Lacans Begriffe

Herrensignifikant, S1: das Ichideal

Lotterielos ziehen 2 - zu Jacques Lacans Begriff des HerrensignifikantenZwei Jun­gen zie­hen Lose aus Los­trom­meln
Aus: Na­than F. White, Alex­an­der An­der­son: Doc­tor Bo­lus and his pa­ti­ents.
Mer­ri­am, Moo­re & Co., Troy, New York ca. 1851–1856

Was ist ein Her­ren­si­gni­fi­kant (si­gni­fi­ant maît­re)?

Der Ter­mi­nus ge­hört zum Be­griffs­ap­pa­rat des spä­ten La­can. Ein­ge­führt wird der Aus­druck in Se­mi­nar 17 von 1969/70, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se; als Sym­bol für den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten dient dort die Zei­chen­fol­ge S1 (S In­dex 1).1 In je­dem der fol­gen­den acht Se­mi­na­re ar­bei­tet La­can mit dem Be­griff oder dem Sym­bol. In den Auf­sät­zen be­zieht er sich auf den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten in Ra­dio­pho­nie (1970) und L’étourdit (1973).2

Im Fol­gen­den skiz­zie­re ich zu­nächst die Vor­ge­schich­te des Be­griffs und kom­men­tie­re dann, nach ei­nem knap­pen Hin­weis auf Se­mi­nar 17, ei­ni­ge Pas­sa­gen zum Her­ren­si­gni­fi­kan­ten aus den Se­mi­na­ren 21 von 1973/74, Les non-du­pes er­rent, und 22 von 1974/75, RSI. Den Ab­schluss bil­det eine sys­te­ma­ti­sie­ren­de Zu­sam­men­fas­sung.

Der Herrensignifikant in früheren Seminaren

Ichideal

In Se­mi­nar 17 spricht La­can über ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, des­sen Sinn (sens) ab­so­lut wäre, und fährt dann fort:

Wo sich dies zeigt, sehr leicht zu er­ken­nen, denn es gibt nur ei­nen Si­gni­fi­kan­ten, der an die­sem Platz ant­wor­ten könn­te: das ist das ‚Ich‘ (Je), das ‚Ich‘ in­so­fern es tran­szen­den­tal ist, aber auch, in­so­fern es il­lu­so­risch ist. Das ist die letz­te, an die Wur­zel ge­hen­de Ope­ra­ti­on, die­je­ni­ge, von der her sich ir­re­du­zi­bel ge­ra­de das absi­chert – und das zeigt, dass das kein Zu­fall ist –, was ich mit der Ar­ti­ku­la­ti­on des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses be­zeich­ne.

Das tran­szen­den­ta­le Ich ist das­je­ni­ge, das je­der, um auf eine be­stimm­te Wei­se ein Wis­sen aus­zu­sa­gen, in sich als Wahr­heit ver­birgt, der S1, das Ich (Je) des Herrn.

Das mit sich selbst iden­ti­sche Ich (Je), das ist ganz ge­nau das, von dem her sich der S1 des rei­nen Im­pe­ra­tivs kon­sti­tu­iert, d.h. ganz ge­nau das, wo das Ich (Je) sich ent­zieht (dé­ro­be), denn der Im­pe­ra­tiv steht im­mer im Ver­hält­nis zur zwei­ten Per­son.

Aber der My­thos vom idea­len Ich (Je idéal), vom Ich, das be­herrscht, vom Ich, durch das zu­min­dest et­was mit sich selbst iden­tisch ist, näm­lich der Aus­sa­gen­de, ist ganz ge­nau das, was der Universitätsdis­kurs nicht von dem Platz weg­schaf­fen kann, an dem sich sei­ne Wahr­heit be­fin­det.“3

Der Her­ren­si­gni­fi­kant ist ein Si­gni­fi­kant, der ei­nen ab­so­lu­ten Sinn hat, al­ler­dings auf il­lu­so­ri­sche Wei­se, das heißt: letzt­lich hat er kei­nen Sinn.

Im Uni­ver­si­täts­dis­kurs wird die Funk­ti­on des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten durch den Si­gni­fi­kan­ten „Ich“ (Je) rea­li­siert, also durch den Si­gni­fi­kan­ten, mit dem der Aus­sa­gen­de sich selbst be­zeich­net.

Die­ser Si­gni­fi­kant bil­det die Grund­la­ge für Kants tran­szen­den­ta­les Ich und für den My­thos vom idea­len Ich (Je idéal). In die­sem My­thos er­scheint das Ich als eine En­ti­tät, die mit sich selbst iden­tisch ist und die et­was be­herrscht. Die Selbst­i­den­ti­tät – die Ab­so­lut­heit des Sinns – ist in­so­fern il­lu­so­risch, als Si­gni­fi­kan­ten nur dif­fe­ren­ti­ell funk­tio­nie­ren; im Se­mi­nar über die Iden­ti­fi­zie­rung hat­te La­can das breit aus­ge­führt (Se­mi­nar 9 von 1961/62). Der Her­ren­si­gni­fi­kant be­ruht also auf ei­ner il­lu­sio­nä­ren Blo­ckie­rung der Dif­fe­ren­tia­li­tät des Si­gni­fi­kan­ten. Da der Sinn auf der Dif­fe­renz der Si­gni­fi­kan­ten be­ruht, ist der Her­ren­si­gni­fi­kant ohne Sinn.

Das Be­herr­schen ist die Form, in der das Ich sich ent­zieht, denn das Be­herr­schen be­ruht auf dem Im­pe­ra­tiv, und der Im­pe­ra­tiv ist durch das Ver­hält­nis zum an­de­ren be­stimmt, sprach­lich ge­se­hen: durch den Be­zug auf die zwei­te Per­son, auf das „du“.

Der My­thos vom idea­len und be­herr­schen­den Ich bil­det die ver­bor­ge­ne Wahr­heit des Uni­ver­si­täts­dis­kur­ses; in der For­mel die­ses Dis­kur­ses steht S1, der Her­ren­si­gni­fi­kant, am Platz un­ten links, am Platz der ka­schier­ten Wahr­heit.

Der Her­ren­si­gni­fi­kant ist also, be­zo­gen auf den Uni­ver­si­täts­dis­kurs, das idea­le Ich (Je idéal) oder der Kern des idea­len Ichs. In Freud­scher Ter­mi­no­lo­gie geht es beim Her­ren­si­gni­fi­kan­ten um das Ide­al-Ich bzw. das Ichi­de­al. In den frü­hen Se­mi­na­ren hat­te La­can den Aus­druck „Ide­al-Ich“ (moi idéal) dem Ima­gi­nä­ren zu­ge­ord­net, den Ter­mi­nus „Ichi­de­al“ (idéal du moi) dem Sym­bo­li­schen.4 Beim Her­ren­si­gni­fi­kan­ten geht es, in La­cans äl­te­rer Ter­mi­no­lo­gie, um das Ichi­de­al.

Polsterstich

Eine frü­he Ver­si­on des Be­griffs „Her­ren­si­gni­fi­kant“ ist das Kon­zept des point de ca­pi­ti­on, des Pols­ter­stichs oder Stepp­punkts (zur Fra­ge der Über­set­zung des Aus­drucks point de ca­pi­ton vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel). In der letz­ten Sit­zung von Se­mi­nar 17 be­zieht La­can sich auf Balz­acs Ro­man Kehr­sei­te der Ge­schich­te un­se­rer Zeit und fährt dann fort:

Le­sen Sie das, le­sen Sie das, und ma­chen Sie eine Haus­auf­ga­be. Ex­akt die­sel­be wie die, die ich vor fast hun­dert Jah­ren be­reits den Ty­pen auf­zu­ge­ben ver­sucht habe, zu de­nen ich in Sain­te-Anne ge­spro­chen habe, be­zo­gen auf die ers­te Sze­ne des ers­ten Akts von Atha­lie. Al­les was sie da ver­stan­den ha­ben, war der Polsterstich/Stepppunkt. Ich sage nicht, dass das eine her­vor­ra­gen­de Me­ta­pher war, aber schließ­lich war das S1, der Her­ren­si­gni­fi­kant.

Gott weiß, was sie mit die­sem Pols­ter­stich ge­macht ha­ben, sie ha­ben ihn bis in Les Temps mo­der­nes ge­tra­gen. Ja, das ist Les Temps mo­der­nes, das ist nicht Mi­nu­te.

Es ging um den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten. Das war eine Wei­se, sie auf­zu­for­dern, sich Re­chen­schaft dar­über abzule­gen, wie et­was, was sich in der Spra­che wie ein Lauf­feu­er aus­brei­tet, wie das les­bar ist, d.h., dass sich das ver­klam­mert, dass das ei­nen Dis­kurs bil­det.“5

Den Be­griff des Pols­ter­stichs hat­te La­can in Se­mi­nar 3 ein­ge­führt, Die Psy­cho­sen (1955/56).6 Dort hieß es:

Dass es grund­le­gende Si­gni­fi­kan­ten gibt, ohne wel­che die Ord­nung der mensch­li­chen Be­deu­tun­gen sich nicht her­stel­len könn­te, läßt uns un­sere Er­fah­rung alle Au­gen­bli­cke spü­ren.“7

Wenn man die Be­deu­tung ei­nes Si­gni­fi­kan­ten klä­ren will, wird man von Si­gni­fi­kant zu Si­gni­fi­kant zu ver­wei­sen und da­mit ver­schiebt sich die Be­deu­tung im­mer aufs Neue; sie ver­brei­tet sich in der Spra­che in der Art ei­ner Pul­ver­spur, ei­nes Lauf­feu­ers. „Das Si­gni­fi­kat glei­tet un­ter dem Si­gni­fi­kan­ten“, hat­te La­can die­sen Vor­gang ge­nannt.8 Wie kommt es, dass das Ge­spro­che­ne den­noch „les­bar“ ist, dass ei­nen re­la­tiv sta­bi­len Sinn er­gibt, dass eine Rede ar­ti­ku­liert wird, die man ver­ste­hen kann? Die in Se­mi­nar 3 ent­wi­ckel­te The­se lau­tet: dies ist die Leis­tung be­stimm­ter Si­gni­fi­kan­ten. Sie ha­ben selbst kei­ne Be­deu­tung und be­schrän­ken sich auf die Funk­ti­on, die Ver­wei­sungs­be­we­gung von Be­deu­tung zu Be­deu­tung zu ei­nem Halt zu brin­gen. Auf die­se Wei­se ver­nä­hen sie ge­wis­ser­ma­ßen die Si­gni­fi­kan­ten mit den Si­gni­fi­ka­ten. Si­gni­fi­kan­ten, die die­se Stopp-Funk­ti­on rea­li­sie­ren, wer­den von La­can als points de ca­pi­ton be­zeich­net, als Pols­ter­sti­che – sie ver­hin­dern, dass das Si­gni­fi­kat un­ter dem Si­gni­fi­kan­ten be­stän­dig ver­rutscht.

Be­schränkt man sich auf das Funk­tio­nie­ren von Sät­zen, wird die Be­deu­tung – die sich mit je­dem hin­zu­ge­füg­ten Wort ver­schiebt – durch das Satz­en­de sta­bi­li­siert; der Si­gni­fi­kant in Pols­ter­stich­funk­ti­on ist hier ge­wis­ser­ma­ßen der Punkt.

