dire : Don­ne-lui ce que tu n’as pas, puis­que ce qui peut t’unir à elle, c’est seu­le­ment sa jouis­sance.

Wor­über man sa­gen muss: Gib ihr das, was du nicht hast, denn was dich mit ihr ver­ei­nen kann, ist ein­zig ihr Ge­nie­ßen.66

C’est là-des­sus… qu’à la fa­çon d’une simp­le, d’une to­ta­le, d’une re­li­gieu­se, énig­me, de cel­le qui n’est appro­chée que dans la Ca­ba­le …je vous don­ne­rai aujourd’hui qui­tus.

Dar­über, in der Art ei­nes ein­fa­chen, ei­nes to­ta­len, ei­nes re­li­giö­sen Rät­sels, über et­was, was nur in der Kab­ba­la an­ge­gan­gen wird, will ich Ih­nen heu­te Ent­las­tung er­tei­len.

Paraphrase der Passagen über Mehrlust und Mehrwert

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern und grü­ner Schrift: mei­ne Er­läu­te­run­gen.

Ein­fü­gun­gen in ecki­gen Klam­mern mit ei­nem Fra­ge­zei­chen zu Be­ginn und grü­nem Text­hin­ter­grund: mei­ne Fra­gen.

Zah­len in ecki­gen Klam­mern und grau­er Schrift ver­wei­sen auf die Sei­ten von Mil­lers Aus­ga­be von Se­mi­nar 16.

 

[11] An der Ta­fel:
„Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen“

Struk­tu­ra­lis­mus

Aus­gangs­punkt ist der Be­griff „Struk­tu­ra­lis­mus“. Un­ter die­sem Eti­kett ist La­can mit Al­thus­ser und mit an­de­ren zu­sam­men­ge­bracht wor­den. [Das be­zieht sich ver­mut­lich auf die im sel­ben Jahr – also 1968 – von François Wahl her­aus­ge­ge­be­ne Buch­rei­he Que’est-ce que le struc­tu­ra­lis­me?.] La­can ak­zep­tiert die­se Klas­si­fi­zie­rung.

[12] Der Struk­tu­ra­lis­mus, sagt La­can, ist kei­ne Phi­lo­so­phie und kei­ne Welt­an­schau­ung, son­dern „das Se­riö­se“.

Das ent­schei­den­de Merk­mal der Psy­cho­ana­ly­se ist für ihn der Be­zug auf die Kas­tra­ti­on. Die Be­zie­hung zwi­schen den Ge­schlech­tern ist durch den Kas­tra­ti­ons­kom­plex ver­mit­telt. Ein Mann be­zieht sich auf eine Frau von dem Phan­tas­ma aus, dass ihre Rea­li­tät durch die Kas­tra­ti­on be­stimmt ist, ob­wohl die Kas­tra­ti­on bei ihr et­was Un­mög­li­ches ist [? also et­was Rea­les?]. Eine Frau be­zieht sich auf ei­nen Mann in der Wei­se, dass für sie sei­ne Wahr­heit die Kas­tra­ti­on ist, ob­wohl er rea­li­ter da­von ver­schont bleibt. Das heißt, in den Be­zie­hun­gen zwi­schen den Ge­schlech­tern gibt es kei­ne Har­mo­nie. Von da­her stellt sich die Fra­ge nach ei­nem Dis­kurs, der dem an­ge­mes­sen wäre.

[13] Beim [psy­cho­ana­ly­ti­schen] Dis­kurs geht es dar­um, des­sen Ur­sa­che zu fin­den [Ob­jekt a als Ur­sa­che des Be­geh­rens]. Zu fin­den ist die­se Ur­sa­che in der Di­men­si­on des Seins des Den­kens, nicht in der Di­men­si­on des Sinns des Den­kens [in der Ebe­ne der énon­cia­ti­on, der Äu­ße­rung rät­sel­haf­ter Si­gni­fi­kan­ten, nicht in der Ebe­ne der énon­cé, des Aus­ge­sag­ten]. Die Ur­sa­che des Dis­kur­ses ist zu fin­den in den Wor­ten, die au­ßer­halb des Sinns sind, im „Zwi­schen­sinn“ (l’entresens). Dies ist die Struk­tur, die der Psy­cho­ana­ly­ti­ker prak­ti­ziert [die Psy­cho­ana­ly­se als Pra­xis hat die Funk­ti­on, sol­che rät­sel­haf­ten Si­gni­fi­kan­ten auf­tau­chen zu las­sen, etwa in Träu­men oder Fehl­leis­tun­gen].

Der Struk­tu­ra­lis­mus ist et­was Se­riö­ses (sé­rieux) in dem Sin­ne, wie die Fol­ge der har­mo­ni­schen Zah­len eine har­mo­ni­sche Rei­he (sé­rie) ist. [Die har­mo­ni­sche Rei­he ver­weist auf die Wie­der­ho­lung. Das für La­can ent­schei­den­de Merk­mal ei­ner Struk­tur ist die Wie­der­ho­lung.]

Der Struk­tu­ra­lis­mus ist in­so­fern et­was Se­riö­ses, als er dies ernst­nimmt: das Wis­sen als Ur­sa­che im Den­ken, vor al­lem für eine wahn­haf­te Ori­en­tie­rung. [? Den Hin­weis auf den Wahn ver­ste­he ich nicht.]

Mehr­wert und Mehr­lust

[16] La­can stellt, wie er sagt, ei­nen „Kurz­schluss“ her, um die Ein­heit des­sen an­zu­zei­gen, was man „Struk­tu­ra­lis­mus“ nennt, näm­lich eine Be­zie­hung zwi­schen Psy­cho­ana­ly­se und Marx. Da­bei be­zieht er sich auf ei­nen Marx-Kom­men­tar [näm­lich auf Das Ka­pi­tal le­sen von Lou­is Al­thus­ser u.a., Pa­ris 1965].

Der Ver­gleichs­punkt ist die Fra­ge nach dem Ob­jekt, nach dem Ob­jekt | [17] des Ka­pi­tals ei­ner­seits und nach dem Ob­jekt, mit dem die Psy­cho­ana­ly­se es zu tun hat, an­de­rer­seits.

[Was ist das Ob­jekt / das Ziel des Ka­pi­tals?] La­can re­fe­riert die Marx­sche Kon­zep­ti­on des Mehr­werts (plus-va­lue): Der Mehr­wert ent­steht durch die Dif­fe­renz zwi­schen dem Wert der Ware Ar­beits­kraft [dem Wert, der zur Re­pro­duk­ti­on die­ser Ware not­wen­dig ist] und dem Wert, der von der Ar­beits­kraft ge­schaf­fen wird. [Das Ob­jekt des Ka­pi­tals ist also der Mehr­wert.]

Die­se Kon­zep­ti­on des Mehr­werts ist struk­tu­ra­lis­tisch; Al­thus­ser u.a. ha­ben das in ih­rem Kom­men­tar ge­zeigt.

La­can führt dann das Kon­zept re­non­cia­ti­on à la jouis­sance ein, „Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen“ oder „Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen“. [Der Aus­druck ist ju­ris­ti­scher Her­kunft, er meint im recht­li­chen Kon­text den er­klär­ten Ver­zicht auf die Nut­zung ei­ner Sa­che. Mei­ne Über­set­zung mit „Ab­sa­ge“ soll dar­an er­in­nern, dass es La­can um eine Sprach­wir­kung geht, um eine Wir­kung des Dis­kur­ses.]

Die­ser Be­griff ist nicht neu. [? Meint er den Be­griff „Ge­nie­ßen“ oder „Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen“?]

Das, was den Herrn kon­sti­tu­iert, ist die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen [bzw. der Ver­zicht auf die Nut­zung, in­so­fern er den Ge­winn (den Mehr­wert) nicht kon­su­miert, son­dern re-in­ves­tiert], dar­aus ver­sucht der Herr, das Prin­zip sei­ner Macht zu ma­chen – im Ge­gen­satz zu dem, was He­gel sagt [für den es der Herr ist, der – im Un­ter­schied zum Knecht – den Ge­nuss hat]. „Was He­gel sagt oder zu sa­gen scheint“ [denn an­der­seits wird der Herr, He­gel zu­fol­ge, da­durch zum Herrn, dass er im Kampf auf Le­ben und Tod sein Le­ben ris­kiert und in­so­fern, könn­te man sa­gen, auf das Ge­nie­ßen ver­zich­tet].