Im po­li­ti­schen Dis­kurs ha­ben Si­gni­fi­kan­ten wie „Frei­heit“, „Volk“ oder „Ter­ro­ris­mus“ die Funk­ti­on von Her­ren­si­gni­fi­kan­ten: sie die­nen als letz­te Be­zugs­punk­te. Sie ha­ben durch­aus Si­gni­fi­ka­te, wir ver­bin­den sie mit ei­nem Sinn. In dem Maße je­doch, in­dem sie die Funk­ti­on von Her­ren­si­gni­fi­kan­ten wahr­neh­men, ent­leert sich ihre Be­deu­tung; in dem Maße, in dem sie an Be­deu­tung ge­win­nen, miss­lingt es ih­nen, die Ver­wei­sungs­be­we­gung zu ei­nem Halt zu brin­gen.

Zur Er­läu­te­rung des Pols­ter­stich-Kon­zepts hat­te La­can sich im Psy­cho­se-Se­mi­nar auf Ra­ci­nes Tra­gö­die Atha­lie be­zo­gen.9 Joad, der Ho­he­pries­ter, plant ei­nen Auf­stand ge­gen die Kö­ni­gin und ver­sucht, den Feld­herrn Ab­ner zu ge­win­nen, der aber ist un­ent­schlos­sen. Dar­auf­hin sagt Joad, er, Joad, fürch­te Gott, sonst nie­man­den, und da­mit ver­än­dert die Si­tua­ti­on sich schlag­ar­tig – Ab­ner schließt sich dem Auf­stand an. In La­cans Deu­tung be­ruht dies dar­auf, dass der Si­gni­fi­kant „Got­tes­furcht“ Ord­nung in Ab­ners chao­ti­sche Ge­fühls­la­ge bringt, in sei­ne sich wi­der­strei­ten­den Si­gni­fi­ka­te, wie La­can es auch nennt. Das heißt: der Si­gni­fi­kant „Got­tes­furcht“ fun­giert in die­ser Si­tua­ti­on als Pols­ter­stich, als das, was ei­nen Halt gibt (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).

Ge­nau die­se Leis­tung hat der Ödi­pus­kom­plex und dar­auf be­ruht sei­ne Son­der­stel­lung, so hat­te es im Psy­cho­sen-Se­mi­nar ge­hei­ßen. Der Be­griff des Va­ters – der dem der Got­tes­furcht sehr na­he­ste­he – lie­fe­re für den Pols­ter­stich, wel­cher Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat ver­kno­tet, das am deut­lichs­ten wahr­nehm­ba­re Ele­ment.10

Um zu Se­mi­nar 17 zu­rück­zu­keh­ren: La­can er­wähnt, dass ei­ni­ge sei­ner Zu­hö­rer den Be­griff point de ca­pi­ton in ei­nem Auf­satz ver­wen­det hat­ten, der in der (lin­ken) Zeit­schrift Les Temps mo­der­nes er­schien, nicht in der (rech­ten) Zeit­schrift Mi­nu­te.11

Be­reits beim Pols­ter­stich ging es um den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten. Dem­nach ist ein Si­gni­fi­kant dann ein Her­ren­si­gni­fi­kant, wenn er die Be­deu­tung fi­xiert, er wenn Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat mit­ein­an­der ver­klam­mert. Er er­zeugt nicht das Si­gni­fi­kat, aber er sta­bi­li­sis­ert es, in­dem er die Ver­wei­sung von Si­gni­fi­kant zu Si­gni­fi­kant zu ei­nem Halt bringt. Die­se Ar­re­tie­rung ist nicht die Leis­tung ei­nes Si­gni­fi­kats, das von sich aus sta­bil wäre, son­dern ei­nes Si­gni­fi­kan­ten – bei be­stimm­ten Wör­tern hört man auf zu fra­gen, was das denn nun wie­der be­deu­ten mag, so wie Ab­ner bei dem Wort „Got­tes­furcht“.

Graf des Begehrens mit PolsterstichDen Zu­sam­men­hang zwi­schen dem Pols­ter­stich und dem Ichi­de­al zeigt der Graph des Be­geh­rens.12 Der Pols­ter­stich ist in der un­te­ren Eta­ge ver­or­tet, er wird durch die von mir grün ge­färb­ten Li­ni­en re­prä­sen­tiert. Das sta­bi­le Si­gni­fi­kat ist der Kreu­zungs­punkt s(A), für si­gni­fié de l’Autre, „das vom An­de­ren kom­men­de Si­gni­fi­kat“. Das Ichi­de­al ist der Punkt un­ten links, I(A), für Idéal de l’Autre, „Ide­al des An­de­ren“, im Sin­ne von „das vom An­de­ren kom­men­de Ide­al“. Der Graph zeigt hier nicht ganz das, was er zei­gen soll – es fehlt ein Pfeil, der von I(A) zu s(A) führt und der re­prä­sen­tiert, dass das Ichi­de­al die Funk­ti­on hat, das Si­gni­fi­kat zu sta­bi­li­sie­ren.

Fiktion und Wahrheit

Auf den Funk­ti­ons­zu­sam­men­hang, durch den eine sta­bi­le Be­deu­tung ent­steht, hat­te La­can sich auch mit der fol­gen­den Sen­tenz be­zo­gen: „Die Wahr­heit hat die Struk­tur ei­ner Fik­ti­on“. In Se­mi­nar 7, Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se (1959/60), ver­weist er hier­für auf die „fik­tio­na­len En­ti­tä­ten“ von Je­re­my Ben­t­ham.13 Dies sind nach Ben­t­ham Grund­be­grif­fe, die kei­nen Be­zug zu em­pi­ri­schen Ge­ge­ben­hei­ten ha­ben, wie „Zeit“, „Be­we­gung“, „Ma­te­rie“ usw., die aber den­noch teil­wei­se not­wen­dig sind – nicht nur für theo­re­ti­sche, son­dern auch für prak­ti­sche Ak­ti­vi­tä­ten; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.

Si­gni­fi­kan­ten, die die Funk­ti­on ha­ben, den Sinn zu fi­xie­ren, sind sol­che, die ei­nen Wahr­heits­ef­fekt ha­ben, denn für La­can ist Wahr­heit eine Be­zie­hung zum Sinn – sei es, dass der Sinn auf­ge­deckt wird und hier­durch eine Täu­schung be­sei­tigt wird, sei es, dass et­was ge­glaubt wird. In Se­mi­nar 23 heißt es:

Wahr ist nur, was ei­nen Sinn hat.“14

Die Identifizierung mit dem einzelnen Zug

Im Iden­ti­fi­zie­rungs-Se­mi­nar (Se­mi­nar 9 von 1961/62) ent­wi­ckelt La­can den Be­griff des ein­zel­nen Zugs (trait un­aire). Der ein­zel­ne Zug bil­det die Grund­la­ge des Ichi­de­als.

Das, was wir an der Gren­ze der kar­te­si­schen Er­fah­rung vom ver­schwin­den­den Sub­jekt fin­den, ist die Not­wen­dig­keit die­ses Ga­ran­ten, des Zugs (trait) von ein­fachs­ter Struk­tur, des ein­zi­gen Zugs (trait uni­que), wie ich zu be­haup­ten wage, ab­so­lut ent­per­so­na­li­siert, nicht nur von je­dem sub­jek­ti­ven In­halt, son­dern so­gar von je­der Va­ria­ti­on, die über die­sen ein­zi­gen Zug hin­aus­geht, die­ses Zugs, der von da­her Ei­ner ist, dass er der ein­zi­ge Zug ist.

Die Fun­die­rung des Ein, die die­ser Zug kon­sti­tu­iert, wird von nir­gend­wo an­ders her ge­nom­men als von sei­ner Ein­zig­keit. Man kann von ihm nichts an­de­res sa­gen au­ßer, dass er das ist, was alle Si­gni­fi­kan­ten ge­mein­sam ha­ben, näm­lich vor al­lem als Zug kon­sti­tu­iert zu sein, die­sen Zug als Stüt­ze zu ha­ben.

Wer­den wir im Um­kreis hier­von dem Kon­kre­ten un­se­rer Er­fah­rung be­geg­nen kön­nen?

Ich mei­ne das, was Sie be­reits auf­tau­chen se­hen, näm­lich die Er­set­zung – in ei­ner Funk­ti­on, die dem phi­lo­so­phi­schen Den­ken der­art viel Scha­den zu­ge­fügt hat, näm­lich die­se fast not­wen­di­ger­wei­se idea­lis­ti­sche Nei­gung, die in der klas­si­schen Tra­di­ti­on die ge­sam­te Ar­ti­ku­la­ti­on des Sub­jekts hat –, es durch die Funk­ti­on der Idea­li­sie­rung zu er­set­zen, in­so­fern auf ihr die struk­tu­ra­le Not­wen­dig­keit be­ruht, die die­sel­be ist wie die, die ich vor Ih­nen be­reits in Form des Ichi­de­als (idéal du moi) ar­ti­ku­liert habe, in­so­fern von hier aus­ge­hend, näm­lich von die­sem kei­nes­wegs my­thi­schen, son­dern voll­kom­men kon­kre­ten Punkt der an­fäng­li­chen Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts mit dem ra­di­ka­len Si­gni­fi­kan­ten – nicht des Plo­tin­schen Ei­nen, son­dern ge­nau des ein­zel­nen Zugs –, in­so­fern von hier aus die ge­sam­te Auf­fas­sung des Sub­jekts als ‚nicht wis­send‘ auf stren­ge Wei­se ent­fal­tet wer­den kann.“15

Den ein­zi­gen Zug (trait uni­que) fin­det man an der Gren­ze der kar­te­si­schen Er­fah­rung, an der Gren­ze des „Ich den­ke, also bin ich“.

Der ein­zi­ge Zug liegt al­len Si­gni­fi­kan­ten zu­grun­de. Er hat kei­nen In­halt, und von ihm gibt es kei­ne Va­ria­ti­on. Er bil­det die Grund­la­ge des Ein.

Wo be­geg­net man dem ein­zi­gen Zug in der kon­kre­ten Er­fah­rung der Psy­cho­ana­ly­se? Bei ei­nem Er­set­zungs­vor­gang, näm­lich dort, wo das Sub­jekt durch die Idea­li­sie­rung er­setzt wird, also beim Ichi­de­al (idéal du moi). Beim Ichi­de­al geht es um die an­fäng­li­che Iden­ti­fi­zie­rung des Sub­jekts mit ei­nem grund­le­gen­den Si­gni­fi­kan­ten. Von hier aus kann die Auf­fas­sung des Sub­jekts als „nicht wis­send“ ent­wi­ckelt wer­den; das Ichi­de­al ist die Quel­le der Ver­drän­gung; durch das Ichi­de­al ent­steht das Sub­jekt als ei­nes, das ein Un­be­wuss­tes hat, ent­steht also das Sub­jekt im en­ge­ren, La­can­schen Sin­ne. Das Ichi­de­al steht in Be­zie­hung zum Ein, nicht im Sin­ne des Ei­nen von Plo­tin, also nicht im Sin­ne der To­ta­li­tät oder Ganz­heit, son­dern im Sin­ne des ab­zähl­bar je ei­nen, des ein­zel­nen Zugs.

Der ein­zi­ge Zug wird hier als „ra­di­ka­ler Si­gni­fi­kant“ be­zeich­net. Er ge­hört dem­nach zur Ord­nung der Si­gni­fi­kan­ten, also des Sym­bo­li­schen, hat dar­in je­doch eine Son­der­stellng: er bil­det ge­wis­ser­ma­ßen ihre Wur­zel. (Die­se Zu­ord­nung wird sich spä­ter ver­än­dern; in dem Auf­satz Litu­ra­terre (1971) ver­or­tet La­can den ein­zi­gen Zug auf der Sei­te des Rea­len, nicht des Sym­bo­li­schen; vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel.)

Spä­ter heißt es in Se­mi­nar 9:

Und dann, wenn man an­nimmt, dass das, was wir hier auf nu­me­ri­sche Art und Wei­se zu ko-no­tie­ren ver­su­chen, et­was ist, in Be­zug wor­auf wir da­durch ope­rie­ren kön­nen, dass wir ihm die­sen kon­ven­tio­nel­len Wert ‚Wur­zel aus mi­nus eins‘ ge­ben, \sqrt {-1} – was heißt das, ‚kon­ven­tio­nell‘?

Ge­nau­so wie wir uns be­müht ha­ben, die Funk­ti­on der Ein­heit als Funk­ti­on der ra­di­ka­len Dif­fe­renz aus­zu­ar­bei­ten, bei der De­ter­mi­na­ti­on die­ses idea­len Zen­trums, das Ichi­de­al heißt, ge­nau­so wer­den wir es an­schlie­ßend, und zwar aus gu­tem Grund, mit dem gleich­set­zen, was wir in un­se­re ganz per­sön­li­che Ko-No­ta­ti­on bis­lang als klein phi ein­ge­führt ha­ben, φ, d.h. die ima­gi­nä­re Funk­ti­on des Phal­lus – wir wer­den uns da­mit be­fas­sen, aus die­ser Ko-No­ta­ti­on \sqrt {-1} all das her­aus­zu­zie­hen, wor­in er uns ope­ra­tiv die­nen kann.“16

Aus­ge­hend vom Co­gi­to – vom „Ich den­ke also bin ich“ – hat­te La­can eine ma­the­ma­ti­sche For­mel ent­wi­ckelt, die zur ima­gi­nä­ren Zahl „Wur­zel aus mi­nus eins“ führ­te, \sqrt {-1}. Er kün­digt an, dass er sie mit klein phi gleich­set­zen wird, mit φ, mit dem ima­gi­nä­ren Phal­lus.

In die­sem Zu­sam­men­hang weist La­can dar­auf hin, dass er die Funk­ti­on der Ein­heit als ra­di­ka­le Dif­fe­renz aus­ge­ar­bei­tet hat, und dass die grund­le­gen­de Dif­fe­renz – der ein­zi­ge Zug – die Funk­ti­on hat, das Ichi­de­al zu de­ter­mi­nie­ren. Der ein­zi­ge Zug de­ter­mi­niert das Ichi­de­al, er fällt also nicht mit ihm zu­sam­men.

Ei­ni­ge Sit­zun­gen dar­auf heißt es:

Be­zo­gen auf die ers­te Tat­sa­che, die Ver­bin­dung des Sub­jekts mit die­sem ein­zelnen Zug (trait un­aire), wer­de ich heu­te – da ich den­ke, dass der Weg hin­rei­chend ar­ti­ku­liert ist – den End­punkt set­zen, in­dem ich Sie dar­an er­in­nere, dass die­se Tat­sa­che, die in un­se­rer Er­fah­rung so wich­tig ist und die von Freud her­aus­ge­stellt wur­de, in Be­zug auf das, was er als Nar­ziss­mus der klei­nen Dif­fe­ren­zen be­zeich­net, dass dies das­selbe ist wie das, was ich die Funk­tion des ein­zel­nen Zugs nen­ne, denn das ist nichts an­de­res als die Tat­sa­che, dass aus­ge­hend von ei­ner klei­nen Dif­fe­renz – und ‚klei­ne Dif­fe­renz‘ heißt nichts an­de­res als die­se ab­so­lu­te Dif­fe­renz, über die ich zu Ih­nen spre­chen, die­se Dif­fe­renz, die von je­dem mög­li­chen Ver­gleich ab­ge­löst ist –, aus­ge­hend von die­ser klei­nen Dif­fe­renz, in­so­fern sie das­sel­be ist wie das gro­ße I, das Ichi­de­al (idéal du moi), kann sich die ge­sam­te nar­ziss­ti­sche Be­stre­bung ak­kom­mo­die­ren: das Sub­jekt, das als Trä­ger die­ses ein­zel­nen Zugs kon­sti­tu­iert ist oder nicht.“17

La­can wech­selt hier von trait uni­que zu trait un­aire, vom „ein­zi­gen Zug“ zum „ein­zel­nen Zug“.

Wor­in be­steht die Ver­bin­dung des Sub­jekts mit dem ein­zel­nen Zug? Der Schlüs­sel ist Freuds Rede vom „Nar­ziss­mus der klei­nen Dif­fe­ren­zen“.18 Das Ichi­de­al, groß I, wird aus­ge­hend von der „klei­nen Dif­fe­renz“ er­rich­tet. Die­se klei­ne Dif­fe­renz ist der ein­zel­ne Zug: eine ab­so­lu­te Dif­fe­renz, die au­ßer­halb je­den Ver­gleichs liegt. Die klei­ne Dif­fe­renz ist das gro­ße I, das Ichi­de­al – der Buch­sta­be I sym­bo­li­siert den trait un­aire im Sin­ne des Ein­zel­strichs. Um die klei­ne Dif­fe­renz her­um re­or­ga­ni­siert sich die ge­sam­te nar­ziss­ti­sche Stre­bung. Man kann dann zwei For­men der Sub­jek­ti­vi­tät un­ter­schei­den: das Sub­jekt ist ent­we­der Trä­ger ei­nes ein­zel­nen Zugs oder nicht. Nur im ers­ten Fall han­delt es sich um ein Sub­jekt in dem Sin­ne, wie La­can den Ter­mi­nus meist ge­braucht: der ein­zel­ne Zug ist die Grund­la­ge des Ichi­de­als, das Ichi­de­al ist die Quel­le des „Nicht­wis­sens“ – der Ver­drän­gung und des Un­be­wuss­ten –, das Sub­jekt , so wie La­can es auf­fasst, ist ein ge­spal­te­nes Sub­jekt, ge­spal­ten zwi­schen dem Ichi­de­al und dem Un­be­wuss­ten.

Wenn das Ichi­de­al der Vor­läu­fer des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ist, ist zu er­war­ten, dass auch der Her­ren­si­gni­fi­kant sich auf die klei­ne Dif­fe­renz stützt, auf den ein­zel­nen Zug.

Zusammen

La­can fragt, sie die (sym­bo­li­sche) Iden­ti­fi­zie­rung funk­tio­niert, sei­ne Ant­wort ist: sie be­ruht auf der Bil­dung von Her­ren­si­gni­fi­kan­ten. Ein Her­ren­si­gni­fi­kant zeich­net sich durch die fol­gen­den bei­den Merk­ma­le aus:
– Er bringt die Ver­wei­sungs­be­we­gung von Si­gni­fi­kant zu Si­gni­fi­kant zu ei­nem Halt und da­mit die be­stän­di­ge Ver­schie­bung der Be­deu­tung.
–  Er ar­re­tiert die Be­deu­tung, hat aber selbst kei­ne Be­deu­tung.
– Er stützt sich auf den ein­zi­gen oder ein­zel­nen Zug, auf die nar­ziss­ti­sche Be­set­zung ei­ner mi­ni­ma­len Dif­fe­renz.

Der Herrensignifikant in den vier Diskursen (Seminare 17 und 18)Vier Diskurse - kreisförmig deutsch - kleiner

In Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70), ent­wi­ckelt La­can eine Theo­rie der vier Dis­kur­se, in der er den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten in vier un­ter­schied­li­chen Funk­tio­nen auf­tre­ten lässt.

In der For­mel für den Dis­kurs des Herrn ist der Her­ren­si­gni­fi­kant am Platz des Agen­ten bzw. des Scheins ver­or­tet (oben links). Der Herr be­en­det die Un­klar­heit der Si­tua­ti­on – die be­stän­di­ge Ver­schie­bung der Be­deu­tung –, in­dem er sich auf Leit­si­gni­fi­kan­ten be­ruft (So­kra­tes hat die­se Struk­tur ent­hüllt), und in­dem er ei­nen Be­fehl gibt, eine Ent­schei­dung trifft, ein Ge­setz ver­hängt.

Im Dis­kurs der Uni­ver­si­tät fin­det man am Platz des Agen­ten das Wis­sen, d.h. die be­stän­di­ge Dif­fe­ren­zie­rung der Si­gni­fi­kan­ten und da­mit die un­auf­hör­li­che Ver­schie­bung von Be­deu­tun­gen. Dem liegt je­doch eine ver­deck­te Wahr­heit zu­grun­de  – der S1 ist am Platz der Wahr­heit (un­ten links). Es gibt un­ein­ge­stan­de­ne Fix­punk­te, die der Wis­sens­dy­na­mik ent­zo­gen sind. Im Fal­le der Uni­ver­si­tät ist dies der Be­fehl „wei­ter­ma­chen!“, „fah­re da­mit fort, das Wis­sen in Um­lauf zu brin­gen“ – die­ser Be­fehl kann nicht re­la­ti­viert wer­den. Wei­te­re Her­ren­si­gni­fi­kan­ten sind Ab­schlüs­se und Ti­tel, sie ver­lei­hen über­haupt erst das Re­de­recht. Und schließ­lich fun­giert im Dis­kurs der Uni­ver­si­tät, wie oben zi­tiert, das Ich als Her­ren­si­gni­fi­kant. Das heißt viel­leicht. So sehr die Theo­ri­en sich un­ter­schei­den, sie ha­ben ge­mein­sam, dass sie auf der Fi­gur des Ichs be­ru­hen, das an sei­ne Um­welt an­ge­passt ist und die­se Um­welt­an­pas­sung stei­gert. Und na­tür­lich be­ruht die Dy­na­mik des Uni­ver­si­täts­wis­sens auf dem Nar­ziss­mus der klei­nen Dif­fe­ren­zen.

In der For­mel für den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers be­setzt der Her­ren­si­gni­fi­kant den Platz der Pro­duk­ti­on (un­ten rechts). Um wel­chen Her­ren­si­gni­fi­kan­ten geht es?

In Se­mi­nar 17 heißt es über die­sen Dis­kurs:

Ich sehe ein­fach nicht, war­um ich vom Na­men-des-Va­ters spre­chen soll­te, denn da, wo er sich plat­ziert, d. h. auf der Ebe­ne, auf der das Wis­sen eine Funk­ti­on der Wahr­heit ist, sind wir, ei­gent­lich ge­sagt, in je­der Wei­se dazu ver­ur­teilt, nicht ein­mal über die­sen Punkt, der für uns noch ver­schwom­men ist, näm­lich der Be­zie­hung des Wis­sens zur Wahr­heit, ir­gend et­was be­kannt­ge­ben zu kön­nen, au­ßer – das soll­ten wir wis­sen – durch ein Halb­sa­gen.“19

Dem­nach ist im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers der Name-des-Va­ters am Platz der Wahr­heit ver­or­tet (un­ten links), dort, wo das Wis­sen sei­nen Platz hat – das Wis­sen, das der Ana­ly­ti­ker durch den Neu­ro­ti­ker hat. Der Name des Va­ters gilt hier als ein Ele­ment des Wis­sens, S2.