Neu ist, dass es ei­nen Dis­kurs gibt [den psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs], der die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen ar­ti­ku­liert und da­mit hier die Funk­ti­on der Mehr­lust (plus-de-jouir) er­schei­nen lässt. Die­se Mehr­lust ist das We­sen des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses. [Die Über­set­zung von plus-de-jouir mit dem deut­schen Wort „Mehr­lust“ stammt von La­can, er trägt sie in der nächs­ten Sit­zung vor.] [„Mehr­lust“ kon­no­tiert also: Ab­sa­ge das Ge­nie­ßen, Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen, ana­log zum Mehr­wert.]

[An der Ta­fel stand: „Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Sprc­chen“. Jetzt er­fährt man: Das We­sen des ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses ist die Mehr­lust.] [? Ist psy­cho­ana­ly­ti­scher Dis­kurs = pscho­ana­ly­ti­sche Theo­rie? Kann man ver­mu­ten: Die Mehr­lust, das We­sen des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses, ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen? Ich neh­me an, dass ja. Das hie­ße: Die Mehr­lust, das We­sen des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses / der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie, ist et­was, wo das Spre­chen an eine Gren­ze stößt, et­was Rea­les.]

Die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen ist eine Wir­kung des Dis­kur­ses.

[18] Der Dis­kurs ent­hält die Mit­tel des Ge­nie­ßens / die Ge­nuss­mit­tel, in­so­fern er das Sub­jekt im­pli­ziert. [Die Mit­tel des Ge­nie­ßens sind, neh­me ich an, die Si­gni­fi­kan­ten als Grund­la­ge der Wie­der­ho­lung.]

Es gäbe kei­ner­lei Sub­jekt­rä­son – in dem Sin­ne, wie man ‚Staats­rä­son‘ sa­gen kann –, wenn es auf dem Markt des An­de­ren kei­ne Ent­spre­chung gäbe, näm­lich dass eine Mehr­lust er­zeugt wird, die von ei­ni­gen in Be­schlag ge­nom­men wird.“ Die Mehr­lust wird vom An­de­ren in Be­schlag ge­nom­men [ana­log zum Mehr­wert, der vom Ka­pi­ta­lis­ten an­ge­eig­net wird].

Es braucht ei­nen hin­rei­chend vor­an­ge­trie­be­nen Dis­kurs, um nach­zu­wei­sen, wie die Mehr­lust von der Äu­ße­rung (énon­cia­ti­on) ab­hängt und also vom Dis­kurs pro­du­ziert wird, so­dass sie als Wir­kung er­scheint.“ Hier be­zieht La­can sich of­fen­bar sei­ne ei­ge­nen theo­re­ti­schen Be­mü­hun­gen. [Die Mehr­lust – die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen – hängt von der Äu­ße­rung ab, von der Ar­ti­ku­la­ti­on des Un­be­wuss­ten im Wie­der­ho­lungs­zwang.]

Mehr­lust und Ob­jekt a

Die Mehr­lust spielt sich um die Pro­duk­ti­on des Ob­jekts a ab.

[19] Ent­schei­den­de Be­mer­kung: „Im Dis­kurs über die Funk­ti­on der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen wird der Ter­mi­nus des Ob­jekts a ein­ge­führt. Die Mehr­lust als Funk­ti­on die­ser Ab­sa­ge, ab­hän­gig von der Wir­kung des Dis­kur­ses, das ist das, was dem Ob­jekt a sei­nen Platz gibt.“ [Fest­zu­hal­ten ist: Mehr­lust und Ob­jekt a sind nicht das­sel­be. Die Mehr­lust gibt dem Ob­jekt a sei­nen Platz. Die Fra­ge ist da­mit, was ist mit die­sem Platz­ge­ben ge­meint. Auf je­den Fall heißt es, dass das Ob­jekt a von der Mehr­lust aus ge­bil­det wird und von da­her zu be­grei­fen ist.]

Jede Ware trägt et­was Mehr­wert in sich. So ist auch das Ver­hält­nis von Mehr­lust und Ob­jekt a [d.h das Ob­jekt a trägt et­was Mehr­lust in sich].

[Ins­ge­samt also:

– Mehr­lust meint: Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen / Ver­zicht auf das Nutz­nie­ßen, ana­log zum Mehr­wert.

– Die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen ist eine Wir­kung des Dis­kur­ses.

– Die Mehr­lust gibt dem Ob­jekt a sei­nen Platz. 

– Das Ob­jekt a trägt et­was Mehr­lust in sich, et­was Ge­nuss­ver­zicht.]

 

Wie­der­ho­lung und Ob­jekt a: An­nä­he­rung an den Dis­kurs des Herrn

[20] La­can er­in­nert an sein Dik­tum „Der Si­gni­fi­kant ist das, wo­durch für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert wird“.

Dar­um geht es in der Wie­der­ho­lung [in dem mit dem Sym­ptom ver­bun­de­nen Wie­der­ho­lungs­zwang]. [Die bei­den Si­gni­fi­kan­ten ste­hen hier also für die Wie­der­ho­lung.]

Da­bei ist zu be­ach­ten, dass ein Si­gni­fi­kant [für La­can, an­ders als für die Lin­gu­is­ten] et­was Un­durch­sich­ti­ges ist [dass sei­ne Be­deu­tung ver­sperrt ist].

[21] Das Sub­jekt ver­schwin­det so­fort, in dem Mo­ment in dem es auf­ge­taucht ist. [Das Sub­jekt er­scheint im ers­ten Si­gni­fi­kan­ten, es ver­schwin­det so­fort (das Ge­such­te wird ver­fehlt), und des­halb ist der zwei­te Si­gni­fi­kant not­wen­dig, also die Wie­der­ho­lung.]

Der Si­gni­fi­kant kann sich mit dem zwei­ten Si­gni­fi­kan­ten nicht ver­bin­den, ohne dass sich hier­bei ein Ver­lust her­stellt. [Der Ver­lust ist also ein Ef­fekt der Wie­der­ho­lung, er stellt sich nach­träg­lich her.] Die­ser Ver­lust ist das Ob­jekt a. [Das Ob­jekt a ist ein ver­lo­re­nes Ob­jekt.]

Also muss das Ge­nie­ßen mar­kiert wer­den. [Das Ge­nie­ßen, das ge­sucht wird, muss iden­ti­fi­ziert wer­den, durch den „ein­zi­gen Zug“.] Vom Ge­nie­ßen [das in der Wie­der­ho­lung ge­sucht wird], kann aber nichts durch ei­nen Zug iden­ti­fi­ziert wer­den, ohne dass da­bei ein Ob­jekt ver­lo­ren geht. [D.h. die Wie­der­ho­lung setzt die Mög­lich­keit der Iden­ti­fi­zie­rung vor­aus (durch den „ein­zel­nen Zug“), und die Iden­ti­fi­zie­rung führt zum Ob­jekt­ver­lust.]

[Da­mit sind die vier Ter­me im Spiel, mit de­nen ein Jahr spä­ter die vier Dis­kur­se kon­stru­iert wer­den: $, S1, S2 und a.]

Dis­kurs des Herrn in Se­mi­nar 17:

\frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}

(Tausch­wert – Ge­brauchs­wert – Mehr­wert) : (Ge­nie­ßen – ein­zi­ger Zug – Mehr­lust)

Das ent­spricht dem, was von Marx ent­zif­fert wird, näm­lich dass das Sub­jekt des Tausch­werts durch den Ge­brauchs­wert re­prä­sen­tiert wird. [Im Wert­ver­hält­nis zwei­er Wa­ren wird, Marx zu­fol­ge, der Tausch­wert der ei­nen Ware im Ge­brauchs­wert der an­de­ren Ware aus­ge­drückt (Das Ka­pi­tal, ers­ter Band, ers­tes Ka­pi­tel.] [Es gibt hier also eine Spal­te, eine Kluft, zwi­schen Tausch­wert und Ge­brauchs­wert.] In die­ser Spal­te wird der Mehr­wert her­ge­stellt, in die­se Spal­te fällt der Mehr­wert her­ein. [Der Mehr­wert be­ruht auf dem Un­ter­schied zwi­schen dem Ge­brauchs­wert der Ware Ar­beits­kraft und dem Tausch­wert der Ware Ar­beits­kraft. Ihr Ge­brauchs­wert be­steht dar­in, Wert schaf­fen zu kön­nen, ihr Tausch­wert ist der Wert, der zu ih­rer Re­pro­duk­ti­on not­wen­dig ist. Sie kann mehr Wert schaf­fen, als zu ih­rer Re­pro­duk­ti­on not­wen­dig ist, und die­ser Wert­über­schuss ist der Mehr­wert.]