Eine Sit­zung spä­ter wird La­can die Zu­ord­nung än­dern und den Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers so be­schrei­ben:

Die wah­re Trieb­fe­der ist fol­gen­de: das Ge­nie­ßen trennt den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, in­so­fern man ihn dem Va­ter zu­schrei­ben möch­te, vom Wis­sen als Wahr­heit.“20

Das Ge­nie­ßen ist hier eine Blo­ckie­rung zwi­schen den bei­den un­te­ren Ter­men, zwi­schen S1 (un­ten rechts) und S2 (un­ten links). S1 ist der Her­ren­si­gni­fi­kant, „in­so­fern man ihn dem Va­ter zu­schrei­ben möch­te“. Jetzt be­greift La­can den Na­men-des-Va­ters  als Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, der im psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs zu pro­du­zie­ren ist.

In Se­mi­nar 18 von 1971, Über ei­nen Dis­kurs, der nicht vom Schein wäre,  sagt er es noch deut­li­cher. Hier heißt es, die Auf­ga­be der Psy­cho­ana­ly­se be­stehe dar­in, den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten des psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kur­ses ein­zu­füh­ren, näm­lich den Na­men-des-Va­ters.21

Mög­li­cher­wei­se sind bei­de Zu­ord­nun­gen ge­meint. Das wür­de hei­ßen, dass der Name-des-Va­ters eine Schlüs­sel­rol­le in dem Wis­sen spielt, das der Ana­ly­ti­ker vom Neu­ro­ti­ker be­kommt, und dass der Name-des-Va­ters zu­gleich et­was ist, was durch eine Psy­cho­ana­ly­se pro­du­ziert wer­den muss.

Im Dis­kurs der Hys­te­ri­ke­rin fin­det man den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten am Platz des An­de­ren (oben rechts). Da­mit ist hier die Au­to­ri­tät ge­meint, an die der Neu­ro­ti­ker glaubt: ein An­de­rer, der mit der un­auf­hör­li­chen Ver­schie­bung der Be­deu­tun­gen Schluss macht, in­dem er das letz­te Wort spricht, der also bei­spiels­wei­se fest­legt, was es heißt, ein Mann oder eine Frau zu sein.

Die Reduzierbarkeit auf den Signifikanten Ein (Seminar 21)

In Se­mi­nar 21, Les non-du­pes er­rent (1973/74), wird der Aus­druck S1 von La­can so er­läu­tert:

Die Iden­ti­fi­zie­rung be­ruht auf ei­ner Ver­ein­heit­li­chung.

Was habe ich frü­her für Sie in den For­meln der vier Dis­kur­se ge­schrie­ben? Ein S1, der sich in ein S2 ein­rammt, auf es zeigt.

Was ist das, ein S1? Das ist, wie der Buch­sta­be an­zeigt, ein Si­gni­fi­kant.

Das Spe­zi­fi­sche ei­nes Si­gni­fi­kan­ten be­steht dar­in – das ist eine un­ab­än­der­li­che Sprach­t­at­sa­che –, dass je­der Si­gni­fi­kant auf die Reich­wei­te des Si­gni­fi­kan­ten Ein re­du­ziert wer­den kann. Und als Si­gni­fi­kant Ein – ich den­ke, dass Sie sich an mei­ne klei­nen Klam­mern von frü­her er­in­nern, S1 und in Klam­mern S2, und dann gab es S1, die sich da­vor­drän­gel­ten usw., um et­was aus­zu­drü­cken, was ich so de­fi­nie­re – um klar­zu­ma­chen, dass der Si­gni­fi­kant das ist, was bei der Kon­sti­tu­ie­rung des Sub­jekts do­mi­niert: ein Si­gni­fi­kant ist das, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten ein Sub­jekt re­prä­sen­tiert.

Also gut, also je­der Buch­sta­be x, wel­cher es auch sein mag, be­deu­tet die­ses Ein als un­be­stimmt. Das ist das, was man bei ei­ner Funk­ti­on – ei­ner Funk­ti­on im ma­the­ma­ti­schen Sin­ne – das Ar­gu­ment nennt.

Von da bin ich aus­ge­gan­gen, um zu Ih­nen über die Iden­ti­fi­zie­rung zu spre­chen.“22

Der Her­ren­si­gni­fi­kant, S1, dient La­can dazu, um über die Iden­ti­fi­zie­rung zu spre­chen.

In S1 be­deu­tet der Buch­sta­be S „Si­gni­fi­kant“; die Zif­fer Eins meint: un­be­stimm­tes Ein.

Die Eins von „S1“ re­prä­sen­tiert das un­be­stimm­te Ein, das „ir­gend­ein“. Je­der Si­gni­fi­kant kann auf „ir­gend­ei­ner“ re­du­ziert wer­den, auf „ir­gend­ein Si­gni­fi­kant“. Der Her­ren­si­gni­fi­kant be­zieht sich dar­auf, dass je­der Si­gni­fi­kant auf das un­be­stimm­te Ein re­du­ziert wer­den kann, auf den in­halts­lo­sen Un­ter­schied zu al­len an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten, mit Freud: auf die klei­ne Dif­fe­renz, die den Kern des Ichi­de­als bil­det.23 „S1“ meint, ein Si­gni­fi­kant, der auf dem un­be­stimm­ten Ein be­ruht.

Das Ein wird hier als Si­gni­fi­kant be­zeich­net, es ge­hört also zur Ord­nung des Sym­bo­li­schen, hat dar­in aber eine Son­der­stel­lung, er ist so et­was wie ein Grund­si­gni­fi­kant, ein Ele­men­tar­si­gni­fi­kant. Das ent­spricht dem Ver­hält­nis von Ichi­de­al und ein­zi­gem Zug im Se­mi­nar über die Iden­ti­fi­zie­rung.

In­wie­fern be­ruht die Iden­ti­fi­zie­rung auf ei­ner Ver­ein­heit­li­chung? Nicht in dem Sin­ne, dass der Her­ren­si­gni­fi­kant alle üb­ri­gen Si­gni­fi­kan­ten un­ter sich sub­su­miert. In Se­mi­nar 9 hat­te es ge­hei­ßen:

Die Iden­ti­fi­zie­rung hat nichts mit Ver­ein­heit­li­chung zu tun.“24

In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 9 hat­te La­can an­ge­merkt, der ein­zel­ne Zug, der bei der Iden­ti­fi­zie­rung über­nom­men wird, sei et­was ganz an­de­res als der Kreis, der ver­sam­melt.25 In Se­mi­nar 17 hat­te er be­tont, dass es bei der Iden­ti­fi­zie­rung nicht um die All-Ein­heit geht, nicht dar­um, die Kom­ple­men­ta­ri­tät der Ge­schlech­ter her­zu­stel­len:

Das ist die ge­ord­ne­te Ver­klei­dung der grund­le­gen­den Tat­sa­che, dass es kei­nen mög­li­chen Platz in ei­ner my­thi­schen Ver­ei­ni­gung gibt, die als se­xu­el­le zwi­schen dem Mann und der Frau de­fi­niert wäre. Eben da ist, dass das, was wir im psy­cho­ana­ly­ti­schen Dis­kurs er­fas­sen, das ver­ei­ni­gen­de Ein, das All-Ein, nicht das ist, wor­um es bei der Iden­ti­fi­zie­rung geht.“26

Der Satz „Die Iden­ti­fi­zie­rung be­ruht auf ei­ner Ver­ein­heit­li­chung“ muss dem­nach so ge­le­sen wer­den: Die Iden­ti­fi­zie­rung be­ruht in­so­fern auf ei­ner Ver­ein­heit­li­chung, als sie ihre Grund­la­ge dar­in hat, dass ein Si­gni­fi­kant zu „ir­gend­ei­nem“ Si­gni­fi­kan­ten wer­den kann, zur ab­so­lu­ten Dif­fe­renz, also dar­in, dass er auf den Si­gni­fi­kan­ten Ein re­du­ziert wer­den kann. Man könn­te auch schrei­ben: „Die Iden­ti­fi­zie­rung be­ruht auf ei­ner Ver­EIN­heit­li­chung.“ Die Iden­ti­fi­zie­rung stützt sich also kei­nes­wegs in­so­fern auf eine Ver­ein­heit­li­chung, als durch sie eine Ganz­heit er­zeugt wür­de, eine To­ta­li­tät.

Die Be­zie­hung des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, S1, zum Wis­sen, S2, hat et­was Ge­walt­sa­mes, wie La­cans Me­ta­pher an­deu­tet: S1 rammt sich in die Si­gni­fi­kan­ten­be­zie­hun­gen ein, in das Wis­sen, in S2. Das Ver­hält­nis des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zum Wis­sen ist nicht har­mo­nisch, der Her­ren­si­gni­fi­kant stif­tet nicht Ruhe und Ord­nung.

Die Be­zie­hung S1 → S2 kann auf ver­schie­de­ne Wei­sen ge­deu­tet wer­den, die Grund­be­deu­tung ist die Ver­drän­gung. Das Ichi­de­al, schreibt Freud, dient zur Ver­drän­gung des Ödi­pus­kom­ple­xes und ver­dankt die­sem Um­schwung sei­ne Ent­ste­hung.27 S1, der Her­ren­si­gni­fi­kant, ist der ver­drän­gen­de Si­gni­fi­kant: das Ichi­de­al, das auf der nar­ziss­tisch be­setz­ten klei­nen Dif­fe­renz be­ruht. S2, das Wis­sen, ist das ver­dräng­te Si­gni­fi­kan­ten­paar und da­mit das Un­be­wuss­te.