[Of­fen­bar stellt La­can fol­gen­de Ana­lo­gie her: Das Ge­nie­ßen ver­hält sich zum ein­zi­gen Zug wie der Tausch­wert zum Ge­brauchs­wert. Durch den Be­zug des Tausch­werts (der Ware Ar­beits­kraft) auf den Ge­brauchs­wert (der Ware Ar­beits­kraft) ent­steht ein Ver­lust, der Mehr­wert. Ana­log ent­steht durch den Be­zug des Ge­nie­ßens auf den ein­zi­gen Zug ein Ver­lust, die Mehr­lust.]

Das, was nicht be­nannt wer­den kann

Auf un­se­rer Ebe­ne [der der Psy­cho­ana­ly­se] zählt nur noch die­ser Ver­lust [er ist das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie]. Das, was ver­lo­ren ist, heißt „Mehr­lust“.

Die Mehr­lust ist das Kor­re­lat von al­lem, was mit dem Den­ken zu tun hat. [? Sinn? Den­ken = Si­gni­fi­kan­ten­ver­ket­tung?]

Beim Sym­ptom geht es um das Vor­ge­hen im Um­kreis von et­was, was das Sub­jekt zu be­nen­nen nicht in der Lage ist. [Man er­in­ne­re sich an die Ein­gang­for­mu­lie­rung „Das We­sen der psy­cho­ana­ly­ti­schen Theo­rie ist ein Dis­kurs ohne Spre­chen“. Das, wor­an das Spre­chen schei­tert, ist ver­mut­lich das, was das Sub­jekt nicht be­nen­nen kann, und dies ist of­fen­bar die Mehr­lust. Das dürf­te eine An­spie­lung auf das Rea­le sein: das Rea­le ist das Un­mög­li­che – das, was un­mög­lich zu be­nen­nen ist.]

Dies hat nicht nur mit den Be­zie­hun­gen zum Nächs­ten zu tun, son­dern auch mit der Vi­tal­be­zie­hung. [? Was meint das?]

Hier­für sind die Be­zü­ge auf die Öko­no­mie ge­eig­ne­ter als die Be­zü­ge von Freud auf die Ther­mo­dy­na­mik. [Freud rech­net die Be­zü­ge auf die Ther­mo­dy­na­mik zum „öko­no­mi­schen Ge­sichts­punkt“ in der Psy­cho­ana­ly­se. La­can nimmt ihn ge­wis­ser­ma­ßen beim Wort und sagt: Nun gut, dann hal­ten wir uns doch an das, was die Öko­no­mie tat­säch­lich sagt, näm­lich die po­li­ti­sche Öko­no­mie von Marx.]

Noch ein­mal die vier Ter­me

[22] In der Be­zie­hung ei­nes Si­gni­fi­kan­ten S1 zu ei­nem an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten S2, in der das Sub­jekt von S1 re­prä­sen­tiert wird, kann sich das Sub­jekt nicht er­fas­sen, wenn ein Si­gni­fi­kant in der Ket­te zu a in Be­zie­hung ge­bracht wird, d.h. zu dem, was in der Be­zie­hung zur Mehr­lust fa­bri­ziert wird: Brust, Kot, Stim­me, Blick. [Da­mit sind wie­der die vier Ter­me im Spiel, aus de­nen im Fol­ge­se­mi­nar die vier Dis­kur­se kon­stru­iert wer­den: $, S1, S2 und a. Hier of­fen­bar in der Wei­se, dass noch ein wei­te­rer Si­gni­fi­kant ins Spiel ge­bracht wird, S3.]

Die­se a, das ist die Fa­bri­ka­ti­on des Dis­kur­ses der Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen. Die Trieb­fe­der die­ser Fa­bri­ka­ti­on ist die, dass sich um die­se a her­um die Mehr­lust her­stel­len kann.“

[Wei­te­re (drit­te) Be­stim­mung zum Ver­hält­nis von Mehr­lust und Ob­jekt a: Um das Ob­jekt a her­um kann sich die Mehr­lust her­stel­len, also der Ge­nuss­ver­zicht, die Ab­sa­ge an das Ge­nie­ßen.]

Pas­cals Wet­te

La­can kün­digt an, dass er dies [ver­mut­lich: das Ver­hält­nis von Mehr­lust und Ob­jekt a] durch Be­zug auf Pas­cals Wet­te aus­ar­bei­ten wird. [Pas­cal sagt, sei stets bes­ser, dar­auf zu wet­ten, dass es Gott gibt, als dar­auf zu wet­ten, dass es ihn nicht gibt, da, wenn man an Gott glaubt, der zu er­war­ten­de Ge­winn grö­ßer sei als der Ver­lust im Fal­le des Un­glau­bens.]

Hier wird das Le­ben ja dar­auf re­du­ziert, dass es ei­nen [quan­ti­fi­zier­ba­ren] Wert hat. Da­mit wird der Markt des Ge­nie­ßens in das Feld des Dis­kur­ses ein­ge­führt [d.h. das Ge­nie­ßen wird als ein Wert­quan­tum be­grif­fen, das sich mit an­de­ren Wert­quan­ten ver­glei­chen lässt, was letzt­lich ei­nen Markt vor­aus­setzt].

Das glück­li­che Le­ben, das durch die Wet­te an­ge­zielt wird, ver­kör­pert sich in der Mehr­lust.

In der Pascal’schen Wet­te geht es um den Tausch von Ar­beit ge­gen Mehr­lust [of­fen­bar ana­lo­gi­siert La­can hier: Ar­beit = an Gott glau­ben]. | [23] Hier soll­te man sich dar­an er­in­nern, dass Pas­cal nicht nur Wis­sen­schaft­ler war, son­dern auch Ka­pi­ta­list – er be­trieb ei­nes der ers­ten Un­ter­neh­men für öf­fent­li­chen Nah­ver­kehr, die Pa­ri­ser Pfer­de­om­ni­bus­ge­sell­schaft.

Per­ver­si­on

Die Mehr­lust in nack­ter Ge­stalt ent­hüllt sich in der Per­ver­si­on.

Des­halb gilt: der hei­li­gen Frau ein per­ver­ser Sohn. [Die hei­li­ge Frau, das ist die Mut­ter, in­so­fern das Kind sie als nicht-be­geh­rend wahr­nimmt.]

Hier­durch wird das Phan­tas­ma be­stimmt, das we­der Sub­jekt noch Ob­jekt ist, son­dern $◊a [eine Be­zie­hung von Sub­jekt und Ob­jekt]; vom Phan­tas­ma her ver­ket­ten sich die Si­gni­fi­kan­ten. [Den „frei­en As­so­zia­tio­nen“ des Pa­ti­en­ten in ei­ner Psy­cho­ana­ly­se liegt letzt­lich ein be­stimm­tes Phan­tas­ma zu­grun­de.]

S(Ⱥ) und a

[24] Im An­de­ren gibt es nichts, was die Kon­sis­tenz der Wahr­heit si­chern könn­te [La­cans Sym­bol da­für ist S(Ⱥ), Si­gni­fi­kant des Man­gels im An­de­ren]. Dies ist der „Schrei der Wahr­heit“. Es gibt hier nur das „Eins-mehr un­ter vie­len an­de­ren“. [? Sinn?] Es gibt hier nur das Nicht-Ge­nie­ßen, das Elend, die Ver­zweif­lung, die Ein­sam­keit. Als Bür­ge für die Wahr­heit springt das Ob­jekt a ein. Durch die Fa­bri­ka­ti­on des Ob­jekts a wird die Kon­sis­tenz des An­de­ren be­wirkt und eben­so der nai­ve Glau­be des Sub­jekts an das, was es selbst als Ich (moi) ist. [Durch das Ob­jekt a wird der An­de­re zu ei­nem An­de­ren ohne Man­gel und hier­auf be­ruht der Glau­be des Sub­jekts an das Ich (moi).]

Sekundärliteratur

Die bes­ten Er­läu­te­run­gen des Be­griffs Mehr­lust, die ich in der Se­kun­där­li­te­ra­tur ge­fun­den habe, sind von Ro­land Che­ma­ma und Erik Por­ge.

Roland Chemama über Mehrlust

Im Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se wird die Mehr­lust von Ro­land Che­ma­ma so dar­ge­stellt:

Mehr­lust (engl. in­crea­se in en­joy). Von La­can vor­ge­schla­ge­ner Neo­lo­gis­mus, um in Ho­mo­lo­gie zum Mehr­wert, die struk­tu­rel­le Funk­ti­on zu be­zeich­nen, auf die sich das Ge­nie­ßen im all­ge­mei­nen re­du­zie­ren soll und die ei­nen der Modi der Dar­stel­lung des Ob­jekts a bil­det.

(…) Der Be­griff der Mehr­lust er­hält für die Psy­cho­ana­ly­se sei­nen Platz im Rah­men ei­ner Theo­rie des Ob­jekts als Ur­sa­che des Be­geh­rens, das von La­can als Ob­jekt a be­zeich­net wird. Für La­can gilt, dass das Sub­jekt sich sei­nes Seins nicht auf der Ebe­ne der Si­gni­fi­kan­ten­ket­te ver­si­chern kann, durch die es je­doch de­ter­mi­niert wird. Denn dort wird es be­stän­dig von ei­nem Si­gni­fi­kan­ten auf ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ver­wie­sen und es ver­or­tet sich letzt­lich nur im Schnitt zwi­schen den Si­gni­fi­kan­ten. Des­halb stützt es sich statt­des­sen auf das Phan­tas­ma, das heißt auf sei­ne Be­zie­hung zum Ob­jekt des Be­geh­rens. Aber das Ob­jekt, durch das sein Be­geh­ren ver­ur­sacht wird, er­weist sich selbst als vom for­ma­len Sie­gel des Schnitts mar­kiert. Von da­her ist es schwie­rig, dar­über zu spre­chen, ohne ge­nau das zu ver­feh­len, was ihm die­sen be­son­de­ren Wert ver­leiht und dar­aus La­can zu­fol­ge ein ‚Sein ohne We­sen‘ macht.

Dies ist zwei­fel­los der Grund da­für, dass La­can sich be­müht, in sei­nem ge­sam­ten Werk un­ter­schied­li­che Wege für die Dar­stel­lung die­ses Ob­jekts vor­zu­schla­gen. Ab­ge­se­hen von der  to­po­lo­gi­schen Ver­or­tung die­ses Ob­jekts (…) be­zieht er sich, aus­ge­hend von ei­ner Lek­tü­re von Pla­tons Gast­mahl, auf den Be­griff agal­ma. Und er ver­or­tet das Ob­jekt a auch als ‚Mehr­lust‘, in Ho­mo­lo­gie zum Be­griff des ‚Mehr­werts‘ bei Marx.

Für Marx ist der Mehr­wert durch eine Sub­trak­ti­on be­stimmt. Wenn man von der Amor­ti­sie­rung des kon­stan­ten Ka­pi­tals (Ma­schi­nen usw.) ab­sieht, ent­spricht der Tausch­wert ei­ner Ware der für ihre Pro­duk­ti­on not­wen­di­gen Ar­beits­zeit. Der Lohn des Ar­bei­ters da­ge­gen ent­spricht nur dem Wert sei­ner Ar­beits­kraft, ein Wert, dess­sen un­te­re Gren­ze durch die Zeit be­stimmt wird, die zu ih­rer Re­pro­duk­ti­on not­wen­dig ist. Auf die­se Wei­se kann der Ka­pi­ta­list ei­nen Mehr­wert rea­li­sie­ren, in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen dem Wert der Ware [Ar­beits­kraft] und dem Wert der Ar­beit des Ar­bei­ters. Marx selbst merkt je­doch an, dass der Ka­pi­ta­list sich die­sen Mehr­wert nur sehr ein­ge­schränkt an­eig­net. Denn die Lo­gik des Sys­tems nö­tigt ihn, den Mehr­wert wie­der in die Pro­duk­ti­on zu in­ves­tie­ren. Auf die­se Wei­se lie­fert der Mehr­wert das Mo­dell für ein Ob­jekt, das nie­mand wirk­lich ge­nie­ßen kann, ob­gleich die Or­ga­ni­sa­ti­on der ge­sam­ten ka­pi­ta­lis­ti­sche Pro­duk­ti­on auf sei­ne Rea­li­sie­rung aus­ge­rich­tet zu sein scheint.

Marx kom­men­tie­rend hält La­can fest, dass der Mehr­wert nur von Sprach­wir­kun­gen her mög­lich ist, vor al­lem von den­je­ni­gen her, die zu ei­ner ‚Ver­ab­so­lu­tie­rung des Mark­tes‘ füh­ren, bei der die Arbeit[skraft] selbst zu ei­ner Ware wie an­de­re wird. Vor al­lem weist La­can dar­auf hin, dass es eine Ho­mo­lo­gie gibt zwi­schen dem, was das Werk von Marx auf­deckt, und dem, was der psy­cho­ana­ly­ti­sche Dis­kurs er­schei­nen lässt: ei­nen Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen.

Als Freud die gro­ßen Prin­zi­pi­en auf­stell­te, von de­nen die Exis­tenz des Sub­jekts re­gu­liert wird, hat­te er das Lust­prin­zip als das Stre­ben nach Ver­rin­ge­rung der Er­re­gung be­schrie­ben, wo­bei die­ses Stre­ben das Ziel hat, Un­lust zu ver­mei­den. Was La­can an­geht, so be­müht er sich, in­dem er vom Ge­nie­ßen spricht, ein Jen­seits des Lust­prin­zips zu be­rück­sich­ti­gen, et­was, was in ei­ner Art For­cie­rung den Kör­per aufs Spiel set­zen wür­de. Das ab­so­lu­te Ge­nie­ßen ist für den Men­schen je­doch un­mög­lich. Das, wo­mit er viel­mehr zu tun hat, ist ein Ver­lust des Ge­nie­ßens, wie das in der Theo­rie von He­gel in Be­zug auf den Herrn zu se­hen ist. Denn die­ser kann nur da­durch Herr wer­den, dass er sein Le­ben ris­kiert, da­durch also, dass er auf das Ge­nie­ßen des Le­bens ver­zich­tet. Es ist ge­nau die­ser Ver­lust, den schließ­lich das Ob­jekt a sym­bo­li­siert. Das, wo­durch das Be­geh­ren des Sub­jekts ver­ur­sacht wird, ist das Ob­jekt a als Zei­chen ei­nes ver­lo­re­nen Ge­nie­ßens.

Die­se The­sen, die in Se­mi­nar XVI ein­ge­führt wer­den, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, wer­den im nächs­ten Jahr prä­zi­siert, in Se­mi­nar XVII, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se. Die Mehr­lust wird hier im Rah­men ei­ner Theo­rie des Dis­kur­ses vor­ge­stellt und ge­langt hier ins­be­son­de­re dazu, im Dis­kurs des Herrn das zu de­fi­nie­ren, was durch die sprach­li­che Ar­ti­ku­la­ti­on, die uns de­ter­mi­niert, pro­du­ziert wird. Von da­her be­kommt die Ho­mo­lo­gie zwi­schen dem ver­lo­re­nen Ob­jekt, das vom psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs be­schrie­ben wird, und dem Sta­tus des Mehr­werts bei Marx ihre vol­le Be­deu­tung.  Es ist je­doch fest­zu­hal­ten, dass La­can eine spe­zi­el­le Schreib­wei­se fest­le­gen wird, um den ‚ka­pi­ta­lis­ti­schen Dis­kurs‘ dar­zu­stel­len, eine Schreib­wei­se, die im Üb­ri­gen vor al­lem das be­rück­sich­tigt, was sich seit Marx hat ver­än­dern kön­nen, ein­schließ­lich der Sphä­re der Öko­no­mie.“

Ro­land Che­ma­ma: Ar­ti­kel „plus-de-jouir“. In: Ders. u. Ber­nard Van­derm­ersch (Hg.): Dic­tionn­aire de la psy­chana­ly­se. Larous­se Pa­ris 2009, S. 242 f., Über­set­zung und Ein­fü­gung in ecki­ge Klam­mern: RN.