An der ein­gangs zi­tier­ten Stel­le be­zieht La­can sich auf eine For­mel, die er in Se­mi­nar 20 vor­ge­stellt hat­te, En­core (1972/73).28 Sie hat fol­gen­de Ge­stalt:

S1(S1(S1(S1 → S2)))

S1 → S2 meint: die Ver­drän­gung be­steht dar­in, dass Si­gni­fi­kan­ten, die die Funk­ti­on S1 ha­ben, sich ver­drän­gend auf Si­gni­fi­kan­ten be­zie­hen, die als S2 fun­gie­ren. S1, der Her­ren­si­gni­fi­kant (das Ichi­de­al) bringt die Be­deu­tungs­ver­wei­sung zu ei­nem Halt; er kann auf den ein­zel­nen Zug re­du­ziert wer­den, auf die nar­ziss­ti­sche Dif­fe­renz, auf das Ein. S2 steht für das un­be­wuss­te Wis­sen, für das Un­be­wuss­te als Wis­sen; hier geht es um die Be­zie­hun­gen der Ver­dich­tung und der Ver­schie­bung, von Me­ta­pher und Me­to­ny­mie, das Un­be­wuss­te kann des­halb auf die Be­zie­hun­gen zwi­schen zwei Si­gni­fi­kan­ten re­du­ziert wer­den.29

Die ver­schach­tel­ten Klam­mern deu­ten an, dass  Iden­ti­fi­zie­run­gen auf­ein­an­der auf­bau­en. Bei­spiels­wei­se kann die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter durch die mit der Leh­re­rin er­setzt wer­den, da­bei ist die ers­te Iden­ti­fi­zie­rung je­doch wei­ter­hin wirk­sam – hin­ter der Iden­ti­fi­zie­rung mit Frau Mül­ler ver­steckt sich die mit Papa. In der For­mel steht das rech­te S1 für die ers­te Iden­ti­fi­zie­rung, das lin­ke S1 für die letz­te. La­can nennt die ver­schach­tel­ten Iden­ti­fi­zie­run­gen es­saim, „Schwarm“, im Sin­ne von „Schwarm der Iden­ti­fi­zie­run­gen“. Es­saim ist laut­gleich mit S un, „S Eins“, also mit S1, wenn man es fran­zö­sisch aus­spricht.30

Mit­hil­fe der Be­zie­hung zwi­schen S1 und S2 lässt sich eine von La­cans Sen­ten­zen deu­ten: „Ein Si­gni­fi­kant ist, was für ei­nen an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten das Sub­jekt re­prä­sen­tiert.“31 Zu die­sem Zweck muss man zu den Sym­bo­len S1 und S2 ein drit­tes hin­zu­fü­gen, das durch­ge­stri­che­ne S, also $, als Sym­bol für das aus­ge­stri­che­ne oder ge­spal­te­ne Sub­jekt. Der Apho­ris­mus kann dann so ge­le­sen wer­den: S1 re­prä­sen­tiert für S2 das $; die Iden­ti­fi­zie­rung in Ge­stalt des Ichi­de­als, die sich auf den Si­gni­fi­kan­ten Ein stützt, re­prä­sen­tiert für das Un­be­wuss­te das aus­ge­stri­che­ne Sub­jekt. An­ders ge­sagt: Das Sub­jekt ist der Ef­fekt ei­ner Be­zie­hung zwi­schen zwei Funk­ti­ons­wei­sen von Si­gni­fi­kan­ten: zwi­schen den ver­drän­gen­den Si­gni­fi­kan­ten S1 (dem Schwarm der Her­ren­si­gni­fi­kan­ten als Ichi­de­al) und den ver­dräng­ten Si­gni­fi­kan­ten S2 (dem un­be­wuss­ten Wis­sen). Das Sub­jekt wird we­der durch das eine noch durch das re­prä­sen­tiert (die For­mel ist ir­re­füh­rend), es ist viel­mehr die Spal­tung zwi­schen die­sen bei­den Funk­ti­ons­wei­sen von Si­gni­fi­kan­ten.

An der ein­gangs zi­tier­ten Stel­le er­läu­tert La­can den Si­gni­fi­kan­ten Ein durch die Be­grif­fe Funk­ti­on und Ar­gu­ment, wie sie in der Ma­the­ma­tik ver­wen­det wer­den. Eine Funk­ti­on ist eine Zu­ord­nungs­vor­schrift zwi­schen zwei Men­gen; durch sie wird je­dem Ele­ment der ei­nen Men­ge ge­nau ein Ele­ment der an­de­ren zu­ge­wie­sen. Bei­spiels­wei­se ord­net die Funk­ti­on f(x) = x2 je­dem Wert x das Qua­drat die­ses Wer­tes zu; der 1 wird die 1 zu­ge­wie­sen und sonst nichts, der 2 die 4, der 3 die 9 usw. Der Aus­druck x wird in ei­ner Funk­ti­on als „Ar­gu­ment“ be­zeich­net. Das x, das Ar­gu­ment, ist ir­gend­ein Ele­ment der ei­nen Men­ge, an­ders ge­sagt: eine Va­ria­ble. In La­cans Ter­mi­no­lo­gie: das x, das Ar­gu­ment, ist das un­be­stimm­te Ein. Der Aus­druck S1 kann dem­nach so ge­le­sen wer­den: „ir­gend­ein Ele­ment ei­ner Men­ge von Si­gni­fi­kan­ten“ im Sin­ne von: ein Si­gni­fi­kant, der sich dar­auf re­du­zie­ren lässt, sich von den an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten zu un­ter­schei­den, auf den auf das pure Un­ter­schie­den­sein re­du­zier­ten Un­ter­schied.

Von dort sei er aus­ge­gan­gen, als er über die Iden­ti­fi­zie­rung sprach, sagt La­can. Da­mit be­zieht er sich auf  Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung (1961/62). Hier hat­te er nicht mit der Ter­mi­no­lo­gie von Funk­ti­on und Ar­gu­ment ope­riert; der Schlüs­sel­be­griff war der trait un­aire, der ein­zi­ge Zug, der Ein­zel­strich – die Iden­ti­fi­zie­rung be­steht in der Über­nah­me ei­nes „ein­zi­gen Zugs“, wie es bei Freud heißt.32 Eine Grund­la­ge für das Funk­tio­nie­ren des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „ein­zi­gen Zug“, heißt es in Se­mi­nar 17, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70).33 Der Si­gni­fi­kant Ein ist der Erbe des „ein­zi­gen Zugs“.

Der ein­zi­ge Zug hat also eine ver­zweig­te Ge­schich­te: aus ihm wird ei­ner­seits, im Auf­satz Litu­ra­terre (1971), der Buch­sta­be und an­de­rer­seits der Si­gni­fi­kant Ein. Buch­sta­be und Si­gni­fi­kant wer­den in Litu­ra­terre scharf un­ter­schie­den: der Buch­sta­be ge­hört zum Rea­len, der Si­gni­fi­kant zum Sym­bo­li­schen.

Drei Formen der Identifizierung (Seminar 22)

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug ist die Schlüs­sel­i­den­ti­fi­zie­rung, sagt La­can in Se­mi­nar 17. Es gibt also meh­re­re For­men der Iden­ti­fi­zie­rung; die mit dem ein­zi­gen Zug ist eine von ih­nen. Wel­che an­de­ren For­men der Iden­ti­fi­zie­rung gibt es und wie un­ter­schei­det sich von ih­nen die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug?

In Se­mi­nar 22, RSI (1974/75), heißt es:

Die Iden­ti­fi­zie­rung, die drei­fa­che Iden­ti­fi­zie­rung, wie er [Freud] sie vor­bringt, ich for­mu­lie­re für Sie die Art und Wei­se, wie sie von mir de­fi­niert wird. Wenn es ei­nen rea­len An­de­ren gibt, ist er nir­gend­wo an­ders als eben im Kno­ten, und in­so­fern gibt es kei­nen An­de­ren des An­de­ren.

Die­ser rea­le An­de­re, wenn Sie sich mit sei­nem Ima­gi­nä­ren iden­ti­fi­zie­ren, dann ha­ben Sie die Iden­ti­fi­zie­rung des Hys­te­ri­kers mit dem Be­geh­ren des An­de­ren, die­je­ni­ge, die sich hier an die­sem zen­tra­len Punkt er­eig­net.

Iden­ti­fi­zie­ren Sie sich mit dem Sym­bo­li­schen des rea­len An­de­ren, dann ha­ben Sie die­se Iden­ti­fi­zie­rung, die ich als die mit dem ein­zi­gen Zug*, mit dem trait un­aire, spe­zi­fi­ziert habe.

Iden­ti­fi­zie­ren Sie sich mit dem Rea­len des rea­len An­de­ren, dann er­hal­ten Sie das, wor­auf ich mit dem Na­men-des-Va­ters ver­wie­sen habe, und da be­zeich­net Freud das, was die Iden­ti­fi­zie­rung mit der Lie­be zu tun hat.“34

Ge­mein­sam ist den drei For­men der Iden­ti­fi­zie­rung, dass sie sich, wie La­can sagt, auf den „rea­len An­de­ren“ be­zie­hen. Wer ist der „rea­le An­de­re“? Ich habe die Ver­wen­dung des Aus­drucks für die Se­mi­na­re 16 bis ein­schließ­lich 23 über­prüft, die Rede vom „rea­len An­de­ren“ fin­det man au­ßer an der zi­tier­ten Stel­le nur noch ein­mal. In Se­mi­nar 23 heißt es:

Der An­de­re des rea­len, d.h. un­mög­li­chen An­de­ren, das ist die Idee, die wir vom Kunst­werk ha­ben, in­so­fern es ein Tun ist, das uns ent­geht, d.h. das bei wei­tem das Ge­nie­ßen über­steigt, das wir da­von ha­ben kön­nen.“35

Der rea­le An­de­re ist der un­mög­li­che An­de­re. Man darf ver­mu­ten, dass in Se­mi­nar 22 das­sel­be ge­meint ist: der rea­le An­de­re ist der An­de­re, in­so­fern er uns letzt­lich un­zu­gäng­lich ist, in­so­fern er we­der sym­bo­li­siert noch ima­gi­niert wer­den kann.

Der rea­le An­de­re, sagt La­can, ist nur im Kno­ten. In Se­mi­nar 21 hat­te es, nach ei­nem Hin­weis auf Freuds Un­ter­schei­dung von Iden­ti­fi­zie­rungs­ar­ten, ge­hei­ßen:

So dar­ge­stellt, ist das nur ein Kno­ten von Rät­seln, ich möch­te sa­gen: ein wei­te­rer Grund, um zu ar­bei­ten, d.h. um zu ver­su­chen, dem eine Form zu ge­ben, die mit ei­nem stren­ge­ren Al­go­rith­mus aus­ge­stat­tet ist. Die­ser Al­go­rith­mus ist ge­nau das, was ich mit der Drei selbst zu lie­fern ver­su­che, in­so­fern die­se Drei als sol­che ei­nen Kno­ten bil­det.“36

Die Be­zie­hung zum rea­len An­de­ren kann nur da­durch prä­zi­siert wer­den, dass man sich auf die Kno­ten­theo­rie be­zieht; die Drei­zahl der Iden­ti­fi­zie­run­gen, die man bei Freud fin­det, ist von der Drei­glied­rig­keit der bor­ro­mäi­schen Ver­schlin­gung her theo­re­tisch zu re­kon­stru­ie­ren. Ei­nen Zu­gang zum rea­len An­de­ren gibt es auf dem Weg über das Ima­gi­nä­re, über das Sym­bo­li­sche und über das Rea­le. „Es gibt kei­nen An­de­ren des An­dern“ be­deu­tet dann, eine an­de­re Be­zie­hung zum An­de­ren als die über das Ima­gi­nä­re, das Sym­bo­li­sche oder das Rea­le ist un­mög­lich; die­se Zu­gän­ge ver­feh­len aber den An­de­ren.

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem rea­len An­de­ren kann, wie es an der zi­tier­ten Stel­le aus Se­mi­nar 22 heißt, drei For­men an­neh­men, die Iden­ti­fi­zie­rung kann mit dem Ima­gi­nä­ren des rea­len An­de­ren er­fol­gen, mit sei­nem Sym­bo­li­schen und mit sei­nem Rea­len.

La­can be­zieht sich hier auf Freuds Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1921). Im sieb­ten Ab­schnitt, „Die Iden­ti­fi­zie­rung“, un­ter­schei­det Freud drei For­men der Iden­ti­fi­zie­rung:
– Eine Form der Iden­ti­fi­zie­rung be­steht dar­in, dass das Be­geh­ren ei­nes an­de­ren ko­piert wird – ei­nes an­de­ren, der kein Lie­bes­ob­jekt ist.
– Eine wei­te­re Form der Iden­ti­fi­zie­rung ist die neu­ro­ti­sche Iden­ti­fi­zie­rung im Rah­men des Ödi­pus­kom­ple­xes, sie tritt an die Stel­le der Ob­jekt­lie­be, und sie voll­zieht sich da­durch, dass ein Sym­ptom des Lie­bes­ob­jekts imi­tiert wird.
– Schließ­lich gibt es die präö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem idea­li­sier­ten und zum Vor­bild ge­nom­me­nen Va­ter.37

Hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung

Die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung be­steht dar­in, dass ich mich mit dem Be­geh­ren ei­nes an­de­ren iden­ti­fi­zie­re – ich fin­de mein Be­geh­ren da­durch, dass ich das Be­geh­ren ei­nes an­de­ren imi­tie­re.