Erik Porge über Mehrlust

Erik Por­ge be­schreibt die Mehr­lust in sei­ner La­can-Ein­füh­rung so:

Das Ge­nie­ßen stellt sich, im Ver­hält­nis zu ei­ner Trieb­be­frie­di­gung, als ent­schwun­den dar, als un­zu­gäng­lich.67 Nun be­steht die Trieb­be­frie­di­gung dar­in, sich um das Ob­jekt des Trie­bes zu dre­hen und es also je­des Mal als sol­ches zu ver­feh­len und in das In­sis­tie­ren der Wie­der­ho­lung ein­zu­tre­ten. Es geht also um ein un­er­reich­ba­res Ge­nie­ßen, das nach­träg­lich, aus­ge­hend von der Wie­der­ho­lung, un­ter­stellt wird, um eine Be­frie­di­gung, die durch ein im­mer schon ver­lo­re­nen Ob­jekt ver­schafft wird, um eine Be­frie­di­gung, die im­mer ver­fehlt sein wird, da sie vom Sie­gel der Wie­der­ho­lung ge­prägt ist.

Das Ge­nie­ßen lie­fert in­so­fern ei­nen Bei­trag dazu, das Sub­jekt zu de­ter­mi­nie­ren, als das Ge­nie­ßen das ist, was von der Wie­der­ho­lung des Si­gni­fi­kan­ten an­ge­zielt wird, die Re­pro­duk­ti­on der ur­sprüng­li­chen Be­frie­di­gung. Aber da die­se durch die ur­sprüng­li­che Mar­kie­rung hin­durch­ge­hen muss, durch die sie er­in­nert wird, ist sie auf im­mer ver­lo­ren. Das Sub­jekt fin­det ein Ver­hält­nis zur Mar­kie­rung wie­der, nicht zur Be­frie­di­gung ohne Mar­kie­rung, und die zwei­te Mar­kie­rung ist nicht die ers­te. Die zwei­te Mar­kie­rung wie­der­holt die ers­te nicht, sie lässt die ers­te als de­fi­ni­tiv ver­lo­ren exis­tie­ren. Die­ser Pro­zess ist der der Dop­pel­schlei­fe des ein­zi­gen Zugs, mit dem die Si­gni­fi­kan­ten­wie­der­ho­lung gleich­ge­setzt wird, eine Dop­pel­schlei­fe, de­ren Struk­tur die des Schnitts des Mö­bi­us­ban­des ist, und des­sen Rest, der sich als ver­lo­ren kon­sti­tu­iert, das Ob­jekt a ist, Trä­ger ei­ner Mehr­lust. Das Sub­jekt ist vom Ge­nie­ßen er­fasst, weil es, das Sub­jekt, ver­schwin­dend ist, weil es im Netz der Si­gni­fi­kan­ten la­tent ist.68

Eine aus­führ­li­che Dar­stel­lung der hier von Por­ge be­schrie­be­nen Struk­tur fin­det man in La­cans Vor­trag Über Struk­tur als Ein­mi­schen ei­ner An­ders­heit als Vor­aus­set­zung ir­gend­ei­nes Sub­jekts (1966)69; vgl. mei­nen Kom­men­tar in die­sem Blog.

Der Aus­druck plus de jouir, (Mehr­lust) ist eine di­rek­te Nach­ah­mung des Aus­drucks plus va­lue (Mehr­wert), der von Marx ein­ge­führt wur­de, er be­steht aus „dem­sel­ben Stoff“70 Das Wis­sen, das nichts mit der Ar­beit zu tun hat, ist der Preis für den Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen. Mit der Wis­sen­schaft wird ein Wis­sens­markt in­stal­liert und mit die­sem et­was, was, ob­wohl es nach den Nor­men die­ses Mark­tes zu sei­nem wah­ren Preis be­zahlt wor­den ist, den­noch für nichts er­langt wird. Dies ist die Mehr­lust. Aus­ge­hend von der Ho­mo­ge­ni­sie­rung der Wis­sens­ar­ten auf dem Markt, ord­net sich das Ge­nie­ßen und kann es sich als ge­sucht und als per­vers eta­blie­ren. Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur ist eine Mehr­lust, die durch den Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen er­langt wird.71

Erik Por­ge: Jac­ques La­can, un psy­chana­lys­te. Par­cours d’un ens­eig­ne­ment. Érès, Ra­mon­vil­le Saint-Agne 2000, S. 238 f. und 316. Die Fuß­no­ten sind von Por­ge, die Über­set­zung ist von mir, RN.

Zum Bild zu Beginn des Artikels

In Ra­dio­pho­nie sagt La­can:

Der Mehr­wert, das ist die Marxlust, die Mehr­lust von Marx.„72

Mehr­lust ist Ver­zicht auf das Ge­nie­ßen.

Was sagt Marx über Ge­nuss­ver­zicht?

Um das Gold als Geld fest­zu­hal­ten und da­her als Ele­ment der Schatz­bil­dung, muß es ver­hin­dert wer­den zu zir­ku­lie­ren oder als Kauf­mit­tel sich in Genuß­mit­tel auf­zu­lö­sen. Der Schatz­bild­ner op­fert da­her dem Gold­fe­tisch sei­ne Flei­sches­lust. Er macht Ernst mit dem Evan­ge­li­um der Ent­sa­gung. And­rer­seits kann er der Zir­ku­la­ti­on nur in Geld ent­ziehn, was er ihr in Ware gibt. Je mehr er pro­du­ziert, des­to mehr kann er ver­kau­fen. Ar­beit­sam­keit, Spar­sam­keit und Geiz bil­den da­her sei­ne Kar­di­nal­tu­gen­den, viel ver­kau­fen, we­nig kau­fen, die Sum­me sei­ner po­li­ti­schen Öko­no­mie.“ Karl Marx, Das Ka­pi­tal73