Freud er­läu­tert die­sen Typ der Iden­ti­fi­zie­rung so: In ei­nem Pen­sio­nat be­kommt ein Mäd­chen ei­nen Brief ih­res ge­heim Ge­lieb­ten, das Schrei­ben er­regt ihre Ei­fer­sucht, auf die­se Ei­fer­sucht re­agiert sie mit ei­nem hys­te­ri­schen An­fall. An­de­re Mäd­chen ko­pie­ren den An­fall, und da­mit be­kun­den sie, dass sie sich eben­falls ein ge­hei­mes Lie­bes­ver­hält­nis wün­schen. Für die­sen Iden­ti­fi­zie­rungs­typ ist cha­rak­te­ris­tisch, sagt Freud, dass die Brief­emp­fän­ge­rin für die an­de­ren Mäd­chen kein Lie­bes­ob­jekt ist. Sie iden­ti­fi­zie­ren sich mit ihr auch nicht auf­grund ei­nes Mit­ge­fühls, viel­mehr ent­steht das Mit­ge­fühl durch die Iden­ti­fi­zie­rung.38

Die iden­ti­fi­zie­ren­de Spie­gel­be­zie­hung zum Be­geh­ren ei­nes An­de­ren ist, in La­cans Sicht, kei­nes­wegs eine Pro­jek­ti­on; die Mäd­chen schrei­ben der Brief­emp­fän­ge­rin nicht etwa ein Be­geh­ren zu, das sie selbst be­reits ha­ben. Die Be­zie­hung ver­läuft um­ge­kehrt: die Mäd­chen über­neh­men das Be­geh­ren ih­res Spie­gel­bil­des und ver­wan­deln sich auf die­se Wei­se in be­geh­ren­de Sub­jek­te.

Die hys­te­ri­sche Form der Iden­ti­fi­zie­rung ist, wie La­can in der zi­tier­ten Pas­sa­ge sagt, eine Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Ima­gi­nä­ren des rea­len An­de­ren. Der Me­cha­nis­mus die­ser Iden­ti­fi­zie­rungs­art hat ima­gi­nä­ren Cha­rak­ter, an­ders ge­sagt, die Mäd­chen des Pen­sio­nats ver­wen­den die Brief­emp­fän­ge­rin als ihr Spie­gel­bild. Freud be­schreibt die­sen Vor­gang so:

Der Me­cha­nis­mus ist der der Iden­ti­fi­zie­rung auf Grund des sich in die­sel­be Lage Ver­set­zen­kön­nens und Ver­set­zen­wol­lens.“39

Die­se Be­stim­mung ist zu schwach. Für jede der drei Iden­ti­fi­zie­rungs­for­men muss man sich in die Lage des An­de­ren ver­set­zen kön­nen. Wor­in be­steht der Un­ter­schied der hys­te­ri­schen Iden­ti­fi­zie­rung?

Borromäischer Knoten mit vier Überschneidungsbereichen KopieDas Be­geh­ren des An­de­ren, sagt La­can an der zi­tier­ten Stel­le aus Se­mi­nar 22, er­eig­net sich „an die­sem zen­tra­len Punkt“. Er zeigt da­bei auf ein Dia­gramm der bor­ro­mäi­schen Rin­ge (sie­he Ab­bil­dung rechts) und dar­in auf das a im Zen­trum des Sche­mas. Die hys­te­ri­sche Form der Iden­ti­fi­zie­rung, so hat­te er in Se­mi­nar 9 aus­ge­führt, stützt sich auf das Phan­tas­ma und da­mit auf das Ob­jekt a.40 In ei­ner spä­te­ren Sit­zung von Se­mi­nar 22 heißt es:

Und wo habe ich für Sie mar­kiert, dass das Be­geh­ren be­reits ver­or­tet ist, das Be­geh­ren, das eben­falls eine Mög­lich­keit der Iden­ti­fi­zie­rung ist? Das ist hier [La­can zeigt auf ein Dia­gramm der bor­ro­mäi­schen Rin­ge], näm­lich da, wo ich für Sie den Platz des Ob­jekts a lo­ka­li­siert habe.“41

Die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung hat in­so­fern ima­gi­nä­ren Cha­rak­ter, als sie im Phan­tas­ma ihre Grund­la­ge hat.

Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­nem ein­zi­gen Zug

Der zwei­te Typ der Iden­ti­fi­zie­rung in La­cans Lis­te ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Sym­bo­li­schen des rea­len An­de­ren. Ihr ent­spricht bei Freud (im Iden­ti­fi­zie­rungs­ka­pi­tel von Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se) die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Lie­bes- und Hass­ob­jekt im Rah­men des Ödi­pus­kom­ple­xes. Freud zu­fol­ge ist die­se Form der Iden­ti­fi­zie­rung da­durch ge­kenn­zeich­net, dass ein Sym­ptom des ge­lieb­ten Ob­jekts oder des Ri­va­len über­nom­men wird, zum Bei­spiel ein quä­len­der Hus­ten. Da­nach heißt es bei Freud:

Es muß uns auch auf­fal­len, dass bei­de Male [beim ge­lieb­ten und beim un­ge­lieb­ten Ob­jekt] die Iden­ti­fi­zie­rung eine par­ti­el­le, höchst be­schränk­te ist, nur ei­nen ein­zi­gen Zug von der Ob­jekt­per­son über­nimmt.“42

Aus­ge­hend von die­ser Be­mer­kung hat­te La­can in Se­mi­nar 9 eine Theo­rie des „ein­zi­gen Zugs“ aus­ge­ar­bei­tet. Der ein­zi­ge Zug wird dort von ihm als ab­so­lu­te Dif­fe­renz be­stimmt, d.h. als eine Dif­fe­renz, die auf das na­he­zu in­halts­lo­se pure Ver­schie­den­sein re­du­ziert ist, an­knüp­fend an Freuds Theo­rem vom „Nar­ziss­mus der klei­nen Dif­fe­ren­zen“ (vgl. die­sen Blog­ar­ti­kel).

Durch die Über­nah­me ei­nes „ein­zi­gen Zugs“ – durch die nar­ziss­ti­sche Be­set­zung ei­ner klei­nen Dif­fe­renz – ent­steht, La­can zu­fol­ge, das Ichi­de­al.43 Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „ein­zi­gen Zug“ hat zum Er­geb­nis, dass sich das Sub­jekt un­heil­bar ge­spal­ten fin­det, zwi­schen sei­nem Be­geh­ren und sei­nem Ide­al.44

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug hat das Ichi­de­al zur Fol­ge, sie ent­spricht dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, der sich auf den Si­gni­fi­kan­ten Ein re­du­zie­ren lässt.

Im Über­blick über die drei Iden­ti­fi­zie­rungs­for­men in Se­mi­nar 22 sagt La­can, die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug sei eine Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Sym­bo­li­schen des rea­len An­de­ren. In­wie­fern be­zieht sie sich auf das Sym­bo­li­sche? In­so­fern, als bei die­ser  Iden­ti­fi­zie­rungs­form letzt­lich um den Si­gni­fi­kan­ten Ein geht, um die pure Dif­fe­renz als Grund­la­ge des Sym­bo­li­schen.

Freud hat­te die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung von der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug da­durch un­ter­schie­den, dass im ers­ten Fall die Ob­jekt­be­zie­hung – Lie­be oder Hass – kei­ne Rol­le spielt, wo­hin­ge­gen die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug sich als Um­wand­lung ei­ner Ob­jekt­be­set­zung voll­zieht.

An­ders als die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung geht die sym­bo­li­sche Form der Iden­ti­fi­zie­rung mit Ver­drän­gung ein­her, mit der Ver­drän­gung der Lie­bes- und Hass­be­zie­hun­gen zu den El­tern. Eben das meint die Be­zie­hung zwi­schen S1 und S2:  die Ide­al­bil­dung durch Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug (S1) führt zur Ver­drän­gung, d.h. zur Ent­ste­hung des un­be­wuss­ten Wis­sens (S2).

Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Na­men-des-Va­ters

In La­cans Lis­te der Iden­ti­fi­zie­rungs­ar­ten in Se­mi­nar 22 ist die drit­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung die­je­ni­ge, auf die er sich mit dem Be­griff „Name-des-Va­ters“ be­zieht. In Freuds Dar­stel­lung der drei Iden­ti­fi­zie­rungs­for­men in Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se ist dies die vor­ö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem idea­li­sier­ten Va­ter.

Die­se Form der Iden­ti­fi­zie­rung, sagt La­can, be­zieht sich auf das Rea­le des rea­len An­de­ren. Ich ver­mu­te, dass er da­mit auf die fol­gen­de Be­mer­kung von Freud an­spielt:

Sie [die vor­ö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter] be­nimmt sich wie ein Ab­kömm­ling der ers­ten ora­len Pha­se der Lie­bes­or­ga­ni­sa­ti­on, in wel­cher man sich das be­gehr­te und ge­schätz­te Ob­jekt durch Es­sen ein­ver­leib­te und es da­bei als sol­ches ver­nich­te­te. Der Kan­ni­ba­le bleibt be­kannt­lich auf die­sem Stand­punkt ste­hen; er hat sei­ne Fein­de zum Fres­sen lieb, und er frißt die nicht, die er nicht ir­gend­wie lieb­ha­ben kann.“45

Falls La­can tat­säch­lich in­di­rekt auf die­se Pas­sa­ge ver­weist, be­steht das Rea­le der mit dem Na­men-des-Va­ters ver­bun­de­nen Iden­ti­fi­zie­rung dar­in, dass sie auf ei­ner „Ein­ver­lei­bung“ be­ruht; in To­tem und Tabu ist dies das Ver­zeh­ren des er­mor­de­ten Va­ters durch die Brü­der­hor­de.46 In Se­mi­nar 9 hat­te es zu Freuds Kon­zept der präö­di­pa­len Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter ge­hei­ßen, hier gehe es um „Ein­ver­lei­bung“, und „Ein­ver­lei­bung“ be­sa­ge, dass sich hier et­was auf der Ebe­ne des Kör­pers her­stellt.47 Was stellt sich auf der Ebe­ne des Kör­pers her? Das ist mir nicht klar.

Die Iden­ti­fi­zie­rung, die sich auf den Na­men-des-Va­ters be­zieht, hat mit der Lie­be zu tun, sagt La­can in sei­nem Über­blick über die drei Iden­ti­fi­zie­rungs­for­men im RSI-Se­mi­nar. Be­reits in Se­mi­nar 8 hat­te es über die präö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter ge­hei­ßen, dass sie sich auf den Va­ter in­so­fern be­zieht, als im Lie­bes­an­spruch et­was von ihm ge­for­dert wird48; in Se­mi­nar 17 hat­te La­can er­klärt, der Va­ter sei ur­sprüng­lich der­je­ni­ge, der die Lie­be ver­dient und der selbst Lie­be ist49. In Se­mi­nar 22 heißt es, be­zo­gen auf die bor­ro­mäi­sche Ver­schlin­gung aus vier Rin­gen, Freud habe oben­an ge­setzt,

dass es Lie­be, möch­te ich sa­gen, nur von dem her gibt, was vom Na­men-des-Va­ters zwi­schen den drei­en eine Ver­schlin­gung her­stellt, aus drei­en eine Ver­schlin­gung bil­det“50.