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Anmerkungen

  1. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 11. Fe­bru­ar 1970, Ver­si­on Mil­ler S. 91, und öf­ter. –  J.L.: Ra­dio­pho­nie (1970). Über­setzt von Hans-Joa­chim Metz­ger. In: J.L.: Ra­dio­pho­nie. Te­le­vi­si­on. Qua­dri­ga, Ber­lin 1988, S. 5–54, hier: S 49.–  J.L.: Se­mi­nar 20, En­core (1972/73). Über­setzt von Nor­bert Haas, Vre­ni Haas und Hans-Joa­chim Metz­ger. Qua­dri­ga, Ber­lin 1986, Sit­zung vom 19. De­zem­ber 1972, S. 21.
  2. Jac­ques La­can: Le sé­min­aire, li­v­re XVI. D’un Aut­re à l’autre. 1968–1969. Tex­te éta­b­li par Jac­ques-Alain Mil­ler. Seuil, Pa­ris 2006.
  3. Vgl. René Des­car­tes, Me­di­ta­tio­nen über die Grund­la­gen der Phi­lo­so­phie, 1641, vor al­lem fünf­te Me­di­ta­ti­on.
  4. Mil­ler: „sur le“.
  5. Mil­ler: „n’a pas né­ces­sité beau­coup d’invention“.
  6. Mil­ler: „pous­sé en avant“.
  7. Das be­zieht sich ver­mut­lich auf die von François Wahl her­aus­ge­ge­be­ne und 1968 bei Seuil er­schie­ne­ne Buch­rei­he Qu’est-ce que le struc­tu­ra­lis­me? (Was ist der Struk­tu­ra­lis­mus?) Sie be­steht aus fünf Bän­den, je ei­ner zum Struk­tu­ra­lis­mus in der Lin­gu­is­tik, der Poe­tik, der An­thro­po­lo­gie, der Psy­cho­ana­ly­se und der Phi­lo­so­phie. Der Band über den Struk­tu­ra­lis­mus in der Psy­cho­ana­ly­se wur­de von Mousta­pha Sa­fouan ver­fasst, ei­nem Schü­ler La­cans. Vgl. François Wahl (Hg.): Ein­füh­rung in den Struk­tu­ra­lis­mus. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1973.
  8. Kof­fer­wort aus pou­bel­le (Müll­ei­mer) und pu­bli­ca­ti­on (Ver­öf­fent­li­chung). Das Wort­spiel fin­det man in La­cans Auf­satz D’un des­sin (1966), in: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 363–367, hier: S. 364; dt: Von ei­ner Ab­sicht. Über­setzt von Ur­su­la Rütt-Förs­ter. In: J.L.: Schrif­ten III. Hg. v. Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten 1980, S. 175–178, hier: 175; Rütt-Förs­ter über­setzt mit „Pups­li­ka­ti­on“.
  9. An­spie­lung auf Be­cketts Thea­ter­stück End­spiel (1957); zwei der Fi­gu­ren, Nagg und Nell, le­ben in Müll­ei­mern.
  10. La­can be­zieht sich auf die Dis­kre­panz zwi­schen den bei­den Schöp­fungs­ge­schich­ten: (a) „Und Gott schuf den Men­schen zu sei­nem Bil­de, zum Bil­de Got­tes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (1. Mose 1, 27) (b) „Da mach­te Gott der HERR den Men­schen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Le­bens in sei­ne Nase. (…)  Und Gott der HERR sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch al­lein sei; ich will ihm eine Ge­hil­fin ma­chen, die um ihn sei.“ (1. Mose 2, 7 und 18) Lu­ther-Über­set­zung 1984.
  11. An­spie­lung auf die For­mel „Ent­we­der ich den­ke nicht oder ich bin nicht“, die La­can in Se­mi­nar 14 aus­führ­lich ent­wi­ckelt hat­te (Die Lo­gik des Phan­tas­mas, 1966/67).
  12. Die Wen­dung hors de sens (au­ßer­halb des Sinns) klingt ähn­lich wie hors dé­cence (au­ßer­halb des An­stands).
  13. Mög­li­cher­wei­se spielt La­can hier auf Lud­wig Witt­gen­steins Phi­lo­so­phi­sche Un­ter­su­chun­gen (1953) an, in de­nen die Fra­ge ge­stellt wird, was es heißt, ei­ner Re­gel zu fol­gen.
  14. Il und hile sind laut­gleich. „Hilum“, wört­lich „Stiel“, ist die Stel­le, an der der Same am Frucht­kno­ten an­ge­wach­sen war, der Na­bel.
  15. Mil­ler: „à con­fond­re, à uni­fier“.
  16. Ein Me­te­or ist eine Him­mels­er­schei­nung, nicht zu ver­wech­seln mit dem Me­teo­ri­ten. Der Ein­schlag von Me­teo­ri­ten in die Erd­at­mo­sphä­re ist ein be­stimm­ter Typ von Him­mels­er­schei­nun­gen, von Me­teo­ren.
  17. Sta­fer­la schreibt „ba­nal“ statt „ba­sal“.
  18. In Se­mi­nar 18 er­läu­tert La­can, dass der „su­pre­me Punkt“ der nied­rig­te Punkt ei­ner obe­ren Gren­ze ist und der „in­fi­me Punkt“ der höchs­te Punkt ei­ner un­te­ren Gren­ze (Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1971, sie­he hier). „Ma­xi­mum im Ba­sa­len“ wäre dann „in­fim“.
  19. Eine har­mo­ni­sche Fol­ge ist die Lis­te der Kehr­wer­te der gan­zen po­si­ti­ven Zah­len: 1, ½, 1/3, ¼ usw. Als har­mo­ni­sche Zah­len wer­den die ein­zel­nen Par­ti­al­sum­men ei­ner har­mo­ni­schen Fol­ge be­zeich­net; har­mo­ni­sche Zah­len sind also so­wohl 3/2 (= 1 + ½) als auch 11/6 (= 1 + ½ + 1/3) als auch 25/12 (= 1 + ½ + 1/3 + 1/4) usw. Eine har­mo­ni­sche Rei­he (sé­rie har­mo­ni­que) ist die Fol­ge die­ser Sum­men, also die Lis­te 3/2, 11/6, 25/12 usw. 
  20. In den Schrif­ten weist La­can in der Ein­lei­tung zur An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Lag­a­che dar­auf hin, dass er in der ver­öf­fent­lich­ten Fas­sung – ver­gli­chen mit dem Vor­trags­text – ei­nen Apo­log vom Senf­topf ge­stri­chen habe (An­mer­kung zum Be­richt von Da­ni­el Lag­a­che „Psy­cho­ana­ly­se und Struk­tur der Per­sön­lich­keit“ (Vor­trag von 1958, End­fas­sung 1960, ver­öf­fent­licht 1961). In: J. L.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 146–192, hier: S. 146). In Se­mi­nar 7 von 1959/60 Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se„ kommt er mehr­fach auf die­sen Apo­log zu­rück (Sit­zun­gen vom 23. No­vem­ber 1959, vom 27. Ja­nu­ar 1960 und vom 30. März 1960).
  21. Ei­nem grie­chi­schen My­thos zu­fol­ge müs­sen die Da­nai­den im Tar­t­a­ros mit ih­ren Krü­gen Was­ser in ein durch­lö­cher­tes Fass schöp­fen.
  22. Die Ge­schen­ke der drei Wei­sen, vgl. Mat­thä­us 2, 11.
  23. Lou­is Al­thus­ser, Éti­en­ne Ba­li­bar, Ro­ger Es­ta­blet, Pierre Ma­che­rey et Jac­ques Ran­ciè­re: Lire le Ca­pi­tal. Ma­s­pe­ro, Pa­ris 1965.– Dt. Teil­über­set­zung: Lou­is Al­thus­ser, Eti­en­ne Ba­li­bar: Das Ka­pi­tal le­sen. Über­setzt von Klaus-Die­ter Thie­me. Ro­wohlt, Rein­bek 1970.– Dt. voll­stän­di­ge Über­set­zung: Lou­is Al­thus­ser, Éti­en­ne Ba­li­bar, Ro­ger Es­ta­blet, Pierre Ma­che­rey und Jac­ques Ran­ciè­re: Das Ka­pi­tal le­sen. Über­setzt von Frie­der Otto Wolf und Eva Pfaf­fen­ber­ger. West­fä­li­sches Dampf­boot, Müns­ter 2015.
    „Nicht sehr weit ent­fernt“: La­can hielt sei­ne Vor­le­sung die­sem Zeit­punkt in ei­nem Hör­saal der Éco­le nor­ma­le su­pé­ri­eur de Pa­ris, an der Al­thus­ser Pro­fes­sor war.
  24. Mil­ler: „qu’elle [cet­te acte] ait eu de fait des con­séquen­ces bien fas­tes au gré même de mar­xis­tes ayant eu à les re­cueil­lier“.
  25. Die Stan­dard-Über­set­zung von re­non­cia­ti­on ist „Ver­zicht“. Ich über­set­ze mit „Ab­sa­ge“, um den Be­zug auf das Spre­chen an­zu­deu­ten, der in re­non­cia­ti­on deut­lich ent­hal­ten ist (la­tei­nisch renun­tia­tio: eine fei­er­li­che Er­klä­rung); man könn­te re­non­cia­ti­on auch mit „Ver­zichts­er­klä­rung“ über­set­zen. Im Le­xi­kon des CNRTL wird re­non­cia­ti­on so de­fi­niert: „Ac­tion d’abandonner la jouis­sance ou la pos­ses­si­on d’une cho­se, la pré­ten­ti­on à quel­que cho­se; ré­sul­tat de cet­te ac­tion.“ (Hand­lung, die dar­in be­steht, die Nutz­nie­ßung oder den Be­sitz ei­ner Sa­che auf­zu­ge­ben oder den An­spruch auf et­was auf­zu­ge­ben; das Er­geb­nis die­ser Hand­lung.) Im ju­ris­ti­schen Kon­text ist re­non­cia­ti­on dem­nach pri­mär der Ver­zicht auf ein „Ge­nie­ßen“ im Sin­ne der Nut­zung, der Nutz­nie­ßung, des Nieß­brauchs.
  26. La­can be­zieht sich mit die­ser Be­mer­kung ver­mut­lich auf das Ka­pi­tel über Herr­schaft und Knecht­schaft in der Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes.
  27. He­gel: „Dem Herrn da­ge­gen wird durch die­se Ver­mitt­lung [d.h. da­durch, dass die Be­zie­hung des Herrn zum Ding durch den Knecht ver­mit­telt wird] die un­mit­tel­ba­re Be­zie­hung [zum Ding] als die rei­ne Ne­ga­ti­on des­sel­ben oder der Genuß; was der Be­gier­de nicht ge­lang, ge­lingt ihm, da­mit fer­tig zu wer­den und im Ge­nus­se sich zu be­frie­di­gen. Der Be­gier­de ge­lang dies nicht we­gen der Selb­stän­dig­keit des Din­ges; der Herr aber, der den Knecht zwi­schen es und sich ein­ge­scho­ben, schließt sich da­durch nur mit der Un­selb­stän­dig­keit des Din­ges zu­sam­men und ge­nießt es rein; die Sei­te der Selb­stän­dig­keit aber über­läßt er dem Knech­te, der es be­ar­bei­tet.“ (Wer­ke 3. Phä­no­me­no­lo­gie des Geis­tes. Re­dak­ti­on: Eva Mol­den­hau­er und Karl-Mar­kus Mi­chel. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1970, S. 151)
    He­gel scheint das zu sa­gen, denn an­de­rer­seits wird der Herr, He­gel zu­fol­ge, da­durch Herr, dass er im Kampf auf Le­ben und Tod sein Le­ben ris­kiert und in die­sem Sin­ne auf das Ge­nie­ßen ver­zich­tet.
  28. Die Über­set­zung von plus-de-jouir mit dem deut­schen Wort „Mehr­lust“ wird von La­can selbst vor­ge­nom­men; vgl. Sit­zung vom 20. No­vem­ber 1968, Ver­si­on Mil­ler, S. 41.
  29. Mit „or­di­na­ler Struk­tur“ könn­te die Un­ter­schei­dung von „mehr“ und „we­ni­ger“ ge­meint sein. „Kar­di­na­le Struk­tur“ könn­te hei­ßen: Un­ter­schie­de, mit de­nen die Ope­ra­tio­nen der Ad­di­ti­on, Sub­trak­ti­on usw. vor­ge­nom­men wer­den kön­nen.
  30. Ana­log zum Mehr­wert, der vom Ka­pi­ta­lis­ten an­ge­eig­net wird.
  31. Vgl. J.L.: Kant mit Sade (1963). In: Ders.: Schrif­ten. Band II. Voll­stän­di­ger Text. Über­setzt von Hans-Die­ter Gon­dek. Tu­ria und Kant, Wien u.a. 2015, S. 289–321.
    La­can be­zieht sich ver­mut­lich auf das Sche­ma des Sade’schen Phan­tas­mas und dar­in auf das a am Platz un­ten links (a.a.O., S. 301).
  32. Pas­cal sagt, es sei stets bes­ser, dar­auf zu wet­ten, dass es Gott gibt, als dar­auf zu wet­ten, dass es ihn nicht gibt, da, wenn man an Gott glaubt, der zu er­war­ten­de Ge­winn grö­ßer sei als der Ver­lust im Fal­le des Un­glau­bens. (Blai­se Pas­cal, Ge­dan­ken über die Re­li­gi­on und ei­ni­ge an­de­re Ge­gen­stän­de, 1670, Nr. 246–250, deut­sche Über­set­zung im In­ter­net hier.
  33. Sta­fer­la zi­tiert hier­zu aus ei­nem Brief von Marx an En­gels vom 26. Juni 1867: „L’avantage de ma dialec­tique est que je dis les cho­ses peu à peu, et com­me ils cro­i­ent que je suis au bout, se hâ­tant de me ré­fu­ter, ils ne font rien qu’étaler leur âne­rie.“ (Sta­fer­la zi­tiert nach: L. Al­thus­ser u.a.: Lire le ca­pi­tal. Bd. I. Ma­s­pe­ro, Pa­ris 1970, S.30.
  34. Mil­ler: „Sans dou­te la stra­té­gie avec la vé­rité, qui est l’essence de la thé­ra­peu­tique, ne peut-elle ré­si­der com­me tel­le dans nul­le in­ter­ven­ti­on par­ti­cu­liè­re dite in­ter­pré­ta­ti­on.“ Das ist das Ge­gen­teil des­sen, was La­can sagt. La­can zu­fol­ge kann die Stra­te­gie mit der Wahr­heit nur auf der Deu­tung be­ru­hen, Mil­ler zu­fol­ge kann sie nicht auf der Deu­tung be­ru­hen.
  35. Ge­meint ist die psy­cho­ana­ly­ti­sche Grund­re­gel, dass der Pa­ti­ent al­les sa­gen soll, was ihm ein­fällt, ohne et­was aus­zu­las­sen.
  36. In der psy­cho­ana­ly­ti­schen Kur, ge­mäß der Grund­re­gel.
  37. La­can be­zieht sich auf den Rom-Vor­trag von 1953, des­sen ers­ter Teil den Ge­gen­satz zwi­schen dem „vol­len Spre­chen“ und dem „lee­ren Spre­chen“ zum The­ma hat. J.L.: Funk­ti­on und Feld des Spre­chens und der Spra­che in der Psy­cho­ana­ly­se. Übers. v. Klaus La­er­mann. In: J.L.: Schrif­ten I. Hg. v. Nor­bert Haas. Suhr­kamp, Frank­furt am Main 1975, S. 71–169.
  38. J. La­can: La cho­se freu­dien­ne ou Sens du re­tour à Freud en psy­chana­ly­se. In: Ders.: Écrits. Seuil, Pa­ris 1966, S. 401–436; Vor­trag von 1955, ver­öf­fent­licht 1956.– Dt.: J. La­can: Das Freud’sche Ding (1956). Über­setzt von Mo­ni­ka Ma­ger. Tu­ria und Kant, Wien 2011.
  39. La cho­se freu­dien­ne, a.a.O., S. 408 f., mei­ne Über­set­zung; vgl. Das Freud’sche Ding, a.a.O., S. 22 f.
  40. Das Kon­zept der Ver­le­gen­heit wird aus­führ­lich ent­wi­ckelt in Se­mi­nar 10 von 1962/63, Die Angst. Es hat sei­nen Platz in der Ta­bel­le über Hem­mung, Sym­ptom und Angst; vgl. Se­mi­nar 10, Ver­si­on Miller/Gondek, S. 24, 102, 402, 419; „em­barras“ wird dort mit „Be­dräng­nis“ über­setzt.
  41. In der For­mel vom Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers, die La­can im nächs­ten Se­mi­nar ent­wi­ckeln wird (Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se, 1969/70), wird dies da­durch re­prä­sen­tiert, dass im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers der Ana­ly­ti­ker die Funk­ti­on des Ob­jekts a über­nimmt (am Platz oben links, d.h. am Platz des Agen­ten).
  42. In Se­mi­nar 11, Die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se (1964), heißt es, der Trieb ma­ni­fes­tie­re sich als aze­pha­les Sub­jekt, als Sub­jekt ohne Kopf (vgl. Sit­zung vom 13. Mai 1964, Ver­si­on Miller/Haas, S. 189, 193).
  43. La­can be­zieht sich auf die Marx­sche Ana­ly­se der ein­fa­chen Wert­form. Im Wert­ver­hält­nis zwei­er Wa­ren (x Ware A = y Ware B) wird der Tausch­wert der ers­ten Ware im Ge­brauchs­wert der zwei­ten Ware aus­ge­drückt. (Vgl. Karl Marx: Das Ka­pi­tal. Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie. Ers­ter Band. Buch I: Der Pro­duk­ti­ons­pro­zeß des Ka­pi­tals. Dietz, Ber­lin 1969, dar­in „A. Ein­fa­che, ein­zel­ne oder zu­fäl­li­ge Wert­form“, S. 63–76.)
  44. Der Mehr­wert be­ruht auf der Dif­fe­renz zwi­schen dem Tausch­wert und dem Ge­brauchs­wert der Ware Ar­beits­kraft. Der Ge­brauchs­wert der Ware Ar­beits­kraft be­steht dar­in, dass der Wert, den sie er­zeu­gen kann, grö­ßer ist als ihr ei­ge­ne Wert.
  45. Freud rech­net die Be­zü­ge auf die Ther­mo­dy­na­mik zum „öko­no­mi­schen Ge­sichts­punkt“ in der Psy­cho­ana­ly­se. La­can nimmt ihn ge­wis­ser­ma­ßen beim Wort und sagt: Nun gut, dann hal­ten wir uns doch an das, was die Öko­no­mie tat­säch­lich sagt, näm­lich die von Marx.
  46. Mil­ler: „La pre­miè­re for­mu­le in­di­que que, dans son rap­port à un aut­re si­gni­fi­ant S2, un si­gni­fi­ant S1 re­pré­sen­te le su­jet, S bar­ré, qui ja­mais ne sau­ra se sai­sir.