Dem­nach ist die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug, die zur Her­aus­bil­dung des Ichi­de­als führt, kei­nes­wegs iden­tisch mit der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Na­men-des-Va­ters. In Se­mi­nar 9 hat­te es hin­ge­gen ge­hei­ßen, der Be­griff des Va­ters lie­fe­re für den Pols­ter­stich – also für den spä­te­ren Her­ren­si­gni­fi­kan­ten – das am deut­lichs­ten wahr­nehm­ba­re Ele­ment; ich habe das oben re­fe­riert.51

Man kann die drei For­men der Iden­ti­fi­zie­rung so un­ter­schei­den:

– Die vor­ö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter be­zieht sich auf den Va­ter als Adres­sa­ten des Lie­bes­an­spruchs, also der For­de­rung, ge­liebt zu wer­den; sie voll­zieht sich durch „Ein­ver­lei­bung“, durch eine Ver­än­de­rung auf der Ebe­ne des Kör­pers.
– Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zi­gen Zug dient der Un­ter­drü­ckung ei­ner Lie­bes- und Hass­be­zie­hung. Sie be­steht in der Über­nah­me ei­nes Merk­mals, mit dem eine mi­ni­ma­le Dif­fe­renz nar­ziss­tisch be­setzt wird.
– Die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung be­steht dar­in, dass das Be­geh­ren ei­nes An­de­ren über­nom­men wird, sie be­zieht sich auf das Ob­jekt a; durch die­sen Typ der Iden­ti­fi­zie­rung wird das Sub­jekt zu ei­nem be­geh­ren­den Sub­jekt.

 

Muss man also zwei For­men der Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Na­men-des-Va­ters un­ter­schei­den? Die eine wäre die pri­mä­re Iden­ti­fi­zie­rung, bei der es um Lie­be geht, bei der an­de­ren gin­ge es um die ödi­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem ein­zel­nen Zug, bei der der Name-des-Va­ters als Her­ren­si­gni­fi­kant fun­giert und die Ver­drän­gung in Gang setzt? Spielt hier­auf der Plu­ral im Ti­tel des ab­ge­bro­che­nen Se­mi­nars 11 von 1963 an, „Na­men des Va­ters“? Er­füllt der Name des Va­ters also zwei un­ter­schied­li­che Funk­tio­nen, ei­ner­seits als Si­gni­fi­kant auf der Ebe­ne des Ver­dräng­ten, des un­be­wuss­ten Wis­sens, die ver­dräng­te Be­zie­hung zur Va­ter­lie­be, an­de­rer­seits als (ver­drän­gen­der) Her­ren­si­gni­fi­kant?

Zusammenfassung

Der Be­griff des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten (si­gni­fi­ant maît­re) wird von La­can in Se­mi­nar 17 ein­ge­führt, Die Kehr­sei­te der Psy­cho­ana­ly­se (1969/70).

Beim Her­ren­si­gni­fi­kan­ten geht es um die Iden­ti­fi­zie­rung, ge­nau­er: um eine be­stimm­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung, um die­je­ni­ge Iden­ti­fi­zie­rung, de­ren Re­sul­tat La­can in frü­he­ren Se­mi­na­ren als Ichi­de­al be­zeich­net hat­te (idéal du moi).

Das Sym­bol für den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ist S1. Der Buch­sta­be S steht für „Si­gni­fi­kant“, die Zif­fer 1 für das un­be­stimm­te Ein. S1 spielt dar­auf an, dass je­der Si­gni­fi­kant dar­auf re­du­ziert wer­den kann, „ir­gend­ein“ Si­gni­fi­kant zu sein, d.h. ein Si­gni­fi­kant, des­sen ein­zi­ges Merk­mal dar­in be­steht, dass er sich von al­len an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten un­ter­schei­det.

Mit der Eins im Sym­bol S1 ist also nicht ge­meint, dass der Her­ren­si­gni­fi­kant alle an­de­ren Si­gni­fi­kan­ten un­ter sich sub­su­miert. An­ders ge­sagt: Beim Her­ren­si­gni­fi­kan­ten geht es nicht um das ver­ei­ni­gen­de Ein, nicht um das All-Ein, nicht um die Bil­dung ei­ner To­ta­li­tät oder Ganz­heit.

Eine frü­he­re Ver­si­on des Be­griffs des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten ist, wie La­can in Se­mi­nar 17 aus­drück­lich fest­hält, der Be­griff point de ca­pi­ton, „Pols­ter­stich“ oder „Stepp­punkt“, den er im Psy­cho­se-Se­mi­nar ein­ge­führt hat­te (Se­mi­nar 3 von 1955/56). Bei der Be­stim­mung ei­ner Beeu­tung wird man von Si­gni­fi­kant zu Si­gni­fi­kant ge­schickt, da­mit ver­schiebt sich die Be­deu­tung be­stän­dig und da­mit ent­steht das Pro­blem, wie über­haupt halb­wegs sta­bi­ler Sinn ent­steht, wie also die Ver­wei­sung zu ei­nem Halt kommt. Eben die­se ist die Leis­tung be­stimm­ter Si­gni­fi­kan­ten. Ei­nen Si­gni­fi­kan­ten die­ses Typs be­zeich­net La­can als „Pols­ter­stich“, da er ge­wis­ser­ma­ßen den Si­gni­fi­kan­ten mit dem Si­gni­fi­kat ver­näht. Be­zieht man sich auf die Ver­ket­tung von Wör­tern zu ei­nem Satz, ist es das Satz­en­de, das da­für sorgt, dass die be­stän­di­ge Ver­schie­bung der Be­deu­tung durch je­des hin­zu­ge­füg­te Wort zu ei­nem Halt kommt; also fun­giert das Satz­en­de – ge­wis­ser­ma­ßen der Punkt – als Pols­ter­stich. In grö­ße­ren sprach­li­chen Ein­hei­ten wird die Sta­bi­li­sie­rung der Be­deu­tung durch Leit­si­gni­fi­kan­ten rea­li­siert. La­cans Bei­spiel im Psy­cho­se-Se­mi­nar ist der Aus­druck „Got­tes­furcht“, so wie er in ei­nem Dra­ma von Ra­ci­ne ver­wen­det wird. Dort bringt die­ses Wort das Cha­os der Ge­füh­le – der wi­der­strei­ten­den Si­gni­fi­kan­ten – in eine Ord­nung; es sta­bi­li­siert also die Be­deu­tung und er­füllt da­mit die Funk­ti­on des Pols­ter­stichs. Auf der Pols­ter­stich­funk­ti­on be­ruht auch die Son­der­stel­lung des Ödi­pus­kom­ple­xes, heißt es im Psy­cho­se-Se­mi­nar; der Be­griff des Va­ters lie­fe­re für den Pols­ter­stich, wel­cher Si­gni­fi­kant und Si­gni­fi­kat ver­knüpft, das am deut­lichs­ten wahr­nehm­ba­re Ele­ment.

Je­re­my Ben­t­ham be­zeich­net Si­gni­fi­kan­ten in be­deu­tungs­sta­bi­li­sie­ren­der Funk­ti­on als „fik­tio­na­le En­ti­tä­ten“. In Se­mi­nar 7 hat­te La­can sich zu­stim­mend hier­auf be­zo­gen (Die Ethik der Psy­cho­ana­ly­se, 1959/60). Auch die­se „Fik­tio­nen“ kön­nen als Vor­läu­fer des Kon­zepts des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten an­ge­se­hen wer­den.

In Se­mi­nar 9 führt La­can aus, dass das Ichi­de­al auf dem ein­zel­nen Zug be­ruht, auf dem trait un­aire (Die Iden­ti­fi­zie­rung, 1961/62). Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Lie­bes- und Hass­ob­jekt im Ödi­pus­kom­plex ist, wie Freud sagt, die Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­nem „ein­zi­gen Zug“. Für La­can ist die letz­te Grund­la­ge des Er­set­zungs­vor­gangs, durch den das Ichi­de­al sich bil­det, die Iden­ti­fi­zie­rung mit ei­nem „ein­zel­nen Zug“. Er ver­steht dar­un­ter eine ab­so­lu­te Dif­fe­renz, eine Dif­fe­renz, die je­den kon­kre­ten In­halts be­raubt ist, und ver­ar­bei­tet da­mit Freuds Rede vom „Nar­ziss­mus der klei­nen Dif­fe­ren­zen“. Der Be­zug auf die klei­ne Dif­fe­renz, auf den ein­zel­nen Zug, hat zur Fol­ge, dass sich die ge­sam­te nar­ziss­ti­sche Stre­bung re­or­ga­ni­siert.

Die Her­ren­si­gni­fi­kan­ten, S1, bil­den ei­nen es­saim, wie La­can mit ei­nem un­über­setz­ba­ren Wort­spiel sagt, ei­nen Schwarm; S1 und es­saim sind im Fran­zö­si­schen laut­gleich (Se­mi­nar 20 von 1972/73, En­core). Das Ichi­de­al be­steht aus ei­ner Se­rie von Iden­ti­fi­zie­run­gen.

Der Her­ren­si­gni­fi­kant, S1, be­zieht sich auf das Wis­sen, S2, was man so schrei­ben kann: S1 → S2. Die­se Be­zie­hung hat et­was Ge­walt­sa­mes: durch die Ein­set­zung des Ichi­de­als bzw. des Her­ren­si­gni­fi­kan­ten kommt es dazu, dass das Sub­jekt „nicht wis­send“ ist, dass es ein Un­be­wuss­tes hat. Auch hier­für stützt La­can sich auf Freud, dem­zu­fol­ge das Ichi­de­al die Funk­ti­on hat, den Ödi­pus­kom­plex zu ver­drän­gen. Der Her­ren­si­gni­fi­kant, S1, ist das Ver­drän­gen­de, das un­be­wuss­te Wis­sen, S2, ist das Ver­dräng­te.

Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „ein­zel­nen Zug“ ist eine von drei Ar­ten der Iden­ti­fi­zie­rung näm­lich die sym­bo­li­sche Form der Iden­ti­fi­zie­rung (Se­mi­nar 22 von 1974/75, RSI). La­can re­kon­stru­iert hier Freuds Tria­de der Iden­ti­fi­zie­rungs­ar­ten in Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se. Die Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „ein­zi­gen Zug“ ist in­so­fern sym­bo­lisch, als sie sich auf die Grund­la­ge des Sym­bo­li­schen stützt, auf die Dif­fe­renz. Sie ist zu un­ter­schei­den von der präö­di­pa­len Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter als Adres­sa­ten des Lie­bes­an­spruchs, also des An­spruchs, ge­liebt zu wer­den; La­can nennt dies die rea­le Iden­ti­fi­zie­rung. Sie ist aber auch et­was an­de­res als die hys­te­ri­sche Iden­ti­fi­zie­rung, die dar­in be­steht, dass das Be­geh­ren ei­nes an­de­ren ko­piert wird – für La­can ist dies die ima­gi­nä­re Iden­ti­fi­zie­rung.