    Seminar 16 - Nr 1a - MillerLa se­con­de veut mar­quer qu’un si­gni­fi­ant quel­con­que dans la chaî­ne, ici S3, peut être mis en rap­port avec ce qui n’est pour­tant qu’un ob­jet, le pe­tit a, qui se fa­bri­que dans le rap­port au plus-de-jouir.

    Seminar 16 - Nr 1b - MillerPar ou­ver­tu­re du jeu de l’organisme, l’objet se trouve pou­voir prend­re fi­gu­re de ces en­t­ités éva­nouis­san­tes dont j’ai déja don­né la lis­te, qui va du sein à la déjec­tion, et de la voix au re­gard.“

  47. Dies ist ein ers­ter Schritt in Rich­tung auf die­je­ni­ge Struk­tur, die La­can in Se­mi­nar 17 als Her­ren­dis­kus be­zeich­nen wird.

    \frac {\text S_1}{\text {\$}} \:^\rightarrow \, \frac {\text S_2}{a}

  48. Blai­se Pas­cal (1623–1662), Pen­sées (1670), Nr. 246 f.
  49. Mil­ler: „Ce tra­vail com­me l’échange au­quel pro­cè­de le pari avec quel­que cho­se dont nous sau­ri­ons qu’il en vaut la pei­ne ont pour res­sort une fonc­tion qui est cor­ré­la­ti­ve de cel­le de plus-de-jouir, et qui est cel­le de mar­ché. Elle est au fond même de l’idée que Pas­cal ma­nie, sem­ble-t-il, avec l’extraordinaire de ce qui est lui-même au dé­but de la pé­ri­ode de dé­chaî­ne­ment de cet­te fonc­tion du mar­ché.“
  50. Ich än­de­re „au fond même de l’idée“ zu „au fond même l’idée“, da ich nicht sehe, wie der Satz an­ders ei­nen Sinn er­ge­ben könn­te, RN.
  51. Ge­meint ist das re­li­giö­se Er­we­ckungs­er­leb­nis im Jah­re 1654, nach dem Pas­cal zum Jan­se­nis­ten wur­de und sich aus dem ge­sel­li­gen Le­ben zu­rück­zog.
  52. Der ers­te Pfer­de­om­ni­bus der Erde wur­de 1662 in Pa­ris auf An­re­gung von Pas­cal ein­ge­führt; hier­für wur­de ein Un­ter­neh­men ge­grün­det, in dem er ei­nen von fünf An­tei­len hielt.
  53. Mil­ler schreibt hier und im fol­gen­den „mo­ment“ statt „ni­veau“.
  54. Mil­ler: „il de­vi­ent quel­que cho­se équi­a­lent, cet être so­li­dai­re“.
  55. La­can be­zieht sich auf Freuds Auf­satz „Ein Kind wird ge­schla­gen“ (Bei­trag zur Kennt­nis der Ent­ste­hung se­xu­el­ler Per­ver­sio­nen (1919). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 7. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 229–254.
  56. Mil­ler fügt hin­zu: „ce­lui de l’Autre et ce­lui du pe­tit a“.
  57. D’un Aut­re à l’autre, „Von ei­nem An­de­ren zum An­de­ren“; vom sym­bo­li­schen „An­de­ren“ mit gro­ßem A zum ima­gi­nä­ren „an­de­ren“ mit klei­nem a.
  58. Mil­ler: „Qu’est-ce que l’Autre? Ce ce champ de la vé­rité que j’ai dé­fi­ni pour être le lieu où le dis­cours du su­jet pren­drait con­si­s­tan­ce, et où il se pose pour s’offir à être ou non ré­fu­té.“
  59. Vgl. René Des­car­tes, Me­di­ta­tio­nen über die Grund­la­gen der Phi­lo­so­phie, 1641, vor al­lem fünf­te Me­di­ta­ti­on.
  60. Mil­ler: „Mais cela n’est pas ce que crie“.
  61. Von Ed­vard Munchs be­kann­tem Bild gibt es vier Ver­sio­nen in Ge­mäl­de­form und au­ßer­dem meh­re­re Li­tho­gra­phi­en.
    Auf Munchs Schrei hat­te La­can sich in Se­mi­nar 12 von 1964/65 be­zo­gen, Schlüs­sel­pro­ble­me für die Psy­cho­ana­ly­se, in der Sit­zung vom 17. März 1965.
    Im lau­fen­den Se­mi­nar 16 kommt er am 12. März 1969 auf den Schrei zu­rück (Ver­si­on Mil­ler, S. 225).
  62. Ek­kle­si­as­tes ist der grie­chi­sche Ti­tel für ein Buch der he­bräi­schen Bi­bel. Der he­bräi­sche Ti­tel ist Ko­he­let; Lu­ther über­setzt den Ti­tel mit Der Pre­di­ger Sa­lo­mo. Im Deut­schen ist der Ti­tel meist Pre­di­ger.
  63. Als Au­tor des Ek­kle­si­as­tes gilt, der Tra­di­ti­on nach, Kö­nig Sa­lo­mo.
  64. Pre­di­ger 1, 1.
  65. Pre­di­ger 9, 9.
  66. An­spie­lung auf La­cans Dik­tum „In der Lie­be gibt man, was man nicht hat“.
  67. J. La­can, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, S. 253 der deut­schen Über­set­zung.
  68. J. La­can, Das Ob­jekt der Psy­cho­ana­ly­se, Se­mi­nar 13, 1965/66, 8. Juni 1966.
  69. Jac­ques La­can: Über Struk­tur als Ein­mi­schen ei­ner An­ders­heit als Vor­aus­set­zung ei­nes Sub­jekts. In: Ders: Struk­tur. An­ders­heit. Sub­jekt­kon­sti­tu­ti­on. Her­aus­ge­ge­ben, über­setzt und kom­men­tiert von Do­mi­nik Fin­kel­de. Au­gust Ver­lag, Ber­lin (Im­print im Ver­lag der Buch­hand­lung Walt­her Kö­nig, Köln) 2015, S. 11–70.
  70. J. La­can, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren, 20. und 27. No­vem­ber 1968.
  71. Eben­da, 13. No­vem­ber 1968.
  72. Ra­dio­pho­nie, a.a.O., S. 37. 
  73. K. Marx: Das Ka­pi­tal. Kri­tik der po­li­ti­schen Öko­no­mie. Ers­ter Bamd. Buch I: Der Pro­duk­ti­ons­pro­zess des Ka­pi­tals. Dietz, Ber­lin 1968 (MEW 23), S. 147, im In­ter­net hier.

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Lacan über Mehrlust und Mehrwert (Übersetzung von Seminar 16, Sitzung vom 13. November 1968, mit Paraphrase) — 1 Kommentar

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