In wel­chem Ver­hält­nis steht die präö­di­pa­le Iden­ti­fi­zie­rung mit dem Va­ter (Freuds ers­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung) zur ödi­pa­len Iden­ti­fi­zie­rung mit dem „ein­zi­gen Zug“ (Freuds zwei­te Form der Iden­ti­fi­zie­rung)? Hat der Name des Va­ters zwei un­ter­schied­li­che Funk­tio­nen, zum ei­nen im Zu­sam­men­hang des ur­sprüng­li­chen Lie­bes­an­spruchs (rea­le Iden­ti­fi­zie­rung), zum an­de­ren als Si­gni­fi­kant der Ide­al­bil­dung auf der Grund­la­ge des „ein­zi­gen Zugs“ (sym­bo­li­sche Iden­ti­fi­zie­rung)?

In der Theo­rie der vier Dis­kur­se (Se­mi­nar 17) weist La­can dem Her­ren­si­gni­fi­kan­ten vier Plät­ze zu, vier un­ter­schied­li­che Funk­tio­nen in Ab­hän­gig­keit von der je­wei­li­gen Dis­kurs­art.

– Im Dis­kurs des Herrn ist der Her­ren­si­gni­fi­kant am Platz des Agen­ten (oben links); in Se­mi­nar 18 be­zeich­net La­can die­sen Platz als den des Scheins. Der Herr agiert als der­je­ni­ge, der durch Si­gni­fi­kan­ten den Sinn fi­xiert, sei es durch Be­zug auf Leit­si­gni­fi­kan­ten, sei es, in­dem er das Ende der De­bat­te ver­kün­det.

– Im Dis­kurs der Uni­ver­si­tät fin­det man den Her­ren­si­gni­fi­kan­ten am Platz der ver­bor­ge­nen Wahr­heit (un­ten links). Am Platz des Agen­ten ist hier das Wis­sen, S2, und da­mit die be­stän­di­ge Ver­än­de­rung der Be­deu­tung durch neue Dif­fe­ren­zen. Es gibt je­doch Fix­punk­te, die al­ler­dings ver­deckt sind. Dazu ge­hört der Be­fehl „mach wei­ter so“, fah­re fort mit der Wis­sens­ver­brei­tung; dazu ge­hö­ren Ab­schlüs­se und Ti­tel als Be­din­gun­gen da­für, au­to­ri­siert spre­chen zu kön­nen; dazu ge­hört der My­thos vom idea­len Ich.

– Im Dis­kurs des Ana­ly­ti­kers be­setzt der Her­ren­si­gni­fi­kant den Platz der Pro­duk­ti­on (un­ten rechts). Der ent­schei­den­de Her­ren­si­gni­fi­kant ist hier der Name-des-Va­ters; die psy­cho­ana­ly­ti­sche Kur zielt dar­auf ab, die­sen Her­ren­si­gni­fi­kan­ten zu pro­du­zie­ren.

– Im Dis­kurs des Hys­te­ri­kers ist der Her­ren­si­gni­fi­kant am Platz der Ar­beit bzw. des An­de­ren (oben rechts). Der Neu­ro­ti­ker wen­det sich an den idea­li­sier­ten Herrn, an ei­nen An­de­ren, der das letz­te Wort spricht, das die be­stän­di­ge Ver­schie­bung der Be­deu­tun­gen zu ei­nem Halt bringt.

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Anmerkungen

  1. Zu­erst in der Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970; vgl. Se­mi­nar 17, Ver­si­on Mil­ler, S. 101.
  2. Das Sym­bol S1 hat­te La­can, in ähn­li­cher Funk­ti­on wie ab Se­mi­nar 17, be­reits im vor­an­ge­gan­ge­nen Se­mi­nar ver­wen­det, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren (Se­mi­nar 16 von 1968/69), nicht je­doch den Ter­mi­nus „Her­ren­si­gni­fi­kant“. Auch da­vor hat­te La­can mit den Sym­bo­len S1 und S2 ope­riert – etwa im Se­mi­nar über die vier Grund­be­grif­fe der Psy­cho­ana­ly­se (Se­mi­nar 11 von 1964) –, dort je­doch in an­de­rer Be­deu­tung.
  3. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 21. Ja­nu­ar 1970, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; vgl. Ver­si­on Mil­ler, S. 70 f.– Mil­ler tran­skri­biert „dé­ve­lop­pe“ (ent­wi­ckelt) statt „dé­ro­be“ (ent­zieht).
  4. Die Un­ter­schei­dung zwi­schen dem Ichi­de­al (idéal du moi) und dem Ide­al-Ich (moi idéal) wird in Se­mi­nar 1 ein­ge­führt, in der Sit­zung vom 31. März 1954.
  5. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la; Ver­si­on Mil­ler, S. 219.
  6. Vom point de ca­pi­ton spricht La­can erst­mals in der Sit­zung vom 18. April 1956.
  7. Sit­zung vom 18. April 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 236.
  8. Die For­mu­lie­rung, „dass das Si­gni­fi­kat un­auf­hör­lich un­ter dem Si­gni­fi­kan­ten glei­tet“, fin­det sich in Das Drän­gen des Buch­sta­bens im Un­be­wuss­ten oder die Ver­nunft seit Freud (1957), Schrif­ten II, S. 27.
  9. Vgl. Se­mi­nar 3, Sit­zung vom 6. Juni 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 310–317.
  10. Vgl. Se­mi­nar 3, Sit­zung vom 6. Juni 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 317.
  11. La­can be­zieht sich auf ei­nen Vor­trag, den Jean La­plan­che und Ser­ge Le­c­lai­re 1960 beim sechs­ten Col­lo­quium von Bon­ne­val ge­hal­ten hat­ten: L’inconscient, une étu­de psy­chana­ly­ti­que; er wur­de zu­erst ver­öf­fent­licht in: Les Temps mo­der­nes, 17. Jg. (1961), Nr. 183, S. 81–99. Eine aus­führ­li­chere Ver­sion ent­hält: Jean La­plan­che, Ser­ge Le­claire: L’inconscient, une étu­de psy­chana­ly­ti­que. In: Hen­ri Ey (Hg.): L’Inconscient. VIe Col­lo­que de Bon­ne­val. De­s­clée, De Brou­wer, Pa­ris 1966, S. 95–130. In dem Buch Psy­chana­ly­ser (1968) hat Le­c­lai­re sei­nen Teil wei­ter aus­ge­ar­bei­tet: S. Le­claire: Der psy­cho­ana­ly­ti­sche Pro­zess. Über­setzt von Nor­bert Haas. Wal­ter-Ver­lag, Ol­ten u.a. 1971, Ka­pi­tel V-VII.
  12. Vgl. La­can, Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten, in: Schrif­ten II, S. 165–204, hier: S. 193
  13. Vgl. Se­mi­nar 7, Sit­zung vom 18. No­vem­ber 1959.
  14. Se­mi­nar 23, Sit­zung vom 9. März 1976; Ver­sion Mil­ler, S. 116; Über­set­zung von Max Klei­ner, S. 118.
  15. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 22. No­vem­ber 1961, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  16. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 10. Ja­nu­ar 1962, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  17. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  18. Vgl. S. Freud: Das Un­be­ha­gen in der Kul­tur (1930). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 191–270, hier: S. 242 f.
  19. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 11. März 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 125, mei­ne Über­set­zung.
  20. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 18. März 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 151, mei­ne Über­set­zung.
  21. Vgl. Se­mi­nar 18, Sit­zung vom 16. Juni 1971; Ver­si­on Mil­ler S. 172 f. 
  22. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 11. Juni 1974, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  23. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 100.
  24. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 29. No­vem­ber 1961.
  25. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 21. Fe­bru­ar 1962.
  26. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 20. Mai 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 180, mei­ne Über­set­zung.
  27. Vgl. S. Freud: Das Ich und das Es (1923). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 3. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 273–330, hier: 302.
  28. Vgl. Se­mi­nar 20, Sit­zung vom 26. Juni 1973; Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 156.
  29. Jacques Lacan, Seminar 16 - Version Mille, S. 59Eine ers­te Ver­si­on der For­mel vom Schwarm der Iden­ti­fi­zie­run­gen hat­te La­can in Se­mi­nar 16 vor­ge­stellt, Von ei­nem An­de­ren zum an­de­ren (1968/69). Vgl. die ne­ben­ste­hen­den Ab­bil­dung aus der Sit­zung vom 27. No­vem­ber 1968, Ver­si­on Mil­ler, S. 59.
  30. Vgl. Se­mi­nar 20, Ver­si­on Miller/Haas u.a., S. 156.
  31. Man fin­det das Dik­tum zu­erst in dem Auf­satz Sub­ver­si­on des Sub­jekts und Dia­lek­tik des Be­geh­rens im Freud­schen Un­be­wuss­ten (Vor­trag von 1960, ver­öf­fent­licht 1966) so­wie in Se­mi­nar 9, Die Iden­ti­fi­zie­rung (1961/62).
  32. Vgl. S. Freud: Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se (1920). In: Ders: Stu­di­en­aus­gabe, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 61–134, hier: S. 100.
  33. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 17. Juni 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 218.
  34. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 18. März 1975, Schluss; mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  35. Se­mi­nar 23, Sit­zung vom 13. Ja­nu­ar 1976; Ver­si­on Mil­ler, S. 64, mei­ne Über­set­zung.
  36. Se­mi­nar 21, Sit­zung vom 12. März 1974, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  37. Zu die­ser Zu­ord­nung von La­cans Drei­glie­de­rung zu Freuds Drei­glie­de­rung vgl. La­can, Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 13. De­zem­ber 1961.
  38. Vgl. Freud, Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se, a.a.O., S. 100.
  39. Freud, Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se, a.a.O., S. 100.
  40. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 20. Juni 1962.
  41. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  42. Freud, Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se, a.a.O., S. 100.
  43. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 28. Fe­bru­ar 1962.
  44. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 14. März 1962.
  45. Freud, Mas­sen­psy­cho­lo­gie und Ich-Ana­ly­se, a.a.O., S. 98, Her­vor­he­bung von Freud. Die­sen Ge­dan­ken ar­ti­ku­liert Freud zu­erst in Trau­er und Me­lan­cho­lie (1917).
  46. Vgl. S. Freud: To­tem und Tabu. Ei­ni­ge Über­ein­stim­mun­gen im See­len­le­ben der Wil­den und der Neu­ro­ti­ker (1912–13). In: Ders.: Stu­di­en­aus­ga­be, Bd. 9. Fi­scher Ta­schen­buch Ver­lag, Frank­furt am Main 2000, S. 287–444, hier: S. 426.
  47. Vgl. Se­mi­nar 9, Sit­zung vom 28. März 1962.
  48. Vgl. Se­mi­nar 8, Sit­zung vom 1. Fe­bru­ar 1961; Ver­si­on Miller/Gondek, S. 189.
  49. Vgl. Se­mi­nar 17, Sit­zung vom 18. Fe­bru­ar 1970; Ver­si­on Mil­ler, S. 100, 114 f.
  50. Se­mi­nar 22, Sit­zung vom 15. April 1975, mei­ne Über­set­zung nach Ver­si­on Sta­fer­la.
  51. Vgl. Se­mi­nar 3, Sit­zung vom 6. Juni 1956; Ver­si­on Miller/Turnheim, S. 317.

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